Nosbüsch & Stucke Logo

Lot 1 Adelsbrief – Baltasar de Anduaga y Espinosa
“Despacho Confirmatorio y Juridico de Noblera y escudos de armas que por sus dos lineas paterna y materna legitimamente pertenece ab Sr. Don Baltasar de Anduaga, Espinosa Martinez y Rodriguez …”. Spanische Handschrift auf Papier. Mit 1 blattgroßen und 4 kleineren Wappen, 1 mehrfach gefalteten Stammbaum, Titelbordüre, 15 Kartuschen und zahlreichen figürlichen Initialen, alles in Aquarell mit Gouache, teils gold- und silbergehöht. Madrid, März 1849. 50 nn. Kartonbl., beidseitig kalligraphisch in schwarzer Feder beschrieben und von roten Pinselumrahmungen eingefaßt. Mit Siegel aus geprägtem und geschnittenen Papier. 37 x 27 cm. Blauer Samteinband der Zeit mit reicher Romantiker-Vergoldung auf Rücken und Deckeln, altrosa Moiré-Seidenvorsätzen und -spiegeln sowie Goldschnitt (Rücken und Gelenke sauber unterlegt).
Nachverkaufspreis 2000 €
Der spanische Politiker, Jurist, Schriftsteller und Übersetzer Baltasar Anduaga y Espinosa (1817-1861) war dreimal Abgeordneter und veröffentlichte juristische, historische und literarische Werke. – In den verschiedenen Abschnitten mehrfach unterzeichnende Aussteller der Urkunde waren Antonio Rujula y Busel (“Cronista y Rey de armas de S. M.”), Maurizio José de los Martires (“Procurador”), ferner die Hofräte José Maria Montemayor (“Magistrado honorario de la Audiencia Territorial de Granada), Candido Alejandro de Palacio (u.a. “Mayordomo de semana de S. M.”)und Miguel Maria Sierra (“Escribano”, Notar); am Schluß 3 Beglaubigungssignaturen. – Innendeckel mit Wappenexlibris “Tornos”.

Lot 2 Adelsbrief – Franz II., letzter Kaiser des Heiligen Römischen Reichs
Adelsbrief für den Olmützer fürstbischöflichen Rat Johann Mohrweiser. Deutsche Urkunde auf Pergament. Mit blattgroßer goldgehöhter Wappengouache, 3 umlaufenden gestochenen Rokoko-Bordüren, 9 mehrzeiligen Rankwerks-Initialen mit heraldischen Einsätzen sowie großer Schlussvignette in schwarzer Feder. Wien, 28.01.1804. 10 Bl. (das erste leer, das letzte nur mit Registraturvermerk). Kalligraphische Kanzleischrift, durchgehend mit Federwerksinitialen. Mit eigenhändiger Unterschrift des Kaisers und 4 Gegenzeichnungen (von Ugarte, Wyna, von der Marck, Geisslern). 38 x 32 cm. Roter Original-Samtband mit goldener Kordelbindung und Kattunpapiervorsätzen (kleine Bezugsfehlstellen vor allem am Rückdeckel). [#]
Nachverkaufspreis 800 €
Mohrweiser war Wirtschaftsrat des Olmützer Erzbischofs Anton Theodor von Colloredo und Waldsee, er wurde für “wesentliche Verbesserung des Ertrags auf den Herrschaften” belohnt. – Beiliegend: Inkolats-Urkunde für von Mohrweiser. Deutsche Kanzleihandschrift auf Pergament. Mit kalligraphischer Kopfzeile, Rankwerks-Initiale über die halbe Höhe und Schlussvignette. Wien, 07.02.1804. 1 S., rückseitig Registraturvermerk. Mit eigenhändiger Unterschrift des Kaisers. Ausgefertigt durch Johann von Geisslern mit Gegenzeichnungen durch die obigen. 53 x 69 cm. Gefaltet. – Der Adelsbrief frisch, die Beilage rückseitig verstaubt. Beide ohne die anhängenden Siegel.

Lot 3 Adelsbrief – Franz Joseph I. von Österreich
Adelsdiplom von Franz Joseph I. als König von Ungarn für den ungarischen Arzt und Insektenkundler Géza Horváth. Mit 1 ganzseitigen farbigen Wappendarstellung von Ernst Krahl sowie 1 farbigen Darstellung des königlich-ungarischen Wappens als Kopfvignette. Ausgestellt in Wien (Bécs), 17. Juli 1916. 3 Bl. 37,8 x 29 cm. Roter Ledereinband mit goldgeprägtem königlich-ungarischen Wappen auf dem Vorderdeckel sowie goldgeprägten Eckfleurons auf beiden Deckeln, mit Schließbändern; das rote Wachssiegel Franz Josephs I. in Messingkapsel an dreifarbiger Kordel am Adelsdiplom anhängend, in Original-Kassette mit grünem Papierbezug und Innenfutteral (der Einband minimal berieben, die unteren Bänder fehlen, Messingkapsel angelaufen, Bezug der Kassette etwas gewellt und mit kleinen Fehlstellen, Innenfutter leicht angeschmutzt). [#]
Zuschlag 1200 €
Text der Urkunde in ungarischer Sprache, teils goldgehöhte Kalligraphie in Schwarz und Rot, die goldenen Bordüren gedruckt. – Die Unterschrift von “FerenczJózsef” eingedruckt, mit der eigenhändigen Unterschrift von “Báró Roszner Ervin” (Erwin Roszner von Roseneck), der seit Mai 1915 persönlicher Minister des Königs von Ungarn im Kabinett von István Tisza war. – Géza von Horváth (1847-1937) studierte Medizin an der Universität Wien, wo er 1872 promoviert wurde. Ab 1880 bekämpfte er im Auftrag der ungarischen Regierung erfolgreich die Reblausplage und übernahm 1896 die Leitung der zoologischen Abteilung im Nationalmuseum. Horváth war seit 1877 Mitglied der Ungarischen Akademie der Wissenschaften, deren Klassenpräsident er von 1919 bis 1934 war. Ihm zu Ehren wurde die Kroatische Gebirgseidechse “Lacerta horvathi” benannt. – Die Pergamentblätter teils minimal fingerfleckig, die Zwischenblätter etwas knittrig, gebräunt und mit kleineren Randläsuren.

Lot 4 Ashbery, John
Maschinenschriftliches Gedicht “Not a First”, dazu eigenhändiges Begleitkärtchen mit Unterschrift. New York, 04.08.1986. 1 S. auf Briefpapier, das blaue Kärtchen mit gedrucktem Kopf. DIN A4 und 8,3 x 13,8 cm. Im originalen Briefumschlag mit handschriftlicher Adresse.
Zuschlag 300 €
An Gunnar Kaldewey: “Dear Gunnar, here is a poem for the Jonathan Lasker book – I hope you like it”. 1987 erschien in der Kaldewey Press der nach dieser Korrespondenz betitelte Band “Not a first with drawings by Jonathan Lasker”. – Beiliegend: John Ashbery. Eine Welle. Gedichte (1979-1987). München/Wien, Hanser, 1988. 108 S., 2 Bl. 20 x 12 cm. Originale englische Broschur. – Titel mit eigenhändiger 5-zeiliger Widmung “for Rüdiger” mit Unterschrift. Berlin, 21.01.1994. Beiliegend: Eintrittskarte der Berliner Akademie der Künste zu “Der Übersetzer und sein Autor. Sartorius/Ashberry”, 29.01.1994. – Unbenutztes Exemplar.

Lot 5 Becker, Reinhard Paul
Maschinenschriftlicher Brief in deutscher Sprache mit eigenhändiger Unterschrift “Paul” und kleinen Korrekturen. New York, 21.11.1978. 1 2/3 S. mit dem gedruckten Briefkopf der New York University. DIN A4. Mit dem originalen Briefumschlag.
Nachverkaufspreis 200 €
Sehr persönlicher und poetischer Brief des deutschen Schriftstellers und Übersetzers (1928-2006), der seit 1965 Germanistik an der NYU lehrte. Laut Umschlag gerichtet an die Antiquarin, Schriftstellerin und Künstlerin Sibylle Kaldewey, “Liebste, Beste, Schönste, Feinste, Klügste, Duftendste, und inzwischen hoffentlich nicht auch sehr Ärgerliche”. Er freut sich auf ihren Weihnachtsbesuch und bietet ihr – unter Sicherheitsvorkehrungen – “die zweite Hälfte meines Bettes” an. “Es wird alles so sehr schön werden, Sie werden garnicht wieder weg wollen. Das wäre mir auch sehr lieb, denn ich werde Sie nie leid.” – Beiliegend: Derselbe. Veränderungen auf eine Briefstelle und andere Gedichte. Wiesbaden 1960. 107 S. 18,5 x 12 cm. Original-Pappband (etwas bestoßen, Schnitt fleckig). – Auf dem Titel lange eigenhändige Widmung Beckers (für Kaldewey) mit Unterschrift “Paul”, Januar 1978. – Reinhard Lettau. Die Entdeckung des Lachens als Schande. Erzählmodelle Kafkas. Sonderdruck aus Akzente. München, Februar 1979. S. 31-48. Original-Umschlag, auf der Innenseite lange eigenhändige Widmung des Autors für Kaldewey mit Unterschrift “Dein Reinhard”, 28.02.1979. – Dabei: Original-Porträtphotographie Lettaus von Isolde Ohlbaum (rückseitig Copyright-Stempel). 17,5 x 12,5 cm. – Im originalen Versandumschlag mit Absenderaufdruck der University of Californa, San Diego.

Lot 7 Britting, Georg
Sammlung von 6 eigenhändigen Postkarten an den Schriftsteller und Kritiker Curt Hohoff. Ca. 1941-1943.
Zuschlag 240 €
Der Schriftsteller und Dichter Georg Josef Britting (1891-1964) berichtet dem Schriftsteller, Literaturkritiker und Essayisten Curt (auch Kurt) Hohoff (1913-2010) über gemeinsame Freunde (“schrieb mir aus Russland”, “Langenbeck traf ich bei seinem Urlaub. Heut vorpostelt er auf der Nordsee, als Matrose”), ihre literarische Tätigkeit (“‘Hopfentreter’ – Schöne Sache! Du bist hoffentlich stolz darauf”), Alltägliches und den Krieg (“Unruhe und Spannung in der Luft”; “das du unbeschädigt und mitten drin seist, Cäsaren lesend”). – Teils leicht fleckig und leicht bestoßen.

Lot 8 Cohen, Arthur Allen
Maschinenschriftlicher Brief in englischer Sprache mit eigenhändiger Paraphe sowie kleinem Zusatz. New York, 15.08.1982. 1 S. mit gedrucktem Briefkopf in Rot und Schwarz. DIN A4. Mit gleich gestaltetem, aber früher abgestempelten Briefumschlag. – Dazu: Zwei eigenhändige Bildpostkarten mit Unterschrift. New York, 02.04.1984 (Poststempel) und Jerusalem, 28.06.1984 (?). Je 1/2 S. und Adresse in schwarzem Filzstift. Ca. 9 x 14 cm.
Nachverkaufspreis 300 €
Arthur A. Cohen (1928-86), amerikanischer Schriftsteller, Judaist und Historiker, war mit der Künstlerin Elaine Lustig Cohen verheiratet. Beide waren mit der Antiquarin Sibylle Kaldewey befreundet, an die Brief und Karten gerichtet sind. Ersterer berichtet über die Arbeit an seiner Monographie “Herbert Bayer: The Complete Works” (1984), über eine “very small and chic conference at the Rockefeller palazzo in Belaggio (Primo Levi, Steiner Guinzburg (sic), Bassani, Cannetti, Bellow, etc. and myself — I think about fourteen odd talents in all)”, ferner über einen Aufsatz zu Israel/Libanon: “I expect an uproar from all my Jewish friends and enemies. Mais tant pis”. Er läßt die Verlegerfreunde in München grüßen und fügt eigenhängig “(Matthes)” hinzu. Die Karte aus Jerusalem zeigt kleine Torah-Schüler, Cohen schreibt “not the best of times to be here – we’re inundated with politics and the nation is quite divided, but the land is beautiful and I adore Hebrew.” – Die Karte aus New York mit Knickspur. – Beiliegend: A. A. Cohen. The American Imagination after the war. Notes on the Novel, Jews, and Hope. Syracuse University, 1981. 4 Bl., 36 S., 1 Bl. Original-Umschlag. – Vortitel mit eigenhändiger Bleistift-Widmung Cohens “für Sibylle eine literarische Beitrag aus New York nach Düsseldorf”, 12.01.1981.

Lot 9 Dörr, Friedrich
Der Prozess Jesu in rechtsgeschichtlicher Beleuchtung. Ein Beitrag zur Kenntnis des jüdisch-römischen Provinzialstrafrechts. Zeitgenössische Abschrift des Druckes im “Archiv für Strafrecht und Strafprozeß”, 55. Jahrgang, Berlin 1908. 180 Bl. geglättetes Schreibpapier, meist beidseitig in regelmäßiger deutscher Kursive mit blauer Tinte beschrieben. 20,5 x 16 cm. Grüner Leinenband der Zeit mit goldgeprägtem Rückentitel und marmoriertem Schnitt (geringfügig bestoßen). [#]
Zuschlag 240 €
Mit dem Anmerkungsapparat vollständige Abschrift, sauber ausgeführt und sehr gut erhalten.

Lot 10 Förster-Nietzsche, Elisabeth
35 Schreiben. 29 Diktatbriefe von Sekretärinnenhand mit eigenhändiger Unterschrift, davon 26 mit eigenhändiger Grußformel, 7 mit zusätzlicher eigenhändiger Nachschrift, ferner 3 eigenhändige Briefe mit Unterschrift und 3 eigenhändige Postkarten (2 Vordrucke), davon 2 mit Unterschrift. Mit einer Ausnahme Weimar, 1908-1935. 112 S., die Briefe meist auf Doppelblättern mit gedrucktem Kopf des Nietzsche-Archivs (25) oder dem persönlichen der Schreiberin (6), ein langer Diktatbrief aus Breitbrunn ohne Kopf. Ca. 23 x 15 cm. Die adresssierten Briefumschläge zu 17 Schreiben erhalten.
Zuschlag 8500 €
Freundschaftliche Brieffolge an die heute vergessene, von Förster-Nietzsche aber hochgeschätzte Malerin Gertrud Overhof geb. Mögling (25) und ihren Gatten, den Theologen und Dichter Otto Overhof (9), eine der Postkarten an beide. Die Gegenbriefe sind im Nietzsche-Archiv Weimar erhalten (Signaturen GSA 72/BW 4008 und 4010). Danach setzte der Kontakt zwischen den beiden Frauen 1906 ein. Erstes hier erhaltenes Zeugnis ist eine eigenhändige Postkarte vom 16.09.1908 an Gertrud, deren Lebensdaten für uns nicht zu ermitteln sind. Förster-Nietzsche bedankt sich für “Ihre köstlichen Studien aus Röcken” (dem Geburtsort der Nietzsche-Geschwister) und sucht sich ein Blatt als Geschenk aus. Overhofs (verheiratet 1905) lebten seit 1906 in Berlin, Otto (Wanne-Eickel 1880-1957 Rom) nach Aufgabe des Pfarrerberufes als Lehrer und Schriftsteller (vgl. Brümmer und Kosch). Am 18.02.1911 hat Förster- Nietzsche Overhofs autobiographischen Erstling ‘Du und ich’ “mit wärmster Anteilnahme gelesen und mich ausgezeichneter Einzelheiten erfreut”. Overhofs Interesse an Rom wird erwähnt, er zählte dann zu den Gästen, die Kaiser Wilhelm II. in die ihm durch Ernst von Mendelssohn 1907 übereignete Villa Falconieri in Frascati einlud. – Am 08.02.1914 dankt ihm Förster-Nietzsche aus Breitbrunn “in meiner winterlichen Einsamkeit” für “Ihr, mir so sympathisches Buch … mit seinen zarten und feinen Gedanken und schönen Schilderungen mit Rührung … wenn ich auch daran auszusetzen hätte, daß diese wundervolle, hoch und feinsinnige Heldin nicht freiwillig aus dem Leben scheiden sollte” (wohl der Roman ‘Liebe um Liebe’, 1913). Ferner ausführlich zu einer Erinnerungstafel, die Overhof in einem angeblich von Nietzsche bewohnten Zimmer in Turin anbringen möchte. Sie rät angesichts der “fantastischen Italiener” ab: “In Ruta und Rapallo habe ich völligen Unsinn gehört und in Ruta ist eine Erinnerungstafel mit ganz falschen Daten – mein Bruder war im Herbst 1886 in Ruta gewesen und die Tafel spricht von zwei Aufenthalten im Jahr 1890-91 wo mein armer Bruder schon längst im Norden als Geistig-Gelähmter weilte … Haben Sie mit dem ehemaligen Wirt meines Bruders in Turin gesprochen? Von dem habe ich noch verhältnismäßig richtige Aussagen der ersten Zeit nach der Katastrophe”. – Otto Overhof scheint den ersten Weltkrieg an der Front verbracht zu haben, Gertrud lebt 1915-19 im Sanatorium Inner-Arosa, Tübingen und Herrenchiemsee. Eine Arbeit aus Graubünden ruft Förster-Nietzsche “alle die Stunden der Trauer und der Erinnerung zurück, die ich dort verlebt habe, und es tut mir wohl, daß gerade von der Hand einer so treuen Nietzsche Verehrerin dies Bild gemalt worden ist” (27.05.1915). Am 12.08.1919 beklagt Förster-Nietzsche, daß “Deutschland jetzt ein gar zu unglückliches Land (ist), in eine widerwärtige Barbarei zurückgesunken, mit elenden Lügnern u. Schwätzern in der uns führenden Regierung und mit dem Verlust aller deutschen Tugenden im Volk”. Ihr nächster Brief geht am 5.6.1920 an Overhofs neue Adresse: Villa Aldobrandini, Frascati. Anläßlich der “20. Wiederkehr des Todestages meines teuren Bruders … möchten wir nun gerne einige Stipendien austeilen, an solche Gelehrte und Künstler, die im Krieg gewesen sind, und dachten da auch an Ihren lieben Mann”. In einem beiliegenden eigenhändigen Schreiben teilt der Weimarer Oberbürgermeister und Stiftungsvorsitzende (Adalbert) Oehler am 2.8.1920 die Gewährung dieses Stipendiums in Höhe von 1500 Mark mit. – Förster- Nietzsche beklagt in den folgenden Briefen die Inflation, “gerade auch für Schriftsteller und Künstler ist es jetzt furchtbar schwer”, trägt jedoch eigenhändig im Rand nach: “Aber das Nietzsche-Archiv leidet noch keine Noth!”(9.12.1920). Am 7.12.1921 berichtet sie ausführlich von ihrem 75. Geburtstag, zu dem sie von der Universität Jena den Ehrendoktor erhielt. Im September 1922 geht “im Archiv alles trotz der entsetzlichen Gegenwart gut vorwärts, was ich als ein wahres Wunder betrachte. Das Interesse für die Werke meines Bruders ist außerordentlich und man kann nur vermuten, daß in dieser pöbelhaften Gegenwart es doch noch aristokratische Menschen gibt, die sich an seinen Werken stärken wollen”. Am 19.1.1924 sind durch die Inflation “das Vermögen der Stiftung und mein eigenes … verloren, aber die gegenwärtigen Honorar-Einnahmen erlauben uns doch noch das Archiv wie früher aufrecht zu erhalten”. Förster-Nietzsche trägt eigenhändig nach: des Bruders “Bücher werden außerordentlich viel gelesen u. zwar auf der ganzen Welt: Z.B. sind seine Werke u. der ,Junge u. ,Einsame Nietzsche’ in’s Japanische übersetzt”. – Von August 1924 bis Sommer 1928 sind die Briefe wieder an die Villa Falconieri in Frascati adressiert, inzwischen italienischer Staatsbesitz. An Otto Overhof, 29.10.1924: “Wenn man aber an das alte ordentlich eingerichtete, zuverlässige Deutschland denkt, so ergreift uns doch immer wieder der Zorn, daß uns von dem jetzigen Staat so viel geraubt worden ist wie er nur konnte!”. Zum 30jährigen Jubiläum der Stiftung habe (Oswald) Spengler “wundervoll gesprochen “. – Ihren 80. Geburtstag (Dankeskarte erhalten) nimmt sie zum Anlass, ausführlich die verlorene Vermögensstruktur des Archivs und ihre gegenwärtigen Einkünfte zu schildern, außerdem sei Max Oehler auf die Idee gekommen, eine “Gesellschaft der Freunde des Nietzsche-Archivs” zu gründen (stark beschädigter Typoskript-Entwurf der Statuten liegt bei). Am 19.2.1927 nach einem Besuch von Otto Overhof in Doorn und Weimar: “Durch die Eindrücke, die Ihr Herr Gemahl in Deutschland gewonnen hatte, kam es mir erst zu Bewußtsein, wie schmerzlich es jetzt in Deutschland, dem ‘Land der Treue’ steht. Diese Gleichgültigkeit den Hohenzollern, unserm anzukommenden Herrscherhaus gegenüber, ist wirklich unbeschreiblich traurig und für uns ein übles Zeugnis … Die Proben, die ich aus ,Baldur’s Tod’ (Overhofs ,Baldur. Ein Trauerspiel aus Mythus und Gegenwart’, 1927) gehört habe, mit der Schilderung der farbenprächtigen Szenerie waren mir in dem Gedanken so erfreulich, daß die vielen germanischen Jugendbünde, die wir jetzt in Deutschland haben, davon begeistert sein müßten”. – Nachschrift, 23.2.: “Und unter der Herrschaft von Mussolini … täglich zu hören und zu sehen, was dieser ausgezeichnete Mann fertig bringt und wie er ganz natürlich von sich aus Nietzsche-Gedanken verwirklicht, das ist vollkommen beneidenswert”. Das Nietzsche-Archiv sei “ein Mittelpunkt für die ganze Welt geworden … außerdem ist das Nietzsche-Archiv jetzt auch eine Art Mittelpunkt für Völkerversöhnung, wozu es sich nach den Ansichten meines Bruders vorzüglich eignet”. – Ab 1928 leben Overhofs in Rom. Förster-N. am 8.5.1930: “In letzter Zeit (sind) allerhand Bemerkungen zu mir gedrungen, als ob doch noch im Volke die tiefe Sehnsucht nach Kaiser und Reich … vorhanden sein soll. Es gibt jetzt eine neue sehr rührige Partei, die sich ,Nationalsozialisten’ nennen und diese Partei soll es sein, die wieder an die alten deutschen Ideale anknüpft”. Aus den Jahren 1931-34 liegen keine Briefe vor, der letzte datiert vom 9.8.1935, drei Monate vor Förster-Nietzsches Tod. Sie regt Wiederaufnahme des Austausches an, berichtet von ihrem Augenleiden und sendet die Neuerscheinung “Friedrich Nietzsche und die Frauen seiner Zeit”. – Beigegeben: Otto Overhof. Eh. Testament mit Unterschrift sowie eh. Nachschrift seiner Frau mit Nietzsche. Tübingen, 17.6.1912. 3 S. auf Doppelblatt, auf der letzten Seite die notarielle Bestätigung. 33 x 21 cm. – Briefumschläge vielfach eingerissen und mit Ausschnitt der Marken. Vereinzelt Faltbrüche, insgesamt wohlerhalten.

Lot 11 Gebetbuch
Andachts Üebung. Eines from(m)en Christen worinnen Morgen Abend Meß Beicht Communion … , 1779. Deutsche Handschrift auf Papier. Kursive in schwarzer Tinte, Hervorhebungen in Rot, Kapitelüberschriften in Grün. Titel in Rot, Schwarz und Grün, 113 nn. Seiten. 16 x 9,5 cm. Lederband der Zeit mit Blindprägung (etwas berieben, Kapital mit schmaler Fehlstelle). [#]
Nachverkaufspreis 200 €
Wohl aus dem süddeutschen Raum stammendes, gut leserliches Gebetbuch.

Lot 12 Gebetbuch
Englischer Him(m)elß Spiegel, Worinnen Außerlesene Morgen, Abend Meß-Beicht, und Communion Gebetter, Wie auch: zu der heil. Dreyfaltigkeit und zu dem süssen Nahmen Jesu, Samt Andern schönen Gebettern und Litaneyen zu den heiligen Gottes. Aus vill trostreichen Büchern zusammen Geschrieben. Anno 1754. I. H. C. Z. H., 1754. Deutsche Handschrift auf Papier. Kursive in schwarzer Tinte, Hervorhebungen in Rot, Kapitelüberschriften in Gold. Mit gestochenem Frontispiz und 22 zwischengebundenen gestochenen Tafeln von Klauber, Sondermayer und Elias Baeck. Titel in Rot, Schwarz und Gold, 266 in Rot nummerierte Seiten. 15 x 10 cm. Lederband der Zeit mit Goldprägung, vorne monogrammiert und datiert “M. C. W. 1751” (leicht berieben). [#]
Nachverkaufspreis 240 €
Wohl aus dem süddeutschen Raum stammendes, gut leserliches handschriftliches barockes Gebetbuch. – Gutes Exemplar.

Lot 13 Graf, Steffi und Boris Becker
Australian Open 1990. Offsetdruck auf glänzendem Papier. Von Steffi Graf und Boris Becker signiert. Am oberen Rand fest auf Karton montiert. 1990. Blattgröße: 72 x 49 cm.
Nachverkaufspreis 200 €
Plakat zur Australian Open 1990 mit Autogrammen von Steffi Graf und Boris Becker. – Ganz leicht wellig, sonst sehr guter Zustand.

Lot 14 Hamburg
Protokollbuch (des ältesten Hamburger Karnevalsvereins) Klimperkasten von 1872 (Deckeltitel). Handschrift von mehreren Schriftführern auf Papier. Mit einigen eingeklebten Zeichnungen, gedruckten Vorschlagszetteln und Zeitungsausschnitten. Hamburg, 23.05.1892-22.03.1897. 270 vornummerierte S., 14 Bl. Daumenregister. 34,5 x 22 cm. Original-Leinenband mit schwarzgeprägten Fileten und goldgeprägter Deckelkartusche, Buchbinderschildchen von Johs. Kraus am Herrengraben (fleckig und berieben). [#]
Nachverkaufspreis 200 €
Enthält über 50 Protokolle der in der Regel monatlich abgehaltenen “Närrischen Sitzungen”, einschließlich Neuaufnahmen, Wahlen und Kassenabrechnungen, einem Festbericht zum 24. Jubiläum sowie Bericht über die Beteiligung am großen Festzug zum 100. Geburtstag von Kaiser Wilhelm I. am 22.03.1897. Die Protokolle sind meist vom Vorsitzenden (bis Januar 1895 Carl Lücke, dann Paul Jürss) abgezeichnet, ferner von den jeweiligen Schriftführern, darunter B. Wallenstein, H. Wegener, H. Boothby, E. Rudolph, C. B. Schmidt. Vereinslokal ist zunächst “bei Decker”, dann über Jahre “Hornhardts Concert-Garten”, ein “Introduktionsabend” findet am 17.01.1897 im “Schiffergesellschaftshause” statt. – Innen sehr gut erhalten.

Lot 15 Handke, Peter
Eigenhändiger Brief mit Unterschrift. Ohne Ort, 07.11.1979. 1/3 S. Blaue Tinte auf dünnem Schreibpapier. DIN A4.
Zuschlag 200 €
An den Verleger Axel Matthes: “An einer Anthologie (“Buchprojekt”) mitzutun, schwebt mir ja nicht gerade vor”, bedankt sich aber für freundliche Zuschriften. – Faltspuren. – Beiliegend: Drei weitere Schreiben an Matthes. 1. Adolf Muschg. Eigenhändig mit Unterschrift. Kilchberg, 12.05.1980. 1 S. Blaue Tinte, gedruckter Kopf. 14,8 x 21 cm. 2. Jochen Gerz. Maschinenschriftlich in zwei spiegelbildlichen Absätzen mit Stempel und Unterschrift in Bleistift. Paris, 26.06.1979. 1 S. Faltbrief auf bläulichem Glanzpapier mit abgeschrägten Ecken, rückseitig Aufdruck “Souvenir de Paris” mit Thermometer. 16,5 x 23,5 cm. 3. Gabriele Wohmann. Maschinenschriftliche Postkarte mit Unterschrift in Kugelschreiber. Darmstadt, 23.03.1979. 1 S., rückseitig Adresse. 10,5 x 14,8 cm.

Lot 16 Hayek, Max
Lied einer Seele. Jänner 1922. Gedicht-Manuskript. Mit 1 aquarellierten Tafel und farbigem Bildschmuck von Sascha Kronburg. 17,8 x 11,5 cm. Illustrierter Pappband der Zeit (etwas fleckig).
Zuschlag 400 €
Unveröffentliches Gedicht von Max Hayek (1882 Birnbaum – 1944 KZ Auschwitz-Birkenau). Einband, Text und Illustrationen von Sascha (Alexandra) Kronburg (1893-1985), die in erster Ehe (1918-1923) mit Max Hayek verheiratet war. Sie besuchte u.a. die “Kunstschule für Frauen und Mädchen” und wurde dort von Otto Friedrich sehr gefördert. Beeinflusst wurde sie auch von dem anthroposophischen Maler Richard Teschner. Sie illustrierte mehrere Bücher und war prominentes Mitglied des “Verbandes bildender Künstlerinnen und Kunsthandwerkerinnen”.

Lot 17 Hermine, zweite Ehefrau von Ex-Kaiser Wilhelm II
21 Schreiben. 18 maschinenschriftliche Briefe mit eigenhändiger Unterschrift “Hermine” (in Farbstift), davon 4 mit eigenhändiger Grußformel und 3 mit kurzer eigenhändiger Nachschrift, 1 eigenhändiger Brief und 1 eigenhändige Karte mit Unterschrift sowie 1 maschinenschriftliche Trauerkarte mit Unterschrift und eigenhändiger Grußformel. Doorn, 1924-1938. Ca. 21 S., überwiegend mit gedrucktem Briefkopf “Haus Doorn – Brieftelegramm Ihrer Majestät der Kaiserin und Königin”, 3 Briefe auf persönlichem Briefpapier mit silbergeprägter Initiale. Meist 28 x 22 cm. Die adresssierten Briefumschläge zu 19 Schreiben erhalten.
Zuschlag 1500 €
Freundschaftliche Kurzbriefe an den kaisertreuen Theologen und Dichter Otto Overhof (Wanne-Eickel 1880-1957 Rom; vgl. Brümmer und Kosch), ein Brief auch an seine Frau, die Malerin Gertrud Overhof (Lebensdaten unbekannt), zwei an beide. Der Empfänger hat die Folge auf den Umschlägen nummeriert, außerdem wurde eine Auswahl auf zehn Typoskript-Blätter (DIN A4) übertragen, darunter zwölf nicht erhaltene Briefe aus den Jahren 1927-1943 (Aufstellung liegt bei). Ursprünglich umfasste die Korrespondenz 80 Nummern. Die Bekanntschaft zwischen Overhof und Wilhelm II. ging bereits auf die Zeit vor dem Ersten Weltkrieg zurück, der Dichter zählte zu den Gästen des Kaisers in der ihm durch Ernst von Mendelssohn 1907 übereigneten Villa Falconieri in Frascati (1924-28, erneut Adresse Overhofs, danach Via Claudia 7 in Rom). Für 1927 bezeugen die Briefschaften einen Besuch Overhofs in Doorn. – Meist Dankesschreiben für Weihnachts- und Geburtstagsgrüße sowie Buch- und Gedichtgeschenke. Standardformeln Hermines sind z.B.: “Dem geliebten Kaiser geht es Gottlob gut” – “Gottlob der geliebte Kaiser wohl und frisch” – “Er ist weiter in herrlicher Frische, seelischer Groesse”. Vereinzelt wird sie persönlicher und politisch eindeutig. Zitate aus den im Original erhaltenen Briefen: “Dem Kaiser geht es gut, er lässt Sie sehr grüssen und freut sich mit mir, gerade Sie als Hüter der Villa Falconieri zu wissen” (eigenhändig, 17.3.1924). – “Ihr treues Gedenken zu Seinem Geburtstage hat den Kaiser sehr erfreut … Mit ernster Sorge verfolgt der Kaiser die Geschehnisse in unserem schwer geprüften Vaterlande. Seine heissesten Wünsche gehören Heimat und Volk!” (27.1.1933). – “Deutschlands Erwachen ist schön, ich vertraue fest auf Hitler!” (eigenhändige Karte mit radierter Ansicht von Haus Doorn, 26.7.1933). – “In Deutschland, unter Hitlers tatkraeftiger und genialer Fuehrung geht es Gottlob voran” (12.12.1933). – Der Kaiser “von unendlicher geistiger und körperlicher Elastizität, wir haben die ganze Familie hier versammelt. Das schönste Geburtstagsgeschenk ist die Heimkehr der Saar – Gott helfe weiter. Nach dem schrecklichen Zusammenbruch ab 1918, ist dieser schöne Sieg nach dem erfreulichen Austritt aus dem Völkerbund der zweite Schritt nach aufwärts, später in der Geschichte unbedingt zu vermerken … wie oft wurde unser Kaiser missverstanden und Ihm in wichtigsten Fragen nicht gefolgt” (25.1.1935). – “Mein aeltester Sohn, der auch den Einmarsch ins Sudetenland mitmachte, die ganze Zeit dort war, ist zu unserer grossen Freude jetzt hier und berichtete interessant von seinen unvergesslichen Erlebnissen” (7.11.1938). – Beilagen: I. 5 Photoporträtkarten, darunter Hermine (sign., Weihnachten 1935), Hermine (sign., zu Brief 57, Weihnachten 1936), Wilhelm II. (sign., zu Brief 56 vom 24.01.36, nur Abschrift). – II. Otto Overhof, eigenhändiges Testament mit Unterschrift sowie eigenhändige Nachschrift seiner Frau mit Unterschrift. Tübingen, 17.6.1912. 3 S. auf Doppelblatt, auf der letzten Seite notarielle Bestätigung. 33 x 21 cm. Bruch im Faltenkreuz. – III. Marie Jensen(1845-1921, Malerin, Ehefrau des Dichters Wilhelm Jensen). Eigenhändiger Brief mit Unterschrift an Gertrud Overhof. Prien am Chiemsee, 17.2.1920. 4 S. 18 x 14 cm. Mit Umschlag. – IV. 3 weitere Briefbeilagen, darunter Reichsschrifttumskammer Berlin, 29.11.37 (Ausschluss wegen Wohnsitz im Ausland). – Briefumschläge eingerissen, teils mit Ausschnitt der Marken, vereinzelt Faltbrüche oder Randläsuren, insgesamt wohlerhalten.

Lot 21 Hofmann, August Wilhelm von
Organische Chemie. – Anorganische Chemie. Anonyme Vorlesungsnachschrift in 2 Bänden. Mit einigen farbig eingetragenen Formeln. Berlin, um 1880/90. 226, 212 überwiegend beidseitig beschriebene Bl., jeweils einige Leerbl. Regelmäßige deutsche Kursive in schwarzer Feder auf geglättetem Papier. 21 x 16,5 cm. Schwarze Halblederbände der Zeit mit goldgeprägten Rückentiteln, beide Vorderdeckel mit großem Signet der Drogisten-Akademie Braunschweig in Goldprägung (gering berieben).
Zuschlag 600 €
Die Zuschreibung der Vorlesungen folgt der Rückenprägung “W. Hofmann” und einem späteren Beistiftvermerk auf den Vorblättern. Hofmann (1818-1892), bedeutender Erforscher der Teerfarbstoffe, las von 1865 bis zu seinem Tod organische und anorganische Chemie an der Universität Berlin. Erstere ist fortlaufend gehalten, letztere in Form von 1786 Fragen und Antworten. Dem ersten Band ist eine vervielfältigte Manuskript-Tabelle “Die Pflanzen-Basen oder Alkaloide” (39 S.) beigebunden, vielleicht von Hofmann vorlesungsbegleitend ausgereicht. Die Einbände lassen auf einen bei ihm ausgebildeten Dozenten der 1880 gegründeten Drogisten-Akademie Braunschweig schließen. – Schön erhalten.

Lot 22 Junk, Antiquariat
Konvolut maschinenschriftlicher Geschäftskorrespondenz mit dem Arzt und Ornithologie-Sammler Dr. H. H. Waltke in Celle, teils mit Unterschriften von Mitgliedern der Familie Schierenberg sowie von H. Steiner. Den Haag, 1939-41. 6 Postkarten, 6 Briefe zu 1-2 S. (meist halbes Blattformat quer, 1 mit Anmerkungen des Empfängers), 6 Rechnungen, 1 Mahnung, die bearbeiteten Korrekturbögen der Liste 10 “Zoölogia I: Vertebrata”, die endgültige Liste sowie Liste 11 “Reisen – Tafelwerke – Varia”. [#]
Nachverkaufspreis 200 €
Beiliegend: Maschinenschriftlicher Briefdurchschlag Waltkes an Junk sowie zwei Postkarten und ein Brief von Junks Zweigstelle in Leipzig, der Buchhandlung Carl Fr. Fleischer. – Trotz der Zeitumstände nicht unbedeutende Ansichtssendungen und Bestellungen von Vogelwerken (Brehm, Bonaparte, 10 Bände Buffon zu fast 1000 Reichsmark, Dubois, Riesenthal), verlorene Pakete, Dringlichkeitsbescheinigungen für die Einfuhr nach Deutschland etc. – Roll- und Knickspuren, einige Einrisse.

Lot 23 Köln – Trips, Franz Xaver
Historia Carminica Accurate repraesentans initium et finem rebellionis qua circa Annum 1682 acta fuit inter Civis et Magistratum Coloniensem Ducibus Nicolao Gulich Abrahamo Sax usque ad Annum 1686. Lateinische Gedichthandschrift in 3 Teilen auf gutem Schreibpapier. Ohne Ort, um 1690. 131 nn. Bl., überwiegend beidseitig mit brauner Feder in regelmäßiger lateinischer Kursive beschrieben. 20,5 x 16 cm. Pappband der Zeit (stark bestoßen, große Bezugsfehlstellen, Rückenenden fehlen). [#]
Zuschlag 800 €
Unbekannte Manuskript-Fassung von Trips’ Reimchronik des Gülich-Aufstandes in Köln 1682-86. Trips (1630-1696) war ab 1670 Pfarrer in Bad Honnef, als Historiker dokumentierte er die Zeitgeschichte des Rheinlandes. Sein Augenzeugenbericht der Kölner Bürgerunruhen unter Führung des Kaufmannes Nikolaus Gülich wurde 1704 posthum unter dem Titel “Quinquennalis seditio atque rebellis Ubiorum status” gedruckt. Die vorliegende Handschrift weicht nicht nur im Titel deutlich ab. Gegenüber dem Druck sind z.B. die “Praemonitio” zum ersten und der Vorspruch zum dritten Teil noch nicht enthalten. Die in allen Teilen des Druckes eingefügten chronographischen Zwischenüberschriften setzen in der Handschrift erst im dritten Teil ein, Chronogramme erscheinen darin erst gegen Ende. Der über weite Strecken gleiche Kerntext weist gelegentlich Wortabweichungen auf, so lautet die Schlusssequenz des zweiten Teils hier “Tertia pars, poenas supplicium … canet” statt “gladios, flagra … canet” im Druck. Wir vermuten eine frühe Fassung aus der Abfassungszeit und aus dem Umkreis des Autors. – Titelblatt etwas abgegriffen und mit späterem Besitzvermerk “Brühl”. In der Namensaufzählung zu Beginn der 26. Elegie des dritten Teils sind die letzten vier Einträge verwischt worden (im Druck enthalten). Sonst innen wohlerhalten.

Lot 24 Lavrov, Petr L. und Eduard Vaillant
Eigenhändige und signierte Schreiben von P. Lavrov an E. Vaillant und von E. Vaillant an Jules-Louis Breton. (Paris?), 11-12. Oktober 1897. 2 Autographen in Tinte auf einem mittig gefalteten Blatt Papier. Gesamtgröße (entfaltet): 11,5 x 18 cm.
Nachverkaufspreis 300 €
Das Schreiben des russischen Sozial-Revolutionärs und utopischen Sozialisten im Exil P. Lavrov empfiehlt dem französischen Sozialisten E. Vaillant seinen “compatriot le citoyen Vitline”, der des Rats und wenn möglich der Unterstützung bedürfe. Der Adressat wiederum leitete diese Empfehlung an J.-L. Breton mit neuem Anschreiben weiter. – Der auch unter Pseudonymen veröffentlichende P. Lavrov (1823-1901) verließ Russland nach jahrelanger Verbannung und hatte erheblichen Einfluss auf die “revolutionäre Intelligentsia”. Der bedeutende Vertreter der Ersten und Zweiten Internationale war mit Karl Marx bekannt und verfasste philosophische Texte. – Etwas finger- und braunfleckig.

Lot 25 Ludwig III., Großherzog von Hessen
Drei Ernennungsurkunden. Von Schreiberhand. Alle mit eigenhändiger Unterschrift Ludwigs III. 33 x 21 cm. – Alle mit schwacher horizontaler und vertikaler Faltung. [#]
Nachverkaufspreis 240 €
1. Ernennungsurkunde zum Leutnant für Ferdinand zu Ysenburg-Philippseich. Darmstadt, 18. Oktober 1860. – 2. Ernennungsurkunde zum Oberleutnant für Ferdinand zu Ysenburg-Philippseich. Nymphenburg (München), 15. Juli 1866. – 3. Ernennungsurkunde zum Rittmeister à la suite der Kavallerie für Ferdinand zu Ysenburg-Philippseich. Darmstadt, 18. April 1874.

Lot 26 Lustig Cohen, Elaine
2 maschinenschriftliche Briefe mit eigenhändiger Paraphe in englischer Sprache. New York, 21.03.1995 und Mallorca, 04.07.(ohne Jahr). Je 1 S. mit gedrucktem Briefkopf bzw. Hotelbriefkopf. DIN A4 und 21 x 15 cm. Mit den originalen Briefumschlägen.
Zuschlag 400 €
Elaine Lustig Cohen (1927-2016) gilt als einflussreiche amerikanische Buchgestalterin der 50er/60er Jahre und arbeitete später als freischaffende Medienkünstlerin. Beide Briefe sind an die Antiquarin, Künstlerin und Autorin Sibylle Kaldewey gerichtet. Lustig Cohen fasst ihre Erlebnisse im Frühjahr 1995 zusammen und dankt “for all the little bits of collage material”. Der kleinere Brief ist ein knapper Reisebericht aus Italien und Spanien. – Beiliegend: Fünf Bildpostkarten von Lustig-Cohen an Kaldewey, teils Neujahrsgrüße. Wien, Palma und ohne Ort, um 1998. Eine Karte von ihr entworfen, im Druck signiert und unbeschriftet, die übrigen künstlerisch mit Kollagepapieren, Stempeln und Briefmarken ausgestaltet sowie von Hand (3) oder mit der Maschine (1) beschriftet. – Neujahrsbrief 2012. Mit der Maschine einschließlich der Unterschrift in Rot und Schwarz auf Luftpostpapier als typographisches Bild gestaltet. – Gefaltet. – Beigabe: Zoubok/Saul Galleries. The Geometry of Seeing. The Art of Elaine Lustig Cohen 1996-2007. New York 2007/08. (36) S., durchgehend farbig illustriert. 26,5 x 20,5 cm. Originale englische Broschur. – Tadellos.

Lot 27 Mann, Franziska
5 eigenhändige Briefe mit Unterschrift. Berlin, 1912-1919. 8 S. auf 4 Doppelblättern (ca. 18 x 14 cm) und 1 Einzelblatt (27 x 21 cm). 3 Briefe mit gedrucktem Kopf. [#]
Zuschlag 330 €
Franziska Mann (1859-1927), Schwester von Magnus Hirschfeld, gilt als wichtige Publizistin der Frauenbewegung. Mit ihrem Bruder gab sie 1918 die Broschüre “Was jede Frau vom Wahlrecht wissen muß” heraus. Die vorliegenden Briefe sind an die Schriftstellerin Anna (Behnisch)-Kappstein (1872-1950) und ihren Mann gerichtet, teils Glückwünsche zu Büchern der Empfängerin. – Beiliegend: Dieselbe. 4 eigenhändige Briefe an die Schriftstellerin und Frauenrechtlerin Anna Plothow (1872-1950). Sämtlich ohne Ort, 1919-1924. 7 S. auf Einzelblättern. Ca. 24 x 19 cm.

Lot 28 Mendelsohn, Erich
Eigenhändige, signierte Postkarte an (wohl Herbert) Tannenbaum. 19.9.1918. 8,8 x 14 cm.
Zuschlag 260 €
Mendelsohn bittet den Kunsthändler und Filmtheoretiker Herbert Tannenbaum (1892-1952) u.a. darum, ein wohl mit der Karte versendetes “Friedensscheckbuch” zu zeichnen und auch seine Bekannten darum zu bitten. – Postkarte mit dem Motiv “Richter – Strolche und liederliche Dirnen (Fragment)”. – Ecken leicht gestaucht, leicht fleckig.

Lot 29 Mensch, Ella
Matrizenabzug eines typographischen Gedichtes zum 70. Geburtstag der Schriftstellerin und Frauenrechtlerin Anna Plothow (1853-1924) mit eigenhändigen Korrekturen, ausführlicher eigenhändiger Nachschrift und zweifacher Unterschrift. Berlin, 04.02.1923. 2 S. (10 Vierzeiler) auf 2 Einzelblättern. 29 x 22,5 cm. Gebräunt, Randeinrisse. [#]
Nachverkaufspreis 200 €
Dr. Ella Mensch (1859-1935), Schriftstellerin und Pädagogin, gilt als eine der ersten Doktorandinnen Europas und gab die Zeitschrift “Frauen-Rundschau” heraus. – Beiliegend: Eigenhändige Postkarte mit Unterschrift von Mensch an Plothow. Darmstadt, 25.07.1904. 1 S., rückseitig Adresse. 9 x 13,5 cm. – Weitere Beilagen: Drei eigenhändige Briefe von Mensch an verschiedene Empfänger mit Unterschrift, der früheste mit gedrucktem Briefkopf. Darmstadt (2) und Berlin, 1896-1918. 6 S. 21,5 x 14 cm.

Lot 30 Niderist, Johann Christoph
Assertiones in duos libros Aristotelis de generatione (animalium) dictatae ab Actm R. P. Leonardo Vellio e Societate Jesu et a me … exceptae. Eigenhändige Vorlesungsnachschrift auf Papier. Mailand, 1637. Kalligraphischer Titel, 187 beidseitig beschriebene Bl. Regelmäßige lateinische Kursive in schwarzbrauner Feder, Überschriften in Versalien. Gutes Schreibpapier ohne identifizierbares Wasserzeichen. 20,5 x 15 cm. Flexibler Pergamentband der Zeit mit 3 (von 4) Schließbändern (fleckig und aufgebogen, Bezugsfehlstelle am Vorderdeckel). [#]
Nachverkaufspreis 300 €
Der Schreiber bezeichnet sich am Titel als “Suitensi”, stammte demnach aus Schwyz. Ein Priester dieses Namens und dieser Herkunft erhielt 1638 in Chur die Weihen und wurde 1639 Frühmesser in Gams (Freiburger Diözesan-Archiv 131, 2011, S. 105, 110, 114). Der Vortragende ist im jesuitischen Kontroversschrifttum 1636 als Lehrer am Kolleg Mailand nachweisbar. Die Handschrift wurde “bachanalium tempora undecimo die februarii” beendet (während der Fastnacht am 11. Februar). – Zu Beginn Feuchtigkeitsfleck im weißen Kopfrand, sonst sauber.

Lot 31 Nobelpreisträger – Dées de Sterio, Alexander
Nobel-Preisträger in Lindau. Mit eigenhändiger Widmung von Adolf Butenandt vom 29.06.1978 und 159 Autogrammen auf den ersten Blättern, überwiegend von vergangenen oder künftigen Nobelpreisträgern. Solothurn 1963. 119 S., 2 Bl. einschließlich zahlreicher Bildtafeln. 19,5 x 21,5 cm. Brauner Original-Leinenband (unnummerierte Normalausgabe) mit Schutzumschlag (dieser etwas unfrisch und mit kleinen Randschäden).
Zuschlag 280 €
Laut Butenandts Widmung auf dem Titel von ihm und seiner Frau in Lindau und Stockholm 1978 gesammelte Autogramme. Titel weiterhin vom Präsidenten des Tagungs-Kuratoriums Lennart Bernadotte und vom Autor signiert. Unter den durchweg naturwissenschaftlichen Einträgern Francis Crick, Gerald M. Edelman, Ernst Otto Fischer, Gerhard Herzberg, Alfred D. Herschey, Dorothy Crowfoot Hodgkin, Bernard Katz, Willard Libby, Konrad Lorenz, Robert Mulliken, Vladimir Prelog, James Rainwater, James Watson, Geoffrey Wilkinson; anwesende Aspiranten waren u.a. Johann Deisenhofer, Jerome I. Friedman, Walter Gilbert, Leon Max Lederman, D. Alex Müller, Melvin Schwartz. – Obere Außenecke durchgehend etwas gestaucht.

Lot 32 Oper – Schaefer, Paul
Sammlung von 25 Briefen, Karten und Telegrammen an die Opernsängerin Eva von der Osten. 1922-1932. Unterschiedliche Formate. [#]
Zuschlag 200 €
Der Großteil der Schreiben ging anlässlich des Bühnen-Abschieds an die Sopranistin. Absender sind u.a. die Kolleginnen Frida Trodler-Striegler, Marie Wittich, Clementine von Schuch, Erich Wilhelm Engel, die Frau von Heinrich Gudehus und Rudolf Steiner, Telegramme schickten der Kritiker Hans Schnoor als auch Maedi und Robert Burg, und die Freifrau Felicitas von Hanstei dichtete gar zum Abschied. Wenige Schreiben sind nicht oder später datiert, wie ein Brief von Otto Bernstein vom 17.11.28. – Dabei: I. Urkunde zur Ehrenmitgliedschaft der Sächsischen Staatstheater sowie die Menükarte zum Bühnen-Abschied im Belvedere. – II. Künstlerphotographien von Anna von Mildenburg (zwei, eine mit eigenhändiger Unterschrift), ein Rollenphoto von ihrem Mann Friedrich Plaschke als Wolfram Eschenbach und von Elisabeth Rethberg (mit Widmung und eigenhändiger Unterschrift) sowie zwei weitere Porträts und ein privates Gruppenbild von “President Roosvelt New York”. – Dabei: Zwei eigenhändige Briefe von Curt Taucher an Friedrich Plaschke. Datiert “5. März 1925” und “19.9.40”. – Teils etwas knittrig, insgesamt sehr gut erhalten.

Lot 33 Riedl, Rupert
2 maschinenschriftliche Briefe mit eigenhändiger Unterschrift “Rupert” bzw.”Smoky (seine Frau) mit Rupert”. Wien, 05.11.1955 und 21.09.1959. Zusammen 3 S. DIN A4.
Nachverkaufspreis 200 €
Halb wissenschaftliche, halb persönliche Schreiben des Meeresbiologen (1925-2005) an seinen Fachkollegen Dieter Matthes in Erlangen, angesprochen als “Dieter” bzw. nur als “Liebe Gnädige, lieber Freund”. Zentrales Thema des früheren Briefes sind die von Riedl und seiner Frau mit dem österreichischen Fernsehen vor Rovinj (Jugoslawien) gedrehten Unterwasser-Farbfilme, der zweite Brief kreist um den 60. Geburtstag des Erlanger Zoologen Hans-Jürgen Stammer. – Beiliegend: Drei Briefe Ruperts an die Antiquarin Sibylle Kaldewey, einer eigenhändig in Kugelschreiber, zwei Computerausdrucke, alle mit Unterschrift “Rupert”. Wien und Altenberg (Konrad Lorenz Institut), 1979 und 1999. Zusammen 3 S. DIN A4. Mit zwei originalen Briefumschlägen. – Ferner drei Weihnachtskarten der Familie Riedl bzw. des Instituts an Kaldewey sowie eine farbige Porträtphotographie Riedls, datiert 25.11.2005, kurz nach seinem Tod.

Lot 34 Roth, Eugen
Vier eigenhändige Postkarten an den Schriftsteller und Kritiker Curt Hohoff. Ca. 1941-1942.
Nachverkaufspreis 200 €
Eugen Roth (1895-1976) gehört mit seinen heiter-nachdenklichen “Ein Mensch”-Gedichten und Erzählungen zu den meistgelesenen Lyrikern im deutschsprachigen Raum. – Roth berichtet dem Schriftsteller, Literaturkritiker und Essayisten Curt (auch Kurt) Hohoff (1913-2010) über ihren gemeinsamen Freund den Schriftsteller Georg Britting und über den Kriegsalltag: “München ist sommerstill, wie tot. Auch die Literatur tut keinen Schnaufer mehr. In der Stille freilich bin ich fleissig, wer weiss wie lang noch”. – Trotz seiner antimilitaristischen Haltung wurde Roth eingezogen und auf Lesereise zur Truppenbetreuung geschickt: “Ich habs satt, obwohl es ein Kinderspiel ist und oft ganz nett…”. – Etwas fleckig, Ecken bestoßen, etwas berieben.

Lot 35 Sachsen-Weimar-Eisenach, Carl August
Instruction wornach sich der von Unß, in denen Vier Vorder-Aemtern des Fürstenthums Eisenach bestallte provincial-Accoucheur, der Medicinae Ordinarius, Dr. Johann Heinrich Christian Heusinger, unterthänigst zu achten hat. Handschrift von Kanzlistenhand auf Papier mit eigenhändiger Unterschrift “Carl August mpp” und papiergedecktem Siegel. Eisenach, 22.08.1782. 9 S. auf 3 Doppelblättern. 32,5 x 20 cm. Defekte Heftung durch die Siegelschnur. [#]
Zuschlag 330 €
Genaue geburtshilfliche Regeln für den Arzt Heusinger, Vater des Schriftstellers und Sagensammlers Ernst Heusinger. – Faltspuren, etwas knitterig und fingerfleckig.

Lot 36 Sättler, Franz
Wie ich Orientalist u. Reiseschriftsteller wurde. Eigenhändiges Manuskript (Tusche auf Papier), letztes Blatt signiert. Ca. 1912/13. 34 num. Bl. 21 x 16,5 cm. Lose in Kartonage der Zeit mit eigenhändigem Deckelschild.
Zuschlag 440 €
Als Anhang in “Reisen und Abenteuer II. Bd. Nach Damascus und dem Hauran” erschienen. – Franz Sättler (1884-1942?) war ein deutscher Orientalist, Schriftsteller und Okkultist, auch unter dem Pseudonym Dr. Musallam bekannt. Er veröffentlichte ab 1912 u.a. fünf umfangreiche Reise- und Abenteuerromane in der Tradition Karl Mays.

Lot 37 Sint-Truiden (Belgien)
2 Urkunden über Grundstücksverkäufe. Niederländische Handschriften auf Pergament. Sint-Truiden, 1552/53. Je 1 S., rückseitig Regesten. Ca. 27 x 37 cm und 21,5 x 32,5 cm. Kanzleikursive in brauner Feder. Mit Fragmenten angehängter Wachssiegel. – Faltspuren, 1552 gebräunt, Kopfzeile mit halber Initiale abgeschnitten, 1553 vollständig und sauber. [#]
Zuschlag 340 €

Lot 38 Sommer, Johann Christian (Pseudonym: J. C. Schreiber)
Auswahl kleiner Gedichte für Stammbücher. Anonyme Abschrift. Ohne Ort, um 1811. Titel, 100 beidseitig beschriebene Bl., Schlussbl. Regelmäßige deutsche Kursive in schwarzer Feder. 12 x 18 cm. Dunkelgrüner Maroquinband der Zeit mit etwas Rückenvergoldung, schmalen goldgeprägten Deckelbordüren, marmorierten Vorsätzen und Goldschnitt (verblasst und berieben, vordere freie Vorsatzblätter entfernt).
Zuschlag 550 €
Sehr saubere Abschrift des in Karlsruhe 1811 erschienenen und für uns nur in einem einzigen Exemplar nachweisbaren Druckes (UB Leipzig). Nicht übernommen wurde eine Vorrede in Prosa, sonst folgt die Handschrift weitgehend dem Drucktext, der laut Titel auch Gedichte von Goethe, Herder und Jacobi enthält. Im Gegensatz zum Druck (74 Bl.) wurde jede Seite mit nur einem Text beschrieben. – Etwas fingerfleckig, zwei Blatt mit Tintenfleck, hinterer weißer Vorsatz von anderer alter Hand beschrieben.

Lot 39 Stein, Karl Freiherr vom und zum
Eigenhändiger Brief mit Unterschrift in französischer Sprache. Ohne Ort (wohl Paris), 29.04.(18)14. 1 S. quer auf einem Doppelblatt, rückseitig Adresse mit Poststempel und kleinem Ringsiegel. 13 x 20 cm. In beidseitig verglastem Profilrahmen.
Zuschlag 240 €
An “L’amiral Kinckel a l’hotel des Ambassadeurs” in Paris, wahrscheinlich der deutsch-niederländische Marineoffizier und Diplomat Heinrich August von Kinckel (1747-1821). “Je sors rarement avant 11. heures, et suis par consequence toujours pret a parler aux personnes qui veulent me honorer de leur presence et me parler d’affaires”. – Seltenes französisches Schreiben des Reichsfreiherrn, die Unterschrift ohne die für deutsche Briefe typischen Initialen. Ein Vergleichsbeispiel ist im Landesbibliothekszentrum Koblenz einsehbar (französischer Begleitbrief zu einem deutschen Manuskript, 12.02.1816). – Faltspuren, Respektsblatt mit kleinem Ausriss durch Öffnung des Siegels, gering gebräunt und fleckig.

Lot 40 Unseld, Siegfried
7 maschinenschriftliche Briefe mit eigenhändiger Unterschrift in blauer Tinte. Frankfurt, 1978-90. Zusammen 7 S. mit gedrucktem Briefkopf des Suhrkamp Verlages. DIN A4. Mit 4 originalen Briefumschlägen.
Nachverkaufspreis 200 €
An die Antiquarin, Schriftstellerin und Künstlerin Sibylle Kaldewey, meist Ablehnungen von ihr eingereichter Texte. – Faltspuren. – Beiliegend: Zwei maschinenschriftliche Briefe mit Unterschrift von Unselds Sekretärin Burgel Zeeh an Kaldewey. Frankfurt 1978/89. 2 S. DIN A4. – 1978 mit Frühstückseinladung zum 1000. Band der Bibliothek Suhrkamp, dazu nicht ausgefüllte Anmeldungskarte. – Ferner drei eigenhändige Dank- und Grußkarten Unselds an dieselbe mit Unterschrift, eine auf einer Bestellkarte ihres Antiquariates in Düsseldorf. 1982/83. – Eigenhändige Widmung für Kaldewey auf seinem “Fragebogen” der FAZ im Mai 1980. – Ivan Nagel. Maschinenschriftlicher Dankesbrief mit Unterschrift des Suhrkamp-Autors für eine Büchersendung von Kaldewey. Berlin, 05.10.1990. 1 S. DIN A4. – Faltspuren, etwas wellig.

Lot 41 Urkunden
Sammlung von 22 Urkunden auf Pergament in französischer, teils auch niederländischer Sprache. Wohl Belgien, 1539-49, wenige später. Kanzleikursive von verschiedenen Händen. Zwischen 14-42 x 30-64 cm. Gefaltet mit Resten angehängter Siegel. [#]
Zuschlag 900 €
Angestaubt, gebräunt, teilweise fleckig. – Beiliegend: Drei zugehörige Urkunden auf Papier. – Sollte besichtigt werden, ohne Rückgaberecht.

Lot 42 Wanderbuch
Wanderbuch für den Schlosser Georg Enger aus Hohenschäftlarn in Oberbayern. Ausgestellt in Wolfratshausen, 10. September 1847. XII Druckseiten, 64 S. für Einträge, davon 59 beschrieben und gestempelt. 15,5 x 10 cm. Halblederband der Zeit (stark berieben). [#]
Zuschlag 200 €
Enger – blond, mager – war zum Ausstellungsdatum 18 Jahre alt. 1847-51 wanderte er vor allem im oberbayerischen und mittelfränkischen Raum, für 1857-61 wird ihm Arbeit als Eisendreher bei Hauschmied Schneider in Gauting bescheinigt. Wenige weitere Einträge stammen aus den Jahren 1861-67. Enger hat das Büchlein an zwei Stellen unterzeichnet, außerdem liegt sein vorgedruckter “Denkzettel” zur Firmung 1839 bei. – Fingerspuren, vereinzelt Tintenflecken.

Lot 43 Wein – Mitscher & Caspary
Umfangreiches Teilarchiv der 1785 in Berlin gegründeten Weinhandlung. Erhalten sind: 11 starke Geschäftsbücher, davon 4 aus der Frühzeit, 5 mit Namensregistern. 1785-1877. Etwas abweichende Folioformate. Halblederbände der Zeit, 4 mit Sackleinen überzogen und mit handschriftlichen Deckeltiteln versehen, 1 Pappband (teils starke Gebrauchsspuren). – Über 200 meist handschriftliche Einzeldokumente zur Gründung der Firma und ihrer Entwicklung im 19. Jahrhundert. 1779-1923. Meist Einzel- oder Doppelblätter, aber auch Hefte und Kladden. Diverse Formate. – Mehrere Hundert ausführlicher eigenhändiger Briefe und Gegenbriefe, überwiegend zwischen Heinrich Caspari in Traben-Trarbach und seinem Vetter Johann Marx Hack in der Berliner Handlung. 1847-62, 1869 und 1873-75. In der Mehrzahl großes Quartformat, vielfach bläuliches Papier. Längs gefaltet und gebündelt. – Jahresweise gebündelte Quittungen, Rechnungen, Einlieferungsscheine, Steuerbelege, Wechsel etc. 1847-77, die ersten 3 Jahre fragmentarisch. Diverse Formate, gefaltet unter alt beschrifteten Banderolen. – Faßdeckel aus Eichenholz, Mittelstück mit geschnitztem Reiterstandbild (Friedrichs des Großen?) unter Krone, den Königsinitialen “FW” und Handelszeichen “M & C”. 19. Jahrhundert, Flügelstücke mit Lorbeerkranz ergänzt, dabei alte Faßnummer “36” zu “1736” umgraviert. Durchmesser 69 cm (Ausbrüche an den Spundlöchern, Dübelverbindung des linken Flügels locker).
Zuschlag 7500 €
Friedrich der Große gestattete 1784 den aus Traben-Trarbach gebürtigen Vettern Johann Nicolaus Caspary (1758-1839) und Johann Justus Mitscher (1755-1802), 12000 Liter Moselwein zollfrei nach Preußen einzuführen. Mit diesem Grundkapital wurde im März 1785 die laut beiliegenden Zeitungsausschnitten noch 1955 in Familienbesitz befindliche Weinhandlung gegründet, bis 1927 im Haus Königstraße 40 an der Ecke Klosterstraße. Wie aus den Geschäftsbüchern hervorgeht, bauten Mitscher & Caspary sehr schnell ein internationales Bezugsnetz auf und lieferten außer Moselweinen eine Vielzahl von Sorten, darunter der offenkundig beliebte Médoc oder Erzeugnisse von Moet & Comp. in Epernay. Dementsprechend breitete sich auch der Kundenkreis von der königlichen Kellerei auf den Militäradel und das gehobene Bürgertum aus. Die Namenslisten der Geschäftsbücher sind lang, genannt seien lediglich der königliche Kastellan Fiernkrantz, Hof-Traiteur Jager, Kommandeur von Clausewitz, Generaladjutant von Kleist, Geheimrat Uhden, Geheimrat und Doktor Hufeland, Staatsrat Nicolovius, die Banquiers Bendix und Bendemann. – Mitscher verheiratete sich mit einer Tochter der Berliner Guts- und Weinbergsbesitzer Wollank, nach beider Tod 1802/03 kam die Handlung in den Alleinbesitz der Familie Caspary. Etwa zu dieser Zeit trat Johann Marx Hack aus der Trabener Verwandtschaft in die Firma ein. – Die Geschäftsbücher umfassen u.a. “Calculation Buch” 1785-1822, “Brief-Copier-Bücher” 1785-98 und 1810-21, Kassenbuch 1785-98, Kundenkonten 1811-21, Soll und Haben der Handelsbeziehungen 1823-66. Dazu treten in den Dokumenten 3 frühe Kassenkladden 1785/87, 4 aufschlußreiche Generalinventare der Handlung (Mobiliar, Werkzeug, Weine, Debitoren, Kreditoren etc., jeweils zur Bilanzzeit Frühjahr 1786, 1790/91, 1802) sowie mehrere gesonderte Kellerinventare aus den Jahren 1791-99. Erhalten sind ferner die gestochene Handwerkskundschaft Casparys (Trarbach 1779, beschädigt), Ausfertigung der königlichen Einfuhrgenehmigung 1784, Mietvertrag für das Haus Klosterstraße 40 mit Zinsquittungen 1785-93, Frachtrechnungen an die königliche Vorratskellerei in Potsdam 1787 und in Berlin 1799 (1 Fuder Mosel), 3 vorgedruckte Reisepässe für Mitscher (2) und Caspary 1788-99, etliche Suppliken um Zollerlaß und ihre Bescheide, Geschäftsvertrag zwischen Mitscher und Caspary 1788, Mietvertrag über geflieste Keller im Haus 1795, vorgedruckte Bürgerbriefe für Mitscher (1790) und Caspary (1802), dreijährige Steuerbefreiung durch Friedrich Wilhelm II. 1790, doppelter Entwurf sowie Druck der Todesanzeige von Mitscher 1802 und Druck derjenigen seiner Frau 1803, Gewerbeschein für Caspary in Potsdam 1810, “Theilzettel” (Erbaufteilung) Caspary 1818, 2 lithographierte Preis-Courants um 1840 (1 durchgerissen), 2 gestochene Geschäftskarten, Notariatsinstrument über die Erbschaft von Hack 1857, Weinversteigerungslisten, etliche Wechsel etc. Von besonderem Interesse in dieser Abteilung auch zahlreiche Verträge über Zukäufe von Weinbergen im Moselgebiet. Ein Teil der Dokumente wurde um 1955 erfaßt und zusammen mit Auszügen der Geschäftsbücher zu einem Vortrag oder Ausstellungsrundgang verarbeitet, von dem ein Typoskript-Durchschlag erhalten ist. – Die sehr ausführliche Korrespondenz zwischen den Vettern Caspari in Traben und Hack in Berlin behandelt nach oberflächlicher Sicht sowohl Geschäftliches als auch Persönliches, ferner die Zeitereignisse. Das bis auf den wasserrandigen Jahrgang 1852 gut erhaltene Konvolut ist ansonsten völlig unerschlossen, ebenso wie die über 30 Jahre gebündelten Quittungen. – Von sehr guter Gesamterhaltung.

Lot 44 Wilhelmine Luise von Hessen Darmstadt, als russische Thronfolgerin Natalia Alexejewna
25 eigenhändige Briefe mit Unterschrift “Natalie”. St. Petersburg, Zarskoje Selo und Moskau, Oktober 1773-Oktober 1775. 74 S. auf Doppel- und Einzelblättern, 7 Briefe mit getuschten Trauerrändern, 2 mit floralen Stempeldruckbordüren. Zwischen 15,5 x 10 cm und 24 x 20 cm (überwiegend im Quartformat). [#]
Zuschlag 4400 €
In französischer Sprache an ihre Schwester Amalie (“Amelie”). Wilhelmine von Hessen-Darmstadt (1755-1776) heiratete 1773 den nachmaligen Zaren Paul I. (1754-1801) und starb bei der Geburt ihres ersten Kindes. Ihre Schwester Amalie (1754-1832) wurde 1774 mit dem Erbprinzen Karl Ludwig von Baden (1755-1801) vermählt. Die ehelichen Verhältnisse – glücklich für Wilhelmine, schwierig für Amalie – spielen eine wesentliche Rolle in der schwesterlich-vertrauten Brieffolge. Das erste Briefchen vom 20.10.1773 trägt ein halbseitiges eigenhändiges Postskript mit Unterschrift “Paul”, außerdem liegt ein Verzeichnis von Gegenständen aus Wilhelmines Besitz bei, die sie an namentlich genannte Verwandte und Freunde verteilt wissen möchte. Am 31.01.1774 “a 11 heures et 1/2 du Soir” gratuliert sie der Schwester zur bevorstehenden Hochzeit und hofft, dass Amalie genauso glücklich wie sie selbst werde. Sie selbst lebe mit ihrem Mann zurückgezogen und liebe die rauschenden Bälle nicht mehr. “Vous verrez dans une année d’ici qu’il n’y a rien de si heureux que de trouver dans son mari son meilleur ami et de pouvoir avoir en lui toute confiance”. Schon am 15.03.1774 muss Wilhelmine/Natalie die Schwester rügen: “J’ai appris avec peine la froideur avec laquelle vous traitez mon cousin de Bade. L’amitié et l’attachement que ce Prince a depuis si longtemps pour vous Ma chere Soeur meriteroit un peu de retour je dis pas que vous devez sentir de l’amour pour lui … mais de lui marquer une vraie amitié … puisque vous n’avez jamais marqué aucune repugnance a l’épouser”. Wegen des fast gleichzeitigen Todes von Mutter und Großmutter sind die Briefe zwischen April und Juli 1774 mit Trauerrändern versehen. Ein schwerer Verlust: “Je voudrai volontiers donner ma Vie pour les faire vivre”. Das Schreiben vom 21.05.1774 ist ein seltenes Doppelautograph zum Geburtstag Amalias, begonnen von der Schester: “Dieu veuille que vous serez aussi heureuse et aussi contente que moi je puis dire avec verité que mon attachement pour le Grand Duc augmente tout les jours …”. Auf der zweiten Seite übernimmt Großfürst Paul unvermittelt (ohne Unterschrift Natalies) die Feder: “J’ai été chargé chère belle soeur de continuer la lettre et de Vous dire, que ma femme n’a pu Vous écrire d’avantage à cause de très fort saignement de nés … Je profite de ce moment pour Vous réiterer les assurances de ma tendre amitié … Paul”. Nach dem Sommer 1774 kündigt Natalie an: “Nous irons cet hiver a Moscou je suis anxieuse de voir cette Ville”. Im Juni 1775 schwärmt sie: “Je suis enchantée des environs de Moscou, il sont de toutes beautés – S. M. a achetée une terre qui appartenoit autrefois a un prince Cantemir c’est la plus belle situation du monde, des collines fort hautes, des valons, des bois … enfin cela est charmant et tout a fait naturel, l’on n’y a jamais travaillé, c’est un parc a l’anglois”. Der letzte Brief datiert vom 21.10.1775, ein halbes Jahr vor Natalies Tod: “Je voudrois bien ma chere Amelie que vous puissiez venir dans 1 an ici …”. – Vereinzelt angestaubt, wenige kleine Papierfehlstellen, insgesamt sehr gut erhalten.

Lot 45 Wyttenbach, Johann Hugo
Philosophische Rechtslehre oder Naturrecht. Anonyme Vortragsnachschrift. 15 nummerierte Hefte in 1 Band. Trier, um 1800. Zusammen 670 teils separat, teils nicht paginierte S. und etliche unbeschriebene. Regelmäßige deutsche Kursive in braunschwarzer Feder auf kräftigem, lagenweise bläulichem Bütten. Etwas späterer Halbpergamentband mit goldgeprägtem Rückenschild (dieses mit Schabspur, Pergament angestaubt und fleckig, Deckel etwas berieben). [#]
Zuschlag 300 €
Die Handschrift beginnt mit einem “Vorbericht zur Gesetzgebungs-Lehre” (so auch der Rückentitel). Zu dieser Einleitung vermerkt das abschließende “Register der in meinem Manuscript über das Naturrecht verhandelten Gegenstände”: “Antritts Rede des Verfassers H. Wyttenbach”. Wyttenbach (1767-1848) las ab 1799 an der neu eingerichteten Trierer Zentralschule über Naturrecht, von 1804 bis 1846 war er Direktor der Sekundarschule und des folgenden Gymnasiums. Karl Marx wurde 1830-35 durch Wyttenbachs historischen Unterricht stark geprägt. Wyttenbach galt als intellektueller Freigeist und stand 1837 sogar unter Beobachtung der preußischen Geheimpolizei. Gleichzeitig war er Begründer der Trierer Stadtbibliothek und Lokalhistoriker. Seine ungedruckte, umfangreiche und erschöpfende Darstellung des Naturrechts endet mit der selbstbewußten Feststellung: “Kant war unser Leitfaden bey unseren Untersuchungen des Rechts, aber kein LOGOS EOL, kein Er hat es gesagt brachten uns vom Prüfen ab, und wo wir anderer Ueberzeugung waren, brachten wir sie vor, und suchten sie mit Gründen zu unterstützen”. – Unbeschnitten, innen sehr gut erhalten.

Lot 46 Zajcev, Boris K
Russisches Manuskript. Von eigener Hand niedergeschriebener, mit Korrekturen versehener und signierter literarischer Text. Die letzten Kapitel des autobiographischen Textes “Drevo zhizni” (Der Lebensbaum). Vor 1953. 195 4 Bl., 10 Doppelbl.; 1 Bl., 11 Doppelbl., 1 Bl.; 1 Bl., 17 Doppelbl.; alle von eigener Hand verschieden nummeriert (Bl. 39-63 und 64-97; Bl. 65-88). Tinte auf insgesamt 83 losen Blatt Papier. Je 30 x 20 cm.
Nachverkaufspreis 6000 €
B. Zajcev (1881-1972) gilt als bedeutender junger Vertreter des “Silbernen Zeitalters” in der russischen Literatur, er wurde 1962 für den Literatur-Nobelpreis nominiert. – Folgende Kapitel liegen vor: Berlin (Berlin); Proshino (Proshino); Letopis’ zemlyanogo vala (Chronik des Zemlyanoj Val). – Die Handschrift stammt aus dem Redaktionsarchiv der New Yorker Zeitschrift russischer Emigranten “Novyj zhurnal” (New Review). Hier vorliegend im mehrfach beschrifteten Umschlag der Redaktion.

Lot 47 Zisterzienser
Libellus diffinitionum ordinis Cisterciensis. Torso mit den Distinctiones 2-15 (von 15). Lateinische Handschrift auf Pergament. Mittel-/Westeuropa, 14./15. Jahrhundert. 63 neuzeitlich gezählte Bl. Gotische Textura von wohl 3 Händen, durchgehend regliert und mit roten Lombarden versehen, Überschriften und Kapitelnummern in Rot. 16 x 12,5 cm (Schriftspiegel ca. 12,5 x 9 cm). Neuer Pergamentumschlag mit durchgezogenen Bünden im Pappschuber.
Zuschlag 11000 €
Spätmittelalterliche Gebrauchshandschrift der Ordensregeln, Bestandteil des “Nomasticon Cisterciense”. – Die Handschrift trägt am Kopf des ersten Blattes einen Vermerk “Usus Sacri Ordinis Cisterciensis” wohl des 18. Jahrhunderts, ist also früh unvollständig geworden. Der Text beginnt mit dem Explicit der zweiten Distinction und dem Incipit der dritten (“qui agit de divino officio”). Mit dem Ende von Distinctio X (Bl. 48v) hört die Zählung auf, eine spätere Marginalie auf Bl. 54r kennzeichnet den Beginn von Distinctio 14. Das Kolophon auf Bl. 63v lautet “Hic expliciunt diffinitiones nove”, darunter der verbreitete Schreiberspruch “Qui scripsit scribat et longe tempore vivat amen”. – Randfehlstellen ohne Textverlust an Bl. 1 (fachgerecht angesetzt), Bl. 42, 58 und 60 (dort unter Verlust einer halben Zeile recto angesetzt). Bl. 27 und 47 mit kleinem Pergamentfehler im Rand bzw. der obersten Zeile. Außenränder fast durchgehend mit feinen Spannlöchern, gegen Ende mit Berührung von Marginalien beschnitten. Gelegentlich etwas fleckig und berieben, insgesamt wohlerhalten.

Lot 48 Allgemein – Crailsheim, A. E. F. von
Die zehenmal hundert und eine Kunst, Oder vermischte Sammlung von tausend und zehen nützlichen auch lustig und scherzhaften … Kunststücken. 10 Teile in 1 Band. Mit 5 teils gefalteten Tafeln und zahlreichen Textholzschnitten. Nürnberg, Riegels Witwe, 1766. 2 Bl., 825 S., 24 Bl. 16,5 x 10,5 cm. Lederband der Zeit mit reicher Rückenvergoldung (berieben und bestoßen). [*]
Zuschlag 220 €
Anonym erschienene erste Ausgabe der in 10 Teilen erschienenen Sammlung von ca. 1000 nützlichen medizinischen Rezepten, hauswirtschaftlichen Anleitungen, Wundermitteln und Zaubertricks. – So z.B. Herstellung von Zahnpulver, Brandsalbe, Durchfallmittel, Mittel gegen Feuermale, Leberflecken, erfrorene Füße, Hundebisse sowie das Skelettieren von Mäusen, Lackieren von Fröschen, eine Kutsche zu Fall bringen, Feuerschlucken, eine “Katz mit dem Messer an die Wand zu spießen”, farbige Tinten, Farben und Siegellack herstellen, ein Buch binden (S.727 ff.), Flohfallen bauen, Vögel ausstopfen, eine Granate entschärfen, Kartentricks u.v.m. – Teilweise wasserfleckig.

Lot 49 Allgemein – Kessler, Thomas
Vierhundert außerlesene chymische Proceß und Stücklein, theils zur innerlichen, theils zur Wund- und eusserlichen Artzney dienstlich, biß anhero in geheim verhalten. Zum vierdtenmal auffgelegt. 4 Teile in 1 Band. Nürnberg, Wolfgang Endter, 1641. 15,5 x 9,5 cm. Blauer Lederband (um 1750) mit rotem Rückenschild (“Schriften über Rosencreuzer”) (etwas kratzspurig und berieben). [*]
Zuschlag 300 €
VD17 15:744526P – Wellcome III, 388 – Ferguson I, 460 – Ferchl 271. – Medizinisch-alchemistisches Kompendium mit Rezepten zur Metallverarbeitung, für neue Legierungen und Lösungen sowie zur Linderung und Heilung von Schmerzen. Zuerst 1629 mit 400 Rezepten erschienen, bis 1713 aufgelegt (später mit “500” Prozessen). Wie bei dem VD 17 Exemplar Teile 1 und 2 mit durchgehender Paginierung, so liegen hier die Teile 1 – 4 komplett vor. – 1. Titel fleckig und angerändert, die ersten Blatt lose, etwas gebräunt. – Zum Schluss in etwas kleinerem Format angebunden: Kurze und deutliche Vorstellung der edlen Probierkunst. … Nürnberg, Zieger, 1695. 8 (von 20) Bl., 523 S. 13,5 x 7,5 cm. – VD17 3:606584F – Brüning 2777. – Ohne Frontispiz, Titelblatt und den ersten elf Vorblättern, das eigentliche Werk komplett. – Etwas gebräunt.

Lot 50 Allgemein – Knoblauch, Joseph Wilhelm
Von den Mitteln und Wegen, die mannichfaltigen Verfälschungen sämmtlicher Lebensmittel außerhalb der gesetzlichen Untersuchung zu erkennen, zu verhüten, und womöglich wieder aufzuheben. Eine durch die königl. böhm. Gesellschaft der Wissenschaften genehmigte Preisschrift. Auf Kosten der Gesellschaft mit einer Vorrede gedruckt und dem Verfasser als Belohnung überlassen. 2 Teile in 2 Bänden. Leipzig, in Commission bey Mittler, 1810. XXIV, XI, 74 S., XVI S., S. (575)-1036, S. 1039-2050 (recte 1250), X S. 20 x 12 cm. Lederbände der Zeit mit zwei farbigen Rückenschildern und reicher Rückenvergoldung (leicht fleckig). [*]
Zuschlag 350 €
Erste Ausgabe der seltenen Schrift zur Lebensmittelkunde. – Weiss 1970 – Hirsch/Hübotter III, 559. – Joseph Wilhelm Knoblauch (1781-1819) war Arzt und Professor in Leipzig. – Die kenntnisreiche Schrift verbindet Botanik, Zoologie und Chemie mit der Kochkunst. Behandelt weit ausgreifend die Atmosphäre (darunter Licht, Wärme, Elektrizität, Stickstoff, Fäulnis, Schwerkraft und Elastizität), Lebensmittel im Allgemeinen, Gefäße, hölzerne Werkzeuge, Überzinnung, Kupfer, Blei, Arsenik, Platin, tierische Lebensmittel (darunter Säugetiere, Vögel, Fische), Pflanzen (darunter Wurzeln, Stängel, Blätter, Blumen, Beeren, Samen, giftige Pilze) sowie Zucker, Farben, Wasser, Bier, Wein, Essig, mechanische und chemische Untersuchungen, Mineralien usw. – Der erste Teil in 2 Abteilungen bis Seite 1036. Der zweite Teil mit dem Titel “Anleitung zur Kenntniß der unverfälschten, und Prüfung der verdächtigen Nahrungsmittel” ab Seite 1039, hier jedoch ohne das Titelblatt. – Titel mit zwei alten Stempeln, teils leicht gebräunt. Gutes Exemplar, dekorativ gebunden.

Lot 51 Astronomie – Asclepi, Giuseppe
De objectivi micrometri usu in planetarum diametris metiendis. Exercitatio optico-astronomica habita in collegio romano a patribus Societatis Jesu Anno 1765. 3. Non. Sept. Rom, Salomoni, 1765. 40 S. 23 x 17 cm. Rückenbroschur. [*]
Zuschlag 200 €
Erste Ausgabe der seltenen Studie über die Erforschung des Durchmessers der Sonne und der Planeten, Venus und Mars, enthält am Ende Tabellen der Berechnungen. – De Backer-Sommervogel I, 601. – Nach dem italienischen Astronom und Physiker Giuseppe Maria Asclepi (1706-1776) wurde ein Mondkrater benannt. – Titel etwas angestaubt und mit altem Sammlungsstempel.

Lot 52 Astronomie – Bigot de Morogues, Pierre M. S.
Mémoire historique et physique sur les chutes des pierres tombées sur la surface de la terre à diverses époques. Orléans, imprimerie de Jacob Aîné, 1812. 2 Bl., IV, 361 S. 21,5 x 14 cm. Broschur der Zeit. [*]
Zuschlag 650 €
Erste Ausgabe der ersten Geschichte der Meteoritenkunde. – Ward & Carozzi 215. – Unbeschnitten. – Minimal gebräunt. – Gutes Exemplar.
First edition of the finestt history of meteorite controversy and the first history of meteoritics. – Contemp. blue wrappers. Uncut. – Minor browning. – Fine copy.

Lot 53 Astronomie – Finé, Oronce
Quadrans astrolabicus, omnibus Europae regionibus inserviens. Ex recenti & emendata ipsius authoris recognitione in ampliorem, ac longe fideliorem redactus descriptionem. Mit Titelbordüre in Schrotschnitt nach Finé. Paris, Simon de Colines, 1534. 18 Bl. 28,5 x 22 cm. Neuerer marmorierter Pappband. [*]
Zuschlag 400 €
Zweite Ausgabe, erstmals 1527 erschienen. – Lalande 53 – Adams F 478 – Renouard, Colines 229f. und 90 – Schreiber 116: “The present treatise on the astrolabe represents the earliest work by Finé printed by Colines that survives materially…for the second edition Finé made some revisions and additions.” – Wellig, teils wasserfleckig, wenige Seiten mit Randbemerkungen von alter Hand.

Lot 54 Astronomie – Izarn, Joseph
Des Pierres tombées du Ciel, ou Lithologie Atmospherique, présentant la Marche et l’Etat actuel de la Science, sur le Phénomène des Pierres de foudre, Pluies de pierres, Pierres tombées du ciel, etc.; plusieurs Observations inédites, communiquées par MM. Pictet, Sage, Darcet et Vauquelin; avec un Essai de Théorie sur la formation de ces Pierres. Mit 1 gefalteten Tabelle. Paris, Delalain Fils, an XI (1803). VIII, 421 S. 21 x 13,5 cm. Umschlag der Zeit (angerändert, Rückenbezug teils fehlend). [*]
Zuschlag 1100 €
Erste Ausgabe des seltenen Werkes über den Ursprung und die Geschichte der Meteoriten, veröffentlicht kurz nach dem Meteoriten-Schauer in L’Aigle im April 1803. – Poggendorff I, 1174 – Burke, Cosmic Debris, 59. – Verso Vortitel mit Widmung des Verfassers: “à Monsieur Mazurié par l’auteur.” – Unbeschnitten. – Block gelockert.