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Lot 147 Eisenlohr, Carl Christoph
Heinrich Lüdens Professor der Geschichte Vorlesungen ueber: die Geschichte der neuesten Zeit i.e. von Friedrich II. auf unsere Tage nachgeschrieben. Deutsche Handschrift auf Papier. Jena, Sommersemester 1819. 419 S. 22 x 18 cm. Pappband der Zeit mit geprägtem Rückenschild (bestoßen und beschabt). [#]
Nachverkaufspreis 200 €
Eisenlohr hörte die Vorlesung als Student der Theologie, später war er Pfarrer in Broggingen (Mahlberg) resp. Kirchen (Lörrach). Er legte für Broggingen ein Familienbuch für die Jahre ab 1766 an, das sich im Archiv erhalten hat. Luden (1778-1847) lehre ab 1806 in Jena. Er nahm zwar nicht selber am Wartburgfest teil, die aus dem Wartburgfest hervorgegangenen 1818 veröffentlichten “Grundsätze und Beschlüsse des achtzehnten Oktobers” gehen aber zum Gutteil auf ihn zurück. Seine deutsche Geschichte gilt als neutraler als die der Ranke-Schule. – Einheitliche, recht flüssige Handschrift, selten etwas verwischt, im Rand teils etwas wellig, insgesamt gut.

Lot 148 Eppler, Martha
Boheme und Ofenruß. Deutsche Handschrift auf Karton. Mit Textillustrationen der Künstlerin. Ohne Ort, um 1970. 8 Bl. 21 x 15 cm. Original-Leinwand (etwas fleckig und angestaubt).
Nachverkaufspreis 200 €
Anfangs mit eigenhändiger, zweizeiliger Widmung der Künstlerin, monogrammiert “E”, an Herbert Kern (1912-1998), der Honorarprofessor für Serigraphie, Schrift und Bühnenentwurf an der Akademie der Bildenden Künste in München war. Launige Kurzgeschichte um einen alten Küchenherd. – Beigegeben: 13 eigenhändige Briefe und ein handschriftlicher Weihnachtsgruß, alle an Herbert Kern, meist mit farbigen kleinen Textskizzen. Von der Künstlerin sind aus den 1950ern bis in die 1970er diverse Buchillustrationen bekannt, außerdem Porzellanmalereien für Fürstenberg. – Selten etwas gebräunt und fingerfleckig, insgesamt gut.

Lot 149 Fortifikation – Vauban, Sébastien le Prestre
De L’utilité des Places Fortes. Anonyme Abschrift von Werken Vaubans (und des Mathematikers Sauveur). Französische Handschrift auf Papier. Mit 23 ausfaltbaren, teils auch gefalteten Tafeln in Federzeichnung (5 laviert). Frankreich, 1734. 6 nicht nummerierte, 180 (recte 179) nummerierte, meist beidseitig beschriebene Bl., davon 17 (statt 20) leer. Regelmäßige Kursive in braunschwarzer Feder mit getuschten Seitenrahmen. 32 x 19 cm. Lederband der Zeit mit Rückenvergoldung (bestoßen und narbig, Gelenke ausgebessert, Rücken über 2 Bünden geplatzt, Rückenschild entfernt).
Nachverkaufspreis 400 €
Offenbar Band III einer Abschriftensammlung zu Mathematik und Ingenieurswesen. Enthält nach 3 S. Einleitung “De l’utilité” und detaillierter “Table generale” folgende Werke: 1. Fortifications selon le Marechal de Vauban. Bl. 1-106. – 2. Methode pour construire les Ouvrages de Fortification. Bl. 107-130, 131-150 leer (135-137 entfernt). – 3. Figures de Fortifications ayant rapport au petit Traité (die “Methode”). 21 Tafeln (nach der Vorlage von 60 Tafeln nummeriert 2-4, 7-18, 27/28, 32, 49/50, 51 und 2 montierte Kupferstiche). – 4. Abrege de Mechaniques (nach Sauveur). Bl. 151-180, 2 Tafeln mit 3 Zeichnungen und 3 Kupfern, alle montiert. – Erste Seite abgegriffen, am Kopf und im Bund fast durchgehender Wasserrand, Tafeln teils fleckig und mit ausgebesserten Randschäden bis in die Zeichnungen.

Lot 150
Fremden-Buch der Königlichen Kurhaus-Verwaltung Ems vom 1. April 1881 bis Ende 1886. Deutsche Handschriften auf Papier. 128 Bl. 33,5 x 22,5 cm. Halbleder der Zeit mit Deckelschild (berieben und bestoßen, etwas fleckig).
Zuschlag 330 €
Eintragungen (von Mitarbeitern der Kurverwaltung, nicht von den Gästen selber) über: Datum, Name, Stand, Wohnort, Zimmernummern, Extrabetten, Bemerkungen über Wechsel, Tag der Abreise, weitere Anmerkungen. Dokumentiert nebenbei den europäischen Adel und das höhere Bürgertum nicht nur Europas. Unter den Gästen: Adelige der Familien Vitzum, Kleist, Seckendorff, Schulenburg, Schenck zu Schweinsberg, Plettenberg, Massenbach, Saldern, Levetzow, Knigge, Georg von Preußen, Wilhelm von Preußen, Herr von Rigal Bonn, Fürstenberg, Henckel von Donnersmark, aber auch Pourtales, Ratibor, Gualteri, Karageorgewitsch, Gagarin, an Bürgerlichen der Apotheker und Pharmaziehistoriker Schelenz, der Zürcher Alb. Bürkli, der Basler Wilh. Geigy, der Silberwarenfabrikant P(eter) Bruckmann aus Heilbronn und sehr viele andere. Emser Fremdenbücher dieses Zeitraums sind im Hessischen Hauptstaatsarchiv nicht überliefert. – Teils etwas verwischt und fingerfleckig, insgesamt gut.

Lot 151 Friedrich II. von Preußen
Cabinets-Ordre vom 14. Februar 1769. Von Schreiberhand. Potsdam. 1 Bl. 23 x 18,5 cm (gefaltet, etwas fleckig, Läsuren).
Nachverkaufspreis 350 €
Mit eigenhändiger Paraffe des Königs. Betreffs eines Schreibens vom 11. Februar an Ober-Marschall Graf von Reuss und Maitre de Garde-Robe Graf v. Eickstedt. – Etwas braunfleckig.

Lot 152 Friedrich II. von Preußen
Dreizeilige Notiz in französischer Sprache über den Erhalt von Nachrichten in französischen und deutschen Angelegenheiten. Schreiberhand. Potsdam, 17. November 1785. 1 Bl. 23 x 18,5 cm (gefaltet, etwas fleckig, Läsuren).
Nachverkaufspreis 300 €
Mit eigenhändiger Unterschrift des Königs “Frederic”. Namen werden nicht genannt. – Etwas braunfleckig.

Lot 153 Friedrich Wilhelm III., König von Preußen
Eigenhändige Unterschrift in: Kirchen-Agende für die Hof- und Domkirche in Berlin. Zweite Auflage. Berlin, Dieterici, 1822. 72 S. – Angebunden: Anhang von Gebeten, Sprüchen u.s.w. … nebst einem Auszuge aus der Liturgie für Kirchen, denen es am Nothwendigen mangelt, um sie vollständig abzuhalten. Berlin, 1823. 52 S., 12 S. Gestochener Musikanhang und einige Leerblätter. 26 x 20 cm. Dunkelbrauner Maroquinband der Zeit mit Goldschnitt, Vorderdeckel mit goldgeprägtem Kreuz, am Rückdeckel in Goldprägung das königliche Monogramm unter Krone und Widmung “Der Kirche zu Arensdorf 1824. No. 22”, (berieben und bestoßen).
Zuschlag 200 €
Friedrich Wilhelm III. hatte im evangelischen Jubiläumsjahr 1817 zur Vereinigung von reformierter und lutherischer Konfession in Preußen aufgerufen. Die unierte Agende wurde von ihm selbst entworfen, der Druck an Gemeinden verteilt, die dem Aufruf gefolgt waren. Am Vorsatz findet sich von Schreiberhand die entsprechende Widmung “Für die Kirche in Arensdorf zum segensreichen Andenken an die Annahme dieser Agende”, datiert Berlin 30.04.1824 und vom König eigenhändig unterschrieben. Die verschenkten Exemplare wurden am Rückdeckel nummeriert, hier Nr. 22. – Der Musikanhang zwischen Vorrede und Textbeginn der Hauptagende gebunden, Buchblock in späterer Zeit unter Erneuerung der Vorsätze sowie Verstärkung einiger Falze und Blattränder nachgeheftet, breitrandig, aber teils gebräunt, fleckig und mit Bleistiftmarginalien.

Lot 154 Grimm, Hans
Maschinenschriftlicher Brief mit eigenhändiger Unterschrift und kleinen Korrekturen. Klosterhaus Lippoldsberg, 14.I.1929. 1 1/3 S. 29 x 22,5 cm.
Nachverkaufspreis 200 €
An Herrn Fuchs mit Dank für eine freundliche Rezension, vielleicht das “Deutsche Südwester-Buch”. Grimm gilt als Begründer der “Kolonialdichtung”, 1926 erschien sein Bestseller “Volk ohne Raum”. Anläßlich übersandter “Aufsätze der Afrika-Nachrichten” lässt Grimm seine kolonialistisch-rassistische Gesinnung anklingen. Er “sehe, dass dieser Dr. Scholz jeden anderen Vorschlag abweist, solange nicht die Kolonien zurückverlangt seien und ihre Rückgabe vom Gegner verweigert sei. Ich kann darauf nur sagen, dass sich das ganz schön liest, aber mit Politik nichts zu tun hat. Wir können nicht politiklos noch einmal zehn Jahre zuwarten, dann sind diese Kolonien hoffnungslos ‘fremd nationalisiert’. Ich bin alles andere als ein Kompromissler …”. – Beiliegend: Weiterer Brief (DIN A4, mit Umschlag) und zwei Postkarten Grimms, alle maschinenschriftlich mit Unterschrift, kleinen Korrekturen und einer Nachschrift. Ebendort, 24.X.-5.XI.1951. Zusammen 5 S. – An den Pädagogen und völkischen Schriftsteller Gustave Kohne, Heidehaus Finkenslag in Oegenbostel, über Personalien im Literatur- und Verlagswesen während des Nationalsozialismus. – Horizontalfalte des ersten Briefes eingerissen, Postkarten und Umschlag gebräunt.

Lot 155 Hammer-Purgstall, Joseph von
Eigenhändiger Brief mit Unterschrift, wohl an den Berliner Diplomaten und Orientalisten Heinrich Friedrich von Diez. Wien, Januar 1809 (Tagesdatum offen gelassen). 3 S. auf einem Doppelblatt feinen holländischen Schreibpapiers, auf der vierten Seite hastiges Postskript mit mehrzeiliger Streichung. 22,5 x 18,5 cm. [#]
Zuschlag 700 €
Früher und inhaltsreicher Brief Hammers. Er berichtet ausschließlich vom Projekt der “Fundgruben des Orients”, deren erster Band noch 1809 erschien. Analog dem französischen Paralleltitel “Mines de l’Orient” nennt er sie “Minen”. “Hier theuerster Freund erhalten Sie den Prospektus des oriental. Journals zu dem ich Ihnen in meinem lezten Brief Hoffnung machte, u. zugleich eine herzliche Aufforderung im Namen des jungen H. Rzewuski (des Grafen Wenceslaus Rzewusky als Finanzier der Zeitschrift) daran Theil zu nehmen … Das ganze Werk ruht übrigens auf meinen Schultern. – Ich habe nicht nur die Redakzion sondern auch die Correspondenz mit den Mitgliedern im Namen des Grafen ausschließlich auf mich genommen. Chabert und Dombay werden blos das typographische besorgen. Wenn Sie wie ich noch immer hoffe bis Ostern selbst kommen so bringen Sie uns wohl selber eine kleine Gabe fürs erste Heft mit, und da Ihr Weg über Leipzig gehen wird, so bitte ich Sie Härteln in meinem Namen die türkischen Vorschriften abzufordern die ich ihm … geliehen habe, weil er selbst ein schönes orientl. Alphabet gießen zu wollen versprach. Zugleich bitte ich Sie von Nikolai die beiden Übersetzungen türkisch(er) Gesandtschaftsreisen zu begehren, welche ich auf Ihre Veranlassung für ihn übersetzte, von denen er aber weiter keinen Gebrauch machen zu wollen scheint. Dieselben sind gerade recht für die Minen; die wie ich hoffe wenigstens Ouseley’s (Oriental) Collections ersetzen sollen.” – Demnach hat der Adressat Übersetzungen Hammers aus dem Türkischen an den Berliner Verleger Friedrich Nicolai vermittelt, die unpubliziert blieben und behoben werden sollten. Dies weist deutlich auf Diez hin, der bei Nicolai veröffentlichte. Zum ersten Band der Fundgruben lieferte Diez zwei Übersetzungen aus dem Türkischen, die von Hammer mit kritisch-polemischen Anmerkungen versehen wurden und von Druckfehlern entstellt waren. Diese Verunglimpfung führte zu einer heftigen Gelehrtenfehde, die auch Goethe aufmerksam verfolgte. Die Nachschrift behandelt die Frage nach dem Format der Zeitschrift, “4to wäre besser (als Folio), allein es wird um so weniger Etwas daran zu ändern seyn, als Titel und Umschlag schon danach gestochen ist.” – Alte Bleistiftnotiz zum Schreiber am Fuß der ersten Seite, Ränder etwas stockfleckig, sonst tadellos.

Lot 156 Hannover – Bacmeister, Georg Arnold
Eigenhändige Unterschrift als Syndikus der Altstadt Hannover auf einem handschriftlichen Urteil. Hannover, 3. II. 1734. 1 S. auf Doppelblatt, verso Regest. Mit grünem Siegel zwischen den Blatthälften. 32,5 x 20,5 cm.
Zuschlag 200 €
In einem Streit zwischen den “Ägidien Thors Hundegenossen” und der Stadtkämmerei um die Verpachtung der dortigen Zwingerwiesen. – Beiliegend: Vier Dokumente aus dem Welfenhaus und Umkreis. 1. Herzog Georg Wilhelm. Einblattdruck in seinem Namen mit eigenhändiger Unterschrift von Heinrich Speirmann. Hannover, 7. XI. 1656. 1 S. 32,5 x 19,5 cm. – 2. Herzog Christian Ludwig. Eigenhändige Unterschrift auf einem Einblattdruck zur Türkensteuer. Celle, 15. X. 1663. 2 S. 32,5 x 19,5 cm. – 3. Königin Marie von Hannover. Eigenhändiger (?) Brief mit Unterschrift. Gmunden, Juli 1878. 2 S. auf zerteiltem Doppelblatt mit Trauerrand. 22 x 18 cm. – 4. Unvollständiger handschriftlicher Vertrag über den Verkauf der Wilkenburg durch Freiherrn von Spörcke an Johann Frantz Stechinelli. Um 1730. 2 S. 31,5 x 20 cm. – Meist auf Museumskarton mit Welfenwappen montiert. – Bacmeister etwas gebräunt, Randeinriss bis in die Unterschrift mit Transparentpapier hinterlegt, die Beilagen mit teils erheblichen Erhaltungsmängeln (Ausrisse, Ausbesserungen mit Tesafilm).

Lot 157 Herrnhuter
Wöchentliche Nachrichten aus der U(nitaets) A(eltesten) C(onferenz). Handschriftlich vervielfältigte Gemeine-Zeitung. Durch 4 Jahre vollständige Reihe von 105 nummerierten und datierten Ausgaben (zu je 1-3 Wochen Berichtszeitraum) in 1 Band. Gnadenfrei und Herrnhut, ab 1791 Schloß Berthelsdorf, 01.01.1789 – 31.12.1792. 329 Bl., meist eng und beidseitig beschrieben, mit Ausnahme eines einzigen Blattes von einer Hand. Saubere deutsche Kursive in schwarzer Feder auf gutem Schreibpapier. 19 x 11,5 cm. Blaugrauer Pappband der Zeit mit handschriftlichem Rückentitel. [#]
Zuschlag 440 €
Das höchste Gremium der Brüder-Unität erhielt Nachrichten und Besuche von den Stationen in aller Welt, es fasste die Beschlüsse für sie. Schreiber redigierten die anfallenden Informationen in wiederkehrenden Rubriken. Besonders sorgfältig sind die ständigen Personalbewegungen festgehalten. Die “Wöchentlichen Nachrichten” zirkulierten bis ins 19. Jahrhundert nur abschriftlich innerhalb der Gemeinen, um Missbrauch durch Außenstehende zu verhindern. In den Berichtszeitraum fällt die General-Synode von 1789, auf der die Ältestenkonferenz ihren drei Abteilungen eine vierte hinzufügte: das “Missions-Departement”. Die Synodalberichte erfassen alle 64 Teilnehmer namentlich. Die letzte “Nachricht aus dem Synodo” (1789, no. 13/14) dokumentiert die Personalbeschlüsse für die Stationen in Nordamerika, Deutschland sowie England und Irland. In den Folgejahren zeigt eine Fülle von Gründungen, Personalverschickungen, Erfolgen und Katastrophen die Expansion der Herrnhuter: Indianerterritorien, Karibik, Surinam; Labrador, Baltikum und Russland; Indien und Afrika. September 1792 wird das Entschlafen desjenigen beschrieben, der diese Stoßkraft ermöglicht hatte: August Gottlieb Spangenberg, der im Text häufig genannte “Bruder Joseph”. – Synodalbericht 9/10 vor 8 verbunden. – Sauber und frisch erhalten.

Lot 158 Hollaender, Friedrich
Eigenhändige Unterschrift auf original-photographischer Porträt-Postkarte. Berlin, Ross-Verlag, um 1930 (nur gering bestoßen).
Zuschlag 220 €
Foto von Marion Palfi. Holaender (sic) hat sich hier nach alter Sitte mit einem “l” geschrieben und die Verdoppleung durch den Querstrich über dem Buchstaben angedeutet. – Gering ausgesilbert, etwas tintenfleckig.

Lot 159 Humboldt, Alexander von
Eigenhändiger Brief mit Unterschrift. Sanssouci, 14. VII. 1848. 2 S. auf Doppelblatt. 28 x 23 cm.
Zuschlag 550 €
Empfehlungsschreiben an einen Freiherrn und Staatsminister, Bruder des derzeitigen preußischen Gesandten in Hannover (Alexander von Schleinitz), wohl der braunschweigische Staatsminister Wilhelm von Schleinitz (1794-1856). “Ew. Excellenz werden einem ‘urweltlichen’ Gelehrten … die Dreistigkeit verzeihen, Sie, ohne auf irgend eine Weise dazu berechtigt zu sein, mit einer ganz gehorsamsten Bitte zu belästigen. Ich erflehe Ihren Schuz für einen durch Gesinnung wissenschaftliche Ausbildung und Talent gleich ausgezeichneten Kandidaten des Predigt-Amtes Herrn Heinrich Rose, dermalen zu Brunsen bei Mühlenbeck. Ich habe lange die Freude gehabt, den ernsten jungen Mann im Hause meiner Nichte, der Ministerin (Gabriele) von Bülow zu sehen und seine Tüchtigkeit des Charakters und des Wissens kennen zu lernen … Ich nehme den wärmsten Antheil an dem Schiksale des Herrn Rose und Ew. Excellenz würden mich zu der innigsten Dankbarkeit verpflichten wenn Sie geruheten ihm eine besondere Aufmerksamkeit zu schenken.” – Heinrich August Ludwig Rose (1816-85) begann 1848 tatsächlich seine kirchliche Laufbahn im Herzogtum Braunschweig, von 1873 bis zu seinem Tod war er Pastor und Generalsuperintendent in Blankenburg. – Faltspuren, die Horizontalfalte ohne Textberührung eingerissen, am Respektblatt kleines altes Sammleretikett befestigt.

Lot 160 Ilsung, Johann Achilles zu Künenberg und Lindau
Deutsche Urkunde mit eigenhändiger Unterschrift auf Pergament. Künenberg, 22. XII. 1606. Mit Schreibmeisterinitale über die gesamte Texthöhe und kalligraphischer Auszeichnungszeile. Kanzleischrift in brauner Feder. 37 x 60 cm. Gefaltet (Siegel entfernt). [#]
Zuschlag 360 €
Ilsung (um 1530-1609) entstammte dem Augsburger Patriziat, war Landvogt von Schwaben und Reichspfennigmeister. Als Rat der Kaiser Maximilian II. und Rudolph II. machte er sich in diplomatischen Missionen hochverdient. In der vorliegenden Urkunde regelt er die Legitimierung des Michael Köhler (Khöler), offenbar unehelicher Sohn des Pfarrherren Laurentius Köhler von Tiefenbrunn und der ledigen Maria Erftin (?) von Sigmaringen. – In den Falten berieben und gebräunt, zwei Löchlein in den Faltenkreuzen, kleine Tintenfraßstelle, Fußrand und Rückseite fleckig.

Lot 161 Kaupisch, Johann Wilhelm Ferdinand
Gedächtniß-Buch für Alina Kaupisch worinn die merkwürdigsten Ereigniße ihres Lebens von ihrem Vater aufgezeichnet sind. Deutsche Handschrift auf Papier. Halle und Weißenfels, 1820-33. Titel und 108 bis auf das letzte beidseitig beschriebene, 28 weiße Bl. Regelmäßige deutsche Kursive zunächst des Vaters, später der Tochter mit Marginalien und Einsprengseln weiterer Hände. Braune Feder auf Schreibpapier mit Wasserzeichen J. E. Stahl, Blankenburg. 17 x 20,5 cm. Marmorierter Lederband der Zeit mit goldgeprägtem blauen Deckelschild, hinten leere Deckeltasche (etwas berieben und gelockert, Rückgelenk und Tasche eingerissen, kleine Wurmspur im Rückdeckel). [#]
Nachverkaufspreis 300 €
Regelmäßige Aufzeichnungen des Domänen- und Forsteinnehmers Johann Wilhelm Ferdinand Kaupisch (1784-1872) über die Kindheit seiner zweiten Tochter, geboren am 31. XII. 1815 in Wippra. Zu Beginn ausführliche und von späterer Hand ergänzte Familiennachrichten, auch zum Leben des Schreibers selbst. Über das Kind sind etwa Pockenimpfung, das Stechen der Ohrlöcher oder der Beginn des Unterrichts im Buchstabieren bei einem Onkel verzeichnet, ferner Weihnachtsgeschenke, Theaterbesuche, Klavier- und Französischunterricht. Von Zeit zu Zeit darf das Mädchen selbst eine Probe seiner kindlichen Handschrift eintragen. In die Freude über ihre guten Notenzettel mischt sich in den späteren Jahren Tadel über “vorlautes Wesen” oder die “Neigung, den Bruder Herrmann zu schulmeistern”. Es finden sich weitere Eintragungen zu Familienereignissen, Vermögensverhältnissen und Laufbahn Kaupischs. Als Verwalter des königlichen Rentamtes wurde er 1825 nach Weißenfels versetzt und 1829 zum Amtsrat ernannt. Das Buch wurde Alina am Tag ihrer Konfirmation übergeben, sie setzte es bis 1833 fort. – Titel mit starken Leimschatten und Etikettrest, sonst sauber.

Lot 162 Konossemente
Sieben italienische Schiffsfrachtbriefe über ,Balle Fieno’ (Heuballen), alle mit Bestimmung Mers-el-Kébir nahe Oran. 2 gestochene und 5 lithographierte Vordrucke, handschriftlich ausgefüllt und unterschrieben. Jeweils mit maritimer Vignette (die gestochene wiederholt). Civitavecchia (5) sowie Rom und Neapel, 1837/38. Dünne Bütten- und Velinpapiere, eines bläulich. Ca. 20 x 26 cm. [#]
Zuschlag 200 €
Aus italienischen Zwischenhäfen der Schiffsroute von Marseille nach Algerien. Vermerkt sind Anzahl, Kennzeichnung und Gesamtgewicht der geladenen Ballen, ferner Schiffstyp und Schiffsname, die Kapitäne (teils auch die Unterzeichner), Zielort und Empfänger, auf drei Briefen Vincenzo Gilly. Es folgt eine handschriftliche Zertifizierung der Ladungsbeschreibung: Konossemente waren nicht nur Ladelisten, sondern auch Urkunden über Seefrachtverträge, damit indossierbare Wertpapiere. – Beiliegend zwei ähnliche, etwas kleinere französische Connaissements, Marseille 1844 (für Barcelona) und Algier 1853 (für Marseille). – Faltspuren, Ränder teils etwas knitterig. Die italienischen Papiere jeweils mit wenigen Nadellöchern, an einem Blatt ohne Textverlust ausgerissen. Die Beilage aus Marseille in einer Ecke alt auf einen größeren Bogen geleimt.

Lot 163 Künstler & Musiker
Konvolut von 6 eigenhändigen Schreiben, Grußformeln, Umschlägen sowie weiteren Beilagen. Meist Deutschland, 1881-1959. Verschiedene Formate.
Nachverkaufspreis 200 €
1. Max Slevogt. Eigenhändiger Briefumschlag “Eilbestellung” an Galerie Thannhauser in München, rückseitig Absendername und -adresse. Neukastel, 1918 (Poststempel über 3 Briefmarken). – 2. Emil Nolde. Eigenhändige Grußformel mit Unterschrift (Briefabschnitt). Ohne Ort und Jahr. Ca. 2,5 x 21 cm. – 3. Wilhelm Bröker. Eigenhändiger Brief mit Unterschrift. Sylbach, 1. IV. 1928. 1 S. in Feder, rückseitig Bleistift-Postskript von “Vater u. Luise”. 29 x 22,5 cm. – Beiliegend: Hektographiertes Typoskript eines Festgedichtes von Familienangehörigen zur Hochzeit Brökers 1925. 2 S. DIN A 4. In 2 Exemplaren. – 4. Eugen d’Albert. Eigenhändige Osterpostkarte mit Unterschrift an Greta Wolfer in Hannover. Latte, 26. III. 1929. 1 S. 9 x 13,5 cm. – Rechter Rand auf Karton montiert. – 5. Numa Blès. Eigenhändige Widmung mit Unterschrift auf dem Recitalprogramm “L’accusé” des “Chat Noir”. Paris, um 1895. 4 S., die erste farbig lithographiert. 27 x 17,5 cm. – 6. Heinrich Gottinger. Sieben eigenhändige Zeilen mit Unterschrift sowie Adresse auf einer Postkarte mit Rollenphoto von ihm als Hans Sachs. München, 21. I. 1920 (Poststempel über 3 Briefmarken). 14 x 9 cm. – 7. Alexandre Dumas fils. Eigenhändiger Kurzbrief mit Unterschrift und blindgeprägten Initialen. Ohne Ort und Jahr. Fünf Zeilen. 13 x 10,5 cm. – 8. Helmuth von Moltke. Eigenhändige Dankesformel mit Unterschrift und Adresse auf Umschlag. Berlin, 12. VI. 1881. Fünf Zeilen. 20 x 14 cm. – An Daisy Strauß in Frankfurt/M. – 9. Louise Piech (-Porsche). Eigenhändige Grußformel mit Unterschrift in Kugelschreiber auf gedruckter Trauerdanksagung. Mit maschinenschriftlichem Umschlag an Grete Piech. Salzburg, 28. IX. 1959. 9,5 x 17 cm. – Die älteren Stücke teils gebräunt.

Lot 164 Meisner, Carl Friedrich
Zwei eigenhändige Briefe mit Unterschrift, beide an Stephan Endlicher in Wien. Basel, 15.07.1841 und 07.07.1842. Zusammen ca. 4 S. auf 1 Doppelblatt und 1 Einzelblatt. 21,5 x 13,5 cm und 27 x 21 cm. [#]
Zuschlag 200 €
Meisner (1800-1874, in späteren Jahren Meissner) setzte die systematische Arbeit seines Lehrers de Candolle fort. Meisner gilt ferner als einer der besten Mitarbeiter von Martius’ “Flora Brasiliensis”. Sein eigenes Hauptwerk waren die “Plantarum vascularium genera” (2 Foliobände, 1836-43), die jedoch im Schatten der parallel erschienenen “Genera plantarum” des Botanikers und Sinologen Endlicher (1804-1849) bleiben sollten. Meisner übermittelt im ersten Brief Glückwünsche für die “Vollendung Ihres trefflichen Werks … Wollte Gott ich stünde auch schon am Ziele! doch hoffe ich es im nächsten Winter zu erreichen.” Meisner freut sich darauf, Endlicher 1842 bei der Naturforscherversammlung in Graz endlich kennenzulernen. “Noch theile ich Ihnen mit, daß (der Schweizer Botaniker Pierre Edmond) Boissier mir den Wunsch geäußert hat, mit dem Wiener Museum in Tausch-Verbindung zu treten u. gegen eine ausgesuchte Sammlung seiner Spanischen Pflanzen, die circa 800 Arten enthalten dürfte, eine Gegensendung von Exoticis zu erhalten. Pflanzen aus Neuholland u. von den Südsee-Inseln waren ihm vorzugsweise erwünscht.” – Im zweiten Brief kritisiert Meisner den 1842 erschienenen ersten Band von Schleidens “Grundzüge der wissenschaftlichen Botanik”, die den Weg zu induktiver Wissenschaft wiesen. “Was sagen Sie zu Schleiden’s jüngsten – man muß leider sagen recht ungezogenen – Kindern? Schade, daß so viel ächtes, gediegenes Gold in einem garstigen Schlamme vergraben liegt, der einen wahrhaft anekelt u. von der Gewinnung des Metalles fast abschreckt, – schade, daß ein solches Talent zu seiner äußeren Wirksamkeit solche Werkzeuge und Formen wählt”. – Dünnes Papier mit Faltspuren, sonst wohlerhalten.

Lot 165 Musik – Gounod, Charles
Porträt-Photographie. Vintage. Silbergelatine. Mit großer eigenhändiger Signatur sowie datiert. 1869. Format: 35,6 x 27,8 cm. Auf Karton montiert.
Zuschlag 400 €
Schöne großformatibe und signierte Porträt-Photographie des französischen Komponisten Charles François Gounod (1818-1893). – Karton leicht bestoßen, etwas fleckig und leicht ausgesilbert.

Lot 166 Napoleon I. – Beauharnais, Eugène de
Eigenhändige Unterschrift auf Vordruck mit weiteren Marginalien von verschiedenen Händen. Ohne Ort, 9. Oktober 1806. 1 Bl. 33,5 x 23 cm (gefaltet).
Zuschlag 260 €
Eugene Napoleon (1781-1824) war Stiefsohn Napoleons, Vizekönig von Italien und Herzog von Leuchtenberg. Hier verweist er eine Eingabe weiter an den “Conseil Legislativ”. – Minimal knitterig und fleckig, insgesamt frisch.

Lot 167
The Newport Jazz Festival. Programm der Tournee in Deutschland, Österreich und der Schweiz. 4 Bl. 29,5 x 21 cm. Ohne Druckvermerk (Oktober 1959) (gefaltet, Aktenlochung mit winzigem Schriftverlust bei Warrens Signatur).
Nachverkaufspreis 200 €
Mit den eigenhändigen Signaturen von Dizzy Gillespie, Jimmy Rushing, Buck Clayton, Willis Conover, Emmet Berry, Buddy Tate, Art Davies, Earl Warren u.a. – Insgesamt noch ordentlich.

Lot 168 Papiertapeten
Sechs lithographierte und handschriftlich ausgefüllte Transportrechnungen französischer Tapetenmanufakturen, sämtlich für Bestellungen des “Magasin de papiers peints” von Alexandre Millet in Lyon. Rixheim, Paris und andere Orte, 1854/55. Je 1 S., rückseitig Steuer- und Speditionsstempel (letztere teils handschriftlich ergänzt) sowie Transport- und Empfangsvermerke. Ca. 18 x 24,5 cm. [#]
Zuschlag 200 €
Bekanntester Lieferant ist Jean Zuber & Co. in Rixheim, der mit zwei Rechnungen vom Februar 1854 und Mai 1855 vertreten ist. Die übrigen Manufakturen: Is(idore) Leroy, Paris; Gillou Fils & Thorailler, Paris; Grantil J(eu)ne & Ch(arl)es Didion, Montigny-les-Metz; Alph(onse) Seurat & Cie., Epinal. Die Vordrucke tragen neben dem jeweiligen Firmenkopf ausgefüllte Rubriken für die zu liefernden Sorten, Gewicht und Paketzahl, für Empfänger, Spediteur und Kosten. Alle Rechnungen sind nochmals mit dem Firmennamen unterschrieben, meist auch mit der Signatur des Kontoristen. Die Formulare von Zuber sind auf Büttenpapier, die übrigen auf dünnen Velinpapieren, alle sechs tragen einen doppelten Steuerstempel in Prägedruck und Schwarz. – Faltspuren, geringfügige Randdefekte, sonst wohlerhalten.

Lot 169 Poscharsky, (Christian Friedrich)
Eigenhändiger Brief mit Unterschrift. Neuer Anbau bei Dresden, 02.04.1825. 1 S. auf Einzelblatt, verso Adressierung an den Amtmann (und Sammler) Rodig in Stolpe. Mit zerteiltem roten Lacksiegel. 35 x 21,5 cm. [#]
Zuschlag 650 €
Der Schreiber ist der früheste für uns nachweisbare Vertreter einer Dresdener Botaniker- und Gärtnerdynastie des 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Poscharsky wurde 1772 geboren und übernahm 1804 Baumschule und Gartenanlagen des Hofkommissars Gottlob Börner vor dem schwarzen Tor (Schnieber, Die Entwicklung des Zierpflanzenbaues von 1800-1939 am Beispiel Dresdens, Diss. 1958, S. 26 & 31). Diese Vorstadt wurde auch als Neuer Anbau bezeichnet. Zwischen 1808 und 1823 gab Poscharsky eine Reihe kleiner Gartenhandbücher heraus, sein Todesjahr war nicht zu ermitteln. – Das vorliegende Autograph zeigt ihn als Botaniker bei der Besorgung von Herbarien des Pflanzensammlers Franz Wilhelm Sieber (1789-1844), der u.a. Mauritius und Australien bereist hatte. “Ich bin gleich nach Empfang Ihres Geldes bei Herrn D. Sieber gewesen um wegen der Madagasker mit ihm zu sprechen wan sie zu haben währen, allein Herr D. Sieber sagte mir das er nach Prag gehe und von dort aus mir alles zukomen lassen wolde waß ich wünschte, ich habe ihm daher gebeden mir gleich das Erste Ex: zu überschicken, indem das Geld dazu bereit liege, Er erwardet die Madagas. Flora mit nächster Gelegenheit über Holland. Die Algen sind noch nicht völlig zum weggeben ferdig. Wenn ich recht gelesen habe wünschen Ew. Wohlgeb. 2 von hierbeyfolgenden Solanum Pseudo Capsicum (Korallenstrauch) welche a St (pro Stück) 6 x (Kreuzer) kosten.” – In einer Nachschrift teilt Poscharsky Einzelheiten zu den von Sieber geplanten gewerblichen Herbarien mit. – Angestaubt und etwas fleckig, Falt- und Verklebungsspuren, ein kleiner Wurmgang ohne Buchstabenverlust. Sehr selten.

Lot 170 Preussen – Luise Amalie, Prinzessin von Preußen
Brief mit eigenhändiger Unterschrift “Louise Amalia” (sowie den Initialen ihrer Titel und kurzer Empfehlungsformel). Berlin, 24. XII. 1769. 1/2 S. 31 x 19,5 cm.
Nachverkaufspreis 400 €
Die verwitwete Gemahlin August Wilhelms von Preußen und Mutter Friedrich Wilhelms II. an ihre Schwester Therese von Braunschweig-Lüneburg-Bevern, seit 1767 Äbtissin von Gandersheim: “Ich bin Ew. Durchl. für die bey Gelegenheit der herannahenden Jahreswechselung … Mir zu thun beliebten freundschaftlichen Wünsche gar sehr verbunden. Gleichwie Ich nun Ew. Durchl. alle erdenkliche Ersprießlichkeiten von Hertzen anwünsche, so bitte ich Gott das er dieselben dieses und noch viele darauf folgende Jahre bey vollkommener Gesundheit und villen Wohlseyn erhalten möge.” Beiliegend: Altes Sammleretikett. – Selten. – Faltspuren, etwas stockfleckig, Löchlein am Kopf. Auf gutem holländischen Papier.

Lot 171 Schleswig-Holstein – Friedrich III., Herzog von Schleswig-Holstein-Gottorf
Kanzleischreiben mit eigenhändiger Unterschrift “Fridrich”. Schloß Gottorf, 8. I. 1645. 1 S. 30 x 19,5 cm. – Beiliegend: Originaler Briefumschlag, adressiert an den Amtsschreiber Steffen Henning zu Kiel, mit dessen Sichtvermerk vom 11. I. 1645. 8,5 x 17 cm (ausgefaltet: 19 x 31 cm).
Zuschlag 300 €
Aus der Schlussphase des dreißigjährigen Krieges. Der Herzog (1597-1659) titelt als “Erbe zu Norwegen, Herzogh zu Schleßwigh, Holstein, Stormarn undt der Dithmarschen (etc.)”. Er erteilt dem Scharfrichter der Stadt Kiel genaue Instruktion, “demnach wir ein stuck von der Diebes Ketten (später: “wormit ein Mißthäter stranguliret”) zu gewißen sachen wollen gebrauchen laßen, undt aber davon allhier nichts Uns herbey gebracht worden”. – Mit Fälzchen auf Museumskarton mit Welfenwappen und (irriger) Zuschreibung montiert, der Umschlag in Photoecken. – Siegelausriss am Unterrand, kleiner Einriss im Text verso mit Transparentpapier fixiert, Klebespur in der linken unteren Ecke.

Lot 172 Schraplau – Stadtkirche St. Johannes
Rechnung über Einnahme und Ausgabe der Kirchen S. Johannis in Schraplau, von dem 1. Januarii bis den 31. Decembris, Anno 1680 (durchgehend bis 1703 geführt). Deutsche Handschrift von mehreren namentlich bezeichneten Schreibern. Braunschwarze Feder auf gutem Büttenpapier. Pro Jahr 26-37 meist beidseitig beschriebene Bl., zusammen ca. 712 Bl. 32 x 19 cm. Pergamentband mit schwarzgeprägtem Deckeltitel, datiert 1689 (fleckig und verstaubt, Schließbänder fehlen, vorderes Innengelenk aufgebrochen, Buchblock nach vorne verschoben, jedoch fest).
Zuschlag 550 €
Sorgfältig über 24 Jahre geführte Buchhaltung der Stadtkirche St. Johannes in Schraplau (Saalekreis, Sachsen-Anhalt). Regelmäßig verzeichnet sind Einnahmen aus der Pfarrei zugehörigen Häusern, Gärten und Äckern in Schraplau, Dornstedt, Esperstedt, Alberstädt (u.a.), ferner Erb- und Kapitalzins, Stuhlgeld, Gebühren für Geläute, Leichenpredigten, Hochzeiten sowie Spenden in den Klingelbeutel. Die Ausgaben umfassen Baukosten an Kirche, Pfarr- und Schulwohnung, Armengelder, Besoldung, Botenlöhne, Kauf von Wachslichtern und Hostien. Verzeichnet sind außerdem “Retardate”, besonders umfangreich im Jahr 1693. Die Buchhalter wechseln alle zwei Jahre, unter den Namen Caspar Rauchfuß, Michael Kirchhoff, Gabriel Siebert, Hans Franck, Tobias Ziegler, Wilhelm Voigt. – Von den Gebrauchsspuren am Einband abgesehen sehr gut erhalten.

Lot 173 Trockij, Lev D. (deutsch auch: Trotzki, Leo)
Befehl Nr. 311 des Revolutionären Militärrats vom 28. November 1918. Maschinenschriftlicher Brief, paraphiert von L. Trockij (in Blau) und Efraim M. Sklyanskij (in Blei) sowie mit Stempelung “Vorsitzender des Revolutionären Militärrats der Republik”. Im unbeschriebenen Briefumschlag mit Siegel aus braunem Siegellack des Volkskommissars für militärische Angelegenheiten der RSFSR.
Zuschlag 1300 €
Befehl über Maßnahmen gegen das Marodieren von Militärangehörigen. – Brief leicht gebräunt, aus einer sowjetischen Aktenheftung entnommen, zweifach gefaltet, kleiner Randeinriss ca. 1 cm.

Lot 174 Welfen – Elisabeth von Brandenburg, Herzogin von Braunschweig-Calenberg-Göttingen
Schreiben mit eigenhändiger Unterschrift “Elisabet mit eigener Hant”. Hannoversch Münden, “Sonnabend nach Estomihi xlvi” (13. III. 1546). 1 S. 31,5 x 21 cm.
Zuschlag 300 €
Elisabeth, die verwitwete “Reformationsfürstin” (1510-58), verschreibt dem Pastor zu Hainholz (heute Stadtteil von Hannover) das Othfeld zwischen Hainholz und Vahrenwald gegen den üblichen Zins, weil seine Pfarre arm und gering ist. Nach der Feldernte ist ihm auch die Hütung gestattet. – Faltspuren, etwas gebräunt, in den teils unbeschnittenen Rändern Montagespuren, dadurch am Kopf Löchlein ohne Textberührung. Lose auf Museumskarton mit dem Welfenwappen und gedruckter Kurzbeschreibung.

Lot 175 Welfen – Elisabeth von Dänemark, Herzogin zu Braunschweig und Lüneburg
Brief mit eigenhändiger Unterschrift. Wolfenbüttel, 1. V. 1624. 1 S. 33 x 20 cm.
Zuschlag 240 €
Die “Wittibe” (1573-1626) von Herzog Heinrich Julius wegen Neubesetzung der “vacirenden Dominae stelle” eines Klosters, das “Dierenburgk” geheißen haben könnte. – Selten. – Am Kopf mit Fälzchen auf Museumskarton mit Welfenwappen montiert, darüber späterer Kupferstich eines nächtlichen Kutschen-Überfalls mit niederländischem Rückentext in Photoecken (10 x 15 cm). – Gebräunt, kleine Leimflecken im rechten Textrand, der weiße Fußrand mit Resten von Transparentklebeband eingefaltet.

Lot 176 Welfen – Erich II., Herzog zu Braunschweig-Lüneburg
Kanzleischreiben mit eigenhändiger Unterschrift “Herzog Erich manu propria subscripsi”. Hannoversch Münden, 14. IX. 1557. 1 1/3 S. 32,5 x 20,5 cm.
Zuschlag 400 €
Bestimmt, dass die große Rodung “Ortfeld” zwischen Herrenhausen, Hainholz, Vahrenwald und List im Nordwesten des heutigen Hannover künftig von der Kirchengemeinde genutzt werden solle. Schreiben oder Erlässe von Erich II. (1528-1584) sind selten, da der Herzog als Söldnerführer im Ausland die Regierungsgeschäfte nur sporadisch wahrnahm. – Am Kopf auf Museumskarton mit dem Welfenwappen montiert, dadurch punktuelle Leimbräunung bis in die erste Zeile der Rückseite. Diese durch eine daneben eingesteckte Ablichtung mit gedruckter Beschreibung (irrig 1457) anschaulich gemacht. – Karton mit Randdefekten, Einrisse ohne Textberührung der Handschrift am Fuß und rechts, dort auch schmale Tesafilm-Spur.

Lot 177 Welfen – Ernst August, Herzog zu Braunschweig-Lüneburg
Kanzleischreiben mit eigenhändiger Unterschrift “Ernst August”. Hannover, 15. XII. 1682. 1 S. 33 x 20 cm.
Nachverkaufspreis 300 €
Der Herzog (1629-98) teilt dem Konvent von Kloster Wennigsen mit, dass sein Kammer- und Klostersekretär Melchior Ludwig Westenholz (1647-94) nach dem Tod der Äbtissin Margareta Klara von Jemsen die Wahl einer Nachfolgerin zu leiten hat. Die Gegenzeichnung erfolgte durch J. Hattorf. – Am Kopf punktuell mit Leim, sonst mit Photoecken auf Museumskarton mit Welfenwappen und gedruckter Beschreibung montiert. – Faltspuren, etwas gebräunt und fleckig, kleiner Siegelausriss am linken Rand. – Beiliegend: Derselbe. Eigenhändige “Confirmacion” eines unvollständigen Kanzleischreibens mit Paraphe “E. A.”. (Hannover, um 1680). 2 S. auf 1 Doppelblatt (weitere fehlen), das Autograph auf der Rückseite des Respektblattes. – Wasserfleckig, ausgefranst, kleine Risse mit Transparentpapier überklebt.

Lot 178 Welfen – Ernst August II. (der Jüngere), Herzog zu Braunschweig-Lüneburg
Kanzleischreiben mit eigenhändiger Unterschrift “Augustus HZBuL”. Wolfenbüttel, 28. XII. 1644. 1 S. Mit originalem Briefumschlag, noch am papiergedeckten Siegel anhängend. 33,5 x 19,5 cm, der Umschlag: 9 x 17 cm (ausgefaltet: 20 x 33,5 cm).
Nachverkaufspreis 500 €
Der Gründer der Herzog August Bibliothek (1579-1666) an Johann Berlach von Hambstedt (Hammenstedt, Northeim?): “Uns ist unterthänig vorgetragen, was du wegen des dir abgefoderten Provisionsgetreides anhero verlangen lassen, So viel nun die Anlage von Ao. 1643 belangent, haben wir dieselbe nach proportion dero auf den Hambstedtschen Gütern haftenden contribution unter die interessenten ab: und eintheilen lassen, wie du auß der (nicht mehr vorhandenen) Beylage fürsehen, und wirstu deine portion zubührlich einzuschaffen wissen. Wenn solches geschehen, soll alsdann des von vorigen Jahren außstehenden Restes halber weitere verordnunge erfolgen …”. – Der Umschlag mit Erledigungsvermerk vom 20. I. 1645 und zwei schwarzen Kreuzen, möglicherweise Kennzeichnung herzoglicher Post. – Am Kopf mit Fälzchen auf Museumskarton mit Welfenwappen und gedruckter Kurzbeschreibung montiert, der Umschlag durch Photoecken geschützt. – Etwas gebräunt und angestaubt, sonst sehr gut erhalten.

Lot 179 Welfen – Ernst August I., König von Hannover
Eigenhändiger Brief mit Paraphe (“E” mit Abwärtsschnörkel). London, St. James, 23. VI. 1848. 2 S. auf Doppelblatt mit Trauerrand. 18 x 12 cm.
Nachverkaufspreis 240 €
Im Revolutionsjahr offenbar von einem Sommeraufenthalt in England. Der seit 1837 amtierende König von Hannover berichtet “My good friend” Persönliches in hastigem Stenogrammstil, gleich zu Beginn: “I am renovated … I can eat beef again”. Er werde mit “Kindness and Friendship” gepflegt. Ironisch: Ein gemeinsamer Bekannter (Name nicht sicher leserlich) “dead at 87 Years old. He is delighted”. Gegen Ende: “I shall not keep You alone a Week or ten days if you want to leave England sooner…”. – Mit Photoecken auf Museumskarton mit Welfenwappen und gedrucktem Etikett montiert, die dadurch verdeckte Unterschriftsseite in Ablichtung daneben gesteckt. – Faltspuren, Außenseiten etwas gebräunt.

Lot 180 Welfen – Georg III., König von Großbritannien und Irland
Bestallungsurkunde mit eigenhändiger Unterschrift “George R(ex)”. London, St. James, 18. XII. 1777. 1 weißes Bl., 10 S. Mit papiergedecktem Siegel und 2 Steuerstempeln. 32 x 20,5 cm. Fadenheftung.
Zuschlag 240 €
Der reitende Förster Johann Wilhelm Wolff wird zum Oberförster der Ämter Grohnde und Polle (heute Landkreis Hameln-Pyrmont) ernannt. Mit genauer Aufstellung der Besoldung und Deputate. Die Gegenzeichnung erfolgte durch den damaligen Leiter der deutschen Kanzlei in London, (Johann Friedrich Carl von) Alvensleben. – Das leere Schutzblatt mit bräunender Tesa-Spur im Rand, zu Beginn etwas stockfleckig. – Beiliegend: Englisch vorgedruckte und handschriftlich ausgefüllte Urkunde auf Pergament. Bestallung von Conrad Müller zum Adjutanten des Infanterie-Regiments Baron von Roll im Namen von Georg III. London, St. James, 21. X. 1804. 1 S. Mit papiergedecktem Siegel und Steuermarke. 24 x 34 cm. – Gezeichnet durch den “Commissary General of Musters” Thomas Butts (der Hauptmäzen von William Blake) sowie “Hawkesbury” (Charles Jenkinson, Lord H.?). – Faltspuren, etwas knitterig und abgegriffen.

Lot 181 Welfen – Georg II., König von Großbritannien und Kurfürst von Braunschweig-Lüneburg
Kanzleischreiben mit eigenhändiger Unterschrift “George R(ex)”. Windsor, 13./24. X. 1730. 2 1/2 S. auf 2 Einzelbl. 31,5 x 20 cm.
Nachverkaufspreis 300 €
“An die Geheimte Räthe zu Hannover”, gegengezeichnet vom Leiter der deutschen Kanzlei in London, (Johann Philipp von) Hattorf. Kritisiert einen Bescheid der kurfürstlichen Rentkammer “auf eine von der Zellischen Landschafft wegen der Landgerichte eingebrachte Erinnerung”. Das “thun und lassen” der Kammer sei zwar hinzunehmen, nicht zu entschuldigen “aber der Modus und verächtliche Inhalt” des erteilten Bescheides. – Das Hauptblatt in den unteren Ecken auf Museumskarton mit Welfenwappen und Etikett montiert, oben Reste von Fälzchen. Das zweite Blatt mit Briefschluss und Unterschrift gefaltet und in Photoecken gesteckt. – Etwas gebräunt, kurze Faltenrisse.

Lot 182 Welfen – Georg I., König von Großbritannien und Irland
Kanzleischreiben in deutscher Sprache mit eigenhändiger Unterschrift “Georg R(ex)”. London, St. James, 1./12. IV. 1726. 1/2 S. auf Doppelblatt. 32 x 20 cm.
Nachverkaufspreis 200 €
Georg Ludwig Herzog zu Braunschweig-Lüneburg (1660-1727) wurde 1714 erster König von England aus dem Haus Hannover. Mit vorliegendem Anschreiben an seine Geheimräte in Hannover ging “der von euch unterm 2. April eingesandte Aufsatz Weinschencks Privilegii für Christian Wilhelm Müller nebst deßen von Uns volzogenem Original hiebey zurück”. Gegengezeichnet durch (Johann Philipp von) Hattorf. – Gefaltet in Photoecken auf Museumskarton mit Welfenwappen und gedrucktem Etikett montiert. – Etwas gebräunt, Anheftungsspur mit Löchlein sowie kleiner Hakenriss am Respektblatt, Reste von Transparentpapierfälzchen an beiden Blättern.

Lot 183 Welfen – Georg Ludwig, Herzog zu Braunschweig-Lüneburg
Kanzleischreiben mit eigenhändiger Unterschrift “Georg Ludwig Churfürst”. Hannover, 29. VI. 1698. 3 1/2 S. auf Doppelblatt. 32 x 20 cm.
Nachverkaufspreis 300 €
An “hiesiges Consist(orium)” gerichtetes Urteil Georg Ludwigs (1660-1727), ab 1714 als Georg I. König von Großbritannien. Anlass war eine “von dem von Stöckheimb zu Limmer sich angemaßete Bestraffung und anzuordnende Kirchen Busse”, worüber ein Rechtsgutachten in Helmstedt eingeholt wurde. Das Konsistorium möge dem Gutsherrn von Limmer-Godenau (Sprengel Hildesheim-Göttingen) die Entscheidung mitteilen, den “von Stöckheimb wegen deß Unß in Unserer Hohe Jura Episcopalia gethanen Eingriffs zu dreyßig Rthlr: zu condemniren”. Das Schreiben wurde von J. Hattorf gegengezeichnet. – Gefaltet in Photoecken auf Museumskarton mit Welfenwappen und gedruckter Kurzbeschreibung gesteckt. – Anheftungsspuren mit kleinem Ausriss am Kopf, alte Nummerierung am Fuß.

Lot 184 Welfen – Georg Wilhelm, Herzog zu Braunschweig-Lüneburg
Kanzleischreiben mit eigenhändiger Unterschrift “Georg Wilhelm (subscripsit)”. Hannover, 29. I. 1650. 1 S. Mit originalem Briefumschlag, noch am papiergedeckten Siegel anhängend. 33 x 20 cm, der Umschlag: 9 x 17 cm (ausgefaltet: 19 x 31,5 cm).
Zuschlag 400 €
Georg Wilhelm (1624-1705) hatte 1648 von seinem Bruder Christian Ludwig das Fürstentum Calenberg mit Sitz in Hannover übernommen. Das vorliegende Schreiben ist laut Adresse an den “Convent unseres Closters Wennigsen” gerichtet, eines der fünf Calenberger Klöster. Der Herzog teilt mit, dass er den Konsistorialrat und Abt von Bursfelde David Denecke (1603-80) auch zu seinem “Closter Rhat” (sic) bestellt und ihm “unser Clöster bestes mit gebührendem Fleis zu beobachten aufgetragen” habe. Er bestimmt, dass ihm alle “Vorfallenden sachen gebührlich communiciret” werden. Denecke machte sich zusammen mit Justus Gesenius um die Erneuerung der hannoverschen Landeskirche verdient. – Der Umschlag mit Präsentationsvermerk vom 8. II. 1650. – Mit Fälzchen auf Museumskarton mit dem Welfenwappen und gedrucktem Etikett montiert, der Umschlag durch Photoecken geschützt. – Schmaler Siegelausriss am linken Rand, Rest eines Transparentpapierfälzchens am Fuß, Umschlag angestaubt. Schönes Ensemble.

Lot 185 Welfen – Johann Friedrich, Herzog zu Braunschweig-Lüneburg
Eigenhändige Unterschrift auf einem Einblattdruck. Hannover, 10. X. 1665. 1 S. 33 x 19,5 cm.
Zuschlag 200 €
Ausschreibung eines offenen Landtages nach Antritt der Regierung des Fürstentums Calenberg mit Amtssitz Hannover. Ausfertigung für Kloster Wennigsen mit handschriftlich eingesetzter Anrede “Würdige und Tugentsahme liebe Andechtige und getrewe”. – Beiliegend: Einblattdruck in seinem Namen mit eigenhändiger Unterschrift des Kanzlers Henrich Langenbeck. Hannover, 17. X. 1665. 1 S. 33 x 19,5 cm. – Verbot fremder Soldatenwerbung, ebenfalls Ausfertigung für Kloster Wennigsen mit fast gleicher handschriftlicher Anrede und Zusatz “Ad mandatum Ser.mi Cels.mi proprium”. – Beide Blätter punktuell auf Museumskartons mit Welfenwappen montiert. – Faltspuren, etwas gebräunt und stockfleckig, kleine Siegelspuren links, die übrigen Ränder unbeschnitten.