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Lot 322 Almanache – Rohlfs, Matthias
Schleswig-Holsteinischer Schreib-Calender auf das Jahr 1789. Mit 7 (1 doppelblattgroßen) kolorierten Kupfertafeln. Altona, Gebr. Burmester, 1788. 32 Bl. 8,5 x 5,5 cm. Brokatpapierbezogener Pappband der Zeit in passendem Schuber (dieser leicht berieben). [*]
Result 260 €
Hübsch kolorierter und seltener Kalender. – Nicht bei Lanckoronska-Rümann, Köhring und Marwinski. – Die fein gestochenen Kupfer mit gestochenen satirischen Reimen. – Das schöne doppelblattgroße Kupfer “Hamburg, zu bekommen bey dem Buchbinder N. Cornelius in der Marten-Twitt, 1789”. – Kalenderteil mit Schreibpapier durchschossen. – Der Lehrer und Mathematiker Matthias Rohlfs (1726-1794) war Herausgeber verschiedener Kalender. – Ausgesprochen gutes und frisches Exemplar.

Lot 323 Ariosto, Lodovico
Orlando furioso. 5 Bände. Mit 5 (wiederholten) gestochenen Titelvignetten und 51 gestochenen Kopfvignetten. Venedig, Sebestiano Valle, 1799-1800. 17 x 10 cm. Braune Ganzlederbände der Zeit mit 2 roten goldgeprägten Rückenschildern, Rückenvergoldung, goldgeprägten Deckelbordüren und Stehkantenveroldung (leicht berieben). [*]
After-Sale Price 240 €
Parnaso Italiano Ovvero Raccolta de’ Poeti Classici Italiani Tomo XVII-XXII. – Mit sehr schönen Kopfvignetten (“C. Dall’acqua scul.”) zu den 46 Gesängen und den 5 “canti attribuiti”. – Zwei Bände mit Reihentitel. – Vorderer Spiegel mit gestochenem Exlibris “Bibliotheque de Mad. De Carignan”. – Sehr sauberes Exemplar, dekorativ gebunden.

Lot 324 Athenaios von Naukratis
Athenaiou Deipnosophiston biblia pentekaideka. Athenaei Deipnosophistarum libri quindecim, cum Iacobi Dalechampii Cadomensis Latina versione: necnon eiusdem adnotationibus & emendationibus, ad operis calcem reiectis. Mit großer gestochener Titelvignette. Lyon, Huguetan, 1657. 26 nn. Bl., 812 S., 24 nn. Bl. 37,5 x 23 cm. – Angebunden: Isaac Casaubonus. Animadversionum in Athenaei Dipnosophistas libri quindecim. Mit Holzschnitt-Druckermarke auf dem Titel. Ebda., 1664. 4 nn. Bl., 998 S., 24 nn. Bl. Pergamentband der Zeit mit goldgeprägten Wappensupralibros (vorderes Gelenk angeplatzt, Schließbänder fehlen). [*]
Result 320 €
Ebert 1313 – Schweiger 70 – Vicaire 50f. – “Das Werk handelt hauptsächlich von Gastronomie und enthält lange Dissertationen über Weine, Gemüse, Fische, Fleisch, Festmähler usw. … Ein wichtiges Quellenwerk, das durch Zitate viele verlorengegangene antike Schriftsteller ersetzt. In Form von Tischgesprächen werden auch altgriechische Sitten, Literatur und Wissenschaft behandelt” (Horn-Arndt). – Die vorliegende griechisch-lateinische Parallelausgabe folgt der kommentierten Übertragung des französischen Arztes und Gelehrten Jacques Dalechamp (1513-1588) mit Ergänzungen von Isaac Casaubon und ist durch ein umfangreiches Register erschlossen. – Vorsatz mit beigebundener (lädierter) alter Handschrift, teilweise etwas gebräunt. Gutes Exemplar.

Lot 325 Barockliteratur – Pock, Johann Joseph
Alvearium curiosarum scientiarum, oder Immen-Hauß verwunderlicher Wissenschafften; das ist: Eine von allerhand Wissenschafften, seltzamen Künsten und Erfindungen, allerley frölich- und traurigen Begebenheiten, … berichtender Auszug, bestehend in 600. Absätzen. Augsburg, G. Schlüter und M. Happach, 1710. 2 Bl., 555 S., 6 Bl. 21 x 16 cm. Pergamentband der Zeit über Holzdeckeln mit 2 Metall-Schließen (fleckig, Rücken fehlt). [*]
Result 600 €
Einzige Ausgabe. – Hayn-Gotendorf VI, 215: “Sehr selten” – Haus der Bücher, Barockzeit. Neue Folge 746 (mit vorliegendem Exemplar): “Enthält sehr viele naturwissenschaftlich-medizinisches Curiosa, Manches über Jagd und Fischfang, über edle Steine, Geographisch-Topographisches, Wünschelrute, amüsante und moralische Geschichten (Ein Elephant gibt eine Kinds-Ammen ab, Eine Dame wird von einem Meer-Mann geschwängert, Von großen, doch erschrockenen Americanischen Riesen, Indianer verpflegen die Tiere in Spitälern) usw. usw. Sehr unterhaltsames Buch.” – Erste und letzte Blatt wasserfleckig.

Lot 326 Barthélemy, Jean-Jacques
Voyage du jeune Anacharsis en Grèce, vers le milieu du quatrième siècle avant l’ère vulgaire. Quatrième Edition. 7 Bände und Atlas (Recueil de cartes géographiques, plans, vues et m´dailles de l’ancienne Grece, Nouvelle édition) in 8 Bänden. Mit gestochenem Porträt, 14 (meist doppelblattgroßen und grenzkolorierten) gestochenen Karten, 14 doppelblattgroßen gestochenen Plänen und 11 doppelblattgroßen gestochenen Tafeln. Paris, Didot jeune, an 7 (1799). 20,5 x 12,5 cm/ 26,5 x 20 cm (Atlas). Ganzlederbände der Zeit mit 2 roten Rückenschildern, reicher Rückenvergoldung, goldgeprägten Deckelfileten und Stehkantenvergoldung (Ecken und Kanten teilweise etwas bestoßen, etwas berieben, ein Kapital mit schmaler Fehlstelle). [*]
Result 300 €
Graesse I, 300 (diese Ausgabe) – Brunet I, 674 (diese Ausgabe): “Bélle édition, plus complète … La grande carte de la Grèce avec ses colonies, qui forme le no. 1 de l’atlas, n’a été publiée qu’en 1811, et manque conséquemment dans une partie des exemplaires.” – Druckvermerk von Band 1 vom Verleger signiert. – Wie fast immer (siehe Brunet) ohne die Karte Nr. 1 von Griechenland und seinen Kolonien, die erst 1811 erschien. – Nur wenige Blätter etwas stärker gebräunt, eine Ansicht etwas angerändert und mit Einriss. – Gutes Exemplar in dekorativen, einheitlichen Ganzlederbänden.

Lot 327 Buchdruck – Dietz, Carl Friedrich
Glückwunsch zur frohen Vermählungsfeier unseres verehrten Principals des Herrn Carl Friedrich Dietz mit Jungfrau Dorothea Clemens am 24. Juli 1842, ehrerbietigst dargebracht von den Mitgliedern seiner Officin. Auf Seide gedrucktes Doppelblatt. 25,5 x 21 cm. Pappband der Zeit mit aufwendiger ornamentaler Vergoldung auf beiden Deckeln sowie goldgeprägtem Deckeltitel (Kanten leicht berieben, Ecken etwas bestoßen, leicht fleckig). [*]
Result 440 €
Seltene auf Seide gedruckte Festschrift anlässlich der Vermählung des Coburger Hofbuchdruckers und Steindruckerei-Besitzers Carl Friedrich Dietz. – Leicht fleckig, Vergoldung des Titelrands mit Fehlstellen.

Lot 328 Curiosa – Beverland, Adrian
Der Zankapfel an dem Baum der Erkentnis des Guten und Bösen. Mit Kupfertitel (in der Paginierung). (Ohne Ort und Verlag), 1763. 118 S. 17,5 x 10,5 cm. Rückenbroschur. [*]
Result 200 €
Frühe deutsche Ausgabe des “Peccatum originale”, anonym erschienen. – Vgl. Hayn-Gotendorf VIII, 45: “Ueber das göttliche Gesetz des Beischlafes”. – Mit gedruckten Widmungen an Christian Friedrich Polz, Lehrer der Weltweisheit in Jena und Balthasar Münter, Stiftsprediger in Gotha (Vater der Friederike Brun). – “Hier wird unter Aufgabe der Lehre von der Erbsünde versucht, den Sündenfall als den Übergang des Menschen von einem unschuldigen in einen moralischen Zustand zu beschreiben, vor allem aber den Akt der Zeugung, ausgelöst durch Adams Begierde beim Anblick der nackten Eva, als diejenige Handlung zu erweisen, die den Verstoß aus dem Paradies bewirkt habe”. (Thorsten Unger. Omnia vincit Amor zum Mitlachen. Funktionen der Komik in frühen Übersetzungen von Love’s Labour’s Lost; Tübingen, Narr 1995). – Gebräunt.

Lot 329 Curiosa
Ehestands-Bädeker. Ein zuverlässiger Führer durch den Ehestand auf der ganzen Lebensreise. Dem lieben August und seiner Gattin Elise gewidmet vom Bruder Karl. (Einbandtitel:) Hochzeits-Bädeker. Berlin, den 4. Januar 1885. 16 S. 13 x 9 cm. Original-Leinwand (signiert: “W. Collin K.K. Hofbuchbinder Berlin”) mit goldgeprägtem Deckeltitel (leicht fleckig). [*]
Result 400 €
Seltener Pseudo-Baedeker. – Kein Standort über KVK, für uns bibliographisch nicht nachweisbar. – In launigen Versen werden zahlreiche deutsche Städte als Stationen der Liebe des leider für uns sonst namentlich nicht eruierbaren Paares erwähnt. – Block lose.

Lot 330 Curiosa
Hinterlassene Werke des Verfassers herausgegeben von Ireniko Itenepsi. Erstes Bändchen (alles Erschienene). Mit Holzschnitt-Frontispiz (Porträt des Verfassers von hinten). St. Petersburg, gedruckt bei Tag und Nacht (das ist: Leipzig, Gräff), 1793. 184 S., 2 Bl. 16 x 10 cm. Pappband der Zeit (berieben und etwas bestoßen). [*]
Result 350 €
Einzige Ausgabe. – Weller, Druckorte I, 156 – Krieg, MNE I, 362 – Hayn-Gotendorf VIII, 377: “Sehr selten!”. – U.a. mit den Kapiteln: Freyersbriefe an alle heirathslustigen Mädchen; Phrynens Kalender; Apologie der Eifersucht in Briefen an Wallina; Der neue Gerichtshof der Liebe; Scenen aus der grauen Jetztwelt. – Titel und ein Textblatt alt gestempelt, teils etwas stockfleckig.

Lot 331 Curiosa
Historischer Schau-Spiegel, in welchem viel merkwürdige Trauer- und Jammer- Exempel vorgestellet werden, welche durch das übermäßige Fressen und Sauffen auf mancherley Art und Weise verursachet werden. Allen Christlichen Liebhabern der Nüchterkeit und Mäßigkeit, zu einer sonderbaren Bewegung ohne Unterlaß in derselben zu verharren; denen frevelhaften Bauch-Dienern und Sauff-Helden aber, zu einem Schrecken und treuherziger Vermahnung, daß sie von dem schändlichen Laster, der Völlerey und Trunckenheit abstehen … Von G. K. V. D. T. C. Hamburg, Rebenleins Erben, 1691. 5 Bl., 62 S. 13,8 x 8,5 cm. Ohne Einband. [*]
Result 1200 €
Nicht im KVK, für uns bibliographisch nicht nachweisbar. – Teilweise etwas fleckig.

Lot 332 Curiosa
Kleine Sammlung zu den Wirren um den Aufstieg der Ballonfahrerin Elise Garnerin auf der Hamburger Sternschanze. – I. Höchst kurieuse Abentheuer der luftigen Princessin Elise Garnerin, die sich sehr schuftig aufgeführt hat, oder: Wie der Gast ist, brät man die Wurst. London (das ist: Hamburg), 1829. 7 S. (gefalteter Druckbogen). – II. Die Bestürmung der Sternschanze, oder die Luftschifferin in der Klemme. Eine Tragicomödie in 4 Bildern. Braunschweig, Meyer, wohl 1829. 4 S. – III. Doppelblatt mit 4 lithographischen Karikaturen (Bildgröße: Je ca. 8 x 10,5 cm), die die “Tragicomödie” illustrieren, verso mit Bleistift bezeichnet: “Elise Garnerin 1829. Unterofficier Dohrmann”. Zusammen in schlichter, kartonierter Mappe mit Seidenbändchen, mit montiertem handschriftlichen Titelschild “Die Bestürmung der Sternschanze”, am Innendeckel ein Etikett “Sammlung Anton Nathusius, No. 2176”. [*]
After-Sale Price 600 €
Weder die beiden Schriften noch die Lithographien für uns bibliographisch nachweisbar, nicht im KVK. – Elise Garnerin (1791-1842), die Tochter des französischen “Aerostaten” Jean Garnerin und Nichte dessen rivalisierenden Bruders, Luftfahrt-Pioniers André-Jacques Garnerin (1769-1823), des Erfinders des rahmenlosen Fallschirms, war Mitglied seiner Luftakrobatentruppe und trat als Ballonfahrerin und Fallschirmspringerin auf. 1799 wagte sie ihren ersten Sprung aus 1000 m Höhe; die “Venus im Ballon” führte 1815-1829 insgesamt 39 Absprünge vor Publikum durch. – Zu ihrem skandlösem Gastspiel 1829 auf der Hamburger Sternschanze findet sich in den Memoiren des Hamburger Senators Martin Hieronymus Hudtwalcker (“Ein halbes Jahrhundert aus meiner Lebensgeschichte”, Hamburg, 1864; Bd. III, S. 309-310) eine interessante Schilderung. Elise Garnerin baute zusammen mit ihrem Vater eine Art Zirkuszelt zur Präsentation ihres Ballons und der Apparate zur kostenpflichtigen Besichtigung auf, während das Jägerbatailllon des Hamburger Bürgermilitärs in der Nähe campierte. Die wohl gelangweilten und auch schon etwas angetrunkenen Soldaten verlangten freien Eintritt, der ihnen verwehrt wurde, was dann schließlich zur Eskalation führte: Die Garnerin wurde bedrängt, es entwickelte sich eine handfeste Schlägerei in deren Verlauf die wehrhafte Ballonfahrerin einem Jäger den Hirschfänger entriss, aber letztendlich wohl doch von ihnen zusammen geschlagen wurde. Der Appell führte die Jager zurück, nachts kamen aber wieder an die achtzig Randalierer zum Zelt, tobten sich aus und wurden schließlich von der Polizei abgedrängt. Eine später erfolgte gerichtliche Untersuchung führte zu einer Verurteilung der Beteiligten, der geforderte finanzielle Schadensersatz war aber wohl uneinbringlich. – Die vorliegenden Flugschriften spotten über das Ereignis und nehmen Partei für das Bürgermilitär, so wird u.a. vermerkt “eine Schaar Gerechtigkeitsliebender ging nach der Wohnung der foppenden Luftfahrerin und gab Scheuerfrau und Glaser Arbeit” (S. 4). – Die witzigen Lithographien zeigen, wie die Garnerin sich beherzt gegen prügelnde Gardisten wehrt, wie sie einen von ihnen, einem Püppchen gleich, in der Hand hält und wie bei dem endlich doch stattfindenden Ballonflug drei sie begleitende Gardisten aus dem Korb stürzen, während ein vierter bereits am Boden liegt. – Die Mappe mit Exlibris des Kaufmanns Anton Max Nathusius (1870-1959), 1922-1928 Handelsrichter am Landgericht Hamburg, dessen Firma 1939 aus rassistischen Gründen liquidiert wurde und dem 1941 noch die Flucht in die USA gelang, siehe: Grolle /Lorenz: Der Ausschluß der jüdischen Mitglieder aus dem VHG, S. 127ff. – Gefaltet, teils etwas stockfleckig.

Lot 333 Curiosa – Naundorff, Karl Wilhelm
Louis XVII. lebt!! Memoiren Carl Louis, Herzog’s der Normandie, legitimen Königs von Frankreich. Von seinem Eintritt in den Tempel 1792, bis auf die neueste Zeit. Mit einer Vorrede des Prinzen, authentischen Briefen und historischen Erläuterungen. Nach dem in London als Manuscript gedruckten Originale. Leipzig, Literarisches Museum, 1835. VIII, 274 S. 17 x 11 cm. Halbleinwandband der Zeit mit Rückentitel und montierter vorderer Original-Broschur (etwas angestaubt). [*]
After-Sale Price 200 €
Erste (deutsche?) Ausgabe, anonym erschienen. – ADB XXIII, 319. – Der deutsche Uhrmacher Karl Wilhelm Naundorff (1785-1845), vorbestraft wegen Fälschung und Betrugs, behauptete der zweite Sohn des Königs Ludwig XVI. und Marie Antoinettes zu sein, und damit als Ludwig XVII. einen Anspruch auf den französischen Thron zu haben. Eine Vielzahl an Hochstaplern gaben sich als Kronprätendenten aus, Naundorff war aber tatsächlich der relativ erfolgreichste. In Frankreich zwar nie anerkannt, fand er zumindest in den Niederlanden Unterstützer und auch eine neue Heimat. Seine Grabplatte ziert bis heute “Ici repose Louis XVII … Roi de France”. – Etwas gebräunt, sonst gutes Exemplar.

Lot 334 Curiosa – Renard, Johann Friedrich
Die Erzeugung des Geschlechts nach Willkühr nicht durch physische Manipulationen sondern durch den Willen der Aeltern. Nebst Beweis, daß selbst durch Ausschweifung, oder andere Ursachen, geschwächte Personen im Stande sind, gesunde Kinder zu zeugen. Elberfeld, Schaub, 1819. 4 Bl., 65 S. 19 x 11,5 cm. Bedruckte Original-Broschur (etwas angestaubt und angerändert) [*]
Result 300 €
Seltene einzige Ausgabe, über KVK nur in der Stabi Berlin und der Stadtbibliothek Trier nachweisbar. – Engelmann, Bibliotheca medico-chirurgica 456 – Hayn, Bibliotheca Germanorum gynaecologica et cosmetica 103 – nicht bei Hayn-Gotendorf. – Kuriose und amüsante Anleitung. Der sonst nicht weiter biographisch ermittelbare Autor bemerkt bereits im Vorwort “alle überflüssigen gelehrten Meinungen” zu diesem Thema zu ignorieren. – Mit einer interessanten Provenienz: Vorderer Umschlag mit zwei Besitzstempeln des Berliner Antiquars, Okkultisten, Rosenkreuzers und Theosophen Heinrich Tränker (1880-1956). Der umtriebige Kollege traf sich 1925 mit dem von ihm verehrten britischen Satanisten Aleister Crowley zur Vorbereitung einer Konferenz im thüringischen Welda. Crowley sollte zum “Weltheiland” ausgerufen werden, es kam aber zuvor zu einem Zerwürfnis der beiden Herren – Crowley denunzierte Tränker als “Judas”, Tränker versuchte den wohl noch mehr verwirrten Crowley verhaften zu lassen. – Unbeschnitten. – Teils leicht gebräunt.

Lot 335 Curiosa – Schneider, Johann Conrad
Bacchus exarmatus, oder Die entblössete Trunkenheit, in einigen erörterten Gewissens-Fragen, auf Begehren einer fürnehmen Standes-Person vorgestellet, und auf dero Verlag, auch andern zur Besserung, durch den Druck vermahls mitgeteilet … Jetzo aber auffs neue übersehen, die Druck-Fehler corrigiret, und sonderlich auf Ansuchen eines guten Freundes, in denen angezogen lateinischen Oertern derer Autorum, daß es Jedermann verstehen könne, verdeutschet durch M. J. R. P. Landsbergensi. Hamburg, Redenleins Erben, 1694. 6 Bl., 108 S. 14 x 8,3 cm. Ohne Einband. [*]
Result 600 €
Wohl 3. Ausgabe der Schrift des Halberstädter Dompredigers Johann Conrad Schneider (1634-1702) gegen die Trinkfreudigkeit seiner Zeitgenossen. – Vgl. VD17 14:684927D und 3:604254M, diese Ausgaben von 1683 und 1688 in Halberstadt bei Hynitsch, diese hier vorliegende wohl 3. Ausgabe nicht im VD 17 und KVK, für uns auch sonst bibliographisch nicht weiter feststellbar. Die letzte Zahl des Druckjahrs verdruckt, es könnte sich auch um ein anderes Jahr handeln. Wir folgen hier der Datierung im Catalogus Bibliothecae Georgii Serpilii, 818 (3). – Etwas fleckig, Titel verso mit alt abgeklebter Stelle.

Lot 336 Curiosa – Schönwitz (Pseudonym)
Erzählungen, Begebenheiten und vortreffliche Betrachtungen für Männer und Weiber. Kopenhagen, 1773. 208 S. 17,5 x 10,5 cm. Rückenbroschur. [*]
Result 400 €
Wohl einzige Ausgabe. – Hayn-Gotendorf VII, 205: “Höchst selten!” – über KVK nur in der Universitätsbibliothek Göttingen nachweisbar. – Wohl unter Pseudonym erschienen, der Druckort mag auch fingiert sein. – Amüsante Schilderung der Eitelkeiten und Modetorheiten seiner Zeit in 26 “Betrachtungen”. – Leicht gebräunt.

Lot 337 Curiosa
Verbesserungs-Mittel vor unartige Männer, zum Gebrauch der guten Weiber, in einem Briefe der Frau Sophia an ihre Freundin, nebst einem Anhang von der nothwendigen Nuzbarkeit eines bösen Weibes; jenem entgegen gesezt. Gedruckt im Jahre, wo die Unart der Männer groß war, 1770. 104 S. 17,5 x 10,5 cm. Rückenbroschur. [*]
Result 700 €
VD18 12327115 – Hayn-Gotendorf VIII, 87: “Sehr rar!” – Gutes Exemplar.

Lot 338 Dickens, Charles
A tale of two cities. With illustrations by H. K. Brown. Mit gestochenem Frontispiz, gestochenem Titel mit Vignette und 14 gestochenen Tafeln. London, Chapman and Hall, 1859. VIII S., 1 Bl. 254 S. 22 x 13,5 cm. Halblederband der Zeit mit rotem goldgeprägten Rückenschild und etwas Rückenvergoldung (Kanten leicht berieben).
Result 550 €
Erste Ausgabe, erster Druck. – Mit dem “b” am unteren Rand der Tafelliste, der falsch paginierten Seite “113” statt 213 und dem Druckfehler “affetcionately” auf Zeile 12 von Seite 134. – Ohne den nicht allen Exemplaren beigebundenen Verlagskatalog. – Die ersten 4 Blatt mit braunem Fleck im oberen weißen Rand, Drucktitel mit drei kleinen Besitzeinträgen, nur teilweise leicht fingerfleckig.

Lot 339 Diderot, Denis
La religieuse. 2 Bände in 1 Band. Mit 2 gestochenen Frontispizes. Paris, (ohne Verlag), 1797. 2 Bl., 160 S., 2 Bl., 158 S. 14 x 8 cm. Halblederband der Zeit mit Rückenschild und reicher Rückenvergoldung (Kapital mit winzigen Fehlstellen, Ecken etwas bestoßen).
Result 300 €
Im Jahr nach der Erstausgabe. – Vgl. Gay/L. III, 997 – Hayn-Gotendorf II, 45. – Nach einem authentischen Fall schildert Diderot die moralische Heuchelei und die lesbischen Intimitäten, denen eine junge Nonne im Kloster ausgesetzt war. Der Skandal war so groß, dass allein im Jahr der Erstausgabe zehn verschiedene Ausgaben erschienen. – Frontispize mit schwachem Wasserfleck im oberen Rand, teilweise etwas gebräunt.

Lot 340 Dodsley, Robert oder Earl of Chesterfield, Ph. D. Stanhope
Der begeisterte Bramine. Aus dem Französischen des Herrn Lescallier übersetzt (von Friedrich Gotthilf Freytag). Leipzig, Wendler, 1752. 96 S. 16,5 x 9,5 cm. Lederband der Zeit mit Rückenvergoldung und goldgeprägten Deckelbordüren mit Eckfleurons (etwas berieben). [*]
Result 240 €
Erste deutsche Ausgabe der 1750 erschienenen “Economy of human life”. – Goedeke IV/1, 577, 11, 1 (zum Übersetzer). – Price & Price, Literature 175. – Während das Buch in den Bibliotheken überwiegend Robert Dodsley (der in der Vorrede des Übersetzers als Verfasser genannt wird) zugeschrieben wird, schreiben Price & Price: “Commonly but incorrectly attributed to Robert Dodsley. Written in part by Chesterfield.” – Leicht gebräunt. Gutes Exemplar, dekorativ gebunden.

Lot 341 Doré, Gustave – Balzac, Honoré de
Les contes drolatiques colligez ez abayes de Touraine et mis en lumière par le sieru de Balzac pour l’esbattement des Pantagruelistes et non aultres. Cinquièsme édition. Mit 425 teilweise ganzseitigen Textholzstichen von Gustave Doré. Paris, Société Générale de Librairie, 1855. XXXI, 614 S., 1 Bl. 21 x 13 cm. Blauer Halblederband der Zeit mit goldgeprägtem Rückentitel und Rückenvergoldung (leicht berieben).
After-Sale Price 200 €
Erste von Doré illustrierte Ausgabe. – Sander 38 – Vicaire I, 190 – Brivois 32f.: “Si de tous les ouvrages illustrés par Gustave Doré, il ne devrait en rester qu’un, ce serat celui-là: l’illustration est à la hauteur du texte, et ce n’est pas peu dire, puisque Balzac considérait les ‘Contes drôlatiques’ comme son chef-d’oeuvre.” – Teilweise etwas stockfleckig, zwei Blatt etwas tintenfleckig.

Lot 342 Einbände
Dos-a-Dos Ganzledereinband mit goldgeprägten Rückentiteln, reicher Rückenvergoldung, breiten ornamentalen Deckelfileten sowie Ganzgoldschnitt, um 1750. 14,5 x 8,5 cm (Deckel leicht gewölbt). [*]
Result 1000 €
Attraktiver dänischer Dos-a-Dos Einband oder Zwillingsbuch um 1750: Zwei miteinander verschränkte Buchblöcke, die mit den Titelblättern nach außen gebunden einen gemeinsamen Mitteldeckel haben. – Enthält: Vor Herres og Frelseres Jesu Christi Nye Testamente … Kopenhagen, 1744. 355 S., 1 Bl. – Und: Den Forordnede Kirke Psalme-Bog … Kopenhagen, 1742. 264 S. – Mit Besitzeintrag Hans Kasper Mörch, Kopenhagen 1746. – Gutes Exemplar.

Lot 343 Einbände
Schwarzer Ganzlederband mit goldgeprägtem (oxydierten) Wappensupralibros “Ferdinand/ Hrz. zu Br. U. Lün/ D. 19. Mart 1763” mit gekröntem floralen Rahmen sowie gepunztem Ganzgoldschnitt (1 Ecke bestoßen, Kapital mit kleiner Fehlstelle, berieben).
After-Sale Price 240 €
Vorsatz mit altem handschriftlichen Vermerk: “Aus dem Nachlasse des Herzogs Ferdinand v. Braunschw. Lüneb. Durchlaucht 1793.” – Ferdinand (1721-1792) war ein jüngerer Bruder des regierenden Herzogs Karl I. Sein Schwager, König Friedrich II. (der Große), ernannte ihn bereits mit 19 Jahren zum Oberst der im Fürstentum Braunschweig stationierten preußischen Truppen. Friedrich II. war sein Lehrer und bildete ihn in Strategie und Taktik persönlich aus. Ab 1741 begleitete er König Friedrich II. im ersten Schlesischen Krieg an die verschiedenen Kriegsschauplätze. Er galt als einer der erfolgreichsten Feldherrn im 18. Jahrhundert. Am 19. März 1763 nahm er eine ihm von König Friedrich ertheilte Domherrnstelle (in Magdeburg) in Besitz. – Enthält: Biblia, das ist: die gantze Heil. Schrift Altes und Neues Testaments. Die LXIII. Auflage. Halle, Waysenhaus, 1761. 1079, 308 S. – Etwas gebräunt.

Lot 344 Emblembücher – Delafosse, Jean-Charles
Nouvelle iconologie historique ou attributs hierogliphyques … composés et arrangés de maniere qu’ils peuvent servir à toutes sortes de décorations. 2 Bände. Mit zusammen 275 Kupfertafeln. Paris, Jacques Francois Chereau, 1771. 52 x 34,5 cm. Halblederbände der Zeit mit Rückenschild (berieben und bestoßen, Gelenke teils angeplatzt, 1 Schild mit Fehlstelle). [*]
After-Sale Price 3000 €
Vollständiges Exemplar des besonders mit dem zweiten Teil seltenen Emblembuches. – Katalog Ornamentstichsammlung Berlin 465 (mit detaillierter Kollation). – Hauptwerk des französischen Architekten, Ornamentalisten und Malers Jean-Charles Delafosse (1734-1789), das zuerst 1768 veröffentlicht und danach viele Male neu aufgelegt und modifiziert wurde. – Band 1 mit fünf gestochenen Vorblättern (Titel und Inhalt), 18 gestochenen Texblättern und 110 Kupfertafeln. – Band 2 mit einer gestochenen Tafel (Inhalt) und 138 Kupfertafeln sowie drei zusätzlichen Tafeln “Projet de Prison”, die nicht zum Werk gehören. – Zeigt Brunnen, Elemente, Erdteile, Rahmen, Medaillons, Grabmäler, Denkmäler, Kamine, Konsolen, Vasen, Gefäße, Türen, Trophäen, Kartuschen, Sockel, Guéridons, Wandleuchter, Leuchter, Kelche, Betpulte, Monstranzen, Geräte, Kanzeln, Friese, Rankenwerk, Orgeln, Öfen, Decken und Kapitelle. – Eine Tafel im Rand etwas angeschmutzt, nur teilweise leicht gebräunt bzw. stockfleckig, wenige Blatt im Rand schwach wasserfleckig.

Lot 345 Emblembücher – Sudermann, Daniel
XXV. Schöne ausserlesene Figuren und hohe Lehren von der Begnadeten Liebhabenden Seele, Nemlich der Christlichen Kirchen und ihre(m) Gemahl Jesu Christo. Zum theyl auß dem hohen Lied Salomonis, wie auch auß der alten Christlichen Kirchenlehrern Schrifften gezogen, und in Teutsche Reymen verfaßt, alles mit H. Schrifft Concordiere(n)t … durch D. S. Mit 25 (inkl. Titel) und 80 weiteren Emblemkupfern. Straßburg, Jacob von der Heyden, ca. 1620. 25 x 15,5 cm. Pergamentband der Zeit mit Rückenschild (gebräunt und etwas wellig).
Result 800 €
Seltene Folge von religiösen Emblemkupfern, meist mit einer bildlichen Darstellung, Bibelversen und einem Gedicht von Daniel Sudermann (1550-1631) im unteren Teil, wohl aus verschiedenen Werken Sudermanns stammend. – Vgl. Praz 507 – Landwehr 565-580 und Faber du Faur 95-100. – Am Schluss 13 Tafeln mit jeweils 2-4 Kupfern und ein Gedicht. – Titel fast lose, im Rand gebräunt, etwas angerändert und mit alten Besitzeinträgen, teilweise leicht gebräunt, zwei Tafeln mit restaurierten Einrissen.

Lot 346 Erasmus, Desiderius
Opera omnia. Emendatoria et auctoria, ad optimas editiones praecipue quas ipse Erasmus postremo curavit summa fide exacta, doctorumque virorum notis illustrata. In decem tomos distincta. 10 Bände in 11 Bänden. Mit gestochenem Frontispiz, gestochenem gefalteten Widmungsblatt, gestochener gefalteter Tafel mit Erasmus-Statue, gestochener Medaillentafel, 21 gestochenen Porträt-Tafeln, 80 Textkupfern nach Holbein und 11 (wiederholten) gestochenen Titelvignetten von J. Baptist nach J. Goeree. Leiden, Pieter van der Aa, 1703-1706. 42,5 x 27 cm. Neuere Leinenbände mit goldgeprägtem Rückentitel. [*]
Result 3500 €
Zweite und beste Ausgabe der Werke. – Band 3 in 2 Teilen. – Die Porträts zeigen Zeitgenossen von Erasmus u.a. Melanchthon, Alciatus, Karl V., Heinrich VIII., Luther. Letzte Porträttafel mit Porträts von Holbein und Erasmus. – Alter Stempel verso Titel. Statuen-Tafel mit Einriss im Falz. Einige Tafeln mit stärkerem Abklatsch. Vortitel und letztes Blatt meist stärker gebräunt und teils mit Einrissen. Unterschiedlich gebräunt bzw. fleckig.

Lot 347 Faksimile
Hortulus Animae. Cod. Bibl. Pal. Vindob. 2706. Zielentuintje. Photomechanische reproductie der Keiz. Hof en Staatsdrukkery te Weenen uitgegeven onder toezicht van en met kunsthistorische toelichtingen door Friedrich Dörnhöffer. 2 Bände. Mit 109 farbigen Faksimiles. Utrecht, Oosthoek und Amsterdam, van Holkema & Warendorf, 1907-1910. 4 Bl., 1048 S. 38 x 28 S. Original-Lederbände mit reicher blindgeprägter Verzierung (stark berieben, Kapitale mit schmalen Fehlstellen). [*]
After-Sale Price 200 €
Eins von 150 nummerierten Exemplaren der holländischen Ausgabe. – Ohne den Kommentarband. – Vorsätze stockfleckig, innen papierbedingt etwas gebräunt.

Lot 348 Faksimile
Vergilius Romanus. Faksimile-, Text- und Kommentarband in 3 Bänden. Mit zahlreichen Illustrationen in Gold und Farben. Zürich, Belser, 1985-1986. Roter Original-Lederband mit Blindprägung (34,5 x 33 cm)/ 2 (Text- und Kommentarband) Original-Leinwandbände (24,5 x 16,5 cm) in schwarzer Original-Holzkassette (43 x 43 x 10,5 cm). [*]
After-Sale Price 600 €
Codices e Vaticanis selecti, Nr. LXVI. – Eins von 500 (GA 560)für den Verkauf bestimmten Exemplaren. – Faksimile des Codex Vaticanus latinus 3867 der Biblioteca Vaticana. – Verkleinerte vollständige Wiedergabe des Originals auf 618 Seiten, farbiges Faksimile von 40 Seiten und Kommentarband mit Kommentaren von C. Bertelli, E. Gallicet, G. Garbarino, I. Lana u.a. – Mit einem beiliegenden nummerierten Garantie-Zertifikat der Vatikanischen Bibliothek. – Tadelloses Exemplar.

Lot 349 Festbücher – Stillfried-Alcantara, Rudolf Maria Bernhard von
Die Krönung Ihrer Majestäten des Königs Wilhelm und der Königin Augusta von Preussen zu Königsberg am 18. October 1861. Mit farbig lithographiertem Titel, 1 lithographierten Wappen-Tafel, 9 getönten lithographierten Porträts, 5 (4 getönten) lithographierten Tafeln und 3 farbig lithographierten Plänen, dazu viele Illustrationen, Initialen und Vignetten in Holzstich und Lithographie sowie 2 mehrfach gefaltete Stammtafeln. Berlin, R. v. Decker, 1868 (recte 1872). 8 nn., 87 num. Bl., 84 S. 74,5 x 54 cm. Original-Ganzlederband mit Rückenvergoldung, goldgeprägtem Deckeltitel, goldgeprägtem Wappensupralibros, Eckvignetten und Ganzgoldschnitt (etwas beschabt.) [*]
After-Sale Price 1000 €
Lipperheide Sbb 42. – Monumentale Prachtausgabe anlässlich der Krönung Wilhelms zum König von Preußen in der Schlosskirche zu Königsberg. Mit Porträts der preußischen Monarchen, die Tafeln zeigen die Krönungszeremonien und Festlichkeiten in Königsberg sowie den Einzug und das Ballfest in Berlin. Obwohl der Titel mit 1868 datiert ist, ist Stillfrieds Vorwort mit “18. Januar 1872” bezeichnet. – Vorsätze erneuert, Innengelenke teilweise sauber restauriert, im vorderen Teil stellenweise stärker stockfleckig, Stammtafeln mit Randläsuren, zwei mit altem Klebeband fixiert.

Lot 350 Fürstenschule – Hirschfeld, Christian Cay Lorenz
Gedanken über die moralische Bildung eines Prinzen. Frankfurt und Leipzig, 1768. 56 S. 18 x 10,5 cm. Gefaltete lose Lagen.
Result 500 €
Seltene erste Ausgabe, anonym erschienen. – Holzmann/Bohatta 4967 – nicht bei Goedeke. – Über KVK nur in der UB Salzburg nachweisbar. – Unbeschnitten und unaufgeschnitten. – Leicht gebräunt.

Lot 351 Gutzkow, Karl
Fritz Ellrodt. Roman. 3 Bände. Jena, Costenoble, 1872. 18,5 x 11,5 cm. Leinwandbände der Zeit mit goldgeprägtem Rückentitel, Rückenvergoldung und blindgeprägten Deckeln. [*]
Result 200 €
Erste Ausgabe des seltenen Spätwerkes, des zu dieser Zeit schon kranken Verfassers. – “Obgleich einer der bestbezahlten Schriftsteller der Zeit, war G., der immer Wert auf ‘standesgemäßes Auftreten’ legte, in ständiger Geldnot. In seinen letzten Lebensjahren vereinsamte er zunehmend – mehr als einmal unternahm er einen Selbstmordversuch” (Killy IV, 438). – Nur teilweise leicht gebräunt. Gutes Exemplar.

Lot 352 Harring, Harro
Der Wildschütze. Ein Trauerspiel in vier Aufzügen. Luzern, bey Xaver Meyer, 1825. 124 S., 1 Bl. 16,5 x 10 cm. Halblederband der Zeit mit Rückenschild und Rückenvergoldung (leicht berieben, kleiner Papieraufkleber auf dem Rücken). [*]
After-Sale Price 240 €
Seltene erste Ausgabe. – Thode 1825, 4 – Goedeke X, 378, 14. – Vorzugsausgabe auf Velin, die so nicht in den Handel kam. – Nummerierung in Bleistift auf dem Innendeckel: “VIII 2435” (diese Nummerierung zusammen mit dem Siegel auf dem Rücken weisen das Exemplar als aus der Bibliothek des bayerischen Königshauses stammend aus). – Teilweise leicht gebräunt. Sehr gutes Exemplar, dekorativ gebunden.

Lot 353 Hesekiel, Ludovica
Barackenleben. Skizzen aus dem Berliner Militair-Lazareth 1870-1871. Berlin, Janke, 1872. 3 Bl., 232 S. 17 x 11,5 cm. Halbleinenband der Zeit mit goldgeprägtem Rückentitel (etwas berieben und bestoßen, vorderes Gelenk kurz eingerissen).
Result 300 €
Pataky I, 346. – Patriotischer Roman vom Dienst “unter dem rothen Kreuz” junger Damen im Deutsch-Französischen Krieg. – Die Autorin Ludovica Hesekiel (1847-1889), Tochter und Assistentin des Journalisten George Hesekiel, deren Taufpaten Ludwig Tieck und Emanuel Geibel waren, stand u.a. in regem Briefwechsel mit Theodor Fontane. – Papierbedingt gebräunt.

Lot 354 Inajatallah Kanbu
Bahar-Danusch oder der Garten der Erkenntnis. Ein persischer Roman des Jeajut-Ullah (das ist: Inajatallah Kanbu). Aus dem Englischen übersetzt und mit Anmerkungen erläutert von Anton Theodor Hartmann. Erster Band (alles Erschienene). Leipzig, Wolf u. Comp., 1802. Titel, VIII, 348 S. 14 x 9,5 cm. Lederband der Zeit mit goldgeprägtem Rückenschild (leicht berieben).
Result 200 €
(Romantische Dichtungen, 3. Teil). – Wohl erste deutsche Ausgabe. – Über KVK nur in der Stabi Berlin nachweisbar. – Ohne den Reihentitel. – Vorsätze leimschattig, sonst gut.

Lot 355 Klopstock, Friedrich Gottlieb
Der Messias. Mit Allergnädigster Kaiserlicher Freyheit. In 2 Bänden. Altona, Johann David Adam Eckhardt, 1780. 3 Bl., 351 S.; 1 Bl., S. (353)-673, 1 Bl. (“An den Erlöser”), 7 S. (“Zum Nachschlagen”), 4 Bl. (“Subscribenten”). 18 x 11,5 cm. Weinrote Ganzmaroquinbände mit schwarzem Rückenschild, floraler Rückenvergoldung, goldgeprägten Deckelfileten mit Eckfleurons und an den Ecken gepunztem Ganzgoldschnitt (Deckel leicht gewellt). [*]
Result 600 €
Ausgabe letzter Hand, anonym erschienen. – Goedeke IV/1, 166, 6. – Frisches Exemplar der Ausgabe in Oktav, es erschien auch eine Variante in Quart, dazu eine Oktavausgabe in Klopstocks “reformierter Orthographie”. – Nach der Gelehrtenrepublik war Der Messias das zweite Werk, das Klopstock auf dem Weg der Subskription vertrieb. Auf bestem Papier wurde es mit einer eigens in Berlin bestellten neuen Schrift gedruckt. – Radiertes Exlibris “Freiherr Maximilian von Goldschmidt-Rothschild.” – Vorsätze leicht gebräunt. – Gutes Exemplar, sehr dekorativ gebunden.

Lot 356 Le Brun, Charles
Abbild oder Vorstellung der Gemüths Regungen nach Abzeichnung des vortrefflichen Monsr. le Brun. Mit gestochenem Titel und 21 Kupferstichtafeln (mit 56 Abbildungen). Augsburg, Hertel, um 1750. 22 lose Bl. Ca. 11,5 bzw. 16,5 x 28 cm.
Result 300 €
Vgl. J. Montagu, The Expression of the Passions, New Haven und London 1994, S. 176. – Deutsche Ausgabe der berühmten, bis ins 19. Jahrhundert vielfach nachgedruckten Tafelsammlung, die als Vorlage zur Darstellung von Gemütsregungen unter Künstlern und Physiognomen (z.B. Hogarth und Lavater) weiteste Verbreitung fand. – Le Bruns posthum erschienenes Werk umfasste in der ersten, 1696 in Paris bei Langlois veröffentlichten Auflage Abbildungen von 57 Köpfen ohne Text, die ab 1698 erschienene Ausgabe Picarts enthielt den vollständigen Text und 43 Abbildungen und die ab 1727 von Audran publizierte Folge erschien mit gekürztem Text und 19 Köpfen. Die hier vorliegende, um 1750 entstandene Tafelfolge zeigt 56 durchnummerierte, von Gottfied Stein gestochene Köpfe mit deutschen Bildbezeichnungen. – Plattenmaße: Ca. 11 x 15,5 cm bis 13 x 18,5 cm. – Teils leicht gebräunt und fleckig.

Lot 357 Lesage, Alain René
Les aventures de Monsieur Robert Chevalier, dit de Beauchêne, capitaine de Flibustiers dans la Nouvelle-France. Rédigées par M. Le Sage. 2 Bände in 1 Band. Mit 6 Kupfertafeln. Maastricht, Dufour & Roux, 1780. XII, 244 S., VIII, 228 S. 20 x 11,5 cm. Halblederband der Zeit mit 2 farbigen Rückenschildern und Rückenvergoldung (Ecken und Kanten etwas bestoßen, Kapital mit schmaler Fehlstelle).
After-Sale Price 200 €
Spätere Ausgabe der von Lesage bearbeiteten und herausgegebenen Autobiographie des kanadischen Abenteurers Beauchene (1686-1731), die Erstausgabe erschien 1732. – Unbeschnitten. – Titel und eine Seite gestempelt, zwei Blatt der Vorrede von Band 1 ans Ende von Band 1 verbunden, teils im Falz etwas gebräunt.

Lot 358 Lessing, Gotthold Ephraim
Sophokles. Erstes Buch. Von dem Leben des Dichters. Berlin, Voß, 1760. (Zweiter Titel:) Gotthold Ephraim Lessings Leben des Sophokles. Herausgegeben von Johann Joachim Eschenburg. Berlin, Voß und Sohn, 1790. Titel, VIII S., S. (3)-172. 17 x 10,5 cm. Halblederband im Stil der Zeit (signiert: “G. v. Hahn”) mit goldgeprägtem Rückenschild und reicher Rückenvergoldung. [*]
Result 260 €
Erste Ausgabe. – Muncker S.393 und 498 – Goedeke IV/I, 386, 88 – Borst 632. – Auf festem Schreibpapier. – Der Titel von 1760 ist an den Anfang gebunden. – Die Seiten 1-112 wurden bereits 1760 gedruckt, das Buch wurde aber nicht ausgeliefert, sondern erst mit Eschenburgs Vorwort aus dem Nachlass veröffentlicht. – Titel von 1790 leicht gebräunt, vereinzelt leicht fleckig. Gutes Exemplar, dekorativ gebunden.

Lot 359 Liber amicorum
Stammbuch des Friedrich August Ferdinand Gerlach, Schüler der Lateinschule der Franckeschen Stiftungen zu Halle. Mit 1 Sepia-Zeichnung, 1 aquarellierten Rose, 2 Blättern mit montierten Haarlocken und 1 Beitrag mit gestanzten Blumen und einem kleinen Haarkranz. Halle, 1830-1840. 9,5 x 16 cm. 94 lose Blätter mit vierseitigem Goldschnitt in marmorierter Faltschachtel der Zeit (Schachtel etwas berieben). [*]
Result 1200 €
Mit 93 handschriftlichen Eintragungen von Freunden, Mitschülern, Studenten und Rektoren der schulischen Einrichtungen aus der Zeit zwischen 1830-1840. Auch ein Beitrag des damaligen Direktors der Franckeschen Stiftungen Hermann Agathon Niemeyer. Das letzte Blatt mit einer alphabetischen Auflistung der Beiträger mit Wohnort. – Der 1816 in Niemberg/Halle geborene Friedrich August Ferdinand Gerlach wurde 1826 ins Waisenhaus Halle aufgenommen und besuchte ab 1829 die dortige Lateinschule.

Lot 360 Liber amicorum – Tiedemann, F. A
Stammbuch mit 4 Gouachen, 1 Aquarell und 2 Farblithographien sowie 23 handschriftlichen Einträgen. Stuttgart, um 1795-1807. 11 x 18,5 cm. Brauner Ganzlederband mit goldgeprägten Bordüren und Vignette mit Besitzerangabe F.A. Tiedemann. (Vorderdeckel fast lose, Ecken leicht bestoßen). [*]
Result 260 €
Unter den Widmungsschreibern: Johann Heinrich Tiedemann, Carl August Strauß, P. Helsterich, Jean Henri Tidemann, Moritz Rivoire, Louis Finckmann, Friedrich Christian Grimm, G. Mörike, Wilhelmina Ebner u.a. – Zahlreiche Blätter ohne Einträge. – Vereinzelt minimal gebräunt und fleckig, insgesamt gut.

Lot 361 Machiavelli, Niccolo
Regierungskunst eines Fürsten. Mit Herrn Amelots de la Houssaye historischen und politischen Anmerkungen, und dem Leben des Machiavels. – Anti-Machiavel, oder Versuch einer Critik über Nic. Machiavels Regierungskunst eines Fürsten. Nach des Herrn von Voltaire Ausgabe ins Deutsche übersetzt. – Historie des Anti-Machiavels. Nebst denen darüber gefällten Urtheilen. 3 Teile in 1 Band. Hannover und Leipzig, 1756. Titel, 204 S., Titel, S. (205)-397, 1 Bl., Titel, 136 S. 17 x 10,5 cm. Pappband (um 1800).
Result 200 €
Zweite Ausgabe des Zusammendrucks von Regierungskunst, Friedrichs II. “Anti-Machiavell” und einer “Historie des Anti-Machiavells”. – Bertelli/Innocenti XVIII, 73 – Fromm 28015. – Zwei Titel mit altem Besitzeintrag, etwas gebräunt, der letzte Teil im unteren weißen Rand mit Wasserfleck.

Lot 362 Marmontel, Jean Francois
Rettung des Theaters, oder Zergliederung des Briefes von Herrn Rousseau, Bürger zu Genf, an den Herrn von Alembert, über die Schauspiele, aus dem Französischen des Herrn Marmontel (von Gottfried Ferdinand Lindemann). Mit einem Titelkupfer (C.L. Crusius fec.) und einem gestochenen Titel. Leipzig, Crusius, 1766. Vortitel, 1 Bl., 125 (recte 152) S., 2 Bl. 18 x 10,5 cm. Marmorierter Lederband der Zeit mit rotem Rückenschild und reicher Rückenvergoldung. [*]
Result 300 €
Seltene erste und einzige deutsche Ausgabe. – Fromm IV, 16410 (ungenau; nennt Dresden als Druckort) – nicht bei Goedeke. – “Rousseaus ‘Lettre à d’Alembert sur les spectacles’ (1758) war eine Reaktion auf dessen Artikel über Genf in der ‘Encyclopédie’. Rousseau verteidigte in seinem Brief die Genfer Obrigkeit und deren Verbot einer Theatergründung in der Stadt, indem er ‘die Bühne als Verderbnis der Sitten’ (Safranski) anprangerte. Der Brief hatte Folgen. Zum einen bedeutete er den endgültigen Bruch Rousseaus mit den Enzyclopädisten, den ehemaligen Freunden; zum anderen verschärfte er die Diskussion um die Rolle des Theaters. Marmontels Antwort auf diesen Angriff erschien zuerst 1761 als Anhang zu seinen ‘Contes moraux’. ‘Das Theater hat zu allen Zeiten seine Feinde gehabt. Auch in Deutschland hat es Milzsüchtige und Heuchler gegeben, die die Bühne als eine Schule der Laster, als eine Verführerinn zu Wollust und Müßiggang verketzert haben. Doch der Beyfall und der Tadel dieser Leute gelten dem Theater gleich viel. Ihre Krankheit ist vorbei, und sie hören auf zu lästern. Allein wenn ein Rousseau mit Scharfsinn und Grundsätzen dasselbe angreift: nur dann muß ein Marmontel aufstehn, und die Ehre der Bühne retten.’ (Vorrede des Verlegers).” (Trauzettel Nr. 1180). – Ein Blatt mit 2 cm Einriss am Oberrand, etwas gebräunt. Sehr gutes Exemplar, dekorativ gebunden.

Lot 363 Mendelssohn, Moses
Die Psalmen. Uebersetzt von Moses Mendelssohn. Zweite, rechtmäßige und verbesserte Auflage. Mit 1 gestochenen Titel- und 1 gestochenen Schlussvignette (J. W. Meil inv. et sc.). Berlin, F. Maurer, 1788. XII, 358 S. 17,5 x 10,5 cm. Pappband der Zeit mit rotem Rückenschild (Ecken und Kanten bestoßen, Gelenke mit Bezugsfehlstellen).
Result 200 €
Zweiter, posthum erschienener Druck der Übersetzung. – Goedeke IV/1, 490, 14 – Dorn, Meil 405-406. – Papierbedingt etwas gebräunt, Block angebrochen, hinterer Vorsatz fehlt.

Lot 364 Meyer, Carl Wilhelm und Samuel Friedrich Wagner
Gedichte. Berlin, Himburg, 1787. 176 S. 17 x 10 cm. Neuere Halbleinwand.
Result 300 €
Seltene erste Ausgabe der Gedichtsammlung, die wir nur in zwei deutschen Bibliotheken (Stabi Berlin und USB Köln) nachweisen können. – Alter Stempel auf dem Titel, sonst gutes Exemplar.

Lot 365 Miniaturbücher
Koran in Miniaturausgabe. Anfang 20. Jahrhundert. Ca. 100 nn. Bl. 3,6 x 2,5 cm. Ornamental goldgeprägter roter Lederband mit Lederschließe und kleiner Lupe an einer Kordel sowie umlaufender Goldschnitt in Original-Pappkassette (Kassette berieben und am Gelenk leicht eingerissen).
Result 220 €
Text auf Arabisch. – Teils mit breiten ornamentalen Bordüren versehen. – Block angebrochen, sonst sehr gut erhalten.

Lot 366 Miniaturbücher
Le Petit Gastronome Almanach. Pour l’annee 1810. 64 durchgehend gestochene Seiten, dabei 8 blattgroße Abbildungen. Paris, Janet, 1809. 3 x 2 cm. Weinroter Ganzlederband der Zeit mit Goldprägung und Goldschnitt. [*]
Result 1300 €
Meunié, Bibliographie de quelques almanachs illustrés des XVIIIe et XIXe siécles 74. – Block fast lose, etwas fleckig und leicht gebrauchsspurig.

Lot 367 Montesquieu, Ch.-L. de Secondat
Der Tempel zu Gnidos. Übersetzt von Garlieb Merkel. Mit gestochenem Frontispiz und gestochener Titelvignette von Anton Karcher im Braundruck. Weimar, Hofmann, 1804. XIII S., 1 Bl., 83 S. 17,5 x 10,5 cm. Halblederband der Zeit (Ramboitage) mit neuem Rückenschild und Rückenvergoldung (etwas berieben). [*]
Result 200 €
Zweite Ausgabe dieser Übersetzung, die erste mit den Illustrationen. – Goedeke VI, 382, 8 – Hayn-Gotendorf VII, 605: “Mit pikantem Titelkpfr. u. Titelvign. in prächtigem Braundruck.” – Der erste Titel (ohne die Vignette) mit altem Namenseintrag und kleinem Stempel, der zweite (mit der Vignette) auf stärkerem Papier. – Teilweise etwas gebräunt. Gutes Exemplar, dekorativ gebunden.

Lot 368 Nobbe, Karl Friedrich August
Friedrich August der Vertrauensvolle, König von Sachsen. Eine biographische Skizze. Nebst einem poetischen Anhang. Leipzig, Brandstetter, 1854. IX, 86 S. 20 x 14 cm. Pappband der Zeit mit beigebundenem lithographischen Original-Umschlag (Pappband berieben und etwas bestoßen).
After-Sale Price 200 €
Erste Ausgabe der seltenen Schrift des Philologen und Schulmannes Karl Friedrich August Nobbe (1791-1878). – Über KVK in Deutschland nur in der BSB München und der Deutschen National-Bibliothek Leipzig nachweisbar. – Exlibris, Stempel auf Titel, im rechten Rand schwach wasserrandig.

Lot 369 Philosophie und Pädagogik – Basedow, Johann Bernhard
Practische Philosophie für alle Stände. 2 Teile in 2 Bänden. Kopenhagen und Leipzig, Ackermann, 1758. 8 Bl., 576 S., S. (577)-1034, 30 Bl. 18 x 10,5 cm. Halblederbände der Zeit mit Rückenvergoldung (etwas berieben). [*]
After-Sale Price 240 €
Seltene erste Ausgabe. – Vgl. Brüggemann/Ewers 1269, 47 und Eisler 47 (beide nur die 2. Auflage von 1777). – Das erste bedeutende Werk von Basedow, “in dem er seine damaligen Ansichten über Religion, Philosophie und allgemeine Bildung niederlegte. Dieses Werk enthält schon den Kern seiner späteren Entwürfe zur Verbesserung des Schulunterrichts und wurde von vielen Seiten, namentlich von dem damals hochgeachteten und einflußreichen Gellert, mit Beifall aufgenommen” (ADB). – “Basedow war mit seinem Erziehungsprogramm und seinen schulpraktischen Forderungen, die er seit seiner ‘Praktischen Philosophie’ und seiner ‘Philalethie’ – auf beides verwies er häufig zurück – in immer neuen Entwürfen einer europäischen Öffentlichkeit vortrug, nicht nur Wortführer, sondern Anführer und Vorkämpfer der deutschen Aufklärungspädagogik” (LdKJL I 110). – Beide Innendeckel mit altem Namensschild (“J.G. Lipsius”), etwas gebräunt.

Lot 370 Philosophie und Pädagogik – Buchholz, Friedrich
Darstellung eines neuen Gravitazionsgesetzes für die moralische Welt. Berlin, Unger, 1802. Titel, VI, 359 S. 17 x 10 cm. Halblederband der Zeit mit rotem Rückenschild (berieben und etwas bestoßen, vorderes Gelenk geplatzt, Kapital mit Fehlstelle).
After-Sale Price 200 €
Erste Ausgabe der frühen Veröffentlichung, anonym erschienen. – Goedeke VI, 385, 13, 4 – Hayn-Gotendorf II, 14 und VII, 542. – In seinem Versuch einer Darstellung der menschlichen Gesellschaft kommt Buchholz zu dem Schluss, dass nur das Studium der Geschichte und der Gesellschaft lohnend ist: “Fort also mit aller Metaphysik! Sie ist, wie Bakon sehr richtig bemerkt, ein ewig unfruchtbares Ungeheuer, das nur in die Irre führen kann.” (S. 359). – Nur teilweise leicht gebräunt, wenige alte Korrekturen, dezente Randanstreichung mit Bleistift.

Lot 371 Philosophie und Pädagogik – Fröbel, Friedrich Wilhelm August
Die Menschenerziehung, die Erziehungs-, Unterrichts- und Lehrkunst, angestrebt in der allgemeinen deutschen Erziehungsanstalt zu Keilhau; dargestellt von dem Stifter, Begründer und Vorsteher derselben. Erster Band (alles Erschienene). Keilhau, Verlag der allgemeinen deutschen Erziehungsanstalt und Leipzig, A. Wienbrack, 1826. 2 Bl., 497 S., 2 Bl. 22 x13 cm. Illustrierter Original-Umschlag (leicht fleckig und mit kleinen Randeinrissen, hinterer Deckel mit braunem Fleck). [*]
After-Sale Price 600 €
Erste Ausgabe dieses bedeutenden Dokuments der deutschen pädagogischen Reformbewegung. – MNE I, 241 – Borst 1487 – Doderer I, 419. – “In einer eigenen Schule, 1816 in Giesheim bei Arnstadt gegründet, ein Jahr später nach Keilhau verlegt, versuchte Fröbel, Unterricht und Erziehung auf schöpferische Tätigkeit, Spiel und Arbeit zu gründen und dem Bruch zwischen Denken und Tun zu begegnen. Das Aufweisen der Gleichgesetzlichkeit in allen Lebenserscheinungen war das methodische Prinzip seines Unterrichts; ‘nachgehende Erziehung’ sollte dem Individuum den Raum lassen, sich frei entscheidend in die Forderung des göttlichen Gesetzes zu fügen” (NDB V, 644). – “Der Verfasser entwirft in dieser Abhandlung seine Vorstellungen von einem idealen Menschenbild und den zu dessen Verwirklichung erforderlichen praktisch pädagogischen Grundsätzen. In den anthropologischen Passagen … ist Fröbel von Kant, Hegel und besonders Schelling beeinflußt. Seine pädagogischen Gedanken zeichnen sich durch Originalität, Gefühlstiefe und Kühnheit aus … Fröbels pädagogische Anregungen, zumal seine Darstellung der kindlichen Phase, haben ihre Bedeutung bis in die Gegenwart nicht verloren” (KLL IV, 2460). – Umschlaginnenseiten jeweils mit kleinem montierten Zettel mit Erläuterungen zu den Illustrationen (Die Lilie im Garten und Jesus im Tempel). – Unbeschnitten und teilweise unaufgeschnitten. – Teilweise etwas stockfleckig, Titel stärker betroffen, die Seiten 3-49 teilweise mit Unterstreichungen in Rot. Gutes Exemplar.

Lot 372 Philosophie und Pädagogik – Heinicke, Samuel
Wörterbuch zur Kritik der reinen Vernunft und zu den philosophischen Schriften von Herrn Kant. Preßburg, Mahler, 1788. XXIII, 135 S. 19,5 x 12 cm. Broschur der Zeit (gebräunt, Name auf Deckel, Kapitale mit kleinen Fehlstellen). [*]
Result 260 €
Erste Ausgabe, anonym erschienen. – Holzmann/Bohatta IV, 12753 – Zischka 43 – vgl. Kosch VII, 711 (ohne diesen Titel). – Systematisches Wörterbuch, wofür das im gleichen Jahr erschienene “Wörterbuch zum leichtern Gebrauch der Kantischen Schriften” von Christian Erhard Schmid als Grundlage benutzt wurde. – Unbeschnitten. – Etwas gebräunt.

Lot 373 Philosophie und Pädagogik – Hume, David
Über die menschliche Natur. Aus dem Englischen nebst kritischen Versuchen zur Beurtheilung dieses Werks von Ludwig Heinrich Jakob. 1. Band (von 3): Ueber den menschlichen Verstand. Halle, Hemmerde & Schwetschke, 1790. 4 Bl., 843 S. 20,5 x 12,5 cm. Halbleder der Zeit mit geprägtem Rückentitel und -vergoldung (etwas berieben, Ecken bestoßen). [*]
After-Sale Price 400 €
Erste deutsche Ausgabe. – Ohne Band 2 (Ueber die Leidenschaften) und Band 3 (Ueber die Moral). – Seiten 529-843: “Kritische Versuche” von L. H. Jakob mit Zwischentitel. – Vorsätze mit Leimflecken, wenig gebräunt, stellenweise mit kleinem Wasserrand in unterer Ecke. – Selten.

Lot 374 Philosophie und Pädagogik – Schlosser, Johann Georg
Katechismus der Sittenlehre für das Landvolk. (Zweiter Band:) Katechismus der Christlichen Religion für das Landvolk, als der zweyte Theil des Katechismus der Sittenlehre für das Landvolk. Zwei Bände. Leipzig und Dresden (Band zwei: Altona und Hamburg), ohne Verlag, 1772-1776. 142 S.; 110 S. 16,5 x 10 cm und 17,5 x 10,7 cm. Einfache Kartonagen der Zeit (etwas lichtrandig). [*]
Result 300 €
Band 1 im Jahr nach der Erstausgabe (1771); Band 2 im Jahr der Erstausgabe, beide anonym erschienen. – Vgl. Goedeke IV/1, 515, 3a und 516, 6. – Der Literat und Jurist Johann Georg Schlosser (1739-1799) studierte Jura in Jena und Altdorf, wo er 1762 promovierte. Er war als Advokat in Frankfurt tätig und heiratete 1773 Goethes Schwester Cornelia. “Der Literat, der Umgang bzw. Korrespondenz mit Autoren wie Forster, Goethe, Isaak Iselin, den Brüdern Jacobi, Lavater, Lenz, Merck, Pfeffel, Salzmann u. Friedrich Leopold Graf zu Stolberg pflegte, … vertrat ein anti-orthodoxes, anti-klerikales, individualistisches Christentum .” (Killy X,293f). – Seine beiden “Katechismen” sind als Muster des dörflichen Schulunterrichts gedacht. Sie wenden sich also nicht an das Landvolk selbst, sondern an dessen Kinder. Die Konzeption ist, wie die einleitende Abhandlung zum ersten Band zeigt, von Rousseauscher Zivilisationskritik geprägt. – Alte Namenseinträge auf den Titeln, etwas gebräunt.

Lot 375 Philosophie und Pädagogik – Sextro, Heinrich Philipp
Ueber Bildung der Jugend zur Industrie. Prag, in der k.k. Normalschulbuchdruckerey, 1785. 4 Bl., 104 S. – Angebunden: Wilke, George Wilhelm Konstantin von (?). Sammlung der wichtigsten Regeln in der Baumgärtnerey. Ebda., 1785. 4 Bl., 99 S. 21 x 12,5 cm. Ganzlederband der Zeit mit 2 farbigen Rückenschildern, Rückenvergoldung, 2 goldgeprägten roten Deckelschildern und goldgeprägtem Wappensupralibros (Ecken und Kanten etwas bestoßen). [*]
After-Sale Price 400 €
Die Deckelschilder mit der Aufschrift: “Dem verdienten Schulmanne H. Johan Fiedler, Kaplane in Jungbuch” und “Das K.K. Normalschulinstitut in Böhmen 1792”. – Das frühe Werk zur Industriepädagogik des Lutheraners Sextro (1746-1838) ist wohl ein Nachdruck der Erstausgabe bei Dieterich in Göttingen im gleichen Jahr. – Das Buch von Wilke über Baumgärtnerei erschien erstmals 1783 in Leipzig bei Hilscher (vgl. Dochnahl, Bibliotheca Hortensis 173). – Der erste Titel mit Nummerierung, teilweise leicht gebräunt.

Lot 376 Philosophie und Pädagogik – Wolff, Christian
Philosophia prima, sive ontologia, methodo scientifica pertractata, qua omnis cognitionis humanae principia continentur. Mit 2 gefalteten Kupfertafeln. Frankfurt und Leipzig, Renger, 1730. 8 Bl., 696 S., 8 Bl. 23 x 17 cm. Pergamentband der Zeit mit altem handschriftlichen Rückentitel (Rücken teilweise mit Papier überzogen, Kanten teils etwas bestoßen). [*]
After-Sale Price 200 €
Frühe lateinische Ausgabe von einem der Hauptwerke Wolffs. – Vgl. Ziegenfuss II, 903. – In seiner Ontologie “zergliedert er Begriffe, die bisher unbesehen übernommen wurden und bestimmt ihren Inhalt und ihr gegenseitiges Verhältnis sowie den Sinn und Umfang, in dem sie sich anwenden lassen. Wolff hat dadurch auf die Bildung des wissenschaftlichen Sprachgebrauchs einen nachhaltigen Einfluss ausgeübt” (E. Zeller). – Beigegeben: Derselbe. Theologia naturalis, methodo scientifica pertractata. Pars posterior. … Frankfurt und Leipzig, Renger, 1737. 10 Bl., 736 S., 10 Bl. 22,5 x 17 cm. Pergamentband der Zeit mit altem handschriftlichen Rückentitel (Rücken teilweise alt mit Papier überzogen). – Erste Ausgabe des zweiten Teils. – Ziegenfuß II, 907. – Band 1 war bereits 1736 erschienen.

Lot 377 Philosophie und Pädagogik – Wolff, Christian
Philosophia rationalis sive logica, methodo scientifica pertractata et ad usum scientiarum atque vitae aptata. Mit 1 Kupfertafel. Frankfurt und Leipzig, Renger, 1728. 8 Bl., 866 S., 9 Bl. 23 x 17 cm. Pergamentband der Zeit mit altem handschriftlichen Rückentitel (Rücken teilweise mit altem Papier überzogen). [*]
Result 650 €
Erste Ausgabe von einem seiner Hauptwerke. – Ziegenfuss II, 907. – Sehr gutes Exemplar. – Beigabe: Derselbe. Horae subsecivae Marburgenses anni 1730, quibus philosophia ad publicam privatamque utilitatem aptatur. 3 Teile in 1 Band. Frankfurt und Leipzig, Renger, 1731. 8 Bl., 560 S. 18,5 x 10,5 cm. Pergamentband der Zeit mit altem handschriftlichen Rückentitel (etwas fleckig). – Erste Ausgabe. – Gutes Exemplar.

Lot 378 Robinsonaden
Der reisesüchtige Robinson, ein warnendes Beispiel für junge Leute, welche ohne gehörige Kenntnisse und hinreichende Erfahrung ihrer Neigung, die Welt zu sehen, folgen. Mit 8 kolorierten Kupfertafeln. Frankfurt an der Oder, Trowitsch und Sohn, um 1830. 180 S. 17,5 x 10 cm. Pappband der Zeit (Rücken später überklebt, Ecken bestoßen, Kapitale mit kleinen Fehlstellen). [*]
Result 220 €
Wohl einzige Ausgabe. – Wegehaupt I, 1770 – Ullrich 92, 62. – Bemerkenswert hübsch illustrierte, anonym publizierte Robinsonade. – Die Tafeln zeigen u.a. “Robinsons Abreise von Bremen”, “Robinson fängt ein lebendiges Lama”, “Freitag’s Flucht von dem Europäischen Schiffe” und “Robinson kehrt zu seinem Vater zurück”. – Druck auf überwiegend grünlichem Papier. – Block etwas verzogen. Durchgehend leicht gebräunt und etwas stockfleckig.

Lot 379 Robinsonaden – William, William und John Eagles (Hg.)
Der neue Robinson oder Tagebuch Llewellin Penroses, eines Matrosen. Aus dem Englischen. 2 Bände. Mit 1 gestochenen Tafel. Jena, August Schmid, 1817. 381; 310 S. 18 x 11 cm. Pappbände der Zeit (Rücken mit Kleisterpapier überklebt, Kapitale mit kleinen Fehlstellen, Ecken bestoßen). [*]
After-Sale Price 300 €
Erste Ausgabe der deutschen Bearbeitung des 1815 in London erschienenen “Journal of Llewellin Penrose”. – Ullrich 191, 115b. – Der amerikanisch-britische Schriftsteller William Williams (1727-1791) vererbte seinen Besitz samt dem Manuskript dem englischen Gelehrten Thomas Eagles, dessen Sohn John Eagles (1783-1855) bereitetete das Werk schließlich für den Druck vor und gab zwei Ausgaben heraus. Die letzte Seite des zweiten Bandes enthält einen “Nachtrag des deutschen Herausgebers”, der allerdings anonym bleibt. Kurz nach dem Erscheinen wurden “… in gelehrten Zeitschriften Untersuchungen über die Aechtheit derselben angestellt, welche der Englische Herausgeber, Herr John Eagles, in einer Einleitung nicht klar beweist”. – Leicht gebräunt, vereinzelt leicht stockfleckig, Vorsätze mit Stempeln bzw. alten Besitzeinträgen.

Lot 380 Rousseau, Jean-Jacques
Julie oder die neue Heloise. Briefe zweyer Liebenden aus einer kleinen Stadt am Fuße der Alpen. Übersetzt von J(ohann) P(hilipp) Le Pique. 6 Teile in 4 Bänden. Mit 2 Kupfertafeln. Frankfurt, Hermann, 1801-1802. 13 x 9 cm. Rote Pappbände der Zeit mit grünem Rückenschild und etwas Rückenvergoldung (etwas berieben, Schilder mit kleinen Randfehlstellen). [*]
Result 800 €
Erste Ausgabe dieser Übersetzung. – Goedeke VII, 664, 7a – Fromm 22765. – Über KVK nur ein Exemplar im Besitz des Deutschen Alpenvereins (!) in München, das Berliner Exemplar als “Kriegsverlust” bezeichnet. – Vorsätze mit Sammlerstempel.

Lot 381 Saavedra Fajardo, Diego de
Die Gelehrte Republic. … Nebst Don Gregorii Mayans Lobrede auf die wohlgeschriebenen Werke des Saavedra, und des Herrn le C.**** gelehrten Republic, davon die beyden ersten Schriften aus dem Spanischen, die letzte aber aus dem Französischen übersetzet worden. Mit einer Vorrede und einigen Anmerkungen Herrn Joh. Erhard Kappens. Leipzig, Gleditsch, 1748. 112, CXII, 280 S. 18 x 10 cm. Pergamentband der Zeit mit handschriftlichem Rückentitel (etwas fleckig). [*]
After-Sale Price 200 €
Erste deutsche Ausgabe. – Diego Fajardo de Saavedras (1584-1648) Werk “Republica literaria” erschien posthum erstmals 1655. – Vorderes Innengelenk gebrochen, etwas gebräunt, Stempel auf Titel.

Lot 382 Sa de Menezes, Franciso de
Malaca conquistada. Pelo Grande Alfonso de Albuquerque, poema heroica. Com os argumentos de Bernarda Ferreira. Terceira impressao. Lisboa, Bulhoens, 1779. 4 Bl., 461 S. 20,5 x 14,5 cm. Lederband der Zeit mit Rückenschild (Rücken und Kanten berieben). [*]
After-Sale Price 600 €
3. Ausgabe dieses Klassikers der portugieschen Literatur. – Beschreibt in Gedichtform die portugiesische Eroberung Malaccas im Jahre 1511 durch Alfonso de Albuquerque. – Vorsätze gebräunt und fleckig, innen gut.

Lot 383 Schmidt, Christian Gottlieb
Briefe über Herrnhut, und andere Orte der Oberlausitz. Mit gestochener Titelvignette. Winterthur, Steiner, 1787. 8 Bl., 184 S. 18 x 11 cm. Kartonage der Zeit (etwas fleckig). [*]
After-Sale Price 200 €
Erste Ausgabe, anonym erschienen. – Unbeschnitten. – Schnitt gebräunt, einige Bleistiftanstreichungen, meist im Rand.

Lot 384 Schopenhauer, Johanna
Ausflucht an den Rhein und dessen nächste Umgebungen im Sommer des ersten friedlichen Jahres. Leipzig, Brockhaus, 1818. 2 Bl., 296 S. 16 x 11 cm. Grüner Halbmaroquinband der Zeit mit 2 roten Rückenschildern und Rückenvergoldung (leicht berieben). [*]
Result 200 €
Erste Ausgabe. – Goedeke X, 24, 5. – Der letzte der Reiseberichte der Johanna Schopenhauer (1766-1838), der Mutter des Philosophen. – Die vorliegend beschriebene Reise unternahm sie im Sommer 1816. Reiseziel war die Gegend zwischen Heidelberg und Koblenz. Ein Jahr nach dem Erscheinen des Buches zwang der durch den Bankrott ihrer Bank ausgelöste Vermögensverlust sie, ihr Leben und das ihrer Tochter Adele durch ihre Schriftstellerei zu sichern. Das gelang, gefördert auch durch wohlwollende Rezensionen Goethes. – Ohne die oft fehlenden zwei Blatt am Schluss mit dem Druckfehlerverzeichnis auf der letzten Seite. – Nur teilweise leicht gebräunt, Titel gelockert. Gutes Exemplar, dekorativ gebunden.

Lot 385 Theologie – Bertheau, Charles
Heilige Cantzel-Reden, darinnen der Schatz der Erkänntiß reichlichst mitgetheilet …, welche anfänglich bey grossen Versammlungen öffentlich in Französischer Sprache also abgehandelt, … jetzo aber um ihrer Vortrefflichkeiten willen, aufs accurateste ins Hochdeutsche übersetzet worden, durch einen freymüthigen Hochachter und Redlichen verehrer des göttlichen Worts, nebst einem Register. Mit einer Vorrede Herrn Johann Georg Walchs. Darinnen von dem verderbten und gesunden Geschmack in Ansehung der Predigten gehandel wird, heraus gegeben. 2 Teile in 1 Band. Mit gestochenem Frontispiz. Erfurt, Jungnicol, 1745. 29 Bl., 666 S., 11 Bl., 836 S. 17,5 x 10,5 cm. Halbpergamentband der Zeit mit Rückenschild (angestaubt, Kanten etwas bestoßen). [*]
After-Sale Price 300 €
Seltene erste deutsche Ausgabe der Predigtsammlung, erschien im gleichen Jahr auch in Rostock bei Eckart. – Die vorliegende Ausgabe über KVK nur in der UB Kassel, die Rostocker Ausgabe nur in der UB Rostock nachweisbar. – Teil 2 mit dem Titel: Predigten ueber verschiedene Schrift-Stellen des Goettlichen Worts. – Der in Montpellier geborene französische Pastor Charles Bertheau (1660-1732) wurde teilweise in Frankreich und teilweise in Holland ausgebildet. Er wurde 1681 auf der Synode in Vigan in das Ministerium aufgenommen und kurz darauf einer der Pastoren der damals wichtigen Kirche von Charenton in Paris. Die Aufhebung des Edikts von Nantes vertrieb ihn aus Frankreich und er kam 1685 nach England. Im folgenden Jahr wurde er zu einem der Pastoren der französischen Kirche in der Threadneedle Street in London gewählt, ein Amt, das er vierzig Jahre lang innehatte. – Vorsätze fehlen, teilweise etwas gebräunt.

Lot 386 Theologie – Fourier, Pierre
Andächtige Ubung, betreffend die vornemste Verrichtungen des Lebens und Todts einer Ordens-Persohn, zum Gebrauch der Regulir. Chor-Frauen O. S. Aug. der Löbl. Congregation Uns. Lieb. Frauen. In Frantzösischer Sprach verfasset: Von B. Petro Forerio Regul. Chor-Herrn S. Aug. und Stüfftern obbemelter Congregation. Nun zu Nutz und Gebrauch auch anderer Closter-Frauen in das Teutsche übersetzet von einem ebenfahls Regul. Chor-Herrn S. Aug. des Archi-Diaconal-Stüffts Gars. Regensburg, Lang, 1735. 6 Bl., 333 S., 4 Bl. 17 x 10 cm. Ganzlederband der Zeit mit goldgeprägtem Rückentitel und reicher Rückenvergoldung (etwas berieben, eine Ecke etwas bestoßen). [*]
Result 200 €
Erste deutsche Ausgabe der Ordensregeln für die Augustinerinnen. – Vorderer Vorsatz fehlt, die ersten und letzten Blatt etwas stockfleckig. Gutes Exemplar.

Lot 387 Theologie – Silbert, Johann Peter
Sechzig Abbildungen und Lebensbeschreibungen der Heiligen. Und: Zwanzig Abbildungen und Lebensbeschreibungen der Heiligen. Nach Zeichnungen des Professors Rieder, gestochen von Joseph und Franz Stöber; Text von J. P. Silbert. 2 Teile in 1 Band. Mit zus. 80 kolorierten gestochenen Tafeln. Wien, H. F. Müller, ca. 1840. 2 Bl. (Titel und Register, 60 Bl. (Text), 2 Bl. (Titel und Register), 20 Bl. (Text). 21,5 x 13 cm. Pappband im Stil der Zeit mit 2 farbigen Rückenschildern und Rückenvergoldung. [*]
Result 300 €
Erste Ausgabe, für uns bibliographisch nicht nachweisbar. Kein Nachweis über KVK. – Wohl als Weiterführung der 1827 erschienenen “Sammlung wahrhafter Abbildungen der Heiligen Gottes. Nebst deren Lebensbeschreibungen” gedacht, zu denen Ludwig Ferdinand Schnorr von Carolsfeld die Illustrationen und Johann Peter Silbert die Texte geliefert hatte. – Unbeschnitten. – Nur teilweise leicht gebräunt. Sehr gutes Exemplar.

Lot 388 Thomasius, Christian
Einleitung zu der Vernunfft-Lehre, worinnen durch eine leichte, und allen vernünfftigen Menschen, waserley Standes oder Geschlechts sie seyn, verständliche Manier der Weg gezeiget wird, ohne die Syllogistica das wahre, wahrscheinliche und falsche von einander zu entscheiden, und neue Warheiten zu erfinden. Nebst einer Vorrede in welcher der Autor sein Vorhaben deutlicher erkläret, und die Ursachen anzeiget, warum er dem Autori Speciminis Logicae Claubergianae nicht antworten werde. Halle, Salfeld, 1691. 8 Bl., 310 S., 1 Bl. – Angebunden: Derselbe. Außübung der Vernunfft-Lehre, Oder: Kurtze, deutliche und wohlgegründete Handgriffe, wie man in seinen Kopffe aufräumen und sich zu Erforschung der Wahrheit geschickt machen; die erkandte Warheit andern beybringen; andere verstehen und auslegen; von anderer ihren Meinungen urtheilen, und die Irrthümer geschicklich widerlegen solle. Worinnen allenthalben viel allgemeine heut zu Tage in Schwang gehende Irrthümer angezeiget, und deutlich beantwortet werden. Nebst einer Vorrede in welcher der Autor die Ursachen anzeiget, worumb er auch auff des Realis de Vienna seine Discursus und Dubia über die Introductionem ad Philosophiam Aulicam nicht antworten werde. Ebda., 1691. 12 Bl., 295 S. (verbunden in dieser Reihenfolge: 9 Bl., S. 283-292, 2 Bl., S. 293-295, 1 Bl., S. 1-288). – Angebunden: Derselbe. Von der Kunst vernünfftig und tugendhafft zu lieben. Als dem eintzigen Mittel zu einen glückseeligen, galanten und vergnügten Leben zu gelangen, oder Einleitung zur Sitten-Lehre. Nebst einer Vorrede, in welcher unter andern der Verfertiger der curiösen Monatlichen Unterredungen freundlich erinnert und gebeten wird, von Sachen die er nicht verstehet, nicht zu urtheilen, und den Autorem dermahleins in Ruhe zu lassen. Ebda., 1692. 16 Bl., 369 (recte 365) S. 16,5 x 9 cm. Pergamentband der Zeit (etwas altersfleckig, Rücken mit Papieretikette). [*]
Result 480 €
Sammelband mit drei Erstausgaben des “Vaters der deutschen Aufklärung”. – Lieberwirth 52, 55, 61 (bei I und III mit abweichender Kollation) – VD17 23:653189A, 39:135319G und 32:684165W – Hayn-Gotendorf II, 642 (für III) – Ziegenfuss II, 714: “Thomasius wirkte bahnbrechend durch seine Abfassung von philosophischen Schriften in deutscher Sprache … Kennzeichnend für Thomasius ist der frühzeitige Entschluß, den eigenen Verstand zum Maßstab seiner Urteile zu machen, anstelle einer Hinnahme überlieferter Vorurteile”. – Christian Thomasius (1655-1728) war Wegbereiter moderner Rechtskultur und Juristenausbildung, ein “hervorragender Förderer der deutschen Cultur” (ADB XXXVIII, 93). – Wenige Blatt in den Ecken leicht wurmspurig, nur teilweise minimal gebräunt. Sehr gutes Exemplar.

Lot 389 Trivialliteratur der Goethezeit – Gleich, Joseph Alois
Die blutende Gestalt mit Dolch und Lampe oder die Beschwörung im Schlosse Stern bey Prag. Mit gestochenem Frontispiz und gestochenem Titel mit Vignette. Wien, Haas, 1799. 262 S. 18 x 11 cm. Halbleinwandband (um 1850) mit rotem Rückenschild (berieben und bestoßen). [*]
Result 650 €
Seltene erste Ausgabe der Bearbeitung des Vielschreibers Gleich der wichtigen Gothic Novel “Ambrosio, or the Monk” von Matthew Lewis, anonym erschienen. – Goedeke XV, 732, 5. – Die Literaturforschung hat lange Zeit “Die blutende Gestalt” als Vorlage für den “Monk” angenommen (siehe z.B.: Herzfeld, Georg. “Eine neue Quelle für Lewis’ ‘Monk’, in: Archiv für das Studium der Neueren Sprachen und Literaturen 104 (1900), S.310-312), tatsächlich hat aber Gleich sich bei dem Schauerroman Monks bedient. – Titel mit mehreren alten Einträgen, teilweise etwas gebräunt bzw. fingerfleckig, zwei Blatt mit restaurierten Randläsuren.

Lot 390 Trivialliteratur der Goethezeit
Die Gräfin als Amazone oder das blutige Haupt. Wahrheit und Dichtung aus dem letzten Polenkriege. Mit lithographischem Frontispiz. Ilmenau, Voigt, 1831. Titel, 334 S. 16 x 10 cm. Halblederband der Zeit (berieben und bestoßen, Rücken mit Resten eines Papieretiketts). [*]
After-Sale Price 200 €
Erste Ausgabe, anonym erschienen. – Hayn-Gotendorf II, 656. – Das Werk wird in der Literatur manchmal fälschlich Therese Huber zugeschrieben, die aber bereits ein Jahr vor dem hier thematisierten Novemberaufstand von 1830 verstarb. – Vorderer Spiegel mit der Ordnung der Leihbibliothek Draeseke aus Freienwalde; in einem für eine Leihbibliothek typischen Einband. – Teils stärker stockfleckig, Frontispiz etwas gelockert.

Lot 391 Trivialliteratur der Goethezeit – Tennecker, Christian Ehrenfried Seifert von
Valentins Begebenheiten ein komischer Roman. Von dem Verfasser der Lebensbeschreibung der mecklenburgischen Stute Amante. 2 Teile in 1 Band. Mit gestochenem Frontispiz. Leipzig und Rostock, Stiller, 1805. 232, 219 S., 1 Bl. 16 x 10 cm. Einfache Kartonage der Zeit (fleckig und etwas bestoßen). [*]
Result 300 €
Erste Ausgabe, anonym erschienen. – Hayn-Gotendorf VIII, 65. – Erotischer Schelmenroman des Christian Ehrenfried Seifert von Tennecker (1770-1839), der seit 1805 königl. sächsischer Traindirector und Oberpferdearzt war. Tennecker verfasste mehrere Werke zur Reitkunst, Rossarzneikunde etc. – Frontispiz und Titel des ersten Teils feuchtfleckig, sonst nur teilweise leicht gebräunt.

Lot 392 Weber, Johann Adam
Annulus memoriae ex dictaminibus ethicis et politicis quorum regentes prae aliis meminisse oportet, concinnatus et selectis historiis, cum sententiis operi accommodatis illustratus. Mit gestochenem Frontispiz und Holzschnitt-Titelvignette. Salzburg, Mayr, 1679. 9 Bl., 482 S., 12 Bl. 20 x 14,5 cm. Brauner Ganzlederband der Zeit mit reicher Blindprägung und figürlichem Mittelstück (Justitia mit Waage und Schwert) und späterem Ganzgoldschnitt (Kapital mit schmaler Fehlstelle). [*]
After-Sale Price 200 €
Seltene erste Ausgabe. – VD17 3:004953D. – Der Jurist, Historiker und katholische Theologe Johann Adam Weber (1611-1686) war Augustiner-Chorherr und Propst in Hegelwerth. – Name auf Titel, etwas gebräunt bzw. stockfleckig.

Lot 393 Zeitschriften – Reichardt, Johann Friedrich (Hg)
Lyceum der schönen Künste. Ersten Bandes, erster Theil (von 2). Mit 1 Holzschnitt-Titelvignette von Unger und Notenbeispielen im Text. Berlin, Johann Friedrich Unger, 1797. 196 S., 1 Bl. (Inhalt). 20,5 x 12 cm. Pappband der Zeit (berieben und etwas bestoßen, Rückenbezug teilweise fehlend). [*]
Result 300 €
Sehr seltene Zeitschrift der Frühromantik, es erschien nur noch der 2. Teil des ersten Bandes. – Kirchner I, 4615 – Diesch 1249. – Nachfolgeblatt der von Reichardt gegründeten Zeitschrift “Deutschland”, die er wegen Streitigkeiten mit der Zensur hatte einstellen müssen. Enthält u.a. den Erstdruck von Friedrich Schlegel “Georg Forster. Fragment einer Karakteristik der deutschen Klassiker” (S. 32-78); Voß, “Deukalion (Ovid. Metam. I, 260-415.)”. Desweiteren “Bemerkungen über den gegenwärtigen Zustand der Kunst in Deutschland”, “Ansicht der Lage des Berliner Nationaltheaters …”, “Über Hildegard von Hohenthal. I., II., III. Theil”. – Titel unten mit kleinem Stempel “Aus der Bibliothek von Joseph Kürschner”. – Am Schluss ohne die zwei Blatt Anhang, die bei einem anderen Exemplar vorhanden waren, aber auch im digitalisierten Exemplar der BSB München fehlen. – Ab Seite 188 mit Wurmgang im weißen Rand.