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Lot 1257 Beuys, Joseph
Vier eigenhändige frühe Briefe des Künstlers sowie ein eigenhändiger Brief von Beuys’ Vater. Alle an dieselbe Empfängerin. Deutsche Handschriften auf Papier. 1 Bl. bzw. Doppelbl. 28,5 x 19 cm bzw. 29 x 21 cm. Amsterdam und Düsseldorf, 1952-1956. Dazu vier eigenhändig beschriftete, gelaufene Briefumschläge (diese etwas unsauber aufgerissen).
Zuschlag 3500 €
Alle gerichtet an Jutta Karow, eine enge Freundin von Beuys, die anscheinend erst in Düsseldorf, später in (ihrem Heimatort?) Preetz und dann in Hamburg wohnte. Die vier Beuys-Briefe (23. Mai 1952, 14. Dezember 1953, 18. Mai 1955 und 21. Dezember 1955) dokumentieren eine schwierige Umbruchphase im Leben und Schaffen des “frühen” Beuys. Er fühlt sich krank, Ärzte finden aber nichts, er zieht sich von Arbeit und Personen zurück, weil ihm alles zu viel wird und er sich unsicher ist, wohin sein Weg führen soll. Trotz der anscheinend engen persönlichen Beziehung zu Karow ist sein Ton eher verhalten-distanziert. Er erklärt, warum er sie nicht getroffen hat, nicht treffen will, er nicht weiß, wie er angenommene Aufträge schaffen soll etc.: “… wiederum habe ich sehr stark die Aufgabe gesehen, die wir dort für die nachwachsende Menschheit haben … darum habe ich ja schon immer diese Stadt so sehr geliebt … Freue mich aber sehr auf Dich und grüße Dich ganz furchtbar herzlich Teni” (sein Spitzname im Briefwechel. Schreiben aus Amsterdam, Mai 1952). – “Liebe, liebe Jule ! Wie konntest Du denken, daß ich Dich jemals vergessen könnte? Nur sind bei mir wieder die berühmten schwierigen Fälle zusammengekommen … Die ganze Gewissheit für Dich, dass mich immer Schönes u. Heiliges mit Dir innig verbindet… (Düsseldorf, Dezember 1953). – “Jetzt bist Du aber zu Hause und glaubst, ich hätte Dich vergessen … Ich sitze in grösseren Schwierigkeiten denn je. Bin diesen Winter dauernd ohne gesundheitlich sichtbaren Grund krank gewesen. Die Ärzte konnten nichts finden. Meine Arbeit ist gewaltig ins Stocken geraten, alle … Aufträge liegen unfertig zurück” (Mai 1955). – “Nun habe ich solange auf Dich gewartet und ich nehme nicht an, dass Du gerade in den paar Tagen, da mich dringende Geschäfte von Düsseldorf wegriefen, dagewesen sein solltest … Ich danke Dir für Deine Gedanken an mich im alten Jahr” (Dezember 1955). – Der Vater (Joseph sen.) bedankt sich im Folgejahr bei J. Karow, dass sie sich um Joseph (jun.) gekümmert hat, da auch seine Frau (Josephs Mutter) krank sei und er sich nicht um beide gleichzeitig intensiv kümmern könne. – Papierbedingt etwas gebräunt, selten minimal verwischt, insgesamt gut.