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Lot 1
Adelsprobe des spanischen Geschlechts de Padilla. 76 Pergamentblätter mit 5 ganzseitigen farbenprächtigen Illustrationen und 28 fein ausgeführten figürlichen Initialen. Jedes Pergamentblatt mit einem Wappenstempel von Philipp V. (1683-1746), König von Spanien, versehen. Spanien um 1738. Mit eingebundenen purpurroten Schutzbahnen aus Seide. Original-Einband mit purpurroten samtbezogenen Holzdeckeln, versilberten Eckbeschlägen, ovaler Rosette im Zentrum und Schließen. Großes Bleisiegel mit dem Wappen des spanischen Königshauses. 31,5 x 22 cm (Beschläge und Bleisiegel etwas berieben). [#]
Zuschlag 3700 €
Diese prächtig gestaltete Adelsprobe ist ein urkundlicher Nachweis der adligen Abstammung des Geschlechts de Padilla. Die Ahnenprobe galt als ein wirksames Mittel zur Selektion spätmittelalterlicher und frühneuzeitlicher Eliten, das im Zuge zunehmender Juridifizierung von ständischen Ordnungsvorstellungen an erheblicher Bedeutung gewann. In unterschiedlichen Kontexten diente sie als Nachweis einer geburtsständischen Qualität, womit sich zugleich bestimmte Gruppen den Zugang zu materiellen und politisch-sozialen Ressourcen exklusiv sicherten. – Pergamentblätter etwas gewellt, nur vereinzelt minimal fleckig, insgesamt sehr schönes und gut erhaltenes Exemplar.

Lot 2 Befreiungskriege – Milz, Franz von
Premier Lieutenant Franz v. Milz. Journal über den Feldzug anno 1814 vom 17ten Decbr. 1813 bis 28ten April 1814. Heilbronn bis Epinal. Deutsche Handschrift auf Papier. 28 Bl. 17,5 x 11 cm. Kartonage der Zeit (bestoßen, Lasche teilweise eingerissen, Rückenbezug fehlt). [#]
Zuschlag 1300 €
Beim Verfasser handelt es sich um Franz von Milz, 1792 in Bregenz/Österreich geboren. Er diente ab 1810 beim Württembergischen Infanterie-Regiment Nr 3. und war dort Anfang 1813 zum Premier-Lieutenant ernannt worden, als welcher er dem Winter-Feldzug 1813/14 bis zu den Gefechten von Epinal und Montereau im Januar und Februar 1814 beiwohnte. Er beschrieb hier den Marsch seiner Einheit ab Heilbronn in westlicher Richtung durch Württemberg bis nach Epinal und das dortige Gefecht. Es war militärisch bedeutungsvoll, da dort durch den Sieg über die französischen Truppen der Weg nach Westen für die Einheiten der Koalition gegen Napoleon frei wurde. Franz von Milz stieg später bis zum Major auf, als welcher er 1841 in Ludwigsburg Arsenaldirektor wurde, und in dieser Position bis zur seiner Pensionierung 1861 blieb. Er verstarb 1875 in Ludwigsburg. – Der Text, bisher wohl nie ausgewertet beziehungsweise gedruckt, ist eines der raren handschriftlichen Zeugnisse aus der letzten Phase der Befreiungskriege und wirft Licht auf die Vorgeschichte einer militärisch wichtigen Episode. – Innen etwas gebräunt, selten etwas verwischt beziehungsweise fleckig, insgesamt gut erhalten.

Lot 3 Bergbau
Blanckenburgische Kohlen-Ordnungs-Tabellen. Aus den Jahren 1734 bis 1748. Band 11. Deutsche Handschrift auf Papier. Ca. 250 Bl. 35 x 23 cm. Ohne Einband. [#]
Zuschlag 300 €
Akten, Protokolle und Tabellen über die Erzeugung von Holzkohle in den oberen und unteren Forsten des Fürstentums Blankenburg im Harz gelegen. – Mit größeren Randläsuren und Gebrauchsspuren.

Lot 4 Bergbau
Kassenbuch. Riechelsdorfer Kupfer Berg und Hütten Zeichnung – Des durchleuchtigsten Fürsten von Hessen Kassel Carln Landgrafen … Deutsche Handschrift in brauner Tinte auf Papier. Kassel, 1705/1706. 620 S. 33 x 21 cm. Ganzpergamentband der Zeit mit handgeschriebenem Titel und Datierung auf dem Rücken (Ecken und Kanten gering bestoßen, Pergament fleckig und verstaubt). [#]
Zuschlag 1200 €
Die Richelsdorfer Hütte verdankt ihre Entstehung den verschiedenen Bodenschätzen im Richelsdorfer Gebirge, wo der Reihe nach Kupfer, Nickel, Kobalt und Schwerspat im Untertagebau gewonnen und verhüttet wurden. Die älteste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahre 1460, in der nachweislich von einer Kupferschmelzhütte die Rede ist. Die hessischen Landgrafen haben sich schon sehr früh für das Werk interessiert. Um 1700 zählte man eine Belegschaft von über 1000 Beschäftigten. Zu dieser Zeit erweiterte der damalige Landgraf von Hessen das Werk u.a. mit zwei Hochöfen, Kokerei, einem Kupferhammer und zwei Pochwerken mit Kobaltwäscherei. – Dokumentiert in Tabellenform werden die einzelnen Posten der Einnahmen sowie Ausgaben, darunter Hüttenkosten, Bergkosten für Holzbalken, Geschmiedetes, aber auch “Lohnstellen” mit aufgelisteten Besoldungen und Inventarlisten. – Papier leicht wellig, an den Rändern braunfleckig, insgesamt recht gut erhalten.

Lot 5 Bergbau – Seydel, S. (?)
Schmeltz Buch, von Churfürstl. Sächs. Ertzkauff zu Freybergk. Das Quartal Luciae. Handschrift auf Papier. Freiberg 1684. 31,5 x 20,5 cm. Deutsche Kursive in schwarzbrauner Tinte. 13 Bl. (Umschlag der Zeit mit kleinen Randläsuren, etwas angestaubt). [#]
Zuschlag 650 €
Bericht einer Schmelzhütte über den Ankauf von Erz in Freiberg im Bergquartal Luciae (1.Oktober bis 31.Dezember) 1684, festgehalten vom Vorläufer Samuel Seydel(?). – Enthält ein Blatt Auflistung der Vorräte des vorigen Quartals Crucis, sieben Blatt Dokumentation der Aktivitäten in den Wochen des Quartals, vier Blatt Auflistung der Vorräte zum Ende des aktuellen Quartals. – Innen nur partiell leicht angestaubt, sonst sauber.

Lot 6
Emonumenti Dall’Aglio – Genealogia D’Agione. Stammbuch des Geschlechts Dall’Aglio. Mit 38 Farbaquarellen von Ahnenporträts mit handschriftlichen Bildlegenden in Italienisch. Wohl Ende 18.Jahrhundert. 63 Bl. 31 x 22 cm. Späterer Pappband (mit stärkeren Gebrauchsspuren, Fadenheftung etwas gelöst).
Zuschlag 1400 €
Auf der ersten Seite befindet sich ein rudimentärer Stammbaum des Geschlechts Dall’Aglio. Die ersten sechs Tafeln zeigen alttestamentarische Personen wie König David, den Propheten Haggai sowie teilweise zitierte Textpassagen aus dem Alten Testament. – Die folgenden Tafeln zeigen bedeutende Herrscherporträts, worin in den Bildlegenden auf das Geschlecht Dell’Aglio hingewiesen wird. Die genealogischen Zuweisungen unter diesem Namen scheinen allerdings historisch nicht korrekt zu sein. Das vorliegende Stammbuch weist auf die “Legende” hin, als der ottonische Herrscher Heinrich II. König von Italien wurde und sein Berater Longofredo mit seinen drei Söhnen Ingelforte Del’alio, Leopardo de Martinengo and Terzo große Besitztümer erwerben konnten und somit bedeutende Familien in der Provinz von Bergamo gründeten. Aus dem Namen Dall’Aglio wandelte sich der Name zu dem noch heute existierenden Adelsgeschlecht Agliardi in Bergamo. Parallel dazu ist der Name Dall’Aglio von Frankenfels bis ins 18. Jahrhundert nachweisbar. – Tafeln teils etwas fleckig, mit kleineren Randläsuren.

Lot 7 Franz Joseph I. von Österreich
Adelsdiplom. Handschrift auf vorgedrucktem und koloriertem Pergament. Wien am 5. Oktober 1869. 2 lose Doppelblätter. 36,5 x 27 cm. [#]
Zuschlag 330 €
Adelsdiplom für Eduard Krziwanek, “im Jahre 1799 zu Iglau in Mähren geboren, Gutsbesitzer in Böhmen (…) mit unserer kaiserlichen Entschließung vom 22. April 1869 ihm samt seinen ehelichen Nachkommen den Adelsstand zu verleihen…” – Mit gemaltem Wappen. Eigenhändige Unterschrift des Kaisers und des Ministers des Innern, Dr. Carl Giskra. – Pergamentblätter ehemals gebunden, leicht gewellt, Ränder leicht angestaubt.

Lot 8
Fürsten Otto Victor I. von Schönburg und Heinrich Eduard von Schönburg. Landesgrundgesetzlicher Erbvergleich. Schloß Waldenburg / Sachsen, 23 Oktober 1841. Deutsche Handschrift auf Papier. 6 Doppelblatt. 34 x 21 cm. Mit 2 Lacksiegeln und einem blindgeprägten Siegelstempel.
Nachverkaufspreis 400 €
Bedeutendes historisches Zeugnis zur Geschichte des sächsisch-böhmischen Adelsgeschlechts von Schönburg, zwischen den Brüdern Otto Victor (1785-1859) und Heinrich Eduard (1787-1872), Fürsten von Schönburg. Erwähnt wird die bereits erfolgte Regelung von 1813 mit dem Bruder Friedrich Alfred von Schönburg bezüglich der Herrschaften Hartenstein und Stein. Ab dem 13. Januar 1840 erlangen, in Nachfolge von Friedrich Alfred die Brüder Otto Victor I. und Heinrich Eduard das Besitzrecht an den Herrschaften Hartenstein und Stein, welches sie fortan gemeinsam verwalteten. – Am Falz teils eingerissen, oben kleinere Randläsuren, etwas braunfleckig.

Lot 9
Gästebuch des “Museums Artis” aus dem Kneippkurort Wörishofen. 125 nn. Bl. (davon 29 mit Einträgen). 41,5 x 32 cm. Pergamenteinband der Zeit mit dekorativen versilberten Eckbeschlägen und Schließen (Deckel etwas fleckig). [#]
Nachverkaufspreis 750 €
Das “Museum Artis” in Wörishofen wurde am 1. Juli 1895 von dem holländischen Maler Abraham Calissendorff eröffnet und für Ausstellungen, Künstlerfeste und Konzerte genutzt. Der erste Eintrag mit Unterschrift “Alle Gewässer der Erde loben den Herrn” erfolgte von Sebastian Kneipp. Er war als Pfarrer in Wörishofen tätig und nach Erscheinen seines Buches “Meine Wasserkur” erfolgte ein zunehmender Zustrom von Kurgästen. Weitere Einträge und Unterschriften u.a.: Erzherzog Joseph, Erzherzog Joseph August und Erzherzogin Auguste von Österreich, Graf Gyula von Széchenyi, Joseph Zakrzewski, Marie Adelgonde und Henri de Bourbon, Antoinette Prinzessin von Isenburg, Luise Marquise Gandolfi di Gazelli, Prince Alfred de Croy, Ottilie Gräfin Wurmbrandt, Marques de la Romana, Duca & Duchesse di Parma, Adelaide & Beatrice di Borbone Principessa di Parma, Maria Theresia Erzherzogin von Österreich Infantin von Portugal, Elisabeth Erzherzogin von Österreich, Herzog Don Miguel und Herzogin von Braganca uvm. – Ein Blatt mit der Tischordnung zum 18. Geburtstag der Gräfin Margareta Wratislav. Lose beiliegend: Neun weitere Blätter mit Einträgen von 1895 “Dem Künstler des Tempels ‘Artis'”. – Unbeschnitten, teils etwas gebräunt, insgesamt schönes und prächtiges Album.

Lot 10
Gesellenbrief. Paczinska von Tenczin, Bernarda. Kalligraphischer Gesellenbrief für den “Lust- und Orangen Gärthner” David Jänisch, verliehen durch die Äbtissin “Bernarda Packzinzka von Tentkzin” des Zisterzienserinnenstifts Trebntiz. Datiert ‘Trebnitz, Im Jahre’ 1765 ‘am 10. Juny’. Mit eigenhändiger Unterschrift von David Jänisch. Hell- und dunkelbraune Tinte auf Pergament. 35,5 x 59,5 cm. Unter Passepartout. [#]
Zuschlag 280 €
Bernarda von Paczinski von Tenczin (1706-1789) war von 1747 bis 1789 die regierende Äbtissin des Zisterzienser Klosterstifts in Trebnitz, Niederschlesien. – Urkunde mit zwei kalligraphischen Kopfzeilen, im Zentrum Wappenkartusche der Adelsfamilie Paczinski, einer umlaufenden Bordüre und zwei ausgeschmückten Initialen, oben rechts der Stempel Friedrich des Großen, oben links Gebühren-Stempel, Fußsteg umgefaltet mit floraler Verzierung und sechs Einschnitten zum Befestigen eines Bandes mit Siegel.- Ehemals gefaltet, etwas wellig.

Lot 11 Glaser, Milton
Eigenhändig gemalte Postkarte mit elfzeiligem handschriftlichen Text an Hermann Hesse. Filzstift auf Papier. Februar 1961. Blattgröße: 10,2 x 14,7 cm. [#]
Nachverkaufspreis 200 €
Milton Glaser war ein New Yorker Graphikdesigner, Illustrator und Typograph. Sein wohl berühmtester Entwurf ist das Rebuslogo “I love New York” von 1973. In den 1970er Jahren entwarf Milton Glaser im Auftrag des New Yorker Verlags Farrar, Straus & Giroux die Buchtitelgestaltung sowie einen Hermann Hesse-Kalender mit der typischen “Pin Push Style”, welchen Milton Glaser mitbegründet hatte. – Diese schlicht gestaltete und freundschaftliche Postkarte mit einem kurzen Gedicht, bekundet die frühe Freundschaft zwischen Hermann Hesse und Milton Glaser. – Postkarte papierbedingt etwas gebräunt und etwas fleckig.

Lot 12 Goethe, Johann Wolfgang und Johann Heinrich Meyer – Schuchardt, Johann Christian (Schreiber)
(Rückentitel:) Goethe’s Münz-Sammlung. (Kein Titel; keine Überschrift). (Incipit:) “Nach einer langen Ruhe begannen die Künste während dem Verlauf des 13ten Jahrhunderts zuerst in Italien wieder aufzuleben. Gewerbtreibende Städte …”. 158 Bl. (Einzelseiten; Blattzählung in der oberen Ecke in Blei aus jüngster Zeit), davon die ersten drei und die letzten fünf weiß. 20 x 16 cm. Marmorierter Pappband (um 1830) mit Rückenschild (leicht berieben, Ecken etwas bestoßen). Aufgebundene Reinschrift, jedes Blatt weist durch leichte Faltung innen einen ca. 1,2 cm breiten und außen einen ca. 2,5 cm breiten Korrekturrand auf. Saubere Handschrift mit wenigen Korrekturen bzw. Durchstreichungen. Blatt 33v mit vierzeiliger Ergänzung im Rand; Blatt 11v und 12r sind wohl durch eine Unachtsamkeit Schuchardts weiß geblieben. – Durchgehend weißes Stützerbacher Papier Nr.3 (Wasserzeichen “JGH N3 Stützerbach”) und “Wappen (Sachsen-Weimar) Stützerbach”. Das nur gelegentlich leicht stockfleckige Papier stammt demnach aus der Werkstatt des Johann Gottfried Holtzhauer (1806-1836) in Stützerbach (unweit Ilmenau). “Stützerbacher Papier war weithin bekannt; Goethe zeichnete darauf” (Bodo Kühn). Auch Goethes Schreiber benutzten nachweislich dieses Papier (vgl. Goethes Werke, Weimarer Ausgabe (WA) I 18, S.457f. Anm. H10). – Gelegentlich leicht stockfleckig. Anfangs wenige Bleistifteinträge. Neuerer Bleistifteintrag auf dem Vorsatz: “Prov. Hans Timotheus Kroeber (1883-1946). Aus dem Nachlaß Adelheid Kroeber”. [#]
Zuschlag 11000 €
Ein vergleichbarer Text, vom Umfang her ein bisher unbekanntes Buch aus Goethes allerengstem Umfeld, an dessen Abfassung er mit größter Wahrscheinlichkeit beteiligt war und dessen Niederschrift auf seine Veranlassung hin geschah, ist nach unserer Kenntnis seit Goethes Tod nicht in den Handel gekommen. Seine Münzen als Thema des Manuskripts betreffen den Teil von Goethes Sammlungen, der ihm vielleicht am stärksten am Herzen lag, in schweren Zeiten sein “einziger Trost”, sein “numismatische(r) Talisman, der (ihn), auf eine bequeme und reizende Weise, in entfernte Gegenden und Zeiten führt”. (An Schiller, 1803). – Bereits 1810 erschienen als Beilage zu der “Jenaischen Allgemeinen Litteratur-Zeitung” die von Goethe und Heinrich Meyer gemeinsam verfassten Beyträge zur Geschichte der Schaumünzen aus neuerer Zeit. (Wozu vornehmlich das in diesem Fach sehr beträchtliche Cabinet des Herrn Geheimen Raths von Goethe benutzt worden.). Zu der für 1811 angekündigten Fortsetzung kam es nicht, ebensowenig zu einer anderen größeren Veröffentlichung in den Folgejahren. Jedoch beschäftigte das Thema die beiden Hauptprotagonisten der “Weimarer Münzsozietät” weiterhin intensiv, wie zahlreiche Tagebucheinträge Goethes bestätigen. – Aus den Jahren 1823/24 stammt eine bisher unerkannte, unkorrigierte, darüber hinaus unvollständige Rohfassung unseres Manuskripts von der Hand Meyers. Dieser im Goethe-Schiller-Archiv Weimar bewahrte Text (Signatur: GSA 64/26,1) endet mit “Einen” als dem ersten Wort eines neuen Satzes, in unserem Manuskript folgt danach noch Text, der etwa 2,5 Seiten füllt. Der Text unseres 150 Blatt umfassenden Manuskripts findet sich dort auf fol.14 bis fol.91. Das GSA-Portefeuille mit dem handschriftlichen Titel “Von Münzen” enthält fol.1 bis 13 einen Aufsatz über die Geschichte des Münzwesens seit der Antike. Darauf folgt ohne eigene Überschrift die Beschreibung von Münzen, von der ohne Kenntnis des Rückentitels unseres Exemplars bis jetzt nicht erkannt werden konnte, dass es sich dabei um “Goethes Münzsammlung” handelt. Der die Bogen 1 bis 13 füllende Aufsatz gehört nicht zu “Goethes Münz-Sammlung”, wurde also auch nicht in unser Manuskript aufgenommen. Abgesehen von der größeren Vollständigkeit sind in unserem Exemplar einige vermutlich stilistischen Überlegungen geschuldete Veränderungen im Satzbau feststellbar. Als Zeitraum der Niederschrift lassen sich anhand der Einträge in Goethes Tagebüchern vier Tage im Mai 1827 ermitteln: 5.Mai: “Schuchardt schrieb an den Münzheften fort.” (WA III 11, S. 53, Z.6) 7.Mai: “Schuchardt schrieb an den Münzheften fort.” (WA III 11, S. 54, Z.1) 18.Mai: “Schuchardt schrieb an dem Münzverzeichniß.” (WA III 11, S. 58, Z.3) 19.Mai: “Schuchardt schrieb an der Abschrift fort.” (WA III 11, S. 58, Z.12) Da bislang unbekannt ist, worauf sich diese Einträge beziehen, bedarf es – zumal in Frage kommende “stimmigere” Alternativen fehlen – nur des Willens, um in unserem Manuskript diese “Münzhefte” zu erkennen. – Ohne jeden Zweifel hat Goethes Privatsekretär Johann Christian Schuchardt (1799-1870) den Text niedergeschrieben. Schuchardt, dessen kunsthistorischer Lehrer Heinrich Meyer war, arbeitete seit 1825 für Goethe und wurde bald einer der bevorzugten Schreiber Goethes, beide passten wohl auch “menschlich” gut zusammen, was Besucher gelegentlich feststellten. – Von Schuchardt stammt auch der größte Teil der Reinschrift des “Faust Zweyter Theil”, als Faksimile herausgegeben vom GSA. Der Einband des Originals der Handschrift ist mit dem genau gleichen Marmorpapier wie der unseres Manuskripts bezogen, das Faksimile entsprechend in Farbkopie. Ohne Zweifel wurde in beiden Fällen Goethes “Buchbinder Bauer” mit der Bindung beauftragt. – Während Faust II Weltliteratur wurde, bleiben Goethes Absichten mit seiner Münz-Sammlung (eigentlich wäre Medaillensammlung treffender, (vgl. aber Ruppert, Goethes Bibliothek 2497: “Beyträge zur Geschichte der Schaumünzen …” (1810) in Umschlag mit eighändiger Beschriftung von G(oethe): ‘MünzSammlung'”) und sein erneuter Fokus auf den “Münzsammlung-Text” vier Jahre nach seiner ersten Niederschrift weiter unerforscht. Manche Stellen im Text deuten darauf hin, dass eine Art “Führer durch die (Münz-) Sammlung” beabsichtigt war, jedoch ist über solche Pläne Goethes für diesen Teil seiner Sammlungen nichts bekannt. Auch die unter Schuchardts Namen herausgegebenen Sammlungskataloge von 1848 geben darüber keinen Aufschluss. – Wenngleich dem Manuskript weder Goethes noch Meyers Teilhabe explizit zu entnehmen ist, gilt in Hinsicht auf die Verfasserschaft für den vorliegenden Text, dessen Thema ja einen für Goethe höchst wichtigen Aspekt seiner Sammlertätigkeit betrifft (vgl. dazu u.a.: J.Klauß, Die Medaillensammlung Goethes, Berlin 2000), womöglich in noch stärkerem Maße, was H. Holtzhauer im Vorwort zu Meyers erst 1974 aus dem Nachlass veröffentlichten “Geschichte der Kunst” schreibt: “Es dürfte … sicher sein, daß angesichts des Verhältnisses, das zwischen Goethe und Meyer herrschte, die Kunstauffassung Goethes und sein Geschichtsbild dominieren. Da die führende Persönlichkeit Goethe war, darf getrost gesagt werden, daß … der Standort Goethes nicht weniger als der Meyers sichtbar wird.” (Weimar 1974, S. 13). – Ein umfangreicheres Exposé schicken wir Ihnen auf Anfrage gerne zu.

Lot 13 Hammer-Purgstall, Joseph von
Eigenhändiger Brief mit Unterschrift. Hainfeld, den 3. August 1847. Doppelblatt mit lithographiertem Briefkopf, letzte Seite mit Anschrift des Empfängers, Poststempel und rotem Lacksiegel. 30 x 24 cm.
Zuschlag 650 €
Joseph von Hammer, ab 1835 Freiherr Joseph von Hammer-Purgstall (1774-1856), war ein österreichischer Diplomat und Orientalist. Er wurde als Übersetzer orientalischer Literatur bekannt und gilt als der Begründer der wissenschaftlichen Osmanistik. – Der Brief ist an den “Verehrtesten Freund” Freiherrn von Nell gerichtet (wohl Georg Friedrich von Nell, 1816-1857). Er berichtet über eine Reise mit der Postkutsche von Wien nach Hainfeld sowie über einen Briefwechsel zwischen Wien und Graz. – Mehrfach gefaltet, am Lacksiegel eingerissen, minimal braunfleckig.

Lot 14
Haubt-Buch: über Das bey denen Hochfrey herzlich Doblhof Dierischen Herrschaften… Keller-Rechnung in den Jahren 1772, 1773 und 1774. Deutsche Handschrift auf Papier. 67 beschriebene, einige leere Bl. 37,5 x 25 cm. Halblederband der Zeit (Rücken mit Einrissen, Ecken und Kanten bestoßen). [#]
Zuschlag 200 €
Inventarbuch für zwei Anwesen des Tiroler Adelsgeschlechts Dobelhoff-Dier, für die Güter Rauhenstein und Weikersdorf in Baden bei Wien. – Vereinzelt etwas braunfleckig, insgesamt gut.

Lot 15 Heinrich XV. Reuß zu Greiz
Sammlung von 16 Briefen. Eigenhändige, deutsche Handschrift auf Papier. Teils mit Unterschrift. Meist aus Lemberg und Böhmen, um 1812. Verschiedene Formate, meist Doppelblatt.
Zuschlag 240 €
Fürst Heinrich XV. Reuß zu Greiz (1751-1825) war ein österreichischer Feldmarschall. Zwei Briefe sind an seinen älteren Bruder Heinrich XIII. gerichtet. – Briefe mehrfach gefaltet, an den Falzen mit kleinen Einrissen, vereinzelt etwas braunfleckig, sonst gut.

Lot 16
Juristisches Manuskript. Spanische Handschrift auf Pergament. Beidseitig beschrieben. Kolumnentitel in Gold auf Rot und Blau. 32 lose Blatt. Wohl Spanien, 14./15. Jahrhundert. Blattgröße: Ca. 32 x 22 cm. Ursprünglich gebunden. [#]
Zuschlag 340 €
Bei diesem Manuskript handelt es sich um eine juristische Niederschrift in der verschiedene Zeugen das Kennen der beteiligten Parteien bekunden. Genannt werden unter anderem Juan Fernandez, Pedro Laso de la Vega sowie die Stadt St.Jurde. Gut leserliche Handschrift in der Schreibschrift Rotunda. – Pergament leicht wellig, teils mit stärkeren Flecken und Randläsuren.

Lot 17 Lampl, Hilde
Stammbuch mit 26 handschriftlichen Eintragungen und 11 Feder-, 2 Bleistift- und 5 Buntstiftzeichnungen. Wien, 1920 – London, 1940. 17,3 x 13 cm. Grüner Leinenband mit goldgeprägtem Deckelornament (etwas berieben und bestoßen).
Zuschlag 800 €
Die Wienerin Hilde Lampl (1895-1955), geborene Berger, heiratete 1918 den österreichischen Schriftsteller Fritz Lampl (1892-1955), der nach dem Krieg mit Albert Ehrenstein und Franz Werfel den “Genossenschaftsverlag” gegründet hatte und die expressionistische Zeitschrift “Der Daimon” herausgab. Zusammen mit Hildes Brüdern Joseph und Artur Berger eröffnete Lampl 1923 die berühmten “Bimini-Werkstätten”. Im Empfangsraum der florierenden Glasmanufaktur eröffnete Lampl, der weiterhin als Lyriker tätig war, einen literarischen Salon, wo er und Hilde die avantgardistische Intelligenzija Wiens, u.a. den Zwölftonkomponisten Josef Matthias Hauer, den Architekten Paul Engelmann oder Ludwig Wittgenstein, empfingen. Mit Aufkommen des Nationalsozialismus verließen 1936 erst Hildes Brüder Österreich und 1938 emigrierten schließlich auch die Lampls nach England. – Das Stammbuch eröffnet mit einer Titelzeichnung und dem Eintrag von Fritz Lampl, gefolgt von einer Notiz Albert Ehrensteins (1886-1950). Weitere Einträge stammen von Hugo “Sonka” Sonnenschein (1889-1953), dem Übersetzer Arnold Gahlberg, Hildes Brüdern Artur und “Pepi” Berger (mit einer Zeichnung, die auf Lampls “Genossenschaftsverlag” anspielt), dem Karrikaturisten Peter Eng (1892-1939), der zahlreiche Karikaturen vom Olmützer Kreis um Ludwig Wittgenstein fertigte, dem Kunsthistoriker Hans Tietze (1880-1954) und seiner Frau Erica (deren 1909 von Oskar Kokoschka geschaffenes Doppelbildnis heute im MoMA in New York zu besichtigen ist) oder dem Architekten Oskar “Klasi Wlach” (1881-1963), der zusammen mit Josef Frank die “Haus und Garten OHG” gegründet hatte und 1938 nach der Arisierung der Firma ebenfalls nach London emigrierte. – Ein Blatt herausgetrennt, vier Buntstiftzeichnungen offensichtlich von Kinderhand, die letzten 26 Blatt leer. – Bewegendes Zeugnis des nach dem ersten Weltkrieg zunächst aufblühenden jüdischen Lebens in Wien – und seiner Vertreibung.

Lot 18 Mathiasch, Karl
Kleines Messbuch und Responsorium. Deutsche Handschrift auf Papier. 363 S. mit 9 S. Register. Wohl Magdeburg, 30. November 1798. 16 x 10,5 cm. Ganzlederband der Zeit mit goldgeprägten Initialen, Jahreszahl und Bordüre. [#]
Zuschlag 200 €
In dekorativer, teils mehrfarbiger Handschrift verfasstes Gebetbuch mit Antwortgesängen (Responsorium) für die Heilige Messe. – Vereinzelt etwas fleckig, insgesamt schönes Exemplar.

Lot 19
Missgeburt. Bericht aus einem Kirchenbuch, Hospiz-Bericht oder Stadtarchiv. Verfasst wie eine Flugblatt-Zeitung. Deutsche Handschrift auf Papier. Bartenstein (heute zu Schrozberg bei Schwäbisch Hall gehörend), 1757. 1 Doppelbogen, davon 2 Seiten voll in Tinte beschriftet, mit aquarellierter Federzeichnung auf der ersten Seite, die dritte Seite endet mit 4 Zeilen und durchgestrichenem Monogramm des Schreibers. 36 x 21,5 cm. [#]
Zuschlag 300 €
“Indeme Einer Gewießen, Frau alhier zu Bartenstein…”, beginnt die Meldung von der Geburt eines deformierten Kindes. Die “Kindbetterin” lag im Hospital zu Bartenstein (das seit 1715 von Kapuzinern geführt wurde). Sie “konnte doch nicht gebähren, weilen ihre Leibs frucht viel zu groß ware…”. Hilfe und Rat kam durch einen Kapuziner (R. P. Superiore Capucini), auch durch eine wohl chirurgisch geschulte Amme. Das “Monstrum” wurde am 6. August 1757 geboren, und zwar zunächst nur der “Leib in Größe eines Neu gebohrenen Kindes”. Der übergroße entstellte “abscheuliche Kopf von ungemeiner als eines recht groß gestandenen Manns-Kopfsgröße” wurde vom Leib des Kindes “abgerissen”, verblieb samt der daran gelassenen Gurgel in der Mutter zurück und wurde erst am folgenden Tag, dem 7. August, nach Verabreichung “einer treibenden Medicin … auch zur Welt gebracht”. Die Mutter verstarb am 9. August. – Die naiv eindrückliche Zeichnung (1/4 S. hoch) zeigt das deformierte männliche Neugeborene, vom Zeichner wieder zu einer einzigen Gestalt zusammengesetzt. – Stockfleckig, zweimal gefaltet, die Falze teils leicht gebräunt.

Lot 20 Mommsen, Theodor
Sammlung von ca. 9 Original-Dokumenten zum “Corpus Inscriptionum Latinarum”. Deutsche Handschriften auf Papier. Faltbriefe und Doppelblatt. Formate: Ca. 22 x 14 cm bis 35 x 21,5 cm. Um 1853. Lose in Pappmappe der Zeit mit handgeschriebenem Titel: “Mommsen Corpus Inscr. Latinarum”. 37 x 24 cm. (Etwas knickspurig, Ecken und Kanten bestoßen).
Zuschlag 1200 €
Das Corpus Inscriptionum Latinarum ist die umfassendste und bedeutendste systematische Sammlung antiker lateinischer Inschriften. 1847 schlug Theodor Mommsen der Königlich-Preußischen Akademie der Wissenschaften vor, eine organisierte Sammlung lateinischer Inschriften zu erstellen. Theodor Mommsen war die treibende Kraft des Projektes. Die Fortführung obliegt bis heute der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften. Enthalten sind: Ein Original-Brief mit Unterschrift von Wilhelm Henzen an Karl Richard Lepsius. Rom, 1853. – Zwei zeitgenössische Abschriften: Mommsen an Eduard Gerhard, Mommsen an Friedrich Ritschl sowie ein Original-Brief mit Unterschrift von Gerhard an einen “Lieben Freund”, datiert 1860. – Weiterhin: Fünf Doppelblatt-Manuskripte, wohl an die Akademie der Wissenschaften mit Entwürfen zum “Corpus inscriptorum”. Unter anderem werden genannt: Fr.C. von Savigny, Karl Gottlob Zumpt und Mommsen. – Blätter teils lichtrandig und mit kleineren Randeinrissen, sowie zeitgenössischen Randbemerkungen in Bleistift, insgesamt guter Erhaltungszustand.

Lot 21
Pharmakopöe Urkunde. Lateinische kaligraphische Handschrift auf Pergament. Ausgestellt am 1. Oktober 1793 in Eisenstadt von Josephus Schultheis. Dreifach gefaltetes Pergament mit dekorativer Bordüre, umgeschlagenem Rand (Plica) und Lacksiegel in geschnitzter Siegeldose am Seidenband. Blattgröße: Ca. 29,5 x 48 cm. [#]
Zuschlag 200 €
Interessante Urkunde zur Bekanntmachung der Veröffentlichung eines Arzneibuches mit dem Titel “auream Coronam” des Josephus Schultheis in Eisenstadt, Österreich. – Im 18. Jahrhundert wurden in ganz Europa Versuche unternommen, verbindliche Arzneibücher beziehungsweise Pharmakopöen zu etablieren. Die ersten Versuche, verbindliche Arzneibücher zu schaffen gab es bereits im 16. Jahrhundert. Das erste verbindliche deutsche Arzneibuch entstand 1872. Dabei tritt zum ersten Mal die Arzneibuch-Kommission zusammen. – An den Rändern und Falzen minimal verstaubt, Siegeldose mit kleinerer Fehlstelle am Rand – insgesamt sehr schöner Zustand.

Lot 22 Reinhardt, Max
Regie-Buch zum Schauspiel “Der Schwierige”, von Hugo von Hofmannsthal. Um 1924. Mit zahlreichen eigenhändigen Skizzen, Streichungen und Notizen. Buchausgabe: Fischer Verlag. Berlin, 1921, mit eingebundenen Zwischenblättern für Notizen des Regisseurs. Stempel des Deutschen Theaters zu Berlin. Pappband der Zeit (Rücken, Kanten und Ecken bestoßen). [#]
Zuschlag 1600 €
Max Reinhardts Regiebuch zu “Der Schwierige”, kann als herausragendes Dokument für die Arbeitsweise eines Regisseurs gelten, der wie kein anderer die Entwicklung zum modernen Regietheater mitgeprägt hatte und maßgeblich zur Erneuerung der Theaterkunst beigetragen hat. Das Lustspiel in 3 Akten war eins der drei Stücke, die Max Reinhardt 1924 zur Wiedereröffnung des Theaters in der Josefstadt inszenierte. – In der Zeit von 1924 bis 1933 leitete Reinhardt das Theater in der Josefstadt in Wien und damit teilweise gleichzeitig mit dem Deutschen Theater in Berlin. – Ränder papierbedingt etwas gebräunt, sonst gut erhalten.

Lot 23 Russland
Dienstausweis eines Polizeioffiziers der III. Gendarmerie-Behörde des Polizei-Departements Moskau. Moskau, Polizeidepartement, 1905. 13 x 10 cm. Bedruckte Leinendeckel mit innen montiertem Passphoto und handschriftlich ausgefülltem Formular (Deckel etwas berieben und aufgehellt). [#]
Zuschlag 260 €
Der Ausweis ermächtigt, “im Namen seiner Hoheit zu verhaften, zu verhören, abzuführen. Alle Staatsbediensteten und Bürger des Reiches haben dabei jegliche Unterstützung zu leisten”. Herstellung durch die Druckerei P. A: Sojkin. – Links ein montiertes und geklammertes Passbild. Mit eigenhändigen Unterschriften des Inhabers sowie des Ausstellers. – Etwas gebräunt.

Lot 24 Russland – Grekov, Pyotr I
Eigenhändiger, signierter und datierter Brief. Russische Handschrift auf kariertem Papier. Grußadresse (“Postogramm”) an den Divisionskommandeur des Atamanen-Regiments der Leibgarde, General (Mihail Georgievich) Hripunov. Burgas/Bulgarien, 25.03.(09.04.)1931. 21 x 13,5 cm. [#]
Nachverkaufspreis 200 €
Generalleutnant Petr Ivanovich Grekov (1863-1951) war Militär der Weißgardisten und ab 1920 im jugoslawischen und folgend im bulgarischen Exil. – Leicht fleckig.

Lot 25 Russland – Mihajlov, Timofej V
Eigenhändiger, signierter und datierter Brief. Russische Handschrift auf Papier. Grußadresse an den Offizier des Petrograder Regiments der Leibgarde, Hauptmann (Sergej Gavrilovich) Luchaninov. Anvers (?), 06. August 1919. 27 x 21 cm. [#]
Nachverkaufspreis 200 €
Generalmajor Timofej Vasil’evich Grekov (1863-1951) war Militär der Weißgardisten, ab 1921 im französischen Exil. – Briefbogen mit gedrucktem Regimentsemblem des Atamanen-Regiments der Leibgarde. – Falzspuren, leichter Abklatsch des Regimentsemblems.

Lot 26 Russland
Passierschein eines Hauptmanns der Hauptabteilung Gegenaufklärung SMERSh des Nationalkomitees für Verteidigung, inklusive Waffenberechtigung. Gültigkeitsdauer 16.05.1943-16.12.1944. (Ohne Ort). Für das NKWD der UdSSR Abteilung Gegenaufklärung vom Diensthabenden der 3. Weißrussischen Front der Roten Armee, 1943. 7 x 10 cm. Bedruckte rote Leinendeckel mit innen montiertem Passphoto und handschriftlich ausgefülltem, mehrfach gestempeltem Formular (Deckel fleckig und leicht berieben). [#]
Zuschlag 200 €
Mit eigenhändiger Unterschrift des Ausstellers. Beidseitig mit verschiedenartiger Stempelung (Relief- und Blindstempel, heraldisch und typographisch). – Etwas fleckig.

Lot 27 Russland – Popov, Pyotr H
Eigenhändiger, signierter und datierter Brief. Russische Handschrift auf Papier. Grußadresse an (den Divisionskommandeur des Atamanen-Regiments der Leibgarde) General (Mihail Georgievich) Hripunov. Paris, 12. April 1931. 27 x 21 cm. [#]
Nachverkaufspreis 200 €
Generalmajor des Generalstabs Pyotr Haritonovich Popov (1868-1960) war Militär der Weißgardisten, ab 1924 im französischen Exil. – Falzspuren, kleiner Einriss im unteren Rand, leicht fleckig.

Lot 28
Sammlung von 13 handschriftlichen Briefen, meist mit Briefumschlägen und Siegeln. Darunter ein sechszeiliger Brief Friedrich Wilhelm IV. König von Preußen mit eigenhändiger Unterschrift. Überwiegend deutsche Handschrift auf Papier. Preußen 1852. Gefaltet und beigebunden im Buch: Freiherr von Schwartzenau, Albert, “Der Konnetable Karl von Bourbon”. Berlin, Herz 1852. Blattgößen ca. 27 x 20 cm.
Nachverkaufspreis 200 €
Die Briefe sind alle an Freiherr von Schwartzenau adressiert, worin sich die Verfasser für die Zusendung des Buches bedanken. Ebenfalls beigebunden sind sieben originale Zeitungsartikel mit Rezensionen des Buches. – Der erste Brief ist vom Verleger Wilhelm Ludwig Hertz, worin die Buchrezensionen sowie der Erfolg des Buches erwähnt werden. Auch König Friedrich Wilhelm IV. bedankt sich für das Buch, der die Lektüre genossen hat. Der einzige Brief in französischer Sprache, mit zwei verschiedenen Autoren, kam vom Schloss Frohsdorf in Niederösterreich. Dort lebte Henri d’Artois (frz. Henri Charles Ferdinand Marie Dieudonné de Bourbon-Artois, duc de Bordeaux, comte de Chambord), der den Fortbestand der legitimen Dynastie der Bourbonen sicherte und von den Legitimisten als der rechtmäßige König Heinrich V. angesehen worden war und Nachfahre des Karl von Bourbon. Weitere Briefe mit Unterschrift von Freiherr von Holtz, von Cauer, Wolf Müller, A. Gaebel. – Die Briefe vereinzelt etwas braunfleckig mit kleineren Randläsuren, insgesamt schön.

Lot 29 Simonides, Konstantin
Umfangreiche Sammlung von ca. 130 Original-Dokumenten zum Fälschungsskandal des “Palimpsest des Uranios” von Konstantin Simonides. Enthält etwa 40 Original Briefe der unmittelbar Beteiligten, 30 Abschriften und andere Abhandlungen der beteiligten Personen, 13 Publikationen, sowie ca. 50 Zeitungsartikel zum Thema. Aus dem Zeitraum von 1849 bis 1863. Gebunden im Pappband der Zeit (Rücken fehlt, Ecken und Kanten mit stärkeren Gebrauchsspuren).
Zuschlag 11000 €
Der Grieche Konstantin Simonides konnte bereits erfolgreich renommierten Institutionen echte und gefälschte Dokumente verkaufen, bevor er ein weiteres Manuskript der Universitätsbibliothek in Leipzig zum Kauf angeboten hatte. Dieses Palimpsest erzählte eine ägyptische Königsgeschichte des Alexandriners Uranios. Der renommierte Leipziger Philologe Prof. Dindorf kaufte Simonides dieses Manuskript für 2000 Thaler ab und bot es der Akademie der Wissenschaften in Berlin für 5000 Thaler an. Die Akademie ließ durch etliche ihrer Mitglieder die Handschrift untersuchen, befand sie für echt und befürwortete den Ankauf des Manuskripts. Aufgrund der außerordentlich hohen Summe von 5000 Thalern, hätte der Ankauf vom König persönlich bewilligt werden müssen. Da dies zu dem Zeitpunkt nicht möglich war, beschloss Prof. Lepsius, der selbst die Schriften in der Akademie untersuchte, die Manuskripte aus eigenen Mitteln zu erwerben. Nach weiteren Prüfungen tauchten die ersten Bedenken hinsichtlich der Echtheit auf. Der Leipziger Professor Tischendorf propagierte bereits seit längerem die Unechtheit der Manuskripte. Als er jedoch weitere Nachweise über die Fälscherkünste des Simonides erhielt und König Wilhelm IV. den Ankauf bewilligte, telegraphierte er nach Berlin an Alexander von Humboldt: “Ich bin überzeugt, daß der Palimpsest Uranius ein Betrug ist. Brief folgt sogleich.” Alexander von Humboldt war der populärste Zweifler an der Echtheit der antiken Schriften. – Dieser Fälscherskandal wird anhand der vorliegenden Original-Dokumente aus dem unmittelbaren Kreis der Beteiligten widergespiegelt. – Enthalten sind: Drei (vermutlich) unveröffentlichte Original-Briefe mit eigenhändiger Unterschrift von Alexander von Humboldt sowie eine veröffentlichte Abschrift eines Briefes von Humboldt an A. Boeckh. – Eine Original-Telegraphen-Depeche von Tischendorf an Humboldt vom 29.Januar 1856. – Zwei Briefe von Konstantin von Tischendorf, sechs Briefe von August Boeckh, 18 Briefe von Wilhelm Dindorf, neun Briefe von Karl Lepsius sowie einzelne Briefe mit Unterschrift weiterer Beteiligter und Mitglieder der Akademie der Wissenschaften wie Christian Gottfried Ehrenberg, Georg Heinrich Pertz, Ernst Gotthelf Gersdorf. – Außerdem zwei Couverts mit Anschrift an K. Simonides in London von 1858. – Zwei Abschriften von Briefen an König Wilhelm IV. mit Aufzählung der beteiligten Untersuchungsmitglieder der Akademie. Ebenfalls beigebunden: Acht kleine zeitgenössische Publikationen zu dem Uranios-Palimpsest u.a. von Alexander Lykurgos, Leipzig 1856, eine seltene Publikation von C. Simonides über die Echtheit des Uranius, München 1856, sowie ein nicht nachweisbarer satirischer Doppelblattdruck “Der Palimsets des Uhrhahnios zur Erquickung für umnebelte Gemüter…” (1856). Ohne Jahr und Ort. – Briefe, Abschriften und Publikationen meist sehr gut erhalten, Zeitungen mit Randläsuren.

Lot 30
Spätbiedermeier-Brieftasche mit 11 Original-Briefen der Familie Rehfus. 1837-1877. Deutsche Handschriften auf Papier. Blätter mehrfach gefaltet, teilweise in Couverts. Verschiedene Formate. In Lederbrieftasche mit goldgeprägten Kartuschen, innen mit Perlenstickerei und kleinem Schreibgriffel aus Bein. 15 x 8,5 cm. [#]
Zuschlag 300 €
Carl Johann Rehfus (1857-1926), auch bekannt als Oberländer, war ein deutscher Jagdschriftsteller und Kynologe. – Enthalten sind neun Briefe der Eltern, Carl Rehfus und Catharina Rehfus, geborene Seitz und zwei Briefe der Ehefrau Marie Rehfus, geborene Bühler sowie Bekanntmachungen der Verlobung zwischen den Eltern im April 1854, zwischen Marie Bühler und Carl Rehfus im Mai 1878 und mit gedruckten Menükarte der Hochzeit im Juli 1880. – Briefe nur vereinzelt etwas braunfleckig und mit kleinen Einrissen, insgesamt sehr schön erhalten.

Lot 31 Wanderbuch
Wanderbuch (No. 92) für den Bürstenmacher Gesellen Albert Apelt ausgestellt in Budapest am 14. April 1841. Mit 1 mehrfach gefalteten gestochenen Ansicht von Budapest mit papierbedecktem Siegel. 48 S. Halblederband der Zeit (etwas berieben und bestoßen).
Nachverkaufspreis 200 €
Mit handschriftlichen Einträgen, Stempel und Siegeln bis 1850 auf 18 Seiten, der Rest vakat. – Das schöne Panorama von Budapest “Ansicht der königlichen Freyen Comersial Stadt Pest in Ungarn” im Format 9 x 28,5 cm. – Leicht gebräunt.

Lot 32 Weiße Rose – Erlenbach, Wolfgang
Eigenhändiger zweiseitig beschriebener Brief an seine Mutter Lina Erlenbach. Deutsche Handschrift auf Briefpapier des “Strafgefängnis Landsberg/Lech”. 11. März 1945. 21 x 15 cm.
Zuschlag 300 €
Aus dem Nachlass des zum weiteren Kreis der Weißen Rose gehörenden Wolfgang Erlenbach (geb. 1909), Sohn des ehemaligen Vorstandsmitglieds der I.G. Farben Dr. Arnold Erlenbach. – Zusammen mit Hans Leipelt, dem Kopf des sogenannten “Hamburger Zweigs”, der das 6. Flugblatt der Weißen Rose mit dem Zusatz “Und ihr Geist lebt trotzdem weiter!” in Umlauf gebracht hatte, wurde Erlenbach wegen der Geldsammlung für die Witwe des hingerichteten Professors Kurt Huber denunziert. Die beiden wurden im Spätherbst 1943 verhaftet und im 5. Prozess der Weißen Rose im Oktober 1944 in Donauwörth als Hochverräter wegen des Hörens ausländischer Rundfunksender, der Wehrkraftzersetzung und Feindbegünstigung verurteilt. Während der “Halbjude” Leipelt im Januar hingerichtet wurde, verbüßte der “Halbarier” Wolfgang Erlenbach eine Haftstrafe in Landsberg und überlebte seine Haft wohl nur deshalb, weil der Präsident des berüchtigten Volksgerichtshofes Roland Freisler im Februar 1945 in Berlin bei einem Luftangriff ums Leben kam. – Dabei: Weitere Dokumente, wie die Kopie des Schutzhaftbefehls vom 13.12.1943; die Bestätigung der Wahl des Rechtsanwalts R. Simon aus München; ein Schreiben, dass es diesem nicht erlaubt ist, Erlenbach zu besuchen; die Anordnung der Hauptverhandlung und Verlängerung der Untersuchungshaft in der Strafsache gegen “Leipelt u. And.” vom 12.09.1944; ein maschinenschriftlicher Brief der Mutter vom 20.06.1944; Erlenbachs Wehrpass; Feldpost; Erlenbachs Lebenslauf als Typoskript vom 23.10.1945 u.a.

Lot 33 Werckmeister, Rudolf
Original-Brief mit Unterschrift, an die Direktion des Deutschen Theaters in Stuttgart. Berlin, Jägerstraße Nr. 33, 2. Januar 1806. Vierfach gefaltetes Doppelblatt, drei Seiten beschrieben, vierte Seite mit Adresse. 23 x 19 cm. [#]
Nachverkaufspreis 200 €
Rudolf Werckmeister betrieb zwischen 1802 und 1809 ein Musikalien-Leihinstitut zunächst in Oranienburg, später in Berlin, wo er Musikdrucke verlegte und in seiner Leihbücherei auch verlieh. – Eines der erfolgreichsten Verlagswerke von Werckmeister war das 1806 als Einblattdruck erschienene “Kriegslied” nach einem Gedicht von Isaak von Sinclair. – Im vorliegenden Brief bietet er dem National Theater in Stuttgart die gerade vollendete “neue Oper in 3 Ackten, unter dem Titel: Die Sylphen, eine Zauber Oper”, des königlich-preußischen Kapellmeisters Friedrich Heinrich Himmel an. Werckmeister wurde von Himmel authorisiert, seine neue Oper anzubieten und die Verhandlungen zu führen. Darüber hinaus bietet er gegen Gebühr weitere Abschriften von Partituren an wie z.B. die Geister-Insel von Johann Friedrich Reichardt, die Wette von Bernhard Anselm Weber u.s.w. “Überhaupt bin ich im Stande, jedes musikalische Bedürfnis, vermöge meiner ausgedehnten Musikhandlung zu befriedigen…” – Partiell ein wenig braunfleckig, kleiner Einriss am Falz, insgesamt sehr schön.