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Lot 699 Königin Luise von Preußen
Stickmustertuch mit filigraner Plattstich- und Knötchenstickerei, ausgeführt mit unterschiedlich farbigen Seidengarnen sowie Silber- und Goldstickerei mit Pailletten auf hellgrüner Seide. Unten rechts auf einem Etikett bezeichnet als “Eigenhändige Handarbeit der Königin Luise von Preussen”. Um 1808. Maße des Seidentuchs: ca. 40 x 64 cm. Verso auf Karton montiert und unter Glas in goldgefasstem Holzschnitzrahmen: 48 x 71 cm.
Nachverkaufspreis 5000 €
Vor allem das zentrale Monogramm Friedrich Wilhelms III. von Preußen (1770-1840) “FWR” mit Krone und Stern des Schwarzen Adlerordens, das durch seine Materialität in Silber- und Goldstickerei besonders hervorsticht, spricht für eine Entstehung des Tuches innerhalb der königlichen Familie. Die prominent am rechten Rand platzierten blauen Kornblumen – die Lieblingsblumen der Königin – untermauern die Zuschreibung an seine leidenschaftlich stickende Gemahlin Luise (1776-1810). Die schön ausgeführte Stickarbeit zeigt neben den klassischen Motiven weiblicher höfischer Handarbeit – wie üppigen Blumengebinden und -ranken, Bäumen, Schmetterlingen, Frucht- und Blumenkörben, Erdbeeren, einer Kirche etc. – überraschenderweise auch Gräber und Urnen. Ebenso wenig will sich der gekrönte Adler mit Fahnen und Trophäen im rechten Bildteil in seiner kriegerischen Anmutung in den Kanon weiblicher Stickereien fügen und spricht für die Entstehung der Arbeit nach dem Frieden von Tilsit 1807. So passen die morbiden Motive perfekt zur Gemütslage der Königin im Königsberger Exil, die sie 1808 in einem Brief an ihren Vater so beschrieb:”Für mein Leben hoffe ich nichts mehr. Die göttliche Vorsehung leitet unverkennbar neue Weltzustände ein und es soll eine andere Ordnung der Dinge werden, da die alte sich überlebt hat und zusammenstürzt … ich bin der Hoffnung, dass auf die jetzige böse Zeit eine bessere folgen wird.” – Das Seidentuch und die Garne deutlich geblichen und teils etwas fleckig, in der unteren linken Tuchkante sind noch die Spannlöcher zu erkennen, die übrigen Kanten sind teils bis in die Stickerei beschnitten, insbesondere die untere rechte Ecke mit einer größeren Fehlstelle, nur sehr wenige Fäden gelöst.