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Lot 43 Wein – Mitscher & Caspary
Umfangreiches Teilarchiv der 1785 in Berlin gegründeten Weinhandlung. Erhalten sind: 11 starke Geschäftsbücher, davon 4 aus der Frühzeit, 5 mit Namensregistern. 1785-1877. Etwas abweichende Folioformate. Halblederbände der Zeit, 4 mit Sackleinen überzogen und mit handschriftlichen Deckeltiteln versehen, 1 Pappband (teils starke Gebrauchsspuren). – Über 200 meist handschriftliche Einzeldokumente zur Gründung der Firma und ihrer Entwicklung im 19. Jahrhundert. 1779-1923. Meist Einzel- oder Doppelblätter, aber auch Hefte und Kladden. Diverse Formate. – Mehrere Hundert ausführlicher eigenhändiger Briefe und Gegenbriefe, überwiegend zwischen Heinrich Caspari in Traben-Trarbach und seinem Vetter Johann Marx Hack in der Berliner Handlung. 1847-62, 1869 und 1873-75. In der Mehrzahl großes Quartformat, vielfach bläuliches Papier. Längs gefaltet und gebündelt. – Jahresweise gebündelte Quittungen, Rechnungen, Einlieferungsscheine, Steuerbelege, Wechsel etc. 1847-77, die ersten 3 Jahre fragmentarisch. Diverse Formate, gefaltet unter alt beschrifteten Banderolen. – Faßdeckel aus Eichenholz, Mittelstück mit geschnitztem Reiterstandbild (Friedrichs des Großen?) unter Krone, den Königsinitialen “FW” und Handelszeichen “M & C”. 19. Jahrhundert, Flügelstücke mit Lorbeerkranz ergänzt, dabei alte Faßnummer “36” zu “1736” umgraviert. Durchmesser 69 cm (Ausbrüche an den Spundlöchern, Dübelverbindung des linken Flügels locker).
Result 7500 €
Friedrich der Große gestattete 1784 den aus Traben-Trarbach gebürtigen Vettern Johann Nicolaus Caspary (1758-1839) und Johann Justus Mitscher (1755-1802), 12000 Liter Moselwein zollfrei nach Preußen einzuführen. Mit diesem Grundkapital wurde im März 1785 die laut beiliegenden Zeitungsausschnitten noch 1955 in Familienbesitz befindliche Weinhandlung gegründet, bis 1927 im Haus Königstraße 40 an der Ecke Klosterstraße. Wie aus den Geschäftsbüchern hervorgeht, bauten Mitscher & Caspary sehr schnell ein internationales Bezugsnetz auf und lieferten außer Moselweinen eine Vielzahl von Sorten, darunter der offenkundig beliebte Médoc oder Erzeugnisse von Moet & Comp. in Epernay. Dementsprechend breitete sich auch der Kundenkreis von der königlichen Kellerei auf den Militäradel und das gehobene Bürgertum aus. Die Namenslisten der Geschäftsbücher sind lang, genannt seien lediglich der königliche Kastellan Fiernkrantz, Hof-Traiteur Jager, Kommandeur von Clausewitz, Generaladjutant von Kleist, Geheimrat Uhden, Geheimrat und Doktor Hufeland, Staatsrat Nicolovius, die Banquiers Bendix und Bendemann. – Mitscher verheiratete sich mit einer Tochter der Berliner Guts- und Weinbergsbesitzer Wollank, nach beider Tod 1802/03 kam die Handlung in den Alleinbesitz der Familie Caspary. Etwa zu dieser Zeit trat Johann Marx Hack aus der Trabener Verwandtschaft in die Firma ein. – Die Geschäftsbücher umfassen u.a. “Calculation Buch” 1785-1822, “Brief-Copier-Bücher” 1785-98 und 1810-21, Kassenbuch 1785-98, Kundenkonten 1811-21, Soll und Haben der Handelsbeziehungen 1823-66. Dazu treten in den Dokumenten 3 frühe Kassenkladden 1785/87, 4 aufschlußreiche Generalinventare der Handlung (Mobiliar, Werkzeug, Weine, Debitoren, Kreditoren etc., jeweils zur Bilanzzeit Frühjahr 1786, 1790/91, 1802) sowie mehrere gesonderte Kellerinventare aus den Jahren 1791-99. Erhalten sind ferner die gestochene Handwerkskundschaft Casparys (Trarbach 1779, beschädigt), Ausfertigung der königlichen Einfuhrgenehmigung 1784, Mietvertrag für das Haus Klosterstraße 40 mit Zinsquittungen 1785-93, Frachtrechnungen an die königliche Vorratskellerei in Potsdam 1787 und in Berlin 1799 (1 Fuder Mosel), 3 vorgedruckte Reisepässe für Mitscher (2) und Caspary 1788-99, etliche Suppliken um Zollerlaß und ihre Bescheide, Geschäftsvertrag zwischen Mitscher und Caspary 1788, Mietvertrag über geflieste Keller im Haus 1795, vorgedruckte Bürgerbriefe für Mitscher (1790) und Caspary (1802), dreijährige Steuerbefreiung durch Friedrich Wilhelm II. 1790, doppelter Entwurf sowie Druck der Todesanzeige von Mitscher 1802 und Druck derjenigen seiner Frau 1803, Gewerbeschein für Caspary in Potsdam 1810, “Theilzettel” (Erbaufteilung) Caspary 1818, 2 lithographierte Preis-Courants um 1840 (1 durchgerissen), 2 gestochene Geschäftskarten, Notariatsinstrument über die Erbschaft von Hack 1857, Weinversteigerungslisten, etliche Wechsel etc. Von besonderem Interesse in dieser Abteilung auch zahlreiche Verträge über Zukäufe von Weinbergen im Moselgebiet. Ein Teil der Dokumente wurde um 1955 erfaßt und zusammen mit Auszügen der Geschäftsbücher zu einem Vortrag oder Ausstellungsrundgang verarbeitet, von dem ein Typoskript-Durchschlag erhalten ist. – Die sehr ausführliche Korrespondenz zwischen den Vettern Caspari in Traben und Hack in Berlin behandelt nach oberflächlicher Sicht sowohl Geschäftliches als auch Persönliches, ferner die Zeitereignisse. Das bis auf den wasserrandigen Jahrgang 1852 gut erhaltene Konvolut ist ansonsten völlig unerschlossen, ebenso wie die über 30 Jahre gebündelten Quittungen. – Von sehr guter Gesamterhaltung.