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Lot 559 Tanz – Feuillet, Raul Anger
Choregraphie ou l’art de décrire la dance, par caracteres, figures et signes démonstratifs, avec lesquels on apprend facilement de soy-même toutes sortes de dances. Seconde édition, augmentée. Mit 49 gestochenen Seiten, 4 gestochenen Supplement-Seiten, 2 Textkupfern und zahlreichen Textholzschnitten mit Noten und Tanzfiguren. Paris, Michel Brunet, 1701. 4 Bl., 106 S. 24,5 x 18 cm. – Beigebunden: Derselbe. Recueil de dances … Mit 84 (davon 16 auf 8 gefalteten Blatt) gestochenen Seiten mit Noten und Tanzfiguren. Paris, Michel Brunet, 1700. Titel. – Beigebunden: Derselbe. Recueil de dances composées par M. Pecour … et mises sur le papier par M. Feuillet. Mit 72 gestochenen Seiten mit Noten und Tanzfiguren. Paris, Michel Brunet, 1700. Titel. Lederband der Zeit mit goldgeprägtem Rückenschild, reicher Rückenvergoldung sowie Stehkantenvergoldung (etwas berieben, Deckel mit schwachen Kratzspuren).
Nachverkaufspreis 10000 €
Teil 1 in zweiter, Teile 2-3 in erster Ausgabe. – Hirsch, Katalog I, 171 und BMC XI, 215 (beide mit der 2. Ausgabe), Eitner III, 435 – Lipperheide 3065, 3064 und 3066 – Derra de Moroda, Dance library 929 – Riemann I, 508. – “Trois ouvrages de toute rarété” (Olschki, Choix VIII, 10938). – Raul Anger Feuillet wurde um 1660 geboren, weitere Lebensdaten sind unbekannt. – “Seine Berühmtheit verdankt er dem choreographischen Notations-System, mit dem sein Name verbunden ist” (MGG IV, 135). – Zu I: Feuillet hat als erster mit diesem Werk die vermutlich von dem Tanzmeister Beauchamps erfundene Methode der Stenochoreographie aufgezeichnet, weiterentwickelt und verbreitet. – “This work is a complete exposition of the Feuillet system of recording dances, including the arm movements, by the use of various characters and signs. This system achieved great success” (Beaumont 72). – “… kommt Feuillet zweifellos der Verdienst zu, ein System … populär gemacht u. entwickelt zu haben. … Jedenfalls hat Feuillet den Erfolg eines Systems gesichert, das allen späteren Erfindungen von Rameau, Magny, Malpied, Saint-Léon u. F.A. Zorn als Grundlage diente. … Historisch gesehen ist die Schrift ein ebenso interessantes Zeugnis für die choreographische Technik des 18.Jh. Für den mehr elementaren Gesellschaftstanz konnte das System brauchbar u. wertvoll sein, es ermöglichte die Verbreitung der am frz. Hof in Mode stehenden Tänze. … Von nun an galt Voltaires Ausspruch ‘il est vrai de dire qu’on danse à livre ouvert’. … zunächst lehrt (die Choreographie) die Grundzüge des Tanzes, dann ihre graphische Übertragung u. schließlich legt sie dem Tänzer einige so übertragene Entrées vor. … Nachdem er die Grundvoraussetzungen definiert, den imaginären Saal, den Tänzer und den Linienweg fixiert hat, auf dem die Schritte eingetragen werden, beschreibt er nebeneinander Schritte und choreographische Zeichen, von den einfachsten bis zu denen komplizierter Tänze” (MGG IV, S. 135ff.). – “Of particular interest are ‘Temps de Courante’ (p.47), ‘Pas de Gaillarde’ (p.47) and ‘Signs for the Movement of the Arms’ (p.99)” (Beaumont 73). – Zu II: Es sind von Feuillet komponierte Tänze für Männer wie für Frauen, aber auch für Paare aufgezeichnet. Enthalten sind Melodien u. Choreographien für ‘Sarabande, Mariée, Gigue, Folies, d’Espagne’ usw. – Zu III: Enthält Tänze von Pécour wie ‘Bourrée, mariée, Contre-Dance, Bourgogne, Savoye’ usw. – Pécour (1655-1729) war Ballettkomponist der Académie Royale de Musique in Paris. – Vorderer Innendeckel mit altem ausgestrichenen Besitzeintrag, Vorsätze etwas leimschattig, nur teilweise minimal gebräunt bzw. stockfleckig. Sehr gutes und vollständiges Exemplar.