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Lot 345 Bruzen de la Martiniere
Fables héroïques, renfermant les plus saines maximes de la politique et de la morale. Avec des discours historiques. À l´usage du Prince des Asturies. Ornées de 60 belles estampes en taille douce gravées exprès. 2 Bände. Mit 2 gestochenen Frontispizes, 1 gestochenen Porträt und 60 halbseitigen Textkupfern. Amsterdam und Berlin, Jean Neaulme, 1754. 13 Bl., 232 S.; 3 Bl., 228 S. 16 x 10 cm. Rotbraune Lederbände der Zeit mit goldgeprägtem Rückentitel, reicher Rückenvergoldung und goldgeprägter Deckel-, Steh- und Innenkantenvergoldung sowie Ganzgoldschnitt (leicht berieben). [*]
Result 200 €
Brunet I, 551 – Barbier II, 414. – Innengelenke restauriert, teilweise leicht gebräunt, die beiden letzten Blatt von Band 2 mit restaurierten Randfehlstellen.

Lot 346 Almanache
Das letzte Taschenbuch auf das achtzehnte Jahrhundert. Ohne Kupfer. Pirna, Arnold und Pinther. (Zweiter Titel:) Die Menschlichkeiten der deutschen Musenalmanache auf das Jahr 1800. Ein nöthiger Anhang zu den Almanachen von Schiller, Reinhard, Voss, Becker Jakobi, Mohn, Lindemann und andern. Pirna, Arnold und Pinther, 1800. 3 Bl., 54 (recte 154) S. 15,5 x 9,5 cm. Halblederband im Stil der Zeit mit goldgeprägtem Rückentitel und Rückenvergoldung. [*]
After-Sale Price 200 €
Sehr seltene einzige Ausgabe des einzigen Jahrgangs. – Köhring S. 132 (gibt als Erscheinungsort Dresden an; ohne Nachweis) – Schwitalla, HAAB-Katalog Almanache 744 bzw. 780 – Musenalm 5: “Satirische, detailreiche Rezensionen von 10 Almanachen auf das Jahr 1800”. – Der Verfasser der ganz überwiegend kritischen, oft auch vernichtenden Rezensionen ist unbekannt geblieben. Besprochen werden jeweils ausschließlich die lyrischen Beiträge in Schillers “Musenalmanach für das Jahr 1800” (J. G. Herders hier anonym abgedrucktes Gedicht “Die Erscheinung” bringt ihn zu der Aussage “nur acht Tage vor dem Wahnsinn werden solche Missgeburten gearbeitet oder bewundert werden können.”, S.40), Reinhards “Göttingischer Musenalmanach”, W. G. Beckers “Almanach und Taschenbuch zum geselligen Vergnügen”, A. Lindemanns “Taschenbuch für weisen und frohen Lebensgenuss” (“literarischer Nothstall …, wo, um nur die Bogenzahl zu füllen, alles zusammengeschmiert worden ist …” S.93), Wilmans “Taschenbuch der Liebe und Freundschaft”, Mohns “Niederrheinisches Taschenbuch”, Jacobis “Ueberflüssiges Taschenbuch”, Langs “Almanach und Taschenbuch für häusliche und gesellschaftliche Freuden”, Neuffers “Taschenbuch für Frauenzimmer von Bildung” (der Jahrgang bringt neun Gedichte von Hölderlin, ein weiteres Pseudonym “Hilmar” und einige mehr aus dem Umkreis des “halbbekannten” Hölderlin. Fast alle Gedichte sind dem Kritiker “Schwabenarbeit und die geringe Gewandtheit in der Diction, der Zwang, den sich die arme Muttersprache gefallen lassen muss, verräth auch deutlich genug das Vaterland der Dichter” (S.125f.) und Voss’ “Musenalmanach”. – Etwas stockfleckig, leicht gebräunt, Außenblätter auf Stege gesetzt.

Lot 347 Arndt, Ernst Moritz
Sammelband mit 4 Flugschriften von Arndt. 1814-1815. 19,5 x 12 cm. Neuer Pappband mit Rückenschild.
Result 200 €
Enthält: I.: Was bedeutet Landsturm und Landwehr? Nebst einer Aufforderung an teutsche Jünglinge und Männer zum Kampfe für Teutschlands Freiheit, von Justus Gruner. Berlin, 1814. 32 S. – Vgl. Goedeke VII, 32. – II.: Noch ein Wort über die Franzosen und über uns. Leipzig, Rein, 1814. 46, 4 S., 1 Bl. – Goedeke VII, 49. – III.: Ueber künftige ständische Verfassungen Teutschland. Frankfurt, 1814. – Goedeke VII, 56. – IV.: Das Wort von 1814 und das Wort von 1815. Frankfurt, Eichenberg, 1815. 118 S. – Goedeke VII, 62. – Alle unbeschnitten und etwas gebräunt, teilweise alte Anstreichungen, Titel von Heft 2 mit alter Anmerkung, Titel von Heft 3 neu eingefalzt mit leichtem Buchstabenverlust.

Lot 348 Arnim, Ludwig Achim von und Clemens Brentano
Des Knaben Wunderhorn. Alte deutsche Lieder. Erster – Dritter Theil Und: Kinderlieder. Anhang zum Wunderhorn. In 3 Bänden. Mit 4 Kupfertiteln und 1 Kupfertafel. Heidelberg, Mohr u. Zimmer. Frankfurt, J.C.B. Mohr, 1806 (Band 1)/ Heidelberg, Mohr und Zimmer, 1808 (Bände 2, 3 und Anhang). 22 x 12 cm. Prachtvolle neue rote Ganzlederbände mit goldgeprägtem Rückenschild, reicher Rückenvergoldung, Zierbünden und Deckelbordüren mit dunkelgrünen Lederauflagen, Steh- und Innenkantenvergoldung. [*]
Result 4400 €
Erste Ausgaben. – Mallon, Arnim 27, 36-38 – Mallon, Brentano 17, 25-27. – Zu Band 1 (1806) ist ein Drucktitel bekannt, der hier fehlt, sonst mit allen Vor- und Druckhaupttiteln ungewöhnlich vollständig (laut Mallon ist kein Exemplar mit allen vollständigen Titeleien nachweisbar). – Ein Hauptwerk der deutschen Romantik, sehr selten mit allen Teilen in erster Ausgabe; gewöhnlich ist Band 1 in der zweiten Auflage von 1819 zu finden. – Die Sammlung wurde von der literarischen Öffentlichkeit mit Interesse verfolgt, war aber gleichwohl kein Verkaufserfolg. Goethe schrieb nach Erscheinen des ersten Teils: “Von rechts wegen sollte dieses Büchlein in jedem deutschen Hause, wo frische Menschen wohnen … zu finden seyn, um aufgeschlagen zu werden in jedem Augenblick der Stimmung oder Unstimmung”. Heine lobte begeistert: “Dieses Buch kann ich nicht genug rühmen; es enthält die holdseligsten Blüthen des deutschen Geistes, und wer das deutsche Volk von einer liebenswürdigen Seite kennen lernen will, der lese diese Volkslieder.” – Teilweise etwas stockfleckig. – Beiliegend: Der erste Band in einem roten Halbleineneinband (um 1900) mit Rückenvergoldung in der wichtigen zweiten Auflage (nur dieser erschien in zwei Auflagen) aus der Bibliothek des namhaften Bibliophilen Ernst Magnus. Dessen goldgeprägte Initialen auf dem Rücken und Exlibris auf dem Innendeckel.

Lot 349 Barockliteratur – Canitz, Friedrich von
Gedichte, mehrentheils aus seinen eigenhändigen Schrifften verbessert und vermehret, mit Kupfern und Anmerckungen, nebst dessen Leben, und einer Untersuchung von dem guten Geschmack in der Dicht- und Rede-Kunst, ausgefertiget von Johann Ulrich König. Dritte Auflage. Mit gestochenem Frontispiz, 2 gestochenen Porträts und 1 gestochenen Kopfvignette. Berlin, Haude und Spener, 1750. LXXX, 476 (recte 472) S., 3 Bl. 19,5 x 12 cm. Roter Ganzmaroquinband im Stil der Zeit mit goldgeprägtem Rückenschild, reicher Rückenvergoldung und goldgeprägten Deckel-, Steh- und Innenkantenfileten. [*]
After-Sale Price 240 €
Dritter Druck der von J. U. König besorgten Ausgabe. – Goedeke III, 346, 2, o – Dünnhaupt 6, 8. – Enthält wieder die umfassende Lebensbeschreibung des Dichters von J. U. König. – Rudolph Ludwig von Canitz (1654-1699) versuchte den “Schwulst der Zeit” zu meiden und einen “einfacheren Ausdruck” zu finden. – Mit dem berühmt gewordenen Anhang “Untersuchung von dem guten Geschmack”, in denen der sächsische Hofpoet König Stellung zu den ästhetischen Forderungen der Schweizer Bodmer und Breitinger bezieht. – Das schöne Frontispiz im unteren und linken Rand knapp beschnitten mit leichtem Verlust, sonst überaus sauberes und prachtvoll gebundenes Exemplar.

Lot 350 Barockliteratur – Guarini, Battista
Des Sinnreichen Ritters Baptistae Guarini Pastor Fido, oder: Trauer- und Lust-Spiel, der Getreue Schäfer genannt, von Ihme weyland zu Bedienung des Hochfürstlichen Savoyschen Beylagers, in Welscher Sprache auf den Schau-Platz gebracht; itzo aber auf vielfältigs Ansinnen guter Freunde, in zerstreueten Reimen, Deutsch übersetzet (von Hoffmann von Hofmannswaldau). Breslau, 1678. 5 Bl., 170 (recte 180) S. 17,5 x 10 cm. Lederband der Zeit mit rotem Rückenschild und reicher Rückenvergoldung (etwas berieben, Deckelbezug mit Wurmspuren). [*]
After-Sale Price 240 €
Erste Ausgabe dieser Übersetzung. – Goedeke III, 1, 269, 3 – VD 17 23:235522Y. – Gebräunt.

Lot 351 Barockliteratur – Guevara, Antonio de
Opera omnia historica-politica. I. Güldene Send-Schreiben. II. Fürstliche Weck-Uhr und Lust-Garten. III. Mißbrauch des Hof- und Lob des Land-Lebens. IV. Der wolgezierte Hofman, oder Hof-Schuhl. V. Von Gastereyen und Zutrincken. In welchem viel schöne, subtile, Politische und Moralische Discursen … begriffen. In Drey Theil abgetheilt. … Durch Herrn Aegidium Albertinum … auß der Hispanischen Sprach versetzt. Anjetzo auffs neu übersehen: zu mehrerm Verstand und Nachrichtung von unzahlbaren frembden und in gemeiner Sprach unannehmlichen Worten corrigiert, verbessert sambt einem vollkömmlichen Register gemehret. 3 Teile in einem Band. Frankfurt, Schönwetter, 1716. 7 Bl., 695 S., 362 S., 207 S., 2 Bl. 21 x 18 cm. Blindgeprägter Pergamentband der Zeit über Holzdeckeln mit 1 (von 2) Schließe (etwas berieben). [*]
Result 300 €
Vierte und letzte Ausgabe von Aegidius Albertinus’ Übersetzung. – Dünnhaupt I, 237, 53, 4 – Hayn-Gotendorf II, 704. – Enthält auch de Guevaras (Bischof von Modena und Hofprediger Karl V.) beliebten Fürstenspiegel “Reloj de principes”, welcher außer Lebensregeln zu allen möglichen Anlässen auch vieles über Kinderpflege, Erziehung und speziell auch gynäkologische und kosmetische Ratschläge enthält. – Ohne Frontispiz. – Titelblatt im unteren Rand etwas knapp beschnitten, durchgehend unterschiedlich gebräunt.

Lot 352 Barockliteratur – Neukirch, Benjamin (Hrsg.)
Herrn von Hoffmannswaldau und anderer Deutschen auserlesener und bißher ungedruckter Gedichte erster (- dritter) Theil (von 7). Nebst einer Vorrede von der deutschen Poesie. 3 Teile in 1 Band. Mit gestochenem Frontispiz. Leipzig, Fritsch, 1697-1703. 18 x 10 cm. Pergamentband der Zeit mit altem handschriftlichen Rückentitel (etwas fleckig und gebräunt, Gelenke etwas angeplatzt). [*]
After-Sale Price 200 €
Dünnhaupt 1.I.4, 1.II.4 und 1.III.1 (unter B. Neukirch, mit weiteren bibliographischen Angaben) – Goedeke III, 269, 5. – “Die von ihm ins Leben gerufene sogenannte Neukirchsche Sammlung ist als die bedeutendste Anthologie spätbarocker Lyrik anzusehen” (Dünnhaupt IV, 2937). – Vorsatz mit Ausschnitt, wenige alte Anstreichungen, teilweise leicht braunfleckig.

Lot 353 Barockliteratur – Opitz, Martin
Gedichte. Von J(ohann) J(acob) B(odmer) und J(ohann) J(acob) B(reitinger) besorget. Erster Theil (alles Erschienene). Zürich, Conrad Orell und Comp., 1745. 16 Bl., 87, 692 S. 21 x 13,5 cm. Halblederband der Zeit mit 2 farbigen Rückenschildern und reicher Rückenvergoldung (etwas berieben, Ecken etwas bestoßen). [*]
Result 240 €
Erste Ausgabe dieser Edition. – Dünnhaupt 3013, 14, 1 – Faber du Faur I, 234 – Katalog Manheimer 287 – Goedeke III, 50, 90 (ohne die 87 S. “Buch von der Poeterey”). – An den Anfang bzw. nach den Vorreden beigebunden ist Opitz’ “Buch von der Deutschen Poeterey”, das manchmal fehlt, obwohl es als fester Bestandteil in der Vorrede angekündigt wird. – “Nichts ist bezeichnender für die fortdauernde Bedeutung des Opitz, als daß in dem Kampfe der Schweizer gegen Gottsched beide Parteien gewissermaßen sich auf ihn berufen, eine kritische Ausgabe seines Werkes unternahmen. Daß der Bodmerische Plan sich nicht erfüllte, ändert an der Tatsache nichts – macht aus dem einzigen erschienenen Band nur ein um so merkwürdigeres Zeugnis der Verehrung und ein sehr selten anzutreffendes dazu” (Wolfskehl). – Eine Fortsetzung unterblieb, da im folgenden Jahr der Gottschedianer D. W. Triller eine vierbändige, reich illustrierte Gesamtausgabe der Gedichte veranstaltete und damit dem anspruchsvollen Unternehmen der Schweizer den Markt entzog. – Alter Stempel auf dem Titel (“Schloss Püchau”), Wurmspuren in der unteren Ecke des Innendeckels, daher fehlende Ecke am Vorsatz und kleine Löcher in der unteren Ecke des Titels. Sonst innen frisch und nahezu fleckfrei. Dekorativ gebunden.

Lot 354 Barockliteratur – Pfeiffer, Johann Georg (Pseudonym: Graziani Agricolae Auletis)
Sonderbahre Reisen in unbekandte Länder, aus richtig gehaltenen Diariis, auffgezeichneten Anmerckungen, und angemerckten Entdeckungen, theils zum eigenen Zeit-Vertreib; theils aber auch zum Vergnügen anderer Liebhaber abgefasst und an das Licht gestellet. 3 Teile in 1 Band. Gedruckt zu Hanochia (das ist: Bremen, Saurmann?), 1721-1722. 17,3 x 9,5 cm. Halblederband im Stil der Zeit mit Rückenschild und Rückenprägung. [*]
Result 2200 €
Erste und einzige Ausgabe der seltenen fiktiven Reisebeschreibung in drei Teilen. – Jantz 1983 (nur Teil I) – Winter, Compendium Utop. 116, 2 und 128, 1 – Hayn-Gotendorf I, 140: “Sehr rar.” – Holzmann/Bohatta, Pseudonyme S. 21 – Weller, Druckorte I, 70 – nicht bei Goedeke und Faber du Faur. – Pars I. Von der Reise in Ophir. Gedruckt zu Hanochia, in der Ophirischen Landschafft Canaan, 1721. 152 S. – Pars II. Von der Reise in Crapulien. Gedruckt zu Pazziville in der Crapulischen Landschafft Moronia, 1722. 444 S., 1 Bl. – Pars III. Von der Reise in den Staat der Sevaramben. Gedruckt zu Sidenberg in der Sevarambischen Landschafft Osmasiens, 1722. 351, 39 Bl. (Register). – Offensichtlich wurde der erste Teil auch einzeln verkauft (so in der Jantz-Collection, Harvard, und in einigen deutschen Bibliotheken). – Zu dem Autor finde wir außer den Lebensdaten (ca. 1685-1723) lediglich den Hinweis, er sei Bibliothekar in Braunschweig gewesen. Er legte seinem eigenen Werk namentlich drei berühmte Utopien zu Grunde und verbindet und schreibt sie fort in Form einer Reisebeschreibung in diese fiktiven Länder. Der Verfasser erweist sich damit einerseits noch ganz dem Barock und dessen Idealbild des Universalgelehrten verhaftet, gehört andererseits aber in den Schlüssen, die er zieht, bereits der beginnenden Frühaufklärung an. Sein Menschenbild, das dem Irrationalen wesentliche Berechtigung zugesteht, wirkt erstaunlich modern. – Wurmgang bzw. Wurmloch in den Teilen 2 und 3, teils mit etwas Buchstabenverlust, teils hinterlegt, nur teilweise etwas stärker gebräunt. Gutes und vollständiges Exemplar.

Lot 355 Barockliteratur – Praetorius, Johannes (das ist: Hans Schultze)
Philosophia colus oder Pfy lose Vieh der Weiber darinnen gleich hundert allerhand gewöhnliche Aberglauben des gemeinen Mannes lächerig wahr gemachet werden: die kurtze Zeit zu verlängern und die lange Zeit zu vertreiben auffgesetzet durch MJciPSaM (Kryptonym: Magister Johannes Praetorius, Semno-Marchita). Leipzig, Johann Barthol Oehler. Arnstadt, gedruck bey Caspar Freyschmieden, 1662. 4 Bl., 221 (recte 223) S. Neuer Halbpergamentband. [*]
Result 1200 €
Sehr seltene erste Ausgabe, eine Titelauflage erschien 1678. – Dünnhaupt 11.1 – Goedeke III, 238, 3 – Hayn, Praetorius 83 – Faber du Faur 745c – Seebass I,762. – Im VD 17 sind nur sechs Standorte in Deutschland nachgewiesen, dabei sind die in Wolfenbüttel und Weimar unvollstständig. – “Sehr selten wie alle die kuriosen Werke des Praetorius … In diesem Traktat führt er 100 abergläubische ‘Lehrsätze’ mit grobem Humor ad absurdum.” (Seebass, N.F. 756). – J. Praetorius (eigentlich Hans Schulze; 1630-1680) trieb in Leipzig naturwissenschaftliche Studien, promovierte 1653 zum Magister, wurde bereits 1659 zum Poeta laureatus erkoren. “Noch vor Erreichung des dreißigsten Lebensjahres nahm er permanenten Wohnsitz im Paulinum (wo auch die Universitätsbibliothek untergebracht war) und verbrachte hier … das ganze Leben in emsiger Sammeltätigkeit … bis er am 25. Oktober 1680 einer Pestepidemie zum Opfer fiel. … Heute kennt man ihn vor allem als Entdecker und Kompilator der Rübezahlsagen, doch schon seit Grimmelshausen boten seine Werke ganzen Generationen deutscher Dichter (darunter Goethe, Schiller, die Brüder Grimm) unerschöpfliches Material. Brentano besaß nicht weniger als fünfzehn Werke von Praetorius in seiner Privatbibliothek.” (Dünnhaupt S. 3145).- Teils etwas feuchtrandig und etwas fleckig, Ecken teils mit Knickspuren, papierbedingt gebräunt.

Lot 356 Barockliteratur – Rist, Johann
Poetischer Schauplatz, auff welchem allerhand Waarem, gute und böse, kleine und grosse, Freude und Leid-zeugende zu finden. Mit illustriertem Kupfertitel und 2 (wiederholten) gestochenen Vignetten. Hamburg, Werner, 1646. 37 nn. Bl., 320 S., 1 nn. Bl. 15,7 x 9,5 cm. Pergamentband der Zeit (Deckel etwas gewellt, teilweise gebräunt). [*]
Result 400 €
Seltene erste Ausgabe. – Goedeke III, 83, 22 – Dünnhaupt V, 3395, 33 – Faber du Faur 390. – Sammlung überwiegend weltlicher Lyrik, Lieder und Gelegenheitsdichtungen mit der wichtigen Vorrede über den Stand der zeitgenössischen Lyrik, in der Rist sich außerdem mit seinen Kritikern auseinandersetzt und die Leistung von Opitz u.a., würdigt. – Vorsatz fehlt, der gestochene Titel etwas angerändert, gebräunt und im Rand hinterlegt, alte Unterstreichung, wenige alte Anmerkungen, leicht gebräunt.

Lot 357 Barockliteratur – Weise, Christian
Curiöse Gedancken von Deutschen Versen, welcher gestalt ein Studierender in dem galantesten Theile der Beredsamkeit was anständiges und practicables finden sol, damit er gute Verse vor sich erkennen, selbige leicht und geschickt nachmachen endlich eine kluge Maße darinn halten kan: wie bißhero die vornehmsten Leute gethan haben, welche von der klugen Welt nicht als Poeten, sondern als polite Redner sind estimirt worden. 2 Teile in 1 Band. Mit einem Kupfertitel und 3 Notenbeispielen in Typendruck. Leipzig, Johann Friedrich Gleditsch, 1692. 7 Bl., 463, 224 S. 16 x 9 cm. Pergamentband der Zeit mit handschriftlichem Rückentitel (etwas angestaubt und fleckig). [*]
Result 1000 €
Erste Ausgabe. – Dünnhaupt 118, 1 – Goedeke III, 24, 39.a und 39.d und 279, 21 (hier irrig: 1691) – Faber du Faur 1629a (nur 2. Auflage) – Wolfskehl 435 (ebenso). – Sehr seltene erste Ausgabe dieser “wichtige(n) poetologische(n) Abhandlung. Weise hält Poesie ‘an sich’ für unakzeptabel. Ihr Wert liege vielmehr gerade darin, den moralischen Lehren angenehme Gestalt zu verleihen. Tl. 1 erläutert die Grundlagen der Poesie; Tl. 2 bietet praktische Anleitung und zahlreiche poetische Beispiele; mit Noten.” (Dünnhaupt). – Gleichmäßig leicht gebräuntes Exemplar.

Lot 358 Barockliteratur – Weise, Christian
Der Grünen Jugend nothwendige Gedancken, denen uberflüßigen Gedancken entgegen gesetzt und zu gebührender Nachfolge, so wol in gebundenen als ungebundenen Reden allen curiösen Gemüthern recommendirt. Mit 1 Kupfertitel. Leipzig, Johann Fritzsche, 1675. 7 Bl., 304 S., S. 305 – 687 S. 17 x 9,5 cm. Pergamentband der Zeit (leicht angestaubt). [*]
Result 700 €
Erste Ausgabe. – Dünnhaupt 30, 1 – Goedeke III, 279, 5a (ungenau) – Faber du Faur 1616 – Wolfskehl 431. – Bemerkenswert frisches, wohlerhaltenes Exemplar der “höchst seltenen ersten Ausgabe. Mit diesem, in vieler Hinsicht bedeutsamen Werk wollte Weise den offenbar nicht überall günstigen Eindruck, den sein Erstlingsopus, die Überflüssigen Gedanken der grünen Jugend von 1668 … gemacht hatte, abschwächen. … Dieses Buch enthält im ersten Teil (S.1-304) die seit etwa 1668 in Weises Leipziger- und vor allem Weißenfelser Zeit entstandenen lyrischen Gedichte, größtenteils Gelegenheitsgedichte auf Personen, auf Hochzeits- und Geburtstagsfeiern, auf Begräbnisse usw. Manches davon ist als Libretto für musikalische Kompositionen gedacht. (Eitner X, 215 hebt an Weise besonders hervor, dass er ‘Komponisten bewog, seine Gedichte in Musik zu setzen.’). Der zweite Teil (S.305-433) enthält eine Poetik in Prosa mit zahlreichen Gedichtbeispielen (aus Weises Feder), in der Weise seine Gedanken über Vers- und Reimkunst, Rhetorik, Wort- und Fremdwortgebrauch in der lyrischen Poesie entwickelt; … S.350ff. wird einiges über das Verhältnis von Poesie und Komposition gesagt” (Seebass I, 1807). – Der übergroße Kupfertitel ca. 1 cm eingefaltet und außen außerhalb der Abbildung etwas ausgefranst, zeitgenössischer Name auf dem Titel, älterer Namensstempel auf dem Vorsatz, vereinzelt leicht fleckig. Sehr gutes Exemplar.

Lot 359
Beaux and Belles of England. 29 Bände. Mit zahlreichen (teils farbigen) Tafeln. London, The Grolier Society, 1900. 23 x 15,5 cm. Dekorative schwarze Halblederbände der Zeit mit reicher floraler Rückenvergoldung und goldgeprägten Rückentiteln (etwas berieben, Ecken teils bestoßen).
Result 400 €
Eins von 1000 Exemplaren der “Edition de Luxe”. – Mit teils zweibändigen Biographien bzw. Autobiographien von Laurence Sterne (2), Mary Wortley, The Sheridans (2), Mrs. Jordan (2), Lady Hamilton und Lord Nelson (2), Beau Nash, Beau Brummel (2), Fanny Burney, Charles James Fox, Horace Walpole, Count de Grammont, Lord Chesterfield (2), Colley Cibber (2), Mary Robinson, Lady Blessington, Nell Gwyn, Sarah Siddons (2), Peg Woffington (2) und Captain Gronow (2). – Unbeschnitten. – Stellenweise etwas braunfleckig.
One of 1000 copies of the Edition de Luxe. – 29 vols. With numerous, partly col. plates. Orig. black half calf, richly gilt (some rubbing). – Uncut. – Occasional browning else a very good set in decorative bindings.

Lot 360 Berlin – Brennglas, Adolf (das ist: Adolf Glasbrenner)
Berlin wie es ist und – trinkt. Hefte 1-30 in 32 Heften in 3 Bänden. Verschiedene Auflagen. Mit 31 (von 32) kolorierten lithographischen Frontispizes. Berlin und Leipzig, (verschiedene Verlage), 1835-1849. 15,2 x 10 cm. Halbleinwandbände (um 1900) mit goldgeprägtem Rückentitel.
After-Sale Price 240 €
Hayn-Gotendorf I, 266 (nennt 33 Hefte). – Heft 6 erschien in drei Lieferungen jeweils mit eigenem Titel und Frontispiz. – Die schön kolorierten Frontispizes teilweise von Th. Hosemann. – Wenige Original-Umschläge beigebunden. – Es fehlt das Frontispiz zu Heft 29. – Teilweise etwas gebräunt. Gutes Exemplar.

Lot 361 Berlin – Brennglas, Adolf (das ist: Adolf Glasbrenner)
Buntes Berlin. 1.-14. Heft (alles Erschienene) in 1 Band. Mit beigebundenen lithographischen Umschlag-Illustrationen von Theodor Hosemann. Berlin, Hofmann bzw. Plahn, 1838-1853. 17 x 10,5 cm. Halblederband (um 1880) mit goldgeprägtem Rückentitel und Rückenvergoldung.
Result 650 €
Hayn-Gotendorf I, 267: “Satyrisch-parodistische Dialoge (Lokalpossen etc.) im Berliner Dialekt – ‘Die Original-Umschläge mit Hosemann’s charakteristischen Zeichnungen enthalten Scenen und Figuren aus den zugehörigen Heften und kommen so Textabbildungen gleich.’ (Liebisch, Cat. 144. no.1230).” – Es fehlt die vordere Illustration zu Heft 5. – Etwas stockfleckig bzw. gebräunt.

Lot 362 Berlin – Fränkel, Albert und Ludwig Köppen
Berliner Skizzen. Bilder und Charakteristiken aus dem Leben der Gesellschaft. 3 Bände in 1 Band. Mit 2 lithographischen Tafeln. Berlin, Rieß, 1846. 18 x 11 cm. Halblederband der Zeit mit goldgeprägtem Rückentitel und etwas Rückenvergoldung (leicht berieben).
Result 260 €
Seltene erste Ausgabe. – Hayn-Gotendorf I, 262: “Vergriffen u. selten!”. – Mit Titeln wie: “Das Schenkmädchen”, “Zwei geheimnnisvolle Personen”, “Die Familie des Trunkenbolds”, “Er hat sein Glück gemacht”. Der 3. Band unter dem Titel “Aus dem modernen Bürger- und Handwerkerleben”. – Nur teilweise leicht gebräunt. Gutes Exemplar.

Lot 363 Berlin – Lenz, Ludwig und Ludwig Eichler
Berlin und die Berliner. Genrebilder und Skizzen. Hefte 1-3 und Neue Folge Hefte 1-5 (alles Erschienene) in 1 Band. Mit 8 lithographischen Frontispizes nach Federzeichnungen von Theodor Hosemann. Berlin, Klemann, 1840-1842. 16,5 x 10 cm. Halblederband der Zeit mit goldgeprägtem Rückentitel und Rückenvergoldung (etwas berieben, Gelenke etwas angeplatzt).
Result 550 €
Erste Ausgabe. – Hayn-Gotendorf I, 292: “Vorzügliche, humorvolle Blätter des beliebten Künstlers, den man wohl mit Recht den deutschen Gavarni nennen darf. – Alle 8 Hefte zus. von größter Seltenheit!”. – Beigebunden: Sieben weitere Hefte mit Berliner satyrischen Schriften. – Teilweise leicht gebräunt.

Lot 364 Berquin, Arnaud
Idylles. 2e édition. 2 Teile in 1 Band. Mit gestochenem Titel und 24 Kupfertafeln von Gaucher, Delaunay, Lebeau, Masquelier, Ponce u.a. nach C. P. Marilier. Paris, Ruault, 1775. VI, 53 S., 70 S., 1 Bl. 14,5 x 9,5 cm. Roter Ganzmaroquinband (ca. 1880, signiert “Sourlier”) mit goldgeprägtem Rückentitel, Stehkantenvergoldung, reicher floraler Innenkantenbordüre sowie Ganzgoldschnitt. [*]
After-Sale Price 200 €
Zweite Ausgabe, im gleichen Jahr wie die erste Ausgabe und ebenfalls mit den schönen Kupfern nach Marilier. – Sander 126 Anmerkung – Cohen/Ricci 139: “Figures d’une grâce ravissante.” – Kollation von der bei Cohen/Ricci genannten Erstausgabe leicht abweichend. – Teilweise leicht stockfleckig, gestochener Titel und typographischer Titel des zweiten Teils mit Paraphe in Tinte. – Gutes Exemplar auf festem Bütten in einem schönen Ganzlederband.

Lot 365 Bidpai
Specimen sapientiae indorum veterum. Id est liber ethico-politicus pervetustus, dictus arabice Kalila wa-Dimna graece Stephanites kai Ichnelates, nunc primum Graece ex mss. cod. Holsteiniano prodit, cum versione nova Latina, opera Sebast. Gottofr. Starkii. Mit gestochener Titelvignette. Berlin, Liebpert, 1697. 16 Bl., 508 S., 18 Bl. 16,5 x 9,5 cm. Halbpergamentband der Zeit (etwas fleckig, Block verzogen, hinterer Deckel mit Bezugsfehlstelle). [*]
After-Sale Price 500 €
VD17 39:120930K – Fabula Docet 29 – Zenker, Bibliotheca orientalis 600 – Graesse VI, 479. – Griechisch-lateinische Parallelausgabe der indischen Fabelsammlung; der alte griechische Text wurde von Sebastian Gottfried Starcke (1668-1710) ins Lateiniche übersetzt. – Seltener Berliner Druck von Ulrich Liebpert (vgl. Potthast 29f.) – Titel gestempelt, mehrere weiße Blatt angebunden, Vorwort mit Unterstreichungen.

Lot 366 Bilderbeck, Ludwig Franz von
Ludolphs Lehrjahre. Nach dem Französischen des Ludwig von Bilderbeck des jüngeren. Vom Verfasser der Urne im einsamen Thale. Erster-dritter Teil in einem Band. Mit 3 Titelkupfern (Geisler del.). Leipzig, Voß und Comp., 1804. 16 x 10 cm. Halblederband der Zeit mit 2 blauen Rückenschildern und Rückenvergoldung (etwas berieben, Ecken etwas bestoßen). [*]
After-Sale Price 300 €
Erste deutsche Ausgabe. – Goedeke V, 480, 8. – Wohlerhaltenes Exemplar dieses von “Wilhelm Meisters Lehrjahre” inspirierten Entwicklungsromans. – Bilderbeck (1764-1856) “war zunächst Hofbeamter in Köstritz und Dürkheim (1786-1788); später erhielt er durch Vermittlung Ifflands das Amt eines Reisemarschalls am Saarbrücker Hof (1789-1793). Die Wirren des ersten Koalitionskrieges brachten ihn um Einkünfte und eine 1791 etablierte Verlagsdruckerei; die folgenden Jahre verlebte er deshalb relativ mittellos in Mannheim. Seit 1804 hielt sich Bilderbeck, mittlerweile zum Geheimen Legationsrat ernannt, als Bevollmächtigter mediatisierter Fürstenhäuser in Paris auf und beteiligte sich 1814/15 in dieser Funktion am Wiener Kongreß.” (Killy I, S. 509). Auf Grund seiner profunden Zweisprachigkeit verfasste er Romane und Schauspiele in Deutsch und Französisch und übersetzte sie auch in die jeweils andere Sprache, wie dies auch bei dem vorliegenden Roman der Fall ist. Damit spielt er, wenn er sich namentlich zwar als Übersetzer aus dem Französischen bezeichnet, die eigene Autorschaft aber nur indirekt als Verfasser seines Romans “Die Urne …” von 1799 zu erkennen gibt. – Exlibris “C.A.Meusel” auf dem Innendeckel. Carl August Meusel (1801-1847) war Rittergutsbesitzer auf Schloss Kuhna bei Görlitz. – Teils leicht stockfleckig. Gutes Exemplar, dekorativ gebunden.

Lot 367 Boccaccio, Giovanni
Del Decamerone. Nuovamente corretto, e con diligenza stampato. 5 Bände in 2 Bänden. Mit gestochenem Porträt-Frontispiz und 14 gestochenen Tafeln. Toskana (Florenz?), G. Ghiara, 1770. 18,8 x 12,5 cm. Schweinslederbände der Zeit mit 2 goldgeprägten Rückenschildern (leicht fleckig). [*]
Result 330 €
Schöne, hübsch illustrierte Ausgabe des Klassikers. – Graesse I, 451. – Nur teilweise leicht gebräunt.

Lot 368 Buchwesen – Huhold, Marcus Paul
Curieuse Nachricht von denen heute zu Tage grand mode gewordenen Juornal- Quartal- und Annual-Schrifften, darinnen die einige Jahr her in Teutscher, Lateinischer, Französischer, Italiänischer und Holländischer Sprache häuffig geschriebenen Journale erzehlet, und bey denen meisten gemeldet, wer selbige verfertiget, wenn sie angefangen, aufgehöret, oder ob sie noch biß itzo continuiret werde, nebst beygefügten unpartheyischen Urtheilen und andern curieusen Observationibus, itzo von neuen übersehen und vermehrter herausgegeben von M.P.H. Freyburg (das ist: Jena), 1716. Titel, 44 S., 1 weißes Bl. 16,8 x 10 cm. Halblederband im Stil der Zeit mit Rückenschild und Rückenvergoldung. [*]
Result 300 €
Dritte Auflage, anonym erschienen. – Läwitz 8770 und 8799 (Doppelnennung; nennt den Verfasser: Huhold) – Jugler, Bibliotheca historiae selectae S.776 (unter: Hunold). – Nach 1713 und 1715 die dritte vermehrte Ausgabe dieser ersten deutschen Zeitschriftenbibliographie, eine weitere Auflage erschien 1717. Von Huhold scheint biographisch nur überliefert, dass er 1745 als Oberpfarrer in Miedzichod in Polen gestorben ist (Dunkel, Historisch-critische Nachrichten, 1757, Band 3/1, S. 532). – Huholds noch wenig wissenschaftlicher Versuch, einen Überblick über die rasant anwachsende Zahl der Zeitschriften dieser Jahre zu geben, ist gleichwohl in den kommentierenden Angaben sehr zuverlässig und eine Hauptquelle für die Kenntnis des Zeitschriftenmarktes, was die oftmaligen Verweise in späteren Werken belegen. – Gebräunt, vom oberen Schnitt her etwas feuchtrandig, Titel auf einen Steg gesetzt.

Lot 369 Buchwesen – Scholl, Gottfried Heinrich
Ueber Volksblätter. Gesezgebern, Polizeiaufsehern und Volksschriftstellern gewidmet. Nebst einigen Beilagen. Tübingen, Heerbrand, 1799. 48 S. 19 x 12 cm. Halblederband im Stil der Zeit mit grünem Rückenschild und Rückenvergoldung. [*]
Result 360 €
Erste Ausgabe, anonym erschienen. – Böning/Siegert, Volksaufklärung 5194 – Gradmann, Das gelehrte Schwaben S.587 – Holzmann/Bohatta IV, 7647. – Im Unterschied zu C. W. V. Dohm, der sich in einer 1796 im Druck erschienenen Rede “Ueber Volkskalender und Volksschriften” überhaupt mit den auf die Zielgruppe “einfaches Volk” zielenden Almanachen und Kalendern beschäftigt, also Publikationen, die dem “normalen” Vertriebsweg folgen, richtet der Pfarrer Scholl (1761-1820), dessen “Denkart” entscheidend von Lichtenberg und Garve geprägt war (vgl. Gradmann), den Fokus auf jene Produkte, “welche auf dem Lande von sogenannten Hausirern, (Krämern, welche von Haus zu Haus laufen) umhergetragen und auf den Jahrmärkten dem Landmann und Handwerker feil geboten werden” (S.3). Also dem Teil des Buchmarktes, der sich staatlicher Aufsicht, Zensur und Verbote weitgehend entzog; religiös, moralisch, gesellschaftlich und politisch Abweichendes und Aufrührerisches konnte sich hier realtiv unkontrolliert verbreiten. – Unbeschnitten. – Teils stockfleckig, handschriftliche Ziffer auf dem unteren Titelrand.

Lot 370 Byom, Elizaveta M
Iz derevenskih vospominanij. Siluety Elizavety Byom. (Aus Erinnerungen an das Dorf. Scherenschnitte von Jelisaweta Böhm). Mit 10 Silhouetten-Tafeln von Elizaveta Byom. Sankt-Petersburg, Kartographisches Werk A. Il’in, 1882. 23 x 17 cm. Lose Blätter im illustrierten Original-Papierumschlag (fleckig, Rücken gerissen und mit kleinen Fehlstellen, dort teils hinterlegt, hinterer Umschlag gestempelt).
Result 600 €
Ohne Titelblatt erschienen. – Alle Blätter im unteren Rand mit kleinem Wasserrand, die ersten zwei Tafeln dort mit geringem Eckverlust, erstes und letztes Blatt mit je zwei Flecken im Rand.

Lot 371 Byom, Elizaveta M
Poslovicy v siluetah. (Sprichwörter in Silhouetten). Mit 12 lithographierten Tafeln von Elizaveta Byom. Sankt-Petersburg, A. Il’in, 1884. 20,5 x 14,5 cm. Illustrierter Original-Umschlag (Rücken mit Japan verstärkt mit Einrissen und kleinen Fehlstellen, leicht fleckig, gelöschter Stempel im oberen Rand, etwas knickspurig, leichte Randläsuren).
Result 500 €
Teils leicht fingerfleckig, zwei Tafeln stärker fleckig.

Lot 372 Chamisso, Adelbert von
Peter Schlemihl’s wundersame Geschichte mitgetheilt von Adelbert von Chamisso und herausgegeben von Friedrich Baron de la Motte Fouqué. Mit gestochenem Frontispiz (Fr. Leopold fecit). Nürnberg, Johann Leonhard Schrag, 1814. XII, 132 S. (S.127-132 “Literarische Anzeige”). Halblederband (um 1850) im Stil der Zeit mit rotem Rückenschild und Rückenvergoldung (leicht berieben). [*]
Result 1800 €
Erste Ausgabe. – Rath, Bibliotheca Schlemihliana 1 – Goedeke VI, 148, 14a. – “Von Chamisso wollen wir nur sein in fast alle Sprachen übersetztes Märchen ‘Peter Schlemihl’s wundersame Geschichte’ (Nürnberg, bei Johann Leonhard Schrag 1814) als wirkliche Seltenheit anführen. Das Frontispiz zeigt eine originelle Radierung F. Leopolds, Chamisso in polnischer Kurtka mit Botanisierbüchse und Tabakspfeife als Peter Schlemihl darstellend.” (C. G. von Maassen, Über die Seltenheit von Romantiker-Erstausgaben). – Eines “der großen Bücher der Weltliteratur. Chamisso schrieb dieses tiefsinnige Märchen von dem verlorenen Schatten und den Siebenmeilenstiefeln während seines Aufenthalts 1813 in Kunersdorf. Unnachahmlich gelingt es ihm, das Phantastische so darzustellen, als wäre es das Natürlichste von der Welt!” (Kaldewey, Lese-Kabinett XIII, 55). Chamisso widmete das Buch dem “nächsten, innigsten Freund, meinem bess’rem Ich” Julius Eduard Hitzig und, “es versteht sich von selbst, unserm Fouqué” (Seite X), der als Herausgeber fungierte und ein Gedicht an Chamisso sowie ein “Vorwort. An Freund Eduard” beisteuerte. – Exlibris “H.Moody” auf dem Innendeckel. – Etwas stockfleckig. – Gutes Exemplar des meist in sehr zerlesenen (Leihbibliotheks-)Exemplaren anzutreffenden Buchs.

Lot 373 Condillac, Etienne Bonnot de
Oeuvres choisies. Grammaire. Art d’ecrire. Dissertation sur l’harmonie du style. – (Band 2:) Art de raisonner. Art de penser. Logique, ou premiers developemens de l’art de penser. Traité des animaux. 2 Bände. Mit gestochenem Porträt des Verfassers von A. Clement nach P. Duval und 9 gefalteten gestochenen Tafeln. Paris, 1796. 3 Bl., 539 S., 2 Bl., 559 S. 29,5 x 22 cm. Russische rote Ganzmaroquinbände mit goldgeprägtem Rückentitel, reicher Rückenvergoldung, Deckel mit goldgeprägter Bordüre im Stil griechischer Mäander und Steh- und Innenkantenvergoldung sowie Ganzgoldschnitt (Deckel leicht berieben, etwas bestoßen, leicht beschabt und leicht fleckig).
Result 1600 €
Cioranescu 20309 – Monglood, III, 725. – Etienne Bonnot de Condillac, Abbé de Mureau (1714-1780) war ein Philosoph und Ökonom aus Grenoble. – Die Vorsätze mit zwei russischen Bibliotheksexlibris der Sheremetew-Familie, welche eine mit den Romanows verwandte russische Adelsfamilie ist. Ein typographisches Exlibris gehört der Bibliothek von Nikolai Petrowitsch Scheremetew (1751-1809). Der Philanthrop und Gründer eines Armenhauses und Krankenhauses für die Armen in Moskau war darüber hinaus auch Oberhofmeister und Kunstmäzen. Das andere Exlibris ist mit dem Wappen seines Enkels Nikolai Scheremetew (1844-1918), der die Büchersammlung seiner Vorfahren erbte und somit Besitzer der größten und besten Privatbibliothek Russlands wurde. – Seiten vereinzelt minimal braunfleckig. – Sehr gutes Exemplar auf feinem Velin, dekorativ gebunden.

Lot 374 Conti (Comes), Natale
Mythologiae sive Explicationis fabularum libri decem, in quibus omnia prope naturalis et moralis philosophiae dogmata in veterum fabulis contenta fuisse perspicue demonstratur … Accessit G. Linocerii Musarum mythologia, & anonymi observationum in totam de dijs gentium narrationem libellus. Adiectæ sunt … editioni elegantissimæ Deorum imagines, & eruditissimæ mythologie M. Antonij Tritonij Utinensis. Mit Holzschnitt-Titelvignette, einer Holzschnitt-Falttafel und 105 (2 ganzseitigen) Textholzschnitten. Padua, Pietro Paolo Tozzi, 1616. 22 Bl., 614 S., 1 Bl., 60 S. 23 x 16 cm. Pergamentband der Zeit mit handgeschriebenem Titel auf Rückenschild (etwas angestaubt, fleckig und berieben, vorderes Gelenk aufgeplatzt, kleinere Bezugsfehlstellen). [*]
Result 330 €
Contis Standardwerk in der ersten prächtig illustrierten Ausgabe, erweitert um die Glossen von Geoffroi Linoicer und Marco Antonio Tritonios “Utinensis Mythologia”. – Innendeckel mit altem handschriftlichen Eintrag, Gelenke angeplatzt, durchgehend schwach wasserrandig, ca. 30 Bl. mit Wurmgang im oberen Bug (ohne Textverlust).

Lot 375 Daumier, Honoré
Les cent et un Robert Macaire. (Sur les idées et légendes des Ch. Philipon. Texte par Maurice Alhoy et Louis Huart). Mit 101 Lithographien von H. Daumier. Paris, Aubert, 1840. 202 Bl. 28 x 22 cm. Halblederband der Zeit mit Rückentitel (Kapitale etwas bestoßen und Gelenke dort teils angeplatzt, Rücken berieben, Kanten beschabt).
After-Sale Price 200 €
Vgl. Vicaire I, 31 – Sander 572 – Ausgabe mit den Umrahmungen der Lithographien und rückseitig mit Text. – Die Lithographien zeigen Macaire als Volksredner, Advokat, Staatsanwalt, Journalist, Heiratsvermittler etc. – Es fehlt der Titel. – Innendeckel und 1 Blatt mit Besitzvermerken, stellenweise mit kleinem Wasserrand, etwas gebräunt und teils etwas stockfleckig.

Lot 376 Diderot, Denis
Rameau’s Neffe. Ein Dialog. Aus dem Manuskript übersetzt und mit Anmerkungen begleitet von Goethe. Leipzig, Göschen, 1805. 1 Bl., 480 S., 1 Bl. 16,5 x 10,5 cm. Halblederband der Zeit mit Rückenschild und Rückenvergoldung (Ecken bestoßen, berieben, Schild teilweise abgeplatzt).
Result 330 €
Erste Ausgabe. – Goedeke IV/3, 375, 124 – Hagen 297 – Fromm 7194. – Eine französische Ausgabe erschien erst 1821 und basiert auf Goethes Übersetzung. – Mit dem oft fehlenden Erratablatt. – Falschpaginierung bei 4 Blättern überklebt, teilweise etwas gebräunt.

Lot 377 Diebe und Mörder – Des Essarts, Nicolas-Toussaint LeMoyne
Causes célèbres, curieuses et intéressantes, de toutes les cours souveraines du royaume, avec les jugemens qui les ont décidées. 74 Bände in 37 Bänden. Paris, (Imprimerie de P. G. Simon), 1775-1781. 17 x 9,5 cm. Lederbände der Zeit mit gelben und grauen Rückenschildchen und reicher floraler Rückenvergoldung (leicht berieben und bestoßen).
Result 1900 €
Die anonym erschienene Sammlung berühmter und kurioser Strafsachen in der Nachfolge Pitavals nennt im Avertissement “M. des Essart” (S. 193) als einen der Autoren. – Die ersten 196 Fälle der Reihe, die bis 1789 erschien. – Des Essart (1744-1810) sollte 1790 der ersten Assemblée électorale von Paris angehören und führte ab 1797 eine Buchhandlung an der Place de l’Odéon. – Exlibris von “G. C. v. Fechenbach” auf den Innendeckeln, sehr gutes Exemplar in sehr dekorativen zeitgenössischen Einbänden.

Lot 378 Diebe und Mörder – Des Essarts, Nicolas-Toussaint LeMoyne
Causes célèbres, curieuses et intéressantes, de toutes les cours souveraines du royaume, avec les jugemens qui les ont décidées. 16 Bände in 8 Bänden. Paris, (Imprimerie de P. G. Simon), 1773-1774. 17 x 9,5 cm. Lederbände der Zeit mit roten und schwarzen Rückenschildchen und reicher floraler Rückenvergoldung (leicht berieben und bestoßen, 2 Bände mit kleineren Fehlstellen durch Wurmfraß).
Result 600 €
Die anonym erschienene Sammlung berühmter und kurioser Strafsachen in der Nachfolge Pitavals nennt im Vorwort “M. des Essart, Avocat” (S. 12) als einen der Autoren. Des Essart (1744-1810) sollte 1790 der ersten Assemblée électorale von Paris angehören und führte ab 1797 eine Buchhandlung an der Place de l’Odéon. – Exlibris von “G. C. v. Fechenbach” auf den Innendeckeln, sehr gutes Exemplar in sehr dekorativen zeitgenössischen Einbänden.

Lot 379 Diebe und Mörder – Gayot de Pitaval, François
Causes célèbres et intéressantes avec les jugemens qui les ont décidées. Rédigées de nouveau par M. Richer, ancien avocat au Parlement. 22 Bände. Amsterdam, Michel Rhey, 1772-1788. 17 x 10 cm. Lederbände der Zeit mit roten bzw. gelben Rückenschildchen und reicher floraler Rückenvergoldung sowie Stehkantenvergoldung (leicht berieben und bestoßen, vereinzelt kleine Wurmgänge).
Result 1000 €
Vgl. Graesse V, 306 – vgl. Cioranescu II, 30521 – vgl. Kindler NLL XIII, 345. – François Richers komplette Überarbeitung von Pitavals berühmter Sammlung kurioser Strafrechts- und Kriminalfälle erschien ohne Nennung dessen Namens. – Dabei: Ville, Jean Claude de la. Continuation des Causes célèbres et intéressantes avec les jugemens qui les ont décidées. Par M. J. C. de la Ville, avocat au Parlement de Paris. 4 Bände. Mit 1 gestochenen Tafel und 1 gefalteten Tabelle. Paris, Desaint, 1766-1770. 16,3 x 9,5 cm. Lederbände der Zeit mit roten und grauen Rückenschildchen und reicher floraler Rückenvergoldung (leicht berieben und bestoßen, die grauen Rückenschildchen mit den Bandangaben mit teils größeren Fehlstellen, Deckelbezüge mit kleineren Fehlstellen durch Wurmfraß). – Alle Bände der besonders dekorativ gebundenen Reihen mit dem gestochenen Exlibris von “G. C. v. Fechenbach” auf dem Innendeckel. – Innen sauber, nur partiell leicht gebräunt und minimal fleckig, sehr gute Exemplare.

Lot 380 Diebe und Mörder – Gayot de Pitaval, François
Erzählung sonderbarer Rechtshändel sammt deren gerichtlichen Entscheidung. Aus dem Französischen. 9 Bände in 5 Bänden. Leipzig, Kiesewetter, 1747-1767. 18 x 11 cm. Pappbände (um 1900) mit Rückenschild (bestoßen, Gelenke mit Bezugsfehlstellen, 1 Kapital stärker bestoßen). [*]
Result 1500 €
Erste deutsche Ausgabe. – Fromm III, 10575 – Graesse V, 306 – Hayn/Gotendorf VI, 208. – Blieb über 140 Jahre (bis zu der von H. Blum 1885 hrsg. Ausgabe) die einzige deutsche Übersetzung dieser auch kulturgeschichtlich höchst interessanten Sammlung von Strafrechtsfällen. – Mit dem Exlibris “E Collectione Medingiana” und Namenseintrag “Werner Meding” auf den Titeln. – Teilweise leicht gebräunt.

Lot 381 Diebe und Mörder
Geschichte zweyer berüchtigten Strassenräuber Johann Sheppard eines Engelländers und Ludwig Dominicus Cartouche eines Franzosen. Aus dem Englischen und Französischen übersetzt. Mit Kupfern. Vierte Auflage. Mit gestochenem Frontispiz und 1 Kupfertafel. Frankfurt und Leipzig, 1770. 64 S., 1 Bl., S. (65)-126. 17,5 x 10,5 cm. Lederband im Stil der Zeit mit 2 farbigen Rückenschildern und reicher Rückenvergoldung. [*]
Result 850 €
Für uns bibliographisch nicht zu ermitteln. – Stempel auf Titel, teilweise etwas gebräunt, die letzten Blatt mit schwachem Wasserrand. Dekorativ gebunden.
Bound in period-style full calf, with 2 labels to spine, gilt. – Stamp to title-page, some browning. – Last pages with light dampstaining.

Lot 382 Diebe und Mörder
Sammelband mit 3 Werken zu den geplatzten Wechselgeschäften des Lefmann Samson Hertz. 15,8 x 9,5 cm. Pappband der Zeit (berieben). [*]
Result 1300 €
Enthält: I. Rechtliche Vertheidigung des unglücklichen Kaufmann Herrn Lefmann Samson Hertz in Hamburg über die ihm zur Last gekommenen falschen Beschuldigungen von dem Falliten Popert und seine Complicen. Wetzlar, August 1800. 14 S. – II. Rechtliche Vertheidigung des unglücklichen Kaufmannes Herrn Lefm. Samson Hertz wider beyspiellose Verläumdungen. (Ohne Ort und Verlag), 1800. 190 S. – III. Anhang als Bericht zur Prüfung des Betrugs gehörig abseiten der jüdischen Falliten M. W. Popert und L. J. Emanuel unter der Firma Wolf Levin Popert & Comp. betreffend einen noch unberichtigten Punkt in den Gegnerischen Nachtrag. Im August 1800. Wetzlar, 1800. 15 S. – I. und III. ohne Nachweis über KVK, II. nur mit einem Standort im Warburge Institute London; im alten Katalog der Hamburger Commerzbibliothek sind “Eilf Schriften, den Wechsel-Verfälschungs-Process v. Lefmann Samson Hertz zu Hamburg betreffend” ohne weitere Spezifikation vermerkt. – Vor allem durch politische Veränderungen in Europa und Amerika und der englischen Schiffsblockade Hamburgs gingen 82 oft jüdische Handels- und Bankunternehmen in Konkurs. Das Unternehmen des Lefmann Samson Hertz konnte Kredite von Meyer Wolf Popert und Issak Heine (nahe Verwandtschaft von Heinrich Heine) nicht mehr bedienen und wurde von den dadurch nun auch “Falliten” (Bankrotteuren) verklagt und erhielt eine Haftstrafe. – Teilweise etwas stärker gebräunt.

Lot 383 Diebe und Mörder
Sammlung von 8 Todesurteilen. Gedruckte lose Doppelblätter. Überwiegend Wien, zwischen 1829-1844. Ca. 25 x 20 cm (mit stärkeren Randläsuren, etwas verstaubt). [*]
Result 240 €
Verschiedene Todesurteile, meist mit nur genanntem Vornamen, Beschreibungen der Tatbestände, sowie Urteilsverkündungen. Beigegeben: Handgeschriebenes Manuskript auf Papier in Spanisch über verschiedene Möglichkeiten den Tod zu vollstrecken. 10 S. Ca. 33 x 23 cm. – Mit Randläsuren und braunfleckig.

Lot 384 Diebe und Mörder – Zuber, von
Ausführliche Erzählung des Verhörs und der Hinrichtung des im Jahre 1722 der Hexerey beschuldigten Georg Pröls von Pfettrach in Baiern. Herausgegeben aus den Gerichts-Akten und begleitet mit kritischen Anmerkungen zur (!) Baierns Aufklärung. (Ohne Ort und Verlag), 1806. 271 S., 2 Bl. 18 x 10,5 cm. Pappband der Zeit mit handschriftlichem Rückenschild (berieben und etwas bestoßen). [*]
Result 550 €
Einzige Ausgabe, anonym erschienen. – Verfasser nach Angabe der Bayerischen Staatsbibliothek. – Der Bettler Georg Pröls, genannt der “krumppe Görgl”, Sohn eines Taglöhners, wurde im Zuge der Freisinger Kinderhexenprozesse mit weiteren Kindern und Jugendlichen 1717 erstmalig verhaftet und unter der Folter zum Erlangen eines Geständnisses gezwungen; die Kinder mussten sich gegenseitig anschuldigen, ein erst 13jähriger sogenannter “Hexenbube” erhängte sich in seiner Zelle. Pröls wurde freigelassen, aber bei der zweiten Inquisitionswelle 1721 erneut verhaftet und am 4. März 1722 in Moosburg öffentlich verbrannt. Seine erpressten Geständnisse eines Paktes mit dem Teufel widerrief er zwar auf dem Scheiterhaufen, was ihn aber vor den Flammen nicht retten konnte. Allerdings regte sich in der Münchner Regierung Unwillen gegen die Praxis der Freisinger Inquisition, weitere inhaftierte Kinder und Jugendliche wurden daraufhin entlassen und vor dem sicheren Tode bewahrt. – Exlibris, Titel recto und verso gestempelt, das folgende Blatt recto gestempelt, Anfangs mit einigen Unterstreichungen, etwas braunfleckig.

Lot 385 Dostojewski, Fedor M.
Polnoje sobranie sotschineni. (Gesamtausgabe). 12 Bände. Mit Frontispiz-Porträt in Stahlstich. Sankt-Petersburg, A. M. Marks, 1894-1895. 20,5 x 13,5 cm. Rote Original-Leinenbände mit dem goldgeprägten Porträt des Autors auf jedem Band sowie Blindprägung (leicht berieben). [*]
After-Sale Price 400 €
Diese 5. Ausgabe der “Gesammelten Werke” erfolgte bei Marks, der deshalb für zwei Jahre die Verlagsrechte von Anna G. Dostojewski erworben hatte. Sie erschien als kostenfreie Beigabe der Zeitschrift “Niwa” der Jahrgänge 1894-1895 für deren Abonnenten. – Band 1 enthält W. W. Rosanows kritisch-biographischen Abriss über F. M. Dostojewski, außerdem als Frontispiz ein Porträt Dostojewskis, als Stahlstich. Band 7 mit faksimiliertem Autographen. – Innendeckel mit Exlibris “Rudbeck” (bei Band 1 entfernt), gutes Exemplar in den Original-Verlagseinbänden.
5th edition. – 12 vols. With engr. portrait. Orig. red blind- and gilt-stamped cloth. – Exlibris. – Very good copy.

Lot 386 Droste-Hülshoff, Annette von
Gedichte von Annette Elisabeth v. D…. H…. Münster, Aschendorff, 1838. 1 Bl., 220 S. 17,5 x 11 cm. Bedruckter Original-Pappband (berieben und bestoßen, Bezugsfehlstellen am Rücken, etwas gebräunt).
Result 700 €
Seltene erste Ausgabe der ersten Veröffentlichung der Droste. – Arens 1. – Ihr Erstlingswerk war anfangs ein Misserfolg, nur ein kleiner Teil der Auflage konnte verkauft werden und innerhalb der Familie stieß das Werk auf Ablehnung. Bei Erscheinen ihrer zweiten, wesentlich umfangreicheren Gedichtsammlung 1844, musste die Dichterin die restlichen Exemplare zurückkaufen und vernichten. – Aus der Bibliothek des Schriftstellers Richard Zoozmann mit dessen Exlibris auf dem vorderen Innendeckel, seinem Stempel auf dem Titel und seinen 11-zeiligen Anmerkungen zum Vorbesitzer “Theodor Sträter” und dessen Namenseintrag auf dem Vorsatz. – Etwas stockfleckig bzw. gebräunt.

Lot 387 Ehrenberg, Carl
Bilder-Cyclus aus der Nordisch-Germanischen Götter-Sage. Erläuternder Text von Dr. Wilhelm Wägner. Mit 12 Lichtdrucktafeln nach Photographien der Zeichnungen von Carl Ehrenberg unter Passepartout. Dresden, W. Hoffmann, 1885. 4 Bl. (Text). 65 x 48,5 cm. Lose in roter Original-Leinwandmappe mit goldgeprägtem Deckeltitel und reicher Deckelvergoldung (etwas berieben, Mappenflügel mit Läsuren). [*]
Result 800 €
Thieme-B. X, 392 f. (erwähnt). – Großformatige (62,5 x 47 cm) Abbildungen der beiden 1880/81 und 1882/83 entstandenen Bilderzyklen zur nordisch-germanischen Mythologie. – Mit gedrucktem Widmungsblatt an Otto von Bismarck (“… dieses einzige Exemplar…”), Drucktitel und zwei Blatt Erläuterungen. – Die ersten sechs Kohlezeichnungen waren unter fast identischem Titel bereits 1882 bei Gilbers erschienen, die vollständige Folge ist nur im vorliegenden, offenbar lediglich einmal gedruckten Exemplar enthalten. – Ehrenberg (1840-1914) war ein Schüler von Julius Schnorr von Carolsfeld, besonders bekannt wurde er durch sein Porträt von Franz Liszt.

Lot 388 Eichendorff, Joseph von
Krieg den Philistern. Dramatisches Mährchen in fünf Abentheuern. Berlin, Ferdinand Dümmler, 1824. Titel, 226 S. 17,8 x 11 cm. Marmorierter Halblederband im Stil der Zeit mit Rückenschild und Rückenvergoldung sowie beigebundenem bedruckten Original-Umschlag (dieser mit kleinem Eckabriss und leichten Knitterspuren). [*]
Result 300 €
Erste Ausgabe. – Goedeke VIII, 187, 10 – Eichendorff, Ein Jahrhundert S. 101. – Eichendorffs erster dramatischer Versuch, “die wenig beachtete, geistvolle Satire” (KNLL V, S.77) “Krieg den Philistern” wurde in nur 750 Exemplaren gedruckt, von denen bis 1880 noch einige am Lager waren. – “Die erste Anregung zu diesem Stück erhielt Eichendorff wohl durch Clemens Brentanos Abhandlung ‘Der Philister vor, in und nach der Geschichte’ (1811); Brentanos Philistersatire läßt sich streckenweise wie ein Kommentar zu Eichendorffs Stück lesen.” (Ebda S.76). – Unbeschnitten, leicht stockfleckig. Gutes Exemplar, dekorativ gebunden.

Lot 389 Einbände
Weinroter Ganzmaroquinband (Orleans um 1744) mit goldgeprägtem Rückentitel, reicher Rückenvergoldung, breiten goldgeprägten Deckelbordüren, großen Wappensupralibros auf beiden Deckeln, Steh- und Innenkantenvergoldung sowie Ganzgoldschnitt. 20 x 13 cm. (Kapital und Ecken etwas bestoßen, etwas berieben).
After-Sale Price 500 €
Prachtvoller Einband aus der Bibliothek der Herzöge von Orléans unter Louis Philippe I. de Bourbon, Duc d’Orléans (1725-1785), aus der einige Bände in die königlichen Sammlungen der Bibliothèque de Neuilly übergingen. – Auf dem Rücken zwischen den fünf vergoldeten Bünden findet sich in hübscher floraler Kartusche jeweils das Wappen der Herzöge mit dem französischen Lilienbanner (Fleur-de-Lys), dem Turnierkragen (Lambel und der großen Goldkrone darüber. Das wiederholt sich im Wappenschild des Supralibros, überaus reich eingefasst von einer floral-ornamentalen Rokoko-Kartusche. – Enthält: L’office de la quinzaine de Pasque, latin-francois, à l’usage de Rome et de Paris pour la Maison de Monsieur le Duc d’Orléans, premiere prince du sang. Mit gestochenem Frontispiz und Wappenholzschnitt auf dem Titel. Paris, Houry, 1744. XXXVI, 631 S. – Von dem Hofdrucker der Herzöge gedruckt. – Nur teilweise minimal gebräunt.

Lot 390 Faerno, Gabriello
Gabrielis Faërni Fabulae – Des Gabriel Faërnus Fabeln. Metrisch verdeutscht, und mit biographischen und bibliographischen Einleitungen versehen von Johann Gabriel Seidl. Grätz, Damian und Sorge, 1831. XVI, 192 S., 2 Bl. Grüner Halblederband im Stil der Zeit mit rotem Rückenschild. [*]
After-Sale Price 200 €
Erste Ausgabe der Bearbeitung. – Goedeke IX, 9, 36. – Unbeschnitten. – Gutes Exemplar, dekorativ gebunden.

Lot 391 Faksimile
Das Graduale von St. Katharinental. Faksimile-Druck der Handschrift LM 26117 alternierend im Schweizerischen Landesmuseum in Zürich und Museum des Kantons Thurgau in Frauenfeld. Entstanden um 1312. Faksimile und Kommentarband in 2 Bänden. Luzern, Faksimile-Verlag, 1980. 318 Bl. Textband: IX, 347 S. 49,5 x 39,5 cm und 30,5 x 21, 5 cm. Original-Leder mit 2 Messing-Schließen und 10 Messing-Buckel-Beschlägen und Original-Halbleder (Textband) mit Original-Holzkiste. [*]
After-Sale Price 1000 €
Eins von 950 (GA 1000) nummerierten Exemplaren. – Komplettes Vollfaksimile. Kommentarband mit Beiträgen von A. A. Schmid, E. J. Beer, A. Knoepfli, P. Ladner, M. Lütolf, D. Schwarz und L. Wüthrich. – Gutes Exemplar.

Lot 392 Faksimile – Tyndale, William
The Prophete Jonas, with an introduction before teachinge to understonde him and the right use of all the scripture, etc. etc. Reproduced in facsimile. To which is added Coverdale’s version of Jonah, with an introduction by Francis Fry. London, Willis & Sotheran, 1863. 16 S., 30 Bl. (das erste und letzte weiß). 20,5 x 13,5 cm. Halblederband (um 1920) mit goldgeprägtem Rückentitel (Kanten etwas berieben). [*]
Result 550 €
Eins von nur wenigen auf Pergament gedruckten Exemplaren: “A few copies are printed on vellum and some on old paper” (Fry in der Einleitung). – Innendeckel mit Exlibris von Wilfred Merton (1920) und von John William Pease. – Vorsätze leicht gebräunt.

Lot 393 Fouqué, Friedrich de la Motte
Corona. Ein Rittergedicht in drei Büchern. Stuttgart und Tübingen, Cotta, 1814. XIV, 386 S. 20,5 x 12 cm. Brauner Pappband der Zeit mit Rückenschild, Rückenvergoldung und aufgelegtem Marmorpapier mit goldgeprägten Fileten auf den Deckeln (etwas berieben, Gelenke etwas beschabt, Ecken leicht bestoßen). [*]
After-Sale Price 200 €
Erste Ausgabe. – Goedeke VI, 122, 37 – Fischer, Cotta 951. – Auf dem Gipfel seines Ruhms veröffentlichte Fouqué das Rittergedicht in dem er auch Ereignisse der jüngsten Vergangenheit verarbeitete. Die Verherrlichung der abgeschiedenen Königin Luise trug wesentlich zu dem Kult bei, der im preußischen Königshaus um den gefeierten Dichter stattfand. – “Was die Verklärung Luises angeht, so ist wohl unter allen Lobpreisungen diejenige Fouqués unübertrefflich. In seinem Epos Corona (1814) … blickt er auf den Sieg über Napoleon zurück und versetzt sich dabei in einige zum Himmel fahrende ‘glückliche Seelen’, die dort die abgeschiedene Luise als kosmische Kraft treffen und ihr den irdischen Triumph verkünden: Wie sah’t ihr sie mit Himmelsglanz umzogen, / Und Stern’ ihr Licht an ihren Augen zünden! …” (G.Schulz, Die deutsche Literatur … 2, München 1989, S.65). – Teils etwas stockfleckig, zeitgenössisches gestochenes Exlibris “Caroli Fischeri” auf dem Innendeckel, dessen handschriftlicher Name auf dem Vorsatz. – Dekorativ gebunden.

Lot 394 Fouqué, Friedrich de la Motte
Gefühle, Bilder und Ansichten. Sammlung kleiner prosaischer Schriften. Zwei Bände. Leipzig, Fleischer, 1819. XII, 276 S.; IV, 281 S. 18 x 11 cm. Marmorierte Interimskartonagen der Zeit (Rücken verblasst und mit zeitgenössischen Aufklebern). [*]
After-Sale Price 300 €
Erste Ausgabe. – Goedeke VI, 126, 94 – Salomon 108 (E.T.A. Hoffmann). – Gutes, besonders innen frisches Exemplar im originalen Lieferzustand “dieser bedeutenden feuilletonistischen Sammlung zur Literatur und Politik” (Sammlung-Sembdner Nr.1822). – “Ihre Gefühle, Bilder und Ansichten haben mich sehr erfreut. Gleich anfangs, wie interessant sind die Züge aus dem Leben Ihres würdigen Großvaters. In welchem schönen Lichte erscheinen der große König und der ritterliche Freund.” (F. L. Stolberg an Fouqué, 17.Juli 1819). – Der erste Band, wie der folgende 1819 datiert, wurde bereits im November 1818 als erschienen angezeigt. – Unbeschnitten, auf Velin. – Titel von Band 1 leicht fleckig, sonst nahezu fleckfrei.

Lot 395 Fouqué, Friedrich de la Motte
Die Jahreszeiten. Eine Vierteljahresschrift für romantische Dichtungen. Frühlings-Heft – Sommer-Heft – Herbst-Heft – Winter-Heft. 4 Hefte in 2 Bänden. Berlin, Ferdinand Dümmler (Frühlings-Heft), 1820 (sonst:) J. E. Hitzig, 1812-1814. 17 x 10 cm. Halblederbände im Stil der Zeit mit Rückenschild und Rückenvergoldung. [*]
After-Sale Price 320 €
Erste Ausgabe, Frühlings-Heft (“Undine”) in dritter Auflage. – Goedeke VI, 118, 22 – Diesch 1529 – Kirchner 4716 – Houben/Walzel, Zeitschriften der Romantik Sp. 212ff. – Die Editionsgeschichte dieser Publikation, die wegen des heute weltberühmten Märchens ‘Undine’ im ersten Heft zu den wichtigsten der Romantik gezählt werden muss, weist noch jetzt Unklarheiten auf. Das betrifft nicht nur die ersten Einzelausgaben der Undine, das gilt auch für die Jahreszeiten insgesamt. Gesichert scheint, dass das Frühlingsheft (mit Undine) zuerst 1811 erschien, die übrigen Hefte wie vorliegend 1812-1814. Eine neue Auflage erschien 1814, bei der aber nur das Frühlingsheft mit dem Hinweis “zweite Auflage” neu gedruckt wurde, dabei fielen die Musikbeilage und der Beitrag Jung-Stillings von 1811 weg. Im gleichen Jahr fasste wohl noch Hitzig als Verleger die Hefte zu einer Buchausgabe mit dem Titelzusatz “Ein Cyclus” statt “Eine Vierteljahresschrift” ohne die Hefttitel zusammen. Am Ende des Jahres (oder erst 1815) verkaufte Hitzig sein Geschäft an Ferdinand Dümmler; im Bestand waren offensichtlich noch genügend Sommer-, Herbst- und Winter-Hefte der ersten Ausgabe, so dass diese 1820 unverändert neu ausgegeben wurden, das Frühlingsheft dagegen einzeln als “Undine. Eine Erzählung. Dritte Auflage” mit Datum und als Reihenheft mit Dümmlers Adresse, aber ohne Auflagenbezeichnung und ohne Datum. Geändert gegenüber dem Druck von 1814 ist hier lediglich die “Zueignung”, jetzt ohne den Zusatz “zur zweiten Auflage” in der Überschrift. Ansonsten entspricht der Text ganz dem des ersten Hefts der Jahreszeiten dieses Jahres bzw. der ersten Einzelausgabe. – Teils etwas stockfleckig, Vorsatz von Band 1 mit handschriftlichem Geschenkvermerk.

Lot 396 Fouqué, Friedrich de la Motte
Undine. Eine Erzählung. Zweite Auflage (das ist: erste Einzelausgabe). Berlin, Hitzig, 1814. 2 Bl., 188 S. 16 x 10 cm. Roter Pappband der Zeit mit goldgeprägtem Rückentitel und etwas Rückenvergoldung (etwas berieben und leicht bestoßen, leicht fleckig). [*]
Result 1200 €
Erste Einzelausgabe. – Das “Rarissimum!” (Carl Georg von Maassen) der deutschen Literatur in einem guten Exemplar. Maassen, “der beste, ja einzig zuverlässige Kenner der deutschen Romantik” (Wolfskehl) schreibt zum Verhältnis der Drucke von 1811 und 1814: “Fouqués Hauptwerk, das entzückende Märchen Undine, erschien als Erstdruck in der von ihm herausgegebenen und allein verfaßten ‘Vierteljahresschrift für romantische Dichtungen’: Die Jahreszeiten (Berlin, bei J. E. Hitzig in vier Heften 1811-1814) als Frühlingsheft. … 1814 wurde das Frühlingsheft neu aufgelegt, gleichzeitig erschien ein Separatdruck davon mit dem Titel ‘Undine. Eine Erzählung’. Diese Ausgabe ist nirgends verzeichnet und allen Bibliographen unbekannt geblieben. Das einzige Exemplar, das bekannt geworden ist, befindet sich in meinem Besitz.” (Maassen, Der grundgescheute Antiquarius, 1966, S. 122). – Gelegentlich leicht stockfleckig, zeitgenössischer Name auf dem Vorsatz “Marie Krieger”.

Lot 397 Friedrich II. von Preußen
Lobrede auf Herrn Jacob Mathäus Reinhart Meister des löbl. Schuster-Gewercks gehalten im 13ten Monate des 2899. Jahres in der Stadt zur Einbildung von Peter Mortier Diacono an der Hauptkirche. Aus dem Französischen. Ohne Ort, (das ist: Berlin), Haude und Spener, 1759. 61 S. 15,8 x 9,5 cm. Halblederband im Stil der Zeit mit Rückenvergoldung. [*]
After-Sale Price 400 €
Erste Ausgabe, erster Druck. – Leithäuser/Knoll 521 – Preuß I, S.49f. – vgl. Droysen 6 – Miscellaneen 521 (Ausgabe in 4° mit 24 S.) – Fromm 28127 (ebenso). – Exemplar des bislang unbekannten, vermutlich ersten, unkorrigierten Druckzustands: im Titel “Mathäus” statt “Matthäus”, Seite 1, Zeile 2 “Betrübnis” statt “Betrübniß”, Zeile 17 “Beweis” statt “Beweiß”; andere Fehler sind in beiden Drucken zu finden (so z.B. Seite 57, Zeile 1 Druckfehler “Jocob”). Darüber hinaus sind zwei verschiedenformatige Drucke der Übersetzung des Panégyrique du Sieur Jacques-Mathieu Reinhart … bekannt, deren Priorität nicht eindeutig ist. Im Catalogus Universalis zur Oster-Messe 1759 ist allein die Oktav-Ausgabe verzeichnet (Seite 1005). Preuß nennt diese zuerst und fährt fort: “… auch auf 24 Quartseiten in deutscher Übersetzung erschienen. – Nach Le Catt ist der ‘Panégyrique du Sieur Reinhart’ im Winterquartier 1758/59 in Breslau vom Könige geschrieben und ihm sammt dem ‘Sermon sur le jugement dernier’ von dem Verfasser überreicht worden. Voltaire spricht schon in seinem Briefe an den König vom 22. März 1759 mit vielem Lobe von dieser scherzhaften Lobrede”. Der Brief Voltaires ist abgedruckt in Kotzebues “Der Freimüthige” (1803, Nr. 38, S. 150), dazu die Anmerkung: “Herausgeber weiß nicht, ob dieser Scherz des großen Königs jemals gedruckt worden ist. So viel kann er aus einer sicheren Quelle angeben, daß der verstorbene Herr Von Catt … diese Lobrede im Manuscript besessen hat.” – Der König schrieb dieses wohl nicht scherzhaft gemeinte Lob des “kleinen” Mannes im dritten Jahr des Krieges, als Preußen nach der Niederlage bei Kunersdorf vor dem Scheitern stand und die Treue der einfachen Soldaten zu dem Wenigen gehörte, worauf Friedrichs Zuversicht sich noch gründen konnte. – Etwas stockfleckig.

Lot 398 Frohberg, Regina (das ist: Rebecca Friedländer, geb. Salomon)
Gustav Sterning – Das Ungewitter. Zwei neue Erzählungen. Mit gestochenem Frontispiz. Wien, Pichler, 1817. 187 S. 17,2 x 11 cm. Pappband der Zeit mit 2 roten Rückenschildern und etwas Rückenvergoldung.
Result 450 €
Seltene erste Ausgabe. – Goedeke X, 212, 91, 6, XII. – Rebecca Friedländer (1783-1850) aus einem wohlhabenden jüdischen Kaufmannshaus stammend, unterhielt in Berlin einen literarischen Salon und war befreundelt mit Rachel Varnhagen. Nach dem Scheitern ihrer mit dem Sohn David Friedländers arrangierten Ehe konvertierte sie 1805 zum evangelischen Glauben und nahm den Namen Saaling an. 1823 siedelte sie nach Wien um und war Teil der aristokratischen Gesellschaft um Fanny von Arnstein und Bernhard von Eskeles. Ihr Neffe Paul Heyse setzte ihr in “Mein Elternhaus” ein wenig schmeichelhaftes Porträt. – Gutes Exemplar.

Lot 399 Fürstenschule – Nicholls, William
Ob die beste Religion sey, keine Religion zu haben. Eine aus dem Englischen übersetzte Schrifft. (Ohne Ort und Verlag), 1740. 8 Bl., 237 S. 17,5 x 11 cm. Halbpergamentband der Zeit (leicht berieben). [*]
After-Sale Price 200 €
Zweite Ausgabe der erstmals 1736 bei Hilscher in Dresden erschienenen zweiten Auflage unter neuem Titel und mit neuem Vorwort, ansonsten aber druckgleich mit der ersten deutschen Ausgabe von “Religion of a Prince” (EA 1704), ebenfalls 1730 bei Hilscher unter dem Titel “Religion eines Fürsten” erschienen und von Carl Gottfried Engelschall übersetzt. – Vgl. Price & Price, Humaniora S. 132 mit dem Vermerk “attributed” zur Ausgabe von 1736. – Vorsatz fehlt, minimal gebräunt.

Lot 400 Gellius, Aulus
Les nuits attiques D’Aulu Gelle, traduites pour la premiere fois; accompagnées d’un commentaire & distribuées dans un nouvel ordre. Par M. l’Abbé de V(erteuil). 3 Bände. Paris, (ohne Verlag), 1789. 17 x 9,5 cm. Halblederbände der Zeit (berieben und bestoßen, Kapitale von Band 1 mit Fehlstellen). [*]
After-Sale Price 200 €
Zweite Ausgabe der Übersetzung von Joseph Douzé de Verteuil, erstmals 1776-1777 erschienen. – Graesse III, 46. – Immer wieder gedruckte Erinnerungen des lateinischen Grammatikers an seinen Aufenthalt in Griechenland, hier in einer frühen französischen Übersetzung. – Nur teilweise leicht gebräunt, Vorsatz von Band 2 mit Wurmspuren.

Lot 401 Görres, Joseph
Altteutsche Volks- und Meisterlieder aus den Handschriften der Heidelberger Bibliothek. Mit 1 Kupfertafel. Frankfurt, Wilmans, 1817. 2 Bl., LXVI S., 1 Bl., 336 S. 20,5 x 12,5 cm. Halblederband (um 1850) mit goldgeprägtem Rückentitel und Rückenvergoldung (etwas berieben, Ecken etwas bestoßen). [*]
After-Sale Price 200 €
Erste Ausgabe. – Goedeke I, S.308 und VI, 205, 24. – Handschriftlicher Namenseintrag auf dem Vorsatz “A.Reichensperger”, das ist August Reichensperger (1808-1895), Jurist und katholischer Politiker, 1848 Abgeordneter der Frankfurter Nationalversammlung, 1850 Mitglied des preußischen Abgeordnetenhauses, wo er die Interessen des katholischen Rheinlands gegen Preußen vertrat. In seinen politischen Ansichten war Reichensperger entscheidend von Görres geprägt, “dessen Einfluß er völlig verfiel … Nicht der große Vorkämpfer für Deutschlands Befreiung und Verfassung, der im innigen Verein mit Männern jeder Glaubensrichtung im Rheinischen Merkur den Großen der Erde in das Gewissen redete, daß sie des Volkes Ehre und Wohl nicht preisgeben sollten den kleinlichen Interessen und den ängstlichen Sorgen des Tages, sondern der seit der Aufhebung des Merkur und vollends seit den Karlsbader Beschlüssen in seinem Vertrauen und seiner Liebe zu Preußen getäuschte und verbitterte Görres der späteren Zeit war das Vorbild und der Lehrer von Reichensperger. Und Reichensperger stand diesem gewaltigen Autor kritiklos gegenüber. Er war ergriffen von der Tiefe dieses Geistes …” (ADB LIII, S.277f.). Nach dem Verbot des Rheinischen Merkur 1816 und vor dem Schritt zu offener Opposition gegen die Karlsbader Beschlüsse 1818/19 und daraus resultierendem Exil und schließlicher Hinwendung zum Katholizismus, ist die vorliegende Sammlung ein letztes Zeugnis von Görres’ romantisch-philologischen Arbeiten, die ihren Anfang 1807 in “Die teutschen Volksbücher” hatten. – Teilweise schwach stockfleckig.

Lot 402 Görres, Joseph
Aphorismen über die Kunst. Als Einleitung zu Aphorismen über Organonomie, Physik, Psychologie und Anthropologie. Koblenz, Lassaulx, Jahr X. 1802. XII, 240 S., 1 Bl. 19,5 x 12,5 cm. Schwarzer Halbmaroquinband im Stil der Zeit mit goldgeprägtem Rückentitel und Rückenvergoldung. [*]
After-Sale Price 200 €
Seltene erste Ausgabe. – Goedeke VI, 204, 5. – Eines der wichtigsten philosophischen Werke des jungen Görres, erschienen in dem Verlag seines Schwagers Lassaulx. Wie aus einem Hinweis zur Titelauflage von 1804 (“An XII”) hervorgeht, hatten “ungünstige Umstände” den Vertrieb des Buches “fast völlig verhindert”. – Nach der Ernüchterung in Folge seines Besuchs in Paris 1799 im Auftrag der Republikaner des Rhein-Mosel-Departements sind die Aphorismen über die Kunst der erste gedruckte Beleg für Görres’ Abkehr von der Idee der politischen Revolution hin zu der Gedankenwelt der Romantiker, “die ihm die von der Französischen Revolution uneingelöst gebliebene geistige und moralische Erneuerung zu verheißen” (K.Günzel, Die deutschen Romantiker, S.99) schien. – Titel etwas fleckig, alter Name am unteren Titelrand, teilweise (meist im weißen Rand) wasserfleckig.

Lot 403 Görres, Joseph
Glauben und Wissen. München, Scherer, 1805. 148 S., 1 Bl. 20,2 x 12,5 cm. Marmorierter Pappband der Zeit mit rotem Rückenschild und etwas Rückenvergoldung (leicht berieben). [*]
Result 200 €
Erste Ausgabe. – Goedeke VI, 204, 9. – “Diese Schrift ist eine merkwürdige Erscheinung. .. (Es) findet sich … neben dem persönlichen Gott die ‘Weltseele’, … Sein Hauptzweck ist aber ‘den Gott Jacobi’s, ‘die Gottheit in dem Identitätssystem’ und ‘den Gott Fichte’s zu vereinigen; im Grunde jedoch ist die Schrift eine ‘verklärte Mythologie’ oder phantasiereiche Vereinigung des Heidenthums mit dem Christenthum.” (ADB IX, S.380). – Aus der Biliothek von “A.Reichensperger”, mit dessen Besitzeintrag auf dem Vorsatz. – Vereinzelt leicht fleckig.

Lot 404 Goethe, Johann Wolfgang von
Herrmann und Dorothea. Neue Ausgabe. Mit 4 kolorierten Kupfertafeln nach Heinrich Christoph Kolbe von Martin Esslinger. Braunschweig, Friedrich Vieweg, 1822. 1 Bl., 239 S. 21,9 x 14,3 cm. Roter Original-Maroquinband mit goldgeprägtem Rückentitel, reicher ornamentaler Rücken- und Deckelvergoldung, Steh- und Innenkantenvergoldung sowie umlaufendem Goldschnitt (Rücken nachgedunkelt, Gelenke und Kapitale stärker berieben, Kapital eingerissen und mit kleinen Fehlstellen, minimal bestoßen). [*]
Result 200 €
Goedeke IV/3, 335 (2u) – Hagen 257. – Kippenberg I, 672: “Dieser Prachtausgabe in typographischer Hinsicht ist gleichzeitig einer der ersten Verlegerliebhabereinbände zuteil geworden.” – Eine von mehreren Einzelausgaben, die aufgrund der großen Beliebtheit des Textes Anfang des 19. Jahrhunderts erschienen sind. – Die großzügige, auf starkes Velinpapier gedruckte Ausgabe besticht durch ihre interessante Typographie und die nur selten kolorierten Kupfer von Carl Wilhelm Kolbe d.J., der als einer der bedeutendsten Vertreter der romantischen Dichtung in der Berliner Malerei gilt. – Exemplar mit dem Vortitel und der Verlagsanzeige am Ende (verso S. 239). – Innengeleke gebrochen und Buchblock gelöst, die ersten drei Blatt lose, durchgehend, teils stärker, stockfleckig.

Lot 405 Goethe, Johann Wolfgang von
West-oestlicher Divan. Mit gestochenem Frontispiz und gestochenem Titel (C. Ermer). Stuttgart, Cotta, 1819. 2 Bl., 556 S. 18,5 x 10,5 cm. Halblederband im Stil der Zeit mit Rückenschild und Rückenvergoldung. [*]
Result 500 €
Erste Ausgabe, mit dem korrigierten Viertelbogen-Karton S.7-10. – Goedeke IV, 3, 492, 110 – Hagen 416 – Borst 1312. – Auf dünnem Velindruckpapier. Wie immer sind die S. 399/400 doppelt gezählt und die S. 495/496 in der Zählung übersprungen. – Goethe hatte den Divan des persischen Dichters Hafez in der Übersetzung von J. Hammer-Purgstall bald nach deren Erscheinen 1814 kennengelernt. Sie gab ihm den Anstoß zu seinem “West-östlichen Divan”. – “Zu der geistigen Anregung durch die Hafis-Lektüre kam das Gefühl körperlicher und geistiger Verjüngung, einer wiederholten Pubertät, die er später als ein Charakteristikum genialer Naturen definierte. Seit der Erstarrung nach F. Schillers Tod im Jahre 1805, da er sein dichterisches Werk als abgeschlossen ansah, empfand er zum erstenmal ein Wiederaufleben seiner schöpferischen Kräfte.” (Killy). – Einige der schönsten Gedichte aus dem Buch Suleika, wie die Lieder an den Ostwind und an den Westwind, stammen von Marianne von Willemer, die Autorschaft der Dichterin wurde jedoch erst 1869 durch eine Veröffentlichung von H. Grimm bekannt. Goethe nahm die Gedichte mit nur geringfügigen Änderungen in den Zyklus auf. – Exlibris “Alexander Schippan” auf dem hinteren Innendeckel; handschriftlicher Besitzeintrag des Orientalisten F(riedrich) A(ugust) Arnold (1812-1869), Professor der orientalischen Sprachen an der Universität Halle, Mitgründer der “Deutschen Morgenländischen Gesellschaft”, auf dem Vorsatz; wohl von dessen Hand einige Marginalien in arabischer Schrift im Text und auf dem Vorsatz, eventuell von anderer Hand Marginalien in Blei auf den Vorsätzen. – Sehr vereinzelt etwas fleckig, einige schwache Bleistiftspuren.

Lot 406 Gozzi, Carlo
Italiens neueste Schaubühne von Karl Gozzi, genannt der Shakespear der Italiäner. Aus dem Italiänischen übersezt von Professor Werthes. 5 Bände. Mit gestochenem Frontispiz. Bern, auf Kosten der typographischen Societät, 1795. 17 x 11 cm. Halbleinenbände (um 1840), mit goldgeprägtem Rückentitel (Stehkanten etwas bestoßen, Deckel etwas berieben). [*]
Result 240 €
Titelauflage der “Theatralischen Werke” von 1777/79. – Vgl. Goedeke IV/1, 6, 673, 18 und V, 227, 7a. – Offensichtlich war das deutschsprachige Publikum (noch) nicht bereit für das in Italien grundstürzende Theater Gozzis. Die erste Ausgabe erschien in Bern bei der “typographischen Gesellschaft” bzw. nach deren Aufspaltung 1778/79, Band 5 bei der “neuen typographischen Gesellschaft”. Diese stellte in den 80er Jahren die Verlagstätigkeit weitgehend ein und nahm sie erst in den frühen 90ern wieder auf. Am Lager hatte sie da u.v.a. auch Gozzis Werke zum Preis von “Rthlr. 5, 20 gr.” (vgl. Anzeige im Intelligenzblatt zur ALZ No.59, Sp.471, 18.Juni 1794: “Folgende Werke besitzen wir in Menge …”). Der Absatz war wohl nicht zufriedenstellend, so dass 1795 die Titelauflage zum reduzierten Preis auf den Markt gebracht wurde (unserem Exemplar ist in Band 1 ein für uns sonst nicht nachweisbares diesbezügliches Blatt beigebunden), jedoch ebenfalls ohne den gewünschten Erfolg. – Schnittfarbe gelegentlich schmal, auf dem Frontispiz etwas deutlicher verlaufen, gelegentlich etwas stockfleckig.

Lot 407 Häcker, Wilhelm Ferdinand
Der Geburts-Feier des Herrn Stadtbuchdruckers Wilhelm Ferd. Häcker von den Mitgliedern Seiner Officin am 7. Februar 1814. Riga, Häcker, 1814. 4 Bl. (das 2. weiß). 25 x 20,5 cm. Dunkelroter Lederband der Zeit mit breiter goldgeprägter Deckelbordüre und goldgeprägter Deckelvignette (etwas fleckig und berieben).
Result 550 €
Auf Seide gedrucktes Gedicht zum 40jährigen Geburtstag von Häcker, wohl ein Unikat. – Häcker (1774-1842) wurde 1789 Lehrling bei J.C.D. Müller, dem damaligen Stadtbuchdrucker von Riga. Nach mehreren Stationen bei Druckereien in St. Petersburg, Dresden, Meißen, Straßburg und Dorpat, kaufte er 1804 die 1777 gegründete Buchdruckerei G. F. Keil in Riga und wurde 1806 Stadtbuchdrucker der Stadt. – Etwas fingerfleckig bzw. gebräunt.

Lot 408 Hagedorn, Friedrich von
Der Wein. Mit einer gestochenen Titelvignette (“v. Montfaucon”). Hamburg, Carl Ernst Bohn 1745. 23 S. 21 x 16,5 cm. – Angebunden: Rost, Johann Christoph. Das Vorspiel. Ein Episches Gedichte auf S.T. Herrn Joh. Christoph Gottscheden Bern, ohne Verlag, 1743. 36 S. – Angebunden: Müller, Gottfried Ephraim oder Jakob Immanuel Pyra. Der Tempel des guten Geschmacks für die Deutschen. Ohne Ort, Verlag und Jahr, 1743. 40 S. Marmorierter Lederband der Zeit mit (neuem) Rückenschild und Rückenvergoldung (Bezugsfehlstelle an der Außenkante des Vorderdeckels fachgerecht ergänzt, Kapital mit schmaler Fehlstelle). [*]
Result 400 €
Zu 1: Seltene erste Ausgabe, anonym erschienen. – Goedeke IV/1, 27, 30 – Münster, Hagedorn 32 – Schoene 2845. – “Wein ist in der Dichtung Hagedorns omnipräsent. Er steht als Symbol der Grenzüberschreitung in poetischer Hinsicht (Inspiration), in anthropologischer Hinsicht (Vergeistigung) und auch in biographischer Hinsicht …” (S.Martus, F.v.Hagedorn, Berlin u.a. 1999, S.491). – “Hagedorn starb an der Wassersucht, die er sich allerdings durch sein unmäßiges Trinken zugezogen hatte” (Lessing). – Kratzspur auf S. 5/6 mit drei kleinen Löchern im Papier, im Bund fast durchgehend ein kleines Loch, zeitgenössischer Besitzeintrag auf dem Titel: “hic liber ad me pertinet. C.Meyer”. – Zu 2: Goedeke IV/1, 20, 5. – “… die Aufführung des von der Neuberin verfaßten Vorspiels ‘Der allerkostbarste Schatz’, in welchem Gottsched als ‘Tadler’ auf der Bühne erschien, gab Rost die Anregung zu einem satirischen Gedichte ‘Das Vorspiel’, zu dessen Ausführung und Vollendung er von den einflußreichen Gegnern des Leipziger Professors angeregt wurde. Zuerst in Handschriften verbreitet, wurde das Vorspiel 1742 gedruckt auf Gottsched’s Veranlassung confiscirt, worauf sich dessen schweizer Widersacher des Gedichtes bemächtigten und 1743 in … Bern wiederholt abdrucken ließen.” (ADB XXIX, S.276). – Die ersten drei Blatt mit kleinem Loch im Bund. – Zu 3: Erste Ausgabe, anonym erschienen. – Nicht bei Goedeke, Holzmann/Bohatta., Meusel etc. – Für den Verfasser dieser äußerst seltenen, Voltaires “Temple de goût” (1733) auf die deutsche Literatur übertragenden “abenteuerlichen Reise … unter Opitz’ Führung” wird meist der Pirnaer Pfarrer G. E. Müller, Schüler Gottscheds, genannt, dessen eher hölzerner Stil so wenig zu dem des Tempel passt, wie die Beurteilung mancher der genannten Dichter in beiden Schriften übereinstimmt. C. D. Ebeling nennt in seiner “Geschichte der deutschen Dichtkunst” (in: Hannoverisches Magazin, 6.Jg., 1769, Sp. 379) mit J. I. Pyra (1715-1744) einen Vertreter der Gottsched-Gegner als Autor, verwechselt den vorliegenden Text offensichtlich auch nicht mit dessen “Tempel der wahren Dichtkunst” von 1737. – Sauber.

Lot 409 Haller, Albrecht von
Versuch Schweizerischer Gedichte. Eilfte vermehrte und verbesserte Auflage. Mit gestochenem Frontispiz, gestochener Titelvignette und 18 gestochenen Textvignetten (B. A. Dunker del. et sc.). Bern, Typographische Gesellschaft, 1777. 8 Bl., 343 (recte 345; wie immer ist zwischen S. 226 und 227 ein unpaginiertes Blatt eingesetzt). 19 x 12 cm. Halblederband der Zeit mit Rückenschild und reicher Rückenvergoldung (leicht berieben). [*]
After-Sale Price 240 €
Ausgabe letzter Hand. – Goedeke IV/I, 24, 2m – Nicolas, Dunker 77 – Lundsgaard 571 – Lonchamp 1379. – Auf Schreibpapier gedruckt. – Insgesamt frisches Exemplar der besseren Ausgabe; es erschien auch eine einfache Ausgabe ohne Vignetten. – Die elfte Auflage des “Versuch” ist eines der schönsten illustrierten Bücher der Schweiz im 18.Jh. überhaupt. – Zuerst 1732 erschienen, wurde die Sammlung immer wieder verändert und erweitert. Von Beginn an enthalten war Hallers epochemachendes Gedicht “Die Alpen”, das “zu den ersten deutschsprachigen Texten eines bürgerlichen Zeitalters (gehört), in denen die Natur zum Gegenstand ästhetischen Genußes wie zum Medium menschlicher Emotionalität wird, …” (KNLL VII, 193), kongenial illustriert durch die “wundervoll zarten” (Lanck./O.) Vignetten Dunkers. – Kleiner alter Wappenstempel auf dem Titel, wenige Lagen leicht gebräunt, gelegentlich etwas fleckig, kleines Loch in dem Titel (Papierfehler). – Gutes Exemplar, dekorativ gebunden.

Lot 410 Harring, Harro
Szaparij und Batthianij. Heldengedicht aus dem Ungarischen Türkenkriege. Mit lithographischer Titelvignette. München, Michaelis und Pest, Wigand, 1828. 54 S., 1 Bl. 13 x 12 cm. Marmorierter Pappband der Zeit (Ecken etwas bestoßen). [*]
Result 280 €
Erste Ausgabe. – Thode 1828, 1 – Goedeke X, 380, 28. – Titel und ein Textblatt mit zeitgenössischem Namensstempel, gering stockfleckig.

Lot 411 Heinse, Johann Jacob Wilhelm
Anastasia und das Schachspiel. Briefe aus Italien vom Verfasser des Ardinghello. 2 Bände in 1 Band. Mit 2 (1 mit Vignette) gestochenen Titeln. Frankfurt, Boselli, 1815. VIII, 231, 279 S., 1 Bl. 17 x 10,5 cm. Pappband der Zeit (Rückenkanten berieben und mit Bezugsfehlstellen, Ecken bestoßen).
After-Sale Price 200 €
Titelauflage der EA von 1803, wie diese anonym erschienen. – Goedeke IV/1, 888, 20 – Schulte-Strathaus 226, 11. – Das Blatt mit den Druckfehlern (S. 279) an das Ende von Band 1 gebunden. – Teilweise leicht gebräunt, Vorsatz mit Besitzeintrag.

Lot 412 Helvetius, Claude Adrien
Discurs über den Geist des Menschen. Aus dem Französischen des Herrn Helvetius (von Johann Gabriel Forkert). Mit einer Vorrede Herrn Joh. Christoph Gottscheds. Leipzig und Liegnitz, Siegert, 1760. 40 Bl., 646 S. 20,5 x 12 cm. Halbpergamentband der Zeit (Deckelbezüge erneuert). [*]
Result 330 €
Erste deutsche Ausgabe. – Fromm 12305 – Mitchell, Gottsched 754 (nur 38 Bl. bzw. 76 S.). – 1758 erschien “De l’esprit” mit einem königlichen Druckprivileg in Paris. Dann widerrief der Staatsrat die Druckerlaubnis und die gesamte Auflage wurde beschlagnahmt. Helvetius wurde zum Widerruf gedrängt und gab nach anfänglichem Widerstreben nach. Er glaubte, intelligente Leser würden ohnehin die Nichtigkeit dieses Widerrufs erkennen. – “Als Discurs … erschien das Werk als bald nach der Verdammung durch die französischen Behörden (1759) …. Die Zensurierung dieser Übertragung war Gottsched zugewiesen worden. Gottsched machte nun geltend, daß er sich in einer Zwangslage befunden hätte. Eine Ablehnung hätte nur die Folge gehabt, daß die Übersetzung des unheilvollen Buches durch Raubdrucke noch größere Verbreitung gefunden hätte. Darum hätte er sich entschlossen, das Werk freizugeben, aber durch ein entgiftendes Vorwort, das er selber verfassen würde, das Ärgernis zu beseitigen. Diese Behauptung ließ sich nun leicht als eine bloße Schutzbehauptung entkräften. … Gottsched (war) in Wahrheit die treibende Kraft der Übersetzung, … er (sah) sie für eine wichtige Erweiterung des Horizontes der Deutschen (an).” (W. Krauss, Das wissenschaftliche Werk, Berlin 1996, Band 3, S.271f.). – Handschriftlicher Besitzeintrag auf dem Vorsatz: “Georg Fein” (Freund Harro Harrings und Heinrich Heines) und “Eckenbrecher”. – Die ersten und letzten Blätter etwas fleckig, sonst nur vereinzelt leicht stockfleckig.

Lot 413 Herder, Johann Gottfried
MAPAN. AOA. Das Buch von der Zukunft des Herrn, des Neuen Testaments Siegel. Riga, Johann Friedrich Hartknoch, 1779. 2 Bl., 346 S., 1 Bl. 19 x 11 cm. Lederband der Zeit mit zwei farbigen Rückenschildern (leicht berieben). [*]
Result 200 €
Erste Ausgabe, anonym erschienen. – Goedeke IV/1, 728, 63 – Schulte-Strathaus 36: “Erschien im September oder Anfang Oktober 1779. Umarbeitung in Prosa des jambischen Gedichtes ‘Johannes Offenbarung’ von 1774, das die Gräfin Maria, Goethe, Lavater, Lenz u.a. im Manuskript lasen.” – Leicht gebräunt, leicht stockfleckig, einige Blatt in der unteren Ecke leicht feuchtrandig.

Lot 414 Herel, Johann Friedrich
Satirae tres. Mit gestochener Titelvignette (J. A. Philippin geb. Sysangin sc.). Altenburg, Richter, 1767. 8 Bl., 160 S. 16 x 9,5 cm. – Angebunden: Derselbe. Drey Satiren aus dem Lateinischen übersetzt (von C. F. Daniel Schubert). Altenburg (das ist: Nürnberg, Bauer), 1767. 135 S. Pappband der Zeit mit Rückenschild (Rückenkanten etwas berieben). [*]
After-Sale Price 200 €
Zu 1: Erste Ausgabe der Erstveröffentlichung des aus Nürnberg gebürtigen Erfurter Philologieprofessors J. F. Herel (1745-1800). – Goedeke IV/1, 48, 1 – Schulte-Strathaus 243, 13 (Anmerkung). – Zu 2: Erste deutsche Ausgabe der Satiresammlung. – Schulte-Strathaus 243, 13 (Schubert). – Beide Titel leicht gebräunt.

Lot 415 Hölderlin, Friedrich
Gedichte. Stuttgart und Tübingen, Cotta, 1826. Titel, 1 Bl. (Inhalt), 226 S., 1 Bl. (Verbesserungen). 17,5 x 10 cm. Ornamental geprägter, türkisfarbener Pappband der Zeit mit Rücken- und Deckelvergoldung (berieben und etwas fleckig, an Ecken und Kapitalen alt restauriert, Vergoldung oxidiert, vorders Gelenk leicht angeplatzt). [*]
Result 3600 €
Erste Ausgabe. – Goedeke VI, 472, 3 – Seebaß S. 13. – Ganz ungewöhnlich in einem Einband, wie er während des Biedermeier für relativ kurze Zeit Mode war; kaum einer dieser äußerst empfindlichen Einbände hat häufigeren Gebrauch unbeschadet überstanden. – Diese erste Sammlung von zuvor nicht oder verstreut in Almanachen gedruckten Gedichten wurde von Uhland und Schwab herausgegeben. Die Ausgabe, lange vor der “Wiederentdeckung” Hölderlins, konnte nicht auf breite Resonanz hoffen. Zwar gab es einzelne Verehrer (Cl. Brentano, A. W. Schlegel und Bettina von Arnim, als Isaac Sinclair ihr einzelne Gedichte vorgelesen hatte: “… Gewiß ist mir doch bei diesem Hölderlin, als müsse eine göttliche Gewalt wie mit Fluten ihn überströmt haben, und zwar die Sprache.”(‘Die Günderode’)), aber “das lyrische Werk Hölderlins, das heute als ein Höhepunkt deutschsprachiger Dichtung gilt, war zu Lebzeiten des Autors kaum bekannt.” (KNLL VII, 924), wo es nicht gar auf völliges Unverständnis traf (“versificirte Radottagen (Faseleien)” nannte ein zeitgenössischer Rezensent die Gedichte Hölderlins). – Etwas stockfleckig, zwei Blatt mit kleinem Feuchtfleck, drei Blatt mit kleinen Tinteflecken, einige leicht radierbare alte Anmerkungen in Blei, Vorsatz mit kleinem Eckabriss.

Lot 416 Hölderlin, Friedrich
Hyperion oder der Eremit in Griechenland. Zweyte Auflage. 2 Teile in 1 Band. Stuttgart und Tübingen, Cotta, 1822. 160, 124 S. 15,6 x 9,5 cm. Halbleinwand (spätes 19. Jh.) (berieben und etwas bestoßen, Rücken fehlt).
Result 500 €
Seltene zweite Ausgabe des Briefromans. – Goedeke V, 471, 1 – Seebaß 13 – Fischer II, 1364. – Titel mit dem Stempel “Museum Tübingen” aus dem späten 19. Jahrhundert. Der hintere Vorsatz mit Leihvermerken (Lesernummer und Datum), wonach das Buch zwischen dem 13.2.1890 und dem 12.8.1908 zwanzigmal ausgegeben wurde. – Sieben Blatt am Anfang mit hinterlegten Randläsuren, teilweise braun bzw. fingerfleckig, Anstreichungen in Tinte und Bleistift, Vorsatz mit alter Nummernsignatur.

Lot 417 Hogarth, William
Zergliederung der Schönheit, die schwankenden Begriffe von dem Geschmack festzusetzen. Aus dem Englischen übersetzt von C(hristlob) Mylius. Verbesserter und vermehrter Abdruck. (Bearbeitet, mit einem Vorwort versehen und herausgegeben von G. E. Lessing). Mit 2 mehrfach gefalteten Kupfertafeln. Berlin und Potsdam, Christian Friedrich Voß, 1754. 14 Bl., VIII, 111 S. 27 x 21 cm. Lederband der Zeit mit Rückenvergoldung (Rücken berieben). [*]
Result 300 €
Zweite deutsche Ausgabe, erste und einzige von Lessing überarbeitete. – Goedeke IV/I, 367, 56 – Seifert 1732 (mit falschem Umfang) – Muncker S. 360 – Thieme/Becker XVII, 298. – Die Übersetzung von Hogarths theoretischem Hauptwerk “Analysis of Beauty”, das bei seinem Erscheinen 1753 “ungeheures Aufsehen” (Thieme/Becker) erregte, ist die letzte Arbeit von Lessings Stiefvetter C.Mylius (1722-1754), “einer der bedeutendsten Wissenschaftsjournalisten der Aufklärung” (Killy). Mylius hatte während einer von A. v. Haller und zahlreichen anderen Gelehrten finanzierten Forschungsreise nach Nordamerika in London Zwischenstation gemacht und bei dieser Gelegenheit u.a. W. Hogarth kennengelernt. Dieser selbst hatte Mylius mit Erläuterungen bei der Übersetzung unterstützt. Lessing kritisiert jedoch, dass Mylius “sich oft in dem Ausdrucke verwirrte, daß er die Worte, weil er ihre wahre Kraft nicht kannte, unnöthig häufte …” u.a.m. Neben dieser sprachlichen Verbesserung hat Lessing aber auch den Inhalt vermehrt durch die erste deutsche Übersetzung der von Mylius nur im Vorwort erwähnten Briefe des Herrn Rouquet an einen seiner Freunde in Paris; worin er ihm die Kupferstiche des Herrn Hogarths erklärt (S.93ff.), die zuerst 1746 französisch erschienen waren und nur hier deutsch gedruckt sind. Mylius, dessen Vorwort London, 11.December 1753 datiert ist, starb plötzlich am 6./7.März 1754. – Die Kupfer (Statuary’s Inn Yard; Country Dance) mit zahlreichen erläuternden Abbildungen in der Umrahmung. – Etwas gebräunt, die beiden Tafeln jeweils mit hinterlegtem Randeinriss.

Lot 418 Homer
Homers Werke von Johann Heinrich Voss. Vier Bände. Mit gestochenem Frontispiz und 3 (1 gefalteten) Karten. Altona, Hammerich, 1793. 21,7 x 13 cm. Halblederbände im Stil der Zeit mit zwei Rückenschildern und Rückenvergoldung. [*]
Result 330 €
Erste Ausgabe (Ilias) bzw. zweite, umgearbeitete Auflage (Odyssee) der Übersetzung. – Goedeke IV, 1069, 21. – Nachdem Homer trotz einiger früher Versuche als unübersetzbar ins Deutsche galt, setzte im letzten Viertel des 18. Jahrhunderts ein “Wettstreit” zwischen F. L. Stolberg, Bürger und Voss um die beste Übersetzung ein. Voss’ Übersetzung der Odyssee erschien zuerst 1781 im Selbstverlag, den endgültigen “Sieg” errang er, verzögert durch die vorliegende Gesamtausgabe der Werke Homers. – Teils etwas stockfleckig, “Welt-Tafel” im Trägerpapier mit Einriss. Dekorativ gebunden.

Lot 419 Horaz (Horatius Flaccus)
Opera. 2 Bände. Mit 2 gestochenen Frontispizen, 2 gestochenen Titeln mit Vignette, 1 gestochenem Porträt, 6 blattgroßen Textkupfern sowie 519 gestochenen Textvignetten. London, Pine, 1733-37. 15 Bl., 264 S.; 11 Bl., 191 S., 7 Bl. 22,6 x 14 cm. Dunkelrote Ganzmaroquinbände signiert: “Relie par Voll à Mannheim”, (um 1850) mit goldgeprägtem Rückentitel, reicher Rücken- und Deckelvergoldung, Steh- und Innenkantenvergoldung sowie dreiseitigem Goldschnitt (minimal berieben, hinterer Deckel von 1 mit 2 kleinen Druckstellen). [*]
Result 800 €
Erster Druck dieser ganz in Kupfer gestochenen Ausgabe, kenntlich am Druckfehler “Post Est” (statt “Potest”) im Medaillon auf S. 108 in Band 2. – Brunet III, 320 – Graesse III, 354 – Cohen-Ricci 497 – Sander 943 – Schweiger I, 408. – “Cette édition, entièrement gravée, est remarquable par l’élégance des ornements, et la correction en est plus exacte qu’on ne le croit généralement.” (Brunet). – Der Londoner Kupferstecher John Pine schuf mit dieser Ausgabe das “erste ganz in Kupfer gestochene Buch in Europa” (Thieme-Becker XVII, 53). – Nur teilweise leicht gebräunt, ein Blatt mit Tafelerklärungen in Band 2 fachmännich angerändert. – Breitrandiges und schönes Exemplar in Meistereinbänden.
First issue of this entirely engraved edition.- 2 vols. With 2 engr. frontispieces, 2 engr. titles with vignette, 1 engr. portrait, 6 full-page text-engravings and 519 engr. vignettes. Contemp. full morocco, richly gilt, a.e.g. – Minor browning in places, one text-leaf restored in margin. – Fine copy.

Lot 420 Ibsen, Henrik
Fünf Werke in erster Ausgabe. 5 Bände. Kopenhagen, Gyldendal, 1882-1896. 17,8 x 11,5 cm. Original-Leinwandbände mit goldgeprägtem Rücken- und Deckeltitel sowie reicher Goldprägung und Ganzgoldschnitt (leicht berieben).
Result 850 €
I. En folkefiende. Skuespil i fem akter. 1882. 2 Bl., 219 S. – Vorderes Innengelenk gelockert, Name auf Titel. – II. Hedda Gabler. Skuespil i fire akter. 1890. 2 Bl., 236 S. – III. Bygmester Solness. Skuespil i tre akter. 1892. 4 Bl., 220 S. – IV. Lille Eyolf. Skuespil i tre akter. 1894. 4 Bl., 184 S. – V. John Gabriel Borkman. Skuespil i fire akter. 1896. 4 Bl., 245 S. – Gute Exemplare.

Lot 421 Il’in, A
Panel’ (Der Bordstein). Mit 24 Phototypie-Tafeln von A. Il’in. Sankt-Petersburg, Photosatz-Druckerei Shtejn und Laptev, 1883. 26 x 20 cm. Lose Blätter im illustrierten Original-Papierumschlag (etwas knickspurig, Rücken eingerissen und mit kleinen Fehlstellen, schwach gestempelt).
After-Sale Price 240 €
Komplett. – Die Autorenschaft ließ sich zwischen Vater und Söhnen nicht genauer ermitteln. – Stellenweise leicht fleckig, etwas gebräunt.

Lot 422 Immermann, Karl
Schriften. 16 in 14 Bänden. Mit einer Musikbeilage (von Felix Mendelssohn-Bartholdy). Düsseldorf, J. G. Schaub, 1835-1843 (Bände 1-11 und 13-14), Hamburg, Hoffmann und Campe, 1840-1843 (Bände 12-14, recte Bände 12, 15 und 16). 16,5 x 10,5 cm. Halblederbände der Zeit mit goldgeprägtem Rückentitel und Rückenvergoldung (teils berieben, an den Kapitalen teils bestoßen, die Einbände von Band 7 und 12*, 12** und 12*** (so hat der Buchbinder das Dilemma gelöst, die Zahlen 13 und 14 eigentlich doppelt vergeben zu müssen) sind neu, entsprechen den übrigen in den verwendeten Stempeln aber exakt. [*]
Result 240 €
Erste Werkausgabe, Bände 8-11 (“Münchhausen”) “Zweite Ausgabe”. – Goedeke VIII, 619, 82 – Katalog Hirschberg S. 41, 63. – Auf dem Vorsatz im ersten Band ist ein eigenhändiger Brief Immermanns an Charlotte Schnaase vom 10.Dez. 38 geklebt (deshalb im Rand gebräunt). Die Frau seines Freundes Karl Schnaase war als “Keim” Mitglied des “Ordens der zwecklosen Gesellschaft”. – Die vollständig sehr seltene, von Immermann (1796-1840) noch selbst begonnene Ausgabe seiner Werke. – “Die einzige für Bibliophile in Betracht kommende Immermann-‘Gesamtausgabe’ begann bei Schaub in Düsseldorf 1835 zu erscheinen und enthielt lediglich Werke, die Verlagsartikel von Schaub selbst und von Hoffmann und Campe (Hamburg) waren. Bis zum elften Band zeichnete Schaub als Verleger; der zwölfte, dreizehnte und vierzehnte Band kam mit dem Nebentitel ‘Memorabilien’ bei Hoffmann und Campe heraus. Da aber Schaub gleichzeitig ebenfalls einen dreizehnten und vierzehnten Band erscheinen ließ, so erkennt man, daß die Bandbezeichnung 13 und 14 bei Hoffmann und Campe auf einem Irrtum beruht. Diese nominell vierzehn, in Wahrheit sechzehnbändige Ausgabe ist heute einfach unfindbar” (Hirschberg, Erinnerungen S. 197). – Die in Düsseldorf erschienenen Bände papierbedingt teils stock- und braunfleckig, Blöcke teils etwas gelockert bzw. verzogen, Exlibris auf den Innendeckeln.

Lot 423 Knigge, Adolph von
Sechs Predigten gegen Despotismus, Dumheit, Aberglauben, Ungerechtigkeit, Untreue und Müssiggang herausgegeben von A. Freyherrn von K****. Mit gestochener Titelvignette. Frankfurt am Mayn, Andreä, 1783. 195 S. 17,6 x 11 cm. Interimsbroschur der Zeit (etwas angerändert und gebräunt, Rückenbezug mit kleinen Bezugsfehlstellen). [*]
Result 440 €
Seltene erste Ausgabe der programmatischen Schrift. – Knigge 11, 01 – Goedeke IV/1, 615, 5 – Knigge-Katalog Wolfenbüttel 126. – Frühe Veröffentlichung von Knigge, die bereits deutlich den Aufklärer zeigt. – Die ersten und letzten Blatt etwas stärker, sonst etwas gebräunt, die unbeschnittenen Ränder leicht angerändert.

Lot 424 Knigge, Adolph von
Ueber Eigennutz und Undank. Ein Gegenstück zu dem Buche: Ueber den Umgang mit Menschen. Leipzig, Friedrich Gotthold Jacobäer, 1796. 438 S., 1 Bl. 17 x 10 cm. Halblederband der Zeit, Rückenschild und Rückenvergoldung (leicht berieben, Ecken etwas bestoßen). [*]
Result 380 €
Erste Ausgabe. – Goedeke IV/1, 617, 31 – Knigge 52, 01. – Knigge (1752-1796) erlebte die Veröffentlichung seines “letzten großen Werks” nicht mehr; nachdem er am 6.Mai 1796 gestorben war, sah sich der Verleger Jacobäer schon im Juni veranlasst, ausdrücklich auf die Authentizität des Buchs hinzuweisen, das ihm der Autor bereits im Dezember 1795 zum Druck überlassen habe (Intelligenzblatt der ALZ, Nr.80, 25.6.1796). Denn wenngleich Knigge sich völlig desillusioniert über die Wirkung seiner aufklärerischen Bemühungen äußerte, war er doch eine solche Berühmtheit, dass nach seinem frühen Tod “seither einige Schriften im Publiko verbreitet …, welche dem nun verewigten Manne fälschlich zugeschrieben wurden …” (ebda). – Papierbedingt leicht gebräunt, leicht stockfleckig. Gutes Exemplar.

Lot 425 Kopisch, August
Gesammelte Werke. 5 Bände. (Hrsg. von C. Bötticher.) Berlin, Weidmann, 1856. 15 x 10,5. Halblederbände der Zeit mit vergoldetem Rückentitel und dekorativer Rückenvergoldung (ein Kapital mit kleinem geklebten Einriss). [*]
Result 330 €
Erste Werkausgabe. – Hirschberg, Taschengeodeke 344. – Vorsätze etwas leimschattig und mit Sammlerstempel. Gutes Exemplar, dekorativ gebunden.

Lot 426 Koran
The Alcoran of Mahomet, translated out off Arabique into French, by the Sieur du Ryer … and newly Englished, for the satisfaction of all that desire to look into the Turkish vanities. London, Taylor, 1688. 10 Bl., 18 S., 16 Bl., 511 S. 18,2 x 11,5 cm. Halblederband der Zeit mit Rückenschild und etwas Rückenvergoldung (etwas berieben, Ecken und Kanten etwas bestoßen). [*]
Result 300 €
Wohl zweite englische Ausgabe, übersetzt von dem schottischen Geistlichen und Übersetzer Alexander Ross. – Graesse IV, 44 (mit dieser Ausgabe) – Matar, Islam in Britain, 1558-1685, S. 80f. – Name auf Innendeckel, Titel hinterlegt und mit Randläsuren, die ersten Blätter im Rand etwas braunfleckig.

Lot 427 Kuriosa
Geheimes Traumbuch oder nützliche Anweisung wie man im Lotto-Spiel gewinnen und sein Glück machen kann. Nebst dem Schlüssel zum Lotto. Gedruckt in diesem Jahr. Venedig, 1783. 32 S. 16,5 x 10,5 cm. Ohne Einband. [*]
Result 650 €
Anonym erschienen. – Vorwort “An das Publikum” des Übersetzers C. F. S. E., auf S. 21 datiert “Venedig, den 1sten May 1783”. – Etwas gebräunt, erste und letzte Blätter mit kleinen Läsuren.

Lot 428 Lessing, Gotthold Ephraim
Hamburgische Dramaturgie. Zwei Bände. Mit zwei gestochenen Titelvignetten (J. W. Meil inv. et sc.). Hamburg, in Commission bey J.H. Cramer, in Bremen, 1768-1769. Titel, 4 Bl. “Ankündigung”, 415 S.; Titel, 410 S. 19,2 x 11,5 cm. Halblederbände (um 1880) mit rotem Rückenschild und Rückenvergoldung (leicht berieben). [*]
Result 300 €
Erste Ausgabe; “Ankündigung” zweiter, sonst erster Druck. – Goedeke IV/1, 404, 103 – Muncker 408 und 416 – Dorn, Meil 232/3). – “Die berühmteste deutschsprachige Sammlung von Rezensionen und dramaturgischen Reflexionen umfaßt den Zeitraum vom 1.Mai bis zum 27.Oktober 1767 (Erster Band) und vom 3.November 1767 bis zum 19.April 1768 (Zweiter Band). … Veröffentlicht wurde das Werk zwischen dem 22. April 1767 und dem 26.März 1769 in bogenweise gedruckten Stücken. Der zeitliche Widerspruch erklärt sich daraus, daß das ‘Hamburgische Nationaltheater’, … Lessings Wirkungsstätte als Dramaturg, am 22.April 1767 mit dem Trauerspiel Olint und Sophronia von J. F. V. Cronegk eröffnet wurde, zu welchem Anlaß Lessing die Ankündigung schrieb. … Das Theater meldete am 3.März 1769 Konkurs an … Lessing verlor sein Vermögen und mußte zur Deckung seiner Schulden seine Bibliothek versteigern lassen.” (HAB Ausstellungs-Katalog 38, S. 125). – Papierbedingt etwas gebräunt, teils etwas stockfleckig, Verfassername handschriftlich alt auf dem zweiten Titel. – Gutes Exemplar, dekorativ gebunden.

Lot 429 Lessing, Gotthold Ephraim
Wie die Alten den Tod gebildet: eine Untersuchung. Mit je 1 gestochenen Titel- und Textvignette und 5 Kupfertafeln. Berlin, Christian Friedrich Voß, 1769. 4 Bl., 87 S. 22,5 x 15,5 cm. Halblederband im Stil der Zeit (um 1900) mit Rückenschild und Rückenvergoldung (Ecken leicht bestoßen). [*]
After-Sale Price 300 €
Erste Ausgabe, Exemplar auf gestreiftem “römischen” Bütten. – Goedeke IV/1, 417, 113 – Muncker 418f. – Rümann 641 – Borst 201. – Die berühmte Schrift hatte ihren ersten Anlass in dem Streit Lessings mit Christian Adolf Klotz, der dessen Laokoon gleich nach Erscheinen positiv rezensiert hatte, was Lessing unkommentiert ließ. Der eitle Klotz polemisierte daraufhin in “Über den Nutzen und Gebrauch der alten geschnittenen Steine” (Altenburg 1768) gegen Lessings Behauptung, dass die alten Künstler den Tod nicht als Skelett dargestellt hätten; Klotz’ Anhänger Dusch verkündete im Reichspostreuter, dieser habe Lessing eines unverzeihlichen Fehlers überführt. Lessing wies die Angriffe in den “Briefen antiquarischen Inhalts” und in der vorliegenden Schrift zurück. – “Trotz des polemischen Anlasses, der Unzulänglichkeit von Lessings künstlerischem Beweismaterial und der für das größere Lesepublikum trockenen Materie gewinnt die Schrift durch ihren klaren, kraftvollen, elegant durchkomponierten Prosastil eine Lebendigkeit der Argumentation, die Goethe begeisterte und Schiller zu den berühmten Versen in ‘Die Götter Griechenlands’ anregte: ‘Damals trat kein gräßliches Gerippe/ Vor das Bett des Sterbenden’.” (KNLL X, 329). – Zweiseitig unbeschnittenes, breitrandiges Exemplar. – Ränder etwas angestaubt, gelegentlich leicht fleckig, die ersten vier Blatt auf einen Steg gesetzt, neueres Exlibris auf dem Innendeckel. Gutes Exemplar.

Lot 430 Lexika – Meyer, Joseph
Das große Conversations-Lexicon für die gebildeten Stände. In Verbindung mit Staatsmännern, Gelehrten, Künstlern und Technikern herausgegeben von J. Meyer. Dieser Encyclopädie des menschlichen Wissens sind beigegeben: die Bildnisse der bedeutendsten Menschen aller Zeiten, die Ansichten der merkwürdigsten Orte, die Pläne der größten Städte, einhundert Karten für alte und neue Erdbeschreibung, für Statistik, Geschichte und Religion etc., und viele tausend Abbildungen naturgeschichtlicher und gewerblicher Gegenstände. 46 Bände und 6 Supplementbände in 52 Bänden. Mit 1777 (von 1832, davon 327 doppelblattgroße, 11 gefaltete, 149 gestochene Karten, davon 122 kolorierte) Stahlstichtafeln sowie zahlreichen Textholzschnitten. Hildburghausen, Bibliographisches Institut, 1840-1855. Je Band 1000 bis 1600 Seiten. 24 x 16 cm. Spätere einheitliche Halblederbände mit Rückenvergoldung und Rückentiteln (etwas berieben).
Result 3000 €
Erste Ausgabe. – Sarkowski, BI 54ff, und Nr.8 – Peche 420 – Zischka 1. – “Nach 5jähriger Vorbereitung erschien am 25.8.1839 die erste Lieferung des 1. Bandes eines Konversationslexikons, dessen Umfang auf 21 Bände geplant war, die doppelt so viele Stichwörter wie Pierer und 30mal so viele wie Brockhaus enthalten … sollten. … Erst 1852 erschien die letzte Lieferung des auf 46 Bände angewachsenen Werkes, dem 1853-1855 noch 6 Supplement-Bände folgten. … Mit diesem Riesenwerk – oft als ‘Wundermeyer’ bezeichnet – war das Fundament für das Bibliographische Institut als einen der großen europäischen Lexikon-Verlage gelegt. In vier Redaktionen zusammengefaßte 120 Schriftsteller teilten sich mit Joseph Meyer die Urheberschaft” (Lenz S. 94). – Die Tafeln mit zahlreichen Ansichten, Karten und Porträts, Darstellungen von Tieren und Pflanzen etc. – In Section 1, Band 5 die 5. Lage (= S. 65-80) nicht beigebunden. – Einige Textblätter und Tafeln mit kleineren Einrissen, wenige Textblätter und Tafeln gelockert oder gelöst, leicht bis mäßig gebräunt oder braunfleckig.

Lot 431 Liber amicorum – Aufsess, Marie von
Album mit 34 meist montierten Zeichnungen, Aquarellen, Lithographien u.a.. Wohl München und Franken, ca. 1850-60. 35 (1 weißes) Bl. Blindgeprägte Leinwand der Zeit mit goldgeprägtem Besitzernamen auf Vorderdeckel (Rücken mit Leinen erneuert, Kanten berieben). [*]
After-Sale Price 300 €
Schönes Album, meist ohne Text, nur mit künstlerischen Spenden aus dem Freundeskreis der Freifrau von Aufsess, bestehend aus 12 Originalen (Zeichnungen in Bleistift oder Tusche, Aquarelle etc.) und 24 Lithographien und Stahlstichen. – Titel in Bleistift mit gotisierender Bordüre, Ansicht der Burg etc. Arbeiten von mehreren Mitgliedern der Familie (mit Ansichten der Burg in Aufsess, Karikaturen zur Hochzeit u.a.), ferner Beiträge von Buirette, Graf Ludwig zu Pappenheim, Herr von Schwarz, Luise von Massenbach, von Gemming, von Dobenek, Franz von Seckendorff, Alexander von Reitzenstein u.a. – Vorsätze erneuert, wenige Beiträge lose, gering fleckig.

Lot 434 Liber amicorum
Studenten-Stammbuch des Johann Eberwein Knoell aus Dillenburg / Herborn. Mit einem ganzseitigen Aquarell und ca. 70 handschriftlichen Eintragungen aus der Zeit zwischen 1750 – 1780. Ca. 150 Bl. 16 x 10 cm. Ganzlederband der Zeit mit reicher Rückenvergoldung (Kanten berieben, Deckel fleckig). [*]
Result 500 €
Die Eintragungen meist in lateinischer Sprache. – J.E. Knoell war in der Zeit von 1769 -1777 Pfarrer in Dillenburg. Die meisten Einträge stammen aus seiner Studienzeit. Die ersten Seiten sind eine Chronik der Ereignisse in Dillenburg. Zehn Seiten sind mit späteren Einträgen aus der Zeit um 1880. Ein Aquarell mit einer Memento Mori Darstellung. Historisch interessant ist die namentliche Auflistung der Studenten der Universität Herborn im Jahr 1767. – Schönes Exemplar.

Lot 435 Livius, Titus
Titi Livii Historiarum quod extat. Cum perpetuis Gronovii et Variorum Notis. 3 Bände. Mit gestochenem Titel in Band 1 und Holzschnitt-Druckermarke als Titelvignette in den Bänden 2 und 3. Amsterdam, Ludwig und Daniel Elzevier, 1664-65. 19,5 x 12,5 cm. Pergamentbände der Zeit mit handschriftlichem Rückenschild (gering fleckig bzw. gebräunt).
Result 200 €
Erste bei Elzevier erschienene Livius-Ausgabe, von Gronovius herausgegeben. Erschien zum Zeitpunkt der Trennung von Ludwig und Daniel Elzevier mit der früheren Datierung (1664) für den 2. und 3. Band. Band 3 nur noch mit Daniel Elzevir als Verleger. – In Band 1 wenige Blätter mit Braunfleck im Rand, sonst gutes Exemplar.

Lot 436 Marana, Giovanni-Paolo
Le nouvel espion turc dans les cours des princes chrétiens, ou lettres et mémoires de divers envoyés secrets de la Porte dans les cours de l’Europe; pour servir de suite et de supplément à l’Espion. La Haye, Nicolas van Daalen, 1748. 2 Bl., VIII, 314 S., 1 Bl. Pappband der Zeit mit handschriftlichem Rückentitel (etwas fleckig).
After-Sale Price 200 €
Anonym erschienen. – Unbeschnitten. – Erste und letzte Blätter gebräunt, gering fleckig.

Lot 437 Mason, William
Der Englische Garten, ein Gedicht. Aus dem Englischen (von Christian Felix Weiße). 4 Bände in 1 Band. Leipzig, Schwickert, 1773-1783. 16 x 10 cm. Brauner Pappband der Zeit mit goldgeprägtem Rückenschild (Deckel mit kleinem Bibliotheks-Aufkleber).
Result 750 €
Erste deutsche Ausgabe. – Price & Price, Literature 153 – Hoefer XXXIV, 145 – vgl. Lowndes 1507. – William Mason (1724-1797) war ein englischer Dichter und Gärtner. – Der Untertitel “ein Gedicht” ist irreführend. Der Text, eine dichterische Hymne an den Garten, ist in Prosa verfasst. – Sehr gut erhaltenes Exemplar der seltenen deutschen Übersetzung, die in einem Zeitraum von 10 Jahren erschien. – Minimal gebräunt.

Lot 438 Moore, Thomas
The poetical works. Collected by himself. 10 Bände. Mit 10 Frontispizes und 10 gestochenen Titeln mit Vignetten. London, Longman u.a., 1840-1841. 16,5 x 10,5 cm. Lederbände der Zeit mit goldgeprägten Rückentiteln und dreiseitigem Goldschnitt (teils leicht aufgehellt, Kanten und Gelenke etwas berieben).
After-Sale Price 200 €
Von dem irischen Dichter, Schriftsteller, Übersetzer und Balladen-Sänger Thomas Moore (irisch Tomás Ua Mórdha, 1779-1852) selbst zusammengestellte Sammlung. – Exlibris. – Gestochene Titel und Frontispize etwas braunfleckig.
10 vols. With 10 engr. frontispieces and 10 engr. title-pages with vignettes. Contemp. full calf, gilt, a.e.g. (slightly faded, edges slightly rubbed). – Exlibris. – Some browning to engravings else a very good copy in attractive bindings.

Lot 439 Moritz, Karl Philipp von
Mythologischer Almanach für Damen. Mit gestochenem Titel und 12 Kupfern in Rot-Braun (Asmus Jakob Carstens del., Daniel Berger sc.). Berlin, Unger, 1792. 1 Bl., 187 S., 1 Bl. 13,5 x 9 cm. Halblederband der Zeit mit rotem Rückenschild (Ecken etwas bestoßen, Vordergelenk angeplatzt). [*]
After-Sale Price 300 €
Erste Ausgabe. – Goedeke V, 491, 16 – Köhring S.15. – Eine der seltensten Schriften von Moritz. Inhaltlich ist der Almanach wenig bekannt. C. G. Lenz (in Nekrolog 1793) schreibt: “Zum Almanach hatte Göthe die Idee und den Plan an die Hand gegeben. Die demselben eingewebten Gedichte zur römischen Liturgie sind auch von Göthe.” – P. A. Hünich wiederholt dies in der Zeitschrift für Bücherfreunde (NF III, 120). Dazu finden wir in der Goethe-Literatur keinen Hinweis. Ebenso wenig bekannt ist, dass die Vorlagen für die Kupfer von Asmus Carstens (1754-1798) stammen, der Moritz um 1790 in Berlin kennengelernt hatte und, von dessen Kunstanschauung stark beeinflusst, Lehrer der “Gypsklasse” an der Akademie wurde. – Für Moritz wie für Carstens waren Gemmen, die zu einem großen Teil später als Fälschungen erkannt wurden, “Dokumente antiker Bildvorstellungen, die für (den) Zweck einer Veranschaulichung antiker Mythologie deswegen besonders gut geeignet …, weil sich in ihnen die Vielfalt der antiken Götterwelt reicher spiegelte als in irgendeiner anderen Gattung der antiken Kunst.” (vgl.: Frank Büttner. A. J. C. und K. Ph. M. S. 95-127, in: Nordelbingen, Band 52). Carstens war jedoch mit den spröden Abbildungen der Götterlehre gar nicht zufrieden. Tatsächlich sind die Kupfer des Almanachs in ihrer Feinheit mit diesen nicht zu vergleichen. – Titelei und die meisten Tafeln mit Feuchtrand, teils etwas stockfleckig.

Lot 440 Müchler, Karl
Gedichte. Zwei Bände. Mit 1 gestochenen Porträt in Punktiermanier, 2 Kupfertiteln mit Vignette, 5 Kupfertafeln und 2 gestochenen Schlussvignetten. Berlin, Wilhelm Oehmigke, 1801. IV, 192 S.; VIII, 208 S. 18,5 x 10,5 cm. Dunkelgrüne Halblederbände der Zeit mit 2 farbigen Rückenschilden und reicher Rückenvergoldung sowie Ganzgoldschnitt (Kanten etwas beschabt, Ecken etwas bestoßen, leicht berieben). [*]
Result 240 €
Erste Ausgabe. – Goedeke VI, 376, 22 – Lanckoronska/Oehler III, 133 – Rümann 770. – Vorzugsausgabe auf starkem, cremefarbigen Velin. – Aus der Bibliothek F. G. Miller (vgl. Braecklein Katalog 71, Sammlung F. G. Miller I,504). – Die Normalausgabe hatte keine Kupfer; bereits 1803 erschien eine zweite Auflage. Damals schrieb der Rezensent der NadB u.a.: “Seine Muse ist eine Schöne, die mit Sorgfalt, aber ohne großen Aufwand von Kunst, Jedem verständlich und angenehm singt, was zwar so Manche schon sangen; was aber in neuen Tönen immer neu anziehend.” (Band 79, S. 68ff.). – Sehr gutes Exemplar.

Lot 441 Mumiendruck – Seyppel, Carl Maria
Neue Enthüllungen aus dem alten Babylon (Deckeltitel). Mit 19 Original-Zeichnungen. Ohne Ort, ca. 1890. 16,5 x 28 cm. Original-Lederband mit geprägtem Deckeltitel, 2 längeren Kordelschließen und 2 Messingknöpfen (Deckel stärker berieben, Rücken mit Leinenstreifen verstärkt, vorderes Gelenk angeplatzt). [*]
Result 550 €
Pseudo-Mumiendruck. – Unikat. – Zwölf einzelne Schwarzweiß-Federzeichnungen auf den Kartonblättern montiert, eine Bleistiftskize und eine Folge von sechs Blatt mit Federzeichnungen in Rot und Schwarz mit dem Titel: “Türkisches Trinklied. Der Muhammed, der schlaue Mann, lag lange auf dem Rücken und sann…”. – Dreißig Kartonblätter vakat. – Papierbedingt etwas gebräunt.

Lot 442 Oehlenschläger, Adam
Schriften. Zum erstenmale gesammelt als Ausgabe letzter Hand. 18 Bände in 9 Bänden. Breslau, Joseph Max und Komp., 1829-1830. 14,5 x 12 cm. Halblederbände der Zeit mit goldgeprägtem Rückentitel und Rückenvergoldung (leicht berieben, Ecken etwas bestoßen). [*]
Result 300 €
Erste Werkausgabe. – Goedeke VI, 170, 29 – vgl. KNLL XII, 619-630). – Während Oehlenschläger (1779-1850) in seiner Heimat heute als “Dichterfürst” verehrt wird, als Begründer der dänischen Romantik und als Verfasser der Nationalhymne, ist er in Deutschland weitgehend vergessen, obwohl er zu seiner Zeit auch hier höchstes Ansehen genoss. Steffens, Schleiermacher, Goethe, Madame de Stael, die Brüder Schlegel und Tieck zollten ihm Respekt. Ein lebenslanger Bewunderer war Heine, der seine Tragödien nebst einem lyrischen Intermezzo (1823) im Stile Oehlenschlägers verfasste. – Teils stockfleckig, späterer Namenstempel “Helge Nielsen” auf dem Vorsatz. – Dekorativ gebunden. – Beigegeben: Derselbe. Kierlighed uden Stromper. Kopenhagen, Thiele, 1826. Titel, 75 S. Pappband der Zeit (bestoßen). – Vorsatz mit hanschriftlicher Widmung von Oehlenschläger. – Gebräunt.

Lot 443 Pannasch, Anton
Erinnerung an Italien in Briefen und vermischte Gedichte. Wien, Heubner, 1826. 2 Bl., 260 S., 1 Bl. 17 x 10,5 cm. Halblederband der Zeit mit 2 farbigen Rückenschildern und -vergoldung (wenig berieben).
Result 240 €
Erste Ausgabe. – Anton von Pannasch (1789 Brüssel-1855 Wien), österreichischer Militär und Schriftsteller, nahm an den Feldzügen in Polen sowie an den Befreiungskriegen 1813 und 1814 teil. Danach beschäftigte er sich hauptsächlich als Militärschriftsteller. – Stellenweise gebräunt bzw. fleckig.

Lot 444 Philosophie und Pädagogik – Bacon, Francis
The Works of Francis Bacon, Baron of Verulam, Viscount St. Alban, and Lord High Chancellor of England. 10 Bände. Mit gestochenem Porträt-Frontispiz und 2 mehrfach gefalteten Tabellen. London, Rivington, 1819. 22 x 14 cm. Spätere braune Halblederbände mit Rückenvergoldung und goldgeprägtem Rückentitel.
After-Sale Price 200 €
Bände 1-6 auf Englisch und Bände 7-10 auf Latein. – Titelblätter teils leicht braunfleckig, sonst gut erhalten und sauber.
10 vols (1-6 in English, 7-10 in Latin). With engr. portrait-frontispiece und 2 fold. plates. Later brown half calf, gilt. – Slight browning to title-pages. A very good set.

Lot 445 Philosophie und Pädagogik – Descartes, Rene
Opera philosophica. Editio quinta. Nunc demum hac editione diligenter recognita, & mendis expurgata. 3 Teile in 1 Band. Mit blattgroßem gestochenen Porträt und ca. 140 Textholzschnitten. Amsterdam, Daniel Elzevir, 1672. – Angebunden: Derselbe. Meditationes De prima philosophia, in quibus dei existentia, & animae humanae à corpore distinctio, demonstrantur. Editio ultima prioribus auctior & emendatior. 3 Teile. Amsterdam, Daniel Elzevir, 1678. 20 x 16 cm. Neuerer Ledereinband mit goldgeprägtem Rückentitel unter Verwendung alter, blindgeprägter Deckel (diese stärker berieben und bestoßen, Ecken mit kleineren Bezugsfehlstellen). [*]
Result 300 €
Guibert 231 – Willems 1469. – Die fünfte Ausgabe der “Opera philosophica”, “receuils collectifs factices, composés d’ouvrages séparés, auxquels on a ajouté un titre générale” (Guibert). – Enthält nach dem Gesamttitel und Descartes’ Porträt, die “Principia philosophiæ” (Guibert 130, 14), die “Specimina philosophiæ” (Guibert 108, 6) und die “Passiones animæ” (Guibert 166, 17). – II. Zu den angebundenen “Meditationes” vgl. Guibert 61, 12 – Willems 1545. – Die letzte von fünf bei Elzevir herausgegebenen Quartausgaben enthält nach den eigentlichen “Meditationes” und deren “Appendix” die “Epistola” an Gisbert Voet (abweichend zu Guibert). – Vorsätze erneuert, Gelenke angeplatzt, die ersten Blatt stärker gebräunt, wasserrandig und mit kleinen Randläsuren, teils etwas angerändert, zwei Blatt mit Randeinrissen.

Lot 446 Philosophie und Pädagogik – Erhard, Johann Benjamin
Ueber die Einrichtung und den Zweck der höhern Lehranstalten. Berlin, Braun, 1802. X Bl., 278 S., 1 Bl. 19,5 x 12,5 cm. Halbleinwand (um 1900) mit goldgeprägtem Rückentitel.
Result 280 €
Erste Ausgabe. – Seltene Abhandlung des Berliner Arztes und politischen Philosophen Johann Benjamin Erhard (1766-1827), der vor allem durch sein Werk “Ueber das Recht des Volks zu einer Revolution” (1795) bekannt ist. Er verkehrte in Berlin im Kreis der Rahel Varnhagen. – Titel mit zwei alten Stempeln, teilweise etwas stockfleckig.

Lot 447 Philosophie und Pädagogik – Hahn, Karl
Anleitung für Landschullehrer, auf eine leichte, den Geist bildende Art die Kinder zum Lesen zu führen. Münster, Coppenrath, 1820. 40 S. 17,2 x 10 cm. Marmorierter Pappband der Zeit.
Result 330 €
Erste Ausgabe die wir über KVK nur in zwei deutschen Bibliotheken (Hannover und München) nachweisen können. – Vgl. Wegehaupt 873 (5. Auflage mit abweichendem Titel). – Titelzusatz: “In Verbindung mit einer Fibel, welche auch besonders verkauft wird.”

Lot 448 Philosophie und Pädagogik – Hemsterhuis, Frans
Vermischte philosophische Schriften. Aus dem Französischen übersetzt (von Christian Friedrich Blankenburg und Karl Theodor von Dalberg (Band 3).) Teile 1 und 3 (von 3) in 2 Bänden. Mit 2 gefalteten Kupfertafeln und 1 gefalteten lithographischen Tafel. Leipzig, Weidmanns Erben und Reich, 1782-1797. 3 Bl., 324 S., XII, 260 S. 16,5 x 9,5 cm. Marmorierte Pappbände der Zeit (berieben).
Result 300 €
Erste Ausgabe der ersten deutschen Übersetzung. – Fromm 12318 – Graesse III, 239 – Ziegenfuß I, 505. – Ohne Band 2, jedoch mit dem meist fehlenden, erst 15 Jahre später erschienenen Band 3, mit der lithographischen Tafel. – Titel mit altem Stempel einer Adelsbibliothek, nur teilweise leicht gebräunt.

Lot 449 Philosophie und Pädagogik – Montesquieu, Ch.-L. de Secondat
De l’esprit des loix, ou du rapport que les Loix doivent avoir avec la Constitution de chaque Gouvernement, les Moeurs, le Climat, la Religion, le Commerce, &c. Nouvelle edition. Corrigée par l’Auteur. 3 Bände. Genf, Barrillot & Fils, 1749. 19,5 x 12 cm. Ganzlederbände der Zeit mit rotem Rückenschild und reicher Rückenvergoldung (etwas berieben, 3 Kapitale mit schmalen Fehlstellen, Ecken teilweise etwas bestoßen). [*]
Result 380 €
Seltene Ausgabe des erstmals im Vorjahr im selben Verlag erschienenen Werks, anonym erschienen. – Vgl. Cioranescu 460,464ff. und Tchemerzine VIII, 459ff. – “In vieler Hinsicht eines der bemerkenswertesten Bücher des 18. Jhdts.” (PMM 197). – Nur teilweise leicht braunfleckig. – Gutes Exemplar, dekorativ gebunden.
3 vols. Contemp. full calf, richly gilt (upper spine-ends with minor blemishes, corners bumped). – Minor browning. – Decoratively bound.

Lot 450 Philosophie und Pädagogik – Popper, Josef
Das Recht zu leben und die Pflicht zu sterben. Socialphilosophische Betrachtungen, anknüpfend an die Bedeutung Voltaire’s für die neuere Zeit. Zu seinem 100. Todestage (30. Mai. 1878). Leipzig, Koschny, 1878. 137 S., 1 Bl. 22,5 x 15 cm. Halbleinwand der Zeit (Kanten berieben). [*]
Result 330 €
Erste Ausgabe der ersten Veröffentlichung. – Mit handschriftlicher Widmung des Verfassers an Ernst Mach im oberen Titelrand (etwas knapp beschnitten). Mit Machs Namensstempel im unteren Titelrand. – Wenige Blätter mit Braunfleck in oberer Ecke, einige Randanstreichungen in Bleistift, leicht gebräunt.

Lot 451 Philosophie und Pädagogik
The preceptor: containing a general course of education. Wherein the first principles of polite learning are laid down in a way most suitable for trying the genius, and advancing the instruction of youth. In twelve parts. Illustrated with maps and useful cuts. 2 Bände. Mit 2 gestochenen Frontispizes und 33 (davon 6 kolorierten Karten) gefalteten Kupfertafeln. London, J. Dodsley, 1748. Titel, XXXI, 384 S.; Titel, 556 S., 1 Bl. 21 x 13 cm. Lederbände der Zeit mit Rückenvergoldung sowie goldgeprägten Deckel- und Stehkantenfileten (berieben und etwas beschabt, Gelenke teilweise angeplatzt, Kapitale mit schmalen Fehlstellen). [*]
Result 240 €
Erste von zahlreichen Ausgaben dieses von Robert Dodsley zusammengestellten Kompendiums der Pädagogik des 18. Jahrhunderts. – Mit einem Vorwort von Samuel Johnson und dessen Text “The Vision of Theodore” am Ende von Band 2. – Wenige Tafeln etwas knickspurig bzw. etwas angerändert.

Lot 452 Philosophie und Pädagogik – Schelling, Friedrich Wilhelm Josef von
Sämtliche Werke. Erste Abteilung (Bände 1-10) und zweite Abteilung (Bände 1-4). Zusammen 14 Bände. Mit 1 lithographischen Frontispiz und 1 doppelblattgroßen Schrifttafel. Stuttgart und Augsburg, Cotta, 1856-1861. Moderne Leinwand mit Rückenschild.
Result 300 €
Schneeberger 1-14. – Seltene erste und bis heute einzige Gesamtausgabe, die von seinem Sohn K.F.A. Schelling herausgegeben wurde. – Ein Band mit Besitzvermerk, teils mit schwachem Stempel auf Titel, vereinzelt mit schwachem Wasserrand bzw. Stauchspur in der oberen Ecke, stellenweise etwas braunfleckig.

Lot 453 Philosophie und Pädagogik – Schelling, Friedrich Wilhelm Josef von
Zeitschrift für spekulative Physik. 4 Hefte in 2 Bänden (alles Erschienene). Jena und Leipzig, Gabler, 1800-1801. 19,3 x 11 cm. Halblederbände der Zeit mit 2 farbigen Rückenschildern und Rückenvergoldung (etwas berieben, Ecken etwas bestoßen). [*]
Result 500 €
Erste Ausgabe. – Schneeberger 60-63 – Jost 62-63 – Diesch 469 – Kirchner 587. – Für ein Werk dieser Art eines Vertreters der frühen Romantik recht aufwendig gebunden und wohlerhalten. – “Diese Zeitschrift fällt in die produktiven Jahre Jahre seiner (Schellings) Jenaer Lehrtätigkeit, in denen er 1798/9 zum ersten Male die Naturphilosophie als Vorlesung vortrug. Die Zeitschrift sollte seine Philosophie in weitere Kreise tragen … (Sie) enthält einige bedeutende Aufsätze Schellings …. In dieser Zeitschrift … sind auch jene unerfreulichen Streitigkeiten zum Austrag gekommen, die er im Bunde mit Steffens und A. W. Schlegel gegen die anmaßende Autorität der Allgemeinen Literatur Zeitung … führte. Der Streit beginnt bereits im ersten Heft …” (Kirchner, Zeitschriftenwesen S.206f.). “Unsere jetzige Philosophie scheint die Natur des mythischen Saturns angenommen zu haben; sie verschlingt ihre eignen Kinder … mit einer unbegreiflichen Schnelligkeit. Kaum ist ein neues System zu Tage gefördert: so wird es von einem neuesten, und dieses sehr bald von einem allerneuesten schon wieder vernichtet. Es wäre zu wünschen, daß diese saturnische Gefräßigkeit durch irgend einen mächtigen Einfluß auf eine Zeitlang könnte gehemmt werden, damit die Zuschauer, die von dem zu raschen Drehen des philosophischen Revolutionsrades schwindlich werden, zur Besinnung kommen könnten.” (ALZ 1802, S.77). – Der jeweils erste Hefttitel ist nicht eingebunden. – Etwas stockfleckig.

Lot 454 Philosophie und Pädagogik – Schlosser, Johann Georg
Schreiben an einen jungen Mann, der Philosophie studieren wollte. Lübeck und Leipzig, Friedrich Bohn und Compagnie, 1797 (recte: 1796). VI, 168 S., 1 Bl. (“Druckfehler”). – Angebunden: Derselbe. Zweites Schreiben …, veranlaßt durch den angehängten Aufsatz des Herrn Professor Kant über den Philosophen-Frieden. Ebda, 1798. 167 S. 16,5 x 10 cm. Halblederband der Zeit mit rotem Rückenschild und Rückenvergoldung (Ecken etwas bestoßen). [*]
Result 500 €
Erste Ausgaben. – Goedeke IV/1, 518, 64 bzw. 67 – Warda 161 bzw.164 – Adickes 1511 bzw. 1512 – Ruppert, Goethes Bibliothek 3122 bzw. 3123 – Ausstellungs-Katalog, Schlosser, Karlsruhe S. 288f. – Die Schreiben bilden den polemischen Höhepunkt der kontroversen Diskussion, die sich an Kants “vernunftlastiger, gegen die Religion gerichteter” Philosophie entzündete, neben der Französischen Revolution eines der großen Themen jener Jahre. Für Schlosser bildete Kants Morallehre “den nur notdürftigen Annex einer chimärisch-weltlosen Erkenntnistheorie, die vor der Notwendigkeit versagen mußte, die Welt ‘glücklicher’ und ‘besser’ zu machen.” (W.Kühlmann). Kant hatte auf Schlossers Angriffe in den Anmerkungen zu “Plato’s Briefe” (1795) mit dem Aufsatz “Von einem neuerdings erhobenen vornehmen Ton in der Philosophie” in der Berlinischen Monatsschrift (Mai 1796) reagiert, der im ersten Schreiben als Anhang gedruckt ist. Vielleicht bewirkte die geistige Umgebung Stolberg, Jacobi in Eutin, wo Schlosser von 1796 bis 1798 lebte, daß er sich zur “Speerspitze gegen den ‘Kantischen Unfug'” (Katalog Karlsruhe) berufen fühlte und dabei auch unsachliche und persönliche Attacken nicht scheute. Kant antwortete auf das Schreiben wiederum voller Ironie in der Berlinischen Monatsschrift (Dezember 1796) mit der Verkündigung des nahen Abschlusses eines “Traktats zum ewigen Frieden in der Philosophie” (als II. Anhang auch abgedruckt im zweiten Schreiben), in der er Schlosser “blosze Unkunde” bescheinigt. Auf die noch einmal gesteigerte Polemik im zweiten Schreiben antwortete Kant nicht mehr. – Frisches, fleckfreies Exemplar auf meist dünnem Schreibpapier.

Lot 455 Philosophie und Pädagogik – Wuntschli, B. G. (das ist: Karl Friedrich Wilhelm Wander)
Pädagogische Briefe vom Rhein an den Verfasser der Volksschule als Staatsanstalt. Mannheim, Hoff, 1845. 330 S., 3 Bl. 16,7 x 11 cm. Halbleinwand der Zeit (etwas berieben).
Result 200 €
Erste Ausgabe. – Der Pädagoge und Germanist Karl Friedrich Wilhelm Wander (1803-1879) war an verschiedenen Orten als Hilfslehrer tätig, “ehe er 1827 an die evangelische Stadtschule in Hirschberg wechselte. Dort praktizierte er die pestalozzischen Ideen in seinem Mutterspracheunterricht. Außerdem setzte er sich für die Lehreremanzipation ein. Seine freiheitliche, manchmal als kommunistisch bezeichnete Einstellung führte oft zu Reibereien mit seinen Vorgesetzten. Dies führte 1845 zu einer Hausdurchsuchung und zur Amtsenthebung. 1847 wurde er nach einem Freispruch zwar wieder eingesetzt, nach der Märzrevolution 1848 musste er 1849 den Lehrerberuf aber endgültig aufgeben. Er wurde als “Aufwiegler und Verführer zu Aufruhr und Rebellion” entlassen” (Wikipedia). – Der Verfasser der “Volkksschule als Staatsanstalt” (1842) war Wander selbst. – Gebräunt.

Lot 456 Prehn, Martin
Die Entstehung der Artillerie. Zur Feier des Geburtstags Sr. Majestät unsers erhabenen Königs am 15. October 1857 allen braven Artilleristen gewidmet. Berlin, Schade, 1857. 16 S. 20,5 x 12,5 cm. Seidenbezogener Pappband der Zeit mit Ganzgoldschnitt (etwas fleckig).
Result 330 €
Wohl erste Veröffentlichung des deutschen Ingenieurs Martin Prehn (1831-1899), der ab 1864 verschiedene technische Bücher über die Artillerie veröffentlichte. Von 1873 bis 1894 war Martin Prehn Vorsteher des Firmenschießplatzes von Krupp in Meppen. – Das anonym erschienene Huldigungsgedicht (“Nach Schillers: Das Eleusische Fest”) enthält auf dem Vorsatz eine 7-zeilige Widmung, in der sich Prehn als Verfasser zu erkennen gibt. – Kein Nachweis über KVK. – Etwas stockfleckig.

Lot 457 Recke, Elisa von der und Sophie Schwartz
Elisens und Sophiens Gedichte. (Herausgegeben von Joh. Ludw. Schwartz). Mit 1 Titelvignette in Farbstich in Punktiermanier (E. Henne del. et sc., Puhlmann imp.). Berlin, Friedrich Vieweg, dem älteren, 1790. 5 Bl., 280 (recte 278) S. 19 x 11,5 cm. Prachtvoller roter Ganzmaroquinband im Stil der Zeit mit goldgeprägtem Rückentitel, reicher Rückenvergoldung und goldgeprägten ornamentalen Deckelfileten. [*]
Result 750 €
Einzige Ausgabe. – Goedeke V, 456, 5 (Elisa von der Recke) und V, 418, 63, 1 (Sophie Schwartz) – Vieweg-Verlagskatalog S. 288 (ohne diese Vorzugsausgabe). – Exemplar auf bestem Papier einer Vorzugsausgabe außerhalb des Handels, bei der die Titelvignette nicht als herkömmlicher Kupferstich, sondern im sehr viel anspruchsvolleren und selten verwendeten Farbstich eingedruckt wurde. – Neben dem vorliegenden Exemplar der Gedichtsammlung können wir nur ein weiteres in dieser Ausstattung nachweisen (Duke UL, Jantz-Collection). – Bei den im Titel genannten Frauen handelt es sich um die Freundinnen Elisa von der Recke und Sophie Schwartz, die 1789 im Kindbett gestorbene Frau des Herausgebers. Lange zuvor geplant wurde die Sammlung so zu einem Denkmal der Freundschaft mit Gedichten von Gleim, Klamer Schmidt, A. L. Karschin u.a. “Im literarischen Kontext des 18. Jahrhunderts, in dem ein reges Interesse für Anthologien zu beobachten ist, nimmt die Sammlung ‘Elisens und Sophiens Gedichte’ (1790) eine besondere Stellung ein. Die aus dem Halberstädter Freundeszirkel um Johann Wilhelm Ludwig Gleim hervorgegangene Sammlung … erweist sich bei näherer Betrachtung als ein Werk, das dem Ideal der empfindsamen Freundschaft entspringt und die freundschaftlichen Beziehungen eines gemischten Freundeskreises verewigen soll.” (V. Leyh, Literarische Blütenlesen oder Blumen der Freundschaft weihen? In: German Life and Letters, Heft 70, 2017). – Vereinzelt leicht stockfleckig.

Lot 458 Sallet, Friedrich von
Contraste und Paradoxen. Eine Novelle. Breslau, Schulz, 1845. Titel, XX, 336 S. 14,5 x 9 cm. Blindgeprägte Leinwand der Zeit mit goldgeprägtem Rückentitel. [*]
Result 240 €
Erste Ausgabe, posthum erschienen. – Brieger 2027 – Brümmer VI, 106 (datiert falsch: 1838) – Killy X, 120: “Im selben Jahr (1838) entstand die Erzählung ‘Contraste und Paradoxen’ (posthum Breslau 1845), die eine entscheidende Zäsur in S.s. Werk markiert. Als Produkt des Übergangs bewahrt sie noch romant. Ideengut u. romant. Poetologie, weist gleichzeitig aber auch schon die Idee von der Poesie als autonomen Wert u. Moment einer universalen Erlösung … zurück u. verbindet diese Absage mit der Vorstellung eines handlungsgeleiteten Wirkens in der Welt.” – Nur teilweise minimal gebräunt.

Lot 459 Satire – Despériers, Bonaventure
Cymbalum mundi ou Dialogues satiriques sur differens sujets. Mit gestochenem Frontispiz, gestochener Titelvignette, 4 gestochenen Tafeln und 1 blattgroßen Textkupfer von Picart. Amsterdam (das ist: Paris), Prosper Marchand, 1732. 2 Bl., XXX, 243 S., 2 Bl. 15 x 8,5 cm. Roter Ganzmaroquinband, um 1850, signiert: “Petit Succ(esseur) de Simier”, mit goldgeprägtem Rückentitel, reicher Rückenvergoldung, goldgeprägten Deckelfileten mit Eckfleurons, Steh- und Innenkantenvergoldung sowie Ganzgoldoldschnitt. [*]
After-Sale Price 300 €
Brunet II, 644 – Cohen/Ricci 300 – Tchemerzine II, 855 c – Sander 470. – Tatsächlich nicht die zweite Amsterdamer Ausgabe (die erste ist von 1711 und wirklich von Marchand), sondern eine Pariser Ausgabe von La Monnoye, was im Vorwort erwähnt wird mit dem Zusatz, man hätte sich textlich an die Erstausgabe von 1537 gehalten. – Allerdings wurden die Tafeln der Ausgabe von 1711 übernommen; Seite 68 mit einer Nachbildung des Titels der Ausgabe von 1537. – Des Périers erregte im 16. Jh. mit seinen vier satirischen freigeistigen Dialogen sowohl bei Protestanten als auch Katholiken Anstoß. – Mit dem gestochenen Exlibris “Hilarii Grésy” (Hilaire Grèsy), dessen exquisite Sammlung 1869 verauktioniert wurde. Vorliegendes Exemplar ist die Nr. 334 des Auktionskataloges (Catalogue de vente des livres de Hilaire Grèsy, du 14 à 15 mai 1869). – Tadelloses, aufwendig gebundenes Exemplar.

Lot 460 Satire – Dunker, Balthasar Anton
Ein Intermezzo mit einigen Vignetten von B. A. D. Mit gestochenem Titel mit Vignette und 6 gestochenen Kopf- und Schlussvignetten von und nach Dunker. Bern, Walthard und Baudard, 1785. XII, 84 S. 19,8 x 12 cm. Neuerer Pappband mit rotem Rückenschild. [*]
Result 550 €
Seltene erste Ausgabe, anonym erschienen. Erschien auch als Band 3 der “Schriften”. – Hayn-Gotendorf IV, 322 – vgl. Goedeke XII, 99, 2 und Brieger 399. – Enthält neben anderen Satiren und Gedichten als wichtigstes (dazu vier der herrlichen Vignetten) den pseudonymen “Dr. Luther auf’m Abtritt. Ein Geniestreich von Pater Ignatius Rivero.” – “Seinen literarischen Höhepunkt erreichte der Künstler in der vorzüglich dramatisierten Satire ‘Dr. Luther …”, die im 3. Bändchen der Schriften, das unter dem Titel ‘Intermezzo’ erschien, enthalten ist. Das sehr derbe, aber außergewöhnlich geistreiche Stück ist von eigentümlich grotesker Spukhaftigkeit, die auch in den Vignetten vibriert” (Lanckorosnka/Oehler). – Unbeschnittenes, breitrandiges Exemplar. – Titel etwas tintenfleckig, teilweise minimal gebräunt.

Lot 461 Satire – Swift, Jonathan (?)
Erhabene Erlaubte und vernünfftige Mittel, wie halbgelehrte Leuthe in der Welt, Ehr, Reichthum, gute Tage, und Dienste erlangen können. Denen Schmachtenden zum Hertz-Erquickenden Trost aus allerley Sprachen und Staats-Büchern treulich in die Hand gegeben und mit wahrhafften Exempeln und Historien erläutert von Hermelini. (Vortitel)/ Des Herrn Swifft Grand Misteré oder das grosse Geheimniß und die Kunst-Betrachtungen über dem Abtritt anzustellen. (Haupttitel). (Ohne Ort und Verlag), 1748. 4 Bl., 150 S. 18 x 10,5 cm. Halblederband im Stil der Zeit mit rotem Rückenschild und etwas Rückenvergoldung. [*]
Result 380 €
Sehr seltene erste Ausgabe. – Price & Price, Literature S.231, 1033 (“attributed”) – Hayn-Gotendorf VII, 496 – nicht bei Teerink, Swift. – In Bibliothekskatalogen und Bibliographien wird das Buch unter Swift gelistet. Tatsächlich endet der Text “Grand misteré” (das zugeschriebene Original Grand mystery erschien 1726), so er denn tatsächlich von dem berühmten englischen Autor stammt, auf S.27. Bei dem Rest handelt es sich zweifellos nicht um eine Übersetzung aus welcher Sprache auch immer, sondern eindeutig um das Produkt eines deutschen Autors, dessen Pseudonym “Hermelini” nicht aufgelöst ist. Diesem lag vermutlich die französische Ausgabe La Haye, van Duren 1729 von Swifts Text vor, dem ein weiterer von Le Sage folgte (“Pensées hazardées sur les études…”). Unser Autor hat daraus die Kunst-Betrachtungen über dem Abtritt neu übersetzt (eine andere Übersetzung nur dieses Teils “Das in Menschenkoth gefundene Gold” erschien 1731) und sich wohl in der Aufteilung des folgenden Textes von dem des Le Sage inspirieren lassen. Es handelt sich dabei um eine scharfe Satire, eine noch immer aktuelle Anleitung dazu, sein Leben erfolgreich als Opportunist, Betrüger und Blender zu gestalten mit zahlreichen Beispielen aus Geschichte und Literatur. – Gebräunt. Dekorativ gebunden.

Lot 462 Satire – Swift, Jonathan
Travels into several remote nations of the world. In four parts. By Lemuel Gulliver. 4 Teile in 2 Bänden. Mit gestochenem Porträt, 5 gestochenen Karten und 1 gestochenen Tafel. London, Benjamin Motte, 1726. VIII S., 2 Bl., 310 S.; 5 Bl., 353 S. 20 x 12 cm (Band 2: 19 x 11,5 cm). Neuere Ganzlederbände mit rotem Rückenschild und Ganzgoldschnitt (vorderes Gelenk von Band 1 gebrochen, leicht berieben). [*]
Result 750 €
Sogenannte B-Ausgabe der klassischen Satire, anonym erschienen. – PMM 185 – Teerink S. 291. – Einer von drei Drucken im Jahr der Erstausgabe. – Titel von Band 2: “The second edition”, die 2 Bl. “Contents” zu Teil 3 in zwei verschiedenen Druckvarianten beigebunden. – Teilweise etwas gebräunt, Titel von Band 2 mit hinterlegter Fehlstelle und Besitzeintrag.
One of 3 printings in the year of the first edition. – 4 parts in 2 vols. With engr. portrait, 5 engr. maps and 1 engr. plate. Later full calf, a.e.g. (front hinge of vol. 1 cracked, slightly rubbed). – Additionally bound in in part 3: 2 leaves “Contents” in 2 different states. – Some browning in places, title of vol. 2 with owner’s inscription and backed loss.

Lot 463 Satire – Wagner, Heinrich Leopold
Prometheus Deukalion und seine Recensenten. Voran ein Prologus und zulezt ein Epilogus. Mit einer Holzschnitt-Titelvignette und 28 Textholzschnitten. Düsseldorf (das ist: Frankfurt), 1775. 28 S. – Angebunden: Hottinger, Johann Jakob. Menschen Thiere und Göthe eine Farce. Voran ein Prologus an die Zuschauer und hinten ein Epilogus an den Herrn Doktor. Zweyte Auflage. Mit einer Holzstich-Titelvignette. Zürich, Orell, 1776. 24 S. 16,5 x 9,5 cm. Neuerer Halblederband mit Deckelschild (leicht berieben). [*]
Result 800 €
Zu 1: Erste Ausgabe, anonym erschienen. – Schulte-Strathaus 169, 6a – Goedeke IV/1, 768, 16a: “Frankfurter Druck, mit der Handpresse verschiedene Druckorte auf das Titelblatt gesetzt, sodaß Exemplare vorhanden sind mit den Bezeichnungen: Berlin, Düsseldorf, Göttingen, Hamburg, Leipzig, Weymar.” – “Die berühmteste Satire aus dem Kreis um den jungen Goethe” (Kaldewey, Hehres & Triviales 5, 91). – “Für den Verfasser des Pamphlets wurde fast allgemein Goethe gehalten, der sich jedoch in einer Erklärung vom 9.April 1775 gegen diese Vermutung scharf verwehrte und Wagner als den Autor bezeichnete.” (Schulte-Strathaus S. 171f.). – “Wagner hatte den lustigen Einfall, die Kritiker des Werther-Romans in karikaturistischer Überspitzung als holzschnittartige Tiergestalten zu verspotten und statt der Personennamen immer die ‘Masken’ über die Verse zu setzen.” (Voerster, Katalog 26, Sturm und Drang II, 361). – Zu 2: Anonym erschienen. – Goedeke IV/3, 184, 19. – Hottinger (1750-1819) stand mit Goethe in Briefkontakt, dieser besuchte ihn auch während seiner Schweizreise 1779. Das gegenseitige freundliche Verhältnis hinderte Hottinger nicht, zu Schriften Goethes in satirischer, polemischer Weise Stellung zu beziehen, so in Menschen Thiere und Goethe (EA 1775). Die witzige Satire bezieht sich in der Auseinandersetzung um “Die Leiden des jungen Werther” auf H. L. Wagners “Prometheus Deukalion und seine Rezensenten” und lehnt sich im Titel an Goethes “Götter Helden und Wieland” an. Hottinger lässt Nicolai als Pygmalion gegen Goethe als Prometheus zum Kampf antreten und siegen. – Angebunden sind drei Blatt, zwei davon um 1835 eng beschrieben mit Anmerkungen zum Thema. – Etwas gebräunt.

Lot 464 Schiller, Friedrich
Anthologie auf das Jahr 1782. Mit gestochener Titelvignette von E. Verhelst. Stuttgart, Metzler, 1798. 9 Bl., 271 S. 16,8 x 10 cm. Pappband der Zeit (berieben). [*]
After-Sale Price 200 €
Nicht häufige Titelauflage des ersten Drucks von 1781. – Hayn-Gotendorf VII, 162 – Trömel-M. 165. – Obwohl nur in 800 Exemplaren veröffentlicht, verkaufte sich das Werk so schlecht, dass die verbliebenen Bögen zur Ostermesse 1798 wieder angeboten wurden; nur das Titelblatt (diesmal mit Nennung des Verlegers und nicht mehr fingiert “Gedruckt in der Buchdruckerei zu Tobolsko”) und das Vorwort wurden neu gedruckt. – Antwort auf den Schwäbischen Musenalmanach von Stäudlin, in dem ein gekürztes Gedicht Schillers zuerst gedruckt worden war. – Titel mit dünnem Papierstreifen, mehrere Stempel einer alten Leihbücherei, Bleistiftanmerkungen.

Lot 465 Schiller, Friedrich
Die Räuber ein Trauerspiel. Neue für die Mannheimer Bühne verbesserte Auflage. Mannheim, Schwan, 1782. 166 S. 18,5 x 10,5 cm. Halblederband im Stil der Zeit mit Rückenschild und Rückenvergoldung (etwas berieben). [*]
Result 330 €
Erste Ausgabe dieser Bearbeitung. – Goedeke V, 163, 25 – Trömel-M. 37 – Veitenheimer, Druckort Mannheim 996. – “Die vorstehende Theaterausgabe der ‘Räuber’, auf Veranlassung Dalberg’s vom 17. August bis 6. Oktober von Schiller bearbeitet, ist gegen die erste Ausgabe wesentlich verändert” (Marcuse). – Hier ein Exemplar der seltenen, bei Marcuse erwähnten Druckvariante, die im Personenregister die Rolle der Amalia der Schauspielerin Baumann zuordnet und nicht wie im anderen Druck der Madame Toscani. – Teilweise etwas gebräunt, wenige gelöschte Anmerkungen.

Lot 466 Schiller, Friedrich von
Sämmtliche Werke. 12 Bände. Stuttgart und Tübingen, Cotta, 1812-1815. 18,2 x 11 cm. Halblederbände der Zeit mit rotem Rückenschild und etwas Rückenvergoldung (Kapitale teilweise etwas bestoßen, Kanten teilweise bestoßen). [*]
After-Sale Price 200 €
Erste rechtmäßige Gesamtausgabe. – Trömel/Marcuse 4. – Mit dem “Verzeichniß der Subscribenten” in den Bänden 1, 6, 8 und 11, den “Nachrichten von Schillers Leben” (58 S.) sowie dem “Plan dieser Ausgabe der Schillerschen Werke” (1 Blatt), die meistens fehlen. – Nur teilweise etwas stärker gebräunt, im unteren Teil wasserfleckig, Titel mit kleinem Stempel im unteren Rand.

Lot 467 Schopenhauer, Johanna
Johann van Eyck und seine Nachfolger. 2 Bände. Frankfurt, Wilmans, 1822. 4 Bl., 268 S., 1 Bl.; 3 Bl., 206 S., 1 Bl. 16,6 x 10,5 cm. Pappbände der Zeit mit Rückenschild (etwas fleckig und berieben, Rücken mit Bibliotheksschild).
After-Sale Price 200 €
Erste Ausgabe. – Goedeke X, 24, 7. – “Das kunsthistorische Werk ‘Johann van Eyk und seine Nachfolger’ (1822) war ein Versuch, zu welchem die wissenschaftlichen und künstlerischen Eigenschaften Johanna’s weder ursprünglich vorhanden, noch tiefer entwickelt waren.” (ADB XXXII, 346ff.). – Teilweise leicht gebräunt.

Lot 468 Shakespeare, William
Dramatische Werke, übersetzt von August Wilhelm Schlegel. Bände 1-9/1 in 9 Bänden. Berlin, Unger, 1797-1810. 17,5 x 10,5 cm. Halblederbände der Zeit mit 2 grünen Rückenschildern und Rückenvergoldung (etwas berieben, Ecken und Kanten teilweise etwas bestoßen). [*]
After-Sale Price 200 €
Erste Ausgabe der Übersetzung – Goedeke VI, 9, 8 und VII, 709, 13 – Borst 793 – Krieg, MNE 239. – Wie meist, ohne die 2. Abteilung von Band 9, die erst 1830 erschien, und ohne die Notenbeilage in Band 1. – Sammlerstempel auf Vorsätzen und Titeln, teilweise leicht gebräunt. Gutes Exemplar, dekorativ gebunden.

Lot 469 Sommer, Elise
Poetische Versuche. Marburg, Bayerhoffer, 1806. XIV, 16 (Subskribentenverzeichnis), 176 S., 1 Bl. Pappband der Zeit mit altem handschriftlichen Rückenschild (berieben, etwas fleckig). [*]
Result 200 €
Erste Ausgabe der nur auf Subskription erschienenen Erstveröffenlichung der Dichterin. – Goedeke V, 432, 12, 1. – Elise Sommer (1767 – ?) “lebte um die Wende zum 19.Jahrhundert in Marburg, wo sie ihre schöpferischsten und erfolgreichsten Jahre verbracht hat. Sie stand hier in regem Austausch mit den Professoren Carl Wilhelm Justi, Weis, Tennemann, Erxleben, Jung-Stilling, dem Oberforstmeister von Wildungen, den Dichterinnen Katharina Dorothea Ullmann, geb. Riemenschneider, Amalie von Gehren, geb. Baldinger, u.v.a. Selbst von den ganz ‘großen’ Dichtern, Wieland in Weimar, Merck in Darmstadt, Bürger in Göttingen, wurde sie verehrt und gefördert. In Wielands ‘Neuem Deutschen Merkur’ (1805) veröffentlichte sie mehrere Gedichte, die eine außerordentlich positive Aufnahme fanden. 1806 gab sie ihren ersten Gedichtband heraus, dem 1813 bereits der zweite folgte.” (M.Metz-Becker. Schreibende Frauen, Marburg 1990, S.65). – Etwas gebräunt.

Lot 470 Sterne, Laurence
The complete works and life of Laurence Sterne. Edition DeLuxe. With an introduction by Wilbur L. Cross. 11 Teile in 6 Bänden. Mit 11 Frontispizes. New York u.a., Clonmel Society, 1899. 21,5 x 14,5 cm. Dekorative Halblederbände der Zeit mit schöner Rückenvergoldung und goldgeprägtem Rückentitel sowie Kopfgoldschnitt (Rücken aufgehellt, Kanten leicht berieben).
Result 240 €
Eins von 1000 nummerierten Exemplaren der Edition DeLuxe. – Enthält: Tristam Shandy 1-4, A sentimental journey through France and Italy and the letters to his most intimate friends 1-3, The sermons of Mr. Yorick 1-2, Life by Percy Fitzgerald including memoires of the life of the family of the late L. Sterne. – Unbeschnitten. – Schönes Exemplar.
One of 1000 numbered copies of the Edition-de-Luxe. – 11 parts in 6 vols. With 11 frontispieces. Contemp. half calf, richly gilt (spine faded). – Uncut. – Nice copy.

Lot 471 Stifter, Adalbert
Studien. 6 Bände. Mit gestochenem Porträt und 6 gestochenen Titeln mit Vignette von Johann Nepomuk Geiger. Pest, Heckenast, 1844-1850. 18 x 11,5 cm. Blindgeprägte Leinwandbände der Zeit mit goldgeprägtem Rückentitel und reicher Rückenvergoldung (Rücken etwas aufgehellt). [*]
Result 400 €
Erste Ausgabe der ersten Veröffentlichung, erschienen in je zwei Bänden 1844, 1847 und 1850. – Eisenmeier 19 – Rümann 498 – Borst 2142. – Mit allen Vortiteln und Drucktiteln, Bände 5 und 6 mit den beigebundenen Original-Umschlägen. – Teilweise etwas stockfleckig bzw. gebräunt. Schöne Reihe.

Lot 472 Stolberg, Christian und Friedrich Leopold zu
Gesammelte Werke. Erster-zwanzigster Band in 20 Bänden. Mit 20 gestochenen Titeln mit Vignette (S.Bendixen del.), 3 gestochenen Textvignetten, 2 lithographischen Porträts (Gröger del., Aldenrath lith.), 2 lithographischen Handschrift-Faksimiles (auf 3 Bl.), 1 mehrfach gefalteten lithographischen Karte und 21 Kupfern bzw. Lithographien auf 20 Tafeln, davon 1 mehrfach gefaltet. Hamburg, Perthes und Besser, 1820-1825. 18,5 x 12 cm. Halblederbände der Zeit mit drei Rückenschildern und Rückenvergoldung sowie beigebundenen Original-Umschlägen (Ecken teils bestoßen, teils berieben, Oberhaut des Leders bei Band 18 vertikal geplatzt, Zierschilde teils be-, eines abgerieben, Bände 6-15 mit etwas hellerem Leder gebunden). [*]
After-Sale Price 500 €
Erste Werkausgabe. – Goedeke IV/1, 1037, 34. – Insgesamt wohlerhaltenes Exemplar der vollständig wie vorliegend, besonders mit den Original-Umschlägen, nicht häufigen Ausgabe, die bis heute die umfangreichste ist und einige Erstdrucke enthält. – Die luxuriös ausgestattete Edition war das letzte große gemeinsame Verlagsprojekt des bedeutenden Verlegers Friedrich Perthes mit seinem Schwiegersohn Johann Heinrich Besser. 1822 ging Perthes nach Gotha und gründete dort eine eigene Verlagshandlung. Der Hamburger Firma blieb er als stiller Teilhaber verbunden. Nachdem Besser 1826 überraschend gestorben war, brachte Perthes die nichtverkauften Reste als Titelauflage 1827 erneut auf den Markt. Diese enthielt jedoch weder gestochene Titel noch die Illustrationen, war deshalb deutlich billiger und ist heute deutlich häufiger. – Mit Ausnahme von Friedrich Leopolds “Geschichte der Religion Jesu Christi” (die religiösen Texte Leopold Stolbergs aus der Zeit nach seiner Konversion zum Katholizismus sind in Band 20 vereint) sind alle Schriften der Brüder enthalten, darunter auch die berühmte Reise in Deutschland, der Schweiz, Italien und Sicilien in den Jahren 1791 und 1792, die, neben denen Goethes und Moritz’, als wichtigste Reisebeschreibung von Italienreisenden dieser Zeit gilt, bereichert durch gestochene Ansichten aus Italien, Umrissradierungen nach Raphael und eine große Karte. – Exemplar der Variante auf Schreibpapier, gelegentlich etwas stockfleckig, trotz der guten Papierqualität sind vor allem in den späteren Bänden einige Lagen gebräunt, in Band 2 die ersten vier Blatt mit größerem Braunfleck, darunter das Porträt F. L. Stolbergs.

Lot 473 Stoll, Joseph Ludwig
Poetische Schriften. Erster Theil (alles Erschienene). Heidelberg, G. Braun, 1811. 189 S., 1 Bl. 17,2 x 10,5 cm. Halblederband der Zeit mit goldgeprägtem Rückenschild und Rückenvergoldung (Deckel mit Bibliotheksschild, Ecken etwas bestoßen). [*]
Result 300 €
Erste Ausgabe. – Goedeke VI, 114, 4 (enthält Goedeke 1-3) – Krieg, MNE II, 267. – Enthält u.a. die erotische Komödie “Die Schnecken. Ein Traum in der Brautnacht”, in der es um alles geht, was Hörner trägt und ganz besonders um den Teufel, um Ehemänner und eben “die Schnecken”. – Gutes Exemplar aus der Schönbornschen Bibliothek mit dem gestochenen Exlibris von Franz Graf von Schönborn auf dem Innendeckel und dem Bibliotheksschild auf dem vorderen Deckel.

Lot 474 Terentius Afer, Publius
Comoediae. Birmingham, Baskerville, 1772. Titel, 364 S. 29,5 x 23,5 cm. Brauner geflammter Ganzlederband (“Bound by H. Earnshaw”) der Zeit mit rotem Rückenschild, reicher Rückenvergoldung, goldgeprägten Deckel-, Stehkanten- und Innenkantenfileten (etwas beschabt, Ecken etwas bestoßen). [*]
After-Sale Price 240 €
Erste bei Baskerville gedruckte Ausgabe der Komödien des Terenz. – Ebert 22530 – Haskell 46. – Breitrandiges Exemplar auf Bütten, dekorativ gebunden. – Innendeckel mit Exlibris, die ersten und letzten Blatt leicht gebräunt, sonst tadellos.

Lot 475 Theologie – Repassi, Jacob Joseph
Fasciculus triplex exorcismorum, et benedictionum in Romano-Catholica Ecclesia usitatarum, ex variis authoribus approbatis collectus, & historiis, ac exemplis subinde illustratus, cum adnexo Tractatu de indulgentiis, et jubilaeo, ac resolutionibus moralibus … Impensis … Domini Jacobi Josephi Repassi. Tyrnaviae (Trnava), Typis Academicis, 1739. Titel, 2 Bl., 148, 78 S., 4 Bl. 19,5 x 14 cm. Blindgeprägter Ganzlederband der Zeit (leicht berieben, Deckel etwas gewellt). [*]
After-Sale Price 400 €
Seltene in Trnava (Slowenien) gedruckte Abhandlung, die wir in Deutschland über KVK nur in der Bayrischen Staatsbibliothek München nachweisen können. – Titel mit zwei alten Besitzvermerken, fast durchgehend schwach wasserfleckig.

Lot 476 Theologie – Sailer, Sebastian
Diei Christianae pia exercitia. Mit 17 Kupfertafeln von G. B. Göz. Augsburg, Göz, 1766. 18 Bl. 17 x 10 cm. – Angebunden: Sancta Poenitentium et Communicantium Specula. Mit 14 Kupfertafeln von G. B. Göz. Ebda., (um 1765/70). 15 Bl. Rotes Kalbsleder (um 1850) mit reicher Rückenvergoldung, goldgeprägten Deckelfileten und Ganzgoldschnitt (etwas berieben). [*]
After-Sale Price 200 €
I.: VD 18 90392701 – vgl. Wildmoser 1-521-001 (andere Ausgaben der “Christlichen Tageszeit” in Deutsch und Französisch): “Es werden biblische Geschichten als Beispiele für eine christliche Übung vorgestellt. Göz gab diese Stiche, zu denen ihm Sebastian Sailer … Gebete schrieb, als Bilder in Gebetbüchern heraus. Diese müssen sehr beliebt gewesen sein.” – II.: VD 18 vorläufig (Juni 2018) 1264109X-001 – vgl. Wildmoser 1-520 (deutsche Ausgabe “Communion- und Buß-Spiegel”): “Die hier katalogisierten Stiche gab Göz zu einem kleinen Gebetbüchlein heraus. Der Verfasser der Gebete dürfte Sebastian Sailer gewesen sein. Vom ‘Heilige Communion- und Buß-Spiegel’ gab es mehrere Ausgaben, deren erste in das Jahr 1762 fällt.” – Die Kupfer in beiden Werken in Punktiermanier, jeweils mit Titel und Bibelvers in deutscher und lateinischer Sprache. – Stockfleckig. Dekorativ gebundenes Exemplar.

Lot 477 Tieck, Ludwig
Poetisches Journal. Erster Jahrgang erstes-zweites Stück (alles Erschienene) in einem Band. Jena, Friedrich Frommann, 1800. Titel, 248 S., S. (257)-492, 1 Bl. “Ankündigung”, 1 weißes Bl. (so komplett). 18,4 x 11 cm. Halblederband der Zeit mit 3 farbigen Rückenschilden (Ecken und Kanten bestoßen, etwas berieben, Kapital mit kleiner Fehlstelle). [*]
After-Sale Price 300 €
Erste Ausgabe. – Goedeke VI, 38, 57 – Krieg, MNE II, 294. – Der Plan, eine eigene Zeitschrift zu gründen, entsprang vermutlich Tiecks Ärger über die Geheimniskrämerei der Schlegel-Brüder bei der Veröffentlichung des Athenaeum. Zwar wurde schon früher über ein gemeinschaftliches Journal gesprochen, Tieck hatte auch dafür geeignete Beiträge angedeutet, tatsächlich wurde er aber erst kurz vor Veröffentlichung des ersten Heftes ins Vertrauen gezogen. Zu dieser Zeit sahen sich Tieck und die anderen Protagonisten der romantischen Bewegung einer Reihe von Schmähungen und Angriffen ausgesetzt. Tieck nahm “die Herausforderung auf und benutzte sein schon seit 1799 mit Frommann geplantes und nun erscheinendes “Poetisches Journal” als Waffe gegen seine Widersacher und gleichzeitig als Forum zur Verbreitung des eigenen dichterischen Selbstverständnisses. Fast alle Beiträge stammen von Tieck selbst. – Teilweise etwas stärker gebräunt, Titel mit zwei Stempeln von Jesuiten-Bibliotheken.

Lot 478 Tieck, Ludwig
Der Sturm. Ein Schauspiel von Shakspear, für das Theater bearbeitet. Nebst einer Abhandlung über Shakspears Behandlung des Wunderbaren. Mit gestochener Titelvignette. Berlin und Leipzig, Nicolai, 1796. 2 Bl., 44, 104 S. 17,5 x 10,5 cm. Halblederband der Zeit mit Rückentitel und Rückenvergoldung (etwas berieben, Kanten bestoßen). [*]
Result 200 €
Erste Ausgabe mit der meist fehlenden gestochenen Titelvignette. – Goedeke VI, 34, 11 und VII, 709. – Gebräunt und etwas braunfleckig, Ecken teilweise eselsohrig.

Lot 479 Trivialliteratur – Schmuckher, Anton
Mittheilungen aus dem Welt- und Menschenleben des gegenwärtigen Zeitalters. Erwachsenen und gebildeten Lesern zur Unterhaltung gewidmet und herausgegeben. Wien, Wallishausser, 1836. 155 S. 17,4 x 10,5 cm. Halbleinwand (um 1880) mit goldgeprägtem Rückentitel (Kanten etwas berieben).
Result 280 €
Wohl Titelauflage, erstmals 1835 erschienen. – In Deutschland über KVK nur in der UB Frankfurt nachweisbar. – Seltene Veröffentlichung des “pens. k.k. Militärbeamten”, mit kuriosen Erzählungen wie: “Außerordentliche Wirkung eines Donnerwetters auf Menschen”, “Bild aus dem Leben der Negersklaven in den Pflanzungen”, “Abenteuer auf dem Friedhofe”, “Gefahr der Elephanten-Jagd” etc. – Leicht gebräunt.

Lot 480 Trivialliteratur der Goethezeit
Leblos-Redend oder Geschichte einer Steknadel und ihrer Bekannten von Ihr selbst beschrieben. Zwei Teile in einem Band. Frankfurt, Eßlinger, 1788. 268 S. 17,5 x 10 cm. Pappband der Zeit (berieben und bestoßen, Gelenke angeplatzt). [*]
Result 1800 €
Wohl einzige Ausgabe. – Hayn-Gotendorf IV, 88: “Sehr selten! Scheint bearb. eines französ. Originals”. – Galant-erotischer Roman mit vielen Verstrickungen der Protagonisten, zu denen auch eine Luftschifferin gehört. – Mit Exlibris der Leihbibliothek Kühne in Helmstedt. – Titel mit altem Stempel, teiweise etwas gebräunt, Block etwas gelockert, Gebrauchsspuren.

Lot 481 Trivialliteratur der Goethezeit – Vulpius, Christian August (Pseudonym: Tirso de Molina)
Don Juan der Wüstling. Nach dem Spanischen des Tirso de Molina. Penig, Dienemann, 1805. 2 Bl., 218 S. 16 x 9,5 cm. Marmorierter Pappband im Stil der Zeit mit rotem Rückenschild. [*]
Result 850 €
Erste Ausgabe. – Goedeke V, 512, 49 – Hayn-Gotendorf III, 472 – Kaldewey, Hehres und Triviales III, 192: “Schon Maassen vermerkt, dass alle Ausgaben des nur wenige Jahre bestehenden Dienemannschen Verlages, in dem auch die fast unauffindbare Erstausgabe der ‘Nachtwachen des Bonaventura’ erschien, höchst selten zu finden sind.” – Gutes Exemplar.

Lot 482 Twain, Mark
Adventures of Huckleberry Finn (Tom Sawyer’s Comrade). With one hundred and seventy-four illustrations. Mit 1 Frontispitz, 1 Porträt in Photo-Gravüre und 173 Textillustrationen. New York, Webster und Company, 1885. 366 S. 22 x 16,5 cm. Gold- und blindgeprägte illustrierte Original-Leinwand mit Rücken- und Deckeltitel (Kapitale leicht bestoßen). [*]
Result 600 €
Zweiter Druck der ersten amerikanischen Ausgabe (mit den Korrekturen und der Jahreszahl 1884 hinter dem Copyright). – Vgl. Gumuchian 1770. – Etwas fingerfleckig, sonst sehr gutes Exemplar.
First American edition, 2nd issue. – With frontispiece, 1 portait in photo-gravure and 173 text-illustrations. Orig. illustr. cloth (spine-ends slightly bumped). – Some finger-staining else a very good copy.

Lot 483 Wieland, Christoph Martin
Musarion, oder die Philosophie der Grazien. Ein Gedicht, in drey Büchern. Mit gestochener Titelvignette und 6 gestochenen Kopf- und Schlussvignetten von Johann Michael Stock nach Adam Friedrich Oeser. Leipzig, Weidmanns Erben und Reich, 1769. Titel, XX S., S. (3)-128. 16,5 x 9,5 cm. Marmorierter Ganzlederband der Zeit mit rotem Rückenschild und reicher Rückenvergoldung. [*]
After-Sale Price 200 €
Zweite erweiterte Auflage bzw. erste illustrierte Ausgabe, des erstmals 1768 erschienenen Werkes, hier aber der 2. Druck dieser Ausgabe (verbesserter Druckfehler, Kupfer ohne Künstlersignaturen), anonym erschienen. – Goedeke IV/1, 553, 55 – Borst 192 – Rümann 1256. – Ohne das einseitig bedruckte Zwischentitelblatt zum “Ersten Buch”. – Kleine Signatur auf dem Titel. – Gutes Exemplar, dekorativ gebunden.

Lot 484 Wieland, Christoph Martin
Prosaische Schriften. Zwei Bände. Mit 2 gestochenen Titelvignetten. Zürich, Orell, Geßner, Füeßli und Comp., 1771-1772. 288 S.; Titel, 348 S. 20 x 12 cm. Marmorierte Halblederbände der Zeit mit Rückenschildern und reicher Rückenvergoldung (etwas berieben, Kapitale leicht beschabt). [*]
After-Sale Price 200 €
Dritte Ausgabe. – Goedeke IV/1, 550, 44 – Günther/Zeilinger 24 – Deusch 23a – Leeman van Elck 354 – 355). – Diese dritte Ausgabe der “Prosaischen Schriften” nach 1758 und 1763/4 wurde nicht nur ohne das Vorwissen Wielands veranstaltet, sie ist gleichsam ein Affront gegen den Autor, der dem Züricher Verlag und besonders dem mit ihm befreundeten Gessner lange die Treue gehalten hatte. Über die Jahre war es aber zwischem dem selbstbewusster werdenden Autor und dem Verlag immer häufiger zu Differenzen gekommen, die ihren Grund in Wielands Unzufriedenheit mit der Ausstattung der Bücher wie mit der unzureichenden Honorierung hatte. Darüber hinaus wuchsen in dem populärer werdenden jungen Autor die Zweifel an der Konkurrenzfähigkeit des schweizerischen Verlags. 1768 wechselte er zu “Weidmanns Erben und Reich” in Leipzig, “wo ihm ein weitaus höheres Honorar geboten wurde.” (Bürger, Aufklärung, S.107). Die unredigierte Neuausgabe von Texten aus seiner Züricher Schaffensphase, die er als abgeschlossen und überwunden sah, traf Wieland empfindlich. – Aus der Bibliothek des lombardischen Adeligen Antonio Marchese Belcredi (1744-1812), der 1769 ins österreichische Mähren eingewandert war. Dessen Exlibris mit unkenntlich gemachtem Namen auf den Innendeckeln und Bibliothekssignaturen auf den Vorsätzen. – Teilweise leicht gebräunt. – Gutes Exemplar, dekorativ gebunden.

Lot 485 Zehnmark, Ludwig Eduard
Anekdoten des Ninas. Wien und Leipzig, Ghelen, 1775. 64 S. 17,2 x 10 cm. Halblederband im Stil der Zeit mit goldgeprägtem Rückenschild und Rückenvergoldung. [*]
Result 380 €
Erste Ausgabe, anonym erschienen. – Goedeke VII, 12, 10, 2 – Holzmann/Bohatta VII, 489. – Sehr seltene, frühe Schrift des L. E. Zehnmark (1751-1814), der zur Zeit der Veröffentlichung “Literärgeschichte” in Wien studierte, in welchem Fach er auch promovierte. Der weltabgewandte “Jüngling” Ninas im “Morgenland”, sucht Erfahrungen, wovon in “Anekdoten” berichtet wird. – Knapp, aber deutlich rezensiert die der aufgeklärten Vernunft verpflichtete Allgemeine deutsche Bibliothek: “Ob der Verfasser etwa den Zadig oder ein ähnliches Mährchen vorher gelesen hat, als er diese Anekdoten erdichtete? Es sind allerhand unzusammenhängende, komisch-tragische Begebenheiten, die eine Satire auf die Menschheit vermuthlich seyn mögen. Der Druck ist das Beste daran.” (1775, Band XXVI, S. 463). – Leicht gebräunt.

Lot 486 Zeitschriften
Auserlesener Anmerckungen uber allerhand wichtige Materien und Schrifften erster(-fünffter Theil) in 2 Bänden. Frankfurt und Leipzig (das ist: Halle/S.), Renger, 1704-1707 (1708 ?) 17,2 x 10,5 cm. Pergamentbände der Zeit mit handschriftlichem Rückentitel. [*]
After-Sale Price 600 €
Erste Ausgabe. – Kirchner 4372 – Diesch 22 – Curieuse Nachricht, S. 6. – Mit allen fünf Teilen ist diese wissenschaftliche Zeitschrift der Frühaufklärung sehr selten und wenig bekannt. Als Herausgeber werden Christian Thomasius, der “Vater der Aufklärung” (H.Hattenauer), und/oder N. H. Gundling, sein “Meisterschüler” (G.Mühlpfordt), genannt (nicht in der Thomasius-Bibliographie). – Alle Beiträge erschienen ausdrücklich anonym, “da sich die Verfasser allenthalben einer anständigen und geziemenden Freyheit bedienen können, der Leser auch nicht beobachtet, wer etwas saget, sondern nur betrachten muß, was gesaget wird”. Aus der Vorrede geht hervor, dass die Zeitschrift die lateinischen Observationes selectae … ersetzen und die Beiträge, obwohl ausschließlich auf deutsch, deren hohes Niveau halten sollten. – Exlibris, überklebter, durchscheinender Stempel verso Titel, nur teilweise leicht gebräunt. – (Teil 3 angebunden: Zeideler, Johann Gottfried. Anhang von der Herrschafft der Männer über die Weiber. Franckfurt, (Renger ?), 1705. 56 S. – Erste Ausgabe. – Vgl. Kosch³ 37, Sp.175ff. – Teil 5 angebunden: Gundlig, Nic. Hier. Antwort Schreiben auff etliche Fragstücke eines gelehrten Edelmanns welcher in einer Preußischen Provintz wohnet. (Ohne Ort und Verlag), 1710. 6 Bl., 195 S.

Lot 487 Zeitschriften – Canzler, K. C. und A. G.Meissner
Für Aeltere Litteratur und Neuere Lectüre. Quartal-Schrift. 1.-3. Jahrgang (alles Erschienene) in 6 Bänden. Mit 12 gestochenen Titelvignetten (J.C. Seydelmann del., E.G.Krüger sc.), drei gefalteten Tafeln und elf gefalteten Musikbeilagen (Kompositionen von Josef Schuster (9), J. A. P.Schulz und J. M.Wiese). Leipzig, Breitkopf 1783-1785. 17 x 9,5 cm. Pappbände der Zeit mit altem handschriftlichen Rückenschild (Rücken berieben, Ecken etwas bestoßen). [*]
Result 500 €
Erste Ausgabe. – Berend, Jean Paul 45 – Goedeke IV/1, 602, 35 – Diesch 344 – Kirchner 4537. – Der erste Jahrgang erschien in vier Stücken, die beiden folgenden in jeweils acht Heften bei variierender Heftzählung. – Die komplett seltene Zeitschrift ist inhaltlich sehr heterogen, die Bandbreite reicht von Berichten über Herschels Entdeckung des Uranus, Schachprobleme, Statistik Kursachsens, Freimaurerei u.v.a. Überwiegend sind die Originalbeiträge aber literarischer bzw. literaturwissenschaftlicher Natur. Hervorzuheben ist Jean Pauls Erstlingswerk “Kleine Satiren”, das er Meissner zugeschickt, bei diesem aber so lange gelegen hatte, dass die Grönländischen Prozesse vorher gedruckt waren. Deshalb tauchen sie im Inhaltsverzeichnis (Heft II, 3, 1) als “Kleine Satiren vom Verfasser der Grönländischen Prozesse” auf. – Die Zeitschrift stellte ihr Erscheinen nach dem Tod des Dresdner Bibliothekars Canzler (1785) und dem Weggang Meissners nach Prag ein. – Auf den Innendeckeln mit gestochenem Exlibris “A.K.”, das ist der Germanist Albert Köster (1862-1924), auf dessen Wunsch hin seine bedeutende Bibliothek am 26. und 27. Januar 1925 von W. de Gruyter in Berlin versteigert wurde (vgl. deren Auktions-Katalog: Die Bibliothek Albert Köster; dieses Exemplar: Nr.33). – Teils leicht gebräunt, teils leicht stockfleckig.

Lot 488 Zeitschriften – Clodius, Christian August
Versuche aus der Literatur und Moral. Erstes-viertes Stück (alles Erschienene) in einem Band. Mit vier (wiederholten) gestochenen Titelvignetten. Leipzig, Breitkopf und Sohn, 1767-1769. 8 Bl., 696 S., 14 Bl. 20 x 12 cm. Halblederband der Zeit mit Rückenschild und Rückenvergoldung (Deckel berieben und etwas fleckig, Ecken bestoßen, Kapital mit kleinen Einrissen). [*]
After-Sale Price 300 €
Erste Ausgabe. – Goedeke III, 375, 113, 3 – Diesch 765 – Kirchner 5321 – Krieg, MNE I,S.145 (kennt die Stücke 3 und 4 nicht). – Vollständiges Exemplar der seltenen literarischen Zeitschrift, “das hauptsächlichste und verdienstvollste seiner Werke, dem er auch vorzüglich seinen literarischen Ruhm verdankt.” (Jördens IV, S. 320). – C. A. Clodius (1737-1784) ist heute beinahe weniger wegen seiner nicht geringen Verdienste u.a. als akademischer Lehrer bekannt, zu dessen Hörern auch der Student Goethe zählte, der seinem Lehrer die Kritik an einem von ihm verfassten Hochzeitspoem übelnahm, was ihn zu dem Spottgedicht “An den Kuchenbäcker Händel” anregte, dem ersten gedruckten Gedicht Goethes. Im zweiten Stück der Versuche findet sich der Erstdruck des Lustspiels Medon, durch das Clodius im Kreis um Goethes Leipziger Freund und Mentor Behrisch “bevorzugter Gegenstand des Spottes” wurde. – Kleines Wappenexlibris auf dem Innendeckel, Stempel und Doublettenstempel der Danziger Stadtbibliothek auf dem Titel, teils stockfleckig. Dekorativ gebunden.

Lot 489 Zeitschriften – Förderer von Richtenfels, Johann Georg
Atlantiades pragmaticus. Das ist: Curioser und gallanter historisch-politischer Zeit-Vertreib. 6 Hefte (von 13 ?) in 1 Band. Mit 6 Titelkupfern, 1 Kupfertitel und 8 mehrfach gefalteten genealogischen Tafeln. Pressburg, 1719. 204 S. 16,5 x 9,5 cm. Pergamentband der Zeit mit Rückenschild (fehlender Rücken alt mit Pergament erneuert, jedoch ebenda Fehlstellen und Einrisse in der unteren Hälfte). [*]
Result 550 €
Umfangreiches Teilstück der sehr seltenen Zeitschrift; ein weiteres Exemplar können wir nur in der Württembergischen Landesbibliothek nachweisen. – Nicht bei Diesch und Kirchner – bibliographisch nicht nachgewiesen. – Vorhanden sind hier die Früh-Jahrs Praesente 1-2 und Sommers Praesente 1-4. – Das im KVK gelistete Exemplar der Badischen Landesbibliothek ist nur eine digitale Kopie. Dieses hat zwar dreizehn “Praesente”/Hefte, ist aber ebenfalls nicht vollständig. Ihm fehlen u.a. die acht genealogischen Falttafeln (laut freundlicher Auskunft der Bibliothek). – J. G. Förderer von Richtenfels (1680-vor 1745) ist eine der kultur- und wirtschaftsgeschichtlich interessantesten Figuren jener Zeit im Südwesten Deutschlands. Als Kammerprokurator des Markgrafen Karl Wilhelm von Baden-Durlach war er äußerst einflussreich und u.a. maßgeblich an der Gründung Karlsruhes beteiligt. – Innengelenke gelockert, Innendeckel mit Wurmspuren, vorderer Innendeckel mit Resten eines abgelösten Exlibris.

Lot 490 Zeitschriften – Jacobi, Johann Georg (Hrsg.)
Iris. Erster-achter Band in sieben Bänden. Mit 6 (von 7) Notenbeilagen. Düsseldorf, Selbstverlag (Bände 1-4)/ Berlin, Haude und Spener (Bände 5-8), 1774-1776. 17 x 10 cm. Lederbände der Zeit (Band 7/8 um 1900 passend neu gebunden) mit Rückenschild und Rückenvergoldung (teils fachgerecht restauriert). [*]
After-Sale Price 1000 €
Erste Ausgabe. – Goedeke IV/1, 670, 40 – Diesch 1042 – Kirchner 6478 – Aurnhammer, Jacobi-Bibliographie 184, 192, 193, 194, 202, 212, 214, 221. – In Band 2 fehlen wie oft (vgl. Hagen, Goethe 535) die Notenbeilagen zu “Erwin und Elmire” und “An Belinde”, liegen in guter Kopie auf zeitgenössischem Papier bei. Enthalten ist dagegen ein mehrfach gefaltetes Notenkupfer “Arie aus Erwin und Elmire”, Incipit “Ein Schauspiel für Götter” (s.u.). In Band 5 ist das Blatt “An den Buchbinder” (“NB. dies Blatt wird nicht mit eingebunden”) mit Angaben zum Beschnitt der Blöcke erhalten. – Das Exemplar, das Fritz Eggert 1978 in seinem Katalog 121, 124 anbot: “Jacobi, der anfangs am Deutschen Merkur mitgearbeitet hatte, versuchte sich hier in einer für das weibliche Geschlecht berechneten Nachahmung des Wielandschen Vorbildes. Der Inhalt dieser Frauenzeitschrift zeichnet sich durch Mannigfaltigkeit aus, ohne, wie es in Jacobis Vorwort heißt, ‘der zur Mode gewordenen Empfindsamkeit zu schmeicheln und immer von Religion und Tugend zu sprechen’. … Von den anonymen Mitarbeitern möchten wir als erstes Goethe nennen. Von ihm sind folgende Arbeiten in Erstdrucken enthalten: Lied, das ein selbst gemahltes Band begleitet – Mayfest – Der neue Amadis – Erwin und Elmire, ein Schauspiel mit Gesang – An Belinden – Neue Liebe, neues Leben – Mir schlug das Herz … – Rettung – Mit einem goldnen Halskettchen überschickt – Den Männern zu zeigen – Im Herbst 1775. Weitere Erstveröffentlichungen sind von dem Bruder des Herausgebers Friedrich Heinrich Jacobi abgedruckt … Heinse hat hier zum erstenmal Auszüge seinen Übersetzungen Das befreyte Jerusalem von Tasso und Roland der Wüthende von Ariost veröffentlicht. Sophie von la Roches Freundschaftliche Frauenzimmer Briefe, … sind im zweiten Band enthalten. Goethes Schwager Schlosser hat seinen Aufsatz Plan und Fragment einer Weltgeschichte fürs Frauenzimmer beigesteuert. Abschließend seien noch die Gedichte und die Übersetzung Ossian fürs Frauenzimmer (Fingal) von Jakob Michael Reinhold Lenz genannt. Die beiden Musikbeilagen, die Hagen für Goethes Schauspiel Erwin und Elmire und das Gedicht An Belinden angibt, aber darauf hinweist, daß sie in manchen
Exemplaren fehlen, sind auch hier nicht vorhanden. Dafür haben wir eine Musikbeilage Arie aus Erwin und Elmire (Ein Schauspiel für Götter), die sie nicht kennt. – So vollständig außerordentlich selten.” – Diese Komposition ist in weiteren Exemplaren nachweisbar. Denkbar ist, dass es sich um eine verworfene Beilage handelt, die später durch die bekannten, “manchmal fehlenden” ersetzt wurde. Handelt es sich also bei unserem Exemplar um einen sehr frühen Druck? Dafür spricht, dass den Verfassern der sehr detaillierten Jacobi-Bibliographie die “Beylage zum ersten Band der Iris” unbekannt ist, ebenso das Verzeichnis der “Namen der Collecteurs und Collectricen für die Iris”, derjenigen Personen also, denen die Exemplare der Iris für die Subskribenten zugesendet wurden und die die anfallenden Subskriptions-Gelder an die jeweils zuständigen “Comptoirs” überweisen sollten. Keines der im Internet digitalisiert einsehbaren Exemplare aus wichtigen deutschen Bibliotheken hat all diese Besonderheiten. Wahrscheinlich existiert also nicht nur ein unrechtmäßiger Nachdruck, sondern zumindest von dem ersten Band zwei Drucke, der spätere kenntlich an geänderten Zierstücken im Inhaltsverzeichnis und dem Fehlen der “Beylage” und der “Namen der Collecteurs”. – Bände 1-6 mit zeitgenössischem Namen “J. C. Westphal” auf dem Titel, Band 7 Doublette aus der Königl. Bibliothk Berlin mit den entsprechenden Stempeln auf der Titelrückseite. Alle Bände mit Exlibris “Ernst Magnus” auf dem Innendeckel (die bedeutende Bibliothek wurde 1923 bei J.Baer in Frankfurt versteigert; unser Exemplar ist Nr. 576). – Teils etwas fleckig, die in Berlin erschienenen Bände 5-8 auf weniger gutem Papier, leicht gebräunt.

Lot 491 Zeitschriften – Thomasius, Christian (Hg.)
Historiae Sapientiae et Stultitiae, collecta à Christiano Thomasio, Icto. Tomus I. continens Januarium, Februarium et Martium. Anni 1693. Contenta ostendet pagina sequens (- III. continens ex Menses posteriores Anni 1693.) 3 Teile in 1 Band (alles Erschienene). Halae Magdeburgicae, Typis & Sumptibus Christophori Salfeldii, 1693. 16,5 x 9,5 cm. Halbleder im Stil der Zeit mit Rückenschild. [*]
Result 240 €
Erste Ausgabe. – Fleischmann/Becker, Thomasius 42 – Lieberwirth 90 – Kirchner 4364 – Diesch 42. – Die Hefte hat Thomasius überwiegend mit etlichen kleinen Aufsätzen aus dem Nachlass seines Vaters und Lehrers Jakob Thomasius (1622-1684), bestückt, der auch der Lieblingslehrer seines berühmtesten Schülers G. W. Leibniz war. Wenig bekannt ist, dass das Juni-Heft einen Aufsatz von Leibniz im Erstdruck enthält: “Notata quaedam G. G. L(eibniz) circa vitam et doctrinam Cartesii” (Ravier 273). – Daneben weitere interessante Texte wie den kommentierten, ersten Abdruck in Deutschland von “one of the most outrageous books ever written” (L. P. Smith, Life and Letters, Oxford 1907, II.92 n. 1; zitiert nach Dana F.Sutton, Hypertext Edition of:) “Isaaci Casauboni Corona Regia”, eine 1615 zuerst erschienene Satire auf König James I., wie allgemein, so auch hier von Thomasius dem Konvertiten (1598 katholisch) Kaspar Schoppe (1576-1649) zugeschrieben, dessen Autorschaft in jüngster Zeit jedoch bezweifelt wird (cf. W. Schleiner). – Das Novemberheft bringt als bemerkenswerten Beitrag von dem Arzt Johannes Conrad Amman (1669-1724), dem “ersten Spezialarzt für Sprach- und Stimmstörungen” (vgl. H. Werner, in: Taubstummengemeinde. Festschrift. Zürich 1961) “Surdus loquens seu Methodus, qua surdus natus est, loqui discere possit”, zuerst 1692 in den Niederlanden (Amsterdam) gedruckt, wohin Amman 1690 gegangen war, und 1747 in erweiterter Fassung unter dem Titel “Redende Taube, oder Abhandlung von der Sprache” ins Deutsche übertragen. – Etwas gebräunt, gelegentlich etwas fleckig, alte gelöschte Bibliotheksstempel auf der Rückseite des ersten Titels.