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Lot 133 Brandt, Willy
Festakt zur Eröffnung der Neuen Philharmonie am Kemperplatz in Berlin. Transkription der Sendung des SFB vom 15. Oktober 1963 durch das Staatliche Rundfunkkomitee (Ostberlin). Vertrauliches Material. Nur für den Dienstgebrauch. Zeitgenössischer Abzug des Typoskripts. 12 Bl. 29,5 x 21 cm. Alt geklammert.
Nachverkaufspreis 200 €
Exemplar für den Genossen Lagner im Büro des Gen. Kurt Hager, am oberen Rand in Rotstift resp. Bleistift so alt handschriftlich bezeichnet. Chef des StRK war zu der Zeit Gerhard Eisler, Hager war seit 1963 Politbüro-Mitglied und galt lange Jahre als Chefideologe der SED. Das Transkript (eingeladen war von den Bonzen ja sicher keiner) diente natürlich der Information und Desinformation bzw. Gegenpropaganda. Enthält die Reden von Brandt und Arndt, gelegentlich sind politisch konnotierte Passagen mit Kuli angestrichen. Es dürften allenfalls eine Handvoll solcher Kopien hergestellt worden sein. – Dabei: maschinenschriftlicher Brief des Reg. Bürgermeisters Brandt auf Briefpapier des Büros von Brandt. Berlin, Rathaus Schöneberg, 15. April 1958. Ein Blatt. Mit eigenhändiger Unterschrift des Regierenden. Antwort auf einen Beschwerdebrief, der an den zuständigen Senator Bernoth (Soziales) weitergeleitet wurde. – Typoskript mit Aktenlochung im Rand ohne Textverlust, papierbedingt etwas gebräunt, der Brief ohne Aktenlochung und gefaltet, alles insgesamt recht gut.

Lot 134 Fersen, A. von
Vorlesungsnachschriften und Ausarbeitungen, erstellt in den Jahren 1818-1819 auf der Artillerieschule in Metz von einem Mitglied der berühmten schwedischen Adelsfamilie Fersen. Durchgängig in französischer Sprache auf bestem Schreibpapier. Mit einigen Illustrationen. Je Band ca. 80-150 Bl. 34 x 22 cm. Halblederbände der Zeit mit goldgeprägten Deckelschildern und Rückentiteln (Kanten etwas berieben, Deckel etwas beschabt). [#]
Zuschlag 800 €
Vermutlich aus dem Besitz eines Sohnes des Hans Axel Graf von Fersen (1755-1810), dem berüchtigten Favoriten der französischen Königin Marie Antoinette. Unser Fersen hat mehrere der Schriftstücke eigenhändig angefertigt und unterschrieben, meistens mit seinem Familiennamen “Fersen”, manchmal auch mit Paraphe “A. v. F.” – Mit den Deckelschildern: I. Cours de Fortification passagère. 1818. – Fortlaufende Abhandlung über temporäre Befestigungen, erstellt von professioneller Schreiberhand, enthält einige wenige schematische Zeichnungen. – II. Cours sur les ponts. 1818 – Vom selben Schreiber wie I., Beschreibung von Formen von (meist Ponton-)Brücken. – III. Compositions d’Olivier. 1818-19. – Abhandlung über “Geometrie descriptive”, anfangs von Fersen selbst geschrieben, dann fortgesetzt wieder von Schreiberhand, darin einige wenige geometrische Figuren. – IV. Cours de Thopographie (sic). 1818. – Von Fersen selbst geschriebene Ausarbeitung über die Formen der Topographie. – V. Cours de fortification permanente. 1819. – Von zwei verschiedenen Schreiberhänden gefertigte Abhandlung über die Befestigungslehre. – VI. Cours de fortification permanente. 1819. – Zweiter Teil der Abhandlungen über die Befestigungen, partienweise von Fersen selbst geschrieben. – VII.Trois memoires. 1819. – Drei kurze Abhandlungen über Geodäsie (von Fersen am 18. November 1819 abgeschrieben und signiert), und zweiteilige Dienst- und Verhaltensvorschriften für die höheren Armeeoffiziere von Schreiberhand. – VIII. Cours de balistique. 1819. – Abhandlung über die Ballistik von Schreiberhand. – IX. Trois mémoires par A. v. F. 1819. – Interessante Ausarbeitungen von Fersen selbst, die erste über temporäre Befestigungen, illustriert mit einigen schematischen Zeichnungen, die zweite am 29. Juni 1819 erstellte über die Artillerie-Fabriken in Metz, illustriert mit mehreren Schnittzeichnungen von Maschinen, die dritte über dauerhafte Befestigungen, enthält nur einige kleinere schematische Skizzen. – X. Annotations. 1818-19. -Kleinere Ausarbeitungen und Entwürfe (“Brouillons”), alle von Fersens Hand und teilweise illustriert mit recht derben Skizzen. – Meist blütenweiß, nur partienweise unbedeutend fleckig, insgesamt sehr gut erhalten.

Lot 135 Gotter, Friedrich Wilhelm
Auslagen bey der Aufführung der Mitschuldigen und des Alchymisten auf dem Hoftheater am 2. und 9. Januar 1782. Deutsche Handschrift auf Papier. Ohne Ort und Datum (Gotha, 1782). Einseitig beschriebenes Doppelblatt (ein Eckabschnitt ohne Textverlust, ein Eckabriss ohne Textverlust, Siegel mit Verlusten).
Zuschlag 330 €
Listet Kosten für Partitur, Porto, Rollenkopien, Buchbinder etc. auf. Gotter (1746-1797) gehörte zum Freundeskreis um Goethe, wohl deshalb auch die Aufführung der “Mitschuldigen”, Autor des “Alchemisten” war A.G. Meissner. – Gefaltet, etwas knitterspurig und braunfleckig, insgesamt gut.

Lot 136 Grosz, George
Maschinenschriftlicher Brief auf eigenem Briefpapier mit eigenhändiger voller Unterschrift. An den deutsch-amerikanischen Verleger Ern(e)st Rathenau. Huntington, 28.12.(19)50. 1 Bl. Mit dem originalen (von anderer Hand adressierten) Briefumschlag mit von Grosz entworfener Verschlußmarke.
Zuschlag 300 €
Dankt für die Übersendung von Berlin-Photos und erwähnt Westheim “wir schreiben uns ja hieunda” (sic). In der Nachschrift erwähnt er die Möglichkeit einer Ausstellung in Berlin. Rathenau (1897-1986) war seit 1927 Inhaber des Berliner Euphorion-Verlages und – auch im Exil – Verleger zahlreicher Bücher zur modernen Kunst. – Gefaltet, kaum knitterspurig, gut.

Lot 137 Janssen, Horst
Sammlung von 2 (1 als Witzpostkarte in fremdem Namen) eigenhändigen Postkarten, 2 Autographen auf Ausstellungseinladung bzw. auf Zeitungsausschnitt, 1 Postkarte mit Zeichnung von Janssens Sohn Philip sowie 7 eigenhändige Briefumschläge, alle adressiert an den Generalstaatsanwalt Ernst Buchholz und seine Frau Ruth in Hamburg. Deutsche Handschrift auf Papier. Die Postkarten gelaufen. 1961-1964. Meist 10,5 x 15 cm. [#]
Nachverkaufspreis 200 €
Hübsches Konvolut mit Autographen von Horst Janssen, darunter eine Witzpostkarte, in der er dem Generalstaatsanwalt eine Postkarte “von einer stillen Verehrerin in Erinnerung an schöne Stunden! Beste Grüße von Amalie B.” schickt. – Auf der anderen Postkarte schwärmt Janssen von der unverhofften Ankunft eines “Werner”. Die 3. Postkarte mit Notenzeichnung des kleinen Philip. – Insgesamt sehr gut erhalten.

Lot 138 Koran
Beidseitig beschriebenes Koran-Blatt in maghrebinischer Schrift auf Pergament. Jeweils fünf Zeilen in Sepia-Tinte mit diakritischen Zeichen in Rot, Blau und Grün. Wohl Spanien oder Marokko, 12. Jahrhundert. Blattgröße: 17,7 x 23,2 cm. Auf schwarzes Papier montiert.
Zuschlag 1000 €
Die Maghrebinische Schrift ist eine elegante arabische Buchschriftart, welche ab dem 10. Jahrhundert im Maghreb sowie in al-Andalus (Iberische Halbinsel) verwendet wurde. Als Schreibmaterial dominierte lange Zeit Pergament. Maghribi-Korane sind meist relativ klein und quadratisch. – Linker Rand mit längerem Einriss, untere linke Ecke mit Abriss, mit kleinen Löchlein und Randläsuren, in den Rändern etwas gebräunt, etwas fleckig.

Lot 139 Korn, Friedrich
Drei eigenhändige Briefe an einen Hofrath. Deutsche Handschriften auf Papier. Dresden und Halle, 1836-1837. Zusammen 6 Bl. Unterschiedliche Formate.
Zuschlag 300 €
Korn, besser bekannt unter seinem Pseudonym “F. Nork”, war ein satirischer Schriftsteller, der u.a. für M.G. Saphirs Blätter zahlreiche Texte verfasste. Der Adressat scheint Verleger oder Herausgeber gewesen zu sein, der Inhalt dreht sich um Korrekturen, Treffen auf der Leipziger Buchmesse, Bitte um Empfehlungen etc. – Etwas gebräunt, knitterspurig und fleckig, sonst recht gut.

Lot 140 Mann, Thomas
Eigenhändige, datierte und voll signierte Postkarte an einen Dr. Wiegand in München. München, 21.I.(19)25. Gelaufen, abgestempelt ebenfalls 21.1.25.
Zuschlag 420 €
Kurzer Dank für die Übersendung “der guten Dinge”. Recto mit Manns Münchner Adressstempel. Es handelt sich evtl. um den Musikkritiker Heinrich Wiegand. – Verso an einer Seite zwei kleine Spuren alter Montage mit Papierverfärbung ohne Durchschlag, nur minimal bestoßen, gut.

Lot 141 Pommern – Friedrich Wilhelm I., König von Preußen
Gesiegelte Urkunde zur Vererbung eines Flurstückes. Deutsche Handschrift auf Pergament. Stargard, 18.März 1712. Ca. 21,5 x 40 cm. Gefaltet. Siegel in angehängter Blechkapsel (etwas fleckig, knickspurig und gebräunt, Kapsel teils nachgelötet und mit Korrosionspuren).
Zuschlag 460 €
Regelt die Pflichten der Erben des aus dem ehemaligen Besitz eines Christian Witchow übergegangenen Flurstückes (Holzablieferungen, Weiderechte etc.). Mit Unterschriften des beurkundenden Regierungsrates von Schröder und des Pommerschen Kanzlers Matthias Döring von Somnitz (1663-1721). – Siegel mit Ausbrüchen im Rand, Siegelbild wohl wärmebedingt stark verschwommen, die Urkunde nur partiell etwas verwischt, insgesamt recht gut.

Lot 142
Sammelband mit 46 Mazarinaden. Französische Handschrift auf Papier. Ca. 1690. 334 S. 19 x 13 cm. Pergamentband der Zeit unter Verwendung einer alten Handschrift (beschabt und bestoßen, Rücken mit durchgezogenen Bindefäden). [#]
Zuschlag 600 €
Die sogenannten Mazarinaden sind Zeugnisse der Auseinandersetzung des Kardinals Mazarin mit der Fronde nach dem Tode Ludwigs XIII. und der Regierungsübernahme durch seine Gemahlin, Anna von Österreich. Obwohl er bei Réthel am 15. Dezember 1650 gesiegt hatte, mußte Mazarin im Februar 1651 aus Paris weichen und nach den Niederlanden flüchten. Damit war der Broschürenflut das Tor geöffnet. “Tag für Tag erschienen in dem aufrührerischen Paris Flugschriften, in denen die Monarchie für alt genug erklärt wurde, um endlich zu verschwinden, und eine Flut heftiger Spottlieder ergoß sich über den Hof, über Mazarin und seine königliche Freundin…” (Wilhelm Weigand, Der Hof Ludwigs XIV., Leipzig 1925, S. 25). – Die vorliegende Handschrift enthält, erschlossen durch ein zweiseitiges Register (lose beiliegend), insgesamt 46 Texte, meist zweispaltig abgeschrieben von einer recht gut lesbaren Hand. – Angebunden: I. Arrest de la Cour de Parlement sur une Coppie d’un bref du Pape du 1er Janvier 1681 et sur des ordres envoyés par le general des Jesuites aux Provinciaux de Toulouse et de Paris des 18me et 20me Juin 1681. 40 S. – II. Procès verbal de L’Assemblée Extraordinaire de Monsigneurs Les Archeveques et Evergetes tenué En L’Archevesché de Paris, aux mois De Mars et de May 1681. Paginiert S. 41-87. – Spiegel mit älterem Besitzvermerk: “Manuscrit Curieux ayant appartenu à Grosley”, “Grosley” auf der ersten Seite wiederholt, eventuell handelt es sich bei diesem “Grosley” um Pierre Jean Grosley aus Troyes (1718-1785), Mitglied der Académie des Inscriptions et belles Lettres in Paris. – Das erste Blatt unten mit ca. 4 cm breitem, alt ergänztem Ausschnitt (minimaler Textverlust), sonst nur stellenweise wenig fleckig und ingesamt gut erhalten.

Lot 143 Singhuber, Kurt
Sammlung von Materialien zu Leben und Werk des langjährigen DDR-Ministers für Erzbergbau, Metallurgie und Kali. Um 1948-1990. Ca. 200 Bl. Unterschiedliche Papierarten und Formate. Lose bzw. in Ordnern der Zeit.
Zuschlag 260 €
Enthält u.a.: diverse Lebensläufe (Typoskripte, Durchschläge); gedruckte Dissertation von 1967; Durchschlag der Diplomarbeit der Parteihochschule von 1973; eine Patentschrift; diverse Zeitungen bzw. Zeitungsausrisse mit Bildern und Artikeln zu Singhuber; verschiedene Arbeitsverträge; Kopien von Schriften aus der Übergangszeit 1989-1990 (darunter Vorschläge zur Gründung der “PSD – Progressive Sozialistische Partei” – klingt doch fast schon wie PDS, hat aber trotzdem nix genutzt) etc. An Verleihurkunden findet sich nur eine der “Kammer der Technik”. – Weitere. – Papierbedingt teils gebräunt, teils Aktenlochung, gefaltet und Randläsuren, insgesamt ordentlich.

Lot 144 Sonnenuhren
Une manière très facile de faire les montres solaires. 1691 à Tournon. Mit einem kalligraphisch gestalteten Titel sowie Tabellen und Skizzen im Text. Französische Handschrift auf Bütten (Wasserzeichen Krone, Glocke sowie “Grizoard” ?). Tournon, 1691. Titelblatt, 40 S., 1 Bl. Neuer flexibler Pergamentband mit handschriftlichem Deckeltitel in neuer schmuckloser Leinwandkassette. [#]
Zuschlag 280 €
Ohne Hinweis auf Schreiber resp. Autor. Bringt in 17 “Problemen” (Fragestellungen) die zu berücksichtigenden Themen bei der Berechnung und Erstellung von Sonnenuhren. Die Berechnungen erfolgten für einen Punkt von 46 Grad 30 Minuten Länge. – Etwas gewellt, nur wenig gebräunt oder braunfleckig, die ehemaligen Deckblätter stärker, vorderer Spiegel mit Spuren eines entfernten Schildchens, insgesamt gut erhalten.

Lot 145 Wittgenstein, Paul
Maschinenschriftlicher Brief an Herrn Walter Kleinecke auf Papier. Von Wittgenstein voll signiert. Datiert 17. Feber 1916. Blattgröße: 23 x 14,5 cm. [#]
Zuschlag 200 €
In dem Schreiben kündigt Wittgenstein eine Banküberweisung an, “da ich mich bei den jetzigen Postverhältnissen nicht traue brieflich Geld zu schicken”. – Paul Wittgenstein (1887-1961) war ein amerikanischer Pianist österreichischer Herkunft und der ältere Bruder von Ludwig Wittgenstein. Trotz des Verlustes seines rechten Armes als Folge einer Kriegsverletzung setzte er seine Karriere fort und gab bei zeitgenössischen Komponisten zahlreiche Klavierwerke für die linke Hand in Auftrag. – Sehr gut erhalten.

Lot 146 Zeller, A
Forstenzyklopädie. Von Professor als Verweser Fischbach in Hohenheim vorgetragen. Wintersemester (18)53/54. Deutsche Handschrift auf Papier. Hohenheim, um 1854. 169 S. 21,5 x 14,5 cm. Marmorierter Pappband der Zeit mit Rückenschild (gering bestoßen und berieben).
Zuschlag 340 €
Zu den Themen Bodenarten, Baumsorten, Forstschutz, Sicherung gegen Natureinflüsse etc. Heinrich von Fischbach (1827-1900) war von 1852 bis 1866 Lehrer in Hohenheim und Verfasser des Werkes “Leitfaden zur Forsttechnik”. Der vorliegende Text scheint wohl so nicht gedruckt worden zu sein. Fischbach ist weiter bekannt als Initiator und Gestalter der Stuttgarter Parkanlagen, die die Stadt seinerzeit zu einer grünen Stadt machten – was man heute kaum mehr glauben mag. Wer A. Zeller war konnten wir nicht eruieren. Handschrift auf gutem, weißem Papier. – Innen minimal braunfleckig, insgesamt gut.