Nosbüsch & Stucke Logo

Lot 186 Pariser Kommune
Sehr umfangreiche Plakatsammlung zur Pariser Commune. Mit 105 Plakaten, 3 handschriftlichen Aushängen und einem Passierschein. Paris, 1869-1871. Ca. 30 x 20 cm bis 89 x 60 cm. Lose in moderner Leinenkassette mit eingelegten Halbleder-Einbanddeckeln um 1900 (Kassette etwas fleckig und lichtrandig, leicht berieben, Einbandeckel berieben, bestoßen und fleckig).
Schätzpreis 12000 €
Die einzigartige Sammlung dokumentiert in eindrucksvoller Weise die Zustände während der Belagerung von Paris vom 1. September 1870 bis zum 28. Januar 1871, den Einmarsch des deutschen Heeres vom 1. bis 3. März 1871 und die Tage der Commune vom 18. März bis 28. Mai 1871. – Insgesamt enthält die Sammlung 23 Plakate, die während der “Commune de Paris” erschienen sind, diese sind von außerordentlicher Seltenheit, da deren Auflagen in der Regel 500 Exemplare nicht überstiegen. Darunter u.a. Aufruf vom 22. März des Comité Central de la Garde Nationale zur Legitimation durch Wahlen am 26. März. – Plakate mit Bekanntmachungen von: Gustave Paul Cluseret (1823-1900), dem Chef der Kriegsverwaltung der Commune (4 Plakate), Jaroslaw Dabrowski, dem Oberbefehlshaber der Steitkräfte der Commune, Ernest Picard (1821-1877), Étienne Vacherot, J. Fontaine, Jules Montel, Les Délégues a l’organisation (E. Raveaud und R. Kahn) (2 Plakate) und Le Comité de Salut public (A. Arnaud, E. Edudes, F. Gambon und G. Ranvier) (5 Plakate), darunter ein Erlass gegen Heckenschützen und einer über die Zerstörung der Grabkapelle Ludwigs XVI., eine Anordnung der Direction des domaines über die Umfunktionierung des Hauses von Thiers und die Beschlagnahme seines Besitzes, sowie 2 Plakate zur Gründung revolutionärer Clubs “Ouverture du club communal l’eglise Saint-Sulpice” und “Ouverture de Club Central de Paris… Eglise St.-Eustache…” – Die Wiedereinführung des Revolutionskalenders wurde nicht konsequent realisiert. Parallel existierte meist noch die tradtionelle Datierung. – Die Sammlung beinhaltet des weiteren u.a.: Drei Plakate von 1869 zur Kandidatur von Henri Rochefort und ihrer Unterstützung durch Louis Blanc, sowie der Ausschreibung einer Obligation der Stadt Paris unterzeichnet vom Präfekten und Stadtplaner Baron Haussmann. – Zwei Plakate beziehen sich auf eine weitere Staatsobligation nach Ausbruch des Krieges gegen Preußen. – Mobilmachungsdekrete und ein Aufruf zu Ruhe und Ordnung vom Polizeipräfekten Keratry. – Proklamation der Republik vom 5. September, unterzeichnet: von Gambetta u.a. – Erklärungen der Bürgermeister verschiedener Arrondissements. – Erlasse des Gouvernement de la Defense Nationale. – Zahlreiche Plakate zu Lebensmittelrationierungen. – Zweisprachiges Edikt der Besatzungsarmee über die Einbringung der Ernte, von Friedrich Franz v. Mecklenburg-Schwerin. – Passierschein der Republique Francaise vom Februar 1871 in Deutsch und Französisch. Ohne Eintragungen. – Über die Aufstellung eines Frauenbataillons der “Amazones de la Seine”. – Aufruf zur Gründung des “Club le la Resistance” im Alcazar vom 11.10. – Sonderdruck eines Kriegsgesangs “Allons Paris” im Kleinformat (21,5 x 13 cm) von Larmier. – Erlasse über die Nationalgarde, ihre weitere Aufstockung, ihre Versorgung und die ihrer Familien (4 Plakate). – Avis über die Schließung der Stadttore. – Erlasse zum drohenden Bombardement. – Erlass des bei der Commune verhassten Oberkommandierenden der Nationalgarde über die Besetzung des Rathauses des XX. Arrondissements. – Über die Verteilung einer Lebensmittelspende englischer Patrioten. – Acht Plakate beziehen sich auf die Situation nach Niederschlagung der Commune. – Vermutlich wurde die Sammlung von einem emigrierten Communarden in das britische Exil mitgenommen. Die Sammlung wurde im späten 19. Jahrhundert in einem Halblederband gebunden (Format: 75,5 x 63 cm) mit Exlibris “Rev. The Honorable Sidney Meade” auf Innendeckel. Der Einband wurde in die neu angefertigte Leinenkassette unten eingepasst und eingelegt. Sidney Meade (1839-1917) war Pfarrer in Bradford-on-Avon. – Teils auf farbigem Papier gedruckt. – Teils etwas fleckig, meist hinterlegt, teils mit kleinen Randeinrissen und kleinen Randfehlstellen (nur ein Plakat mit wenig Buchstabenverlust), etwas knickspurig, linker Rand meist mit kleinen Löchern durch alte Bindung, vereinzelte Notizen von alter Hand.

Gebot abgeben