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Lot 324 Gastronomie – Wein – Cocks, Charles und Édouard Féret
Bordeaux und seine Weine nach ihren Lagen und Klassen geordnet. Stettin, Nagel und Bordeaux, Feret et Fils, 1893. XVIII, 856, 10 S. (Anzeigen). 18,8 x 13 cm. Illustrierte grüne Original-Leinwand mit reicher Goldprägung (leicht berieben). [*]
Zuschlag 260 €
Erste deutsche Ausgabe nach der gleichzeitigen, sechsten französischen Ausgabe, übertragen von Paul Wendt. – Das Standardwerk, kurz “Cocks & Féret” oder “Le Guide Féret” wurde erstmals 1846 in England veröffentlicht und erscheint in Frankreich seit 1850 bis heute. – Die Karten zeigen die Weinbauregion des Département Gironde, die Textabbildungen “Ansichten hervorragender Weinschlösser” nach Zeichnungen von Eugène Vergez. – Mit dem Exlibris von Julius Gertig (1831-1898), einem Hamburger Lotteriebesitzer. – Block etwas gelockert.

Lot 325 Gastronomie – Wein – Franck, W
Traité sur les Vins de Médoc et les autres Vins rouges et blancs du Département de la Gironde. Quatriéme edition. Mit lithographischem Frontispiz, 17 Holzschnitt-Tafeln, 9 getönten lithographischen Tafeln, 2 lithographischen Zwischentiteln, 2 Karten und 6 Tabellen. Bordeaux, Chaumas, 1860. IV, 352 S. 21,5 x 13,5 cm. Halblederband der Zeit mit goldgeprägtem Rückentitel und Rückenvergoldung (etwas berieben). [*]
Nachverkaufspreis 200 €
Vicaire 372. – Die interessante Beschreibung der großen Weine mit dekorativen Abbildungen der verschiedenen Schlösser mit ihren prachtvollen Parkanlagen oder Landwirtschaft. – Eine Tafel stärker gebräunt, insgesamt recht gutes Exemplar.

Lot 326 Judaica
Babel. Bibel. Talmud. Prähistorik, Geschichte, Geographie (…) des jüdischen Volkes. Hierin Bibliotheken Dr. Bamberger (Königsberg), Dr. Fried (Ulm). Ulm, Kerler, (Februar 1907). 98 S. 21,5 x 14 cm. Original-Broschur (eselsohrig, vergilbt, etwas fleckig).
Nachverkaufspreis 200 €
Sehr seltener Antiquariatskatalog Nr. 356, von uns online kein Exemplar in einer deutschen Bibliothek nachweisbar. Kerler hatte den Katalog im Börsenblatt vom 14.02.1907 als “soeben erschienen” angekündigt. – Isaac Bamberger (1834-1896) war bis zu seinem Tod Rabbi in Königsberg, S. (Salomon / Seligman) Fried (1847-1906) wirkte in gleicher Funktion in Ulm. – Alter Besitzeintrag von 1909 auf Vorderdeckel, innen sauber, insgesamt noch gut.

Lot 327 Judaica – Eötvös, Joseph Freiherr von
Die Emancipation der Juden, aus dem Ungarischen des Joseph Freiherrn von Eötvös. Deutsch von Hermann Klein. Pest, Landerer und Heckenast, 1841. Titel, 63 S. 21,5 x 14 cm. Bedruckte Origiginal-Broschur (etwas angerändert, Rücken mit kleinen Fehlstellen). [*]
Nachverkaufspreis 200 €
Erste Ausgabe. – ÖBL I, 256 – Fürst I, 191 (unter Klein, nur die 2. Auflage). – Wichtiges Werk des bedeutenden ungarischen Schriftstellers und Politikers Baron József Eötvös von Vásárosnamény (1813-1871); seine programmatische Schrift zur Gleichstellung der Juden war eine seiner ersten Reden in der ungarischen Nationalversammlung. – Unbeschnitten.

Lot 328 Judaica – Herz, Marcus
An die Herausgeber des hebräischen Sammlers über die frühe Beerdigung der Juden. Des Sammlers vierten Jahrgangs erste Zugabe. Berlin, Orientalische Buchdruckerey, 1787. 35 S. 17 x 10 cm. Marmorierte Broschur der Zeit. [*]
Zuschlag 300 €
Seltene erste Ausgabe. – Goedeke IV/1, 166, 9 – Fürst I, 387. – Marcus Herz (1747-1803), Berliner Arzt und Philosoph der Aufklärung, tritt hier entschieden gegen das jüdische Gesetz der Halacha, der Vorschrift der frühzeitigen Bestattung auf. Die grassierende und auch nicht ganz unbegründete Furcht vor dem lebendig begraben werden führte letztendlich 1800 zu einer preußischen Verordnung, die sich auch explizit an die Judenschaft wandte und ein Begräbnis erst 72 Stunden nach dem Ableben erlaubte. Moses Mendelssohn, der Patient, Förderer und langjährige Freund des Marcus Herz, wurde 1786 noch nach dem Gesetz der Halacha bestattet. Interessanterweise wurde selbst Herz, der nach dem Erlass, der von ihm vorangetriebenen Verordnung verstarb, noch dem alten jüdischen Gesetz folgend beerdigt. – Etwas gebräunt, leicht fingerfleckig.

Lot 329 Judaica
Das Jahr 1937. Kalender der Berliner Juden. Mit 12 heraustrennbaren Postkarten. Berlin, M. Lichtwitz, 1936. 83 S., 2 Bl. 14,5 x 10,5 cm. Bedruckter Original-Umschlag (etwas gebräunt und angestaubt). [*]
Zuschlag 330 €
Zweiter von drei erschienenen Jahrgängen, Auflage 10.000 Exemplare. Herausgeber war Rabbiner Martin Salomonski. Enthält außer dem Kalendarium auch Lesetexte und ein Verzeichnis von Einrichtungen und Anstalten der Berliner Jüdischen Gemeinde. Unter den hier erhaltenen Postkarten ist eine Werbekarte, die übrigen sind Reproduktionen von Altmeistergemälden. – Unbenutztes Exemplar.

Lot 330 Judaica – Kronenfels, F. G
Die Juden in Ungarn, wie sie handeln und wandeln. Charakterskizze. Leipzig, Renger, 1843. XVI, 65 S., 1 weißes Bl. 18,5 x 12 cm. Bedruckte Original-Broschur (Rücken mit Papierkleberesten, etwas angerändert). [*]
Nachverkaufspreis 200 €
Erste Ausgabe. – Fürst II, 211. – Unbeschnitten. – Gering fleckig.

Lot 331 Judaica – Löw, Leopold
Alle Hilfe kommt von Gott. Predigt, bei der Feier der Wiedergenesung Seiner K. Hoheit des Durchlauchtigsten Erzherzogs Joseph, Palatins und K. Statthalters des Königreichs Ungarn. Am Sabathe Chaje Sara, am 14. November 1846. Pápa, mit Schriften der ref. Hauptschule, 1846. 30 S., 1 weißes Bl. 19,5 x 12,5 cm. Rückenbroschur. [*]
Zuschlag 200 €
Einzige Ausgabe. – Nicht bei Fürst. – Über KVK in Deutschland nur ein Exemplar in der Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg nachweisbar. – Leopold Löw, ungarisch Low Lipót (1811-1875) war ein ungarischer Neologischer Rabbiner. Er war ein starker Befürworter der Emanzipation der ungarischen Juden und vertrat im Unterschied zu Lajos Kossuth die Ansicht, dass die Befreiung der Juden nicht von der Aufgabe bzw. der Reform ihrer Religion abhängen sollte. 1846 nahm Löw eine Stelle als Rabbiner in Pápa an, wo er von Vertretern der Orthodoxie heftig angegriffen wurde, welche seinen früheren Besuch eines protestantischen Gymnasiums missbilligten. Während der erfolglosen ungarischen Revolution von 1848/49 unterstützte er die ungarischen Revolutionäre, wurde 1849 wegen seiner patriotischen Ansprachen verhaftet und zu einer dreimonatigen Gefängnisstrafe verurteilt.

Lot 332 Judaica
Ost und West. Illustrierte Monatsschrift für Modernes Judentum. Sechs Jahrgänge (in 4 gebunden). Mit zahlreichen Textabbildungen. Berlin, Calvary, 1901ff. Original-Leinwand (E.M. Lilien, nur Band 1) und private Halbleinwand (bestoßen, etwas berieben und fleckig). [*]
Zuschlag 200 €
Vorhanden sind: Jahrgang I im Original-Einband von E.M. Lilien. Mit Abbildungen von Lilien, Lesser Ury, Hermann Struck; Jahrgang 1916 (auf dem Titelblatt irrig bezeichnet: Fünfzehnter und Sechzehnter Jahrgang); Jahrgänge 1917/1918 (in 1); Jahrgänge 1920/1921 (in 1). – Unterschiedlich gebräunt, nicht eingehend kollationiert, kein Rückgaberecht.

Lot 333 Judaica – Perel’man, Osher
Birobidzhan. Hefte 1-4 (alles Erschienene). Mit konstruktivistischer Umschlaggestaltung und 1 Karte. Warschau, M. Finkielsztejn, 1934. 255 S. (fortlaufend paginiert). 14,5 x 11 cm. Illustrierte Original-Broschuren (etwas berieben, 1 Rücken mit Läsuren, 2 hintere illustrierte Umschläge fehlend und sauber (einfarbig) ergänzt).
Nachverkaufspreis 800 €
Erste Ausgabe. – Erschienen in jiddischer Sprache in der Serie: Groszen-Bibljotek, Nr. 186-188. – Seltene Heftfolge mit der Erzählung über den Aufbau der Hauptstadt der Jüdischen Autonomen Republik im Fernen Osten der Sowjetunion, die später aber auch als Grab des Zionismus bezeichnet wurde. – Der Autor der vorliegenden Reportage war 1934 Redakteur der jüdischen Tageszeitung “Der Moment” und engagierte sich für die Übersiedlung polnischer Juden nach Birobidzhan. – Etwas fleckig und gebräunt, wenige restaurierte Randfehlstellen.

Lot 334 Judaica – Psanter, Jacob
Maskereth “Zion” (Andenken “Zions”). Ein Auszug aus den im polnischen Jargon schon gedruckten Werkchen “Chronik” und “Romänische Judengeschichte”. – Triftige Nachweise: Wie lange die israelitischen Glaubensgenossen in den “Dacienprovinzen” ansässig sind. (Mit neuen, noch nicht gedruckten Notizen). Uebersetzt von Adolf Manuel Weitzenberg. Bukarest, Thiel & Weiss für den Verfasser, 1877. XVIII, 37 S. 20,5 x 13 cm. Bedruckter Original-Umschlag (Lichtränder, etwas fleckig).
Nachverkaufspreis 200 €
Selten, für uns nur in wenigen Bibliotheken nachweisbar, sämtlich in Deutschland. – Jacob ben Asher Zelig Psantir (1820-1901) war ausübender Musiker (Klezmer) und legte seine Forschungen zur Geschichte des rumänischen Judentums in den beiden im Titel genannten Werken nieder. – Zeitgenössischer hebräischer Besitzvermerk und Doublettenstempel auf dem Titel, Stempel auf dem Widmungsblatt wiederholt. Sehr gut erhalten.

Lot 335 Judaica – Scholem Gerhard
Qabbala. Das Buch Bahir. Kritische Neuausgabe von Gerhard Scholem.Mit Titelvignette nach einem Holzschnitt. Leipzig, Drugulin, 1923. 3 Bl. 171 S. 26 x 19,5 cm. Original-Halbleinwand (berieben und bestoßen).
Nachverkaufspreis 200 €
Quellen und Forschungen zur Geschichte der jüdischen Mystik. Im Auftrag der Johann Albert Widmannstetter Gesellschaft herausgegeben von Robert Eisler, Band 1. – Erste Ausgabe, selten. – Obere Ecke durchgehend mit Stauchspur, drei Blatt mit Randläsur, Vorsätze mit radierten Kritzeleien.

Lot 336 Judaica – Schwab, Löw
Rede zur Feier des Geburtstags Seiner Majestät des … Kaisers und Königs, Ferdinand I. (V.) gehalten in dem israelitischen Tempel zu Pesth, am 19. April 1840 von Löw Schwab. Pest, Gedruckt mit v. Trattner-Károlyischen Schriften, 1840. 32 S. 17,5 x 10,5 cm. Bedruckte Original-Broschur (etwas angestaubt). [*]
Zuschlag 200 €
Seltene erste Ausgabe. – Über KVK / WorldCat nur in Ungarn nachweisbar. – Löw (Löv) Schwab (1794-1857) war Oberrabbiner zu Pest. Der Sohn eines Hausierers war ab 1805 Talmudschüler beim mährischen Landesrabbiner in Nikolsburg und anschließend erfolgte in Preßburg seine Ausbildung zum Rabbiner. Von 1831 amtierte er als Rabbiner in Proßnitz, dann ab 1836 in Pest, wo er sich insbesondere für die Emanzipation der Juden in Ungarn engagierte. Der Bau der Großen Synagoge in Budapest ging auf seine Initiative zurück. – Die letzten Blatt leicht fleckig.

Lot 337 Judaica
Seder Haggadah shel Pesah bi-lashon ha-kodesh u-pitroni bi-lashon (Hebräisch). Mit zahlreichen Holzschnitt-Illustrationen. Venedig, 1740. 26 Bl. 32 x 22 cm. Halbleder der Zeit (berieben und bestoßen, Rücken mit kleinen Fehlstellen).
Zuschlag 650 €
Druck in Hebräisch und Judaeo-Italienisch. Die Titelseite in Rot und Schwarz gedruckt. Die Holzschnitte zeigen zum Teil Porträts von Moses, Aaron, David, Salomo, Eliah u.a. – Lt. Wiener, Bibliographie der Oster-Haggadah, Nr. 87 “sind Drucke nicht bekannt” – vgl. Habermann in: Roth, Jewish Art, p. 172 f. – Randläsuren, überklebte Fehlstellen, fleckig und fingerfleckig.

Lot 338 Judaica – Antisemitismus
Executio rebellium Francofurtii ad Maenum, XXVIII Febr. Anno Dn. MDCXVI. – Wahrhaffte abbildung der Echter zu Franckfort… Ohne Ort, 1616. Einblattdruck in Kupferstich zur Exekution der Rädelsführer des Fettmilch-Aufstands. 25,5 x 35,5 cm. [#]
Zuschlag 2600 €
Große Darstellung der Hinrichtung von Vinzenz Fettmilch auf dem Roßmarkt, darunter 7-zeiliger gestochener Text in deutscher Sprache. – Drugulin 1303. – Zeigt links das Brückentor mit den aufgespießten Köpfen von Fettmilch, dem Schneider C. Schopp, dem Schreiner C. Gerngros und Georg Ebaltt. Sehr seltener Druck, nach VD 17 (1:020563C) erschien das Kupfer auch in der erweiterten Ausgabe des “Diarium historicum…” von 1617, hier allerdings nur in einem Exemplar, bei den weiteren im VD 17 aufgeführten Exemplaren fehlt das Kupfer. – Etwas fleckig bzw. fingerfleckig, oben hinterlegter Einriss, in der Bildmitte minimales Loch. Verso zwei kleine Sammlerstempel “G. W. Günther in Nürnberg” (Lugt 1114).

Lot 339 Judaica – Antisemitismus
Exposition Le Juif et la France au Palais Berlitz. (Großer Ausstellungsführer). Mit Umschlaggestaltung von René Péron und 8 photographischen und 2 schematischen Illustrationen. Paris, Institut des questions juives, 1941. 30 S., 1 Bl. 25 x 20,5 cm. Zweifarbig illustrierte Original-Broschur (etwas fleckig, kleiner Zahlenstempel, vertikale Knickspur).
Zuschlag 480 €
Seltene erste Ausgabe. – Mit Beschreibung der Säle, Photodokumentation Ausstellungsschema. – Erschienen zur ersten und einzigen antisemitischen Ausstellung im faschistisch besetzten Frankreich, die unter der Ägide des ‘Institut d’étude des questions juives’ nach Vorbild der deutschen Ausstellung “Der ewige Jude” vom 05.09.1941 bis 15.01.1942 stattfand. Das Umschlagmotiv wurde auch für ein dreifarbiges Plakat der Ausstellung verwendet. – Etwas gebräunt. – Beigegeben: Recueil de 125 histoires juives. Aus der Serie: Pour rire quand même! N° 56. Courtes, comiques, faciles a apprendre et a raconter. Recueilles de Picojan (das ist der Herausgeber Jean Picot). Umschlagillustration von R. Favin. Paris, Jean Picot, 1939. 8 Bl. 27,5 x 18,5 cm. Illustrierte Original-Broschur – Leicht gebräunt, Deckel mit Händlerstempel und montiertem Preisschild.

Lot 340 Judaica – Antisemitismus
Exposition Le Juif et la France au Palais Berlitz. (Kleiner Ausstellungsführer). Mit 2 ganzseitigen Schemata. Paris, Institut des questions juives, 1941. 15 S. (inklusive Umschlag). 16 x 10,5 cm. Bedruckte Original-Broschur (leicht gebräunt).
Zuschlag 220 €
Erste Ausgabe. – Kurze Beschreibung der Säle und Ausstellungsschema. – Erschienen zur ersten und einzigen antisemitischen Ausstellung im faschistisch besetzten Frankreich, die unter der Ägide des Institut d’étude des questions juives nach Vorbild der deutschen Ausstellung “Der ewige Jude” vom 05.09.1941 bis 15.01.1942 stattfand. – Dazu: Youpino (parce q’il n’y aura plus de juifs). Durchgängig zeichnerisch illustriert. Paris, Nouvelles Éditions Francaises (NEF), ca. 1940. 12 S. 21 x 13,5 cm. Illustrierte Original-Broschur. – Leicht gebräunte, gut erhaltene Exemplare.

Lot 341 Judaica – Antisemitismus – Friedenheim, Caspar Joseph
Jehudi mibachus das ist der äußerliche Jud in Ansehung ihres dermaligen vermeintlichen Gottesdienstes und besonders in Absicht auf das ihnen so wichtige Stück Jom Kipur, das ist der Versöhnungstag und dessen dermaligen Feyer und Begehung bewiesen und vorgestellt. Würzburg, Selbstverlag, 1785. 125 S. 17 x 10 cm. Pappband der Zeit.
Zuschlag 300 €
Seltene erste Ausgabe des auch durch andere antisemitische Schriften bekannten Verfassers. – Über KVK nur in der UBn Würzburg und Heidelberg sowie im Metropolitankapitel Bamberg nachweisbar. – Vorsatz fehlt, teils leicht gebräunt, Titel mit Stempel einer alten Klosterbibliothek.

Lot 342 Judaica – Antisemitismus – Holzschuher, Johann Friedrich Siegmund
Die linke Massematten der houchlöbliche Jüdenschaft. E Pfillelich zon Unterrichtunn zor Erbauing fer unnere Leut. Die Spitzbubereyen und Gaunerstreiche der Juden und ihre verderblichen Umtriebe unter den Christen. Ein unentbehrliches Noth- und Hülfsbüchlein für Jedermann insbesondere für den Bürger und Landmann, sich vor Schaden und Unglück durch Juden zu bewahren, und ihren betrügerischen Kunstgriffen zu entgehen. Zur Belehrung und Warnung herausgegeben von I(tzig) F(eitel) Stern. Mit lithographiertem Frontispiz mit zwei szenischen Darstellungen und lithographiertem Titel. Meissen, Goedsche, 1833. VIII, 126 S., 1 Bl. 18 x 11,5 cm. Pappband der Zeit (leicht fleckig). [*]
Zuschlag 330 €
Goedeke XII, 535, 81a, 1a und XV, 1129, 8 (irrig 1834). – Der Richter und Schriftsteller Johann Friedrich Sigmund Holzschuher (1796-1861) veröffentlichte mehrere antisemitische Schriften im deutsch-jüdischem Jargon. – Neben einer Auflistung verschiedener angeblich von Juden begangener Betrügereien und Gaunereien und einigen jüdischen Anekdoten auch mit zwei Glossarien jiddischer und jüdisch-jenischer Begriffe der Gaunersprache. – Leicht gebräunt.

Lot 343 Judaica – Antisemitismus
Wahre Geschichte der gräulichen That, welche die Juden zu Ilzstadt-Passau an dem hochwürdigen Sakramente verübt haben. Ohne Ort, Drucker und Jahr (wohl Passau, um 1820). Einblattdruck mit 12 kleinen Holzschnitten, Holzschnitt-Bordüre und typographischem Text. Ca. 42 x 30 cm. [*]
Zuschlag 1300 €
Seltene Bekanntmachung zu der bekannten angeblichen Hostienschändung. Den in Passau im heutigen Ortsteil Ilzstadt ansässigen Juden wurde 1477 nachgesagt, eine geweihte Hostie mit einem Messer durchstochen zu haben, woraufhin aus ihr Blut geflossen sei. Die Angeklagten wurden verbrannt, die Juden aus Passau vertrieben, die Synagoge und das Judenviertel niedergerissen. Der Ablauf wurde auf einem Holzschnitt drastisch dargestellt, das für die angebliche Schändung benutzte Messer machte man zu einer Reliquie. 1479 wurde die St. Salvator als “Sühnekirche” errichtet, die als Wallfahrtsort der Pflege des kirchlichen Antijudaismus in Passau über mehrere Jahrhunderte diente. – Über KVK nur ein Exemplar im Stadtarchiv München zu ermitteln. – Auf dünnen Karton aufgezogen, oben und unten mit Fehlstellen (kleiner Verlust in der Bordüre und zwei Buchstaben des Titels), stellenweise fleckig, etwas gebräunt.

Lot 344 Judaica – Antisemitismus
Zwei französische antisemitische und antibolschewistische Publikationen mit den Illustrationen von Jean Chaperon.
Zuschlag 330 €
Enthalten: – I. Le Chancre … qui a rongé la France. Durchgängig illustriert von “Apis” (das ist: Jean Chaperon). Paris, Institut des questions juives, 1941-1942. 12 S. 11,5 x 9,5 cm. Beidseitig illustriertes Leporello. – Das antisemitische und antibolschewistische Pamphlet des für seine Unterstützung der Faschisten in Frankreich bekannten Zeichners wurde auf der Exposition Le Juif et la France verteilt. – II. Un bon francais (Jacobensky). Durchgängig illustriert von “ch. j-” (das ist: Jean Chaperon). Paris, G. Mazeyrie, 1930er Jahre. 16 S. (inkl. Umschlag). Illustrierte Original-Broschur. – Die Publikation dämonisiert die immigrierten Juden aus Osteuropa, denen man unterstellte mit List und Trug in Frankreich emporgekommen zu sein und nun ungeniert den Rahm abzuschöpfen. – Leicht gebräunt, minimal fleckig, gut erhalten.

Lot 345 Judaica – Antisemitismus
Zwei französische Publikationen gegen den Einfluss britischer Propaganda im besetzten Frankreich.
Zuschlag 300 €
Enthalten: I. BBC: Bobards, Boniments, Corporation. Dictionnaire à l’usage des auditeurs des émissions francaises de Radio-Londres. (Je sème le mensonge à tout vent). Umschlaggestaltung und weitere Illustrationen (davon 2 ganzseitig) von M. Mars-Trick. Paris, G. Mazeyrie, ca. 1944. 16 S. (inkl. Umschlag). 13,5 x 10,5 cm. Illustrierte Original-Broschur. – II. Ragots, bobards et racontars. Illustriert von “ch. j-” (das ist: Jean Chaperon). Paris, G. Mazeyrie, 1941(?). 12 S. (Leporello). 11,5 x 9,5 cm. – Chaperon illustrierte eine ganze Reihe propagandistischer Publikationen, insbesondere für das Comité d’action antibolchevique. – Leicht gebräunt und minimal braunfleckig.

Lot 346 Luxuspapiere
Album mit ca. 165 montierten englischen Luxuspapieren. Unterschiedliche Materialien und Techniken. Um 1895-1900. 24 x 30 cm. Halbeder der Zeit (berieben, bestoßen, etwas fleckig). [#]
Nachverkaufspreis 240 €
Überwiegend Karten zu Weihnachten und Neujahr, mit kleinen Kindern, niedlichen Tieren, Blumen, Naturszenen etc. Formate der Bilder: 3 x 6 cm bis 15 x 11 cm. – – Etwas gebräunt und fleckig, kleine Alters- und Gebetsspuren.

Lot 347 Luxuspapiere
Konturblumen. Brokatpapier. 1 Bl. Gaufrierter Goldfirnisdruck auf gelb gestrichenem Kleisterpapier. Florales Muster; Tulpen, Blumen, Blätter und Ranken. (Wohl: Augsburg, Johann Carl Munck), um 1790. Blattgröße: 36 x 41,5 cm. [#]
Zuschlag 200 €
Dominotierpapier von einer Holzmodel, die die ganze Fläche mit leuchtender Bronzefirnis bedeckt und im Negativdruck Konturen von Blumen an langen Stängeln freilässt. – Nicht signiert, aber doch eine sehr typische Arbeit von Munck. Vgl. Haemmerle 192ff. – Mittelknick, wenige Stellen minimal oxidiert, schöner, konturscharfer Druck in schillerndem Goldbronzefirnis. – Eine Ecke mit etwas Papierverlust, eine andere Ecke mit herstellungsbedingter Knickfalte.

Lot 348 Mode – Witte, Amalie.
Fasching. Masken- und Kostüm-Album. Mit 4 farbigen Tafeln und durchgehenden Schwarzweiß-Illustrationen im Art Déco-Stil, monogrammiert WKS. Leipzig, Vobach, um 1925. 32 S. 35,5 x 26 cm. Farbig illustrierter Original-Umschlag (gebräunt, kleine Randschäden, Rücken eingerissen). [*]
Nachverkaufspreis 200 €
Beiliegend: Masken-Album. No. 18. 24 lithographierte Tafelseiten, davon 14 koloriert. Berlin, G. Lyon, um 1925. 12 Bl. 40 x 27 cm. Farbig lithographierter Original-Umschlag (etwas fleckig und verknickt, Rücken eingerissen). – Beide Hefte etwas gebräunt.

Lot 349 Musik – Romani, Felice
Le Due Duchesse. Dramma semiserio per musica da rappresentarsi nell’ Imp. e R(eale) Teatro in via Della Pergola l’autunno del 1824. Sotto la protezione di … Leopoldo II. Gran-Duca di Toscana. Mit Holzschnitt-Titelvignette. Florenz, Fantesini, 1824. 54 S., 1 weißes Bl. 16 x 10,5 cm. Umschlag der Zeit.
Nachverkaufspreis 240 €
Der Librettist Romani hatte den im mittelalterlichen England spielenden Stoff erstmals 1814 für die gleichnamige Oper von Johann Simon Mayr bearbeitet und für die vorliegende Neuvertonung von Filippo Celli nur geringfügig verändert. Ballettmeister war Giovanni Galzerani. Das Libretto enthält nur den ersten Akt, zu Beginn Namensverzeichnis der Schauspieler, Tänzer und Musiker der Florentiner Aufführung. Beigegeben: Gedrucktes Libretto des zweiten Aktes von “Il Disertore per amor figliale”, 1811 von Gaetano Rossi ebenfalls für Mayr verfasst und hier von Galzerani als Ballett eingerichtet. – Frisch.

Lot 350 Musik – Scherber, Konrad
“Wo die Trauben reifen …” Ein Weinmärchen von Wilhelm Spreen. Musik von Konrad Scherber. Eigenhändige Kompositionsskizze mit mehrfachem Namenseintrag, unveröffentlicht. Ohne Ort, um 1920-30. Zusammen 47 meist abschnittsweise nummerierte S. Blaue Füllfeder auf gedrucktem Notenpapier mit Anstreichungen in Farbstift. 35 x 27 cm. Lose Doppel- und Einzelblätter.
Zuschlag 550 €
Enthält ausgeführte Gesangsstimmen mit zweistimmiger Begleitung für Vorspiel, 5 Akte und Nachspiel, mit Kopftiteln, Liedtexten, Tempoangaben, Regieanweisungen und weiteren Anmerkungen. – Scherber (Mainz 1876-1943 Nürnberg) war Journalist, Komponist, Geiger und Intendant an wechselnden Wirkungsorten, darunter Berlin, Wien, Bukarest, St. Petersburg und München. Bekannt wurde er 1908 durch die Vertonung der Operette “Der Petroleumkönig” von Polgar und Friedell. – Beiliegend: Ca. 20 weitere handschriftliche Liedvertonungen und Kompositionen von Scherber und aus seinem Umkreis, einige Hektographien und Kleindrucke in verschiedenen Formaten, darunter “Sein Brauner. Gedicht aus der Kriegszeit” von Spreen, die Vertonung Scherbers datiert Berlin, 8. IV. 1916. – Beilagen mit stärkeren Gebrauchsspuren, das “Weinmärchen” teils etwas fleckig und mit kleinen Randläsuren, sonst gut erhalten.

Lot 351 Musik – Wagner, Richard
Lithographiertes Faksimile eines eigenhändigen Dankesbriefes mit Unterschrift, vermutlich als Firmenwerbung für Steinway angefertigt. Datiert Hannover, 12.IV.1875, der Druck wohl wenig später. 12,5 x 20 cm. Am Oberrand auf Karton aufgelegt (größtenteils gelöst).
Zuschlag 200 €
Berühmter Dank Wagners für den zu einem Konzert in Hannover von Steinway geliehenen Flügel. Steinway wirbt noch heute auf seiner Website mit einer englischen Übersetzung der Zeilen. Veröffentlicht wurden sie bereits Januar 1878 in der “Deutschen Musik-Zeitung” (Jahrgang V, Nr. 1, S. 10). Danach war der Empänger der Steinway-Agent Wilhelm Geertz in Hannover, der Wortlaut: “Herzlichen Dank für den unvergleichlich schönen Steinway-Flügel, der jedenfalls eines besseren Klavierspielers werth ist, als Ihres sehr dankbaren Richard Wagners.” Wagner erhielt später in Bayreuth von Steinway einen Flügel zum Geschenk. – Faltspuren, stockfleckig.

Lot 352 Occulta – Block, Magnus Gabriel von
Verschiedene Anmerckungen über gegenwärtiger Zeiten Falsche Astrologische, Phantastische und Enthusiastische Prognostica, Wahrsagereyen und Prophezeyungen, Des Menschen Wesen und Wandel in gemein, Insonderheit aber Religions- und Staats-Sachen, vornemlichst in diesen Nordischen Ländern betreffend, Imgleichen Die 2te Zukunfft Christi, wie auch das letzte Ende der Welt. Gedruckt in Linköping, im Jahr 1708. Anitzo aus dem Schwedischen ins Teutsche übersetzet im 1711 Jahre. Mit 1 gefalteten Holzschnitt-Tafel. Stade, Heinrich Brummer, 1711. 12 Bl., 154 S., 3 Bl. 19 x 12 cm. Pappband der Zeit (berieben und bestoßen, Rücken mit Fehlstelle und Bezugsfehlstellen). [*]
Nachverkaufspreis 500 €
Seltene erste deutsche Ausgabe der scharfen Kritik an der Astrologie, Prophezeiungen und der angeblichen Zauberei durch den schwedischen Prediger, Mediziner und Alchemisten Magnus Gabriel von Block (1669-1722). – VD 18 1157528X. – Er wird auch aufgrund seiner Ablehnung der Lehren des Paracelsus zu den schwedischen Frühaufklärern gezählt. Block versuchte die kartesianische Kosmologie mit der Alchemie zu verbinden. – Verfasserangabe am Ende des Widmungsschreibens. – Die ersten und letzten Blätter im oberen Rand etwas feuchtfleckig, Block etwas gelockert, Vorsätze fehlen, Blatt A2 mit altem Sammlerstempel.

Lot 353 Occulta – Busch, Johannes
Außerordentliche Eröffnungen über die natürliche und geistige Beschaffenheit des Planeten Saturnus nebst dessen 3-getheiltem Ring’ und 7 Monden, so wie über die Beschaffenheit, das Grundsein und Leben der darauf befindlichen Wesen. Meißen, L. Mosché, 1855. XII, 164 S. 21 x 13,5 cm. Interims-Pappband der Zeit (etwas berieben und bestoßen). [*]
Zuschlag 300 €
Vollständig imaginierte Naturgeschichte des Saturn, mit Details zu Gewässern, Tieren, Pflanzen, Menschen und ihren Eigentümlichkeiten. – Innendeckel mit zeitgenössischem Vermerk “H. Bach, vom Herausgeber”, einige alte Bleistift-Marginalien zu den nicht besonders gekennzeichneten Abschnitten des Textes. – Etwas gebräunt und stockfleckig, zu Beginn und Ende stärker.

Lot 354 Occulta
Geheimer Gang menschlicher Machinationen in einer Reihe von Briefen. Rom, München und Barby (das ist: Frankfurt, Jäger), 1790. VI, 262 S., 1 Bl. 16 x 10 cm. Pappband der Zeit mit Rückenschild und etwas Rückenvergoldung (berieben, Ecken etwas bestoßen). [*]
Nachverkaufspreis 200 €
Erste Ausgabe. – Wolfstieg 23413 – Kloss 3394. – In einer Reihe von fingierten Briefen wendet sich der Verfasser gegen “Jesuitismus, Magnetismus, Proselitenmacherei und geheime Gesellschaften” und belegt eine angebliche Weltverschwörung unter Führung der Jesuiten. – Teilweise leicht gebräunt.

Lot 355 Occulta – Chiromantie – Raschig, Marianne
Hand und Persönlichkeit. Einführung in das System der Handlehre. 2 Bände. Mit 158 photographischen Negativ-Tafeln nach Handabdrücken, überwiegend mit einbelichteten Unterschriften der Träger. Hamburg, Enoch, 1931. 154 S., 1 Bl.; 2 Bl. 24 x 17 cm. Original-Leinenbände mit Rückenvergoldung und Original-Schutzumschlägen (diese mit deutlichen Randschäden). [*]
Zuschlag 200 €
Erste Ausgabe. – Raschig (1874-1938) gilt als führende deutsche Handleserin zwischen den Weltkriegen. Sie veröffentlicht hier genau analysierte Handabdrücke und Unterschriften zahlreicher Persönlichkeiten, darunter Brecht, Caruso, Corinth, Döblin, Einstein, Flechtheim, Furtwängler, Garbo, Gurlitt, Liebermann, Heinrich und Thomas Mann, Murnau, Max Planck, Schmeling, Slevogt, Strawinsky, Stresemann, Werfel, Zuckmayer, nicht zuletzt auch ihre eigenen. – Einige Bleistift-Marginalien im Text, Tafelband mit stenographischer Widmung auf dem Vorsatz und etwas stockfleckig.

Lot 356 Occulta – Hexen
Sieben abentheuerliche Sätze in der Geister-Lehre dieses aufgeklärten Jahrhunderts … Sendschreiben eines altglaubigen Theologen bey dem Tauberfluß, an seinen Freund einen Philosophen nächst dem Donaustrom. Ohne Druckort, 1770. 385 S. 21,5 x 17 cm. Schlichter Pappband der Zeit mit handschriftlichem Rückenschild (bestoßen, wasserfleckig). [*]
Zuschlag 550 €
Graesse, BMP 85 – Rosenthal 1916: “Verfasser tritt für den Hexenglauben ein und für den P. Gassner”. – Widerlegt aufgeklärte Thesen wie “Die Hexereyen ohne Bündniß mit dem Satan, ein ohnsträflicher Aberwitz”, “Die Zauberreyen, würckungslose Unternehmen”, “Die teuflichen Besitzungen jetziger Zeiten, entweder Betrug, oder Kranckheit, oder Einbildung”. – Zeitgenössischer Besitzvermerk und neuzeitlicher Stempel einer aufgelösten Klosterbibliothek auf dem Titel, streckenweise Wasserrand am Kopf, teils stockfleckig.

Lot 357 Occulta – Masonica – Beethoven, Ludwig van
Maurerfragen. Ein Lied für die Loge d(es) F(rères) c(ourageux) à l’O(rient) d(e) Bonn. Musik von Louis van Beethoven, unterlegte Worte von (Wegel)er. Bonn, N. Simrock, 1806. 3 S. in Kupferstich. Doppelblatt. 26 x 33 cm. [*]
Nachverkaufspreis 500 €
Plattennummer 452. – WoO117 – Kinsky-Halm 578 – Hirsch IV, 458 – Wolfstieg 41085. – Erstausgabe der Parodie Franz Gerhard Wegelers, spätere Auflage mit hinzugefügtem, französischem Text. – Wegeler schrieb das Maurer- oder “Gesellschaftslied” zunächst anonym 1806 für die Loge “Les Freres courageux a l’Orient de Bonn”, der auch Beethoven und Simrock angehörten. Die Veröffentlichung geschah wohl ohne Wissen Beethovens. – Unbeschnitten. Fleckig.

Lot 358 Occulta – Masonica – Bernigeroth, Johann Martin
Les Coutumes Des Francs-Maçons Dans Leurs Assemblees, Principalement Pour La Reception Des Apprentifs Et Des Maitres, Tout Nouvellement Et Sincerement Decouvertes. – Neu und aufrichtig entdeckte Gebräuche der Freymäurer bey ihren Versammlungen, besonders Bey Aufnahme ihrer Lehrlinge und Meister, nach dem in Deutschland noch nie gesehenen Französischen Original, aufs accurateste in Kupfer gebracht. Folge von 7 Kupfertafeln unter Passepartout, in der Platte nummeriert. Ohne Titelblatt. 22,7 x 32,3 cm (Plattenrand). Leipzig, zu finden bey dem Verfertiger, auf dem Neumarkt im Heinickischen Hause, neben der hohen Lilie, auch in Commißion zu haben bey B. C. Breitkopf, 1745. [#]
Nachverkaufspreis 1200 €
Sehr seltene und hochinteressante Tafelfolge, die Szenen aus dem Leben der Freimaurer zeigt. – Wolfstieg II, 34510 – Kloss 1855. – Fünf Tafeln zeigen die Stationen zur Aufnahme der Lehrlinge, zwei zur Aufnahme der Meister. – “Dedié au très sincère et très veridique Frère profane Leonard Gabanon Auteur du Catechisme des Francs-Maçons”. – Leonard Gabanon ist das Pseudonym für Louis Traverol (1698-1783), einem Violonisten an der Pariser Oper, der 1744 “Le Catéchisme des Francs-Maçons” publizierte. – Ohne das Titelblatt. – Stellenweise berieben und fleckig, selten mit kleinsten Fehlstellen im Rand (außerhalb des Plattenrandes), gelegentlich im Rand mit kleinen Löchlein (vermutlich durch Stecknadeln verursacht), knapp am Plattenrand beschnitten, teils etwas gebräunt, die Tafeln 2 und 7 verso mit Feuchtigkeitsrändern und das Blatt 2 verso mit längerem hinterlegten Einriss.

Lot 359 Occulta – Masonica
Kennzeichen der Jakobiner. Ohne Ort und Drucker, 1795. 200 S., 1 Bl. 14,8 x 9 cm. Pappband der Zeit mit Rückenschild (berieben). [*]
Zuschlag 200 €
Erste Ausgabe. – Reinalter, Aufgeklärter Absolutismus und Religion, S. 486 – Deutsche Freimaurer-Bibliothek Bayreuth, Nr. 4296 – Wolfstieg 42812: “Richtet sich gegen die Illuminaten”. – Scharfer Angriff auf die sich über Europa ausbreitenden Jakobiner mit Beschreibung ihrer Physiognomie und ihrer Ideen, um sie erkennen und bekämpfen zu können. – Die Jakobiner werden als ein “sträflicher Auswuchs des Illuminatenordens” bezeichnet, “so wie dieser ein sträflicher Auswuchs der Freymaurerey ist”. – Titel mit monogrammiertem Besitzvermerk von alter Hand, innen sauber.

Lot 360 Occulta – Masonica
Konvolut von 12 Rundschreiben der Weimarer Loge Anna Amalia zu den drei Rosen. Weimar, 1810-1823. Jeweils Doppelblatt, erstes Blatt recto und verso bedruckt. Quarto. [*]
Nachverkaufspreis 300 €
Nicht bei Wolfstieg. – Bemerkenswert das Schreiben vom 24. Juni 5821 (das ist: 1821); zum Schluss 6-zeiliger handschriftlicher Vermerk, signiert mit Paraphe “S” (wohl der Erste Aufseher F. W. Schwabe, 1780-1842, Hofmedikus am Weimarer Hof), dass in dem von ihm entworfenen Text das (im Text unterstrichene) Wort “Erbgroßherzogin” seiner Erinnerung nach hätte wegbleiben sollen. “Br. Bertuch (Friedrich Justin Bertuch, 1747-1822, zu diesem Zeitpunkt Dep. Meister) hat es aber dort stehen lassen. Br. v. Fritsch (Karl Wilhelm von Fritsch, 1769-1850, Meister vom Stuhl) war gegenwärtig als ich den Br. Bertuch darum bat”. – Teils etwas gebräunt, 1 S. mit Anstreichung.

Lot 361 Occulta – Masonica
Sammlung von ca. 75 Kleindruckschriften und Manuskripten aus Logen in Weimar, New Orleans, Frankreich, Belgien u.a. Spätes 18. und 19. Jahrhundert. Überwiegend Quart- und Folioformate. Lose. [*]
Nachverkaufspreis 300 €
Loge Anna Amalia Weimar. 4 gedruckte Zirkulare (zuzüglich 2 Doubletten) und 6 Handschriften, meist Redemanuskripte, 1812-76. – Darunter anonymes Redemanuskript zur Gedächtnisfeier am 24.10.1814 (7 S. in Klein-Quarto). – New Orleans. 3 Zirkulare der Grand Lodge of the State of Louisiana und 1 des Grand Chapter of Royal Arch. 1869-79. Von Hand unterzeichnet sowie gesiegelt oder gestempelt. – New York. The Royal Arch. Gedrucktes Zirkular auf Pergament mit Unterschriften. 1786. 1 S. in Folio (gefaltet, angestaubt, Randausschnitt). – Frankreich und Belgien. Ca. 25 gedruckte Anzeigen, Einladungen, Mitgliederverzeichnisse und Berichte verschiedener Logen, teils unterschrieben, handschriftlich adressiert oder ergänzt. – Ca. 35 weitere Kleindrucke, Briefentwürfe, Anzeigen, adressierte und gesiegelte Briefumschläge etc. Überwiegend deutsch, nur teilweise maurerischer Bezug. – Vielfach Randdefekte, sollte besichtigt werden, kein Rückgaberecht.

Lot 362 Occulta – Masonica – Weishaupt, Adam
Anzeige eines aus dem Orden der Frey-Maurer, oder der sogenannten Illuminaten, getrettenen Mitglieds in Bayern, über die Einrichtung und den Zweck dieser Gesellschaft; mit Anmerkungen. Sparta (das ist: Frankfurt), (ohne Drucker), 1786. 61 S. – Angebunden: Babo, Joseph Marius von. Ueber Freymaurer. Erste Warnung. Sammt zwey Beylagen. München, (ohne Drucker), 1784. 78 S. – Angebunden: Törring, Josef August von. Auch eine Beylage zur ersten Warnung über Freymaurer. München, (ohne Drucker), 1785. 32 S. – Angebunden: Cosandey, Johann Sulpitius Marquis de. Nöthige Aufschlüsse der in Bayern ausgebrochenen Verfolgungen gegen geheime Gesellschaften. Deutschland (das ist: Frankfurt), 1786. 29 S. 17 x 10 cm. Pappband der Zeit (etwas fleckig). [*]
Zuschlag 350 €
I. Erste Ausgabe, anonym erschienen. – Wolfstieg 42755 – nicht bei Goedeke und Pfister. – Befasst sich mit Joh. Sulpitius von Cosandey und dessen Schrift “Bekänntniß eines Freysingischen Geistlichen an seinen Bischof, die Illuminaten betreffend”. – II. Einer von mehreren Drucken im Jahr der ersten Ausgabe, anonym erschienen. – Wolfstieg 39793 – vgl. Kloß 3212-3214. – Anklageschrift gegen den bayerischen Illuminatenorden um Adam Weishaupt. – Joseph Marius von Babo, Verfasser zahlreicher bildkräftiger und bühnenwirksamer Ritterdramen, verdächtigt darin die Illuminaten der Verschwörung gegen den Staat, was zu deren offiziellem Verbot und zur Verfolgung ihrer Mitglieder führte. – III. Wolfstieg 42748. – IV. Van Dülmen 11 – Kloß 3227 – Wolfstieg 42753: “Selten.” – Teilweise leicht gebräunt. Insgesamt sehr gut erhaltener Sammelband mit vier wichtigen Schriften.

Lot 363 Occulta – Mystik – Überfeld, Johann Wilhelm
Ueber Wohlthätigkeit. Aus dem Herzen eines Menschenfreundes. Mit Titelholzschnitt (barmherziger Samariter) und durchgehenden typographischen Seitenrahmen. Ohne Druckort und -jahr, (um 1750?). 50 S., 1 Bl. 18 x 11 cm. Umschlag der Zeit (Rücken berieben und verblasst, am Kopf nachgeleimt).
Nachverkaufspreis 300 €
Anonym und für uns nur in der Oberlausitzischen Bibliothek der Wissenschaften Görlitz nachweisbar, dort Überfeld zugeschrieben und um 1750 datiert, die Kollation allerdings ohne das Schlussblatt. Es trägt recto den 1757 veröffentlichten Gellert-Spruch “Lebe so, wie du, wenn du stirbst, wünschen wirst, gelebt zu haben”, verso Entschuldigung für Druckfehler (beide Kurztexte ebenfalls in den kettenartigen Seitenrahmen). – Überfeld (1659-1732) war Schüler und Nachfolger Gichtels, er gründete in Leiden die erste Gichtelianische Hausgemeinschaft. – Schöner Druck auf holländischem Papier (Wasserzeichen J. Honig & Zoonen), frisch.

Lot 364 Occulta – Rosenkreuzer – Libavius, Andreas
Wolmeinendes Bedencken, von der Fama, und Confession der Brüderschafft deß Rosen Creutzes, eine UniversalReformation, und Umbkehrung der gantzen Welt vor dem Jüngsten Tag, zu einem irrdischen Paradeyß … betreffent. Auff erfordern und begehren etlicher fürnehmen Leute … gestellet. Frankfurt, P. Kopff, 1616. 294 S., 4 Bl. 16 x 10 cm. Alte blaue Kartonage, Rücken mit Goldpapier, darüber gedrucktes Rückenschild um 1800 (berieben und bestoßen). [*]
Zuschlag 1600 €
Erste Ausgabe, erschien gleichzeitig in Erfurt bei Röhbock. – Wolfstieg II, 42290 – Gardner 304 – Jouin 337 – VD17 14:050866B – Jöcher II, 2418 – Brüning 1146 – vgl. Kopp I, 45ff. – Die wichtigste zeitgenössische Schrift gegen die Rosenkreuzer. Wie alle Schriften von Libavius ist auch diese Polemik recht selten. – Der aus Halle stammende Autor (1555-1616) wirkte als “Medicus, Physicus und Chymicus” in Jena, Rothenburg ob der Tauber und Coburg. Unter anderem verfasste er 1597 ein Werk, das als erstes Chemie-Lehrbuch im heutigen Sinne bezeichnet werden kann (vgl. Duveen 356). – Exlibris “Ex Bibliotheca C.Van Baviere Facult. Juris Acad. Bruxell. a Secretis.” (Charles-Louis van Bavière, 1765-1815, Jurist und Sekretär der École de Droit in Brüssel). – Gebräunt, Titel mit drei kleineren Papierdurchbrüchen, etwas fleckig, einige Unterstreichungen von alter Hand in Tinte.

Lot 365 Postkarten
Drei Alben mit zusammen knapp 600 häufig farbigen Postkarten. Gesteckt. Um 1900-1920 (Deckel der Alben teils lose, bestoßen und beschabt). [*]
Zuschlag 650 €
Karten aus Asien und Afrika (Nordafrika), darunter sehr viele von Lehnert und Landrock aus ihren unterschiedlichen Produktionsphasen. Meist gelaufen, teils die Frankatur im Bildbereich (die meisten Karten gingen in die frankophone Schweiz). – Karten gelegentlich etwas berieben und knickspurig, insgesamt farbfrisch und recht gut.

Lot 366 Postkarten
Sechs Alben mit zusammen ca. 1900 häufig farbigen Postkarten. Gesteckt. Um 1900-1920 (bestoßen und beschabt, ein Albumrücken fehlend). [*]
Zuschlag 1300 €
Karten aus Asien, Afrika und Westeuropa (alleine ca. 350 aus England und Schottland). Kaum Genrekarten, überwiegend Karten nach Art der “Gruß aus”. Knapp die Hälfte der Belege sind farbig. – Karten meist gelaufen, bei gut einem Viertel befindet sich die Frankatur im Bildbereich (die meisten Karten gingen in die frankophone Schweiz). – Karten gelegentlich etwas berieben und knickspurig, insgesamt farbfrisch und recht gut.

Lot 367 Sport
Athletik. Illustrierte Zeitschrift für Schwerathletik. Jgge. 1952-54, 1961-62, 1964-68, 1970-74 und 1980-82. 18 Jahrgänge in 18 Bänden. Mit zahlreichen Abbildungen. Karlsruhe, 1952-1982. 31 x 23,5 cm. Einheitliche Halbleinwandbände der Zeit mit goldgeprägtem Rücken- und (meist) Deckeltitel (2 Rücken mit Läsuren). [*]
Nachverkaufspreis 200 €
Gut erhaltene Reihe – Nicht eingehend kollationiert, augenscheinlich komplett. Ohne Rückgaberecht.

Lot 368 Sport – Fußball
Die Fußball-Woche. Norddeutsche Ausgabe. 17. Jahrgang (erste Jahreshälfte). 26 Nummern in 1 Band. Berlin, Januar-Juni 1939. 30 x 22 cm. Original-Halbleinenband (stark bestoßen und fleckig, gelockert). [*]
Nachverkaufspreis 300 €
Dazu: Dasselbe. 15. Jahrgang (erste Jahreshälfte). Berlin, 1937. Original-Leinenband (fleckig und berieben). – Es fehlt das erste Blatt des ersten Heftes, weiter nicht kollationiert. – Beide Bände gebräunt. – Ohne Rückgaberecht.

Lot 369 Studentica
Sammlung von ca. 40 teils ankolorierten Porträts deutscher Studenten, ca. 1840-1860. Unterschiedliche graphische Techniken (meist Lithographie), Papiere und Formate (Altersspuren).
Zuschlag 1400 €
Oft recto mit handschriftlicher Widmung des Porträtierten unter der Darstellung und verso meist mit Bleistift-Marginalien zum Dargestellten oder zum Corps. – Keine Überschneidungen mit dem anderen Lot lithographierter Porträts. – Unterschiedlich gebräunt und braunfleckig, insgesamt recht gut.

Lot 370 Studentica
Sammlung von ca. 44 teils ankolorierten Porträts deutscher Studenten, ca. 1830-1860. Unterschiedliche graphische Techniken (meist Lithographie), Papiere und Formate (Altersspuren).
Zuschlag 1600 €
Oft recto mit handschriftlicher Widmung des Porträtierten unter der Darstellung und verso meist mit Bleistift-Marginalien zum Dargestellten oder zum Corps. – Keine Überschneidungen mit dem anderen Lot lithographierter Porträts. – Unterschiedlich gebräunt und braunfleckig, insgesamt recht gut.

Lot 371 Studentica
Sammlung von ca. 78 Silhouetten deutscher Studenten, ca. 1830-1860. Überwiegend Tusche, meist ankoloriert. Ca. 8 x 6 cm bis 11 x 9 cm. Aufwendig jeweils zu 7 bis 12 Stück neu unter Passepartout montiert (Altersspuren).
Zuschlag 4400 €
Hier Studenten der Unis Halle, Heidelberg, Jena, Leipzig und Marburg. – Oft recto mit zugesetztem Namen unter der Darstellung, teils mit handschriftlicher Widmung des Porträtierten. – Keine Überschneidungen mit den anderen Lots studentischer Silhouetten. – Unterschiedlich gebräunt und braunfleckig, insgesamt recht gut.

Lot 372 Studentica
Sammlung von ca. 85 Silhouetten deutscher Studenten, ca. 1830-1860. Überwiegend Tusche, meist ankoloriert. Ca. 8 x 6 cm bis 11 x 9 cm. Aufwendig jeweils zu 7 bis 11 Stück neu unter Passeartout montiert (Altersspuren).
Zuschlag 2600 €
Hier Studenten der Unis Aschaffenburg, Berlin, Bonn, Breslau, Göttingen und Greifswald. Oft recto mit zugesetztem Namen unter der Darstellung, teils mit handschriftlicher Widmung des Porträtierten. – Keine Überschneidungen mit den anderen Lots studentischer Silhouetten. – Unterschiedlich gebräunt und braunfleckig, insgesamt recht gut.

Lot 373 Studentica
Sammlung von ca. 87 Silhouetten deutscher Studenten, ca. 1830-1860. Überwiegend Tusche, meist ankoloriert. Ca. 8 x 6 cm bis 11 x 9 cm. Aufwendig jeweils zu 7 bis 11 Stück neu unter Passeartout montiert (Altersspuren).
Zuschlag 2600 €
Hier Studenten der Unis Heidelberg, Jena, Tharandt, München und nicht bestimmbare. – Oft recto mit zugesetztem Namen unter der Darstellung, teils mit handschriftlicher Widmung des Porträtierten. – Keine Überschneidungen mit den anderen Lots studentischer Silhouetten. – Unterschiedlich gebräunt und braunfleckig, insgesamt recht gut.

Lot 374 Zauberei – Kratky-Baschik, Anton
Des berühmten Kratky Baschik’s kleiner Hexenmeister oder Anleitung zur Erlernung von mehr als 200 der interessantesten Kunst- und Zauberstücke, welche ohne Instrumente auf leichte Art ausgeführt werden können, durch ihren schönen Erfolg allgemein überraschen und auf’s angenehmste unterhalten. Reutlingen, Bardtenschlager, 1856. 88 S. 13 x 10,5 cm. Halbleinwand der Zeit.
Zuschlag 600 €
Erste Ausgabe. – Für uns bibliographisch nicht nachweisbar, kein Nachweis über KVK. – Anton Kratky-Baschik (1821-1889) war Zauberkünstler, Schausteller und Erfinder von Musikinstrumenten. – Gebräunt.

Lot 375 Zaubern – Funk, Christlieb Benedict
Natürliche Magie oder Erklärung verschiedener Wahrsager und natürlicher Zauberkünste. Mit 13 gefalteten Kupfertafeln. Berlin und Stettin, Nicolai, 1783. XXIV, 270 S., 1 Bl. 19,5 x 12 cm. Halblederband der Zeit (berieben und bestoßen, Kapitale mit Fehlstellen). [*]
Zuschlag 300 €
Erste Ausgabe. – Clarke/Blind 30 – Poggendorff I, 818 – Ackermann I, 425 – Raabe, Nicolai, 325. – Interessante Sammlung chemischer und physikalischer Experimente, Rechen- und Zahlenkunststücke, Entfesslungskünste, Kartenkunststücke, über Wahrsagen, Onymantie, Hydromantie, Dechiffrierkunst, Übertragung von Sprache mittels parabolischer Spiegel, Geisterbeschwörung, zu Wünschelruten sowie mit einem Abschnitt über “die Kunst, Bilder zu beleben”: “Funk gives details for projecting ghosts and spectres with the aid of the magic lantern, in order to realise superstitions caused particularly by Schröder’s séances” (Hecht, Pre-Cinema History, 92). – Name und Stempel auf Vorsatz, sonst innen gut.

Lot 376 Zirkus – Circus Corty
Sammelband mit 89 meist gefalteten Plakaten und Programmzetteln des bekannten Circus. Zum Schluss ein weiterer Einblattdruck “Abschieds-Gruß zur Abreise des Circus Corty von München am 5. Juli 1882” mit einem launischen Gedicht des “Circus- und Theaterzettelträger Georg Bruckmüller”. München, 14.Mai – 5.Juli 1882. Plakate meist: 62 x 20 cm und 63 x 26 cm, das Plakat zum Premierentag: 100 x 82 cm. Programmzettel: 40 x 14 cm. Halbleinwand der Zeit (42 x 23 cm) mit montierten Rücken- und Deckeltiteln (etwas fleckig). [*]
Zuschlag 2400 €
Interessante Domumentation des kompletten Gastspiel des Circus Corty, der hier erstmalig in München auftrat. Der Prinzipal Pierre Corty (1814-1888) war der Schwiegervater des Dominik Althoff (1830-1887), der mit seiner Frau bei der Aufführung auch mitwirkte und auch als Regisseur genannt wird. Bei den Clown-Nummern wird auch schon der Enkel Pierre Althoff (1869-1924) genannt. Nach dem Tode Cortys ging das Unternehmen in den Besitz der Zirkusdynastie Althoff über. – Teilweise mit kleinen Einrissen bzw. Randläsuren.

Lot 377 Zirkus – Circus Herzog
Sammelband mit 142 (meist gefalteten) Plakaten und Programmzetteln des bekannten Circus. Zum Schluss Einblattdruck “Abschiedsgruß des Zettelträgers vom Circus Herzog!. München, 8. Dezember 1880 – 31. März 1881”. Plakate: 61 x 20 cm. – Programmzettel: 43 x 19 cm. Spätere Halbleinwand (37 x 23 cm) mit handschriftlichen montierten Rücken- und Deckeltiteln (etwas angestaubt). [*]
Zuschlag 1300 €
Interessante Dokumentation einer kompletten Saison des Circus Herzog. – Die Plakate in der Faltung teils eingerissen, wenige etwas stärker angerändert bzw. mit Randeinrissen.

Lot 378 Zirkus – Circus Lorenz Wulff
Sammelband mit 60 gefalteten Plakaten und 49 teilweise gefalteten Programmzetteln des berühmten Circus. München, 3.Januar – 12.März 1878. Plakate: 63 x 20 cm. Programmzettel: 46 x 16 cm. Halbleinwand (35 x 22,5 cm) der Zeit mit montierten Deckel- und Rückenschildern. [*]
Zuschlag 1300 €
Interessante Dokumentation des kompletten Gastspiels des Circus. – Der hervorragendste Vertreter der deutschen Kunstreiterfamilie Wulff war der Direktor Eduard Wulff, geboren am 26. Juli 1851 in Passau als Sohn des Zirkusbesitzers Lorenz Wulff; 1902 musste er Bankrott anmelden und seine Pferde an den tschechischen Zirkusdirektor Karel Kludský verkaufen. – Das erste Plakat mit Einriss, sonst sehr gut erhalten.

Lot 379 Zirkus – Ghelia-Tourniaire
Grosser olympischer Circus im großartigen Amphi-Theater am Karlsplatze. Die Kunstreitergesellschaft Ghelia und Tourniaire wird eine Reihenfolge von ritterlichen mimischen Darstellungen, und zwar von Tag zu Tag mit neuen Abwechslungen zu geben die Ehre haben. – Sammelband mit insgesamt 49 Plakaten (davon 1 auf Seide). München, 9. 12.1839 – 22.3.1840. 42 x 25,5 cm. Marmorierter Pappband der Zeit mit montierten handschriftlichen Deckel- und Rückenschildern (Rücken etwas berieben). [*]
Nachverkaufspreis 2000 €
Die beiden berühmten Kunstreiter-Familien waren über Felicitas Ghelia-Tourniaire, Gattin des Pietro Ghelia verwandtschaftlich verbunden; das Paar zeichnet hier gemeinsam als Direktoren auf den zu Beginn eingebundenen Seidendruck, der eine Auflistung der Kunstreiter und Bediensteten wiedergibt. Der Seidendruck schließt mit dem Hinweis “Der Tag, die Anfangsstunde, so wie die Preise werden mittelst eigenen Anschlagzetteln bekannt gegeben werden”. – Zwischengebunden ein kleiner Zettel mit Aufforderung zu einem Abonnement. Felicitas war die Tochter des Begründers einer Zirkus- und Kunstreiterdynastie, Jacques Tourniaire (1772-1829). Zu der interessanten Familiengeschichte siehe auch ausführlich: Saltarino, Artisten-Lexikon, S. 203-206.

Lot 380 Zirkus – Kreutzberg, G
Die große Königlich Niederländische Menagerie des Herrn v. Acken, jetzt im Besitz des rühmlichst bekannten Thierbändigers G. Kreutzberg ist hier eingetroffen und Einem hochgeehrten Publium zur Schau gestellt in der dazu eigends erbauten großem Bude vor dem Millernthore in St. Pauli. Hamburg, Wörmer, ca. 1850. Einblattdruck mit großen Holzschnitt. 45 x 35 cm. [*]
Nachverkaufspreis 500 €
Seltenes Plakat zu dem Gastspiel der Wandermenagerie des Gottlieb Christian Kreutzberg (1810 oder 1814-1874) in Hamburg. Der Tierschausteller Kreutzberg konnte durch den Erwerb der Tiere aus den Menagerien von Wilhelm van Aken und Anton van Aken eine ungewöhnliche Menge an wilden Tieren zeigen: Das Plakat listet u.a. auf: einen Riesen-Elefanten, einen Zwerg-Elefanten, sechs Löwen, Königstiger, Jaguar, Panther, Leoparden, sechs Hyänen, Bären, Strauße, Pelikane, Marabus, Lämmergeier, Schlangen, Lamas und ein Zebra. – Der Holzschnitt zeigt Kreutzberg selbst, inmitten eines Rudels zwar wilder, aber hier lammfrommer Raubkatzen. – Leicht fleckig, wenige kleine Randläsuren.

Lot 381 Zirkus – Menagerie Feldstein
Mit Hoher Obrigkeitlicher Bewilligung hat Unterzeichner die Ehre, auf seiner Durchreise, eine große Menagerie … zu zeigen. Die Menagerie befindet sich im Michelsohnchen Hause am Paradeplatz. (Unterzeichner) Feldstein. Mitau, 1858. Plakat mit 5 Holzschnitten. Blattgröße: 51 x 38 cm. [#]
Zuschlag 850 €
Seltenes Plakat des für uns nicht weiter nachweisbaren Menagerieunternehmens Feldstein. Gezeigt wurden u.a. ein chinesischer Bisamochse, Orang Utan, persischer Hirsch und sprechende Papageien. – Mittelfalte.

Lot 382 Zirkus – Menagerie van Aken
Große außerordentliche Vorstellung in der Menagerie der Catharina S. van Aken. Die Unterzeichnete hat die Ehre einem hohen Adel und einem geehrten Publicum … München ergebenst anzuzeigen … eine große Vorstellung Statt finden wird, bey welcher die vorzüglichste Dressur aller zahmen friedlichen Thiere sowohl, als die Zähmungs-Production der sämmtlichen Raubthiere, gezeigt, und sodann die interessante Thier-Fütterung vorgenommen wird. München, ca. 1837. Plakat mit großer Lithographie (25,3 x 37 cm) und typographischem Text. Blattgröße: 55 x 40,5 cm. [*]
Nachverkaufspreis 1000 €
Das außerordentliche Plakat führt vier Veranstaltungspunkte auf, mit teils längeren Beschreibungen: 1) Wird man zu den großen Löwen in den Käfig gehen. 2) Findet die Vorstellung der beyspiellosen Zähmung des Eisbären Statt. 3) Wird man die gewiß höchst bewunderungswürdige Abrichtung der gefleckten Hyäne zeigen. 4) Vor der Production werden auch die Känguruhs, das Zebra der Dauw und die Strauße vorgeführet werden. – Die Lithographie zeigt einen feinen Herrn (wohl Herman van Aken) in trauter Gesellschaft mit Eisbär, Löwe und Hyäne. – Vorstellung durch die Witwe des berühmten Menageriebesitzers Hermann von Aken (1797-1834); die geborene Katharina Sidonia Freiin Dubsky von Wittenau war die Tochter eines Wiener Wachsfigurenkabinett-Besitzers. Nach dem frühen Tod ihres Gatten führte sie die Menagerie noch einige Jahre weiter und heiratete dann den Österreicher Johann Colloredo-Saalfeld, einen kaiserlichen Hofrat und Gesandten. – Gering fleckig, teils leicht angerändert, mit kleiner Hinterlegung. Mit rotem Stempel “KPD” (Königliche Polizei Direction).