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Lot 503 Almanache
Agrionien. Ein Taschenbuch für das gesellige Vergnügen von A. Apel, Fr. Laun (das ist: F. A. Schulze), Fr. Kind und herausgegeben von Th. Hell (das ist: C. G. T. Winkler). Für das Jahr 1811. Mit 1 Titelkupfer. Leipzig, Gerhard Fleischer, 1810. VIII S., 1 Bl., 416 S., 1 Bl. 14,8 x 9,5 cm. Zweifarbiger Pappband der Zeit mit handschriftlichem Rückenschild und etwas Rückenvergoldung (Bibliotheksetikett auf dem Rücken, etwas berieben, Rücken etwas verblasst). [*]
After-Sale Price 200 €
Einziger Jahrgang dieses Almanachs. – Köhring S. 6 – Lanckoronska-Rümann S.193 – Goedeke VIII, 105, 244. – Exemplar mit prominenter Provenienz: Exlibris “La Princesse Amélie Christine de Bade” auf dem Innendeckel, Stempel ” Fürstl. Hofbibliothek Donaueschingen” verso Titel. – Enthält für jeden Tag des Jahres ein Rätsel, eine Charade oder einen Logogriph; offensichtlich ein geselliges Vergnügen, dem man in (trivial-)romantischen Herausgeber- wie auch in höchsten Gesellschaftskreisen zugeneigt war. – Frontispiz und Titel etwas stockfleckig, sonst sauber.

Lot 504 Almanache
Argo. Album für Kunst und Dichtung. Herausgegeben von F. Eggers, Th. Hosemann und F. Kugler. 4 Jahrgänge (alles Erschienene). Mit insgesamt 4 farblithographischen Titeln, 74 teils getönten lithographischen und 24 farblithographischen Tafeln. Breslau, Trewendt, 1857-1860. 28,5 x 23 cm. Original-Leinwand mit Goldprägung (Ecken und Kapitale etwas bestoßen, leicht angestaubt). [*]
Result 650 €
Rümann 704 – Brieger 266 – Bock 84. – Unter den Lithographien sind sechs von Th. Hosemann und zwei von A. Menzel. – Unter den Gedichten befinden sich Erstdrucke von Fontane (Schobeß 365) und Storm. – Teils, meist nur in den Rändern, stockfleckig, Text etwas gebräunt.

Lot 506 Almanache
Deutsch und französischer Calender für das Jahr 1799. Nebst einer Darstellung der Schicksale Schwabens im spanischen Erbfolgekriege. Mit gestochenem Frontispiz, gestochenem Titel und 12 Monatskupfern von Paul Jakob Laminit nach Th. Weber. Augsburg, Rollwagen, 1798. 16 Bl. (Kalendarium in Rot und Schwarz), 184 S. 11,5 x 7,5 cm. Illustrierte Original-Kartonage (unteres Kapital minimal bestoßen). [*]
Result 200 €
Seltener zweiter, von insgesamt drei Jahrgängen. – Goedeke VII, 170, 16, 2 – Köhring S. 32 – nicht bei Lanckoronska/Rümann. – Mit dem Nebentitel: “Taschenbuch für die schwäbische Geschichte von G. A. Neuhofer”. – Sehr gutes Exemplar.

Lot 507 Almanache – Erichson, Johann (Hrsg.)
Musen-Almanach. Mit 3 Kupfertafeln und 2 (von 3) Notenbeilagen. Wien, Carl Gerold, 1814. 3 Bl., 285 S. 13 x 9,5 cm. Illustrierte Original-Kartonage (stark berieben, Rückenbezug fehlt zum Teil, Signaturaufkleber auf dem Rücken). [*]
After-Sale Price 200 €
Einziger Jahrgang dieses sehr seltenen romantischen Taschenbuchs. – Köhring 80 – Goedeke VI, 115, 4. – Der Herausgeber Erichson (1774-1856) kam nach seiner philosophischen Promotion 1804 über Berlin und Dresden nach Wien, wo er bis 1814 blieb, als er an die Universität Greifswald berufen wurde. In diesen Jahren widmete er sich vorzugsweise philosophischen und literarischen Studien. Den Musen-Almanach verstand er als Ersatz für die 1808 eingestellte Zeitschrift Prometheus; einige der damals dafür vorgesehenen, aber wegen deren “plötzlichen Untergange” “vorräthig gebliebener Manuscripte” bilden die Grundlage des Almanachs, erheblich trug Friedrich Schlegel bei, “der aus seinen litterarischen Schätzen von Freunden und Bekannten Mehreres dieser Sammlung widmen zu dürfen geglaubt hat.” – Neben den Beiträgen von Wiener Autoren der Zeit, darunter J. V. Hammer, bringt der Almanach Texte von Fouqué, “Isidorus”-Loeben, D. F. Koreff, W. V. Schütz und, besonders bemerkenswert, von Ph. O. Runge das Gedicht ‘Die Blume der Blumen’, “die Hymne der Romantiker”, mit der Vertonung durch Louis Reichardt. Eine weitere Notenbeilage ‘Der Glückliche’ stammt von Moritz von Dietrichstein; die fehlende Beilage von Beethoven ist in Kopie auf altem Papier beigebunden. – Etwas fleckig, Ecken teils mit Knick-, Beilagen mit Knitterspuren.

Lot 508 Almanache – Fouqué, Friedrich de la Motte
Frauentaschenbuch für das Jahr 1819. Mit 1 Kupfertitel und 11 Kupfertafeln. Nürnberg, Schrag, 1818. 11 Bl., 456 S. 16 x 10 cm. Roter Ganzlederband der Zeit mit goldgeprägten Deckelfileten, Ganzgoldschnitt und beigebundener illustrierter Original-Kartonage (etwas berieben, Deckel mit kleinen Druckstellen). [*]
Result 200 €
Köhring S. 47 – Lanckoronska-Rümann S. 75ff. – Mit Erstdrucken von Friedrich und Caroline Fouqué, Wilhelm Müller, Agnes und F.L. zu Stolberg sowie von Eichendorffs Novelle “Das Marmorbild” (S. 335-396, siehe: Goedeke VIII, 186, 9). – Block etwas gelockert, wenige Blatt etwas gebräunt. Gutes Exemplar in einem schönen zeitgenössischen Ganzlederband.

Lot 509 Almanache – Goethe, Johann Wolfgang von
Taschenbuch auf das Jahr 1804. Die natürliche Tochter. Trauerspiel von Goethe. Tübingen, Cotta, 1803. Titel, 224 S., 8 Bl. (Verlagsanzeigen). Roter Lederband der Zeit (Ecken und Kapitale minimal bestoßen). [*]
After-Sale Price 200 €
Erste Ausgabe. – Goedeke IV/III, 365, 118 – Hagen 290 – Kippenberg 381 – Borst 977. – “Mit seiner schmucklosen, doch typographisch würdigen Ausstattung bildet dieses Bändchen ein edles Dokument klassizistischer Buchkultur” (Lanckoronska-Rümann, S. 53). – Ohne das Blatt mit dem Druckvermerk, jedoch mit den acht Blatt Verlagsanzeigen. – Wohl Exemplar einer Vorzugsausgabe auf besserem Schreibpapier und in rotes Ganzleder gebunden. – Teils etwas gebräunt.

Lot 510 Almanache
Göttinger Taschen-Calender vom Jahr 1777, 1783, 1787, 1794, 1797, 1798 (2 x), 1799, 1804 und 1806. Zusammen 10 Bände. (Herausgegeben von G. Chr. Lichtenberg.) Mit sehr zahlreichen Modekupfern von Riepenhausen u.a. sowie vielen Kupfertafeln von D. Chodowiecki. Göttingen, Dieterich, 1776-1805. 10,5 x 6 cm. bzw. 14 x 8,5 cm (1804 und 1806). Illustrierte Original-Pappbände (5)/ Pappbände der Zeit (5) (berieben und etwas bestoßen, Gelenke teilweise angebrochen). [*]
Result 850 €
Köhring 154 – Lanckoronska-Rümann 15: “Der Göttinger Taschenkalender ist inhaltlich der beste unter seinen ‘Brüdern’, eben weil Lichtenberg gar manchen Beitrag selbst geliefert hat.” – Bis auf den Jahrgang 1777 alle Bände mit dem 2. Drucktitel: “Taschenbuch zum Nutzen und Vergnügen.” – Teilweise etwas gebräunt bzw. etwas stockfleckig.

Lot 511 Almanache
Militärischer Kalender auf das Jahr 1797. Mit 12 Bildnissen Preußischer Generale, 2 histor. Vorstellungen von Hrn. D.Chodowiecki und 7 Kupfern zur Geschichte der Artillerie des Hrn. General von Tempelhoff. Mit 21 (1 doppelblattgroßen) Kupfertafeln. Berlin, Johann Friedrich Unger, 1796. 18 Bl., 116 S., 1 Bl., 96 S., 1 Bl. 10,5 x 6 cm. Silberfarbener (Original- ?) Seidenband (leicht berieben, leicht angestaubt). [*]
After-Sale Price 200 €
Köhring S. 70 – Lanckoronska-Rümann S. 17 – Engelmann, Chodowiecki 821. – Laut Köhring und Lanckoronska-Rümann handelt es sich um den ersten Jahrgang unter diesem Titel, eine Verlagsanzeige am Schluss verweist jedoch auf einen 1796 erschienenen. – Zeitgenössischer Name auf dem Titel, teils etwas stockfleckig, Block vor dem hinteren Vorsatz angebrochen.

Lot 512 Almanache
Poetische Blumenlese auf das Jahr 1777, 1779-1782, 1785-1787. Zusammen 8 Bände. Mit zahlreichen gefalteten Musikbeilagen. Göttingen, Dieterich, 1776-1786. 10,5 x 7-7,5 cm. Hellbraune Ganzlederbände der Zeit mit 2 farbigen Rückenschildern, reicher Rückenvergoldung, goldgeprägten Deckelfileten und Stehkantenvergoldung. [*]
Result 360 €
Der literarische Teil des sogenannten Göttinger Musenalmanachs, ohne das Kalendarium und die Kupfer. – Köhring 84 – Lanckoronska-Rümann 24. – Nur teilweise leicht gebräunt. – Die acht vorliegenden Jahrgänge einheitlich, prachtvoll gebunden.

Lot 513 Almanache – Pröhle, Heinrich
Norddeutsches Jahrbuch für Poesie und Prosa. Herausgegeben von Heinrich Pröhle. Merseburg, Garcke, 1846. X S., 1 Bl., 354 S., 1 Bl. 17,8 x 11 cm. Bedruckter Original-Pappband (angestaubt, Ecken und Kanten etwas bestoßen). [*]
After-Sale Price 200 €
Erste Ausgabe der ersten Veröffentlichung des Lehrers und Schriftstellers Heinrich Pröhle (1822-1895). – Brümmer, 19. Jahrhundert V, 352. – Unter den zahlreichen Beiträgern: K. Beck, Em. Geibel, Hoffmann von Fallersleben, J. Kerner, Th. Kerner E. Mörike, R. E. Prutz, und O. L. B. Wolff. – Teilweise stärker gebräunt.

Lot 514 Almanache
Taschenbuch für Damen. Auf das Jahr 1829. Mit 10 gestochenen Tafeln. Stuttgart und Tübingen, Cotta, 1829. XXXIV, 428 S. 14 x 8,5 cm. Illustrierte Original-Kartonage mit Ganzgoldschnitt (berieben, Rückenbezug fehlt). [*]
Result 360 €
Erste Ausgabe. – Köhring S. 112 – Lanckoronska/Rümann 64ff.: “1829, einer der seltensten Jahrgänge der ganzen Serie, bringt 14 Gedichte von Heine in Erstdrucken, ferner Verse von Alexis, Tromlitz, Tiedge und Platen.” – Etwas gebräunt, Titel mit zwei alten Namenseinträgen.

Lot 515 Almanache
Taschenbuch für das Jahr 1806. Der Liebe und Freundschaft gewidmet. Mit 9 Kupfertafeln (von Wilhelm Jury). Frankfurt, Friedrich Wilmans, 1805. 10 Bl., 264 S., 2 Bl. 12 x 8 cm. Illustrierte Original-Kartonage mit Ganzgoldschnitt (etwas berieben). [*]
Result 380 €
Gutes Exemplar des seltenen Jahrgangs dieses von 1800 bis 1841 erschienenen Taschenbuchs, das besonders in den frühen Jahrgängen einige bedeutende literarische Beiträge brachte. – Goedeke VIII, 52, 15 – Lanckoronska-Rümann 71f. – Köhring 133. – In vorliegenden Jahrgang sind neben Gedichten und Erzählungen von Friedrich Rochlitz, Karoline Kröber, Christian Karl Buri, Louise Brachmann, Karoline Rudolphi, Aloys Schreiber und Friedrich Lassaulx besonders bemerkenswert die Kindermythen von Joseph Görres (Goedeke VI, 204, 11) und von Sophie Brentano(-Mereau) die bereits 1796 entstandene, damals wegen Schillers Einwänden (weil “die Maximen, nach denen gehandelt wird, … sich nicht ganz billigen lassen”) nicht veröffentlichte Erzählung ‘Die Flucht nach der Hauptstadt’ (mit einer Abbildung; Goedeke VI, 64, 16). In dieser Erzählung, der einzigen ihrer Schriften, die zeitgenössisch ins Englische übersetzt wurde, führt die Ich-Erzählerin “ein äußerst unkonventionelles, abwechslungsreiches Liebesleben ohne priesterlichen oder staatlichen Segen … Kritik an beklagenswerten Zuständen verbindet sich mit Darstellungen lebensfroher Varianten ihrer Unterwanderung.” (K. Hammerstein). – Von herausragender Bedeutung ist sicher einer der letzten zu Lebzeiten veröffentlichten Texte der Karoline von Günderrode, pseudonym Tian, “Nikator”. Eine dramatische Skizze in drei Akten. (Goedeke VI, 67, 4) in der von ihr entwickelten Form des “lyrischen Dramas”. Ihr Geliebter Friedrich Creuzer war an der Konzeption des Stückes maßgeblich beteiligt. – Zeitgenössische handschriftliche Einträge am Anfang und ein vermutlich von dem Freitod der Günderrode inspiriertes handschriftliches Gedicht am Ende. – Teils leicht gebräunt.

Lot 516 Arnim, Gisela von
Das Heimelchen. Dämmermährchen von Allerleirauh aus der Familie der Heimeli. Mit illustriertem Titel und 9 Illustrationen auf unterschiedlich farbigem Papier (von Gisela und Maximiliane von Arnim, Marie von Olfers und Hermann Grimm). Berlin, Expedition des Arnim’schen Verlags, 1848. Titel, 4 Bl., 70 S. 18,5 x 11,5 cm. – Und: Dieselbe. Aus den Papieren eines Spatzen. Märchen für eine Morgenstunde von Marilla Fittchersvogel. Berlin, Expedition des Arnim’schen Verlags. 1848. 2 Bl., 84 S. 18,5 x 11,5 cm. Zus. 2 Bände. Halblederbände im Stil der Zeit mit goldgeprägtem Rückentitel und Rückenvergoldung. [*]
Result 300 €
Erste Ausgaben. – Goedeke VI, 88, 3 und 2 – vgl. Mallon, Bettina-Bibliographie 97. – Gisela von Arnim (1827-1889) war die jüngste und begabteste Tochter von Bettina und Achim von Arnim. – “Früh begann sie zu dichten und zu schreiben, wie wenn dies für ein Mitglied der Familie Arnim-Brentano das Natürliche sei. … Niemals aber richtete sich das, was sie schrieb, an den Beifall der Öffentlichkeit im heutigen Sinne. Sie wandte sich vielmehr in Gedanken immer an einen bestimmten Kreis durch Verwandtschaft oder Freundschaft ihr zugehöriger Personen, die sie verstehen würden. Ihre ersten Dichtungen las Gisela in einem Vereine junger Damen und Herren, der um den Anfang der vierziger Jahre sich gebildet hatte (der “Kaffeter” genannt). … Im Jahre 1846 nun entstand Das Heimelchen, um dieselbe Zeit … Aus den Papieren eines Spatzen. Es sind Märchen, nicht in der strengeren und volkstümlichen Art der Brüder Grimm, sondern wie sie Arnim, Brentano, E.T.A. Hoffmann gedichtet hatten.” (Goedeke). – Der beigebundene vordere Umschlag des zweiten Titels aufgezogen. – Leicht gebräunt, Illustrationen teils bis an die Einfassung beschnitten. Dekorativ gebunden.

Lot 517 Arnim, Ludwig Achim von
Die Kronenwächter. Erster Band. (Nebentitel:) Berthold’s erstes und zweites Leben. Ein Roman. Mit 1 Holzschnitt-Titel (F.W. Gubitz nach Ph.O.Runge bzw. Schinkel). Berlin, Maurersche Buchhandlung, 1817. Titel, 441 S. 16 x 10 cm. Reizvoller, spätbiedermeierlicher Ganzlederband mit Blindprägung beider Deckel sowie vergoldetem Rückentitel (bestoßen, etwas beschabt). [*]
Result 400 €
Erste Ausgabe. – Mallon 88 – Goedeke VI, 75.32). – Der oft fehlende Holzschnitt-Titel auf stärkerem, leicht rosafarbenem Papier und hier nochmals auf Karton aufgezogen. – “Ew. Excellenz übergebe ich den ersten Band meiner Kronenwächter aus wohlbegründeter alter Ergebenheit, ein Buch, das ich noch recht lieb habe, obgleich es gedruckt ist. Die Übersicht seines Planes wird erst im folgenden Bande möglich, doch sagt die Einleitung manches darüber, was mir nicht der Augenblick, sondern die Jahre gelehrt haben. Der Titel ist nach einer Zeichnung des verstorbenen Runge, durch Schinkel nach meinem Wunsche verändert, von Gubitz in Holz geschnitten, ….” (Arnim an Goethe, 15. Juni 1817). – Der zweite Band erschien erst 1854 als Band 4 der Werkausgabe. Am Ende beigebunden einige leere Blatt von grauem Karton. – Etwas stockfleckig und gebräunt, Titel mit altem gelöschten Stempel einer Leihbibliothek und irrigem handschriftlichen Zusatz “Zweiter Band”, Leihbibliotheksstempel auf Seite 1 komplett wiederholt, insgesamt gut. – Dekoratives Exemplar.

Lot 518
Bagatellen romantischen Inhalts. Mit gestochenem Frontispiz und gestochener Titelvignette. Wien, Schaumburg, 1797. 3 Bl., 328 S. 16 x 9,5 cm. Halblederband (um 1880) mit goldgeprägtem Rückentitel (etwas berieben). [*]
Result 200 €
Erste Ausgabe. – Hayn-Gotendorf I, 164: “Rar. – 1. Zwei Ehestandsgeschichten. 2. Eine besondere Art, Leibeserben zu bekommen. 3. Doppelte Rache für verschmähte Liebe. (Nach Bandello). 4. Die Gerechtigkeit in Venedig lässt kein Verbrechen ungestraft. 5. Das Gegenstück, nichts weniger als tragisch. 6. Die erste Beichte. 7. Eine Ballanekdote. 8. Der wahrsagende Brunnen. 9. Die beiden Zeisige. 10. Der Kapuzinerlaienbruder, 11. Meine letzte Reise auf der Donau von Ulm bis Wien. 12. Traum eines Unglücklichen in der letzten Nacht des Jahres. 13. Die Geburt Kaiser Karls des Großen. 14. Zwo Kriminalgeschichten. – Außer Nr. 12 u. 14 sämmtlich pikante Novellen”. – Etwas gebräunt.

Lot 519 Balzac, Honoré de
Balzac illustré. La peau de chagrin. Etudes sociales. Mit Stahlstich-Titelvignette und 100 Stahlstich-Textillustrationen. Paris, Delloye und Lecou, 1838. 2 Bl., 402 S., 1 Bl. 26 x 17 cm. Halbleder der Zeit mit geprägtem Rückentitel und reicher -vergoldung (Kanten berieben). [*]
Result 200 €
Erste illustrierte Ausgabe. – Die Illustrationen von Brunellière, Nargeot und Langlois nach Gavarni, Baron, Janet-Lange u.a. – Monogrammstempel auf Titel, vereinzelt minimal fleckig.

Lot 520 Barockliteratur
Curieuse Briefe darinnen die schwersten und tief-sinnigsten, doch meist in der Natur gegründeten Dinge, abgehandelt werden. Hamburg und Leipzig, Liebezeit, 1716. 4 Bl., 280 S. 17 x 10 cm. Halbpergamentband der Zeit (Bezug mit kleinen Fehlstellen, Vordergelenk repariert, etwas bestoßen, fleckig). [*]
After-Sale Price 200 €
Einzige Ausgabe, selten. – Georgi I, 203. – Barocke Gedanken über Gott und die Welt, eine bunte Mischung aus Theologie, Philosophie und vielen anderen Materien und Disziplinen, “ernsthaffte mit lustigen Sachen unter einander, doch in richtiger Connexion vermischet” (Vorrede). – Gelegentlich mit zarten Unterstreichungen und einigen wenigen Marginalien von alter Hand in Tinte, gleichmäßig leicht gebräunt.

Lot 521 Barockliteratur – Curtz, Albert von
Harpffen Davids mit Teutschen Saiten bespan(n)et. Auch zu Trost, und Erquickung der andächtigen Seel. Gesangsweiß angerichtet. Mit Kupfertitel, Holzschnitt-Druckermarke auf letztem Blatt und zahlreichen Noten im Text. Augspurg, Utzschneider, 1669. 18 Bl., 739 S., 2 Bl. 14 x 7,5 cm. Pergamentband der Zeit (fleckig, Rücken neu mit Pergament überzogen). [*]
After-Sale Price 200 €
Zweite, umgearbeitete Ausgabe des wichtigen Gesangbuches, das zu den bedeutendsten Erzeugnissen der katholischen, ja überhaupt des süddeutschen Kirchenliedes gehört. – VD17 23:303337R – Haus der Bücher, Barockliteratur NF, 223 – Bäumker, Katholisches Kirchenlied II, 54 – de Backer/Sommervogel II, 1743 – Eitner V, 25 – Breslauer, Das Deutsche Lied, 274. – “Dieses wichtige Werk … ist sowohl vom literarischen wie musikalischen Standpunkt offenbar noch nicht genügend gewürdigt worden” (Seebaß). Bemerkenswert dabei ist, dass der Verfasser wohl einiges von der protestantischen Choraldichtung des 16.Jahrhunderts gekannt haben muss, da sich gelegentlich Anklänge an deren Texte finden. Deshalb war das Werk auch in protestantischen Kreisen beliebt. Dem Dichter ist eine möglichst volkstümliche Eindeutschung der lateinischen Psalmen das Hauptanliegen. Die schönen 46 Melodien für Diskant und Generalbass, die in der ersten Ausgabe noch separat vorlagen, sind hier in den Text gedruckt. – Die ersten drei Blatt mit Wurmgang im Falz (leichter Bildverlust), ein Blatt mit Einriss.

Lot 522 Barockliteratur
Monatliche Unterredungen einiger guten Freunde von allerhand Büchern und andern annehmlichen Geschichten. Allen Liebhabern der Curiositäten zur Ergetzligkeit und Nachsinnen heraus gegeben (von W.E. Tentzel). Januaris – December 1698. (Jahrgang 10). Mit 11 (von 12?) gestochenen Frontispizen. Leipzig, Fritsch, 1698. 12 Titel, 1062 S., 44 Bl. 17 x 10 cm. Pergamentband der Zeit. [*]
Result 220 €
Kirchner 5 – Diesch 7 – Hayn-Gotendorf VIII, 41. – Letzter Jahrgang der literarisch-kritischen Monatsschrift, die von 1689 bis 1698 erschien. Die äußere Form – Freundesgespräche über Neuerscheinungen mit eingestreuten unterhaltsamen Abschweifungen über naturkundliche, geographische und geschichtliche Merkwürdigkeiten – hat Tentzel von Ch. Thomasius und dessen “Scherz- und ernsthaften … Gedanken über allerhand lustige und nützlicher Bücher” übernommen. – Ohne das Frontispiz zum Dezember-Heft, das offensichtlich auch in anderen Exemplaren fehlt. – Sehr gutes, nur teilweise leicht gebräuntes Exemplar.

Lot 523 Barockliteratur – Schupp, Johann Balthasar
Erste und eylfertige Antwort auff M. Bernhard Schmitts Discurs ‘De Reputatione Academica’. Altona, V. de Löw, 1659. Titel, 70 S. – Vorgebunden: Derselbe. Eylfertiges Sendschreiben an den Calenderschreiber zu Leipzig. Ebenda, 1659. 48 S. 13,5 x 7,5 cm. Pergamentband der Zeit (etwas fleckig und wellig, Bezug an den Kanten etwas geplatzt). [*]
After-Sale Price 500 €
Zu I. VD 17 23:251341G – Dünnhaupt 71.2. – Eine von vier Druckvarianten. – Zu II. VD 17 23:251334Y – vgl. Dünnhaupt 72. – Eine von zwei Druckvarianten. – Titel mit leichten Läsuren im unteren Rand und im Bundsteg. – Zwei Schriften des sehr streitbaren Marburger Theologen Johann Balthasar Schupp (1610-1661), gerichtet gegen den Dresdner Magister Bernhard Schmitt, der Schupp wegen seiner Äußerungen über Universitäten und das akademische Studium als einen Feind der Hochschulen brandmarkte. – Angebunden in Bindefolge: 1. Derselbe. Der Lobwürdige Löw, einem vornehmen Freund zu Ehren eylend abgemahlet. (Ohne Ort und Drucker), 1658. 14 Bl. – VD 17 23:251308K – Dünnhaupt 55.2. – Glückwunschadresse zur Vermählung des Dr. jur. Marcus Pensin am 30.1.1654 in Hamburg. – 2. Derselbe. Braut-Lied, gerichtet auff der Frantzosen Sprich-Wort: Contentement passe richesse. Dem Ehrenvesten und Wollgeachteten Herrn Henrich Mäven Handels-Mann in Hamburg, seinem sonderbahren werthen Freund und fleissigen Zuhörer, als er seinen Hochzeitlichen Ehren-Tag hielt, und sich zum andern mahl in den Ehe-Stand begab Mit … Anna Sann. Im Jahr, 1657. (Ohne Ort und Drucker), 1657. 10 Bl. (das letzte weiß). – VD 17 23:251329E – Dünnhaupt 63. – 3. Derselbe. Calender. Wolfenbüttel, J. Bißmarck, 1659. 1 Bl., 106 S. – VD 17 3:304879P – Dünnhaupt 70.2. – Schrift aus der Reihe der “Bücherdieb-Polemiken” gegen Raubdrucke, hier im Wolfenbütteler Nachdruck im Neusatz. – 4. B. Venator. Kurtze und kurtzweilige Beschreibung der zuvor unerhörten Reise, welche Herr Bilgram von Hohen Wandern ohnlängsten in die neue Ober-Welt des Monds gethan. (Ohne Ort und Drucker), 1660. 71 S. – VD 17 23:299080G – Goedeke III, 251, 31, 2; Dünnhaupt 1849, F 4.2. (unter Grimmelshausen); Faber du Faur 1150. – Geschichte einer Reise zum Mond, in der ein Traum benutzt wird, um durch Verschiebung zum Utopischen Missstände in Politik und Kirche beschreiben zu können. Wurde früher fälschlich Grimmelshausen zugeschrieben. Als zweiter Teil der “Traum-Geschicht von Dir und Mir” mit eigenem Titelblatt gedruckt. – Der Text ist hier vollständig vorhanden, während Kupfertitel und Drucktitel fehlen. – Exlibris, vorderer Vorsatz fehlt, teilweise leicht gebräunt.

Lot 524 Bissing, Henriette von
Don Manuel Godoi. Ein Roman. 3 Bände. Leipzig, Hahn, 1845. 18,5 x 11,5 cm. Halblederbände (um 1900) mit goldgeprägtem Rückentitel (etwas berieben).
After-Sale Price 200 €
Erste Ausgabe, anonym erschienen. – Pataky I, 73 (ohne diesen Titel). – Wenige Blatt etwas stärker gebräunt.

Lot 525 Boulanger, Nicolas Antoine
Recherches sur l’origine du despotisme oriental. Mit 1 gestochenen Titelvignette. London, Seyffert, 1762. Angebunden: Dissertation sur Elie et Enoch. Par l’Auteur (Mr. Boulanger) des Recherches sur l’Origine du Despotisme Oriental et servant de suite a cet Ouvrage. Mit gestochener Titelvignette (aus Teil 1 wiederholt) sowie 1 Falttabelle. Dix-huitieme siecle (das ist: Amsterdam, Rey, 1764). 264 S., 216 S. 16,5 x 10 cm. Leder der Zeit mit Rückenvergoldung (bestoßen, berieben, Bezug etwas rissig). [*]
After-Sale Price 200 €
Zweite Ausgabe des ersten Teils, die Erstausgabe war ohne Drucker im Vorjahr erschienen. – Vgl. Cioranescu, 13420 – Caillet 1532 – Vercruysse (1761) F 1. – Holbach und sein Kreis fungierten hier als Herausgeber bzw. Bearbeiter. Das Akronym ist laut Vercruysse aufzulösen: “B(oulanger) I(ngénieur) D(es) P(onts) E(t) C(haussées)” – Der zweite Teil in der Erstausgabe, in der Übersetzung und Bearbeitung von Holbach. – Cioranescu I,13421 (ohne Jahreszahl, mit gleicher Koll.) – Vercruysse (1764) F1. – 1. Vortitel: “Recherches sur l’origine du despotisme, seconde partie.” 2. Vortitel: “Dissertations sur Elie et Enoch. Sur Esope fabuliste, et Traite mathematique sur le bonheur”. – Alter Namenseintrag auf dem ersten Vortitel, nur wenig gebräunt, gegen Ende gering wellig.

Lot 526 Buchwesen – Barker, Nicolas
Aldus Manutius and the Development of Greek Script & Type in the Fifteenth Century. Mit 4 Original-Blättern und 50 Abbildungen. Sandy Hook, Chiswick, 1985. XIV, 125 S. 34 x 23,5 cm. Original-Leinwand mit Original-Schuber.
Result 750 €
In 200 Exemplaren gedruckt. – Mit Original-Blättern aus den ersten Aldine-Ausgaben Aristoteles 1497; Crastonus’ Dictionarium Graecum, 1497; Euripides, 1503; und Septuaginta, 1518. – Beiliegend: 4-seitiges Verlagsprospekt. – Tadellos.

Lot 527 Buchwesen
Bibliotheca Sunderlandiana. Sale Catalogue of the Truly Important and Very Extensive Library of Printed Books Known as the Sunderland or Blenheim Library, Comprising a Remarkable Collection of the Greek and Roman Classic Writers in First and Early Editions. 5 Teile in 2 Bänden. London, Puttick & Simpson, 1881-1883. VIII, 1058, CXLV S. 25,5 x 16,5 cm. Halblederbände der Zeit mit goldgeprägtem Rückentitel, Kopfgoldschnitt (berieben).
After-Sale Price 200 €
Mit Ergebnis- und Käuferliste. – Schnitt fleckig, sonst gutes Exemplar.

Lot 528 Buchwesen
Catalogue d’une belle collection de tableaux originaux des meilleurs maîtres françois et hollandois, figures en bronze, porcelaine anciennes, & autre, pendules à répétition, & divers objets curieux, qui composent le Cabinet de M*** ; Cette vente intéressante commencera le mercredi 5 avril 1780, & jours suivans, quatre heures de relevée, dans la grande salle de l’Hôtel du Bullion, rue Plâtrière. Paris, Chariot & Paillet, 1780. 92 S., 8 Bl. 20 x 13 cm. Interimsbroschur der Zeit (Rücken mit Fehlstellen und Einrissen, berieben).
After-Sale Price 200 €
Sehr seltener Versteigerungskatalog der Sammlung Jean-François Leroy de Senneville (1715-1784), der von 1752 bis 1780 Sekretär des Königs war . – Gering gebräunt und fleckig.

Lot 529 Buchwesen
The Estelle Doheny Collection. 6 Bände und Indexband. Mit zahlreichen Abbildungen. New York, Christie, Manson & Woods, 1987-89. 30,5 x 21,5 cm. Original-Leinwand.
Result 200 €
Der Indexband enthält auch die Preis- und Ergebnislisten. – Hervorragend bearbeitete und illustrierte Versteigerungskataloge einer der bedeutendsten Privatbibliotheken des 20.Jahrhunderts. – Sehr gutes Exemplar.

Lot 530 Buchwesen
Die kleine Jobsiade für Buchhändler. Leipzig, E. Wengler, Ostermesse 1857. 128 S. 12,5 x 8,5 cm. Halbleinwand der Zeit (etwas beschabt).
After-Sale Price 200 €
Erste und einzige Ausgabe, anonym erschienen. – Der Autor ist anscheinend nicht identifiziert, stammt aber sicherlich aus Kreisen des Verlagsbuchhandels, evtl. ist der Verleger auch der Autor. Die beiden Deckel der Original-Broschur sind beigebunden, darauf Werbung für weitere anonyme humoristische Buchhändler-Literatur desselben Verlages (und Autors?). – Vereinzelt etwas braunfleckig, sonst gut.

Lot 531 Buchwesen – Merz, Aloys
Frag, Was für Folgen werden so viele verderblichen Bücher und Piecen, mit denen das Publikum zu unsern Zeiten überschwemmet wird, endlich nach sich ziehen? In den heiligen Osterfeyertagen beantwortet von Aloysius Merz, der Gottesgelehrtheit Doktor, und des hohen Domstifts zu Augsburg ordinari Prediger. Im Jahre 1783. Mit Holzschnitt-Vignette auf dem Titel. Augsburg, Joseph Wolff, 1783. 28 S. 21 x 16,5 cm. Neue Broschur.
After-Sale Price 200 €
Erste Ausgabe der seltenen Streitschrift. – Meusel IX, 99 – ADB XXI, 480: “M. war einer der fruchtbarsten und schlagfertigsten katholischen Polemiker seiner Zeit, der in zahlreichen populären Flugschriften die streng kirchlichen Grundsätze theils gegen die Protestanten, theils gegen die auch in die katholischen Gebiete Deutschlands immer weiter eindringende sog. Aufklärung und die damit verwandte jansenistische und josefinische Strömung in der Theologie vertheidigte.” – Leicht gebräunt.

Lot 532 Buchwesen – Neubürger, Hermann
Praktisches Handbuch der Buchdruckerkunst. Mit 19 Kupfertafeln und 5 Beilagen mit Farbproben. Leipzig, Hunger, 1841. XVI, 270 S. 21,5 x 12,5 cm. Marmorierter Pappband der Zeit (berieben und etwas bestoßen). [*]
Result 420 €
Erste Ausgabe. – Bigmore-W. II, 73. – Insgesamt recht gutes Exemplar des nicht häufigen Werkes.

Lot 533 Callot, Jacques
De droeve ellendigheden von den oorloogh. Seer aerdigh en konstigh afgebeelt. Mit radiertem Titel und 17 Radierungen von Leon Schenk nach Jacques Callot, jeweils mit weißem Zwischenblatt. Amsterdam, Gerret van Schagen, ca. 1730. 13,5 x 22,5 cm. Halbleder der Zeit (Vorderdeckel lose, berieben, Ecken bestoßen).
Result 420 €
Vgl. Meaume 564-581 – Hollstein (van Schagen) 8-25. – Holländische Ausgabe von “Les Miseres et malheurs de la guerre”, erschienen in Frankreich, 1633. – Teils fleckig und gebräunt, Zwischenblätter teils mit Abklatsch.

Lot 534 Clodius, Christian August
Versuche aus der Literatur und Moral. Erstes-viertes Stück (alles Erschienene) in einem Band. Mit 4 (wiederholten) gestochenen Titelvignetten. Leipzig, Breitkopf und Sohn, 1767-1769. 8 Bl., 696 S., 14 Bl. 20 x 12 cm. Halblederband der Zeit mit Rückenschild und Rückenvergoldung (Deckel berieben und etwas fleckig, Ecken bestoßen, Kapital mit kleinen Einrissen). [*]
Result 240 €
Erste Ausgabe. – Goedeke III, 375, 113, 3 – Diesch 765 – Kirchner 5321 – Krieg, MNE I, S.145 (kennt die Stücke 3 und 4 nicht). – Vollständiges Exemplar der seltenen literarischen Zeitschrift, “das hauptsächlichste und verdienstvollste seiner Werke, dem er auch vorzüglich seinen literarischen Ruhm verdankt.” (Jördens IV, S. 320). – C. A. Clodius (1737-1784) ist heute beinahe weniger wegen seiner nicht geringen Verdienste u.a. als akademischer Lehrer bekannt, zu dessen Hörern auch der Student Goethe zählte, der seinem Lehrer die Kritik an einem von ihm verfassten Hochzeitspoem übelnahm, was ihn zu dem Spottgedicht “An den Kuchenbäcker Händel” anregte, dem ersten gedruckten Gedicht Goethes. Im zweiten Stück der Versuche findet sich der Erstdruck des Lustspiels Medon, durch das Clodius im Kreis um Goethes Leipziger Freund und Mentor Behrisch “bevorzugter Gegenstand des Spottes” wurde. – Kleines Wappenexlibris auf dem Innendeckel, Stempel und Doublettenstempel der Danziger Stadtbibliothek auf dem Titel, teils stockfleckig. Dekorativ gebunden.

Lot 535 Cludius, Hermann Heimart
Betrachtungen über die gesamten Lehren der Religion. 4 Teile in 4 Bänden. Bremen, Georg Ludewig Förster, 1783-1787. 18 x 11 cm. Halblederbände der Zeit mit 2 Rückenschildern und Rückenvergoldung (etwas berieben, ein Schild fehlt, eins mit kleiner Fehlstelle, ein vorderes Gelenk mit kleinem Loch).
After-Sale Price 200 €
Erste Ausgabe des seltenen Werkes, das wir über KVK nur in wenigen deutschen Bibliotheken nachweisen können. – Der in Hildesheim geborene protestantische Pfarrer und Schriftsteller Hermann Heimart Cludius (1754-1835) studierte von 1774 bis 1777 in Göttingen an der dortigen Universität die Fächer Philologie, Philosophie und Theologie. Er war erst Mitglied des philologischen, dann des Predigerseminars. Am dritten Advent des Jahres 1777 wurde er als Pastor an der Georgskirche in Hildesheim eingeführt. – Die ersten und letzten Blatt jeweils in den Ecken etwas leimschattig.

Lot 536 Curiosa – Bogatzky, Carl Heinrich von
Der eitle Musicant und Schenkwirth als zwey Wunder in der Christenheit besonders in den itzigen betrübten Kriegsläuften nebst angewiesener allgemeinen Heilsordnung und einer auf die itzige Kriegeszeit gerichteten Vorrede. Die zweyte vermehrte Auflage. Halle, Waisenhaus, 1761. 112 S. 17,5 x 10,5 cm. Pappband der Zeit (Kanten etwas berieben, Rücken mit kleinen Bezugsfehlstellen). [*]
After-Sale Price 300 €
VD 18 10399690 – nicht bei Holzmann-Bohatta und Hayn-Gotendorf. – RISM und GV 68, 18 schreiben die Schrift dem Hallenser Pietisten Carl Heinrich Bogatzky zu. – Anklageschrift gegen die Vertreter der beiden Berufe, welche ihre “Gäste zur Völlerey reitzen… dabey immer einschenken, bis die Leute toll und voll werden”. Am Schluss in Versform u.a. “Anrede an die Tänzer” und “Ein Wort an die Saufgesellschaft”. – Mit dem Exlibris des englischen Musikforschers und Schriftstellers James E. Matthew. – Etwas gebräunt.

Lot 537 Curiosa – Czarnewski, Johann Georg Martin August
Über den Beischlaf. Eine Predigt gehalten in der Kirche des Heil. Adhelmus zu Santa Fé von Juan Diego Don Garzia y Kampo Santo. Pfarrern und Mitgliedern der Gesellschaft der Freunde des Landes. Aus dem Spanischen übersetzt. Allen Verehelichten und Unverehelichten allen Geistlichen und Laien geweihet. Aachen, 1794. 61 S. 19,5 x 12 cm. Alte Kartonage (berieben). [*]
After-Sale Price 240 €
Hayn-Gotendorf II, 502 und VIII, 10 – Hamberger-M. XVII, 371. – Amüsante Anweisungen für den hoffnungsvollen Novizen: Der angebliche spanische Prediger vermeldet zum Thema “sinnliche Freude”, aber auch “zugleich tödtendes Gift”; auch sehr praktische und hygienische Hinweise finden sich reichlich: “Bald nach jedem, selbst dem regelmäßigsten Genusse, reiniget eure Glieder” und “sind in eure Schlafzimmer noch mehrere, die da ihren nächtlichen Ruheplatz haben; so seyd vorzüglich aufmerksam und so vorsichtig, dass ihr nur dann die ehelichen Freuden und zwar ganz still genießet, wenn alles schläft”. – Der Beischlaf sollte nicht öfters als zweimal in Woche vollzogen werden (Anleihe an Luther?), denn wie man auch bei den Insekten sähe, ist die Todesrate bei den Männern wegen Überanstrengung sonst erschreckend hoch. Wegen der darauffolgenden Erholung im Schlaf sollte auch die nächtliche Kopulation bevorzugt werden! – Mit Exlibris des bedeutenden Amsterdamer Gynäkologen und Feministen, Prof. Hector Treub (1856-1920). – Unbeschnitten. – Etwas gebräunt.

Lot 538 Curiosa – Flittner, Christian Gottfried
Antihymen. Warnungstafel für alle Männer, die sich zum Heirathen versucht fühlen, in einer Gallerie wahrer Anekdoten. Gesammelt von Frauen aus allen Zeiten und Ständen, ans Licht gestellt durch Adolph Julius Theodor von Berger. Zweite Ausgabe. Mit gestochenem Frontispiz und gestochener Titelvignette. Berlin, Societäts-Buchhandlung, 1817. 1 Bl., XII, 248 S. 17 x 10 cm. Marmorierter Pappband der Zeit mit 2 roten Rückenschildern (Kanten etwas berieben). [*]
Result 200 €
Die erste Ausgabe erschien 1802 unter dem Titel “Weiberlist und Weiberrache”. – Hayn-Gotendorf VIII, 344. – Sammlung von Geschichten untreuer und mörderischer Ehefrauen. Der durch seine Flut mehr oder minder erotischer Schriften bekannte Flittner schließt mit den Worten “Gott bewahre jeden ehrlichen Mann vor Weibern!”. – Etwas stockfleckig, Frontispiz mit Abklatsch auf den Titel.

Lot 539 Curiosa – Flittner, Christian Gottfried
Meine Bekenntnisse über die Weiber. Mit gestochenem Frontispiz. Berlin, Oehmigke, 1804. Titel, 248 S. 16 x 10 cm. Leinwand der Zeit. [*]
After-Sale Price 200 €
Titelauflage der Erstausgabe von 1800, anonym erschienen. – Holzmann-Bohatta I, 4871 – Hayn-Gotendorf I, 220: “Enthält 531 stellenw. pikante Aphorismen üb. die Frauen.” – Innendeckel mit Exlibris und Spuren eines entfernten, etwas gebräunt bzw. stockfleckig,

Lot 540 Curiosa
Ganz neu aufgelegtes Traumbüchlein, daraus ein jeder Lotto-spielender Liebhaber seine Träume untersuchen, und darauf in der Lotterie sich glücklich machen kann. Welches durch erprobte Erfahrung verbessert, und in Druck gebracht worden. Venedig (fingiert), 1815. 59 S., 1 Bl. 16 x 10 cm. Rückenbroschur. [*]
After-Sale Price 200 €
KVK kennt Ausgaben von 1776 (Stuttgart und Tübingen mit gleicher Kollation) bis 1861, vorliegende allerdings nicht. – Alphabetische Auflistung von geträumten Begriffen und der dazu gewinnversprechenden Lottozahlen, von Aal bis Zwirn von Gold. Die letzten zwei Blätter mit geheimen Würfel-Tipps. – Titelblatt etwas angestaubt und mit kleineren Läsuren am seitlichen Rand.

Lot 541 Curiosa – Haas, Nicolaus
Wohlgemeinte Vorstellung: was bey der Bier- Brau- und Schenck-Nahrung wider Gottes Wort und gutes Gewissen sey? Zu treulicher Warnung für ewigen Seelen-Schaden bey dem zeitlichen Geld-Gewinn. Dabey mit angehänget wird Herrn J. Jacobi … Christliche Erinnerung von dem so genannten Guten Montag. Dresden, Zimmermann, 1710. 80 S. 16,5 x 10 cm. Rückenbroschur. [*]
Result 550 €
Erste Ausgabe. – Jöcher II, 1297 – Baader II, 73, 18 – Schoellhorn 150, 1710 – Ein Gang durch die Zehn Gebote im Blick auf Fehlverhalten beim Bierbrauen und Biertrinken in Schankhäusern; verfasst von Nicolaus Haas (1665-1715), aus Wunsiedel gebürtigem Pfarrer, zuletzt Prediger in Bautzen. – Notiz auf Titel, Seiten zusätzlich alt handschriftlich nummeriert: 285-364.

Lot 542 Curiosa – Hävecker, Johann Heinrich
Der lebendig-todte Trunckenbold, durch Vorstellung lasterhaffter Trunckenheit, in welcher Deutsch-Land, als in einer schrecklichen Sünd-Fluth, endlich wird ertrincken und versincken; aus seinem sündlichen Todten-Schlaff erwecket, und denen heutigen Voll-Säuffern und Trunckenbolden zur Warnung. Frankfurt und Leipzig, Gensch, 1712. 8 Bl., 125 S. 17 x 10 cm. Halbpergament der Zeit (berieben und bestoßen). [*]
Result 500 €
Einzige Ausgabe. – Jöcher/Adelung II, 1719 – Kosch VII, 94. – Johann Heinrich Hävecker (1640-1722) war Rektor, Diakon und erster Prediger in Calbe an der Saale. – Alle Seiten handschriftlich paginiert von 365 bis 506, gleichmäßig leicht gebräunt, Vorsatz alt beschrieben, Bleistiftanstreichungen.

Lot 543 Curiosa – Heidemann
Was ist für und wider die öffentlichen Freudenhäuser zu sagen? Breslau, Kunst- und Industrie-Comptoir, 1810. 43 S. 17 x 10,5 cm. Rückenbroschur. [*]
Result 200 €
Erste Ausgabe. – Hayn-Gotendorf III, 116: “Selten!” – Heidemann (sein Vorname ist unbekannt) war Arzt in Breslau und schrieb ein bekanntes Werk über die dortigen Bordelle. – Titel und letztes Blatt verso angestaubt.

Lot 544 Curiosa – Herrnschmidt, Johann Daniel
Der Fromme Wirt(h) und Christliche Gasthof, vermittelst 1.) eines historischen Vortrags vom Ursprung und guten Gebrauch der Wirthshäuser, 2.) einer bescheidenen Anzeige der darinnen insgemein vorgehenden Sünden und Mißbräuche, und 3.) einer schrifftmäßigen Anleitung zur wohlmöglichen Verbesserung. Mit doppelblattgroßem gestochenen Frontispiz. Frankfurt, Jung, 1713. 10 Bl., 258 S., 3 Bl. 17 x 10,5 cm. Pappband der Zeit (etwas berieben und bestoßen). [*]
Result 650 €
Einzige Ausgabe. – Wetzel IV, 234, 12 – Kosch, Ergänzungsband V, 11. – Abhandlung über das Wirtshaus in geschichtlicher, theologischer und moralphilosophischer Hinsicht. Verfasst vom Theologen Johann Daniel Herrnschmidt (1675-1723), der sich vor allem als pietistischer Liederdichter einen Namen gemacht hat; “seine Lieder zeichnen sich durch Tiefe und Innigkeit aus” (ADB XII, 221). – Vorderes Innengelenk angebrochen, Frontispiz mit kleinem, alt hinterlegten Einriss, Titel und folgendes Blatt seitlich knapp beschnitten (geringer Textverlust), gleichmäßig leicht gebräunt.

Lot 545 Curiosa – Hilscher, Paul Christian
Nachricht von der aus ihrem Grabe wieder auferstandenen Goldschmids-Frau in Dreßden. Nebst einer Erinnerung von der unerkannten Sünde: Die Leute zu begraben, ehe sie noch gestorben sind. Mit gestochenem Frontispiz. Dresden, Mieths Erben, 1723. 1 Bl., 28 S. 18 x 11 cm. Neuer Pappband. [*]
After-Sale Price 300 €
Erste Ausgabe. – Graesse, BMP 92. – Die Goldschmiedsgattin “Geissin” (Geiss) wurde als tot beerdigt, als aber in der Nacht der Totengräber kam, um ihr die Ringe von den Fingern zu ziehen erwachte sie und lief im Totenhemd zu ihrer Familie zurück. Der Schreck dort war wohl ähnlich groß wie beim Totengräber, aber letztendlich wurde sie wieder in ihrer Familie aufgenommen und hatte mit ihrem Gatten noch zwei weitere Kinder. – Vgl. dazu: Graesse, Der Sagenschatz des Königreichs Sachsen, S. 107. – Das Frontispiz zeigt das Epitaph der dann doch irgendwann tatsächlich verstorbenen “Geissin” an der Dresdner Frauenkirche (wohl die Vorgängerkirche der heutigen). – Etwas gebräunt.

Lot 546 Curiosa – Keller, Engelhardt
Der Wein überhaupt und der Frankenwein insbesondere als Heilmittel betrachtet. Inaugural-Abhandlung der Medicinischen Fakultät zu Würzburg. Würzburg, Zürn, 1838. 24 S. 20 x 12,5 cm. Rückenbroschur. [*]
Result 200 €
Schoene 3, 13475. – Außergewöhnliche Schrift des Dr. Keller, der ungewöhnliche Thesen zu Wein und Gesundheit vertritt: Neben der Empfehlung ein Glas bereits zum Frühstück als prophylaktische Maßnahme einzunehmen, werden die verschiedenen Krankheitsbereiche und die dafür zur Heilung geeigneten Weine beschrieben. So werden gegen faulige und typhose Fieber, Nervenleiden u.a. Franken-, Rhein-, Mosel und Neckarweine empfohlen, bei Hirnerschütterung, Erbrechen der Schwangeren und Seekrankheit empfiehlt Dr. Keller dagegen Champagner. Ab Seite 18 wird speziell auf die hervorragenden heilenden Eigenschaften des Frankenweins eingegangen, der u.a. besonders erfolgreich gegen Blödsinn, Schwerhörigkeit, Skorbut, Obstructionen der Leber und Milz, Hämorrhoiden, Impotenz und Tripper einzusetzen ist – “Frankenwein ist Krankenwein”! – Etwas stockfleckig, Titel gestempelt.

Lot 547 Curiosa – Kritzinger, Friedrich Adolph (Pseudonym: Wilhelm Tissot)
Sammlung von verschiedenen raren sympathetischen, magnetischen und andern Curen, wie auch von andern wunderbaren und in der Haushaltung nützlichen Kunststücken und Experimenten von Wilhelm Tissot. Mit gestochenem Frontispiz. Neuschadell (das ist: Brückner in Römhild), 1785. 304 S. 17 x 10 cm. Halblederband der Zeit mit 2 Rückenschildern und reicher Rückenvergoldung, am Fuß mit Monogramm “AM” (eins der Schilder etwas abgerieben). [*]
Result 240 €
Erste Ausgabe. – Weller, Druckorte I, S. 126 – Katalog der Josephin. Bibliothek Wien, 658 – ADB XVII, 173: “Er hat sich bei seinen Zeitgenossen als der Verfasser schmutziger Schriften, die er seit 1760 in eigenem Verlage erscheinen und meistens mit gefälschten Autornamen, wozu er die der geachtetesten Persönlichkeiten, wie u. a. … des Arztes Tissot, mißbrauchte, sowie mit fingirten Druckorten versehen (Scherzfeld, Amsterdam, An der Pleiße, Zürich, Straßburg, London etc.) erscheinen ließ, einen sehr berüchtigten Namen erworben und mit Recht haben die Litteraturzeitungen jener Zeit daran erinnert, daß ihm hierfür dieselbe Strafe gebühre, wie dem englischen Buchhändler Edmund Curl, + 1746, welcher wegen eines von ihm herausgegebenen Romans an den Pranger gestellt und zur Abschneidung der Ohren verurtheilt worden sei.” – Kuriose Schrift, u.a. über Hausarzneimittel, Herstellung von Getränken, Zahnpulver, Knallpulver, Schlaggold, Buchbinderkleister, Experimente mit der Dampfkugel und mit dem Magnet, über die Kunst mit Gold zu schreiben, über Gemäldereinigung u.v.m. – Leicht gebräunt. – Gutes Exemplar, dekorativ gebunden.

Lot 548 Curiosa – Meidinger, Franz Sebastian
Der Verfall guter Sitten und überhandgenommener Ausgelassenheit unter dem schönen Geschlechte oder Die bösen Folgen des Krieges, in sehr unterhaltlich und lächerlichen Briefen. Allen rechtschaffenen Frauen, Müttern und Töchtern gewidmet. Erstes Bändchen (alles Erschienene). Mit gestochener Titelvignette. Landshut, 1803. XXIII, 261 S. 18,5 x 11,5 cm. Pappband der Zeit mit Rückenschild (etwas fleckig und verblasst). [*]
After-Sale Price 300 €
Erste Ausgabe von einem der selteneren Werken Meidingers, anonym erschienen. – Holzmann-Bohatta IV, 8932 – Krieg, MNE II, 24 – Hayn-Gotendorf I, 191: “Zur bayerischen Sittengeschichte ist dieses sehr seltene u. pikante Buch von nicht geringem Interesse … Niemals ist das ‘Zweierleituch-Fieber’ des weiblichen Geschlechts treffender und drastischer geschildert worden als von dem niederbayerischen Erotiker.” – Wird in einigen Bibliothekskatalogen fälschlich mit Druckort “Straubing, Attenkofer” angegeben; in dem erst 1860 gegründeten Verlag erschien nur der Reprint von 1999. – Vorderer Vorsatz fehlt, nur leicht gebräunt. Gutes Exemplar.

Lot 549 Curiosa – Philippi, J. E
Vier poßirliche Gedichte, als: I. Eines Wittenbergischen Edelmanns Studenten-Lebens. II. Eines Hällischen Passagires Lobgedicht auf das Karbatschen-Klatschen. III. Eines Leipziger Magisters Parodie, und Wiederlegung solchen Lobgedichtes. IV. Die Schaubühne der Welt, und auf derselben der Sauf-Ernst zu Jena, als eine poßirliche Person, und Spiegel lehrreicher Betrachtung… von Leberecht Blaustrumpf, Halbehrwürdigen Mitgliede der Froschmäusler-Gesellschaft. Schönstadt (?), 1747. 24 S. 20 x 17 cm. Marmorierter Umschlag der Zeit. [*]
Result 200 €
Erste Ausgabe, anonym erschienen. – Erman-H. I, 16511. – Seltene, galant-parodistische Gedichte des Hallenser Gelehrten Philippi.

Lot 550 Curiosa
Spuckereyen des Teufels in Prosa und Poesie. (Motto:) Wozu noch einen Teufel, da für die meisten Menschen die Wahrheit der schrecklichste Teufel ist? Greiz, Henning, 1788. 248 S. 16,8 x 10 cm. Interimspappband der Zeit (etwas berieben, zwei alte Aufkleber auf dem Rücken). [*]
Result 360 €
Erste Ausgabe. – Nicht bei Goedeke (Müllner) – Kayser, Bücherlexikon V, S.298: “von Ad. Müllner” – Katalog Haydinger I,263: “Müllner” – Holzmann-Bohatta IV, 3424 “V: Müllner, Adolph” – Hayn-Gotendorf VII, 412: “Selten! S.127-159: Der Ritter im Schaafpelz. Ein trautes (erotisches) Romanzlein (in 128 Strophen) S.189: An Werther. / Das Anon.-Lex. … nennt Adolph Müllner als Verfasser, was unglaublich erscheint, da Müllner, 18.Oct. 1774 geboren, damals erst 14 Jahre alt war.” – Sammlung Kippenberg 3247 – nicht bei Tille, Faustsplitter. – Der in den Bibliographien als Verfasser genannte, damals 14jährige Adolph Müllner (1774-1829) ist als Autor mit Sicherheit auszuschließen, nicht zuletzt wegen des für deutsche Verhältnisse explizit erotischen Langgedichts “Der Ritter in Schaafpelz”. – Stempel des Verlegers “F.Henning” auf S. 5, späterer Stempel “Dr.Toenniessen” und Aufkleber “Hoffmann’sche Leihbibliothek in Weissenburg” auf dem Titel, hier “F.Henning” überklebt. – Nahezu fleckfrei.

Lot 551 Curiosa – Ziehen, Conrad Siegmund
Bemerkungen über Himmel und Erde zu der Nachricht von einer bevorstehenden grossen Revolution der Erde etc. zu lesen, von einem Astronomen abgefasst. 2 Teile in 1 Band. Ohne Ort und Verlag, 1783. 56, 64 S. 18 x 10,5 cm. Pappband der Zeit (Deckel alt beschriftet, Rücken mit kleinen Läsuren). [*]
After-Sale Price 200 €
Erste Ausgabe. – Holzmann-Bohatta I, 5209 (datiert: 1786). – Die Weltuntergangsprohezeiungen des Clausthaler Pastors Ziehen wurden von Lichtenberg mit Spott kommentiert: “… die Zahl der Abgeschmacktheiten dieser in aller Rücksicht elenden Broschüre bis auf 20 und 30 zu vermehren, wenn ich es der Mühe werth achtete, sie genauer durchzugehen.” Weiter meint er zu dem armen Pastor: “Herr Ziehen war ein redlicher Schwärmer, kein Betrüger wie Schröpfer, er wollte also nur mit dem Eide erhärten, was ihm jeder, der sein Buch liest, und sich auf Physiognomik des Styls versteht, gern ohne Eid glauben wird, nämlich daß er Alles selbst glaube, was er da sage, und mehr konnte er nichts damit erhärten, wollte er durch einen Eid erhärten, daß das südliche Deutschland allmälig sinke, weil die Capella sich erhebe, so hätte er wider Vernunft und Geometrie geschworen!” (VS 5, 10 und 11). – Vorsätze fehlen, Name auf Titel, etwas gebräunt.

Lot 552 Diebe und Mörder
Beschreibung der Jauners-Bursch, welche sich zwischen dem Lech und Donau, auch Obern-Pfaltz, mehresten mit nächtlichen, gewaltthätigen Einfällen … und andern Diebereyen, aufhalten. (Ohne Ort und Verlag), 1712. 12 Bl. (das letzte weiß). 34,5 x 22 cm. Lose Bogen. [*]
After-Sale Price 240 €
Eine Art Steckbrief zu mehr als 130 namentlich genannten Personen, jeweils mit Beschreibung der bekannten Kennzeichen und Aufzählung der zur Last gelegten Verbrechen. – Unbeschnitten. – Titel etwas angestaubt, leicht fleckig.

Lot 553 Diebe und Mörder – Bronner, Franz Xaver
Abenteuerliche Geschichte Herzog Werners von Urslingen, Anführers eines großen Räuberheeres in Italien, um die Mitte des vierzehnten Jahrhunderts. Nebst einer Uebersicht der Geschichte der Herzoge von Urslingen am Schwarzwalde. Nach gleichzeitigen Schriftstellern treu geschildert. Aarau, Sauerländer, 1828. Titel, XVIII, 299 S. 21 x 13 cm. Pappband der Zeit (berieben und bestoßen, Rücken mit Papierschild). [*]
After-Sale Price 240 €
Erste Ausgabe der seltenen Schrift über das Freibeuterwesen im 14. Jahrhundert durch den sonst nur als Idyllendichter bekannten Franz Xaver Bronner. – Vgl. Goedeke IV/1, 104, 36 und VII, 201 (ohne diesen Titel) – Kosch II, 115 – Hirschberg I, 68 – Hayn-Gotendorf IX, 217. – “Herzog Werner von Urslingen, von den Italienern, welche seinen Vornamen verwelschten, Guernieri oder Guarnieri geheißen, erscheint zuerst im J. 1342 als Führer einer jener Söldnerschaaren, in deren Reihen Abenteurer aller Länder, kampf- und beutelustig, die Halbinsel heimsuchten, um sich an den Fehden der Fürsten und Städte zu betheiligen; er war der erste, welcher unabhängige Schaaren, die in keines Höheren Solde standen bildete, mit denen er sengend, plündernd und brandschatzend das Land durchzog. Eine Neuerung, welche er dabei schuf, bestand darin, daß alles, was auf diese Weise erworben war, in eine gemeinsame Kasse geworfen und später getheilt wurde. Dahin flossen die Gelder, durch deren Zahlung Ortschaften und Provinzen die Plünderung abkauften, die Loskaufgelder der Gefangenen, die Beute an allem, was der Aneignung werth erschien. Wenn der Tag der Auseinandersetzung gekommen war, so geschah nach vorher bestimmten Verhältnissen die Vertheilung und in aller Güte einigten sich die Räuber über das was ein jeder von ihnen zu erhalten hatte. Herzog Werner war es, der ihnen diese Gesetze vorschrieb und die zuchtlosen Banden in Ordnung hielt” (ADB XXXIX, 372ff.). – Nur teilweise leicht gebräunt.

Lot 554 Diebe und Mörder
Gründliche Nachricht von denen, von einigen Räubern und Spitzbuben an dem Pfarrer zu Edderitz Herrn Alrico Plesken und einem Schneider Hansen Lingen und dessen Ehe-Weibe in Februario und Martio 1713. ausgeübten Diebstahl, gebrauchten entsetzlichen Marter und respectivè begangenen Mord auch Von andern mit einlauffenden, an vielen Orthen geschehene grosse Dieb-Stähle und der in der Hoch-Fürstlichen Residentz-Stadt Cöthen auf Hoch-Fürstl. Gnädigsten Befehl ergangenen Inquisition und den 4ten Mai 1714. darauff erfolgten Execution. Worinnen auch die von einigen Inquisiten und sonderlich Georg Hohmann angegebene und an Statur, Nahmen und Kleidung beschriebene Diebes-Rotten und dabey eingeflochtene Individua befindlich. 4 Teile in 1 Band. Mit gestochenem Frontispiz und 10 (2 gefalteten) Kupfertafeln. (Ohne Ort und Verlag), 1714. 3 Bl., 128, 136, 78, 102 S. 20 x 16,5 cm. – Angebunden: Lezius, Christian Rudolph. Das von Gott dem Herrn denen Lehrern und Predigern, als seinen Propheten und Gesandten zwar geschenckte, von der rohen und ruchlosen Welt aber gekränckte sichere Geleite, in einer Leichen-Predigt bey Beerdigung des … Herrn Alrici Plesken gewesenen … Seel-Sorgers der Gemeinen Edderitz und Piethen, welcher die Nacht zwischen den 21. und 22. Martii 1713. … in seinem Pfarr-Hause zu Edderitz überfallen … und umgebracht worden, vorgestellet den 26. Martii 1713. aus dem CVten Psalm, v. 15. Jetzo aber auff Verlangen zum Druck übergeben. Mit gestochenem Porträt. (Ohne Ort und Verlag), 1714. 3 Bl., 40 S. Halbpergamentband der Zeit (berieben, Kanten stärker bestoßen). [*]
Result 4000 €
Erste Ausgaben. – Wagner, Die Litteratur der Gauner- und Geheim-Sprachen 8 – Huelke-E. 1538. – Seltenes und interessant illustriertes Werk über die Verbrechen, Prozess und Hinrichtung einer Diebesbande, die im Raum Cöthen ihr Unwesen trieb und zuletzt den Pfarrer Alricus Plesken ermordete. Unter den Mitgliedern fällt ein Moses Süssmann als für die Zeit etwas ungewöhnliches jüdisches Mitglied der Bande auf; fast so wie im bürgerlichen Leben waren die Räuberbanden meist konfessionell einheitlich zusammen gesetzt. – Die Delinquenten wurden geköpft, die Körper gerädert. Die Tafeln zeigen die einzelnen Bandenmitglieder und ihre Konkubinen sowie Hinrichtungsszenen. – Angebunden: Die Leichenrede auf Plesken mit seinem Porträt. – Teilweise etwas gebräunt bzw. braunfleckig, Tafeln teilweise knapp beschnitten. Insgesamt gutes und komplettes Exemplar.

Lot 555 Diebe und Mörder – Gülich, Ludwig August
Schuld und Strafe, oder Ermordung des Capitains Jens Nielsen Holst und dessen Sohns, des Obersteuermanns Niels Hansen Holst vom dänischen Briggschiffe l’Esperance, ein Auszug aus den Criminalacten. Herausgegeben von dem, zum peinlichen Ankläger bestellt gewesenen Ober- und Landgerichtsadvocaten. Flensburg, Jäger, 1821. 266 S. 17 x 10 cm. 17 x 10 cm. Pappband der Zeit mit altem handschriftlichen Rückenschild (berieben und etwas bestoßen, Rücken mit Läsuren). [*]
After-Sale Price 200 €
Über den Prozess gegen die Meuterer auf der Brigg L’Esperance, der mit fünf Todesurteilen und drei lebenslänglichen Zuchthausstrafen vor dem Flensburger Gerichtshof endete. – Die Brigg, unterwegs von Hamburg nach Messina unter dem Kommando des jähzornigen Kapitäns Jens Nielsen Holst, lief vor der Küste von Kent auf Sand. Die zu Hilfe eilenden Boote erfuhren, dass auf hoher See die Mannschaft den Kapitän und dessen Sohn über Bord gehen haben lassen; die unverhältnismäßige Härte gegenüber den Seeleuten war Anlass der Meuterei, die die Brigg aber letztendlich manövrierunfähig machte. – Siehe auch ausführlich dazu: Alexis, Der neue Pitaval XI, Kapitel 5. – Alter Name auf dem Titel, teils etwas fleckig.

Lot 556 Diebe und Mörder – Heyde, W. G. von der
Repertorium der Königl. Preuß. Gesetze und Verordnungen über den Transport der Verbrecher und Vagabonden. Nebst einer vollständigen Sammlung der über die Landes-Visitationen und Haussuchungen bestehenden gesetzlichen Vorschriften. Magdeburg, 1836. XXIV, 406 S., 1 Bl. 18 x 11 cm. Halblederband der Zeit mit rotem Rückenschild und Rückenvergoldung (etwas berieben, Rücken mit Papierschild). [*]
After-Sale Price 200 €
Erste Ausgabe dieses polizeilichen Handbuchs für den geregelten Umgang mit Landstreichern, entlassenen Häftlingen und anderen “verdächtigen Personen”. – Etwas gebräunt, Titel mit altem Stempel.

Lot 557 Diebe und Mörder
Wörterbuch der Diebs-, Gauner- oder Kochemersprache, enthaltend alle ihre Abartungen und Dialekte, als: die rothwälsche, die jenische, die jüdische, die Berliner und die Wiener Diebssprache, sowie die Zigeuner-, Schurer- und die niederdeutsche Schleifersprache. Zusammengestellt von dem Central-Evidenz-Bureau der k.k. Polizei-Direktion in Wien. Wien, Ueberreuter, 1854. 82 S. 21,5 x 17,5 cm. Rückenbroschur. [*]
After-Sale Price 240 €
Zweite Ausgabe. – Huelke-E. 2451 – Wagner, Die Litteratur der Gauner- und Geheim-Sprachen 74 (Ausgabe von 1854). – Mit mehreren Prager Justizstempeln des 19. Jahrhunderts.

Lot 558
Dornenlese aus der geheimen Geschichte der Menschheit. 2 Bände. Deutschland (das ist: Wien, Schaumburg), 1798. XVI, 251 S.; Titel, 254 S. 16,5 x 10 cm. Dekorative Lederbände der Zeit mit 2 Rückenschildern und reicher Rückenvergoldung (Kapitale von Band 1 leicht bestoßen). [*]
Result 240 €
Erste Ausgaabe. – Weller I, 173 – Hayn-Gotendorf II, 50 und 383 – Hayn, Bibliotheca Germanorum gynaecologica et cosmetica 28: “In Bd 1 ‘Frankreich unter den Königen’ finden sich Scandalosa über Ausschweifungen in der geschlechtl. Liebe, widernatürl. Unzucht etc.” – Sammlung von Skandalgeschichten des französischen und englischen Hofes, an letzterem auch über homosexuelle Beziehungen. – Letzte Lage in Band 1 verbunden, etwas gebräunt.

Lot 559 Dostojewski, Fedor M
Besy. (Deutsche Titelvarianten: Die Dämonen, Die Besessenen, Die Teufel). 3 Teile in 1 Band. Sankt-Petersburg, verlegt bei der Druckerei K. Zamyslavskij, 1873. 21 x 15,5 cm. Halblederband der Zeit mit leinenbezogenen Holzdeckeln, etwas Rückenvergoldung und goldgeprägtem Rückentitel (Kanten leicht berieben, leicht fleckig).
After-Sale Price 6000 €
Erste Buchausgabe. – Ein später voreilig als reaktionär kritisierter Roman Dostojewskijs über die Gefahren einer revolutionären Situation, der gegen Ideen wie den “Kasernenkommunismus” Nechaevs polemisiert. Das zu Lebzeiten des Autors veröffentlichte Werk war 1871-1872 als Folge in der Zeitschrift “Russkij vestnik” erschienen. Die ursprüngliche Konzeption einer Art Schmähschrift ist auch in der Ironie des Romans noch spürbar, doch sie tritt zurück hinter die Tragödie einer “kranken” Gesellschaft und die Darlegung religiös-philosophischer Gedanken. In sowjetischer Zeit wurde das Werk lange nicht neu aufgelegt. – Teile 2 und 3 ohne Vortitel. – Etwas braunfleckig, Ecke rechts oben im ersten Teil mit schwächer werdendem Wasserfleck, Innengelenke mit Papierstreifen verstärkt, vorderes Gelenk leicht angeplatzt.

Lot 560 Einbände
Blindgeprägte und vergoldete historistische Flügelmappe mit Deckeltitel “Erinnerung an Nürnberg”, Messingecken und Nagelung beider Deckel. Um 1885. Ca. 46 x 61 cm. (Deckel ausgebunden, beschabt, etwas fleckig). [#]
After-Sale Price 200 €
Opulente Mappe in neogotischem Stil. Enthält: Elf Original-Photographien von Kostümfesten Nürnberger (?) Patrizier. Vintages. Albuminabzüge. Montiert. Um 1885. Verso mit Bleistift die Namen der meisten Dargestellten vermerkt, aber weiter von uns nicht zuzuordnen. – Flügel der Mappe lose, Innenbezug partiell gering angeschlissen.

Lot 561 Einbände
Geflammter brauner Ganzlederband mit Wappensupralibros auf beiden Deckeln. Frankreich, um 1600. Ca. 37 x 25 cm.
After-Sale Price 240 €
Trägt das Wappen des Universalgelehrten und Autoren Paulus Petavius (Paul Petau, 1568-1614). Ein weiterer Titel aus Petaus Bibliothek befindet sich in der BNF unter der Signatur lt. 1671. Enthält: 14 Blatt unbeschriebenes bläuliches, sehr starkes Velin ohne Einträge. – Rücken unter Verwendung alten Materials erneuert, etwas rissig, bestoßen und beschabt.

Lot 562 Einbände
Wiener Prachteinband in geprägtem ornamentiertem Leder, mit graviertem Deckelmedaillon, gravierter dreiteiliger Schließe (wohl jeweils Silber), verso vier Nägeln und allseitigem Goldschnitt. 1876. 32 x 47 x 7 cm (Kanten etwas beschabt). [*]
Result 400 €
Enthält: Abbildungen von den Umschlägen der Musilschen Schreibtheken (so Gravur des Deckelschildes). Jeweils unter Passepartout auf die Träger montiert. Herausgegeben von Ed. Musil, Central-Director der Neusiedler AG für Papier-Fabrication in Wien. Die Abbildungen zeigen gedruckte Porträts der Kaiserlichen Familie, von Feldherren, Künstlern, topographische Ansichten meist von Wien, Pflanzen u.a. Die Beschläge ohne Dianakopf, aber angesichts der sehr aufwendigen Machart doch wohl aus Silber. Ein Beschlag an der Unterseite gestempelt “KA”. – Innen teils etwas fleckig, insgesamt gut.

Lot 563 Einbände
Zweifarbiger Ganzpergamentband mit barockisierendem Silberschlag und etwas späteren aufmontierten kolorierten Holzschnitt-Illustrationen sowie Brokatpapiervorsätzen. Norddeutsch (Kiel?), um 1810. 17 x 10 cm (bestoßen und beschabt, Kapitale mit kleinen Fehlstellen).
Result 700 €
Einband als Mariage, der etwas frühere Beschlag mit Meistermarke (JG in Schreibschrift?). Enthält: Allgemeines Gesangbuch … in den Gemeinden des Herzogthums Schleswig (…). Kiel, 1805. 520 S. Angebunden: Weitere Texte. Altona, ohne Jahr. – Etwas gebräunt und braunfleckig, etwas wellig.

Lot 564 Einblattdrucke
5 Einblattdrucke, davon 1 koloriert, als Programmzettel zu Jahrmarktsveranstaltungen mit Zurschaustellung mechanischer Kunstwerke, einem Wachsfigurenkabinet bzw. einem historischen Kabinett. Amsterdam u.a., Veenstra van Vliet u.a., um 1820. Ca. 20 x 20 cm bis 26 x 20 cm (knitterspurig). [#]
Result 400 €
Teils fanden die Veranstaltungen im “Gasthof zum Bitterholz” (Nürnberg bzw. Fürth ?) statt, ein Ort ist aber nicht angegeben. Gezeigt wurden u.a. Banditen wie Tossolini, Gallizi und Polli, die Gräfin Lichtenau, Voltaire und Rousseau, Musikautomaten wie das Salpingx-Organon, den “automatischen Papagey”, ein selbstspielendes Pianoforte, eine Uhr mit Seiltänzer und Spielwerk für eine Allemande u.a. – Knickspuren und kleine Randverluste, etwas gebräunt, ordentlich.

Lot 565 Einblattdrucke
Anthoni Franck aus dem Land zu Gellern geburtig seines Alters 14 Jahr und seine Länge ist 3 1/2 Eln, kam in Nürnberg Anno 1575. Nürnberg, 1575. Einblattdruck, Radierung. Blattgröße: 30,5 x 13,3 cm. Auf Karton montiert. [*]
Result 2100 €
Holländer, Wunder, Wundergeburt und Wundergestalt, S. 136 und 138 (“Riesenbabys”) – Hofmann-Randall, Die Einblattdrucke der Universitätsbibliothek Erlangen-Nürnberg, A IV 4 (S. 152). – Einblattdruck mit Darstellung des Anton Franck (auch Frank oder Franckenpoint; 1561-1596), der als Großwüchsiger “Langer Anton” bekannt wurde. – Anton Franck stammte wahrscheinlich aus Geldern und diente später als Soldat in der Leibstandarte des protestantischen Herzogs Heinrich Julius von Braunschweig-Wolfenbüttel. Bei seinem Tode 1596 maß er 2,44 m, sein Skelett befindet sich im Museum anatomicum in Marburg. Er gilt als der drittgrößte Mann, der je in Deutschland gelebt hat. – Das Schloss Ambras in Innsbruck besitzt ein Gemälde des erwachsenen Langen Antons, dargestellt zusammen mit einem “Zwerg”. – Das Kupfer zeigt den 14jährigen Anton Franck, der zu dieser Zeit bereits ca. 2,30 m groß war. – Nur minimal fleckig.

Lot 566 Einblattdrucke
Effigies Caspari Jpolyi Canonici Strigonierb … Abbildung des Caspar Ipolyi Thümherrns zu Gran, welcher aus diese Art, an blossen leibe mit eisernen Ketten umgeben, in seiner letzten Kranckheit entdeket, und den 3ten Tag darauf nämlich den 30ten Xbr. 1762 mit sonderbaren beyspile einer Freywilligen Marter in die Ewigkeit versetzet worden. Bratislava (Posonii), F. Landerer, um 1762. Einblattdruck in Kupferstich. 16 x 11,8 cm. [*]
After-Sale Price 300 €
Ipolyi war Abt von Rakony und Domherr von Gran. – Knapp beschnitten, Abriss in der rechten unteren Ecke mit geringem Buchstabenverlust. Im rechten Rand auf Karton montiert.

Lot 567 Einblattdrucke
Eigentliche Abbildung deß in Irrland von Fermanagh gefangen und nach Dublin gebrachten Menschen-Fressers. Augsburg, Baeck, um 1740. Einblattdruck. Kupferstich mit gestochenem Text unter der Darstellung (von 2 Platten). Blattgröße: 26,5 x 33,5 cm. [*]
After-Sale Price 1200 €
Sehr selten, von uns nur das Exemplar im British Museum nachweisbar. – Nicht bei Drugulin. – Das satirische Blatt mit Bezug auf die Schlacht am Boyne von 1690 über die angebliche Grausamkeit der Iren zeigt im Zentrum ein Fabelwesen mit dem Kopf und dem Vorderleib eines Kamels auf Menschenbeinen, das ein Ulster-Schotte gefangen und dann gezähmt hatte und mit dem er nun umherzieht und das Fabelwesen überall “vor Geld” präsentiert. Im Hintergrund Szenen, wie die Kreatur Menschen attackiert, die Schaustellung des Monsters sowie dessen Gebeine, alles mit Landschafts-, Meeres – und Schiffsstaffage. – Das Blatt mit der für Elias Baeck (1679-1747) üblichen Signatur “E. Bäck à. H. alias Heldenmuth.” – Geglättete Faltspuren, mehrere kleine geklebte Einrisse im weißen Rand, stärkere Quetschfalte in der linken unteren Ecke, einige winzige Löcher in den Faltungen, etw. fleckig und gebräunt.

Lot 568 Einblattdrucke
Eygentliche gestalt der Wasser-Kunst, oder Wasser-Sprützen, welche in begebender Fewersnoht zugebrauchen. Nürnberg, Hautsch, 1655. Einblattdruck (alt beikolorierter Kupferstich) mit typographischem Text in Holzschnitt-Bordüre. 31,3 x 38,5 cm. [*]
Result 2600 €
Selten, über KVK nur in der Stadtbibliothek Nürnberg und im British Museum nachweisbar. – VD 17 75:709203V – Drugulin II, 2415 – Schilling, Bildpublizistik der frühen Neuzeit, S. 330, 114 – Hornung, Feuerwehrgeschichte, S. 29 (Abbildung). – Darstellung und Beschreibung einer “modernen” Wasserspritze. – Vom British Museum dem Kupferstecher Lucas Schnitzer zugeschrieben. – Rechts oben auf dem Blatt der typographische Text mit der Herstellerangabe: “Solche Wasserkunst oder Fewer-Spritzen findet man bey mir Hans Hautsch Zircklschmid und Burger in der alten Ledergassen in Nürnberg. Den 1. May, Anno 1655”. – Doppelfaltung geglättet, an zwei Stellen hinterlegt, in den Faltungen minimale Fehlstellen, Ränder mit kleinen Ein- und Ausrissen, etwas beschnitten und teils knapprandig, fleckig und gebräunt.

Lot 569 Einblattdrucke
Sammlung von 12 seltenen Einblattdrucken mit Kriminal- und Schauergeschichten. Landshut, Rietsch, ca. 1850-1870 (11) und Augsburg, Wirth, ca. 1850 (1). – Teils etwas angerändert bzw. mit kleinen Randfehlstellen, teils knitterspurig. [*]
After-Sale Price 1400 €
Vorhanden: 1. Antonio Vincino, die gefürchtete Räuberhauptmännin zu Wasser und zu Land, welche im Jahre 1849 in der Gegend von Neapel gefangen genommen wurde. ca. 1850. 1 Bl. mit Holzschnitt. 31 x 23,5 cm. – Mit leichten Faltspuren, sonst sauber. – 2. Der Mord einer Braut am Altare. Oder: die gräßliche Rache eines verlassenen Liebhabers, welcher seine treulose Geliebte, deren Brautigam und sich selbst auf schauerliche Weise getödtet hat. Ca. 1870. 1 Bl. mit einer figürlichen Kopfvignette. 31,2 x 23,5 cm. – Nicht nachweisbar. – Papierbedingt leicht gebräunt und mit zwei Braunflecken, Seitenrand knittrig. – 3. Heldenmüthige Aufopferung eines böhmischen Husaren-Rittmeisters und Strafe der Verbrecher. Eine wahre und schauderhafte Begebenheit, welche sich am 14. März 1850 in Schopka nächst Melnick in Böhmen zugetragen hat. Ca. 1850. 1 Bl. mit einer figürlichen Kopfvignette. 30,5 x 23,5 cm. – Nicht nachweisbar. – Etwas knittrig, am weißen Rand mit zwei kleinen Einrissen. – 4. Das große Ungeheuer von Tübingen, Königreich Württemberg. Oder: der schreckliche Vater-, Mutter- und Schwester-Mörder, am 5ten Januar 1850. Augsburg, Wirth, ca. 1850. 1 Bl. mit einer figürlichen Kopfvignette. 32 x 22 cm. – Nicht nachweisbar. – Im weißen Rand mit geflicktem Einriss und leicht knittrig. – 5. Wahrhafte Beschreibung, wie eine arme Leinweber-Familie bei Frankfurt am Main aus Nahrungssorge und Verzweiflung um’s Leben kam. Wie die Mutter in den Brunnen sprang, der Vater seine sechs kleinen Kinder ihr nachwirft und sich selbst hineinstürzt, am 6. Jänner 1848. 1 Bl. mit einer Kopfvignette. 30 x 24 cm. – Sauberes Exemplar, am rechten Rand kleiner Einriss. – 6. Grässliche Undankbarkeit der Kinder gegen ihren Vater. Ca. 1850. 1 Bl. mit einer Kopfvignette. 30 x 23 cm. – Etwas knittrig, sonst sauber. – 7. Die schreckliche That einer teuflischen Mutter, die ihr Kind lebendig begräbt, mit einem Holzbeil zerhackt und den Schweinen als Nahrung vorwarf. Ca. 1870. 1 Bl. mit einem figürlichen Holzschnitt. 31 x 23,5 cm. – Nicht nachweisbar. – Etwas randrissig. – 8. Ein schauderhafter Doppelmord, welcher sich in der Stadt Hamilton in Amerika ereignet hat. Ca. 1850. 1 Bl. mit einer Kopfvignette. 29 x 23 cm. Nicht nachweisbar. – Etwas randrissig und mit Faltspur. – 9. Liebe und Rache oder: “Eine blutige Brautnacht.”. Eine wahre Begebenheit aus dem südlichen Spanien. Ca. 1870. 1 Bl. mit einer figürlichen Kopfvignette. 31 x 22 cm. – Nicht nachweisbar. – Gering randrissig. – 10. Fürchterliche mordgierige Unthat einer Haushälterin, welche sich unrechtmäßig in ihren eigenen Herrn verliebte, und dessen Gattin vergiftete, und seine 2 Kinder auf grauenvolle Weise um das Leben brachte. Ca. 1870. 1 Bl. mit einer figürlichen Kopfvignette. 31 x 23 cm. – 11. Ein schreckliches Ereigniß, welches sich in Secudin in Ungarn zugetragen hat. Ca. 1850. 1 Bl. mit drei figürlichen Kopfvignetten. 31,5 x 23,5 cm. – 12. Schreckliche und schauderhafe Begebenheit der neuesten Zeit, welche sich in der Stadt Dorrach in Holland zugetragen hat. Ca. 1874. 1 Bl. mit einer figürlichen Kopfvignette. 31 x 23 cm. – Kleine Randfehlstellen.

Lot 570 Einblattdrucke
Wahre Abbildung einer wunderwürdigen Geburt so von einer Burgerin in Augspurg d(en) 4. Juny A(nno) 1720 Tod Zur Welt gebracht und von, Ihro Excellenz H(errn) Martin Geiger Med(icinae) Doct(or) nach obiger Beschreibung anatomiret worden. Wohl Augsburg, ca. 1720. Einblattdruck in Kupferstich von Elias Baeck. 29 x 19 cm. [*]
After-Sale Price 800 €
Hofmann-Randall, Die Einblattdrucke der Universitätsbibliothek Erlangen-Nürnberg, A IV 47 (S. 195) – VD18 1012084X. – Beschreibung der Totgeburt eines siamesischen Zwillings einer Frau aus Augsburg mit einer gemeinsamen Leber. Im oberen Drittel die umfängliche Beschreibung der Obduktionsergebnisse des Arztes Martin Geiger. – Etwas angestaubt, kleiner alt geschlossener Randeinriss links, oben mit kleiner hinterlegter Papierfehlstelle (wenige Millimeter), linke obere Ecke etwas knickspurig.

Lot 571 Einblattdrucke
Das Wunderbare Capaun- und Hahnen-Gefecht. Ein Römischer Capaun fecht hie mit einem Hahn: Wie diß Spiel ab möcht gehn, da stehet mancher an. Ohne Ort, um 1630. Emblematischer Einblattdruck. Typographie mit 15 x 20,8 cm großem Kupferstich und dreiseitiger typographischer Bordüre. Ca. 38 x 28 cm. [*]
Result 440 €
Erster Druck des seltenen emblematischen Einblattdrucks. – VD17 12:726531K – vgl. VD17 1:091213F (Textvariante) – Drugulin II, 2245 – Harms II, 381a. – Pasquinade auf den Streit von Papst und französischem König, des “Römischen Capaun” gegen den “Frantzösischen Gockel-Hahn”, dargestellt durch das jeweils eine Tiara bzw. eine Krone tragende Federvieh: “Im Hintergrund Zuschauer, Megäre einen Brand entfachend und Coquinaria Romana. – Bildunterschrift: Certamen Inter Caponem Et Gallum = Combat Entre Le Chabon Et Le Coq = Das Capaun und Hahnen gefecht. – Textbeginn: Der Erfinder Dieses Sinnen-Bilds redet die Zuseher mit aller Ehrerbietigkeit also an … A. Der Römische Capaun … B. Der Frantzösische Gockel-Hahn … = l’Autheur. Chers spectateurs approchez Et ce combat regardez…”. Bildunterschrift in der Platte in Latein, Deutsch und Französisch, der typographische Text in Deutsch und Französisch. Hier die seltene Druckvariante mit “Combat entere le chabon et le coque” (statt “entre”). – Hervorragend und sehr sauber restauriertes Blatt, rechts und unten mit Papieransetzungen und verstärkten bzw. hinterfaserten Rissen, nahezu ohne Buchstabenverlust, kaum fleckig, der Kupferstich in sehr gratigem Abdruck.

Lot 572 Euler, Leonhard
Lettres a une princesse d’Allemagne sur divers sujets de physique et de philosophie. Précédées de l’éloge d’Euler par Condorcet et annotées par A. A. Cournot. 2 Bände. Mit 6 gefalteten Kupfertafeln. Paris, Hachette, 1842. LI, 472 S.; 2 Bl., 524 S. 21,5 x 12,5 cm. Grüne gold- und blindgeprägte Lederbände der Zeit mit Stehkantenvergoldung (berieben, Rücken verblasst). [*]
Result 300 €
Roller-G. I, 374 – Eneström 343-344, 8 und 417, 8. – Vortitel von Band 1 mit eigenhändigem Vermerk: “Albert Schweitzer/ à sa nièce Suzanne Ehretsmann/ Juin 1912”. Albert Schweitzers Schwester Louise Anne-Marie war mit Jules Ehretsmann verheiratet. 1913 ging Schweitzer nach Afrika. – Stockfleckig.

Lot 573 Faksimile – Chansonnier de Jean de Montchenu
Faksimile der Handschrift Rothschild 2973 in der Bibliothéque Nationale de France. Mit Kommentarband und CD. 144 nn. Seiten mit 2 ganzseitigen farbigen goldverzierten Miniaturen und zahlreichen Arabesken mit Rankenschmuck, Tieren und Pflanzen. Valencia, Garcia, 2008. 169 S. (Kommentar). Herzförmiger Original-Samteinband im gefütterten Original-Lederfutteral und Original-Leinwand (Kommentar). [*]
Result 650 €
Eins von 999 (GA 1380) nummerierten Exemplaren. – Kommentar von David Follows. – Tadellos.

Lot 574 Faksimile
Das Croy-Gebetbuch. Faksimile des Codex 1858 der Österreichischen Nationalbibliothek in Wien. Faksimile- und Kommentarband in 2 Bänden. Mit 181 faksimilierten Tafeln mit zahlreichen farbigen Miniaturen und Initialen. Luzern, Faksimile Verlag, 1993. 316 S. 1 Bl. (Kommentar). 20,5 x 15 cm. Blindgeprägter Original-Lederband (Faksimile) und Original-Halbleder (Kommentar) in Acrylglas-Kassette. [*]
After-Sale Price 600 €
Eins von 900 (GA 980) nummerierten Exemplaren. – Kommentar von O. Mazal und D. Thoss. – Einband aus dem Atelier der Buchbinderei Burkhardt in Mönchaltorf-Zürich. – Schönes Exemplar.

Lot 575 Faksimile
Das Evangeliar Ottos III. CLM 4453 der Bayerischen Staatsbibliothek München. Faksimile und Kommentarband. Mit 276 faksimilierten Blatt und zahlreichen Abbildungen im Kommentarband. Frankfurt u.a., S. Fischer u.a., 1978. 35 x 25 cm. Ganzleder (Faksimile) und Halbleder (Kommentarband) jeweils im Schuber. [*]
Result 500 €
Eins von 850 Exemplaren, die im Handel waren. Der außerordentlich reiche Einband des Originals entging den Zerstörungen der Säkularisierung, wurde aber aus naheliegenden Gründen für das Faksimile nicht reproduziert. – Gut erhalten.

Lot 576 Faksimile
Vergilius Romanus. Faksimile-, Text- und Kommentarband in 3 Bänden. Mit zahlreichen Illustrationen in Gold und Farben. Zürich, Belser, 1985-1986. Roter Original-Lederband mit Blindprägung (34,5 x 33 cm)/ 2 (Text- und Kommentarband) Original-Leinwandbände (24,5 x 16,5 cm) in schwarzer Original-Holzkassette (43 x 43 x 10,5 cm). [*]
Result 300 €
Codices e Vaticanis selecti, Nr. LXVI. – Eins von 500 (GA 560) für den Verkauf bestimmten Exemplaren. – Faksimile des Codex Vaticanus latinus 3867 der Biblioteca Vaticana. – Verkleinerte vollständige Wiedergabe des Originals auf 618 Seiten, farbiges Faksimile von 40 Seiten und Kommentarband mit Kommentaren von C. Bertelli, E. Gallicet, G. Garbarino, I. Lana u.a. – Mit einem beiliegenden nummerierten Garantie-Zertifikat der Vatikanischen Bibliothek. – Tadelloses Exemplar.

Lot 577 Festbücher
Beschreibung der Illumination des Kaiserlichen adelichen Landkadettencorps, welche den 2ten September 1793 beym allerhöchst verordneten Feste zur Feier des mit der Ottomanischen Pforte geschlossenen Friedens vorgestellt und zum Theil von einigen Kadetten dieses Korps verfertigt worden. Mit 1 gefalteten gestochenen Tafel (23 x 70 cm). St. Petersburg, 1793. 3 Bl. 23,5 x 19,5 cm. Marmorierter Umschlag der Zeit (eselsohrig). [*]
Result 300 €
Sehr seltene deutsche Ausgabe der Beschreibung, die wir über KVK nur in den UBs Göttingen und Rostock nachweisen können. – Slavica Gottingensia 498.

Lot 578 Festbücher – Stillfried-Alcantara, Rudolf Maria Bernhard von
Die Krönung Ihrer Majestäten des Königs Wilhelm und der Königin Augusta von Preussen zu Königsberg am 18. October 1861. Mit farbig lithographiertem Titel, 1 lithographierten Wappen-Tafel, 9 getönten lithographierten Porträts, 5 (4 getönten) lithographierten Tafeln und 3 farbig lithographierten Plänen, dazu viele Illustrationen, Initialen und Vignetten in Holzstich und Lithographie sowie 2 mehrfach gefaltete Stammtafeln. Berlin, R. v. Decker, 1868 (recte 1872). 8 nn., 87 num. Bl., 84 S. 74,5 x 54 cm. Original-Ganzlederband mit Rückenvergoldung, goldgeprägtem Deckeltitel, goldgeprägtem Wappensupralibros, Eckvignetten und Ganzgoldschnitt (etwas beschabt.) [*]
Result 650 €
Lipperheide Sbb 42. – Monumentale Prachtausgabe anlässlich der Krönung Wilhelms zum König von Preußen in der Schlosskirche zu Königsberg. Mit Porträts der preußischen Monarchen, die Tafeln zeigen die Krönungszeremonien und Festlichkeiten in Königsberg sowie den Einzug und das Ballfest in Berlin. Obwohl der Titel mit 1868 datiert ist, ist Stillfrieds Vorwort mit “18. Januar 1872” bezeichnet. – Vorsätze erneuert, Innengelenke teilweise sauber restauriert, im vorderen Teil stellenweise stärker stockfleckig, Stammtafeln mit Randläsuren, zwei mit altem Klebeband fixiert.

Lot 579 Fouqué, Caroline Philippine de la Motte
Feodora, ein Roman. 3 Teile in 1 Band. Mit 1 Kupfertafel von Schmidt nach Ramberg. Leipzig, Fleischer, 1815. 3 Titel, 564 S. 17 x 10 cm. Halblederband der Zeit mit goldgeprägtem Rückentitel und Rückenvergoldung. [*]
Result 420 €
Seltene erste Ausgabe. – Goedeke VI, 132, 17 (irrig: 1814) – Hamberger/Meusel XVIII, 742. – “Vor allem ihre autobiographischen Romane (Die Frau des Falkensteins. 2 Bde., Bln. 1810. Feodora 3 Bde., Lpz. 1814) entwerfen Strategien zur Emanzipation u. Lebensbewältigung.” (Killy III, 460). – Exlibris, teils leicht gebräunt. Gutes Exemplar, dekorativ gebunden.

Lot 580 Fouqué, Friedrich de la Motte
Corona. Ein Rittergedicht in drei Büchern. Stuttgart und Tübingen, Cotta, 1814. XIV, 386 S. 20,5 x 12 cm. Brauner Pappband der Zeit mit Rückenschild, Rückenvergoldung und aufgelegtem Marmorpapier mit goldgeprägten Fileten auf den Deckeln (etwas berieben, Gelenke etwas beschabt, Ecken leicht bestoßen). [*]
After-Sale Price 200 €
Erste Ausgabe. – Goedeke VI, 122, 37 – Fischer, Cotta 951. – Auf dem Gipfel seines Ruhms veröffentlichte Fouqué das Rittergedicht, in dem er auch Ereignisse der jüngsten Vergangenheit verarbeitete. Die Verherrlichung der verschiedenen Königin Luise trug wesentlich zu dem Kult bei, der im preußischen Königshaus um den gefeierten Dichter stattfand. – “Was die Verklärung Luises angeht, so ist wohl unter allen Lobpreisungen diejenige Fouqués unübertrefflich. In seinem Epos Corona (1814) … blickt er auf den Sieg über Napoleon zurück und versetzt sich dabei in einige zum Himmel fahrende ‘glückliche Seelen’, die dort die abgeschiedene Luise als kosmische Kraft treffen und ihr den irdischen Triumph verkünden: Wie sah’t ihr sie mit Himmelsglanz umzogen, / Und Stern’ ihr Licht an ihren Augen zünden! …” (G.Schulz, Die deutsche Literatur … 2, München 1989, S.65). – Teils etwas stockfleckig, zeitgenössisches gestochenes Exlibris “Caroli Fischeri” auf dem Innendeckel, dessen handschriftlicher Name auf dem Vorsatz. – Dekorativ gebunden.

Lot 581 Frege, Christian Gottlob
Aus dem Tagebuche eines reisenden Hypochondristen im Sommer 1843. Leipzig, Hirschfeld, 1844. 2 Bl., 113 S., 1 Bl. 17,5 x 11 cm. Halbleinwand (um 1900) mit eingebundenem Original-Umschlag. [*]
After-Sale Price 200 €
Erste Ausgabe. – Über KVK nur ein Standortnachweis (Casa di Goethe, Rom); dort keine Verfasserangabe. Pierer’s Lexikon, 5. Auflage (1867), Band 6, S. 667 meint ihn aber zu kennen – allerdings hatte die große und recht weitverzweigte Bankiersfamilie Frege so viele Mitglieder, dass man da durchaus eine Verwechslung beim Vornamen haben kann – es gibt alleine vier Christian Gottlobs, auch ein Ludwig Ferdinand (geb. 1804 wie der bei Pierer angegebene Christian Gottlob kommt in Frage). An die Familie erinnert heute noch das Fregehaus in Leipzig; der Musiker Campino (bürgerlich Andreas Frege) ist ein Nachfahre. – Gebräunt.

Lot 582 Friedrich II. von Preußen
Oeuvres de Frederic II Roi de Prusse. Publiées du vivant de l’Auteur. 4 Bände. Mit 13 gefalteten Kupfertafeln. Berlin, Voss & Decker, 1789. 20 x 13 cm. Halblederbände der Zeit mit Rückenschild und -vergoldung (berieben, 1 Kapital restauriert, 1 Rückenschild mit Fehlstelle). [*]
After-Sale Price 200 €
Erste Werkausgabe, noch zu Lebzeiten Friedrichs erschienen. – Vorsätze sowie erste und letzte Blätter etwas gebräunt bzw. fleckig, alter Stempel auf Titel.

Lot 583 Friedrich II. von Preußen
Poesies diverses. Mit gestochenem Frontispiz, gestochener Titelvignette sowie 39 Initialen und 33 gestochenen Vignetten von J. W. Meil und G. F. Schmidt. Berlin, Voss, 1760. 5 Bl., 444 S. 26,5 x 23 cm. Neuerer marmorierter Pappband mit rotem Lederrückenschild und Rückenvergoldung. [*]
Result 240 €
Erste illustrierte Ausgabe. – Sander 731 – Fürstenberg 94 und 145ff. – Herausgegeben von J. B. de Boyer d’Argens und L. de Beausobre. – “Der König war mit der in Eile hergestellten (Oktav)-Ausgabe gar nicht zufrieden. Voß veranstaltete daher im Monat darauf eine zweite, in Quartformat, die er mit einigen der Schmidtschen Kupfer illustrierte, die für die Oeuvres von 1750 und 1752 gestochen waren.” (Bogdan Krieger). – Unbeschnitten. – Stellenweise gebräunt und wenig fleckig.

Lot 584 Goethe, Johann Wolfgang von
Beyträge zur Optik. Erstes und zweytes Stück in 1 Band. Mit 27 Tafeln (hier in Faksimile) und 1 Kupfertafel. Weimar, Industrie-Comptoir, 1791-1792. Titel, 62 S., 1 Bl. (Druckfehler), Titel, 30 S. 16,8 x 10 cm. Schwarzer Ganzlederband im Stil der Zeit mit Rückenvergoldung und goldgeprägten Deckelfileten mit Eckfleurons in schwarzer Lederkassette im Stil der Zeit mit 2 roten Rückenschildern, reicher Rückenvergoldung und goldgeprägten Deckelfileten mit Eckfleurons. [*]
Result 1200 €
Erste Ausgabe. – Hagen 215 – Goedeke IV/III, 580, 23 und 23b – Schmid 23. – Wie immer ohne die “große colorirte Tafel”, die als verschollen bzw. ungedruckt galt, bis J. Schuster 1928 ein Exemplar entdeckte und reproduzieren ließ, ohne die “zum Teil aus Spielkarten hergestellten, stets fehlenden Tafeln” (Blank 50,11). Ein Faksimiledruck mit den Karten erschien 1928, herausgegeben von J. Schuster, der im Nachwort schreibt: “Die Beyträge zur Optik … verhalten sich zur Farbenlehre wie eine Fibel zur Bibel … es wird willkommen sein, eines der seltensten … Werke Goethes in der Urform erstehen zu lassen.” – Goethe nahm die Beyträge zur Optik in seine Farbenlehre an den Anfang der Abteilung Vorarbeiten unter dem Titel “Beiträge zur Chromatik” auf. Er wählte 1810 im Titel Chromatik statt Optik, weil “niemand habe begreifen können noch wollen, wie man ohne Mathematik Beiträge zur Optik bringen oder wohl gar die Hauptlehrsätze derselben bezweifeln und bekämpfen dürfe.” – Die in Faksimile beiliegenden 24 Tafeln hier im Innendeckel der Lederkassette eingelegt. – Etwas gebräunt, etwas fleckig, Heft 2 mit dem zeitgenössischen Wappen- und Doubletten-Stempel der “Bibliothec. P.R. Stuttgart”. – Aufwendig im Stil der Zeit nachgebundenes Exemplar.

Lot 585 Goethe, Johann Wolfgang von
Die Geschwister. Ein Schauspiel. Ächte Ausgabe. Leipzig, Göschen, 1787. Titel, 44 S., 2 weiße Bl. 16,5 x 10 cm. Halbpergament (um 1900) mit rotem Rückenschild (Rücken etwas berieben). [*]
After-Sale Price 200 €
Seltene erste Separatausgabe. – Goedeke IV, 3, 229, 29 – Hagen 183 – Kippenberg I, 357. – Sammlerstempel auf Vorsatz, Bibliotheksschild und Stempel einer alten Stiftung verso Titel, kleiner Stempel auf der letzten Seite, etwas gebräunt.

Lot 586 Goethe, Johann Wolfgang von
Herrmann und Dorothea. Neue Ausgabe. Mit 4 Kupfern in Farbendruck nach Kolbe von Esslinger. Braunschweig, Friedrich Vieweg, 1822. Vortitel, Titel, 239 S. 22 x 14 cm. Roter Ganzmaroquinband im Stil der Zeit mit goldgeprägtem Rückentitel, reicher Rückenvergoldung, vergoldeten Deckelbordüren sowie Steh- und Innenkantenvergoldung und Ganzgoldschnitt. [*]
After-Sale Price 800 €
Eins der wenigen Exemplare mit den Kupfern in Farbendruck. – Goedeke IV/III, 335, 2u – Kippenberg I, 672. – Die Ausgaben von Herrmann und Dorothea, seinerzeit oft als Goethes “Meisterwerk” (Hegel) gesehen, erreichen hier ihren Höhepunkt. Vieweg vertrieb drei Varianten (vgl. Verlagskatalog S. 127), darunter die sogenannte “Pracht-Ausgabe” “Auf geglättetem Velinpapier” zum Preis von “M 13,50”, sowie die vorliegende “Beste Ausgabe. Mit schwarzen Kupfern auf chinesischem Papier, oder colorirt.” – Titel etwas angerändert, wie fast immer mehr oder weniger stark stockfleckig.

Lot 587 Goethe, Johann Wolfgang von
Nach Serenissimi höchst eigener Anordnung erneuerte Bedingungen, unter welchen Besuch und Gebrauch der Herzoglichen Bibliothek zu Weimar verstattet ist. Einblattdruck, beidseitig bedruckt, datiert auf der Rückseite: “Gegeben Weimar, den 21. März 1810.”. 1 Bl. 34,5 x 21 cm.
Result 1400 €
Erster Druck des sehr seltenen Bibliothekserlasses, eine für die Benutzer umgeänderte Fassung der von Goethe und Voigt gestalteten Ordnung von 1798. – Nicht in den einschlägigen Goethe-Katalogen und -Bibliographien. – Die Benutzungsordnung ist in 20 Paragraphen aufgeteilt und regelt den gesamten Benutzungs- und Ausleihverkehr. – Kräftiger Abdruck auf leicht grünlichem Bütten. – Nur im linken Rand leicht beschnitten, dort mit zwei und im oberen Rand mit einem kleinen Nadelloch, minimal gebräunt. Sehr gutes Exemplar.

Lot 588 Goethe, Johann Wolfgang von
Propyläen. Eine periodische Schrift (Bände 2-3: “Schrift”) herausgegeben von Goethe. Sechs Stücke in drei Bänden. Mit 5 (2 in Rötel, 1 gefaltete) Kupfertafeln. Tübingen, Cotta, 1798-1800. 20,5 x 12 cm. Halblederbände im Stil der Zeit mit 2 farbigen Rückenschildern und Rückenvergoldung. [*]
Result 500 €
Erste Ausgabe. – Goedeke IV/3, 357-360, 89 – Hagen 483 – Fischer, Cotta 242, 271 und 303. – Band 2 auf starkem “Postpapier” nahezu fleckfrei (Fischer nennt für diese Papiervariante eine Auflage von 52 Exemplaren). – Nach dem unerwartet schnellen Niedergang von Schillers ‘Horen’ “konzipierte nunmehr Goethe federführend mit modifizierten Ansprüchen und Inhalten die Propyläen. … Nahtlos knüpften die Propyläen, das zweite und letzte Journal der Weimarer Publizistik, deshalb mit ihrem ersten Erscheinungsjahr an das letzte der Horen an.” (M. Gross, Ästhetik und Öffentlichkeit, S. 191). – Die meisten der enthaltenen Artikel stammen von Goethe und Meyer. Caroline und Wilhelm von Humboldt und Schiller beteiligten sich weniger als erhofft mit nur je einem Beitrag. – Die “Propyläen” wurden kein Erfolg und für den Verleger Cotta, der Goethe erstmals an seinen Verlag binden konnte, “ein riesiges Verlustgeschäft, von den 1000 Exemplaren wurden nur 54 abgesetzt” (Unseld S. 313). – Teilweise etwas stärker stockfleckig, ein Blatt in Band 3 mit kleinem Loch (leichter Buchstabenverlust). Gutes Exemplar, dekorativ gebunden.

Lot 589 Goethe, Johann Wolfgang von
Torquato Tasso. Ein Schauspiel. Ächte Ausgabe. Leipzig, Göschen, 1790. Titel, 222 S. 16,5 x 9,5 cm. Halblederband der Zeit mit rotem Rückenschild und Rückenvergoldung. [*]
Result 240 €
Erste Einzelausgabe. – Goedeke IV/3, 291, 6, 1 – Hagen 200 – Hirzel A 162 – Kippenberg I, 365. – Separat abgedruckt aus Band VI der Schriften, die 1787 bis 1790 bei Göschen erschienen (Hagen 11), ohne die Kupfer und nach Entfernung der Bogennorm. – Leicht gebräunt. Gutes Exemplar.

Lot 590 Goethe, Johann Wolfgang von
Werke. Vollständige Ausgabe letzter Hand. 60 Bände und Registerband (“Musculus”) in 32 Bänden. Mit 1 gestochenen Porträt nach Chodowiecki, 1 Kupfertafel, 6 gefalteten Beilagen und einigen Textholzschnitten. Stuttgart und Tübingen, Cotta, 1827-42. 19 x 12 cm. Zeitgenössische braune Berliner Halblederbände mit Rückentitel und Rückenvergoldung (etwas berieben und bestoßen, 3 Bände später entsprechend nachgebunden). [*]
Result 2700 €
Schönes und vollständiges Exemplar der “Großoktav-Ausgabe” aus der Königs-Bibliothek der Welfen (Fideicommiss, hier: Ernst August (II.) von Hannover, Herzog von Cumberland, 1845-1923). – Goedeke IV, 3, 14, C – Hagen S. 63, C3. – Die Ausgabe umfasst die 40 Bände der von Goethe noch selbst vorbereiteten Werke sowie die anschließenden 20 Bände der nachgelassenen Werke (diese hier jeweils mit den oft fehlenden zweiten Titeln “Nachgelassen Werke”) und den Registerband von Musculus. – Beiliegend: Alter Begleitzettel (wohl des Antiquariats Fritz Eggert, Stuttgart), mit typographischer Titelaufnahme. Dort werden die letzten drei Bände noch als fünf Hefte beschrieben, die Bindung (im Stil der anderen Bände) erfolgte also durch den letzten Besitzer am Ende des 20. Jahrhunderts. Dies entspricht den Angaben im Versteigerungskatalog von 1970 (s.u.). – Das Porträt “Goethe in seinem sieben und zwanzigsten Jahre” nach Chodowiecki von C. A. Schwerdgeburdt ist 1841 datiert. – Band 1 im Innendeckel mit Etikett des Berliner Buchbinders “A. Mossner, Berlin, Breite Str. No. 29”. Abraham Mossner (1800-nach 1858) wurde Hofbuchbinder und Hoflieferant des Prinzen von Preußen. Da er daraufhin sein Etikett mit dem Titel Hofbuchbinder schmückte, wird es sich bei den hier vorliegenden Einbänden um ältere Nachweise seines Schaffens handeln. – Ebenfalls in Band 1, auf der Rückseite des Titelblattes, zwei Stempel. Einer davon modern, der andere (in Rot) weist das Exemplar als Besitz der Königlichen Ernst August Fideikommiss-Bibliothek aus. Diese wurde 1970/71 in Hamburg bei Hauswedell & Nolte versteigert. – Vorsätze etwas leimschattig, teilweise etwas gebräunt, Titelblatt von Band 1 mit sauber restaurierten Fehlstellen im weißen Rand, Bibliothekssignaturen in Blaustift auf den hinteren Innendeckeln.

Lot 591 Gosch, Josias Ludwig (Pseudonym)
Der unglückliche Dauphin von Frankreich. Ein dramatisches Gemählde von Louis. Mit 1 Titelkupfer (G. Boettger senior del. et sc. 1803). Hamburg, Friedrich Hermann Nestler, 1804. 2 Bl., 140 S. 16,5 x 10 cm. Marmorierter Pappband der Zeit mit rotem Rückenschild (etwas berieben, Kapitale leicht bestoßen). [*]
Result 200 €
Erste Ausgabe. – Goedeke VII, 375, 10 (kennt Titelkupfer und Verlag nicht) – Brümmer I, 258 – Trauzettel, vorläufige Gosch-Bibliographie 14 (unveröffentlicht). – Sehr selten; in deutschen Bibliotheken mit Frontispiz nur in HAAB Weimar und Christian-Weise-Bibliothek Görlitz, zwei Exemplare in SBB Augsburg, je eines mit und eines ohne Frontispiz und ULB Darmstadt (ohne) vorhanden. Der Dauphin Louis Charles (1785-1795), Sohn von Louis XVI. und Marie Antoinette, als Louis XVII. in der Reihe der französischen Könige geführt, war aus ungeklärter Ursache im Gefängnis gestorben. Gosch (1765-1811) schildert das Schicksal des Jungen in dramatisierten Szenen, unter den handelnden Personen sein Lehrer, der Schuhmacher Simon und Robespierre. – Das Drama wurde in Österreich verboten (vgl. Kritisches Journal …, hrsg. von Louis, 2. Bd., 9. St., S.130). Ansonsten scheint es zeitgenössisch völlig unbeachtet geblieben zu sein. Gosch studierte vermutlich Jura in Kopenhagen, lebte dann als Privatgelehrter in Kopenhagen, Leipzig und Weimar; 1794 Aufenthalt in Hamburg; 1795 als Hofmeister in Livland, dann Privatmann in Altona und seit 1800 in Hamburg. 1811 wurde er wegen seiner Schrift Sendschreiben an die Grafen Bernstorff und Schimmelmann angeklagt und im Juni des Jahres vom holsteinischen Obergericht zu “Festungshaft auf königl. Gnade” (sic!) verurteilt. Er starb im August des Jahres im Gefängnis zu Rendsburg. Die Ursache dieses schnellen Todes so bald nach seiner Inhaftierung ist nicht bekannt. Frontispiz mit Wasserfleck, etwas fleckig, Titel mit zeitgenössischem Initialstempel “W”.

Lot 592 Gurowski, Graf Adam
Eine Tour durch Belgien im Jahre 1844. Aus dem Tagebuche des Grafen A. v. Gurowski. Heidelberg, D. Pfisterer, 1845. V, 339 S. 18,5 x 11 cm. Grüner Halblederband im Stil der Zeit mit reicher ornamentaler Rückenvergoldung. [*]
Result 240 €
Seltene erste Ausgabe. – Engelmann I, S. 329. – Auf Velin gedruckt. – Der Graf Adam Gurowski (1805-1866) hat als Emigrant in Deutschland, als Kämpfer für die Freiheit Polens und als Panslawist für einige Jahre einiges Aufsehen erregt, ist hierzulande nach seiner Auswanderung nach USA aber weitgehend vergessen worden. Ganz anders in seiner neuen Heimat, wo er als Hochschullehrer in Harvard, als Journalist, Regierungsberater, radikaler Abolitionist im Bürgerkrieg, u.a. trat er für die Aufstellung einer Truppe afro-amerikanischer Soldaten ein, und scharfer Kritiker Lincolns bleibenden Eindruck hinterlassen hat. “When President Abraham Lincoln told his body-guard about whom he feared potentially assassinating him the most, it wasn’t the disgruntled, Confederate-sympathizing actor John Wilkes Booth. Rather, it was a somewhat bizarre Polish man who had renounced his old citizenship, became a spokesman for tsarist autocracy in Russia, and ultimately moved to the United States and became an aggressive champion of the Radical Republican cause. This man was none other than Count Adam Gurowski, ….” (Internetquelle: Congressional Cemetry). Während seiner Zeit in New York zählte er zu den radikalen Bohemiens, deren Treffpunkt die Künstlerkneipe “Pfaff’s cellar” war; hier schloss er Freundschaft mit Walt Whitman. Der charakterisierte ihn später als “one of the clearest headed most remarkable men I ever came in contact with” und beschrieb Gurowskis Beerdigung 1866: “His funeral was simple but very impressive – all the big radicals were there”. – Schon die exzentrische Typographie des Titelblatts lässt erahnen, dass eine “normale” Reisebeschreibung hier nicht zu erwarten ist. Tatsächlich bieten die empfangenen Eindrücke dem aufmerksam beobachtenden Reisenden Anlass zu meist unorthodoxen Reflexionen und Betrachtungen, die in vieler Hinsicht gewohnter Sehweise zuwider laufen. – Teils leicht gebräunt.

Lot 593 Gutzkow, Karl
Soireen. (Teil 1 mit dem Nebentitel:) Sommerreise durch Oesterreich. 2 Bände. Frankfurt, Sauerländer, 1835. 255 S.; VIII, 259 S. 16 x 10,5 cm. Dekorative Halblederbände der Zeit mit goldgeprägtem Rückentitel und reicher Rückenvergoldung. [*]
Result 200 €
Erste Ausgabe. – Rasch 2.9. – Beide Bände jeweils mit Exlibris (Otto und Mathilde) Wesendonck und Friedrich Wilhelm von Bissing. – Der Kaufmann, Kunstsammler und Kunstmäzen (1815-1896) Otto Wesendonck, Förderer Richard Wagners, zog sich bereits 35jährig hochvermögend von seinen Geschäften zurück und legte sich eine bedeutende Kunstsammlung mit Bibliothek zu. Von dort wanderte vorliegende Ausgabe offensichtlich zu dem bedeutenden Ägyptologen Friedrich Wilhelm von Bissing (1873-1956). Der zumindest bis 1945 überzeugte Nationalsozialist, Freund von Rudolf Hess und Träger des Goldenen Parteiabzeichens, wurde aufgrund seiner Tätigkeit in der Landessynode der Evangelisch-Lutherischen Kirche trotz eines Gnadenappells an den “Führer” 1937 aus der Partei ausgeschlossen. Seine umfangreiche Bibliothek wurde vom Stuttgarter Kunstkabinett: Kunst-Auktion 26, 1958 versteigert. – Teils stockfleckig, die ersten und letzten Blätter jeweils stärker betroffen.

Lot 594 Hafner, Philipp
Gesammelte Schriften. Mit einer Vorrede und Anmerkungen, vorzüglich über die Oesterreichische Mundart. 3 Bände in 2 Bänden. Wien, Wallishauser, 1812. 21 x 12,5 cm. Grüne Halblederbände im Stil der Zeit mit goldgeprägtem Rückentitel und Rückenvergoldung. [*]
Result 200 €
Erste Ausgabe. – Goedeke IV/1, 657,13 – Hayn-Gotendorf III, 6. – “Im Mittelpunkt von H.s Interesse stand die scherzhaft-parodistische Charakterdarstellung; geurteilt wird aus rationalistisch-profaner Sicht” (Killy IV, 462f.). – Etwas gebräunt. – Dabei: Derselbe. Scherz und Ernst in Liedern. 2 Teile in 1 Band. Wien u.a., Strache, 1922. – Wie die Schriften gebunden und als Band 4 bezeichnet. – Zusammen 3 Bände, einheitlich dekorativ gebunden.

Lot 595 Haller, Albrecht von
Versuch Schweizerischer Gedichte. Elfte vermehrte und verbesserte Auflage. Mit gestochenem Frontispiz, gestochener Titelvignette und 18 gestochenen Textvignetten (B. A. Dunker del. et sc.). Bern, Typographische Gesellschaft, 1777. 8 Bl., 343 (recte 345; wie immer ist zwischen S. 226 und 227 ein unpaginiertes Blatt eingesetzt). 19 x 12 cm. Halblederband der Zeit mit Rückenschild und reicher Rückenvergoldung (leicht berieben). [*]
Result 200 €
Ausgabe letzter Hand. – Goedeke IV/I, 24, 2m – Nicolas, Dunker 77 – Lundsgaard 571 – Lonchamp 1379. – Auf Schreibpapier gedruckt. – Insgesamt frisches Exemplar der besseren Ausgabe; es erschien auch eine einfache Ausgabe ohne Vignetten. – Die elfte Auflage des “Versuch” ist eines der schönsten illustrierten Bücher der Schweiz im 18.Jahrhundert überhaupt. – Zuerst 1732 erschienen, wurde die Sammlung immer wieder verändert und erweitert. Von Beginn an enthalten war Hallers epochemachendes Gedicht “Die Alpen”, das “zu den ersten deutschsprachigen Texten eines bürgerlichen Zeitalters (gehört), in denen die Natur zum Gegenstand ästhetischen Genußes wie zum Medium menschlicher Emotionalität wird, …” (KNLL VII, 193), kongenial illustriert durch die “wundervoll zarten” (Lanck./O.) Vignetten Dunkers. – Kleiner alter Wappenstempel auf dem Titel, wenige Lagen leicht gebräunt, gelegentlich etwas fleckig, kleines Loch in dem Titel (Papierfehler). – Gutes Exemplar, dekorativ gebunden.

Lot 596 Hammer-Purgstall, Joseph von
Zeichnungen auf einer Reise von Wien über Triest nach Venedig und von da zurück durch Tyrol und Salzburg. Im Jahre 1798. Mit 1 gestochenen gefalteten Karte (F. Sotzmann del., Franz sc.) und gestochenem Titel mit Vignette. Berlin, Johann Daniel Sander, 1800. X, 355 S. 17,5 x 11 cm. Halblederband im Stil der Zeit mit Rückenschild und reicher Rückenvergoldung. [*]
Result 700 €
Seltene erste Ausgabe. – Goedeke VII, 750, 9 – Wurzbach I. 3, 29 – nicht bei Tresoldi. – Frühwerk des berühmten Orientalisten J. von Hammer-Purgstall (1774-1856). Hammer wurde der literarischen Öffentlichkeit zuerst in Deutschland durch Veröffentlichungen in Wielands Teutschem Merkur seit Juli 1796 bekannt; Vermittler war Johannes von Müller, der seit 1792 in Wien wirkte und hier Freundschaft mit dem jungen Hammer schloss. C. A. Böttiger, Mitherausgeber des TM, vermittelte den Druck der Zeichnungen. In dessen Brief an Hammer vom 28.Juni 1799 heißt es u.a.: “Zuvörderst eine Rechenschaft über das Tagebuch Ihrer Venezianischen Reise. Ich fand einen sehr wackeren Verleger in Berlin, den Buchhändler Sander, dazu, der aber nicht wünscht, daß die anziehendsten Morceaus daraus im Voraus in Journalen bekannt gemacht würden. Es könnte nun gleich in den Druck gegeben werden, wenn wir nur erst noch über folgende Punkte Auskunft von Ihnen hätten. 1) Wollen Sie Ihren Namen gar nicht genannt, oder nicht wenigstens die Anfangsbuchstaben bezeichnet haben? 2) Könnten wir nicht wenigstens zu einer Vignette und einem Titelkupfer etwas von Ihnen erhalten? 3) Wie viel wollen Sie Exemplare auf gutes Schreibpapier haben? 4) Wie viel soll Ihnen Hr. Sander Honorar zahlen? Oder wollen Sie dies letzte auf meine Vermittlung ankommen lassen, wobei Sie gewiß nicht zu kurz kommen sollen. …” (Briefe an und von Joseph von Hammer-Purgstall 1794 – 1810, Teil 2/2.0, Graz 2018, S. 52). – Die doppelblattgroße Karte hinterlegt und mit Bräunungen und kleinen Fehlstellen in der Faltung, Außenblätter in den Rändern etwas fleckig und mit kurzen Einrissen, Ecken teils mit Knickspuren.

Lot 597
Die Harfe. Herausgegeben von Friedrich Kind. 8 Bände (alles Erschienene). Mit 8 gestochenen Frontispizes nach Schnorr von Carolsfeld, Ramberg u.a., 2 Faksimiletafeln, 1 Kupfertafel und 3 Textkupfern. Leipzig, Göschen, 1815-1819. 16,5 x 10 cm. Halblederbände der Zeit mit (etwas oxydierten) goldgeprägten Rückentiteln (etwas berieben, 1 Kapital leicht bestoßen).
Result 300 €
Seltene Zeitschrift der Romantik. – Goedeke VIII, 24, 106 – Houben-Walzel 288-315 – Kirchner 4733 (kennt nir Bände 1-6) – Kaldewey IX, 488: “Wichtige Zeitschrift der Dresdener Romantik mit umfangreichen Reisebeschreibungen u. Erstdrucken von Louis Brachmann (Einige Züge aus meinem Leben in Beziehung auf Novalis), Caroline u. F. Fouqué, Haug, Herder, Loeben, Lichtenberg (Erstdrucke von Briefen), Mendelssohn u. Z. Werner. – Es fehlt die Notentafel. – Nur teilweise etwas stärker gebräunt.

Lot 598 Hegner, Ulrich
Die Molkenkur. Herausgegeben von Ulrich Hegner. 1.-3. Teil in 1 Band. Mit 3 gestochenen Titelvignetten von Hegi. Zürich, Orell, Füßli und Compagnie, 1812-1819. 14,5 x 9 cm. Marmorierter Lederband der Zeit mit goldgeprägtem Rückenschild und etwas Rückenvergoldung (etwas berieben, Ecken etwas bestoßen). [*]
After-Sale Price 240 €
Erste Ausgabe. – Goedeke VI, 490, 7 und 491, 12 bzw. XII, 90 , 7a-c – Lonchamp 1428. – Gutes Exemplar mit allen Teilen in erster Ausgabe. – Bände 2 und 3 mit Einzeltiteln: Suschens Hochzeit. Erster bzw. Zweyter Theil. – Neben Italien war die Schweiz seit der zweiten Hälfte des 18.Jahrhunderts das Reiseziel schlechthin. Hegner (1759-1840) war der erste, der in seinem Roman, in eine Liebesgeschichte eingebettet wechselseitigen Auswirkungen eines solchen Tourismus auf Besucher wie auf Einheimische und die daraus entstandene “Industrie” der Reiseführer und bildlichen Darstellungen beschreibt und reflektiert. “Man will nicht mehr das Land, sondern nur künstliche Empfindungen über das Land bekannt machen!” klagt der Briefschreiber, ein fiktiver norddeutscher Kurgast. – “Hegners Werke kennzeichnen seine präzise Beobachtungsgabe, seine Fähigkeit, das Charakteristische von Menschen und Lebensumständen in plastischen Miniaturen einzufangen.” (Killy V, 105). – Exemplar auf besserem Papier, Titeleien zu Teil 2 und 3 auf Velin. – Teils etwas stockfleckig, Innendeckel und Vorsatz mit drei Exlibris und einem Besitzeintrag.

Lot 599 Heine, Heinrich
Französische Zustände. Hamburg, Hoffmann und Campe, 1833. XXVI, 1 Bl., 408 S. – Vorgebunden: Vorrede zu Heinrich Heine’s Französischen Zuständen nach der französischen Ausgabe ergänzt und herausgegeben von P.G.g.r. (das ist: Paul Gauger). Leipzig, Heideloff und Campe, 1833. VIII S., S. 9-58, 1 weißes Bl. 15,5 x 10 cm. Halblederband der Zeit mit goldgeprägtem Rückentitel und etwas Rückenvergoldung (berieben, Ecken und Kanten etwas bestoßen). [*]
Result 800 €
Erste Ausgabe und eins der äußerst seltenen Exemplare mit der vollständigen Vorrede. – Goedeke VIII, 557, 41 – Houben I, 395f – Wilhelm/G. I, 581 – Borst 1687 – Meyer 36 und 38. – Die Zensoren waren sich sicher, dass dieses Buch “zu den verwerflichsten gehöre, welche wir jemals zu prüfen veranlaßt worden sind” (nach Houben I, 395ff., dort ausführlich zur Editionsgeschichte). – Die weitgehenden Streichungen des sächsischen Zensors in der Vorrede, welche nach Heines Auffassung “den Text nicht nur gekürzt und entstellt, sondern ‘auch mitunter ins Servile verkehrt’ hätten” (Houben), reichten den preußischen Behörden jedoch nicht: der Altenburger Beamte wurde abgesetzt und das Werk vollständig verboten. Auf Veranlassung Heines druckte Heideloff in Paris die vollständige Vorrede und Heine verfasste dazu noch eine “Vorrede zur Vorrede”. Hinter dem zur weiteren Verwirrung kryptisch genannten Herausgeber versteckt sich Paul Gauger, Gehilfe in der Druckerei. – Die Zensur konnte wieder nicht lachen und verurteilte diese Vorrede als “frechstes Machwerk, das die gröbsten Ausfälle … und härtesten Verunglimpfungen seiner Majestät des Königs enthalte”. – Gebräunt und stockfleckig, die letzten zehn Blatt mit größerem Wasserfleck, die letzte Seite mit neuer kurzer handschriftlicher Bemerkung.

Lot 600 Heine, Heinrich
Gedichte. 4 Bände. Hamburg, Hoffmann & Campe, 1851-1857. 18,3 x 10,5 cm. Halblederbände der Zeit mit goldgeprägtem Rückentitel und etwas Rückenvergoldung (Rücken etwas verblasst).
Result 240 €
Mit allen Vortiteln “Gedichte” und einheitlich gebunden selten. – Band 1: Buch der Lieder. Achte Auflage. 1851. – Band 2: Neue Gedichte. Dritte, veränderte Auflage. 1852. – Band 3: Romanzero. 1851. – Erste Ausgabe, 2. Druck (Hotop in Cassel). – Band 4: Deutschland. – Atta Troll. 1857. – Sehr gutes und fleckfreies Exemplar.

Lot 601 Heine, Heinrich
Zwei Anti-Heine-Schriften des späten 19. Jahrhunderts (in einem Band). 21 x 14 cm. Private Leinwand (Rücken etwas aufgehellt).
Result 400 €
Enthält: I. J. Staarstecher (Ps. für Heinrich Keiter). Heinrich Heine der Antisemit und Nihilist. Köln, Bachem, 1893. 55 S. – Wilhelm/Galley 422 – II. Ad. König-Witten. Heinrich Heine der Schmutzfink im deutschen Dichterwald. Herausgegeben vom Vorstand des deutsch-socialen (antisemitischen) Vereins Düsseldorf. Ohne Ort und Jahr (Düsseldorf 1893). 32 S. – Wilhelm/Galley 421 – Exemplar aus der Bibliothek des Prager Juristen und Zionisten Josef Zalud, auf dem hinteren Deckel mit seinem eingeprägten Namen. – Papierbedingt etwas gebräunt, sonst gut.

Lot 602 Höfer, Matthias
Der blaue Mondtag, oder Anleitung zu einem vernünftigen und vergnügten häuslichen Leben. Scherze und Erzählungen. Linz, Haslinger, 1808. 144 S. 16,5 x 10 cm. Halblederband der Zeit (Deckel berieben). [*]
After-Sale Price 200 €
Erste Ausgabe, die wir in Deutschland über KVK nur in der Stabi Berlin und in Wolfenbüttel nachweisen können. – In 26 Kapiteln wird Unterhaltsames zu einem kontemplativen “Blauen Montag” berichtet – schon das erste Kapitel ist betitelt: “Im Bette ist es schön – warm”. – Vorsätze beschrieben, teils gebräunt.

Lot 603 Hogarth, William
Hogarth Restored. The whole works … Now re-engraved by Thomas Cook. Mit gestochenem Frontispiz, gestochenem Porträt und 95 Kupfern auf 79 (von 93) gestochenen Tafeln von T. Cook nach Hogarth. London, Robinson, 1802. Ohne Text. 58,5 x 44 cm. Roter Ganzmaroquinband der Zeit mit goldgeprägtem Rückentitel, reicher Rückenvergoldung, goldgeprägten Deckel-, Steh- und Innenkantenbordüren sowie Ganzgoldschnitt (Kanten berieben, Deckel mit Kratzspuren, Ecken etwas bestoßen).
After-Sale Price 500 €
Sammlung der Nachstiche Hogarthischer Kupfer, hier im Format der Originale, die in späteren Ausgaben nur in kleinen Nachdrucken wiedergegeben wurden und damit erheblich an Aussagekraft verloren. – Brunet III, 250. – Wenig gebräunt und fleckig, Porträt mit Knickspur und im Falz etwas gelöst, Vorsatz mit Kaufvermerk von 1818 und schabloniertem Wappen. – Aus der Bibliothek der Speck von Sternburg auf Schloss Lützschena (Trockenstempel).

Lot 604 Hommel, Carl Ferdinand
Einfälle und Begebenheiten. Mit 1 gestochenen Titelvignette und 1 Textholzstich. (Ohne Ort und Drucker), 1761. Titel, 184 S., 3 Bl. 19 x 10 cm. Halblederband im Stil der Zeit mit rotem Rückenschild und reicher Rückenvergoldung. [*]
After-Sale Price 200 €
Wohl eine Titelauflage, anonym erschienen. – Goedeke IV/1, 44, 10, 2 (nur Ausgabe 1760) – Hayn-Gotendorf II, 121. – Der Schöpfer der bemerkenswerten Titelvignette ist unbekannt geblieben. – K. F. Hommel (1722-1781) war die “hervorragende Gestalt der Strafrechtsphilosophie der Aufklärung in Deutschland, (er) wurde mit Recht ‘der deutsche Beccaria’ genannt.” (Cattaneo, in: Aufklärung. Jg.V/Heft 1, S. 41). Dass seine Interessen weit über die Juristerei hinausgingen und ihm ein durchaus “trockener” Humor eigen war, belegt die vorliegende Sammlung “von lustigen und ernsthaften, satyrischen, kritischen und philosophischen Gedanken, in deren Gesellschaft sich auch manche Pößchen und Wortspiele einschleichen”. – Teils leicht gebräunt. Gutes Exemplar, dekorativ gebunden.

Lot 605 Jacobi, Friedrich Heinrich
Ueber die Lehre des Spinoza in Briefen an den Herrn Moses Mendelssohn. Breslau, Gottl. Löwe, 1785. 4 Bl., 215 S., 3 Bl. (“Nachricht” und “Prometheus” zwischen S. 48 und S. 49 gebunden). 17 x 11 cm. Halblederband im Stil der Zeit mit rotem Rückenschild und reicher Rückenvergoldung. [*]
Result 1300 €
Erste Ausgabe. – Schulte-Strathaus 5a – Goedeke IV/1, 693, 12 – Hagen 577 (Goethe). – Vollständiges Exemplar des berühmten Buches, in dem Jacobi das Gespräch mit Lessing vom Juli 1780 dokumentiert, der sich dabei zum Pantheismus Spinozas bekannt haben soll. Es bildet den Ausgangspunkt für den seither sogenannten Spinozismus- oder Pantheismusstreit, dessen “Auswirkungen auf die Entwicklung der Philosophiegeschichte kaum zu ermessen (sind). Er markiert die Wende von der Aufklärung zur Romantik und zum Deutschen Idealismus.” (M.Lauschke). – Das Exemplar enthält (trotz der Anmerkung S. 11) die wegen der Zensur oder aus verletzten religiösen Gefühlen oft entfernten Seiten mit den Erstdrucken von Goethes Gedichten “Edel sey der Mensch” und “Prometheus”, sowie das noch häufiger fehlende erklärende Blatt “Nachricht” wegen Prometheus, das “Gedicht, das in der deutschen Literatur bedeutend geworden, weil, dadurch veranlaßt, Lessing über wichtige Punkte des Denkens und Empfindens sich gegen Jacobi erklärte. Es diente zum Zündkraut einer Explosion, welche die geheimsten Verhältnisse würdiger Männer aufdeckte und zur Sprache brachte: Verhältnisse, die, ihnen selbst unbewußt, in einer sonst höchst aufgeklärten Gesellschaft schlummerten. Der Riß war so gewaltsam, daß wir darüber, bei eintretenden Zufälligkeiten, einen unserer würdigsten Männer, Mendelssohn, verloren.” (Goethe, Dichtung und Wahrheit, 3.Teil, 15.Buch). – Zwei zeitgenössische Namen auf dem Titel “J(ohann) L(udwig) Hörstel” (Philologe, Theologe. 1765-1828) und “J(ohann) A(rnold) Ebert” (1723-1795, Schriftsteller, Übersetzer, Freund Lessings, trug wesentlich zu dessen Berufung an die Herzog August Bibliothek in Wolfenbüttel bei).

Lot 606 Jacobi, Johann Georg (Hrsg.)
Iris. Erster-achter Band in sieben Bänden. Mit 5 (von 7) Notenbeilagen. Düsseldorf, Selbstverlag (Bände 1-4)/ Berlin, Haude und Spener (Bände 5-8), 1774-1776. 17 x 10 cm. Lederbände der Zeit (Band 7/8 um 1900 passend neu gebunden) mit Rückenschild und Rückenvergoldung (teils fachgerecht restauriert). [*]
Result 800 €
Erste Ausgabe. – Goedeke IV/1, 670, 40 – Diesch 1042 – Kirchner 6478 – Aurnhammer, Jacobi-Bibliographie 184, 192, 193, 194, 202, 212, 214, 221. – In Band 2 fehlen wie oft (vgl. Hagen, Goethe 535) die Notenbeilagen zu “Erwin und Elmire” und “An Belinde”, in guter Kopie auf zeitgenössischem Papier beigebunden. Enthalten ist dagegen ein mehrfach gefaltetes Notenkupfer “Arie aus Erwin und Elmire”, Incipit “Ein Schauspiel für Götter”. In Band 5 ist das Blatt “An den Buchbinder” (“NB. dies Blatt wird nicht mit eingebunden”) mit Angaben zum Beschnitt der Blöcke erhalten. – Das Exemplar, das Fritz Eggert 1978 in seinem Katalog 121, 124 anbot: “Jacobi, der anfangs am Deutschen Merkur mitgearbeitet hatte, versuchte sich hier in einer für das weibliche Geschlecht berechneten Nachahmung des Wielandschen Vorbildes. Der Inhalt dieser Frauenzeitschrift zeichnet sich durch Mannigfaltigkeit aus, ohne, wie es in Jacobis Vorwort heißt, ‘der zur Mode gewordenen Empfindsamkeit zu schmeicheln und immer von Religion und Tugend zu sprechen’. … Von den anonymen Mitarbeitern möchten wir als erstes Goethe nennen. Von ihm sind folgende Arbeiten in Erstdrucken enthalten: Lied, das ein selbst gemahltes Band begleitet – Mayfest – Der neue Amadis – Erwin und Elmire, ein Schauspiel mit Gesang – An Belinden – Neue Liebe, neues Leben – Mir schlug das Herz … – Rettung – Mit einem goldnen Halskettchen überschickt – Den Männern zu zeigen – Im Herbst 1775. Weitere Erstveröffentlichungen sind von dem Bruder des Herausgebers Friedrich Heinrich Jacobi abgedruckt … Heinse hat hier zum erstenmal Auszüge seinen Übersetzungen Das befreyte Jerusalem von Tasso und Roland der Wüthende von Ariost veröffentlicht. Sophie von la Roches Freundschaftliche Frauenzimmer Briefe, … sind im zweiten Band enthalten. Goethes Schwager Schlosser hat seinen Aufsatz Plan und Fragment einer Weltgeschichte fürs Frauenzimmer beigesteuert. Abschließend seien noch die Gedichte und die Übersetzung Ossian fürs Frauenzimmer (Fingal) von Jakob Michael Reinhold Lenz genannt. Die beiden Musikbeilagen, die Hagen für Goethes Schauspiel Erwin und Elmire und das Gedicht An Belinden angibt, aber darauf hinweist, daß sie in manchen Exemplaren fehlen, sind auch hier nicht vorhanden. Dafür haben wir eine Musikbeilage Arie aus Erwin und Elmire (Ein Schauspiel für Götter), die sie nicht kennt. – So vollständig außerordentlich selten.” – Bände 1-6 mit zeitgenössischem Namen “J. C. Westphal” auf dem Titel, Band 7 Doublette aus der Königl. Bibliothk Berlin mit den entsprechenden Stempeln auf der Titelrückseite. Alle Bände mit Exlibris “Ernst Magnus” auf dem Innendeckel (die bedeutende Bibliothek wurde 1923 bei J.Baer in Frankfurt versteigert; unser Exemplar ist Nr. 576). – Teils etwas fleckig, die in Berlin erschienenen Bände 5-8 auf weniger gutem Papier, leicht gebräunt.

Lot 607 Jean Paul
11 Werke in 19 Bänden. 1793-1829. Ca. 17,5 x 11 cm. Halblederbände und Pappband (1) der Zeit mit Rückenschildern (Gelenke vereinzelt angeplatzt, etwas berieben und bestoßen).
Result 200 €
Vorhanden: I. Die unsichtbare Loge. 2 Bände. Mit 2 gestochenen Titelvignetten und 1 Kupfertafel. Berlin, Matzdorff, 1793. – II. Hesperus. 4 Bände. 3. Auflage. Berlin, Reimer, 1819. – III. Briefe und bevorstehender Lebenslauf. Gera und Leipzig, Heimsius, 1799. – IV. Wahrheit aus Jean Paul’s Leben. 4 Bände. Mit Porträt-Frontispiz. Breslau, Josef Max, 1826-1829. – V. Clavis Fichtiana seu Leibgeberiana. Erfurt, Hennings, 1800. – VI. Kleine Bücherschau. 2 in 1 Band. Breslau, Josef Max, 1825. – VII. Selina oder über die Unsterblichkeit. 2 in 1 Band. Stuttgart, 1827. – VIII. Museum. Stuttgart, Cotta, 1814. – IX. Der Komet, oder Nikolaus Marggraf. 2 in 1 Band. Berlin, Reimer, 1820. – X. Levana oder Erziehlehre. 3 Bände und Ergänzungsblatt in 1 Band. 2. Auflage. Stuttgart, Cotta, 1814-1817. Roter Pappband der Zeit. – XI. Herbst-Blumine. 1. und 3. (von 3) Teil in 2 Bänden. Tübingen, Cotta, 1810-20. – Vorsätze teils leimschattig, teils etwas gebräunt und braunfleckig.

Lot 608 Kalender – Fetzer, Johann Jakob
Kleiner immerwährender Kalender für vergangene und künftige Jahre christlicher Zeitrechnung alten und neuen Styls. Vom Verfasser des österreichischen Toleranz – Bothen. Mit 2 gestochenen und beweglichen Kalenderscheiben (Volvellen). Wien, Rehm, 1816. Titel, 57 S., 8 (2 gefaltete) Bl. 23,7 x 19 cm. Lederband der Zeit mit Rückenvergoldung (leicht berieben). [*]
Result 200 €
Einzige Ausgabe, anonym erschienen. – Der Rechtsanwalt Johann Jakob Fetzer übernahm in einer Krisenzeit politische Verantwortung in der Reichsstadt Reutlingen. Seltener Gebrauchsdruck des Reutlinger Reformbürgermeisters am Ende der Reichsstadtzeit. – Leicht gebräunt. Gutes Exemplar.

Lot 609 Kalender
Immerwährender Haus-Calender, gedruckter Kalender in Form eines Quodlibet auf starkem Karton mit 5 beweglichen Scheiben für: Rad der 12 Monate (mit kolorierten Sternkreiszeichen), Rad der Monatstage, Rad der ersten Tage der Monate, Rad der Neu-Monden, Rad des Mondes Alters. Ohne Ort und Verlag, um 1700. 54 x 39,5 cm.
Result 2200 €
Mit einer Tafel der Osterfeste von 1700 bis 1799. – Mit stärkeren Gebrauchsspuren: Gebräunt, knickspurig, in den Rändern mit Einrissen und Bezugsfehlstellen.

Lot 610 Kalender
Neuer, verbesserter hundertjähriger Kalender, von 1837 bis 1937, worin enthalten: Kurzer Begriff und Verbesserungen des Kalenders; beweglicher Kalender der Heiligen- und unbeweglichen Kirchenfeste … Linz, Huemer, 1837. 196 S., 2 Bl. 18 x 11,5 cm. Bedruckte Original-Broschur.
After-Sale Price 200 €
Seltener Kalender, den wir über KVK nur in der UB Krems (Status: Vermisst) und der Leopold-Sophien-Bibliothek Überlingen nachweisen können. – Teilweise etwas gebräunt.

Lot 611 Katharina II, Kaiserin von Rußland
Drey Lustspiele wider Schwärmerey und Aberglauben. 1) Der Betrüger 2) Der Verblendete 3) Der sibirische Schaman. Von I.K.M.d.K.a.R. (Ihrer Kaiserlichen Majestät der Kaiserin aller Reußen). Mit 1 gestochenen Frontispiz von Eberhard Siegfried Henne. Berlin und Stettin, Nicolai, 1788. 1 Bl., XVI, 347 S. 16 x 9,5 cm. Halblederband der Zeit mit 2 farbigen Rückenschildern und reicher Rückenvergoldung (etwas berieben und bestoßen, leicht fleckig). [*]
Result 400 €
Goedeke IV/1, 628/7 – Bilbassoff 542 – Kosch VIII, 953. – Erste in Deutschland gedruckte Ausgabe dieser anonym erschienenen antifreimaurerischen Stücke der Kaiserin, die 1786 im Eremitage-Theater in St. Petersburg uraufgeführt wurden. – Mit einem Vorwort von Friedrich Nicolai (1733-1811), der Katharina ausdrücklich für die Schmähung von Okkultismus und Aberglauben im “Jahrhundert der Philosophie” lobt. – Vorsatz mit dem Exlibris des Historikers und Ikonensammlers Martin E. Winkler (1893-1982). – Papierbedingt leicht gebräunt, teils schwach fleckig.

Lot 612 Kleist, Heinrich von
Das Käthchen von Heilbronn oder die Feuerprobe ein großes historisches Ritterschauspiel. Aufgeführt auf dem Theater an der Wien den 17. 18. und 19. März 1810. Berlin, Realschulbuchhandlung, 1810. 198 S. 20,5 x 10 cm. Dunkelblauer Ganzlederband im Stil der Zeit mit grünem Rückenschild, Rückenvergoldung und goldgeprägten Deckelbordüren. [*]
Result 1400 €
Erste Ausgabe. – Goedeke VI, 102, 6 – Sembdner 8. – Exemplar einer Vorzugsausgabe auf Schreibpapier, die offensichtlich so nicht im Handel war. Kaysers Bücherlexikon listet keine unterschiedlichen Papiersorten; nahezu alle für uns nachweisbaren Exemplare sind mehr oder weniger stockfleckig und/oder gebräunt. – “Das Käthchen von Heilbronn nimmt in Kleists dramatischem Werk eine Sonderstellung ein” (KNLL IX, 477). Anregungen zur Gestaltung des Stoffs erhielt er in den Vorlesungen “Ansichten von der Nachtseite der Naturwissenschaft”, die G. H. Schubert im Winter 1807/08 im Haus des Herrn von Carlowitz, des Förderers von Kleists und A. H.Müllers Zeitschriftenprojekt “Phöbus”, in Dresden gehalten hatte; dies im Wechsel mit den Vorlesungen “Von der Idee der Schönheit” von Kleists Freund A. H. Müller. – “Nach dem Abdruck einiger Fragmente im Phöbus hatte Kleist sein Stück Cotta für ein Taschenbuch mit Zeichnungen von Ferd. Hartmann angeboten und sich vergeblich um die Aufführung an deutschen Bühnen bemüht. Als durch den Bruch mit Iffland auch die Hoffnung auf eine Aufführung am Berliner Nationaltheater vereitelt war, bot Kleist es im August 1810 Reimer an, der es … noch rechtzeitig zur Michaelismesse herausbrachte … (Das) Werk wurde sehr wohlwollend von Wilhelm Grimm … besprochen, während es von Friedrich Weisser im Morgenblatt verrissen wurde. Goethe warf das geborgte Exemplar … mit den Worten ins Feuer: ‘Das führe ich nicht auf, wenn es auch halb Weimar verlangt’.” (Sembdner). – Nahezu fleckfrei und dekorativ gebunden.

Lot 613
Der Koran, Oder insgemein so genannte Alcoran des Mohammeds, unmittelbahr aus dem Arabischen Original in das Englische übersetzt, und mit beygefügten, aus dem bewährten Commentatoribus genommenen Erklärungs-Noten, wie auch einer vorläuffigen Einleitung versehen von George Sale. Aufs treulichste wieder ins Teutsche verdollmetscht von Theodor Arnold. Mit 1 gefalteten Kupferstichkarte, 1 gefalteten Kupfertafel und 3 (2 gefalteten) gestochenen genealogischen Tabellen. Lemgo, Meyer, 1746. 4 Bl., XXVIII, 232, 693 S., 9 Bl. 24 x 19 cm. Halbpergamentband der Zeit mit altem handschriftlichen Rückentitel (Kanten stärker berieben und bestoßen, Deckel mit Bezugsfehlstelle).
Result 400 €
Erste Ausgabe dieser deutschen Übersetzung. – Ebert 11525 – Zenker I, 1398 – Enay 97: “Erste und einzige Ausgabe dieser frühen deutschen Übersetzung nach einer Vorlage von George Sale. Die über 200 Seiten umfassende Einleitung des sogenannten ‘Lemgoer Koran’ ist wie keine andere vom Geist der europäischen Aufklärung geprägt. Es ist wichtig zu wissen, daß die Polemik gegen den Islam ihre Wurzel in ge- und verfälschten Koranübersetzungen hat. Arnold setzt sich in seiner Einleitung intensiv mit diesen Fälschungen auseinander. Deshalb ist sein Werk auch heute noch aktuell.” – Mit einer Karte von Arabien; die Tafel zeigt einen Grundrissplan und eine Ansicht der Kaaba zu Mekka. – Teils etwas stärker gebräunt, Karte mit Einrissen am Rand und in der Faltung.

Lot 614 Laukhard, Friedrich Christian
Bonaparte und Cromwell. Ein Neujahrsgeschenk für die Franzosen von einem Bürger ohne Vorurtheile. Aus dem Französischen mit einigen Anmerkungen. Leipzig, Lauffer, 1801. XVI, 126 S., 1 Bl. 15,5 x 9,5 cm. Rückenbroschur. [*]
Result 300 €
Seltene erste Ausgabe. – Laukhard-Bibliothek in Wendelsheim, Nr. 9 – Goedeke V, 525, 13 – Hayn-Gotendorf IV, 39-40 (biographische Anmerkung): “…. wurde in Halle Magister u. Privatdocent, 1783 gemeiner Soldat, preuß. Spion bei der Blokade von Landau 1792, später Freiwilliger in der Truppe der Sansculottes, einer revolutionären Polizei, wurde in einem Duell verwundet, kam in ein Spital zu Dijon, wo er als Krankenwärter diente, mußte mit schmerzlichem Bedauern aus Furcht vor Entdeckung seiner Landauer Mission Frankreich verlassen, gelangte nach mancherlei Abenteuern wieder nach Halle, wo er Privatunterricht gab. Später wurde er Pfarrvikar zu Veitsrodt im Saardepartement, welche Stelle er vielleicht durch eine anon. ersch. Schrift gegen Napoleon’s Herrschaftsgelüste (‘Bonaparte und Cromwell. Ein Neujährsgeschenk für die Franzosen von einem Bürger ohne Vorurtheil’) verloren haben könnte. Er starb am 28. April 1822 in armseligen Umständen als Privatlehrer zu Kreuznach. – Laukhard, s. Z. vielgelesener Autobiograph und Romanschriftsteller, ist in der neuesten Zeit besonders durch seine hochwichtige Autobiographie der Gegenstand lebhaften Interesses geworden, so daß seine Schriften hohe Preise erzielen.” – Fingierte Übersetzung aus dem Französischen eines “Citoyen sans préjugés”. – Die letzte Zahl des Druckdatums 1801 auf dem Titel und im Vorwort geschwärzt. – Etwas fleckig.

Lot 615 Lemene, Francesco de
Poesie diverse. Raccolte, e dedicate agl’ illustrissimi abati e collegio de’ Signori Conti, e Caualieri Giureconsulti della citta di Milano. 2 Teile in 1 Band. Mit 2 gestochenen Frontispizen, gestochenem Porträt und 8 Kupfertafeln. Milano, Quinto, 1692. 6 Bl., 236 S.; XXIV, 189 S., 2 Bl., 88 (von 90) S. 24,5 x 19 cm. Pergamentband der Zeit (kleine Einrisse am Rücken, gering fleckig). [*]
After-Sale Price 800 €
Erste Ausgabe. – Ohne das letzte Blatt in Teil 2 (S. 89/90). – 1. Vorsatzblatt mit Fehlstellen, zeitgenössische Besitzeinträge auf Vorsatz und Vortitel. – Breitrandiges und sauberes Exemplar.

Lot 616 Lessing, G. E. – Jacoby, Daniel
Xenien zu Schillers Todestag 9. Mai 1905. Berlin, Behr, 1905. 32 S. 15 x 11 cm. Marmorierte Halbleinwand (Original-Deckel beigebunden, gering beschabt).
After-Sale Price 200 €
Erste Ausgabe, anonym erschienen. – Vorne einmontiert Visitenkarte Jacobys mit eigenhändigem Adresszusatz. Gegenüber dem Titel 11-zeilige handschriftliche Widmung Jacobys mit Xenie an Friedrich Lessing, einen der Lessing-Nachfahren: “Teuer bleibt mir der Name, so lang ich in Liebe noch wandle / Gotthold Ephraim hat ewig mit Ruhm ihn geschmückt”. Vorne einmontiert Exlibris Lessing (die drei Ringe aus der Ringparabel des Nathan). Jacoby (1844-1918) war Lehrer und Literaturhistoriker. – Papierbedingt etwas gebräunt, sonst gut.

Lot 617 Lessing, Gotthold Ephraim
Lustspiele. 2 Teile in 2 Bänden. Berlin, Christian Friederich Voß, 1767. Titel, 352 S., 1 weißes Bl.; Titel, 442 S., 1 weißes Bl. 16 x 10 cm. Lederbände der Zeit mit roten Rückenschildern und reicher Rückenvergoldung (etwas berieben, Schilder und Ornamentik voneinander abweichend, Band 2 zusätzlich mit goldgeprägten Deckelfileten). [*]
Result 330 €
Erste Ausgabe der von Lessing im Frühling 1767 selbst veranstalteten Gesamtausgabe seiner Lustspiele. – Goedeke IV/1, 375, 100 – Seifert 82. – Enthält: Der junge Gelehrte; Die Juden (Erstdruck); Der Mysogyn; Der Freygeist (Erstdruck); Der Schatz; Minna von Barnhelm, oder das Soldatenunglück (Erstdruck). – Nur teilweise leicht gebräunt, Band 2 mit altem Namenseintrag auf dem Titel.

Lot 618 Lessing, Gotthold Ephraim
Nathan der Weise. Ein Dramatisches Gedicht, in fünf Aufzügen. Ohne Ort und Drucker (das ist: Berlin, Voß), 1779. 2 Bl., 276 S. 16 x 10 cm. Lederband der Zeit mit neuem goldgeprägten Rückenschild (leicht berieben). [*]
Result 1300 €
Seltener unkorrigierter erster Druck der ersten, auf Subskriptionsbasis und ohne Firmierung erschienenen Ausgabe. – Goedeke IV/1, 451, 171 – Muncker 458a – Seifert 1009. – Titel mit “Jntroite”, S. 123 paginiert “223”, auf S. 95 in Zeile 11 mit dem Druckfehler “reichre”. – Im selben Jahr erschienen zwei weitere, in der Kollation abweichende Ausgaben bei “Christian Friedrich Voß”. – Etwas gebräunt und leicht fleckig. Gutes Exemplar, hübsch gebunden.

Lot 619 Liber amicorum
Denkmal der Freundschaft (Rückentitel abweichend: Freundschaftliche Erinnerungen). Stammbuch mit 1 Titelblatt in Federzeichnung (signiert Lud. Hendschel 1819), 6 Aquarellen, 1 farbigen Stickerei, 1 Bleistiftzeichnung, 1 montierten Trockenblumen- Boukett und 1 montierten Haarsträhne sowie insgesamt 47 handschriftlichen Textblättern. Regensburg u.a., um 1819-1828. 12 x 18 cm. Halbleder-Kassette mit dezenter Deckel -und Rückenvergoldung (etwas berieben). [#]
Result 200 €
Die Beiträger meist aus Regensburg, teils aus Nürnberg, Thalmässing u.a. Orten: Friedrich Schuster, Lisette Pfort, Wilhelm Recknagel, Julius H. Gröbe, C.G.G. Mehring, Jul. Bettenhäuser, Margarethe Lippe, F.M.C. Culmann u.a. – Etwas gewellt, teils etwas gebräunt und knickspurig, sonst recht gut.

Lot 620 Liber amicorum – Tiedemann, F. A
Vierzehn Stammbuch-Blätter mit geschnittenen Randbordüren für den Studenten Andreas Brey. Lateinische u.a. Handschriften. Leipzig und Marburg, 1607-1640. 17 x 11 cm. [#]
After-Sale Price 300 €
Einträge von Studenten und Professoren, “dem Erwürdigen herrn Andre. Brey zum gedechtnis geschriben”, stammen u.a. von Wolfgang Franzius, luther. Theologe (1564-1628), Verfasser zahlreicher einflussreicher Schriften, von Johannes Zehner, Casparus Simon, Johannes Gleichmann, Franz Streithoff, Georg Sellius, Paul Wilhelm Bärth, Wolfgang Brey, Hieronymus Stumpf, Balthasar Molter (Diac. in Wasungen) u.a. – Nur gering gebräunt bzw. verwischt.

Lot 621 Liber amicorum
Zur Erinnerung (Rückentitel. Freundschaftsalbum der Helma Greiner aus Bernburg. Mit 4 Feder- bzw. Tuschzeichnungen, 5 Aquarellen und 2 montierten Haarlocken. Bernburg, Lauscha, Wettin, Alsbach u.a., um 1821-1830. Ca. 80 Bl. 11 x 19 cm. Leder der Zeit mit floraler Deckel- und Rückenvergoldung, vergoldetem Rückentitel und allseitigem Goldschnitt (gering berieben und bestoßen). [#]
Result 200 €
Reizvolles klassizistisches Album mit Ansicht einer Schlossruine (für uns nicht identifizierbar), einer Allegorie (Pfeife, Zeitung, Vogel), einer idealisierten Szene am Flussufer mit Freundschaftsmahnmal, einer bukolischen Szene u.a. Unter den Beiträgern zahlreiche Verwandte, häufig ebenfalls mit Namen Greiner, aber auch Herzog, Oehlmann, Dressel, Loewe, Taubert u.a. – Vereinzelt etwas gebräunt bzw. braunfleckig, insgesamt gut.

Lot 622 Macpherson, James
Ossians und Sineds Lieder. (Übersetzt von Michael Denis). Und: Nachlese zu Sineds Liedern. Aufgesammelt und herausgegeben von Joseph von Retzer. Zusammen 6 Bände in 3 Bänden. Mit 6 (wiederholten) gestochenen Titelvignetten und 16 gestochenen Anfangs- und Schlussvignetten. Wien, Wappler, 1784. 21 x 14 cm. Halblederbände der Zeit mit 2 farbigen Rückenschildern und etwas Rückenvergoldung. [*]
Result 300 €
Erste Ausgabe dieser Nachdichtung. – Goedeke 4/I, 195, 32 – Wurzbach III, 238 – Rümann 832. – Die berühmte und einflussreiche Fälschung in der geschätzten Übersetzung von Michael Denis. – “Denis übersetzte den Ossian in Hexametern und spielte die Rolle eines in antike Metra gekleideten Barden mit vielem Beifall der Zeitgenossen” (Goedeke). – Exlibris. Gutes nur teilweise minimal gebräuntes Exemplar, dekorativ gebunden.

Lot 623 May, Karl
Der Schatz im Silbersee. Dritte Auflage. Mit 16 Tondruckbildern von Ewald Thiel. Stuttgart u.a., Union Deutsche Verlagsgesellschaft, 1899. 3 Bl., 527 S. 21,5 x 15 cm. Illustrierte Original-Leinwand (hinteres Gelenk angeplatzt und mit kleiner Fehlstelle). [*]
After-Sale Price 200 €
Plaul 263, 3. – Innen gutes Exemplar.

Lot 624 May, Karl – Werner, Johannes
Empor zum Licht! Zeichnungen zu Karl May’s Werken von Sascha Schneider. Mit einführendem Text von Prof. Dr. Johannes Werner. 2. Auflage. Mit 25 Tafeln. Radebeul, Karl-May-Verlag, um 1905. 11 S. (Text). 43 x 30,5 cm. Lose in Original-Halbleinwand-Mappe mit Deckeltitel und Schließbändern (leicht angestaubt).
Result 360 €
Die symbolischen Zeichnungen Schneiders wurden von Fehsenfeld als Einband-Illustration zu den Werken Mays verwendet. – Text leicht gebräunt. Gutes Exemplar.

Lot 625 Milton, John
The Paradise Lost. 2 Bände. Mit 24 Schabkunst-Tafeln von John Martin. London, Septimus Prowett, 1827. 2 Bl., 228 S.; Titel, 218 S. 27,5 x 19 S. Blaue Halblederbände der Zeit mit 2 roten Rückenschildern und Rückenvergoldung (Gelenke etwas berieben). [*]
Result 1100 €
Quart-Ausgabe der berühmten Buchillustration von John Martin (1789-1854) zu Miltons Hauptwerk, ein Höhepunkt der phantastischen Buchillustration. – Ray 69 – Lowndes II, 1560 – vgl. Fünf Jahrhunderte Buchillustration S. 166: “Die bühnenmäßige Lichtregie und die kolossalen Aufbauten sind sicher von Piranesi beinflußt, haben bei Martin jedoch eine mehr irrationale, geradezu spektakuläre Wirkung.” – Nur teilweise etwas stärker gebräunt, trotz der Seidenhemdchen wenige Tafeln mit Abklatsch.

Lot 626 Moritz, Karl Philipp von
Beiträge zur Philosophie des Lebens. Herausgegeben von Carl Philipp Moritz. Zweite verbesserte Auflage. Berlin, bey Arnold Wever, 1781. 167 S. 17 x 10 cm. Halblederband der Zeit mit Rückenschild und Rückenblindprägung (berieben, Ecken und Kanten bestoßen, Kapital mit kleiner Fehlstelle).
Result 550 €
Sehr seltene zweite Ausgabe von Moritz’ erster literarischer Veröffentlichung. – Goedeke V, 490, 8, 1 (datiert 1781, die erste Ausgabe erschien jedoch 1780) – Wolfstieg 24825: “Samml. von philosophischen Betrachtungen üb. ethische Gegenstände.” – Die erste Ausgabe mit 120 Seiten war ein Jahr vorher mit dem Titel “Beiträge zur Philosophie des Lebens aus dem Tagebuche eines Freimäurers” erschienen. – Innendeckel mit Besitzeintrag “H. A. Callenberg 1789”, drei Lagen papierbedingt etwas gebräunt. Gutes Exemplar.

Lot 627 Müller, Johann Ernst und Wilhelm Friedrich
Amors Abenteuer im Reiche der Liebe. Mit 25 Kupfern. Zweite verbesserte Auflage. Mit 25 lithographischen Tafeln. Leipzig, Voigt, 1854. 58 S., 7 Bl. 14 x 9,5 cm. Pappband der Zeit (etwas berieben).
Result 200 €
Selten und anonym erschienen, über KVK nur in der British Library und einer amerikanischen Bibliothek nachweisbar. Auch eine erste Ausgabe können wir nicht nachweisen. – Hayn-Gotendorf I, 75. – Die hübschen, nicht erotischen Tafeln zeigen meist nur einen Putto in wechselnden Umgebungen. – Nur teilweise leicht gebräunt.

Lot 628 Müller, Wilhelm
Rom, Römer und Römerinnen. Eine Sammlung vertrauter Briefe aus Rom und Albano mit einigen späteren Zusätzen und Belegen. – (Band 2: Briefe aus Rom, Orvieto, Perugia, Florenz, und Anhang). Zwei Bände. Berlin, Duncker und Humblot, 1820. 4 Bl., 278 S., 1 weißes Bl.; 5 Bl., 286 S. 18 x 10,5 cm. Marmorierte Halblederbände der Zeit mit rotem Rückenschild und etwas Rückenvergoldung (vorderes Gelenk von Band 1 etwas angebrochen, Ecken etwas bestoßen). [*]
Result 200 €
Erste Ausgabe. – Goedeke VIII, 263, 17 – Tresoldi 119 – Katalog “Auch ich in Arcadien” 280. – W. Müller (1794-1827) “war ein Sänger des Wanderns und der Freiheit, … ein Dichter, dem das Reisen immer wieder neue Bilder für die Lebenswanderschaft des Menschen lieferte. Der Wanderer galt ihm als poetische Inkarnation des immer unterwegs befindlichen Erdenbürgers, und schon hierin stand Müller den Romantikern, besonders Eichendorff, nahe. Der Schusterssohn studierte in Berlin Philologie, lernte den Turnvater Jahn kennen, focht 1813 als Freiwillger mit und setzte nachher sein Berliner Studium fort, jetzt althochdeutsch-mittelalterlichen Interessen hingegeben, wie es sich für Sympathisanten der Burschenschaften geziemte. Er bemühte sich um die auch von Clemens Brentano umworbene Pfarrerstochter Luise Hensel, ging aber dann nach Wien, wo er … in einem Baron von Sack den Förderer gewann, der ihn auf Orientreise mitnahm. Müller gelangte nur bis nach Rom und Neapel, wo er Freundschaft mit Fr. Rückert und Julius Schnorr von Carolsfeld schloß, … Bald nach der Rückkehr in die Heimat veröffentlichte er den Reisebericht Rom, Römer und Römerinnen, eine glänzende und beschwingt geschriebene Darstellung des römischen Volkslebens.” (K.Günzel, Die deutschen Romantiker, S. 210). – Band 1 auf Druckpapier leicht stockfleckig, Band 2 auf Velin nahezu fleckfrei. – Vorsätze etwas leimschattig.

Lot 629 Necker, Suzanne
Nahrung für Witz und Gefühl aus den hinterlassenen Schriften der Frau Necker. Allen gebildeten Lesern und vorzüglich dem weiblichen Geschlechte geweiht. Zweiter Band (von 2). Chemnitz, Tasche, 1800. Titel, 462 S. 16 x 10 cm. Halblederband unter Verwendung der alten Deckel (etwas berieben).
After-Sale Price 200 €
Erste deutsche Ausgabe. – Fromm V, 19034. – Fromm schreibt das Werk Albertine Adrienne Necker de Saussure zu, die jedoch erst 1841 verstarb. Schlüssiger ist da die Zuschreibung der Schweizer Nationalbibliothek an Suzanne Curchod (auch Madame Necker genannt, 1737-1794) der Ehefrau des französisch-schweizerischen Bankiers und Politikers Jacques Necker und Mutter der Schriftstellerin Germaine de Staël. – In Deutschland über KVK lediglich Band 1 in der UB Erfurt/Gotha nachweisbar, nur die Schweizer Nationalbibliothek mit einem vollständigen Exemplar. – Auf bläulichem Papier gedruckt. – Vorsätze erneuert, dabei der linke Rand des Titels 1 cm überklebt, teilweise leicht gebräunt.

Lot 630 Philosophie und Pädagogik – Herder, Johann Gottfried
Gott. Einige Gespräche. Gotha, Karl Wilhelm Ettinger, 1787. VIII, 252 S. 16,4 x 10 cm. Halblederband der Zeit mit goldgeprägtem Rückenschild (hinterer Deckel leicht fleckig). [*]
Result 480 €
Erste Ausgabe. – Goedeke IV/1, 731, 83 – Schulte-Strathaus 56, 53a: “Herder schrieb das Büchlein in der Erinnerung an die Gespräche, welche er, oft im Beisein seiner Gattin, mit Goethe in den Jahren 1784 und 1785 über die Philosophie Spinozas geführt hatte, angeregt durch Fr. H. Jacobis Streit mit Moses Mendelssohn über Lessings Spinozismus. Von den drei Personen ist Theophron Herder selbst, Theano soll Caroline sein, mit Philolaus ist Goethe gemeint.” – Vorsätze etwas gebräunt. Gutes Exemplar.

Lot 631 Philosophie und Pädagogik – Heydenreich, Friedrich Erdmann August
Das Buch für Eltern oder Wenn dürfen Eltern hoffen, von ganzem Herzen fromme Kinder zu erziehen? Neustadt und Ziegenrück, Wagner, um 1800. 2 Bl., 83 S. 18 x 11 cm. Pappband der Zeit (etwas berieben, Rücken mit Papieraufkleber).
After-Sale Price 200 €
Seltene erste Ausgabe, die wir über KVK nur in Weimar und in der Leopold-Sophien-Bibliothek Überlingen nachweisen können. – Friedrich Erdmann August Heydenreich (1765-1847) war Pastor an der Stadtkirche in Merseburg. – Vorsätze fehlen.

Lot 632 Philosophie und Pädagogik – Hume, David
Über die menschliche Natur. Aus dem Englischen nebst kritischen Versuchen zur Beurtheilung dieses Werks von Ludwig Heinrich Jakob. 1. Band (von 3): Ueber den menschlichen Verstand. Halle, Hemmerde & Schwetschke, 1790. 4 Bl., 843 S. 20,5 x 12,5 cm. Halbleder der Zeit mit golggeprägtem Rückentitel und etwas Rückenvergoldung (etwas berieben, Ecken etwas bestoßen). [*]
After-Sale Price 300 €
Erste deutsche Ausgabe. – Ohne Band 2 (Ueber die Leidenschaften) und Band 3 (Ueber die Moral). – Seiten 529-843: “Kritische Versuche” von L. H. Jakob mit Zwischentitel. – Vorsätze mit Leimflecken, wenig gebräunt, stellenweise mit kleinem Wasserrand in unterer Ecke. – Selten.

Lot 633 Philosophie und Pädagogik – Kant, Immanuel
Critik der practischen Vernunft. Riga, Johann Friedrich Hartknoch, 1788. 292 S. 21,5 x 12 cm. Halblederband der Zeit mit farbigem Rückenschild und etwas Rückenvergoldung (etwas berieben, Kapital und Ecken fachgerecht restauriert). [*]
Result 1600 €
Erste Ausgabe. – Warda 112 – Adickes 67. – Hauptwerk der Moralphilosophie Kants. “Der ‘Kategorische Imperativ’ – der Ursprung moderner Ethik – entwuchs der Kritik der praktischen Vernunft” (Carter/Muir S. 419). Diese zweite der epochalen “Kritiken” Kants “unterscheidet sich von der Grundlegung der Metaphysik der Sitten, auf die es in weiten Teilen aufbaut, schon äußerlich durch die Gliederung, die an die Kritik der reinen Vernunft angelehnt ist … Neben der Dialektik des höchsten Guts erscheint vor allem die Postulatenlehre als der entscheidende Fortschritt … Die Unsterblichkeit der Seele und die Existenz Gottes werden ebenso wie die Freiheit durch die praktische Vernunft zwar nicht bewiesen; ihre Behauptung gilt Kant jedoch nunmehr als ein theoretischer Satz, der mit dem a priori geltenden praktischen Gesetz unauflöslich zusammenhängt (Postulat).” (Volpi I, 798f.). – Hegel stellt in einem Brief an Schelling vom 16.April 1795 fest: ‘Vom Kantischen System und dessen höchster Vollendung erwarte ich eine Revolution in Deutschland’.” – Exlibris: W.L.v.Berstett. – Papierbedingt gleichmäßig leicht gebräunt, etwas stockfleckig.

Lot 634 Philosophie und Pädagogik – Kant, Immanuel
Werke, sorgfältig revidirte Gesammtausgabe in zehn Bänden. Mit einer Vorrede von G. Hartenstein. Erster-zehnter Band in zehn Bänden. Mit 1 gestochenen Porträt, 1 gefalteten Faksimile der Handschrift und 3 gefalteten Tafeln. Leipzig, Modes und Baumann, 1838-1839. 21,5 x 13 cm. Schwarze Pappbände der Zeit mit rotem Rückenschild und etwas Rückenvergoldung (Ecken und Kapitale etwas bestoßen, etwas berieben). [*]
Result 300 €
Erste Werkausgabe. – Adickes 1. – Nach Kants Tod 1804 erlebten nur die “Kritiken” neue Auflagen, die Mehrzahl seiner Schriften verschwand dagegen allmählich aus dem Buchhandel. Eine Sammlung der Werke war ein Desiderat, das 1838 gleich zwei Werkausgaben zu befriedigen suchten. Neben der vorliegenden besorgten F. W. Schubert und K. Rosenkranz eine weitere in 12 Bänden. Während diese die vollständigere ist, gilt die Hartenstein’sche als die zuverlässigere; nur sie erlebte eine zweite Auflage (1867/8). – Gustav Hartenstein (1808-1890), “dem Schelling zu ‘phantastisch’ und Hegel zu ‘hölzern’ war” (NDB VII, S. 710), gilt als einflussreicher Lehrer an der Universität Leipzig; bleibender Ruhm aber kommt ihm als Herausgeber der Werke Kants und mehr noch Herbarts zu, dessen erster Interpret er war. – Papierbedingt teils etwas gebräunt, teils etwas stockfleckig.

Lot 635 Philosophie und Pädagogik – Lachmann, Karl Ludolph Friedrich
Leitfaden beim christlichen Religionsunterrichte für Confirmanden. Nebst einem Auszuge des Wesentlichsten aus Luthers kleinem Catechismus. Zweite Auflage. Braunschweig, Meyer, 1816. 72 S. 20 x 13 cm. Marmorierter Pappband der Zeit (Rücken etwas berieben).
After-Sale Price 200 €
Nur in der Stadtbibliothek Braunschweig nachweisbar. – Karl Ludolph Friedrich Lachmann (1756-1823) war Pastor an der Andreas-Kirche in Braunschweig. – Mit 6-zeiliger handschriftlicher Widmung des Verfassers von 1816. – Zweiseitig unbeschnitten. – Teilweise leicht gebräunt.

Lot 636 Philosophie und Pädagogik – Loredano, Giovanni Francesco
La vie d’Adam, premier homme. Avec des réflexions, traduite de l’italien. Mit gestochenem Frontispiz. Amsterdam, Lorme & Roger, 1696. 163 S. 15,5 x 9 cm. Neuerer roter Halblederband mit geprägtem Rückentitel.
After-Sale Price 200 €
Erste französische Ausgabe. – Unbeschnitten. – S. 41-46 in falscher Reihenfolge gebunden. – Frontispiz verso mit altem Namenseintrag und kleinen Tintenflecken.

Lot 637 Philosophie und Pädagogik – Maréchal, Sylvain
Culte et loix d’une société d’hommes sans Dieu. L’an Ier de la Raison, VI de la Republique Francaise (das ist: Paris, 1797 oder 1798). 64 S. 16,8 x 10,5 cm. Halblederband (um 1880) mit goldgeprägtem Rückentitel. [*]
Result 1000 €
Sehr seltene erste Ausgabe der programmatischen Schrift des Spätaufklärers, Vertreters des Atheismus und Vordenker des Anarchismus, Sylvain Marechal (1750-1803), anonym erschienen. – Sein Entwurf einer elitär-atheistischen Gemeinschaft mit eigenen Insignien und Ritualen erinnert an eine freimaurerische Loge; die “Hommes sans Dieu” (“HSD”) sind apolitische Patrioten, deren Hauptaufgabe die Wiedereinführung hoher moralischer Werte sein soll. Beeinflusst von Spinoza ist doch Thomas Moore’s Utopia der Ideengeber eines von Marechal propagierten neuen Gesellschaftsmodells. – Seite 52 mit dem Motto der Gesellschaft: “A-t-on besoin d’un dieu, quand on la vertu?” (Braucht es einen Gott wenn es Tugend gibt?) und einem montierten gestochenen Signet (Ouroboros umschließt die Buchstaben H. s. D.). – Titel mit zeitgenössischer handschriftlicher Auflösung des Anonyms und Verweis auf das Signet. Sehr gutes Exemplar.

Lot 638 Philosophie und Pädagogik
Meine Logik. Aus dem Chinesischen übersetzt. Leipzig, J. C. Müller, 1777. 46 S., 1 Bl. 17 x 9,5 cm. Halblederband der Zeit (Deckel mit Wurmgang und alter Nummerierung).
Result 600 €
Seltene erste Augabe, nur zwei Nachweise über KVK (UB München und HAB Wolfenbüttel). – VD18 12287776 – “Diese Bogen haben einen der ehemaligen Lehrer am Dessauschen Philanthropin zum Verfasser, der sie einem seiner jungen Freunde gewidmet hat.” (Gothaische gelehrte Zeitungen: 1777, 103. Stück, Seite 852). – “Warum es auf dem Titel heißt: Aus dem Chinesischen, begreifen wir nicht: denn es ist ganz gewöhnlich deutsche Logik …” (Allgemeine deutsche Bibliothek: Anhang zu dem 25.-36. Band, 2. Abteilung, Seite 1091).- Mit Kapitel u.a. über den menschlichen Verstand, vom Gedächniß, Beurtheilungskraft, Empfindungskraft. – Gebräunt.

Lot 639 Philosophie und Pädagogik – Nicholls, William
Ob die beste Religion sey, keine Religion zu haben. Eine aus dem Englischen übersetzte Schrifft. (Ohne Ort und Verlag), 1740. 8 Bl., 237 S. 17,5 x 11 cm. Halbpergamentband der Zeit (leicht berieben).
After-Sale Price 200 €
Zweite Ausgabe der erstmals 1736 bei Hilscher in Dresden erschienenen zweiten Auflage unter neuem Titel und mit neuem Vorwort, ansonsten aber druckgleich mit der ersten deutschen Ausgabe von “Religion of a Prince” (EA 1704), ebenfalls 1730 bei Hilscher unter dem Titel “Religion eines Fürsten” erschienen und von Carl Gottfried Engelschall übersetzt. – Vgl. Price & Price, Humaniora S. 132 mit dem Vermerk “attributed” zur Ausgabe von 1736. – Vorsatz fehlt, minimal gebräunt.

Lot 640 Philosophie und Pädagogik – Saint-Martin, Louis Claude de
Seht da den Menschen! Aus dem Französischen: Ecce homo. Leipzig, Heinrich Reclam, 1819. Titel, 139 S., 1 Bl. 15 x 9 cm. Umschlag der Zeit (fleckig und lädiert). [*]
Result 200 €
Erste deutsche Ausgabe. – Fromm V, 23140. – Eher unbekanntes Werk des Theosophen, Mystikers und französischen Freimaurers Louis Claude de Saint-Martin (1743-1803), der auf seiner lebenslangen Sinnsuche von den Freimaurern zu Mesmer und dem Spiritualismus kam, sich so vom freimaurerischen Gedankengut zunehmend entfremdete und sich letztendlich 1790 Jakob Böhme zuwandte und seine maurerischen Ämter niederlegte. – Der Verleger (Carl) Heinrich Reclam ist der Vater Anton Philipp Reclams, des Gründers des Reclam-Verlages. Carl Heinrich Reclam (1776-1844) betrieb seit 1802 in Leipzig eine Buchhandlung und einen Verlag. – Block gebrochen, insgesamt etwas gebrauchsspurig.

Lot 641 Philosophie und Pädagogik – Steffens, Henrich
Grundzüge der philosophischen Naturwissenschaft. Zum Behuf seiner Vorlesungen. Berlin, Realschulbuchhandlung, 1806. XXII, 204 S. 20 x 12,5 cm. Marmorierter Pappband der Zeit mit rotem Rückenschild (etwas berieben, Papieraufkleber auf dem Rücken). [*]
Result 200 €
Erste Ausgabe. – Goedeke VI, 173, 6. – Diese Schrift Steffens’, des neben J. W. Ritter bedeutendsten Vertreters romantischer Naturwissenschaft, gilt als “one of the classic expressions of the doctrines of the movement” (Nicholas Boyle, Goethe, die Wahlverwandtschaften, S.57, in: Landmarks in the German novel, Band 1, Bern 2007). – “Weite Berühmtheit erlangte (Steffens) mit seinen naturphilosophischen Schriften, die romantisches Lebensgefühl aus einem schwärmerischen Naturverständnis entwickelten … In den Grundzügen …, aber auch in einem Beitrag, den er für die ‘Farbenkugel’ seines Freundes Ph. O. Runge lieferte, suchte er den Schlaf, den Traum sowie andere Dämmer- und Schwebezustände als zentrale Erfahrungen der menschlichen Existenz zu beschreiben. Die Schlußfolgerungen, die er daraus zog, sowie die mehr künstlerische als wissenschaftlich exakte Darstellungsweise provozierten allerdings die erbitterte Feindschaft der Fachgelehrten.” (K.Günzel, Die Romantiker, Zürich 1995, S.324). – Titel etwas fleckig und mit zeitgenössischem Exlibrisstempel “P.Hermes”, dessen handschriftlich 1812 datierter Name auf dem Vorsatz.

Lot 642 Philosophie und Pädagogik – Veit, Moritz
Saint-Simon und der Saintsimonismus. Allgemeiner Völkerbund und ewiger Friede. Leipzig, Brockhaus, 1834. XVI, 331 S. 18,4 x 11 cm. Halblederband (20 Jh.) mit Rückentitel (leicht berieben).
After-Sale Price 200 €
Erste Ausgabe. – Stammhammer I, 253 – Menger 380. – 1833 entstandene Doktorarbeit des Berliner Hegelianers, Buchhändlers und Verlegers, Schriftstellers, Politikers und Staatsbeamten. – “Franz Horn, der bekannte Kritiker urtheilte in einem Brief an V. (27. Januar 1834) folgendermaßen: ‘Ich habe dem Werk bereits zwei Abende gewidmet und darf Ihnen mit Vergnügen Glück wünschen zur Vollendung einer solchen Schrift, die sich durch Kenntniß und Fleiß, Scharfsinn und Deutlichkeit so wie durch Kraft und Feuer der Darstellung auszeichnet. Das wirrwarrige Hin- und Hergerede in manchen Zeitblättern über einen so schwerwiegenden Gegenstand war mir zuletzt so fatal geworden, daß ich aufhörte davon Notiz zu nehmen; überzeugt daß hier nur das Quellenstudium selbst oder ein Werk wie das Ihrige zu genauer Ansicht verhelfen könne. Sie haben ohne Vorliebe und Vorhaß(!) sämmtliche Aktenstücke durchforscht, genau und wiederholt geprüft und dann ein durchgreifendes Urtheil gefällt. Ihr Buch regt vielseitig an und, während man den ruhigen Denker ehrend anerkennt, erfreut man sich nicht minder des für Wahrheit, Sittlichkeit und Schönheit begeisterten Jünglings’.” – Zweiseitig unbeschnittenes, breitrandiges Exemplar. – Teilweise etwas stärker gebräunt, ein Blatt mit Einriss.

Lot 643 Philosophie und Pädagogik – Voltaire, F. M. Arouet de
Confession de foi de messire François-Marie Arouet de Voltaire, seigneur de Ferney, Tourney, Prégny et Chambésy. Précédée des pièces qui y ont rapport. Mit gestochener Titelvignette. Anneci, 1769. 47 S. 17 x 10,5 cm. Lederband der Zeit mit floraler Rückenvergoldung (wenig berieben).
Result 200 €
Erste Ausgabe. – Vorsätze leimschattig, sonst gutes Exemplar.

Lot 644 Pope, Alexander
Die Geschichte und Briefe des Abelards und der Eloise, in welchen ihr Unglück und die verdrießlichen Folgen ihrer Liebe beschrieben sind. Nebst einem Gedichte Eloise an Abelard. Aus dem Englischen übersetzt (von Johann Georg Müchler). Berlin und Potsdam, Voß, 1755. 6 Bl., 244 S. 16 x 10 cm. Lederband der Zeit mit goldgeprägtem Rückenschild (leicht fleckig).
Result 300 €
Seltene erste deutsche Ausgabe. – Meusel, Das gelehrte Teutschland V, 303 – Price & Price, Literature 787. – Name auf Vorsatz, die ersten zwei Blatt mit Ausriss im oberen weißen Rand, teils leicht gebräunt.

Lot 645 Préchac, Jean de
Clitie. Nouvelle. Mit 1 Titel- und 1 Schlussvignette. Paris, Cl. Barben (Druck bei Elzevier), 1680. Titelei, 206 S. 12 x 7,5 cm. Schmuckloser Pappband des 19. Jahrhunderts (bestoßen und beschabt). [*]
After-Sale Price 200 €
Erste Ausgabe. – Willems 1576 – Brunet V, 1747 – Seltener Text, die Autorschaft ist umstritten, es wird auch Richard Blackbourne genannnt, der aber möglicherweise nur eine englische Bearbeitung verfasst hat. Auf der Titelei alter Bibliotheksstempel (Bibliothek Alvensleben). – Angebunden: L’Ecole du Monde (Fragment zweier Bände); Almanach de Milan 1719 und 1717; De la Serre, Thomas Morus ou le triomphe de la foy. Paris, 1657. – Titelei in einer Ecke neu angestückt ohne Textverlust, Block etwas gewellt, die angebundenen Texte teils etwas knapp beschnitten, ordentlich.

Lot 646 Raimund, Ferdinand
Sämmtliche Werke. Herausgegeben von Johann N. Vogl. 4 Bände. Mit 1 gestochenen Porträt (Joh.Stachler, ged. bei A.Leykum). Wien, Rohrmann und Schweigerd, 1837. 17,5 x 11,5 cm. Bedruckte Original-Broschuren (etwas angestaubt, wenige kurze Randeinrisse, Band 4 über dem vorderen Gelenk ca. 3 cm eingerissen). [*]
Result 260 €
Erste Ausgabe. – Goedeke XI, 2, 333, 1. – Kaldewey XI, 306 (dieses Exemplar): “Frisches, fleckenfreies Ex. der ersten Gesamtausgabe des neben Nestroy bahnbrechenden Dramatikers des Wiener Volkstheaters. Zu Raimunds Lebzeiten (Wien 1790 – 1836 Pottenstein bei Wien) erschienen keine Einzelschriften. Somit handelt es sich um den ersten Druck seiner Werke überhaupt. Enthält acht Zaubermärchen voll Tiefe und köstlichem Humor. ‘Bibliophil heute eine große Rarität.’ (Rabenlechner S.58).” – Unbeschnitten. – Gelegentlich etwas stockfleckig, Exlibris “Dr.Manfred Nolte” auf den vorderen Innendeckeln, kleine Buchhändlermarke “Gunnar Kaldewey” auf den hinteren.

Lot 647 Rambach, Friedrich Eberhard
Hiero u. seine Familie. Zwei Bände. Mit 2 Titelkupfern und 2 gestochenen Titeln mit ovalen Vignetten in Punktiermanier. Berlin, Christian Friedrich Himburg, 1793. XVI, 404 S.; 2 Bl., 390 S., 1 Bl. 20,5 x 12 cm. Halblederbände der Zeit mit 2 farbigen Rückenschildern und etwas Rückenvergoldung (etwas berieben, Ecken etwas bestoßen). [*]
After-Sale Price 200 €
Erste Ausgabe. – Goedeke V, 521, 27, 3. – F. E. Rambach (1767-1826), “der sich auf den verschiedensten literarischen Gebieten versucht hat, ist heute hauptsächlich bekannt als Lehrer Tiecks und Wackenroders und besonders als Förderer Tiecks …” (Killy IX, S.285). Zu seiner Zeit galt er als kenntnisreicher Verfasser historischer Romane; der Rezensent in Nicolais NadB setzt Hiero und seine Familie in Kontrast zu den Veröffentlichungen zeitgenössischer Modeschriftsteller: “… Von diesem Ausschusse unterscheidet sich die vor uns liegende Arbeit in allem Betrachte so sehr zu ihrem Vortheile, daß sie mit jenen unreifen Produkten in keine Vergleichung kommen kann.” (Anhang zu 1.-28. Band, 3. Abt., S. 185). In einem Brief an Rambachs Freund und Schüler Ludwig Tieck schreibt W. H. Wackenroder, auch er ein Schüler Rambachs und wie jener nur sechs Jahre jünger als der Lehrer: “Rambach, der mir heut wieder eine vortreffliche Stelle aus seinen Syrakusern (Ist: Hiero und seine Familie genannt) vorgelesen hat (Bernhardi, mit mir, haltens für sein vollendetstes Werk), …” (zitiert nach: K.Holtei, Briefe an Tieck, Band 4). – Die eigentlich in den zweiten Band gehörige Vorrede ist in den ersten Band gebunden. – Gelegentlich etwas fleckig, zeitgenössischer Name auf dem Vorsatz.

Lot 648 Robinsonaden
Williams Abentheuer, oder die Engländer unter den Wilden. Eine Robinsonade aus dem neuentdeckten Amerika. Mit gestochenem Frontispiz. Leipzig, Hartleben, 1801. 1 Bl., 160 S. 17 x 9,5 cm. Grüner Pappband der Zeit mit schwarzem Rückenschild (etwas berieben). [*]
Result 420 €
Wohl erste (deutsche?) Ausgabe. – Ullrich, S. 180, 104. – Vorgebunden: Heidemann, Theophil Albrecht (Pseudonym: Karl Albrecht. Aemil und Julie, die Unzertrennlichen. Ein Roman. Mit gestochenem Frontispiz und 1 gefalteten Musikbeilage. Berlin, Schöne, 1801. 217 S. – Vgl. Goedeke V, 530, 66, 5 (Berlin 1800, mit Nebentitel: ‘ein Seitenstück zu Werthers Leiden’). – Etwas stockfleckig.

Lot 649 Rousseau, Jean-Jacques – Berthier, Guillaume François
Observations sur Le contrat social de J. J. Rousseau. Paris, Mérigot le jeune, 1789. VIII, 297, 6 S. 17,5 x 10 cm. Marmorierter Lederband der Zeit mit 2 roten Rückenschildern und reicher Rückenvergoldung (Kapitale minimal bestoßen).
After-Sale Price 200 €
Seltene erste Ausgabe. – Cioranescu I, 11595. – Der französische Jesuit und Schriftsteller Guillaume François Berthier (1704-1782) “unterrichtete Philosophie in Rennes und Rouen, dann Theologie in Paris. Von 1745 bis 1762 war er Herausgeber des Journal de Trévoux, der gelehrten Zeitschrift der Jesuiten. Er führte heftige Auseinandersetzungen mit Voltaire und den Enzyklopädisten. Voltaire ließ ihn in einer Satire vorzeitig am Gift seiner eigenen Schriften sterben. Ein gegen Rousseaus Du Contrat social gerichtetes Buch wurde erst 1789 veröffentlicht, Berthier unterbrach die Arbeit daran, als Rousseaus Werk ohnehin verurteilt wurde” (Wikipedia). – Teilweise leicht gebräunt.

Lot 650 Salomo, Rebecca (Pseudonym: Regina Frohberg)
Gustav Sterning. Das Ungewitter. Zwei neue Erzählungen von Regina Frohberg. Mit 1 Titelkupfer (Lieb des., F. Weber sc.). Wien, Anton Pichler, 1817. 187 S. 16,6 x 10,7 cm. Pappband der Zeit mit 2 roten Rückenschildern und etwas Rückenvergoldung (leicht berieben). [*]
Result 400 €
Erste Ausgabe. – Brinker-Gabler S. 99. – Hübsch gebundenes Exemplar von zwei Erzählungen von einer der ersten jüdischen Schriftstellerinnen. – Rebecca (1783-1850) war die Tochter des Kaufmanns Jacob Salomo (1735-1788) und dessen Frau Cheile Helene (?-1811). Sie heiratete 1801 den Bankier Moses Friedländer, Sohn des Mendelssohn-Schülers David Friedländer. In dieser Zeit war ihr Haus Ort eines der literarischen Salons, für die Berlin berühmt war. Rebecca war die jüngste unter den damaligen jüdischen Salonnières, die selbst literarisch produktiv wurden, “im Hinblick auf die Anzahl ihrer veröffentlichten Romane – es waren schließlich fünfzehn – am produktivsten” (D. Hertz, Die jüdischen Salons im alten Berlin, Frankfurt 1991, S.211). Rahel Varnhagen trennte sich von der Freundin im Streit, weil sie sich in einer Romanfigur negativ gezeichnet sah. K. A. Varnhagen gab 1811 in der vernichtenden Rezension dreier Romane der Autorin, die nur pseudonym unter dem nicht jüdisch klingenden Namen Regina Frohberg veröffentlichte und nach Scheidung und Taufe den Namen Saaling angenommen hatte, Ton und Richtung vor, nach denen ihre Schriften künftig beurteilt wurden: platte Charaktere, geistig unbedarft, geschraubte Dialoge. 1813 ging die Autorin nach Wien, wo sie fortan lebte, “eine lange Reihe von Jahren sich in der vornehmen Welt bewegte und mehrere Jahre im Hause des Grafen Fries zubrachte.” (Wurzbach, Band 4, S.379). – Seiten 5-12 in sich verbunden, vereinzelt leicht stockfleckig.

Lot 651 Sanders, Daniel Hendel
Das Volksleben der Neugriechen dargestellt und erklärt aus Liedern, Sprichwörtern, Kunstgedichten, nebst einem Anhange von Musikbeilagen und zwei kritischen Abhandlungen. Mannheim, Bassermann, 1844. XII, 358 S. (die letzten 8 S. mit Noten), 2 Bl. 21 x 13 cm. Pappband der Zeit (Ecken etwas bestoßen, Rücken mit Aufklebern). [*]
After-Sale Price 200 €
Sehr seltene erste Ausgabe der Abhandlung des jüdischen Lexikographen und Privatgelehrten (1818-1897). – ADB LIII, 706. – Interessante Studie zur Zeit des Philhellenismus. – Mit deutsch-griechischem Paralleltext. – Teils etwas stärker stockfleckig bzw. gebräunt.

Lot 652 Satire – Kotzebue, August von
Der hyperboreeische Esel oder Die heutige Bildung. Ein drastisches Drama, und philosophisches Lustspiel für Jünglinge, in einem Akt. Mit 1 gestochenen Titelvignette (G. Boettger sen. del. et sc.). Leipzig, Paul Gotthelf Kummer, 1799. 58 S., 3 Bl. (die letzten beiden weiß). 16,3 x 9,5 cm. Kartonage der Zeit (etwas fleckig). [*]
Result 330 €
Erste Ausgabe. – Goedeke V, 279, 58 – Hayn-Gotendorf VII, 178. – Das berühmte Pasquill eröffnete den hitzigen literarischen Streit zwischen der jungen romantischen Bewegung und ihren Gegnern, deren herausragender Vertreter Kotzebue war und blieb. “Unter der Vielzahl seiner Veröffentlichungen ist (diese) wohl diejenige, die noch jetzt mit Vergnügen lesbar ist.” (H.Schultz S.244, in: Früher Idealismus und Frühromantik, Hamburg 1990). – “Im Oktober 1799 kam (Kotzebues) Stück … heraus. Bissig und mit treffendem Witz hatte er Zitate aus der Lucinde und vor allem aus den Athenäums-Fragmenten ausgewählt und einem jungen Mann (Karl) in den Mund gelegt, um deren vermeintliche Hohlheit aufzudecken. Dieser Karl fällt bereits durch seine nachlässige Kleidung auf, und mit seinen kurzgeschnittenen Haaren ähnelt er sehr Friedrich Schlegel, der seine Haare nach der neuesten Mode ‘römisch’ kurz trug. Nach vollendetem Studium kehrt Karl in das Haus der Mutter zurück… Er hat in Jena bei FICHTE Wissenschaftslehre, bei SCHLEGEL Ästhetik und bei SCHILLER Historie gehört. Doch die romantischen Lehren scheinen dem Studenten den Kopf verdreht zu haben; er spricht nur noch in wörtlichen Zitaten aus den Fragmenten und der Lucinde. Alle … sind fassungslos. Schließlich wird Karl ins Irrenhaus abgeführt.” (R.Schmitz, Die ästhetische Prügeley. Streitschriften der romantischen Bewegung. Göttingen 1992, S.258f.). – “Ich muß gestehen, daß diese Kotzebuesche Satire … unendlich komisch ist und zu hellem Lachen zwingt …” (C. G. von Maassen, Der grundgescheute Antiquarius, S.116). – Aus der Bibliothek Max von Baden mit Stempel und Siegel auf dem Titel. – Gelegentlich leicht stockfleckig.

Lot 653 Satire – Passi, Giuseppe
All-erdenckliche warhaffte Weiber-Mängel. Einstens von Josepho Bassi, einem berühmten italiänischen historico, in welscher Sprach herausgegeben. Nun aber durch eine getreue und wohlmeinende Feder sowohl wegen enthaltenen raren Historien, curiosen Discursen. Als vilfältig aus Heil. Schrifft und HH. Vättern angezognen Texten, wie auch aus Geist- und weltlichen Rechten ordentlich-angefügten Rechtsätzen. Und dann aus zerschidenen Scribenten, Statisten und Poeten anhero geschicklich applicierten schertzhafftigen Reden in das Teutsche versetzt. Köln, Peter Marteau (das ist: Augsburg, Walther?), 1705. 3 Bl., 405 S., 1 Bl. 16 x 9 cm. Pergamentband der Zeit mit 2 Metallschließen (etwas angestaubt). [*]
Result 300 €
Erste deutsche Ausgabe der “Donneschi diffetti”, zuerst 1599 in Venedig publiziert. – Walther 200 – Weller, Druckorte, I, 71 – Hayn-Gotendorf I, 182: “Styl und Orthographie dieser Uebersetzung sind merkwürdig unbeholfen.” – Satirisch-sarkastische Darstellungen des misogynen Autors, mit Kapiteln über geile, versoffene, neidische, ehebrecherische usw. Weiber, Huren und Kupplerinnen. – Nur teilweise leicht gebräunt. Gutes Exemplar.

Lot 654 Satire – Philippi, J. E
Belustigende poetische Schaubühne, und auf derselben I. Ein poßirlicher Student, Hanß Dümchen aus Norden, nebst Zwölf seiner lustigen Cameraden. II. Die Academische Scheinjungfer, als ein Muster aller Cocketten. III. Herrn M. Amo galanter Liebes-Antrag an eine schöne Brünette, Madem. Astrine. IV. Der Mademoiselle Astrine, parodische Antwort auf solchen Antrag eines verliebten Mohren. Von Leberecht Ehrenhold. Köthen, Cörner, 1747. 19 S. 20 x 17 cm. Marmorierter Umschlag der Zeit. [*]
Result 800 €
Erste Ausgabe, anonym erschienen. – Erman-H. I, 16512. – Sehr seltene Schmähschrift auf Anton Wilhelm Amo (geb. um 1703 in Nkubeam bei Axim, heute Ghana; gest. nach 1753 vermutlich im heutigen Ghana, laut Grabstein bei Shama 1784), den ersten bekannten Philosophen und Rechtswissenschaftler afrikanischer Herkunft in Deutschland. – Amo, vermutlich als Kind von der Niederländisch-Westindischen Gesellschaft versklavt und Anton Ulrich von Braunschweig und Lüneburg-Wolfenbüttel “geschenkt”, wurde an dessen Hof getauft und hervorragend erzogen, ab 1727 studierte er an der Universität Halle Philosophie und Rechtswissenschaften. 1734 promovierte er in Wittenberg mit seiner Dissertation über das Leib-Seele-Problem mit dem Titel “De humanae mentis apatheia” (deutsch: Über die Empfindungslosigkeit des menschlichen Geistes). 1736 wechselte er wieder an die Philosophische Fakultät der Universität Halle und unterrichtete dort als Privatdozent. 1747 verließ er Deutschland in Richtung Ghana; die Gründe sind bis heute nicht vollständig aufgeklärt – mit entscheidend dürfte der zunehmende Rassismus seines Umfeldes und ein abgelehnter Heiratsantrag an eine Dame der gehobenen Gesellschaft gewesen sein, auf die eine Hasskampagne seiner weißen akademischen Kollegen folgte, die in der Veröffentlichung der hier vorliegenden rassistischen Spottgedichte des Hallenser Rhetorikprofessors Johann Ernst Philippi kulminierte. Die umworbene Astrine hat laut Philippi angeblich geantwortet “Weil mich der schönste Mohr zur Liebe nicht beweget, / Im Mohrenlande kann dein Stern ohn Untergehen / Dir noch vielleicht entstehen.” – In den letzten Jahren ist die höchst verblüffende Lebensgeschichte des neben Deutsch auch Französisch, Griechisch, Hebräisch, Niederländisch und Latein sprechenden schwarzen Gelehrten in das Zentrum der Aufmerksamkeit gerückt. Neben verschiedensten Würdigungen wurde u.a. nach einer heftigen Diskussion die Berliner Mohrenstraße zu Anton-Wilhelm-Amo-Straße umbenannt. – Tadellos.

Lot 655 Satire – Wagemann, Benedikt von
Der Esel an den frevelhaften Verfasser der Schrift: Die konstitutionelle Monarchie der Thiere. Aus dem Eselischen ins Deutsche übersetzt und mit ganz besonderen Anmerkungen begleitet. Von einem – der die Eselsprache versteht, Ulm, Ebner, 1824. 98 S. 19,3 x 11,5 cm. Bedruckte Original-Broschur (Kapital mit kleiner Fehlstelle, etwas angestaubt und stockfleckig, etwas angerändert).
After-Sale Price 300 €
Seltene erste Ausgabe, anonym erschienen. – Holzmann-Bohatta VI, 4560 – nicht bei Goedeke, Hayn-Gotendorf, Friedländer u.a. – 1823 (nicht wie bei Goedeke: 1824) war Wagemanns Schrift “Die konstitutionelle Monarchie der Thiere” erschienen, die die verschiedenen Couleurs ins Tierreich verlegt und mit der Wiederberufung des Monarchen endet. Die hier vorliegende, nur scheinbare Gegenschrift, in der Tendenz der ersten, wobei der Verfasser beschuldigt wird, die natürliche Ordnung des Tierreichs für schlechte menschliche Politik missbraucht zu haben. – Innendeckel mit eingeklebtem Pappschild, Titel mit kleinem Sammlerstempel, untere Ecke teils mit kleinem Wasserfleck, natürlich etwas eselsohrig.

Lot 656 Scheffner, Johann Georg
Gedichte im Geschmack des Grecourt. Mit 1 gestochenen Titelvignette. Frankfurt und Leipzig, Dodsley und Compagnie (das ist: Königsberg, Kanter), 1773. 8 Bl., 216 S. 16,2 x 10 cm. Halblederband der Zeit mit Rückenschild und Rückenvergoldung. [*]
Result 200 €
Zweite rechtmäßige Ausgabe im Jahr der Erstausgabe. – Goedeke IV/1, 113, 5 – Hayn/Gotendorf II, 523. – Aus der Bibliothek des Hamburger Senators und Bibliophilen “Johann A(rnold) Günther” mit dessen handschriftlichen Namen und Datum “1779” auf dem Titel. Ein Teil der Bibliothek Günthers (1755-1805) kam in den Besitz seiner Großnichte Charlotte Möller, später geschlossen in eine Schweizer Sammlung. Diese wurde 1965 in einer großen Auktion aufgelöst (Erasmushaus-Katalog 40). – Teils etwas fleckig, Titel mit Leimspuren im Bund.

Lot 657 Schiller, Friedrich
Sammelband mit 4 gefalteten Programmzetteln zu Aufführungen im Stadt-Theater zu Leipzig anlässlich der Feier des hundertjährigen Schiller-Jubiläums. 1859. 27 x 23 cm. Halbleinwand der Zeit mit handschriftlichem Deckelschild (Kanten beschabt). [*]
After-Sale Price 200 €
Sehr seltene Programmzettel zu den Aufführungen vom 9.-13. November 1859 am Stadttheater in Leipzig im “festlich erleuchteten und decorirtem Hause” zu: Das Lied von der Glocke (2 Zettel jeweils für den 9. und 13. November), Die Braut von Messina und Wilhelm Tell. – Zwischengebunden: Gedrucktes Dankschreiben für die Mitwirkenden beim Schiller-Jubiläum mit handschriftlicher Adressierung an den Dirigenten und Komponisten Dr. Julius Rietz (1812-1877). Datiert Leipzig, den 12. November 1859. Zwei Blatt (ein gedrucktes Blatt und ein Blatt als Briefkuvert mit Name und Adresse von Dr. Rietz). – Die Zettel im unteren Rand eingefaltet, drei Zettel mit Unterstreichungen in Rotstift, etwas gebräunt und stockfleckig.

Lot 658 Schiller, Friedrich von
Kleinere prosaische Schriften. Aus mehrern Zeitschriften vom Verfasser selbst gesammelt und verbessert. 4 Teile in 4 Bänden. Leipzig, Crusius, 1792-1802. 17,5 x 10,5 cm. Halblederbände der Zeit mit rotem Rückenschild und reicher Rückenvergoldung (etwas berieben, Ecken und Kanten etwas bestoßen). [*]
Result 200 €
Erste Ausgabe der Sammlung, zweiter Druck. – Goedeke V, 150, 1 – Marcuse 123, 187, 199, 222 – Sammlung Kippenberg I, 1592. – Versammelt diejenigen seiner philosophischen und kunsttheoretischen Aufsätze, die Schiller “der Vergessenheit zu entziehen” wünscht, darunter die wichtigen, bis dahin ungedruckten: “Ueber das Erhabene” (Band 3) und “Gedanken über den Gebrauch des Gemeinen und Niedrigen in der Kunst” (Band 4). Sie bilden gleichsam das ästhetische Programm der deutschen Klassik. – Leicht stockfleckig, Außenblätter etwas leimschattig, Anmerkungen und Anstreichungen (teilweise in Rot).

Lot 659 Schink, Johann Friedrich
Satans Bastard eine Reihe von dramatischen Scenen aus der Zeitgeschichte 1812 bis 1814. Berlin, Rücker, 1816. X S., 1 Bl., 308 S. 17,3 x 10 cm. Halblederband (um 1850) (Rücken berieben).
Result 200 €
Erste Ausgabe. – Goedeke IV/1, 918, 86 und VII, 353, 18 – Hayn/Gotendorf V, 309 (unter Napoleoniden). – “Die dramatischen Scenen, die ich hier dem Publikum übergebe, sind, wenigstens meinem Bestreben nach, eine dichterisch-historische Verherrlichung der Zeitereignisse, durch die Deutschland frei und Europa wieder selbstständig wurde” (Vorbericht). – Titel mit kleinem Stempel und Namenseintrag, nur teilweise leicht gebräunt.

Lot 660 Schreibmeisterbücher
Anleitung zum Schönschreiben, nebst vier dazu gehörigen Kupfertafeln. Zum Gebrauche der deutschen Schulen in den kaiserlich-königlichen Staaten. Mit 4 Kupfertafeln. Wien, Schulbücher-Verschleiß-Administration bey St. Anna in der Johannis-Gasse, 1825. 4 Bl. 20 x 26 cm. Marmorpapier-Umschlag der Zeit (etwas berieben). [*]
Result 200 €
Über KVK nur die Ausgabe 1792 in österreichischen Bibliotheken nachweisbar. – Insgesamt recht gutes Exemplar.

Lot 661 Schreibmeisterbücher – Midolle, Jean
Spécimen des écritures modernes, comprenant les romaines fleuronnées, gothiques nouvelles, fractures … Mit 40 (inklusive Titel) lithographischen Tafeln. Strasbourg, E. Simon Fils, 1834-1835. 31 x 45,5 cm. Original-Umschlag mit Holzschnitt-Titel (etwas angerändert, Rücken mit kleinen Einrissen). [*]
After-Sale Price 500 €
Erste Ausgabe. – Bonacini 1186 – Ornamentstich-Katalog Berlin 5167. – Enthält Alphabete – auch Figurenalphabete – in zahlreichen Zier- und Phantasieschriften, auch unter Einsatz raumgreifender Schreiberzüge, gerühmt als eines der führenden Schriftenwerke der Romantik, nach dem Jules Didot 1842 Lettern in Serien übernommen hat. – Provenienz: Hofbibliothek Donaueschingen (Stempel). – Teils kleine Randeinrisse.

Lot 662 Schuster, Beda
Rebecka die Braut Isaaks. Ein Singspiel, am Tage als die Durchlauchtigste Kaiserl. Königl. Prinzeßinn und Erzherzoginn zu Oesterreich, Frau Maria Antonia vermählte Dauphine von Frankreich und Navarra auf der Reise von Wien nach Frankreich das Kloster Melk, Benedictiner Ordens mit höchster Gegenwart beehrte. Allda … abgesungen, den 21 Ostermondes 1770. Wien, Trattner, 1770. 24 S. 25 x 20 cm. Neue Broschur. [*]
After-Sale Price 200 €
Erste Ausgabe, anonym erschienen. – Holzmann/Bohatta III, 10725. – Libretto zu dem Singspiel des Haydn-Schülers Robert Kimmerling, das am 21. April 1770 im Stift Melk aufgeführt wurde. – Die erst 14jährige Erzherzogin Maria Antonia von Österreich brach am Morgen von der Wiener Hofburg mit einem gewaltigen Tross nach Versailles zu ihrem zwei Tage zuvor in einer Stellvertreter-Hochzeit geehelichten Gatten, den späteren König Ludwig XVI., auf. Melk war die erste Station auf der Brautfahrt der Marie Antoinette. – Durchgehend feuchtfleckig.

Lot 663 Schwan, Christian Friedrich
Russische Anekdoten von der Regierung und Tod Peters des Dritten; imgleichen von der Erhebung und Regierung Catharinen der Andern. Ferner von dem Tode des Kaysers Iwan, welchen zum Anhange beygefüget die Lebens-Geschichte Catharinen der Ersten, von C. F. S. de la Marche. Petersburg (das ist: Frankfurt, Brönner), 1764. 304 S. Halblederband der Zeit mit Rückentitel und Rückenvergoldung (Rücken etwas berieben, Ecken und Kapital etwas bestoßen). [*]
After-Sale Price 200 €
Erstveröffentlichung des berühmten Mannheimer Verlegers, des Freundes und Verlegers Schillers. – Vgl. Goedeke V, 251, 6, 1 – Weller, Druckorte, I, 98 – Hayn-Gotendorf VI, 149 und 580 – Bilbassoff I, 37: “Die 29 Briefe eines ‘Augenzeugen der Ereignisse in Petersburg’ vom 2. Januar bis zum 19. Juli 1762 sind eine der interessantesten Quellen für die Geschichte Peters III.; sie verlangen jedoch die grösste Vorsicht bei ihrer Benutzung. … In demselben Jahre 1764 erschien eine deutsche Uebersetzung der ‘Anecdotes russes’. Im folgenden Jahre (1765) erschien eine neue Uebersetzung mit Anmerkungen, welche auch in die späteren französischen Ausgaben übergingen”. – Titel etwas stärker, sonst nur leicht stockfleckig.

Lot 664 Sprachwissenschaft – Császár, Ferenc
Ungarische Sprachlehre für Frauenzimmer oder ganz neue, leicht faßliche Anleitung zur Erlernung der ungarischen Sprache ohne Lehrer. Nebst einer Auswahl von Uebungen zum Uebersetzen mit Anwendung der Interlinear-Methode. Zweite Auflage. Pesth, Gustav Heckenast, 1837. 192 S., 2 Bl. 19,5 x 11 cm. Leinwand (um 1900) (Rücken mit kleiner Bezugsfehlstelle).
After-Sale Price 200 €
Seltene Sprachlehre, Franz Csaszar war Mitglied der ungarischen gelehrten Gesellschaft. – Über KVK nur in der UB München nachweisbar, auch eine erste Ausgabe können wir nicht nachweisen. – Nur teilweise leicht gebräunt.

Lot 665 Steffens, Henrich
Die vier Norweger. Ein Cyclus von Novellen. Erste-sechste Novelle in drei Bänden. Breslau, Josef Max und Comp., 1828. 16,2 x 10,2 cm. Halblederbände der Zeit mit farbigem Rückenschild und reicher Rückenvergoldung (Ecken etwas bestoßen, Deckel etwas fleckig, etwas berieben) [*]
After-Sale Price 300 €
Erste Ausgabe. – Goedeke VI, 175, 34). – Im Verlauf der letzten Jahre, als Professor für Naturgeschichte an der Universität Breslau, zog sich Steffens immer stärker aus den universitären und politischen Streits zurück, an denen er zuvor prominent teilgenommen hatte, und wandte sich der Literatur zu, mit großem Erfolg beim Lesepublikum. Seine novellistischen Arbeiten seit der Mitte der 1920er Jahre “offenbaren eine spätromantische Frömmigkeit, mit der er – als Unzeitgemäßer – dem Trend einer geistlosen Zeit zu widerstehen hoffte” (Killy XI, S. 147). Der Rezensent der ALZ hebt Steffens’ Novellen über die Romane des damals in Deutschland außerordentlich erfolgreichen Walter Scott, bemängelt jedoch eine gewisse “Gewaltsamkeit” in der Konstruktion. “Diese geht häufig über das Recht, welches wir im Romane dem Zufalle einräumen, hinaus. Abenteuerliches auf Abenteuerliches drängt sich, damit der romantische Vorwurf sich dem Gange der Geschichtsereignisse anreihe. … Wenn wir erwägen, dass die meisten solcher auffallenden und störenden Erscheinungen dieser großartig auftretenden Gattung von Novellen, die uns die Weltgeschichte in einem freundlichen, idealischen Gewande vorführt, eigen seyn müssen; so nehmen wir sie gern hin … Die Steffen’schen Novellen erscheinen uns wie ein wunderheller Garten, in dem wir uns erst nach mehrmaligem Besuche, nach öfterm Verweilen – wenn wir uns auch gleich Anfangs an einzelnen Stellen heimisch fühlten – zurecht finden können.” (1833, No.77, Sp.616). – Vorsätze in den Ecken leimschattig, vereinzelt etwas fleckig.

Lot 666 Streitschrift
Duplex census Oder Zweyfache und sehr weit unterschiedene Gebühr Nemlich: Gottes und des Kaysers, worinnen augenscheinlich dargethan wird, daß nicht itzo von den Lutherischen jegen den Kayser ungebührlich gekrieget wird, wie ihnen von den Bäpstlern, Neutralisten, Zweyfflern und Temporisirern wil vorgeworffen werden. Sondern daß vielmehr Sie die Bäpstler selbst des Kaysers ärgste Feinde seyn, Ihre Kays. Mayt. listiglich hintergangen, und zum höchsten Nachtheil des H. Röm. Reichs tückischer Weise in ihr Netz gezogen … (Ohne Ort und Verlag), 1634. 94 S. Neue Broschur.
After-Sale Price 200 €
Einer von zwei Drucken im gleichen Jahr. – Etwas gebräunt.

Lot 667 Theologie
Catholisch Laermengeschrey: Welches gründtlich anzeigt, Daß die Römisch Catholischen, den hochbethewerten heilsamen ReligionsFrieden zu durchlöchern, zu vernichtigen unnd auffzuheben, auch alle Evangelische zuvertilgen unnd außzurotten … Wie solches auß D. Francisci Burckhardi, … publicirten Autonomia und intitulirtem Auffwecker der Geistlichen, ec auch andern spargirten Lärmenschrifften … Allen Ehrliebenden Teutschen zur trewhertzigen Warnung an Tag gegeben. (Ohne Ort und Verlag), gedruckt im Jahr M.DC. XXI. 138 nn. Bl. 21 x 16 cm. Neuer Halblederband mit Rückenschild. [*]
Result 1500 €
Sehr seltenes religiöses Pamphlet, das wir über KVK nur in der Landesbibliothek Coburg nachweisen können, anonym erschienen. – Nicht im VD17 – kein Nachweis in den einschlägigen Bibliographien. – Lagenkollation: A4-Z4, Aa4-Ll4, Mm2. – Streitschrift gegen die von Andreas Erstenberger unter dem Pseudonym Franciscus Burghard veröffentlichte Schrift “De Autonomia. Das ist: Von Freystellung mehrerley Religion und Glauben, was und wie mancherley die sey, Was auch derhalben biß daher im Reich Teutscher Nation fürgangen, Und ob dieselbig von der Christlichen Obrigkeit möge bewilliget und gestattet werden”. – Titel gebräunt und etwas fleckig, teilweise etwas stärker gebräunt und im weißen Rand mit Wasserflecken, einige Papierfehlstellen im unbedruckten Randbereich.

Lot 669 Theologie – Iulianus Aeclanensis
Widerlegung der Bücher Augustins über den Ehestand und die Lust. Ein Beitrag zur Dogmengeschichte in einem deutschen Auszuge von Georg Hieronymus Konrad Rosenmüller. Leipzig, G. Martini, 1796. XVI, 462 S., 1 Bl. 18 x 10 cm. Marmorierter Lederband der Zeit mit goldgeprägtem Rückenschild, reicher Rückenvergoldung, goldgeprägten Deckelfileten und Stehkantenvergoldung.
After-Sale Price 200 €
Erste deutsche Ausgabe.- “Die Pelagianer hatten den Augustin unter anderem beschuldigt, durch seine Lehre von der Erbsünde verdamme er die Ehe” (Vorrede). – Etwas gebräunt. – Gutes Exemplar, sehr dekorativ gebunden.

Lot 670 Theologie – Praetorius, Ephraim
Gott-gefällige Geistliche Seelen-Taube, aus Valerii Herbergeri geistreichem Liede: Valet wil ich dir geben etc. In fünff Predigten. Mit 6 Kupfertafeln. Leipzig, Gleditsch, 1700. 23 Bl. 1014 S., 13 Bl. Angebunden: Kettner, Friedrich Ernst. Miscellan-Predigten, uber allerhand Haupt-Sprüche der Heil. Schrifft, bevorab über wichtige Glaubens-Nachrückliche Buss- und Kräfftige Trost-Sprüche. Dresden, Johann Jacob Winckler, 1700. 8 Bl., 516 S., 4 Bl. 17 x 10 cm. Pergamentband der Zeit (altersfleckig und etwas berieben).
Result 750 €
Erste Ausgabe. – VD 7:687484F. – Fliegende Vorsätze fehlen. – Wenige Seiten eselsohrig, etwas gebräunt und stellenweise etwas fleckig.

Lot 671 Theologie – Pietismus – Petersen, Johann Wilhelm
Bekräfftigung des ewigen Evangelii von der Wiederbringung aller Dinge, dem Scripto der Philadelphischen Versuchungs-Stunde, und dem von ihm verläugneten ewigen Evangelio, entgegen-gesetzt. (Ohne Ort und Verlag, ca. 1720). 1 Bl., 184 S. 20,5 x 16 cm. Pergament der Zeit mit Rückentitel (etwas angestaubt). [*]
After-Sale Price 240 €
Erste Ausgabe, der seltenen theologischen Streitschrift. – VD18 10961879 – vgl. Goedeke III, 202 (ohne diesen Titel). – Der Chiliast Johann Wilhelm Petersen (1649-1727) heiratete 1680 bei Frankfurt Johanna Eleonora von Merlau (1644-1727), die mit Spener bekannt war und gehörte zu dessen Kreis. – Gutes Exemplar.

Lot 672 Tieck, Ludwig
Dramaturgische Blätter. (Bände 1 und 2:) Nebst einem Anhange noch ungedruckter Aufsätze über das deutsche Theater und Berichten über die englische Bühne, geschrieben auf einer Reise im Jahre 1817. 3 Bände. Breslau, Josef Max und Komp., 1826. (Band 3:) Leipzig, F. A. Brockhaus, 1852. 16 x 13 cm. Bedruckte Original-Broschuren (Kapitale teils mit kleinen Einrissen). [*]
After-Sale Price 300 €
Erste Ausgabe. – Goedeke VI, 40, 82 (kennt nur Bände 1 und 2; nennt S.43, 126 für 1852 nur die zweibändige, von E. Devrient herausgegebene Ausgabe Dramaturgische Blätter. Zum ersten Mal vollständig gesammelt, die auch Band 3 und 4 der Kritischen Schriften war.). – Vollständig mit dem erst 26 Jahre später erschienenen Band 3, dazu mit den wohlerhaltenen Original-Umschlägen ist die Sammlung sehr selten. – Tieck fühlte sich dem Theaterschaffen immer eng verbunden. “Davon zeugen die in den Dramaturgischen Blättern gesammelten Besprechungen …, die zu den bedeutendsten und stilistisch glänzendsten Theaterkritiken in deutscher Sprache seit Lessing gehören. Das Publikum und die Leser waren mit (Tiecks) Ansichten meist nicht einverstanden, manche Kritiken haben eher sogar Anstoß erregt. Die ausführliche Besprechung des Wallenstein war insgesamt noch im Sinne der Leser; die Parteinahme für Kleist, so wertvoll sie für die Kleistrezeption auch sein mochte, stieß kaum auf Zustimmung.” (Paulin, Tieck S. 83; auch Paulin kennt wie Goedeke für 1852 nur die ebda genannte Ausgabe). – Unbeschnitten und unaufgeschnitten. – Teils etwas, Band 3 teilweise stärker stockfleckig.

Lot 673 Trivialliteratur – Hänle, Siegfried
Eine Pariser Familien-Geschichte. Würzburg, Stahel, 1840. 251 S., 1 Bl. 17 x 11 cm. Halblederband der Zeit (etwas bestoßen, Kapitale mit kleinen Fehlstellen, Rücken berieben).
After-Sale Price 200 €
Seltene erste Ausgabe, die wir über KVK nur in Göttingen, der UB Würzburg und der BSB München nachweisen können. – Franz Theodor Siegfried Haenle (Geburtsvorname: Samuel) (1814-1889) wurde als Sohn eines jüdischen Weinhändlers geboren und war Rechtsanwalt, Regionalhistoriker und Schriftsteller. Das Revolutionsgeschehen von 1848 begleitete er aktiv als Parlamentsberichterstatter in Frankfurt. Er konvertierte 1854 mit seiner Familie vom Judentum zum Protestantismus. – Vorderer Innendeckel mit Zettel einer Leihbibliothek, Titel und letzte Seite mit altem Stempel einer Buchhandlung, etwas braunfleckig.

Lot 674 Trivialliteratur der Goethezeit
Die Ausgewanderten. Zwey historische Gemälde aus der französischen Revolution. Göttingen, Schneider, 1800. 1 Bl., 211 S. 17,5 x 11 cm. Halbleinwand (um 1900). [*]
Result 200 €
Erste Ausgabe. – Kaldewey, Hehres und Triviales VI, 6. – Trivialroman um ein adliges Liebespaar, das aus dem revolutionären Frankreich entkommt und sich in der Fremde durchschlagen muss. – Etwas stockfleckig.

Lot 675 Trivialliteratur der Goethezeit – Dutwar, Franz
Robert, eine wahre Geschichte aus unserem Zeitalter von Fr. D-tw-R. Mit gestochenem Frontispiz und gestochenem Titel mit Vignette von Weinrauch. Wien und Prag, Franz Haas, 1795. 260 S. 17,5 x 11 cm. Pappband der Zeit (etwas fleckig). [*]
Result 800 €
Seltene erste Ausgabe, über KVK kein Standortnachweis in Deutschland und Österreich. – Hayn-Gotendorf VI, 485: “Einiges anstössig.” – Sammlung Eckl 347 (nur 254 S., fehlten die letzten beiden Blatt). – Trivialroman mit Irrungen und Wirrungen im Garten der Liebe. – Teils etwas gebräunt.

Lot 676 Trivialliteratur der Goethezeit
Gemälde seltener und merkwürdiger Menschenhandlungen älterer und neuerer Zeiten. 2 Bände in 1 Band. Mit 18 Kupfertafeln. Ohne Ort und Verlag, 1798. 170, 167 S. 14,4 x 9 cm. Halbpergament (um 1900) mit rotem Rückenschild. [*]
Result 320 €
Erste Ausgabe. – Hayn-Gotendorf II, 546. – Band 1 über “Die Bartholomäusnacht oder die Pariser Bluthochzeit” und die Geschichte der Hugenotten; Band 2 über Oliver Cromwell und Caligula, ab S. 144 noch “Die Giftmischer, eine grausame Geschichte”. – Teilweise etwas fleckig bzw. gebräunt.

Lot 677 Trivialliteratur der Goethezeit – Gleich, Joseph Alois (Pseudonym: Ludwig Dellarosa)
Bodo und seine Brüder oder das Schloß der Geheimniße. Ein Familiengemählde von Ludwig Dellarosa. 2 Teile in 1 Band. Mit 2 gestochenen Frontispizes und 2 gestochenen Titeln mit Vignette. Leipzig, Moestl, 1801. 204 S., 1 Bl., 191 S., 1 Bl. 17,5 x 10,5 cm. Pappband der Zeit. [*]
Result 470 €
Erste Ausgabe, über KVK nur in der Österreichischen Nationalbibliothek nachweisbar. – Goedeke VI, 398, 43. – Eine der zahlreichen Schauergeschichten des Vielschreibers Gleich. – Etwas gebräunt, insgesamt gutes Exemplar des seltenen Trivialromans.

Lot 678 Trivialliteratur der Goethezeit – Gleich, Joseph Alois (Pseudonym: Ludwig Dellarosa)
Marno der Schreckenvolle, und das Mädchen in der Löwenhöhle. Ein historisch-romantisches Gemählde aus der Geschichte Spaniens. Von Ludwig Dellarosa. 2 Teile in 1 Band. Mit 2 gestochenen Frontispizes. Wien, Doll, 1803. 2 Bl., 160 S., 2 Bl., (S. 163)-300. 17,8 x 11 cm. Halblederband der Zeit (berieben und etwas bestoßen, Kapital mit 3 cm Fehlstelle, das untere bestoßen). [*]
After-Sale Price 200 €
Erste Ausgabe, unter Pseudonym erschienen. – Goedeke VI, 398, 50 und XI/2, 111, 56. – Eine der zahlreichen Schauergeschichten des Vielschreibers Gleich. – Monogrammstempel auf dem Titel, das zweite Frontispiz ausgeschnitten und alt aufgezogen, teils leicht gebräunt bzw. etwas braunfleckig.

Lot 679 Trivialliteratur der Goethezeit – Schlenkert, Friedrich Christian
Die Thäler von Hohenbergen, oder Die Menschen, wie sie sind, nach dem Leben gezeichnet. Erster Theil (alles Erschienene). Mit 4 Kupfern in Punktiermanier von Johann Eleazar Schenau nach Christian Friedrich Stoelzel. Leipzig, Sommer, 1801. Titel, 344 S. 13 x 8,5 cm. Neuer Pappband mit Rückenschild. [*]
After-Sale Price 200 €
Erste Ausgabe. – Goedeke VII, 269, 15 – ADB XXXI, 464. – Im Juli 1801 in Österreich verboten. – Antisemitische Schmonzette mit Anklängen an ein Ritterschauspiel, aber in der Zeit Schlenkerts spielend; die Liebenden werden vom Hoffaktor Moises Lehmann, der gerne seine gewährten Kredite zurück bezahlt hätte, oftmals strapaziert, aber es findet wohl ein gutes Ende. – Titel mit altem Namenszug, teilweise leicht gebräunt.

Lot 680 Ungern-Sternberg, Alexander von
Fortunat. Ein Feenmährchen. 2 Bände. Leipzig, Brockhaus, 1838. VIII, 373 S., 1 weißes Bl.; 2 Bl., 330 S. 19,5 x 12 cm. Neuere Halblederbände mit goldgeprägtem Rückenschild und beigebundenen bedruckten Original-Broschuren. [*]
Result 300 €
Erste Ausgabe des seltenen, frühen Märchenromans. – ADB XXXIX, 100 – Borst 1891. – “Die armen Feen! Was sollen sie in einer Welt voll Deputirtenkammern, Eisenbahnen und Dampfmaschinen? … Sehr lange hat die romantische Schule die Feen unter strengen Interdict gehalten. Der schöne Himmel Oberons war entvölkert, und statt seiner machte sich ein widerliches Gemisch nordischer Gespenster geltend. Es wimmelte von Gnomen, Nornen, Zwergen, Hexen, Wehrwölfen und Wechselbälgen. Jedermann weiß, welch einen Unfug sie angerichtet haben. Es gilt den Versuch, diese interessanten Naturkinder zu verdrängen und die ins Exil geschickten Wieland’schen Feen wieder in den Vorgrund zu bringen … Verzeihe, ernster Leser, der du gewöhnt bist an deine Romane mit politischen Tendenzen, hier hast du ein Buch, das keine andere Tendenz hat, als dir einen phantastischen Scherz vorzuspielen. Nimm diesem Scherze seine Freiheit, und du verbietest ihm zu existieren.” (Vorrede) – Teilweise etwas stockfleckig bzw. gebräunt.

Lot 682 Venturini, Carl
Muhammed Abul Casem der große Prophet von Mekka. Ein Seitenstück zur natürlichen Geschichte des großen Lehrers von Nazareth. 2 Teile in 2 Bänden. Mit 1 gestochenen Frontispiz. Mekka (das ist: Kopenhagen, Schubothe oder Proft), 1802-1803. XVI, 656 S.; Titel, 586 S. 17,5 x 10 cm. Marmorierte Lederbände der Zeit mit 2 farbigen Rückenschilden und Rückenvergoldung (leicht berieben). [*]
Result 240 €
Erste Ausgabe. Goedeke VI, 7, 3 (Titel sehr ungenau) – Weller, Druckorte I, S. 196 (behauptet irrig, es handele sich um eine Übersetzung aus dem Französischen des Lanselin) – nicht bei Enay, Mohammed und der Koran. – Carl Venturini (1768-1849) hatte Theologie studiert, wegen seiner “äußerst freisinnigen” Ansichten blieb ihm eine entsprechende feste Anstellung jedoch verwehrt. Seinen Lebensunterhalt bestritt er als Schriftsteller; seine frühen Veröffentlichungen sind bemerkenswerte Beiträge zur “Leben Jesu-Forschung”, darunter die in vorliegendem Titel genannte Natürliche Geschichte des großen Lehrers von Nazareth. – “Die Gestalt Christi wurde hier in einer Weise behandelt und in den Staub gezogen, daß es das Aergerniß weitester Kreise erregte.” (ADB XXXIX, S. 308). Das daraus resultierende faktische Berufsverbot veranlasste ihn, die theologische Schriftstellerei aufzugeben. Die vorliegende Veröffentlichung erhebt gar nicht erst Anspruch auf wissenschaftliche Relevanz, sondern ist ein Roman um den Propheten Mohammed, wohl der erste in deutscher Sprache. – Teils leicht stockfleckig, zeitgenössische Namenseiträge auf den Vorsätzen. Gutes Exemplar, dekorativ gebunden.

Lot 683 Voltaire, Francois Marie Arouet de
Candide, ou l’optimisme, traduit de l’Allemand de Mr. le Docteur Ralph. (Ohne Ort und Verlag), 1759. 301 S. 14 x 8,5 cm. – Angebunden: Candide, ou l’optimisme, traduit de l’Allemand de Mr. le Docteur Ralph. Seconde partie. (Ohne Ort und Verlag), 1761. 130 S. 14 x 8,5 cm. Halblederband im Stil der Zeit mit rotem Rückenschild und reicher Rückenvergoldung. [*]
Result 850 €
Einer von 17 Drucken im Jahr der ersten Ausgabe. – VD 18 11803711 – vgl. Bengesco I, 444ff. – Der erste Titel in Rotdruck mit einer Holzschnitt-Vignette (Landschaft). – Die angebundene Fortsetzung wird Henri-Joseph du Laurens bzw. Charles Claude Florent de Thorel de Campigneulles zugeschrieben. – Teilweise leicht gebräunt. – Gutes Exemplar, dekorativ gebunden.

Lot 684 Wedekind, Rudolf
Deutsch- Latein- und Französisches Titelbuch nach dem jetzigen Gebrauche. Quantum est in rebus inane! Göttingen, Pokwitz und Barmeier, 1757. 14 Bl., 360 S., 4 Bl. 19 x 11,5 cm. Halbpergamentband der Zeit mit schwarzem Rückenschild (Ecken leicht bestoßen, Rücken leicht angstaubt). [*]
After-Sale Price 200 €
Erste Ausgabe, anonym erschienen. – Pütter, Versuch einer academischen Gelehrten-Geschichte von der Georg-Augustus-Universität zu Göttingen, Teil 1, 1765, S. 192, 21. – Eines der selteneren unter den zahlreichen Titularbüchern, die in den Zeiten, als Briefeschreiben, privat wie geschäftlich wie amtlich, beinahe tägliche Beschäftigung war und eine falsche oder unpassende Anrede unerwünschte oder gar nachteilige Wirkung zeitigen konnte. Und unter den der Materie geschuldeten oft staubtrockenen Abhandlungen ist die vorliegende sicher eine der lesbarsten, weil ihr Verfasser sich der Nichtigkeit des gleichwohl sicher beherrschten Themas bewusst ist. Darauf deutet nicht nur das gewählte Motto aus AULUS PERSIUS FLACCUS hin; im Vorbericht nennt er als eigentlichen Sinn solcher Abhandlungen die Kunst, “dem anderen entweder regelmässig Nichts, oder gerade das Gegenteil von demjenigen, was man glaubet und denket” zu vermitteln. – Rudolf Wedekind (1718-1778), der Vater des späteren “Mainzer Jakobiners” Georg Wedekind und der ebenfalls in die Mainzer Republik involvierten Schriftstellerin Margereta “Meta” Forkel-Liebeskind, war von 1750 bis zu seinem Tod 1778 ao. Professor in der philosophischen Fakultät der Georg-August-Universität, 1753 Rektor der Göttinger Stadtschule und seit 1763 Pfarrer an der Liebfrauenkirche in Göttingen. – Gelegentlich etwas stockfleckig. Gutes Exemplar.

Lot 685 Wertheriaden
Sammelband mit 5 teils seltenen Wertheriaden von 1775. 16 x 10 cm. Zeitgenössischer Pappband mit Wappensubralibros (etwas bestoßen, fleckig, Bibliotheksrückenschild teils fehlend). [*]
Result 1300 €
Enthält: I. A.C. Stockmann. Die Leiden der jungen Wertherinn. Mit einem Titelkupfer und Texvignetten. Eisenach, Griesbach. 112 S. – Goed. IV.3, 183.15 – II. I.D. Dilthey. Werther an seinen Freund Wilhelm, aus dem Reiche der Todten. Berlin, Winters Wittwe. Mit ornamentaler Titelumrahmung. 46 S. – Goed. IV.3, 181.7 – III. J.C. Riebe. Ueber die Leiden des jungen Werther. Gespräche. Mit Titel- und Schlussvignette. Berlin, Decker. 76 S. – Goed. IV.3, 182.11 – IV. F. Nicolai. Freuden des jungen Werther. Leben und Freuden Werthers des Mannes. Mit einem Titelkupfer (unsigniert, laut Goedeke von Chodowiecki). Berlin, Nicolai. 60 S. – Goed. IV.3, 181.9 – V. A.S. von Goué. Masuren oder der junge Werther. Ein Trauerspiel aus dem Illyrischen. Frankfurt und Leipzig. 158 S. – Goed. IV.3, 183.16 – Umschläge nicht beigebunden, unterschiedlich gebräunt und braunfleckig, anfangs und auf den Titeleien alte Bibliothekssignaturen, sonst gut.

Lot 686 Wezel, Johann Karl
Sechsfache Ehestands-Geschichte des ehrsamen Herrn Philip Peter Marks. Von ihm selbst abgefaßt. Herausgegeben von Herrn Kanzleyrath Wetzel. Mit gestochenem Frontispiz. Hanau, Frankfurt und Leipzig, 1778. 143 (recte 141) S. 15,4 x 9,5 cm. Marmorierter Pappband der Zeit mit Rückenschild und etwas Rückenvergoldung (Gelenke mit kleinen Bezugsfehlstellen).
Result 500 €
Seltene erste (unrechtmäßige) Buchausgabe, erschien zuvor im Teutschen Merkur. – Hayn-Gotendorf II, 112 – Goedeke IV/1, 922, 6. – Wie auch im Belphegor ist die Erzählung eng verbunden mit dem Emanzipationskampf des Bürgertums. Wezels Gesellschaftskritik richtet sich gegen die Prämisse der idealistischen Optimismus-Philosophie der Frühaufklärung, nämlich dass die bestehende Welt die beste aller möglichen sei und dass der Einzelne in ihr volle Glückseligkeit erreichen könne. – Das Frontispiz in einem schwachen Abdruck. Gutes Exemplar.

Lot 687 Wörterbücher – Bayle, Pierre
Dictionnaire historique et critique. Nouvelle édition augmentée des notes extraites de Chaufepié, Joly, La Monnoye, Leclerc, Le Duchat, P. Marchand, etc. 16 Bände. Paris, Desoer, 1820. 22 x 13,5 cm. Halblederbände der Zeit mit geprägtem Rückentitel und reicher Rückenvergoldung (Kaptitale bestoßen und teils mit kleinen Einrissen). [*]
Result 700 €
Letzte und umfangreichste Ausgabe. – Doppelspaltiger Druck. – Sammlerstempel auf Vorsatz. – Stellenweise fleckig. In dekorativen Einbänden.

Lot 688 Wörterbücher – Dictionnaire de Trevoux
Dictionnaire universel françois et latin, contenant la signification et la définition tant des mots de l’une et de l’autre langue…que des termes propres de chaque état et de chaque profession; la description de toutes les choses naturelles et artificielles…; l’explication de tout ce que renferment les sciences et les arts…Avec des remarques d’érudition… Nouvelle édition, corrigée et considerablement augmentée. 7 Bände. Paris, Compagnie des libraires associés, 1752. 41 x 26 cm. Marmorierte Lederbände der Zeit mit 2 Rückenschildern und reicher Rückenvergoldung (Kapitale teils mit kleinen Fehlstellen, gering berieben). [*]
Result 420 €
Doppelspaltiger Druck. – Sammlerstempel auf Vorsatz. – Gutes Exemplar in prächtigen Einbänden.

Lot 689 Wörterbücher – Richelet, Pierrre
Dictionnaire de la langue françoise, ancienne et moderne; augmenté de plusieurs additions d’histoire, de grammaire, de critique, de jurisprudence, et d’un nouvel abregé de la vie des auteurs citez dans tout l’ouvrage. 3 Bände. Lyon, Marcellin Duplain, 1728. 39,5 x 26 cm. Lederbände der Zeit mit 2 Rückenschildern und reicher Rückenvergoldung (Kapitale teils bestoßen, gering berieben, Deckel mit Schabstellen). [*]
After-Sale Price 600 €
Zaunmüller 150 (“Richtungweisend für Rechtschreibung”). – Maßgebliche Ausgabe von Richelets wichtigstem Werk mit den Ergänzungen von Pierre Aubert, zugleich die einzige mit der vorangestellten “Bibliothèque des Auteurs”, des alphabetisch nach Autor geordneten bio-bibliographischen Quellenlexikons. – Gutes Exemplar in prächtigen Einbänden.

Lot 690 Wolff, Oskar Ludwig Bernhard
Denkwürdigkeiten eines Hoflakaien. In Bruchstücken aus seinem Tagebuche herausgegeben. 2 Teile in 1 Band. München, Franckh, 1830. 260 S., 2 Bl., 234 S., 1 Bl. 16,5 x 10 cm. Halblederband (um 1880) mit rotem Rückenschild und Rückenvergoldung. [*]
Result 200 €
Erste Ausgabe. – ADB XLIV, 9 – Hirschberg I, 558. – Eine Art Schelmenroman, die große Welt aus der Sicht des trickreichen Lakaien – der dem schönen Geschlecht sehr zugetan ist. – Der ebenfalls recht umtriebige Oskar Ludwig Bernhard Wolff (1799-1851), aus wohlhabendem hanseatisch-jüdischen Hause stammend, wirkte als Improvisator, Musikkritiker, Vielschreiber, aber auch als Professor für Literatur an der Universität Jena. Dem Berliner Studenten Karl Marx vermittelte er dessen Promotion dort in absentia im Jahr 1841, in den Jahren 1848/49 sympathisierte er mit der republikanischen Bewegung und stand in Kontakt mit Heinrich Heine, Franz Liszt und Richard Wagner. – Vorderer Vorsatz von alter Hand eng beschrieben mit einer Bibliographie der Werke Wolffs. – Etwas fleckig, insgesamt gutes Exemplar, dekorativ gebunden.

Lot 691 Zumbach, Carl Adolph
Das Theater der Religionen, oder Apologie des Heidenthums. Geschrieben von einem Katholiken, und mit einer Vorrede und einigen Anmerkungen, herausgegeben von einem Protestanten (das ist: Carl Spazier). Athen (das ist: Leipzig?), 1791. XXIV, 312 S. 19 x 11 cm. Halblederband im Stil der Zeit mit rotem Rückenschild und Rückenvergoldung. [*]
After-Sale Price 240 €
Seltene erste Ausgabe. – Nicht bei Goedeke – Holzmann-Bohatta IV, 5080 (vgl. auch IV, 5077) – Weller, Druckorte I, S.150. – Bezüglich der Verfasserschaft herrscht Unklarheit. Das Anonymenlexikon (s.o.) nennt Carl Spazier als Autor, listet aber auch einen gleichen Titel, lediglich “Religion” statt “Religionen” für 1789, verfasst von C. J. A. Hofheim und C. A. Zumbach. Aufklärung bringt eine 1798 in verschiedenen Periodika geschaltete Anzeige des Buchhändlers Gehra in Neuwied: “Zumbach, das Theater der Religion oder Vertheidigung der natürlichen Religion. Herausgegeben und mit einer Vorrede begleitet von K. Spazier. Zweite verb. Aufl. … In Commißion”; das ist eine Titelauflage der vorliegenden Erstausgabe. – In der vorliegenden Schrift attestiert Zumbach den monotheistischen Religionen Entmündigung der Gläubigen und immanente Tendenz zu Barbarei. – Etwas stockfleckig, alter Stempel “Sammlung Ebenboeck” auf dem Titel, deren Abgabestempel verso Titel.