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Lot 387 Almanache
Reformations Almanach für Luthers Verehrer auf das evangelische Jubeljahr 1817 – 1819 – 1821. Herausgegeben von Friedrich Keyser (und Johann Friedrich Möller). 3 Bände (alles Erschienene). Mit 3 gestochenen Titeln, 3 gefalteten Faksimiles und 23 Kupfertafeln von Schwerdgeburth, Ermer u. a. Erfurt, Keyser, 1817-1821. 16 x 10,5 cm. Original-Kartonagen mit gestochenen Illustrationen auf Rücken und Deckeln sowie Ganzgoldschnitt in Original-Schubern mit Deckelschild und altem handschriftlichen Rückentitel (Einbände etwas berieben und bestoßen, Deckel im oberen Rand mit kleinen Läsuren, Schuber bestoßen). [*]
Result 200 €
Vollständige Folge aller drei Jahrgänge. – Köhring 97 – Goedeke VIII, 96, 189. – Die Kupfer zeigen Bildnisse von bedeutenden Persönlichkeiten der Reformationszeit (u. a. Luther, Melanchton, Zwingli, Hans Sachs, Calvin, einige Fürsten, Faksimiles der Handschrift von Luther, Calvin und Reuchlin). – Mit Beiträgen von Schleiermacher, Vulpius, Brettschneider, Arndt, de la Motte Fouqué u.a. – Stellenweise leicht stockfleckig, zwei Blätter mit Einriss.

Lot 388 Ariosto, Lodovico
Rasender Roland. Aus dem Italienischen übersetzt. Mit gestochener Titelvignette und 16 Kopf- und Schlußvignetten nach B. A. Duncker, von ihm selbst oder Eichler gestochen. Bern, Typographische Gesellschaft, 1778. 355 (recte 357) S. 20 x 12 cm. Marmorierter Pappband im Stil der Zeit mit rotem Rückenschild (minimal berieben). [*]
Result 240 €
Eines der reizvollsten illustrierten Bücher der Schweiz im 18. Jahrhundert. – Goedeke VII, 636, 192, 1 – Nicolas 80 – Lanckoronska/Oehler II, 186: “Der prachtvolle Band ist ein Verlagswerk der Typogr. Ges., die Wert auf gutes Papier legte. Daher kommen die Kupfer zu schönster Geltung.” – Nur teilweise leicht gebräunt, Titel im unteren Rand mit kleinem Stempel. – Sehr gutes Exemplar.

Lot 389 Arnim, Gisela von
Das Heimelchen. Dämmermähhrchen von Allerleirauh aus der Familie der Heimeli. Mit illustriertem Titel und 9 Illustrationen auf unterschiedlich farbigen, teils gefalteten Tafeln (von Gisela und Maximiliane von Arnim, Marie von Olfers und Hermann Grimm). Berlin, Expedition des Arnim’schen Verlags, 1848. Titel, 4 Bl., 70 S. 17,5 x 11,5 cm. Halbleinenbände der Zeit mit Rückenvergoldung und eingebundener Original-Broschur (Kanten und Deckel etwas berieben, Ecken etwas gestaucht). [*]
After-Sale Price 240 €
Zweite Ausgabe (Titelauflage aus dem Jahr der ersten Ausgabe). – Goedeke VI, 89, 3. – Gisela von Arnim (1827-1889) war die jüngste und begabteste Tochter von Bettina und Achim von Arnim. – “Früh begann sie zu dichten und zu schreiben, wie wenn dies für ein Mitglied der Familie Arnim-Brentano das Natürliche sei. … Niemals aber richtete sich das, was sie schrieb, an den Beifall der Öffentlichkeit im heutigen Sinne. Sie wandte sich vielmehr in Gedanken immer an einen bestimmten Kreis durch Verwandtschaft oder Freundschaft ihr zugehöriger Personen, die sie verstehen würden. Ihre ersten Dichtungen las Gisela in einem Vereine junger Damen und Herren, der um den Anfang der vierziger Jahre sich gebildet hatte (der “Kaffeter” genannt). … Im Jahre 1846 nun entstand Das Heimelchen, um dieselbe Zeit … Aus den Papieren eines Spatzen. Es sind Märchen, nicht in der strengeren und volkstümlichen Art der Brüder Grimm, sondern wie sie Arnim, Brentano, E.T.A. Hoffmann gedichtet hatten.” (Goedeke). – Angebunden und in einem zweiten Band: Goethes Briefwechsel mit einem Kinde. Seinem Denkmal. 3 Teile in 2 Bänden. Dritte Auflage. Mit 3 lithographierten Frontispizen und einer doppelseitigen Aquatinta. Berlin, Expedition des Arnim’schen Verlags, 1849. – Exlibris. – Stellenweise leicht gebräunt.

Lot 390 Arnim, Ludwig Achim von
Die Kronenwächter. Erster Band. (Nebentitel:) Berthold’s erstes und zweites Leben. Ein Roman. Mit einem Holzschnitt-Titel (F.W.Gubitz nach Ph.O.Runge). Berlin, Maurersche Buchhandlung, 1817. Titel, 441 S. 18,5 x 11 cm. Halblederband im Stil der Zeit mit farbigem Rückenschild und reicher Rückenvergoldung. [*]
Result 500 €
Erste Ausgabe. – Mallon 88 – Goedeke VI, 75, 32). – Der oft fehlende Holzschnitt-Titel auf stärkerem Papier und leicht rosafarben. – “Ew. Excellenz übergebe ich den ersten Band meiner Kronenwächter aus wohlbegründeter alter Ergebenheit, ein Buch, das ich noch recht lieb habe, obgleich es gedruckt ist. Die Übersicht seines Planes wird erst im folgenden Bande möglich, doch sagt die Einleitung manches darüber, was mir nicht der Augenblick, sondern die Jahre gelehrt haben. Der Titel ist nach einer Zeichnung des verstorbenen Runge, durch Schinkel nach meinem Wunsche verändert, von Gubitz in Holz geschnitten, ….” (Arnim an Goethe, 15. Juni 1817). – Der zweite Band erschien erst 1854 als Band 4 der Werkausgabe. – “In seinem großen, zu Unrecht vergessenen Roman unternahm Arnim es, den Kosmos der Geschichte darzustellen, die ‘Heimlichkeit der Welt’ aus ‘ahndungsreichen Bildern’ abzulesen und so durch ‘innere Anschauung’ die Lücken der Geschichte auszufüllen” (KNLL I, 736). – Unbeschnitten. – Etwas stockfleckig und gebräunt, die Seiten 108/9 mit (Tee- ?) Flecken. – Dekorativ gebunden.

Lot 391 Bar, Georg Ludwig von
Vermischte Abhandlungen zum Nutzen und Ergözen. Mit 1 Titelkupfer und 1 Kupfertitel. Franckfurth und Leipzig (das ist: Frankfurt, Metternich ?) 1766. 2 Bl., 312 S. 17 x 10 cm. Halblederband der Zeit mit Rückenschild und Rückenprägung in Schwarz (etwas berieben, Ecken etwas bestoßen). [*]
Result 250 €
Einzige deutsche Ausgabe. – Heinsius, Bücherlexikon I, Sp. 176 (schreibt irrig: “… und Vergnügen”) – sonst bibliographisch für uns nicht nachweisbar. – Über KVK in Deutschland nur in vier Bibliotheken nachweisbar (UB Bamberg, SUB Göttingen, Albertina Leipzig, HAAB Weimar; das Exemplar der SBB Berlin ist “Kriegsverlust”). – Es handelt sich um Übersetzungen aus dem Französischen der Barbioles … (1760-1764) des für einige Jahre u.a. von dem jungen Wieland hochangesehenen Osnabrücker Domherren G. L. von Bar (1701-1767). Er galt als “der beste französische Dichter unter den Deutschen” und übertraf nach Gottsched “alle Regniers, Boileaus und Rousseaus der Franzosen und ihre Satiren” (zitiert nach Kosch³ I, Sp. 261). Heinsius (s.o.) nennt als Verlag Metternich in Frankfurt; in der Jahrhundertmitte ist aber ein Verlag Metternich nur in Köln nachweisbar. – Neueres Exlibris auf dem vorderen Innendeckel “Mayrhofen zu Coburg und Anger / Bibliotheca Anger” und auf dem hinteren Innendeckel “Wallpach-Schwanenfeld”; das Buch stammt aus dem Besitz des südtiroler Autors Arthur von Wallpach zu Schwanenfeld (1866-1946), der 1894 die Burg Anger bei Klausen erworben hatte, in der Folge Zentrum der politisch-literarischen Gruppierung “Jung-Tirol”. – Papierfehler im Außenrand des Titels, deshalb ebenda kleine Löcher.

Lot 392 Barockliteratur – Ernst, Jakob Daniel
Die neue historische Schau-Bühne der menschl. Thorheit und göttlichen Gerechtigkeit, daraus ausführlich und mit einer grossen Menge vieler sehr curiösen Exempel fürgestellet wird, wie die gerechte Allmacht Gottes der thörichten Menschen fürgenommene Boßheit, unreine Liebe, Hochmuth, Mordthaten, Wollüste, Geitz und Untreue, … und dergleichen andere grobe Sünden und Laster, mit viel und mancherley schweren Landes-Plagen, als Mäusen, Heuschrecken, wilden Thieren … und andern traurigen Unfällen, exemplarisch heimgesucht und abgestraffet hat. Mit gestochenem Frontispiz. Leipzig, Lanckische Erben, 1702. 22 Bl., 1228 S., 50 Bl. (Register). 17 x 10 cm. Pergament der Zeit mit Deckelprägung (“G.M.P.S. 1702”), (etwas fleckig). [*]
Result 360 €
Seltene erste Ausgabe. – Faber du Faur I, 854: “Ernst collected a great mass of stories and anecdotes which he put to use ‘ad majorem Dei gloriam’. He proudly lists the enormous number of his sources on leaves 16-23” – Hayn-Gotendorf II, 174: “Enth. 50 Historien, u.a.: Die alten Susannen-Brüder; der falsche u. in in seinem Irrthum verstockte Messias (Mittheilungen über falsche Propheten u. Schwärmer); die an ihrem Mann treuloß (!) handelnde Wirthin; die wunderlich zur Straffe gezogene Jungfrauen-Räuber; der wollüstige Kayser in Sina, Kieus; das spanische Stier-Gefecht; die seltzame Wirckung der Liebe; die sonder- u. wunderbahr gestrafften Korn-Juden; der unsinnige Gern-Gott (Erzählungen von vor Hochmuth halbverrückten Königen, Päpsten etc.); die raren Erzählungen von etlichen Gespenstern; die von Gott gestrafften Predigt-Feinde, etc. etc.” – Kosch IV, 467. – Innendeckel mit zwei Exlibris, leicht gebräunt, wenige Blatt mit Randeinrissen, hinterer Vorsatz fehlt.

Lot 393 Barockliteratur – Albertinus, Aegidius
Haußpolicey, Begreifft vier unterschidtliche Theyl: Im ersten und andern wirdt gehandelt von den Junckfräwlichen und ledigs Standts Personen und ihrem verhalten. Im dritten vom Ehestandt und Ambt der Männer. Im vierdten wird den Weibern ein schöner und artlicher Spiegel geschenckt. (Band 2:) Fünffter, Sechster und Sibender Theyl der Haußpolicey …. 2 Bände mit 7 Teilen in 1 Band. München, Nicolaus Henricus, 1602. 4 nn., 234 num. Bl., 2 Bl. (Register), 4 nn., 168 num. Bl., 1 Bl. (Register). 20 x 14,5 cm. Neuer Pergamentband mit Schließbändern. [*]
Result 600 €
Erste und einzige Ausgabe. – Dünnhaupt 15,I-II – Van Gemert 4, 2, 15 – Goedeke II, 580, 15 – Hayn-Gotendorf I,37f. – “Das Werk ist im Gegensatz zu den meisten anderen Schriften des Verfassers, die Übersetzungen oder Bearbeitungen sind, zum guten Teil original” (Haus der Bücher, Nr. 40). – “Wohl das derbste Werk dieses Autors. Enth. u.a.: Von den Closterfrawen, etc. – Vom Coelibat und der Sodomistischen Schande. – Von der unmessigkeit und Vermessenheit der Cocubinen. – Obs erlaubt seye in wöhrender Bräutschaft zu küssen, zu hertzen, oder sogar zusammenzukriechen. – etc. etc.” (Hayn-Gotendorf). – Aegidius Albertinus (1560-1620), 1596 Sekretär Herzog Maximilians von Bayern, 1601-6 Hofbibliothekar, verheiratet mit der Schwester des Abtes von Oberaltaich, seit 1612 “Hof- und Geistlicher Rathsecretarius”. “Mit der deutschen Bearbeitung des ‘Landstörtzer Gusman’ von M. Aleman begründete Albertinus den deutschen Schelmenroman als literarische Gattung und ist so der wirksamste Vorläufer Grimmelshausens. Seine Bedeutung liegt vor allem in seiner Volkstümlichkeit und glänzenden Sprachbeherrschung. Seine geistlichen Volksschriften machen ihn zum bedeutendsten und gelesensten Prosaisten Bayerns im 17. Jahrhundert” (Lexikon für Theologie und Kirche I, 213f). – “Mit seiner eifernden Predigt von der Falschheit der Welt und der Schwachheit des Fleisches, der Hinterlist des Bösen und der Unausweichlichkeit der Todes ist Albertinus nicht nur der fruchtbarste Vertreter, sondern auch die eindringlichste Stimme des finsteren Geistes des deutschen Frühbarock” (NDB I, 143). – Teilweise etwas stockfleckig bzw. gebräunt, Vorsatz mit längerem zeitgenössischen handschriftlichen Ankauf- und Besitzvermerk eines Heinrich Trübling von 1688. – Gutes und breitrandiges Exemplar.

Lot 394 Barockliteratur – Callenbach, Franz
Sammelband mit seinen acht anonym erschienenen satirischen Schuldramen. 8 Teile in 1 Band. Nürnberg, um 1714-1715. 17,5 x 10 cm. Pergamentband der Zeit mit handschriftlichem Rückenschild (Gelenke angeplatzt, eine Ecke bestoßen, angestaubt). [*]
After-Sale Price 300 €
Wohl die erste Sammel-Ausgabe der acht Schriften mit dem “Index Tractatum” auf Blatt a2, anonym erschienen. – Vgl. Graesse II, 16-17 – Hayn-Gotendorf IX, 96 – Faber du Faur 1025-1033 – nicht bei Goedeke. – Callenbach (1663-1743) war seit 1683 Mitglied des Jesuitenordens, zeitweise Priester in Wetzlar und lehrte zuletzt Philosophie und Mathematik in Bamberg. Als Satiriker und Humorist war er seinerzeit hochgeschätzt. – Enthält: 1. Wurmland, Nach Lands-Art, Regiment, Religion, Sitten und Lebens-Wandel. Im Jahr, Da es Wurmstichig war. 128 S. – Dünnhaupt 3.7: “Nach 1715. Sonst bisher nicht erfaßte Variante. Im Freiburger Expl. ist die letzte Seite paginiert ‘128’.” (so auch im vorliegenden Exemplar). – “Frühestes der satirischen Schuldramen C’s. Vorliegendes Stück satirisiert in amüsanten Dialogen eine Reihe zeitgenössischer Unsitten als ‘Würmer’.” – 2. Quasi sive mundus quasificatus, Das ist: Die quasificirte Welt. Getruckt in der quasi-Welt, Anno 1714. 4 Bl., 88 S. – Dünnhaupt 4.3. – Eine von vier Titelvarianten mit Druckjahr 1714. – “Amüsante Satire über die Schwächen der zeitgenössischen Gesellschaft.” – 3. Uti ante hac auf die alte Hack. Gedruckt in der alten Welt. Sub signo veritatis. 80 S. – Dünnhaupt 5.2. – Unterscheidungsmerkmal: S. 16, letzte Zeile beginnt jetzt mit dem Wort “nicht”. – “Satire auf die alamodische Sprachverderberei und die Einführung französischer Hofsitten, mit Lob der guten alten Zeit.” – 4. Genealogia Nisibitarum Nisi-Stamm-Baum. Gedruckt im Jahr 1714. Mit einer gefalteten Tabelle. 127 S. – Dünnhaupt 6.2: “Offensichtlich eine spätere Fassung, wie die durchgehende Verwendung von Kommas statt Virgeln (auch im Text!) andeutet. S. 127 beginnt wieder mit ‘Nisialia’.” – “Satirische Behandlung verschiedener ‘Äste’ des Nisi-Stammbaums (Nisi-academicum, Nisi politicum, Nisisenile, Bauern-Nisi u.ä.).” – 5. Eclipses politico-morales; Sicht- und unsichtbare sittliche Staats-Finsternüssen. Gedruckt in Umbria. Im Jahr, da es finster war. 80 S. – Dünnhaupt 7.3: “Neusatz unter Verwendung von Kommas in Titel u. Text. Flüchtig hergestellt mit vielen Setzfehlern: z.B. ‘Oppotsiio’ statt ‘Oppositio’.” – “Satirische ‘Behandlung’ der politischen Krankheiten der Mme. Deutschland durch ausländische Quacksalber.” – 6. Quasi vero, Der Hinckende Bott Has sich Wohl. Und in Truck gebracht in diesem Jahr. 112 S. – Dünnhaupt 8.10: “Nach 1715. Erste von 3 verschiedenen Varianten ohne Druckjahr. S. 47, letzte Zeile lautet ‘Stroh’.” – “Satire gegen Heucheleien aller Art, vornehmlich auf religiösem Gebiet, mit amüsanten Prognostikationen über die Welt der Zukunft.” – 7. Puer centum annorum. Der vor Augen liegend- handel- und wandlenden Welt täglich anhaltendes Kinder-Spiel. Im Jahr, Da die Welt alt und kindisch war. 144 S. – Dünnhaupt 9.7: “Nach 1715. Letzter Druck, wiederum im Neusatz. Unterscheidungsmerkmal: S. 138, letzte Zeile beginnt jetzt mit ‘zeit’.” – “Satire gegen den Kaffee- und Tabakgenuß.” – 8. Allmanach Welt-Sitten-Statt-Marter-Calender. Wird verkaufft bey dem so genanten lahmen Mann in der Gerbers-Gassen im Stockhaus. 160 S. – Dünnhaupt 10.2: “Nach 1714. Sonst bisher nicht erfaßte Titelvariante. S. 110 letzte Zeile beginnt wieder mit ‘als Jammer’.” – “Satirischer Kulturspiegel, eingeteilt in 3 ‘Marter-Listen’ (Akte) mit insgesamt 24 ‘Staats-Torturen’ (Szenen), bestehend aus Dialogen mit Verseinlagen”. – Teilweise etwas stärker stockfleckig bzw. gebräunt.

Lot 395 Barockliteratur – Curtz, Albert von
Harpffen Davids mit Teutschen Saiten bespan(n)et. Auch zu Trost, und Erquickung der andächtigen Seel. Gesangsweiß angerichtet. Mit Kupfertitel, Holzschnitt-Druckermarke auf letztem Blatt und zahlreichen Noten im Text. Augspurg, Utzschneider, 1669. 18 Bl., 739 S., 2 Bl. 14 x 7,5 cm. Pergamentband der Zeit (fleckig, Rücken neu mit Pergament überzogen). [*]
After-Sale Price 240 €
Zweite, umgearbeitete Ausgabe des wichtigen Gesangbuches, das zu den bedeutendsten Erzeugnissen der katholischen, ja überhaupt des süddeutschen Kirchenliedes gehört. – VD17 23:303337R – Haus der Bücher, Barockliteratur NF, 223 – Bäumker, Katholisches Kirchenlied II, 54 – de Backer/Sommervogel II, 1743 – Eitner V, 25 – Breslauer, Das Deutsche Lied, 274. – “Dieses wichtige Werk … ist sowohl vom literarischen wie musikalischen Standpunkt offenbar noch nicht genügend gewürdigt worden” (Seebaß). Bemerkenswert dabei ist, dass der Verfasser wohl einiges von der protestantischen Choraldichtung des 16. Jahrhunderts gekannt haben muss, da sich gelegentlich Anklänge an deren Texte finden. Deshalb war das Werk auch in protestantischen Kreisen beliebt. Dem Dichter ist eine möglichst volkstümliche Eindeutschung der lateinischen Psalmen das Hauptanliegen. Die schönen 46 Melodien für Diskant und Generalbass, die in der ersten Ausgabe noch separat vorlagen, sind hier in den Text gedruckt. – Die ersten 3 Blatt mit Wurmgang im Falz (leichter Bildverlust), 1 Bl. mit Einriss.

Lot 396 Barockliteratur – Wernike, Christian
Überschriften. Nebst Opitzens, Tschernings, Andreas Gryphius und Adam Olearius epigrammatischen Gedichten. (Herausgegeben von Karl Wilhelm Ramler). Mit gestochenem Frontispiz und gestochener Titelvignette (J.W. Meil del.). Leipzig, bey Weidmanns Erben und Reich, 1780. XXXII, 436 S., 1 Bl. 19 x 11,2 cm. Lederband der Zeit mit rotem Rückenschild und reicher Rückenvergoldung (leicht berieben). [*]
Result 300 €
Erste Auflage der Ramler’schen Ausgabe in einem frischen, fleckfreien und breitrandigen Exemplar der Vorzugsausgabe auf holländischem Papier. – Goedeke III, 340, 33, 7 – Faber du Faur 1379 – Sammlung Mannheimer 444. – Der in Elbing (Ostpreußen) geborene Christian Wernike (1661-1725) studierte seit 1680 bei dem Kieler Philologen G.D. Morhof. “Gefördert durch die einflußreiche Familie Rantzau kam er in dänischen diplomatischen Diensten nach England und Hamburg. Hier geriet er, ‘wohl nicht zuletzt dank seiner scharfen Zunge wiederholt in literarische Fehden. … In scharfem Kontrast zu der spitzen Zunge, mit der W. die zeitgenöss. Dichter persiflierte, standen seine vornehme, zurückhaltende Art und sein brillanter Geist, die ihn zum Diplomaten prädestinierten.’ (Dünnhaupt). ‘Die Überschriften gehören unstreitig zu dem Bedeutendsten, was unsere epigrammatische Literatur aufzuweisen hat. Er ging den Dingen auf den Grund; es war ihm überall darum zu thun, den heuchlerischen Schein zu zerstören und der Thorheit wie dem Laster die gleißenden Masken vom Gesicht zu reißen. … Er verlacht die Einfalt und Plattheit der Modeschriftsteller, die süßliche Geziertheit der Pegnitzschäfer, die aufgeblasene Unnatur der Schlesier.’ (L. Fulda). ‘An Sprach und Wohllaut ist er leicht, an Geist sehr schwer zu übertreffen.’ (Hagedorn). Ramler hat die Epigramme Wernikes ebenso wie die der Übrigen, wie es seine Art war, im vorgeblichen Geschmack seiner Zeit geglättet, was er in der Vorrede begründet: ‘Was die Fehler wider die Sprache und den Wohllaut betrifft, so mußte man jene nothwendig zu tilgen, und diese zu vermindern suchen, wenn der epigramatische Dichter zu unsern Zeiten Liebhaber finden sollte’.” (Trauzettel Bl. Nr.1141). – Vorsätze etwas stockfleckig. – Sehr schönes Exemplar.

Lot 397 Barthélemy, Jean-Jacques
Voyage du jeune Anacharsis en Grèce, vers le milieu du quatrième siècle avant l’ère vulgaire. Quatrième Edition. 7 Bände und Atlas (Recueil de cartes géographiques, plans, vues et m´dailles de l’ancienne Grece, Nouvelle édition) in 8 Bänden. Mit gestochenem Porträt, 14 (meist doppelblattgroßen und grenzkolorierten) gestochenen Karten, 14 doppelblattgroßen gestochenen Plänen und 11 doppelblattgroßen gestochenen Tafeln. Paris, Didot jeune, an 7 (1799). 20,5 x 12,5 cm/ 26,5 x 20 cm (Atlas). Ganzlederbände der Zeit mit 2 roten Rückenschildern, reicher Rückenvergoldung, goldgeprägten Deckelfileten und Stehkantenvergoldung (Ecken und Kanten teilweise etwas bestoßen, etwas berieben, ein Kapital mit schmaler Fehlstelle). [*]
After-Sale Price 400 €
Graesse I, 300 (diese Ausgabe) – Brunet I, 674 (diese Ausgabe): “Bélle édition, plus complète … La grande carte de la Grèce avec ses colonies, qui forme le no. 1 de l’atlas, n’a été publiée qu’en 1811, et manque conséquemment dans une partie des exemplaires.” – Druckvermerk von Band 1 vom Verleger signiert. – Wie fast immer (siehe Brunet) ohne die Karte Nr. 1 von Griechenland und seinen Kolonien, die erst 1811 erschien. – Nur wenige Blätter etwas stärker gebräunt, eine Ansicht etwas angerändert und mit Einriss. – Gutes Exemplar in dekorativen, einheitlichen Ganzlederbänden.

Lot 398 Bettinelli, Saverio
Über den Enthusiasmus der schönen Künste. Aus dem Italienischen (von F. A. C. Werthes). Bern, Typographische Gesellschaft, 1778. Titel, 51 (recte 517) S. 17 x 10 cm. Ganzlederband der Zeit mit rotem Rückenschild und etwas Rückenvergoldung(Ecken und obere Kanten bestoßen, Kapital mit Fehlstelle, etwas berieben). [*]
Result 300 €
Einzige deutsche Ausgabe von “Dell’entusiasmo delle belle arti” (1769). – Kaldewey IV, 65: “Von dem Stuttgarter Aesthetiker Werthes übersetzt. Bettinelli, Freund Voltaires, gilt als bedeutender Vorläufer der modernen Literaturkritik.” – Nur teilweise etwas stärker gebräunt.

Lot 399 Boyer d’Argens, Jean-Baptiste de
Lettres cabalistiques, ou correspondance philosophique, historique et critique, entre deux Cabalistes, divers Esprits élémentaires, & le Seigneur Astaroth. Nouvelée édition. 7 Bände. Den Haag, Paupie, 1769-70. 14,6 x 8 cm. Ganzlederbände der Zeit mit goldgeprägten Rückenschildern und reicher Rückenvergoldung (3 Deckelbezüge mit Wurmspuren, 1 unteres Kapital mit kleinem Einriss, leicht berieben). [*]
After-Sale Price 200 €
Graesse I, 193. – “Der Erfolg seiner ‘Lettres juives’ veranlaßte D’Argens später ‘Lettres cabalistiques’ nachfolgen zu lassen, in denen … die Objecte des satyrischen Gerichts doch geschlossener, und insbesondere der zersetzende Eifer gegen die Kirche und die dogmatische Schule ansteigend glühender und dreister werden” (ADB I, 521f.). – Sauberes Exemplar, dekorativ gebunden.

Lot 400 Buchwesen – Assemani, Giuseppe Simone
Orientalische Bibliothek oder Nachrichten von syrischen Schriftstellern. In einen Auszug gebracht von August Friedrich Pfeiffer. 2 Teile in 1 Band. Erlangen, Walther, 1776-1777. 4 Bl., 328 S., 8 Bl., S. (329)-594 (recte 596). 19 x 12 cm. Halbleinwandband (19.Jahrhundert) mit handschriftlichem Rückenschild (Rücken etwas fleckig, Deckel beschabt). [*]
After-Sale Price 400 €
Engelmann, Bibliotheca Philologica 6 – Zenker II, 1406 – ADB XXV, 632. – Gekürzte deutsche Ausgabe der “Bibliotheca orientalis” (Rom, 1719-1726) des im Libanon geborenen Orientalisten Giuseppe Simone Assemani (1687-1768), der im päpstlichen Auftrag auf Reisen seit 1710 durch Ägypten, dem Libanon und Syrien zahlreiche orientalische Handschriften, Münzen etc. für die Vatikanische Bibliothek sammelte. Anfang 1717 kehrte er zurück und wurde Kustos der Biblioteca Vaticana. 1763 fand er in einem griechisch-orthodoxen Kloster in Jerusalem eine Handschrift in altslawischer glagolitischer Schrift, die seitdem “Codex Assemanianus” genannt wird. – Teil 1 behandelt die Maroniten und Jacobiten, Teil 2 die Nestorianer. – Teilweise etwas fleckig, im 2. Band insgesamt zehn Blatt am Rand wurmspurig, teils mit minimalem Buchstabenverlust.

Lot 401 Buchwesen
Catalogus librorum qui ex nundinis Francofurtensibus vernalibus, aliisque locis de anno 1683. vel novi velemendatiores & auctiores hac alloti, divenduntur apud Johann-Georgium Cottam, Tubingensis Academiae Bibliopolam. Tübingen, Cotta 1683. 8 Bl. 22 x 18 cm. Lose unbeschnittene Lagen (etwas fleckig und gebräunt). [*]
Result 470 €
Nicht im VD17 – Frühlingskatalog von Cotta nach den auf der Frankfurter Ostermesse 1683 gezeigten Büchern. – Etwas fleckig und gebräunt.

Lot 402 Buchwesen
Catalogus librorum qui ex nundinis Francofurtensibus vernalibus, aliisque locis de anno 1701. vel novi vel emendatiores & auctiores huc alloti, divenduntur apud Johann-Georgium Cottam, Academiae Tubingensis Bibliopolam. Tübingen, Cotta, 1701. 8 Bl. 22 x 17,5 cm. Lose unbeschnittene Lagen (gebräunt). [*]
Result 550 €
Frühlingskatalog von Cotta nach den auf der Frankfurter Ostermesse 1701 gezeigten Büchern. – Teilweise gebräunt.

Lot 403 Buchwesen
Catalogus universalis pro nundinis Francofurtensibus autumnalibus de anno M.DC.LXVIII. Hoc est: Designatio omnium librorum, qui hisce nundinis autumnalibus, vel novi, vel emendatiores, et auctiores prodierunt. Das ist: Verzeichnüß aller Bücher, so zu Franckfurt in der Herbst-Meß Anno 1668. entweder gantz neu, oder sonsten verbessert, oder aufs neu wiederum aufgelegt, in der Buch-Gassen verkauft werden. Titel mit Wappenholzschnitt Frankfurts. Frankfurt, Latomius, 1668. 14 Bl., 1 weißes Bl. 22,5 x 19 cm. Lose unbeschnittene Lagen (etwas gebräunt). [*]
Result 950 €
VD17 1:745006C (mit nur einem Standort in der SB Berlin). – Verzeichnis der auf der Frankfurter Herbstmesse 1668 gezeigten Bücher. – Leicht gebräunt.

Lot 404 Buchwesen – Formey, Jean Henri Samuel
Conseils pour former une bibliotheque peu nombreuse, mais choisie. Mit gestochener Titelvignette. Berlin, Haude und Spener, 1746. 7 Bl., 66 S. 17 x 11 cm. Halblederband der Zeit mit Rückenschild und -vergoldung (Rücken berieben, oberes Kapital mit kleiner Fehlstelle). [*]
After-Sale Price 200 €
Erste Ausgabe. – Durchschossenes Exemplar. – Ratgeber des Berliner Theologen und Philosophen J. H. S. Formey (1711-1797), wie man mit geringen Mitteln eine erlesene Bibliothek zusammenstellen kann. – Exlibris auf Innendeckel. Titel und 1. Blatt teils braunfleckig, wenige der leeren Blätter mit alten Einträgen.

Lot 405 Buchwesen
Verzeichniss aller dem Elbogner chirurgischen Gremio gehörigen Bücher und Instrumente. Karlsbad, Gebrüder Franieck, 1837. 32 S. 19,5 x 12 cm. Kartonage der Zeit (etwas fleckig). [*]
Result 300 €
Seltener Bibliothekskatalog – Nicht im KVK, für uns bibliographisch nicht nachweisbar. – Verzeichnis des Bestandes der Bibliothek eines medizinischen Vereins (Gremio) im böhmischen Elbogen, dem heutigen Loket. – Aufgeführt werden einige hundert aktuelle medizinische Werke für den Praktiker; die S. 28-32 mit einem Verzeichnis der vorrätigen chirurgischen und geburtshilflichen Instrumente, die wohl keine Wünsche offen ließen: Fistelmesser, Halszangen, Polypenröhren, Hasenschartennadeln, Steinschnittmesser, Knochensägen, Amputationsmesser, Hirnspatel, Kniescheren, Schröpfschnäpper u.v.m. – Titel gestempelt und mit Quetschfalte, gebräunt.

Lot 406 Burke, Edmund – Bisset, Robert
Edmund Burke’s Leben in historisch-literarisch-politischer Hinsicht unpartheiisch dargestellt. Aus dem Englischen von Johann Christian Fick. Mit gestochenem Porträt von Hillmann. Leipzig und Gera, W. Heinsius, 1799. XIV, 380 S. 16,4 x 9,5 cm. Halblederband der Zeit mit goldgeprägtem Rückenschild und Rückenvergoldung (Ecken und Kanten etwas bestoßen). [*]
Result 400 €
Erste deutsche Ausgabe. – Price & Price, Humaniora S. 26. – Frühe deutsche Übersetzung der 1798 in England erschienenen Biographie des irisch-englischen Staatsphilosophen und Politikers Edmund Burke (1729-1797). – Der schottische Schriftsteller Robert Bisset (ca. 1759-1805) machte sich vor allem durch seine Biographie von Edmund Burke einen Namen, in der er Burke’s Ansichten entschieden verteidigte und ihn gegen Angriffe seiner Kritiker in Schutz nahm. – Teilweise leicht gebräunt. Gutes Exemplar.

Lot 407 Campe, Joachim Heinrich
Briefe aus Paris zur Zeit der Revolution. Braunschweig, Schulbuchhandlung, 1790. XII, 372 S. 18,5 x 11,5 cm. Pappband der Zeit mit goldgeprägtem Rückenschild (berieben und bestoßen). [*]
Result 200 €
Erste Buchausgabe. – Hamberger/Meusel I, 536 – nicht bei Goedeke. – Im Revolutionsjahr 1789 reiste Campe in Begleitung Wilhelm von Humboldts nach Paris und begeisterte sich für die Französische Revolution. – “Campes Buch ‘Briefe aus Paris’ zählt zum Lesenswertesten, was über den Beginn der Revolution von Zeitgenossen zu Papier gebracht wurde, es ist eines der großen politischen Bücher der Deutschen” (vgl. Jürgen Overhoff: Die Trümmer der Bastille. In: Die Zeit, 10.07.2008 Nr. 29.) – Exlibris, Vorsätze fehlen, teilweise etwas gebräunt und leicht fleckig.

Lot 408 Casanova de Seingalt, Giacomo Girolamo
Memoiren. Erste vollständige deutsche Ausgabe. Herausgegeben von Ludwig Buhl. 18 Teile in 3 Bänden. Berlin, Hempel, 1850-1851. 17 x 11 cm. Rote Lederbände (um 1900) mit goldgeprägtem Rückentitel (leicht berieben). [*]
Result 390 €
Erste Ausgabe. – Fromm 4582 – Hayn-Gotendorf I, 556: “Sehr gesucht und cpl. nahezu unauffindbar. Diese geschätzte und gesuchte Ausgabe ist die einzige deutsche, die auf annähernde Vollständigkeit Anspruch erheben darf.” – Teilweise etwas gebräunt, Titel mit kleinem gekrönten Stempel.

Lot 409 Claudius, Matthias
An den Naber mit Radt: “Sendschreiben an Sr. Hochgräflichen Excellenz den Herrn Grafen Friederich von Reventlau, Ritter von Dannebrog, Geheimen-Rath und Curator der Universität Kiel” Van enen Holstener. Unde HE was achter up deme Schepe un sleep up eynem Küssen. Hamburg, Friedrich Perthes, 1805. 22 S., 1 (weißes) Bl. 19 x 11,5 cm. Rückenbroschur der Zeit. [*]
After-Sale Price 240 €
Seltene erste Ausgabe, anonym erschienen. – Goedeke IV/1, 981, 35. – “Frisches Exemplar der ‘Editio princeps’, daneben erschien eine 16-seitige Übersetzung ins Hochdeutsche. Der vorliegenden Variante kommt darüber hinausgehende Bedeutung zu, da Claudius hier ‘als erster in der neueren Literatur das Niederdeutsche als Literatursprache’ (W. Platschek) verwendet. Wie kaum ein zweiter Autor seiner Zeit arbeitete Claudius souverän mit der ‘Sprache des Alltags, des Körperlichen, des Familiären und des Kindlichen’ (J. U. Fechner). So benutzt er hier das Plattdeutsche weniger zur Popularisierung der theologischen Aussagen, als um dem Gesagten den Anschein des Selbstverständlichen, Altmodischen, schon immer Gültigen zu geben. ‘Über den Anlass zu Claudius’ Flugschrift gibt Redlich (2, S. 468) an: ‘Der Naber mit Radt ist der Altonaer Pastor Nicolaus Funk, der im Februar Claudius’Freund, den Grafen Friedrich von Reventlow, damaligen Kurator der Universität Kiel, mit dem in der Überschrift zitierten Sendschreiben wegen der Entlassung des Kieler Professors Heinrich Müller aus seinem Amt als Leiter des Kieler Lehrerseminars und der Berufung von Hermann Daniel Hermes als Kirchenrat und Professor der Theologie angegriffen hatte’ (M.C. Sämmtliche Werke, München 1968, S. 1055). Die Schrift ist also im Zusammenhang der Auseinandersetzung konservativer Kreise um Claudius und Reventlow mit dem Erstarken des Rationalismus in der theologischen Lehre zu sehen.” (Trauzettel No. 1211). – Außenblätter leicht stockfleckig.

Lot 410 Cölln, Georg Friedrich W. F. von
Vertraute Briefe über Oestreich in Bezug auf die neuesten Kriegsereignisse im Jahre 1809. 2 Bände. Stralsund, Gräff, 1810. VI, 250 S.; VI, 320 S., 5 Bl., 56 S. (Verlagsanzeigen). 18 x 10,5 cm. Marmorierte Kartonagen der Zeit (etwas berieben). [*]
After-Sale Price 200 €
Erste Ausgabe, anonym erschienen. – Holzmann-Bohatta I, 8023 – Hayn-Gotendorf V, 451. – Interessanter Bericht Cöllns von seiner Flucht nach Österreich vor seiner drohenden Verhaftung in Preußen, mit dem meist fehlenden zweiten Band. – Kritische Darstellung der Verhältnisse in Nürnberg, Regensburg, Straubing, Passau, Linz und Wien. Mit Beschreibungen der passierten Orte, ausführlich Wien. – “Bietet eine Fülle interessanter Mitteilungen, auch über Bayern. Seltenes und wenig bekanntes Werk” (Hayn-Gotendorf). Mit recht derben Äußerungen über die Bevölkerung der “niedern Klassen, welche Häßlichkeiten! Welche abscheuliche Tracht! Ein schmutziges Tuch um den Kopf gebunden … gerade wie Vogelscheuchen! Alles hängt ihnen dabey am Leibe, als wäre es auf dem Trödel zusammengelesen. Sprache, Betragen, Reinlichkeit, Geistesbildung, das ist alles damit harmonisch …”. – Etwas gebräunt.

Lot 411 Curiosa – Aubin, Nicolas, u. a
Histoire von denen besessenen Nonnen des Klosters St. Ursel zu Lodün, und der Verurtheilung des Predigers in derselben Stadt Urban Grandiers, ingleichen die Anno 1509 offenbahrten Betrügereyen derer Dominicaner zu Bern. Bey Gelegenheit der neulichen Erstaunens-würdigen Historie des Paters Girards und der Demoiselle Cardiere aus dem Frantzösischen ins Deutsche übersetzt. Cöln (wohl fingiert), 1732. 135 S. 19 x 12 cm. Grüner Pappband (um 1800) mit kleinem Rückenschild (berieben). [*]
Result 350 €
Erste deutsche Ausgabe, anonym erschienen. – Fromm 1040 – Weller, Druckorte I, 77 (ohne Auflösung) – Hayn-Gotendorf IV, 266. – Die “Histoire des Diables de Loudun” erschien erstmals 1693 in Amsterdam; der Pastor und Marineschriftsteller Nicolas Aubin (1655-ca. 1740) stammte aus Loudun, dem Ort, der in den 1630er Jahren Schauplatz einer von Richelieu inszenierten Hexenverfolgung wurde. 1632 beschuldigten die Nonnen des Klosters der Ursulinen von Loudun den Priester Urbain Grandier, von ihm verhext worden zu sein. Dieser hatte ein ungestümes Pamphlet gegen Richelieu gerichtet und widersetzte sich standhaft der von diesem verlangten Zerstörung der Stadtmauern. Auf Verlangen von Richelieu wurde ein Hexenprozess gegen ihn eingeleitet, man nahm zahlreiche Teufelsaustreibungen an den Nonnen vor, und am 18. August 1634 wurde Urbain Grandier zum Tode verurteilt, gefoltert und verbrannt. – Die Ereignisse wurden literarisch mehrfach verwertet. – Der unbekannt gebliebene Übersetzer thematisiert ab S. 124 den sogenannten “Jetzerhandel”; der in den Dominikanerorden eingetretene Johann Jetzer verkündete Marienvisionen und dergleichen, wurde des Betruges überführt, konnte die Schuld aber auf vier Ordensbrüder abwälzen, die am 31. Mai 1509 daraufhin verbrannt wurden. – Der auf dem Titel gegebene Anlass der deutschen Herausgabe des Werkes wird im Vorwort nur kurz gestreift: Marie-Catherine Cadière oder oft nur Catherine Cadière (1709- nach 1731) wurde als mutmaßliches Opfer eines sexuellen Missbrauchs durch den Jesuitenpater Jean-Baptiste Girard in den 1730er Jahren europaweit bekannt. – Unbeschnitten. – Etwas gebräunt.

Lot 412 Curiosa
Ausführliches Leben und besondere Schiksale eines wilden Knaben von zwölf Jahren der zu Barra einer Schottländischen Insel von zweyen berühmten Ärzten gefangen und auferzogen worden. Frankfurt und Leipzig, 1759. 80 S. 17,5 x 10 cm. Rückenbroschur. [*]
Result 240 €
Erste Ausgabe. – Kitchen, Kaspar Hauser: Europe’s Child 195, 14 – Bruland, Wilde Kinder in der Frühen Neuzeit, S. 39-44. – Haarsträubende Geschichte, die von Bruland ob ihrer Authentizität auch stark angezweifelt wird: Im Sommer 1756 besucht der “bekannte Physicus zu Edinburg, Milsintown” die schottische Insel Barra um naturkundliche Studien dort zu betreiben; er sieht ein wie einen Hund sich bewegendes Wesen, das bald eingefangen wird und sich als “Knabe von 14 bis 15 Jahren” und “nakend, schwarz und zottigt am Leibe” entpuppt. Der Junge gibt nur tierische Laute von sich und ernährt sich ausschließlich von rohem Fleisch. Bei genauerer Untersuchung zeigt sich, dass der Junge ein entwichener Sklave sein muss; am Hintern hat er ein Brandzeichen und in den Ohren Löcher. Das Gesicht wird als grauenhaft hässlich beschrieben, entstellt von Narben, der Mund sei “einem Löwenrachen ähnlich”. Bei dem Versuch, ihm durch eine fehlgeschlagene Operation sein Sprachvermögen zurückzugeben, werden die Entstellungen noch schrecklicher. – Der spanische Kaufmann Don Josepho Valverde klärt den “Entdecker” des Wilden Kindes über dessen Herkunft auf. Das Kind wäre von vornehmer Herkunft, sein Vater ehemals “der oberste Sklave bey dem Holländischen Commandanten” in Curacao, aber als Anführer eines Sklavenaufstandes wäre dieser grausam von den spanischen Herrschern getötet worden. Dessen Frau sei während des Aufstandes mit dem Kind geflohen, auf Barra gelandet, dort bald verstorben und der Knabe sei nun auf der einsamen Insel einsam wie ein wildes Tier aufgewachsen. – Bald verstirbt der Eduard genannte Junge im Gewahrsam des Dr. Milsintown, der mit der Leiche seine naturwissenschaftlichen Pläne weiter verfolgt: “Sein Cadaver stehet nun auf dem grossen Saal der anatomischen Akademie zu Edenburg, und erhält noch sein Angedenken.” – Bruland schildert recht ausführlich das Für und Wider der Echtheit der alle Stereotypen des “Wilden Kindes” bedienenden Geschichte; Fazit ist, dass der sicherlich deutsche Autor (das Vorwort gaukelt eine Übersetzung aus der “Schottländischen Sprache, die noch weit schwerer, als die Englische” zu verstehen sei, vor) sich an dem Erfolg eines wohl im selben Verlag erschienenen Werkes über das tatsächlich existente Wolfskind Marie-Angélique Le Blanc anhängen wollte. – Gutes Exemplar.

Lot 413 Curiosa – Condamine, Charles Marie de la und Marie-Catherine Homassel Hequet
Merkwürdiges Leben und Begebenheiten eines in der Wildniß aufgewachsenen Mädgens von zehn Jahren welches vor kurzem im Wald gefunden und hernach eine Nonne geworden. Herausgegeben von der Frau H–T. Mit Holzschnitt-Titelvignette (ein Mensch steht auf einer Seite eines Flusses, wilde Tiere auf der anderen Seite; darüber das Motto “Volunt sed non possum”). Frankfurt und Leipzig, gedruckt bey Christian Ulrich Wagner in Ulm, 1756. 80 S. 17,5 x 11 cm. Einfacher Pappband im Stil der Zeit. [*]
Result 950 €
Erste deutsche Ausgabe. – Frauen reisen 401 – Weber/Mithal 181 – Barbier I, 2986 (löst “H-T” auf) – Bruland, Wilde Kinder in der Frühen Neuzeit, S. 26-30. – Übersetzung der 1755 anonym erschienenen “Histoire d’une jeune fille sauvage”, die von Condamine herausgegeben wurde auf der Grundlage einer ersten Beschreibung durch Mme. Hequet. – Umfangreichste und wichtigste Quelle zu Marie-Angélique Le Blanc (1712-1775), dem sog. “Wilden Mädchen von Songy”, bzw. “der Champagne”. – Der Fall des im September 1732 nahe dem kleinen Dorf Songy in der Champagne aufgegriffenen Mädchens, das zwischen ihrem 9. bis 19. Lebensjahr alleine die französischen Wälder durchstreifte, erregte in Europa großes Aufsehen. Das mit einer Keule bewaffnete, nur in Lumpen und Felle gehüllte Mädchen, Gesicht und Hände “noirs comme une Négresse”, wird von den Bauern zunächst für den Teufel selbst gehalten. Nach einer gründlichen Reinigung im Anwesen des Vicomte d’Epinoy wird sie als Weiße erkannt; sie hat deutliche Sprachdefizite, ist nur an rohe Nahrung gewöhnt (angeblich verschluckt sie lebende Frösche) und weigert sich, die zivilisatorischen Anstrengungen ihr gegenüber anzunehmen. Die ungewohnte Umgebung löst epileptische Anfälle aus, schwerkrank erhält sie im Hospital eine Nottaufe und wird schließlich nach ihrer Heilung auf Zuspruch des Herzogs von Orléans, in das Kloster Ste. Menehould gebracht, wo sie einige Jahre später von Condamine besucht und ausgiebig befragt wird. Dieser zieht allerdings falsche Schlüsse, er sieht das “Wolfskind” Marie-Angélique als Eskimokind aus Labrador an, das als Sklavin über die Antillen nach Europa gebracht wurde und der dort die Flucht gelang. Eingehende neuere Forschungen von Serge Aroles (L’Enigme des enfants-loups: Une certitude biologique mais un déni des archives 1304-1954; Paris, Editions Publibook, 2007) stellen die Situation allerdings etwas anders dar: Sie stammt aus dem Volk der Fox-Indianer (auch Mesquakie oder Meskwahki) und ist geboren im heutigen Wisconsin (damals Teil des französischen Louisiana). Von einer Madame de Courtemanche als Begleiterin ausgewählt, wurde sie von Kanada nach Frankreich gebracht, bei der Ankunft in Marseille wütete die Pest und Marie-Angélique flüchtete durch die Provence zu Fuß bis zu den Ardennen. – Das ungewöhnliche Leben fernab der Zivilisation machte sie natürlich interessant als Studien- und Beispielsobjekt der Aufklärung; neben Gesprächen mit zahlreichen Gelehrten nahm Carl von Linné das Mädchen als weitere Abweichung eines “Wilden Menschen” (Homo ferus) in die 1768 erschienene 12. Auflage der Systema Naturae auf und titulierte es dort als Puella Campanica (“Champagnisches Mädchen”). Der schottische Philosoph Lord Monboddo besuchte sie 1765 in Paris und bezeichnete sie als die außergewöhnlichste Person, die er je getroffen habe. Die französische Königin setzte ihr eine nicht unbeträchtliche Leibrente aus, Marie-Angélique Le Blanc soll vermögend gestorben sein. – Gutes Exemplar.

Lot 414 Curiosa – Fitudi (Pseudonym)
Der verthädigte Hundes-Voigt, wie derselbe vor dem Throne Apollinis, in Gegenwart derer Musen, pro und contra ventiliret worden ist. Denen Musen-Söhnen, welche, als rechtschaffene Leute, mit diesem Pop-hans der Hundsvötterey belästiget worden. Gedruckt an dem Musen-Berge, 1735. 4 Bl., 150 S., 1 weißes Bl. 17 x 10 cm. Neuer Pappband. [*]
After-Sale Price 200 €
Seltene erste Ausgabe. – Maltzahn, Bücherschatz 2065 – Erman-Horn I, 13021: “Behandelt die Satisfaktionsfrage”. – Interessant zur Geschichte der Kodifizierung von studentischen Duellregeln. Der unbekannt gebliebene Autor schildert durchaus unterhaltsam den Streit zweier Kontrahenten und die Auflösung nach gegebenen Regeln. – Ein Wirtshausstreit eskaliert: Der Student Philomus wird vom Offizier Perforce zum trinken gedrängt, was Pholomusa aber verweigert und es zum verbalen Schlagabtausch kommt. Der Student wird als “Hundsvott” und “Canaille” beschimpft, der Offizier bekommt eine Ohrfeige – der Streit wird zum Faustkampf vor der Tränke, den Perforce verliert. Am nächsten Tag wird Philomus über einen Dritten zum Duell gefordert, was dieser aber mit der Begründung ablehnt, dem Offizier als Agressor stünde die Forderung nicht zu. Außerdem räumt er ein, dass er den Offizier eventuell unwissentlich provoziert habe. Als conclusio ist ein solch vorangegangenes Geschehen nicht geeignet, um ein Duell nach dem Komment erforderlich zu machen, der Ehre beider Kontrahenten ist kein Schaden zugefügt worden. – Etwas gebräunt.

Lot 415 Curiosa – Kritzinger, Friedrich Adolph
Artige Modernitäten für Mannspersonen und Frauenzimmer curiös zulesen von Hans guck in die Welt. (Ohne Ort und Verlag), 1775. 64 S. 19 x 11,5 cm. Rückenbroschur. [*]
Result 300 €
Erste Ausgabe, anonym erschienen. – ADB XVII, 173: “Er hat sich bei seinen Zeitgenossen als der Verfasser schmutziger Schriften, die er seit 1760 in eigenem Verlage erscheinen und meistens mit gefälschten Autornamen, wozu er die der geachtetesten Persönlichkeiten, wie u.a. des Consistorialraths J. Fr. Danneil zu Quedlinburg, + 1772, und des Arztes Tissot, mißbrauchte, sowie mit fingirten Druckorten versehen (Scherzfeld, Amsterdam, An der Pleiße, Zürich, Straßburg, London etc.) erscheinen ließ, einen sehr berüchtigten Namen erworben und mit Recht haben die Litteraturzeitungen jener Zeit daran erinnert, daß ihm hierfür dieselbe Strafe gebühre, wie dem englischen Buchhändler Edmund Curl, + 1746, welcher wegen eines von ihm herausgegebenen Romans an den Pranger gestellt und zur Abschneidung der Ohren verurtheilt worden sei”. – Beschäftigt sich stichpunktmäßig mit Fragen wie: “Warum meidet ein jedes schwangeres Thier den Beyschlaf, ausgenommen die Weiber nicht?”; “Warum die Dummen, denn so sagt man, mehr Kinder, als kluge Leute erzeugen” und “Ist es wahr, daß die Austern, Artischocken und Erdäpfel, oder Erdnüsse männlicher im Coitu machen”. – Unbeschnitten. – Gebräunt.

Lot 416 Curiosa – Kritzinger, Friedrich Adolph
Mode-Modernitäten für Mannspersonen und Frauenzimmer curios zu lesen von Hans guck in die Welt. (Ohne Ort und Verlag), 1775. 64 S. 19 x 11,5 cm. Rückenbroschur. [*]
Result 250 €
Erste Ausgabe, anonym erschienen. – Hayn-Gotendorf V, 44 – ADB XVII, 173: “Er hat sich bei seinen Zeitgenossen als der Verfasser schmutziger Schriften, die er seit 1760 in eigenem Verlage erscheinen … ließ, einen sehr berüchtigten Namen erworben.” – Beschäftigt sich stichpunktmäßig mit Themen wie: “Der Titel muß das Buch verkaufen”; “Liebhaber”; “Cölibat oder eheloser Stand”; “Mittel sich einen großen Namen zu erwerben” usw. – Unbeschnitten. – Gebräunt.

Lot 417 Curiosa
Die Vestalinnen oder der Keuschheitsorden. Allen deutschen Jünglingen und Mädchen, Eltern und Erziehern gewidmet. Neue, wohlfeilere Auflage. Elberfeld, Büschler, 1812. 110 S. 15 x 9,5 cm. Marmorierter Pappband der Zeit mit goldgeprägtem roten Rückenschild und roten goldgeprägten Deckelvignetten (“Z” und “F”). [*]
Result 400 €
Titelauflage der 1799 ebenfalls in Elberfeld erschienenen ersten Ausgabe. – Hayn-Gotendorf VIII, 122f.: “Originelles Opus, enth. moral.-diatetische Regeln u. Maximen für Mädchen zur Zeit des Mannbarwerdens. – S. 62: 6tes Gesetz: Die Keuschheitsjungfrauen haben alle Unterhaltungen mit solchen Gegenständen, die den Geschlechtstrieb zu früh erwecken, u. der Keuschheit gefährlich werden können, sorgfältigst zu vermeiden; u. namentlich alle verführerischen Schauspiele, so wie das Lesen aller schlüpfrigen Wollustathmenden Schriften. – S. 83. 7tes Gesetz: Die Keuschheitsjungfrauen haben alle mechanische Reize (!), die die Mannbarkeit zu früh befördern, u. besonders jeden unreifen Beischlaf u. die Selbstbefleckung zu vermeiden.” – Leicht gebräunt, aber nicht fleckig!

Lot 418 Curiosa
Wahrheiten aus dem Saturn. Frankfurt und Leipzig, 1778. 55 S. 15,5 x 9,5 cm. Rückenbroschur. [*]
Result 200 €
Seltene erste Ausgabe, anonym erschienen. – Hayn-Gotendorf VIII, 291. – Schilderung des Besuches eines Saturnianers auf Erden, der vom Verfasser über die Besonderheiten unserer Species aufgeklärt wird. – Leicht gebräunt.

Lot 419 Curiosa – Xongo-Tee-Foh-Tchi (Pseudonym)
Geheime Papiere des Teufels. Erster und zweiter Teil in einem Band (Zweiter Titel: Napoleon in der andern Welt.) Eine Erzählung von ihm selbst geschrieben und bei seinem Grabhügel gefunden auf der Insel St. Helena von Xongo-Tee-Foh-Tchi, Mandarin der dritten Klasse. Aus dem Englischen. Stuttgart, Franckh, 1828. 320, 160 S. 17 x 10,5 cm. Halblederband der Zeit mit zwei farbigen Rückenschildern (etwas berieben, Kapital leicht bestoßen). [*]
Result 200 €
Erste deutsche (?) Ausgabe. – Hayn-Gotendorf V, 311 und Weller, Pseudonyme S. 618 (beide ohne Auflösung des Pseudonyms). – Über KVK nur zwei Nachweise in deutschen Bibliotheken (Staatbibliotheken Berlin und München, beide ohne Nennung des Verfassers). – Die in einem Antiquariatskatalog vorgenommene Zuschreibung an den französischen General Antoine Henri de Jomini können wir nicht nachvollziehen. Fromm (III, 398f.) und Querard (IV, 241f.) verzeichnen zwar mehrere militärwissenschaftliche Werke von Jomini sowie eine vierbändige Biographie Napoleons, jedoch nicht den hier vorliegenden Titel. – Vorsatz mit altem Besitzvermerk, etwas gebräunt, wenige Blatt mit schwacher Wurmspur im weißen Rand, am Anfang mit dezenten Bleistiftanstreichungen.

Lot 420 Diebe und Mörder
Actenmäßiger Verlauf, die vor denen Wohledlen Stadt-Gerichten zu Leipzig, wegen verschiedener Erzdiebe und Räuber, welche sich zu der Kunzisch-Mehnertisch- und Heßischen Bande gehalten, ergangene Peinliche Untersuchung, derer Inquisiten gethanes Bekänntnis, Todes-Urthel und dessen am 3ten Jun. 1763. auf dem Marckte allhier, auf einem besonders erbauten Gerüste, ingleichen am 27ten Januar. 1764. an gewöhnlicher Feimstädte darauf erfolgte Vollziehung betreffend. Mit gestochenem Frontispiz und 5 Kupfertafeln. Leipzig, 1764. 3 Bl., 260 S. 20 x 17 cm. Neuer Lederband mit goldgeprägtem Deckeltitel. [*]
Result 800 €
Erste Ausgabe. – Avé-Lallemant I, 238 – Huelke-Etzler I, 2317. – Berichtet über Verhaftung, Prozess und die in Leipzig erfolgte Hinrichtung von sechs Angehörigen einer Räuberbande, darunter der Anführer J. G. Kunze. Die aus 40 Mitgliedern bestehende Bande bewegt sich zwischen Hessen und Böhmen und beging unzählige Einbrüche und Pferdediebstähle. Während der scharfen Befragung erbot sich der Anführer, trotz behaupteter Schuldlosigkeit, “als Vergeltung für seine gebetene Freilassung, ein Gaunerbuch zu schreiben und damit allen Diebereien in Zukunft vorzubeugen” (Ave-Lallemant). Das Mitglied Johann Andreas Bamberg simulierte Wahnsinn und konnte so seine Hinrichtung um acht Monate verzögern. – Das Frontispiz zeigt Kunze kurz vor seiner Verhaftung als “Juncker Hans” zu Pferde, die Tafeln andere Bandenmitglieder. – Gutes Exemplar.

Lot 421 Diebe und Mörder
Des bekannten Diebes, Mörders und Räubers Lips Tullians und seiner Complicen Leben und Ubelthaten. Dabey Gottes sonderbahre Schickung erhellet, als vor der Königl. Commission neuen Personen ohne Tortur, ihre begangenen großen Missethaten gütlich bekannt haben, ohngeachtet ihrer Viere davon zu anderen Zeiten, die Tortur zu 3. und 4. mahlen ausgestanden und die Wahrheit halßstarriger Weise verhalten und von solchen Fünffe am 8. Mart. 1715 durch das Schwerdt vom Leben zum Tode gestraffet und ihre Cörper auf 5 Räder geflochten worden. Alles aus denen Judical-Actis mit Fleiß extrahiret und dem grossen Gott zu Ehren denen Frommen zu Betrachtung der Göttlichen Gerechtigkeit und Barmherzigkeit un den Bösen zur Warnung und Bekehrung ausgefertiget, und in öffentlichen Druck gegeben worden. 2 Teile in 1 Band. Mit gestochenem Frontispiz und 13 (4 gefalteten) Kupfertafeln. Dresden, Krause, 1716. 7 Bl., 232, 260 S., 5 Bl. 20 x 16,5 cm. Halbpergament der Zeit (etwas berieben und bestoßen, unteres Kapital mit kleiner Fehlstelle). [*]
Result 600 €
Erste Ausgabe. – Vgl. Ave-Lallement I, 223 – Huelke-Etzler 1262 – Wagner, Die Litteratur der Gauner- und Geheim-Sprachen 10 – Hayn-Gotendorf IV, 221. – Der aus Straßburg stammende Philipp Mengstein alias Lips Tullian (geb. 1673) organisierte eine weitverzweigte Räuberbande und hatte durch seine exzellenten Kontakte nach Frankreich und Holland auch einen guten Absatzmarkt für seine Beute. Das umfangreiche Werk bringt zu Beginn eine Geschichte der sächsischen Räuberbanden, dann die Schilderung der vielfältigen Gewaltverbrechen der Bande Lips Tullians, ausführliche Biographien der acht wichtigsten Spießgesellen und eine Beschreibung der Hinrichtungen. – Friedrich Schiller wurde durch die vorliegende Schilderung zur Figur des Karl Mohr inspiriert; auch in der Bibliothek von Bertolt Brecht befand sich eine Ausgabe des Werkes und mag auch zur Inspiration gedient haben. – Block gelockert, Frontispiz und Titel im Falz etwas beschädigt, bei einer Falttafel Ausriss an der rechten oberen Ecke mit etwas Bildverlust, teils fingerfleckig bzw. etwas gebräunt, insgesamt gebrauchsspurig.

Lot 422 Diebe und Mörder – Moser, Johann Jacob
Seelige letzte Stunden, 31 Personen, so unter des Scharfrichters Hand gestorben: vor der Welt, als Kindes- und andere Mörder, Duellanten, Räuber, Jauner, Diebe, Mordbrenner, Viehich-Unzüchtige … Vor Gott aber, als in dem Blute Jesu gerechtfertigt- und abgewaschene, oder doch Gnadenhungerige Seelen. Stuttgart u.a., G. F. Jenisch, 1753. 909 S., 1 Bl. 16 x 10 cm. Halblederband der Zeit mit goldgeprägtem Rückenschild und etwas Rückenvergoldung (etwas berieben). [*]
After-Sale Price 500 €
Erste Ausgabe dieser Sammlung von Berichten über die letzten Lebensstunden von zum Tode verurteilter Verbrecher und Mörder. – Huelke-Etzler 1497 – Wächter 272 – Schömbs 175. – Gering gebräunt und fleckig, Titel mit Stempel.

Lot 423 Diebe und Mörder – Rocoles, Joh. Baptista von
Begebenheiten ausnehmender Betrüger. In zwey Theilen. Mit Anmerkungen und einer Vorrede herausgegeben von D. Carl Friedrich Pauli. 2 Teile in 1 Band. Mit 2 Titelkupfern und 22 Porträt-Kupfertafeln. Halle, Francken, 1760. Titel, 12 Bl., 666 S. 20 x 11,5 cm. Halbpergament der Zeit (beschabt, Rücken unten mit 4 cm Fehlstelle). [*]
Result 240 €
Erste deutsche Ausgabe. – Fromm 22167 – Borst 110. – Interessantes Werk über Betrüger und Hochstapler, falsche Könige und Prinzen wie Amerdis, Alexander Balas, Waldemar v. Brandenburg, Demetrius v. Rußland, aber auch über die “Messiasse” Bar Kochba und Sabbatai Ben Zwi, den Hussiten Jan Ziska und den Wiedertäuferkönig Jan Bockelson. Weitere Kapitel: “Der falsche Mustapha” (türkischer Kaiser); “Der falsche Jacob Heraclides” (Fürst der Moldau und Wallachey); “Der falsche Zaga-Christ” (König von Äthiopien); “Der zweifelhafte Betrüger Nanking” (chinesischer Kaiser); “Der falsche Chan” (der persische Herr Sei Faga); “Der fromme Betrüger Suantopolk” (König von Mähren) und viele andere mehr. Am Ende ein Kapitel “Historische Betrachtungen über die Bosheiten der Juden”. – Seiten 265-268 hinter Seite 269 verbunden, wenige Lagen stärker gebräunt, vereinzelt leicht fleckig, auf einigen Seiten Wurmgang im Rand (kein Buchstabenverlust).

Lot 424 Diebe und Mörder – Schuhbauer, Thomas Joachim
Appellation zur Gerechtigkeit des Publikums wider die lügenhafte und unverschämte Vertheidigung der Justiz-Mörder zu Amberg. Zur Rechtfertigung des Herrn Hofrath Schlözers und seines Ambergischen Korrespondenten. Ein nöthiger Beitrag zum Zehnten Heft der Staats-Anzeigen. (Ohne Ort und Verlag), 1784. 48 S. 16,5 x 11 cm. Rückenbroschur.
After-Sale Price 200 €
Erste Ausgabe, die wir über KVK nur in Bonn und München nachweisen können, anonym erschienen. – Holzmann-Bohatta I, 2870. – Sehr seltene Schrift des aufgeklärten Benediktiners und Pädagogen Joachim Thomas Schuhbauer (1743-1812), der von 1781 bis 1783 und von 1785 bis 1786 selbst am Lyzeum in Amberg gewirkt hatte. – Schuhbauer verteidigt die in Schlözers Staats-Anzeiger gegen die Amberger Justiz erhobenen Anschuldigungen in Bezug auf die Hinrichtung einer “ledigen Weibs-Person” deren Kind heimlich tot zur Welt gekommen war. – Etwas gebräunt, wenige Anstreichungen, etwas eng beschnitten.

Lot 425 Doré, Gustave – Dante Alighieri
Bozhestvennya komediya (Die Göttliche Komödie). Bände 2 und 3. Mit 15 Holzstich-Tafeln nach Gustave Doré, illustrierten Titelblättern und reichem Buchschmuck. Sankt-Petersburg, M. O. Wolff, 1876-1879. 4 Bl., 320 S., 1 Bl; 2 Bl., 305 S., 1 Bl. (die ersten und letzten Bl. weiß). 33 x 27 cm. Rote Original-Ganzlederbände mit goldgeprägtem Rücken- und Deckeltitel, reicher ornamentaler und floraler Gold- und Blindprägung, umlaufendem Goldschnitt und Moirée-Vorsätzen (etwas berieben, bestoßen und schabspurig, leicht fleckig, Rücken nachgedunkelt, ein Kapital geklebt). [*]
After-Sale Price 1200 €
“Die Vorhölle” und “Das Paradies” in der Prachtausgabe des bedeutenden russischen Verlegers und Buchhändlers Moritz Ossipowitsch Wolff (1825-1883). Seine “Göttliche Komödie” war die erste komplette russische Ausgabe von Dantes Meisterwerk. Die Übersetzung bzw. Nachdichtung erledigte der Schriftsteller Dmitry Minayev (1835-1889), der nach eigener Aussage kein Wort Italienisch sprach. – Die Clichés zu Dorés ikonischen Illustrationen, erstmals 1861 in Paris erschienen, stammen von R. Pannemaker, J. Gauchard, L. Dumont u.a. – Ohne den in Leipzig gedruckten ersten Band. – Leicht gebräunt, teils etwas fleckig, die Tafeln von Band 2 stärker fleckig.

Lot 426 Faksimile
Biblia sacra. (The Gutenberg 42 Line Bible). 2 Bände. Mit zahlreichen, teils goldgehöhten Initialen, Vignetten und Rankenschmuck. New Jersey und New York, Pageant Books, 1961. Unpaginiert. 47 x 32 cm. Original-Lederbände der Zeit mit goldgeprägten Rücken, etwas Deckelvergoldung und blindgeprägten Initialen Gutenbergs, signiert: ALPHA N.Y. (Gelenke und Deckel etwas beschabt). [*]
Result 2000 €
Eins von 1000 nummerierten Exemplaren. – Laut Druckvermerk die erste in den USA und die zweite weltweit gedruckte Faksimile-Ausgabe. Das Faksimile basiert auf dem Nachdruck des Insel Verlags, welcher auf den Exemplaren der Staatsbibliothek Berlin und Landesbibliothek Fulda basiert. – Sehr gut erhalten.

Lot 427 Faksimile
Codex Vysehradensis. Prachtvolle Faksimileausgabe der illuminierten Handschrift des Krönungs-Evangeliars für König Vratislav. Prag, Pragopress, 1970. 108 Bl.; 63, 2 S. (Kommentarband). 42,5 x 32 cm. Stoffbezogener Einband mit eingewebten Bordüren in verschiedenen Farben und Original-Pappband in Pappkassette (diese mit angeplatzten Gelenken und etwas berieben).
Result 440 €
Edition Cimelia Bohemica Vol. XIII. – Eins von 780 nummerierten Exemplaren. – Mit einem mehrsprachigen wissenschaftlichen Begleitband. – Der Codex Vysheradensis entstand wohl im letzten Drittel des 11. Jahrhunderts; er “gehört zu den großartigsten Werken der romanischen Buchmalerei nicht nur Böhmens.” (Begleitband). – Prachtvolles Faksimile.

Lot 428 Faksimile
Das Gebetbuch Kurfürst Maximilians I. von Bayern. Vollständige Faksimile-Ausgabe der Handschrift Clm 23640 der Bayerischen Staatsbibliothek, entstanden um 1600. Farbiges Vollfaksimile und Kommentarband in 2 Bänden. Frankfurt, S. Fischer und Stuttgart, Müller & Schindler, 1986. 255 S. (Kommentar, 22 x 13,5 cm); 2 Bl., 132 Bl. (Faksimile, 15 x 10 cm). Original-Halbpergament (Kommentar) und roter Original-Seidenband mit 9 Messingbuckeln und 2 Messingschließen. In blauer Original-Leinwandkassette mit goldgeprägtem Rückentitel. [*]
Result 900 €
Eins von 980 Exemplaren. – Wiedergabe der Goldpartien in Handvergoldung mit 23,5 Karat. – Tadellos.

Lot 429 Faust – Klinger, Friedrich Maximilian von
Geschichte Raphaels de Aquillas in fünf Büchern. Ein Seitenstück zu Fausts Leben, Thaten und Höllenfahrt. St. Petersburg (das ist: Leipzig, Jacobäer), 1793. 2 Bl., 472 S., 2 Bl. 16 x 10 cm. Halblederband der Zeit mit rotem Rückenschild und -vergoldung (etwas berieben, Kapital etwas bestoßen). [*]
Result 440 €
Erste Ausgabe der bedeutsamen Bearbeitung des Faust-Stoffes, anonym erschienen. – Holzmann-Bohatta II, 6754 – Goedeke IV 1, 809, 27a – Schulte-Strathaus 212, 24a. – Der Goethe-Freund F. M. Klinger (1752-1831), seit 1780 in russichen Diensten, wurde als Kurator der Universität Dorpat wichtiger Vermittler deutscher Kultur im Baltikum. Neben J. M. Lenz war er bedeutendster und fruchtbarster Dramatiker des Sturm und Drang (die Bezeichnung dieser Epoche geht zurück auf ein Klinger-Drama). – Leicht gebräunt. Sehr gutes Exemplar.

Lot 430 Festbücher – Kriegl, G.C
Erb-Huldigung, welche der Allerdurchleuchtigst-Größmächtigsten … Mariae Theresiae, zu Hungarn, und Böheim, Königin, als Ertz-Herzogin zu Oesterreich, von denen gesammten Nider-Oesterreichischen Ständen… abgeleget den 22. Nov. A. 1740… Mit Porträt-Frontispiz und 10 (von 11, 6 doppelblattgroßen) Kupfertafeln. Wien, Schilg, 1740. 92 S. 43 x 27 cm. Lederband der Zeit mit Wappensupralibros auf beiden Deckeln (berieben und bestoßen, mit kleineren Fehlstellen im Bezug, unteres Kapital mit Fehlstelle). [*]
Result 330 €
Erste Ausgabe – Vinet 681 – Katalog der Ornamentstichsammlung 2893. – Die Tafeln zeigen Etappen des Festzugs, verschiedene Feierlichkeiten, Festmähler usw. – Wie oft ohne die große Tafel des Festzugs. – Kaum fleckig, teilweise mit Wurmgängen im Falz, innen schönes Exemplar.

Lot 431 Festbücher – Stillfried-Alcantara, Rudolf Maria Bernhard von
Die Krönung Ihrer Majestäten des Königs Wilhelm und der Königin Augusta von Preussen zu Königsberg am 18. October 1861. Mit farbig lithographiertem Titel, 1 lithographierten Wappen-Tafel, 9 getönten lithographierten Porträts, 5 (4 getönten) lithographierten Tafeln und 3 farbig lithographierten Plänen, dazu viele Illustrationen, Initialen und Vignetten in Holzstich und Lithographie sowie 2 mehrfach gefaltete Stammtafeln. Berlin, R. v. Decker, 1868 (recte 1872). 8 nn., 87 num. Bl., 84 S. 74,5 x 54 cm. Original-Ganzlederband mit Rückenvergoldung, goldgeprägtem Deckeltitel, goldgeprägtem Wappensupralibros, Eckvignetten und Ganzgoldschnitt (etwas beschabt.) [*]
After-Sale Price 1500 €
Lipperheide Sbb 42. – Monumentale Prachtausgabe anlässlich der Krönung Wilhelms zum König von Preußen in der Schlosskirche zu Königsberg. Mit Porträts der preußischen Monarchen, die Tafeln zeigen die Krönungszeremonien und Festlichkeiten in Königsberg sowie den Einzug und das Ballfest in Berlin. Obwohl der Titel mit 1868 datiert ist, ist Stillfrieds Vorwort mit “18. Januar 1872” bezeichnet. – Vorsätze erneuert, Innengelenke teilweise sauber restauriert, im vorderen Teil stellenweise stärker stockfleckig, Stammtafeln mit Randläsuren, zwei mit altem Klebeband fixiert.

Lot 432 Fielding, Henry
Reise nach Lissabon. Von ihm selbst beschrieben. Aus dem Englischen übersetzt. Nebst einer Nachricht von den Lebensumständen dieses berühmten Schriftstellers. Mit gestochener Titelvignette (Fritzsch sc.). Altona, David Iversen, 1764. Titel, 262 S. 17,5 x 10 cm. – Angebunden: Derselbe. Reise nach der andern Welt aus dem Englischen. Mit einer halbseitigen gestochenen Titelvignette (M. Tuscher inv., Laan sc.). Kopenhagen, Rothensche Buchhandlung, 1759. 4 Bl., 263 S. Lederband der Zeit mit Rückenschild und blindgeprägten Deckelfileten (eine Ecke etwas bestoßen, vorderes Gelenk oben etwas angeplatzt). [*]
Result 380 €
Erste deutsche Ausgaben. – Zu 1) Price & Price, Humaniora S. 68. – Das letzte Buch Fieldings (1707-1754), 1755 aus dem Nachlass veröffentlicht, ist das Tagebuch einer Schiffsreise in wärmere südliche Gefilde, die sein Arzt dem Todkranken angeraten hatte. Wegen ungünstiger Winde dauerte die Passage beinahe anderthalb Monate, eine Tortur für den schmerzgeplagten, beinahe bewegungsunfähigen Autor, was deutlichen Niederschlag in den Notizen fand. Bereits zwei Monate nach der Ankunft in Lissabon starb Fielding. – Zeitgenössischer Name auf dem Titel, Vorsatz fehlt. – Zu 2) Price & Price, Literature 359. – Die sehr seltene Prosasatire nach Art von Lukians Jenseitsdichtungen erschien im Original zuerst 1743. – “Formal lehnt (sie) sich insbesondere an die Göttergespräche, die Totengespräche und die Wahren Geschichten an. Eindeutig ist ferner die ironische Nachahmung der damals grassierenden Reiseliteratur. … Fieldings vielschichtige Reise ‘übertrifft an Humor und Ironie alle sonstigen von ihm selbst und von anderen unternommenen Versuche, Lukian zu modernisieren.’ (W.L. Cross).” (KNLL V, S. 558f.). – Titel etwas eng, jedoch ohne Textberührung beschnitten. Schönes Exemplar.

Lot 433
Frankfurter Mess-Relation. Das ist: Halbjährliche Erzehlungen der neuesten Staats- und Welt-Geschichten. 6 Bände der Reihe in 1 Band. Mit 2 gefalteten Kupfertafeln und 5 gefalteten Kupferstichkarten. Frankfurt, Jäger, 1772-1774. 21 x 17 cm. Halbpergamentband der Zeit (berieben und bestoßen). [*]
Result 750 €
In den halbjährlichen Berichten ist jeweils das Geschehen in Reich und Welt von der Herbst- bis zur Ostermesse und von der Oster- zur Herbstmesse zusammengefasst. – Vgl. Hayn-Gotendorf V, 96. – Die – oft fehlenden – Karten mit der Krim, Polen, Rußland, Bessarabien und Ungarn, die Tafeln mit der Darstellung des versuchten Mordanschlags auf den polnischen König Stanislaus August 1771 und von den Hinrichtungen der Grafen Enevold von Brandt (1738-1772) und Johann Friedrich von Struensee (1737-1772), des fortschrittlichen Arztes, Aufklärers und Menschenfreundes, “fatale Begebenheiten”, die vergleichsweise ausführlich im zweiten Stück vorliegenden Bandes gebracht werden. – Vorsätze entfernt, Titel der ersten Relation gelockert, Tafeln und Karten teils fleckig und alt hinterlegt, zwei Stücke am Seitensteg mit kleinen Wurmspuren, etwas gebräunt.

Lot 434 Fürstenschule – Schuchardt, Jakob
Archontryphia. Oder Prinzen-Lust, worinnen gewiesen wird, wie ein hohes Haupt und Regent, nach denen gesetzten Grund-Regeln, wol und weißlich regieren kan; zum Unterricht und Anführung eines mächtigen gekrönten Hauptes zusammen geschrieben, durch einen Liebhaber aber guter Sitten-Lehren aus der ausländischen in unsere Teutsche Sprache gebracht. Mit gestochenem Frontispiz. Nürnberg, Zieger und Froberg, 1703. 12 Bl., 500 S. (S. 489-500 sind gefaltet). 16,5 x 10 cm. Pergamentband der Zeit (etwas angestaubt, Rücken mit kleiner Bezugsfehlstelle). [*]
Result 450 €
Erste Ausgabe. – Faber du Faur 1683a. – Nicht häufiger Fürstenspiegel; Schuchardt war sächsischer Geheimrat. Ab S. 278 eine Chronologie historischer Ereignisse von 3347 v. Chr. (Verstoßung Adams aus dem Paradies) bis 1702. – Alter Namenseintrag auf dem Titel, teilweise etwas stärker gebräunt.

Lot 435 Fürstenschule – Sintenis, Christian Friedrich
Theodor; oder über die Bildung der Fürstensöhne zu Fürsten. Von M-. Erster und zweiter Teil in zwei Bänden. Mit 1 gestochenen Frontispiz (B. Glasbach del. et sc.). Berlin, Arnold Wever, 1786. 2 Bl., 593 S.; Titel, 490 S. 17 x 10 cm. Halblederbände der Zeit mit 2 farbigen Rückenschilden und etwas Rückenvergoldung. [*]
Result 200 €
Erste Ausgabe des Fürstenspiegels in Form eines Bildungsromans, anonym erschienen. – Goedeke IV/1, 598, 11, 12 (datiert irrig “1785”). – Chr. Fr. Sintenis (1750-1820), protestantischer Theologe mit Verdiensten um die Organisation des Armenwesens, dessen literarisches Hauptinteresse der Gestaltung des Staatswesens im Sinne der Aufklärung galt, veröffentlichte zu diesem Thema 1782 seinen oft wieder aufgelegten Fürstenspiegel “Hallo’s glücklicher Abend”, die eigenwillige Utopie “Trakimor” (1787) und das vorliegende Buch, das eine Anweisung zur rechten Ausbildung von Fürstensöhnen gibt, denn “das Wohl der Menschheit (beruht) darauf, daß man ihre Fürsten gut erziehe” (Band 2, S. 489). – Innendeckel und Vorsatz mit Exlibris und Stempel der Biliothek A. F. H. v. Seckendorff, Sugenheim. Band 1 mit zeitgenössischem Vermerk zu Kaufpreis und Buchbinderkosten. Sehr gutes Exemplar.

Lot 436 Gesangbuch
Geistliche und liebliche Lieder, welche der Geist des Glaubens durch Doct. Martin Luthern, Johann Hermann, Paul Gerhard, und andere seine Werckzeuge, in den vorigen und jetzigen Zeiten gedichtet, und die bisher in Kirchen und Schulen Der Königl. Preuß. und Churfst. Brandenburg. Lande bekannt, und mit königl. allergnädigster Approvation und Privilegio gedrucket und eingeführet worden, nebst einigen Gebeten und einer Vorrede von Johann Porst … Mit doppelblattgroßem Frontispiz. Berlin, Josua David Schatz, 1769. 12 Bl., 794 S., 14 Bl., 64, 168 S. (Anhänge). 16,5 x 8 cm. Schwarzer Lederband der Zeit über Holzdeckeln mit 2 Metallschließen (Ecken teileise stärker bestoßen).
Result 550 €
Erstmals 1728 erschienenes, für Preußen lange Zeit gültiges Porst’sche Gesangbuch. – Das doppelblattgroße Titelkupfer mit Porträtmedaillons des Königspaares über einer kleinen Gesamtansicht von Berlin. – Teilweise etwas gebräunt.

Lot 437 Görres, Guido
Der hürnen Siegfried und sein Kampf mit dem Drachen… Mit illustriertem Titel und 13 lithographierten Tafeln von Wilhelm von Kaulbach. Hurter, Schaffhausen, 1843. 80 S. 25 x 20 cm. Neuer Halblederband mit reicher Rückenvergoldung, goldgeprägtem Rückentitel und eingebundener illustrierter Original-Broschur (etwas fleckig, stellenweise professionell restauriert). [*]
Result 290 €
Erste Ausgabe. – Rümann 1084 – Borst 2063 – Rümann, Illustr. Buch, 300: “Selten geworden”. – Mit dem von Borst und Rümann nicht erwähnten lithographierten Titel (beide nennen einen Holzschnitt-Titel). – Unbeschnitten. – Exlibris. – Titel leicht gebräunt, sonst gut erhalten.

Lot 438 Goethe, Johann Wolfgang von
Faust. Préface et traduction de H. Blaze de Bury. Onze eaux-fortes de Lalauze. Gravures de Méaulle d’après Wogel et Scott. Mit Porträt-Frontispiz und 8 Radierungen auf Tafeln von Adolphe Lalauze sowie 65 figürlichen Kopf- und Schlussvignetten in Holzstich im Text (gestochen von Meaulle nach Wogel und Scott, bzw. 2 in Kupferradierung von Lalauze). Paris, Quantin, 1880. 2 Bl., XLIX S., 1 Bl., 274 S., 1 Bl. 32 x 22,5 cm. Halblederband der Zeit mit goldgeprägtem Rückentitel und reicher Rückenvergoldung sowie Kopfgoldschnitt. [*]
After-Sale Price 200 €
Erste Ausgabe dieses vom französischen Zeichner, Aquarellmaler und Radierer Adolphe Lalauze (1838-1905) prachtvoll ausgestatteten Werkes. – Vicaire III, 1016 – Henning II/1, 1115 – Engel 986. – Übersetzung in Versform, die der Prosa-Übersetzung von Blaze aus dem Jahre 1840 folgte. Der Illustrator (siehe Thieme-Becker XII, 240) war ein bedeutender Vertreter des Historismus. Mit der Frontispiztafel schuf Lalauze eines der schönsten Goethe-Porträts. – Zwei radierte Vignetten tragen die Signatur des Künstlers und wurden vielleicht in der auf dem Titel genannten Zählung von elf Radierungen berücksichtigt, denn auch im Verzeichnis finden sich nur die neun Tafelabbildungen. – Nur teilweise leicht gebräunt. Sehr gutes Exemplar.

Lot 439 Goethe, Johann Wolfgang von
Hermann und Dorothea. Neue Ausgabe. Mit 4 Kupfertafeln von M. Eisslinger nach Kolbe. Braunschweig, F. Vieweg, 1829. 3 (1 weißes) Bl., 239 S. 23 x 14,5 cm. Grüner langgenarbter Original-Chagrinlederband mit reicher ornamentaler Rückenvergoldung, Blindprägung und breiter Zierleiste auf den Deckeln, Zierleisten mit Eckfleurons im Innendeckel, rosafarbene Moireseidenspiegel, in der Mitte des vorderen Spiegels mit goldgeprägten Initialen, Goldschnitt (Rücken etwas aufgehellt, minimal berieben). [*]
After-Sale Price 500 €
Zweiter Druck mit diesen Illustrationen. – Goedeke IV/3, 335, 68, 2 – vgl. Rümann 1125 und Slg. Kippenberg 671 (beide Ausgabe 1822): “Dieser Prachtausgabe in typographischer Hinsicht ist gleichzeitig einer der ersten Verlegerliebhabereinbände zuteil geworden”. – Luxusdruck in großer Bodoni Type auf starkem Velinpapier im zeitgenössischen Prachteinband. Es handelt sich um einen der ersten Verlagseinbände, welcher bereits vom Verleger in dieser Form geliefert wurde. Diese weisen zum Teil leicht abweichende Dekors auf. – Stellenweise leicht braunfleckig, Ränder teils leicht gebräunt.

Lot 440 Goethe, Johann Wolfgang von
Herrmann und Dorothea. Mit gestochenem Frontispiz von Bolt und 9 Kupferstichen von Bolt und Kohl nach Catel. Braunschweig, Vieweg, 1799. 2 Bl., 231 S. 15,5 x 9,5 cm. Roter langnarbiger (vermutlich deutscher) Maroquinband der Zeit mit schwarzem Rückenschild, drei Intarsienbändern und Rückenvergoldung (leicht berieben, Ecken leicht gestaucht). [*]
After-Sale Price 200 €
Goethe’s neue Schriften. – Goedeke IV, 3, 334 – Rümann 346. – Innenspiegel mit einem auf einem Lederschild geprägten Wappenexlibris und einem weiteren Exlibris. – Leicht finger- bzw. braunfleckig, insgesamt schönes Exemplar im dekorativen Einband.

Lot 441 Goethe, Johann Wolfgang von
Ueber Kunst und Alterthum (Band 1, Heft 1-3:) in den Rhein und Mayn Gegenden. 18 Hefte in 6 Bänden. Mit 5 (1 gefalteten) Kupfertafeln und 2 gefalteten Tabellen. Stuttgart, Cotta, 1816-1832. 16,5 x 10,5 cm. Halblederbände der Zeit mit rotem Rückenschild und Rückenvergoldung (etwas berieben, Ecken und Kapitale teilweise bestoßen, Leder über den Gelenken teils etwas mürbe, 3 Gelenke angeplatzt). [*]
Result 400 €
Erste Ausgabe. – Hagen 487 – Goedeke IV/III, 542-571 – Kirchner 4115. – Vollständiges Exemplar mit allen Haupt- und Nebentiteln (zu Band 3, Heft 6 erschien kein Hefttitel). Von den wiederholten illustrierten, aber textlosen Original-Umschlägen des ersten Bandes ist ein Vorder- und ein Rückumschlag vorhanden, zu allen übrigen Heften sind die bedruckten Original-Umschläge beigebunden. Die Umschläge “sind wichtig, da sie (das heißt die zu Band 2ff.) nicht nur Inhaltsverzeichnisse und Verlagsanzeigen, sondern teilweise auch Nachträge und Sprüche enthalten” (Deneke 478). – 16 Jahre nach Beendigung der “Propyläen” war die in loser Folge über einen Zeitraum von noch einmal 16 Jahren erschienene Zeitschrift “das Publikationsorgan des alten Goethe für alle kulturellen Belange” (Conrady). – Teils etwas stockfleckig bzw. gebräunt, Vorsätze und Titel teils mit handschriftlichem Namen “G. F. Quentell”.

Lot 442 Goethe, Johann Wolfgang von
Wilhelm Meisters Wanderjahre oder die Entsagenden. Erster Theil (alles Erschienene). Stuttgart und Tübingen, Cotta, 1821. 4 Bl., 550 S. 16,4 x 10 cm. Halblederband (um 1850) mit goldgeprägtem Rückentitel und reicher Rückenvergoldung (Kanten berieben, Ecken etwas bestoßen). [*]
Result 300 €
Erste Ausgabe. – Goedeke IV/III, 434 – Hagen 425 – Kippenberg I, 402 – Borst 1359. – Mit dem Widmungs-Gedicht an Ottilie und weiteren einleitenden Gedichten und Sprüchen auf den ersten vier Blatt, die zu den reifsten gehören, die Goethe gedichtet hat und die in späteren Auflagen fortgelassen wurden. So ist diese erste Ausgabe der “unvollständigen” Wanderjahre die einzige, die Goethe selbst redigiert hat und die ein einheitliches Ganzes darbietet. – Innengelenke etwas gelockert, minimal gebräunt.

Lot 443 Gräter, Friedrich David
Nordische Blumen. Leipzig, Gräff, 1789. XIV S., 2 Bl., 372 S. 16,5 x 9,5 cm. Halblederband der Zeit mit Rückenschild und Rückenvergoldung (Ecken etwas bestoßen).
Result 320 €
Erste Ausgabe der Erstveröffentlichung Gräters (1768-1830). – Kosch VI, 697 – Killy IV, 306f.: “1789 veröffentlichte der 21jährige die Anthologie ‘Nordische Blumen’ (Lpz.), die neben drei wissenschaftl. Aufsätzen eine dt. Übersetzung von acht Götterliedern der ‘Edda’ aus ihrer erst zwei Jahre zuvor in Kopenhagen erschienenen Erstausgabe enthielt, u. erarbeitete so die Grundlage für zahlreiche Artikel über die skandinav. Mythologie.” – Minimal gebräunt. Gutes Exemplar.

Lot 444 Grandville, J. J
Les fleurs animées. Texte par Alphonse Karr, Taxile Delord & Le Cte Foelix. Nouvelle édition avec planches très-soigneusement retouchées … par M. Maubert. 2 Bände. Mit 2 kolorierten Holzstich-Titeln, 52 (50 kolorierten) Stahlstich-Tafeln und zahlreichen Holzschnitt-Vignetten von Grandville. Paris, Garnier, 1867. 2 Bl., 339 S., 2 Bl.; 2 Bl., 324 S., 1 Bl. 29 x 18,5 cm. Rote Halblederbände der Zeit mit goldgeprägtem Rückentitel und reicher Rückenvergoldung (Kanten teilweise etwas bestoßen).
Result 280 €
Neuausgabe (Erstausgabe 1847) von einem der schönsten Illustrationswerke Grandvilles. – Sander 215 – Vicaire III, 135 – vgl. Lipperheide Ub 15. – Die schönen Tafeln in kräftigem Kolorit. – Nur teilweise leicht gebräunt, die Kolorierung teilweise leicht durchschlagend. Gutes Exemplar, dekorativ gebunden.

Lot 445 Grellmann, Heinrich Moritz Gottlieb
Geschichte der Formel: Gott helf dir! beym Niesen. Herausgegeben vom Herrn Hofrath Wieland. Mit gestochener Titelvignette von J. K. Mayr. Lindau, Fritzsch, 1787. 46 S., 1 Bl. 15,5 x 9,5 cm. Rückenbroschur. [*]
After-Sale Price 200 €
Günther/Zeilinger 1392 – Borst 563 – Seuffert, Prolegomena VI, 919 Anm. – Deusch 43 (mit Abbildung) – nicht bei Goedeke. – Der Aufsatz erschien bereits 1785 im “Merkur” und war mit “G.” unterzeichnet, also nicht von Wieland verfasst. – “Ich halte für möglich, daß Wieland als Herausgeber des Merkur auch für diesen (um einen Anhang vermehrten) Abdruck aus dem Merkur herhalten mußte. Jedenfalls hat Wieland nichts dazu getan; wie sollte er zu der Lindauer Firma kommen?” (Seuffert). – Wenig fleckig.

Lot 446 Grimm, Wilhelm Carl
Altdänische Heldenlieder, Balladen und Märchen. Übersetzt von Wilhelm Carl Grimm. Mit gestochenem, teilkolorierten Titel nach Dürer von L. E. Grimm. Heidelberg, Mohr und Zimmer, 1811. XI, 545 S. 21 x 12 cm. – Angebunden: Derselbe. Drei altschottische Lieder in Original und Uebersetzung aus zwei neuen Sammlungen. Nebst einem Sendschreiben an Herrn Professor F.D. Gräter. Angehängt sind Zusätze und Verbesserungen zu den altdänischen Heldenliedern, Balladen und Märchen. Ebda, 1813. 56 S. Lederband der Zeit mit goldgeprägtem Rückenschild und Rückenvergoldung (Rücken sauber unter Verwendung des alten Materials restauriert, etwas fleckig). [*]
Result 440 €
Erste Ausgaben der beiden ersten Veröffentlichungen. – Bibliothek der Brüder Grimm 110-111 – Borst 1133 und 1177. – Ursprünglich als vierter Band von “Des Knaben Wunderhorn” gedacht. – Enthält neben 14 Heldenliedern 91 Balladen und Märchen und bereitet damit auf die große Veröffentlichung der beiden Brüder im Jahr 1812, die “Kinder- und Hausmärchen”, vor. – Der übergroße Kupfertitel bis an die Darstellung beschnitten, der Schmetterling alt ankoloriert. – Teilweise stockfleckig bzw. feuchtrandig, Vortitel von I mit ca. 0,5 cm Loch oberhalb des Textes.

Lot 447 Groth, Klaus
Quickborn. Glossar nebst Einleitung von K. Müllenhoff. Mit 138 Textholzschnitten von Otto Speckter. Perthes-Besser & Maucke, Hamburg, 1856. XVI, 1 Bl., 431 S., 1 Bl. 23 x 17 cm. Roter Original-Chagrinlederband mit reicher Deckel- und Rückenvergoldung sowie Blindprägung, Stehkantenvergoldung und Goldschnitt (minimal berieben, minimal fleckig). [*]
Result 300 €
Erste illustrierte Ausgabe. – Rümann 2478. – Plattdeutsche Dichtungen mit den hübschen romantischen Vignetten von Otto Speckter. – “Maler und Dichter ergänzen sich hier in seltener Weise, und oftmals geht der Erstere über den letzteren hinaus und gibt die vollendete Darstellung des Stoffes” (Theodor Storm an Speckter). – Vereinzelt schwach braunfleckig, insgesamt sehr gut erhalten.

Lot 448 Gurowski, Graf Adam
Aus meinem Gedankenbuche. Breslau, H. Storch und Comp., 1843. 39 S. 21,5 x 13 cm. Bedruckte Original-Broschur (Deckel mit Nummer-Etikett, hinterer Deckel etwas angestaubt und etwas fleckig).
Result 300 €
Seltene erste Ausgabe. – Über KVK lediglich in der UB Bern und der NB Warschau nachweisbar. – Graf Adam Gurowski, “geb. 1805 in Rusocice bei Kalisch, studirte in Leipzig, Göttingen u. Heidelberg, wurde 1820 in die demagogischen Umtriebe verwickelt, betheiligte sich 1830 an der Polnischen Revolution, emigrirte 1831 nach Paris, wurde dort Mitglied des Nationalcomité, nach dessen Auflösung einer der thätigsten Begründer der demokratischen Gesellschaft, wechselte aber bald die Farbe, wurde Aristokrat u. entschiedener Panslawist, kehrte nach Rußland zurück, versuchte vergeblich seine confiscirten Güter wieder zu erlangen, erhielt jedoch eine untergeordnete Civilanstellung, ging 1845 nach Deutschland, später nach Frankreich u. 1849 nach Amerika, wo er sich in Boston vergeblich um eine Professorenstelle bewarb.” (Pierer’s Universal-Lexikon, Band 7. Altenburg 1859, S. 785-786). Gurowski starb 1866 in Washington, DC. – Sehr gutes Exemplar.

Lot 449 Hagen, Johann Jost Anton von
Gallerie von Teutschen Schauspielern und Schauspielerinnen der ältern und neuern Zeit. Mit gestochener Porträt-Titelvignette. Wien, bei Ignatius Nepomuk Edeln von Epheu (das ist: Hörling), 1783. XXII, 265 S. 17,5 x 10,5 cm. Pappband (um 1900) mit handschriftlichem Rückenschild (Kanten berieben, Kapital etwas bestoßen). [*]
Result 400 €
Seltene erste Ausgabe, anonym erschienen. – Goedeke XI, 91, 1 – Hayn-Gotendorf VII, 170 (führt den Titel unter Johann Friedrich Schinck, gibt aber auch Vulpius als möglichen Autor an). – Das Vorwort bezeichnet Abraham Peiba, den “natürlichen Sohn des ewigen Juden”, als Verfasser, sein Porträt ziert auch den Titel mit den überraschenden Lebensdaten “1640-1782”. Die Zuschreibung an Hagen folgt dem Neudruck des Werkes, Berlin 1910. – Enthält Biographien der Schauspielerinnen und Schauspieler des Theaters im späten 18. Jahrhundert von Abt bis Zumpe. So z.B. über Mad. Grosmann: “Sie hat eine so heisere Stimme, daß sie auf dem Theater zu nichts weiter zu gebrauchen ist, als höchstens Bildsäulen vorzustellen.” – Bei der Mad. Schüler wird auf mangelnde Hygiene hingewiesen. – Als reiches Quellenwerk wichtig unter anderem für die Besetzungslisten der Opern Mozarts, den ersten Aufführungen Shakespeares in Deutschland, Stücken von Lessing etc. – Titel und Vorsatz mit Stempeln der Berliner Kadettenanstalt, Titel verso mit späterem Besitzstempel, leicht gebräunt.

Lot 450 Harring, Harro
Der Wildschütze. Ein Trauerspiel in vier Aufzügen. Luzern, bey Xaver Meyer, 1825. 124 S., 1 Bl. 16,5 x 10 cm. Halblederband der Zeit mit Rückenschild und Rückenvergoldung (leicht berieben, kleiner Papieraufkleber auf dem Rücken). [*]
After-Sale Price 300 €
Seltene erste Ausgabe. – Thode 1825, 4 – Goedeke X, 378, 14. – Vorzugsausgabe auf Velin, die so nicht in den Handel kam. – Nummerierung in Bleistift auf dem Innendeckel: “VIII 2435” (diese Nummerierung zusammen mit dem Siegel auf dem Rücken weisen das Exemplar als aus der Bibliothek des bayerischen Königshauses stammend aus). – Teilweise leicht gebräunt. Sehr gutes Exemplar, dekorativ gebunden.

Lot 451 Heinzmann, Johann Georg
Gemälde aus dem aufgeklärten achtzehenden Jahrhundert. Zwei Theile in zwei Bänden. Mit zwei gestochenen Titelvignetten. Bern und Leipzig, Haller, 1786. VIII, 278 S, 1 Bl.; 316 S., 2 Bl. 18,5 x 12 cm. Halbpergamentbände der Zeit mit Rückenschild (Rücken etwas rissig und leicht gebräunt). [*]
Result 280 €
Erste Ausgabe, anonym erschienen. – Goedeke XII, 101, 3 – Hayn-Gotendorf II,543 – Gradmann, Gelehrtes Schwaben 225, 4. – Johann Georg Heinzmann (1757-1802), “einer der bedeutendsten Buchhändler seiner Zeit in der Schweiz” (Goedeke), war ein schwer einzuordnender Mensch. Auf der einen Seite Propagandist der Aufklärung mit Schriften wie der vorliegenden, ist sein wohl bekanntestes Buch “Über die Pest der deutschen Literatur” (1795) eine Abrechnung mit dem Rationalismus norddeutscher Prägung, wie er ihn vor allem in Friedrich Nicolai verkörpert sah. Gleichzeitig sympathisierte er mit der Französischen Revolution, weshalb ihm 1798 die Rückkehr in seine Heimatstadt Ulm verwehrt wurde. Seine vorrevolutionären “Gemälde” sind eine Sammlung von oft brisanten Texten, die ein scharfes Licht auf “den Geist unserer Regenten, Minister und Gelehrten” werfen. – Beiträge über Katharina II., Friedrich II., Maria Theresia, George III., Cagliostro, Mesmer, Weishaupt, Lessing, Schubart, Rousseau, Voltaire, Haller, Sonnenfels u.a., über Berlin, Hamburg, Wien usw., über Freimaurer in Bayern, die jüdische Armenanstalt in Berlin, “Scenen des Aberglaubens, der Intoleranz und Schwärmerey.” – Band 1 etwas feuchtfleckig, vereinzelt Löchlein außerhalb des Textes, das letzte Blatt (Inhalt) mit Japanpapier hinterlegt (Verlust weniger Buchstaben), zeitgenössischer Besitzeintrag auf den Titeln.

Lot 452 Ibn Tufail (hier: Abu Dschafar Ebn Tofail)
Der Naturmensch oder Geschichte des Hai Ebn Joktan. Ein morgenländischer Roman des Abu Dschafar Ebn Tofail. Aus dem Arabischen übersetzt von Johann Gottfried Eichhorn. Berlin und Stettin, Friedrich Nicolai, 1783. S. (3)-245, 1 Bl. 16,5 x 10 cm. Pappband der Zeit mit goldgeprägtem Rückenschild (Kapitale und vordere Kante mit kleinen Bezugsfehlstellen, Ecken bestoßen). [*]
Result 300 €
Erste deutsche Ausgabe. – Sammlung Maassen I, 2132 (mit gleicher Kollation). – Das einzig erhaltene Werk des arabisch-andalusischen Philosphen, Arztes und Mathematikers Ibn Tufail (um 1106-1185), ein philosophischer Inselroman, der auch für Daniel Defoes “Robinson Crusoe” als Vorlage gedient haben soll. – “Hayy ibn Yaqzan” (so der Original-Titel) gilt als eines der wichtigsten Werke der arabischen Literatur und Philosophie. – Name auf Vorsatz, nur teilweise leicht gebräunt. Gutes Exemplar.

Lot 453 Ibsen, Henrik
Et Dukkehjem. Skuespil in tre akter. Kopenhagen, Gyldendal, 1879. 180 S. 18,5 x 12 cm. Bedruckte Original-Broschur (Rücken wenig gebräunt und mit leichten Knickspuren, alter Namenseintrag auf oberem Umschlagrand). [*]
After-Sale Price 200 €
Erste Ausgabe. – Unbeschnitten. – Papier minimal gebräunt.

Lot 454 Kaiser, Carl
Lieder vom Bodensee. Emmishofen, Literarisches Institut, 1843. 334 S., 1 weißes Bl. 18 x 12 cm. Pappband der Zeit mit Rückenschild (berieben und etwas bestoßen, insbesondere die Gelenke mit Bezugsfehlstellen, Spuren eines früheren Bibliotheksaufklebers).
After-Sale Price 260 €
Erste Ausgabe. – Holzmann/Bohatta VII, 6605. – Offensichtlich die erste Publikation des “Literarischen Instituts” des Vormärz-Kämpfers Johann Georg August Wirth, der dort im darauffolgenden Jahr die “Denkwürdigkeiten aus meinem Leben” veröffentlichte. – Der Autor, der Konstanzer Anwalt und Literat Carl Kaiser (geb. 1817), sollte sich 1848 als überzeugter Republikaner am Aprilaufstand von Friedrich Hecker beteiligen, wurde nach seiner Teilnahme am Heckerzug als Rädelsführer verfolgt, floh in die USA und wurde in Abwesenheit zu zehn Jahren Zuchthaus verurteilt. – Innendeckel mit handschriftlicher Nummerierung und Stempel, durchgehend leicht gebräunt und fleckig, ein Blatt gestempelt. – Selten.

Lot 455 Karikatur – Le Charivari
Première année, 1 – 31 décembre 1832 und Deuxième année, 1 janvier – 31 mars 1833. In 1 Band. Mit zahlreichen (ca. 120, 1 koloriert) lithographischen Tafeln von Gavarni, Daumier u.a. Paris, 1832-1833. 30 x 24 cm. Halblederband der Zeit mit geprägtem Rückentitel (berieben). [*]
Result 200 €
Beigebunden das 4-seitige Prospectus inkl. 1 Lithographie (No. “00”, Specimen No. 28). – Durchgehend etwas gebräunt bzw. fleckig. – Nicht eingehend kollationiert. Ohne Rückgaberecht.

Lot 456 Kellner, Georg Christoph
Die Edlen der Vorwelt. Erster und zweiter Teil in zwei Bänden. Mit 2 gestochenen Frontispizes. Hamburg, Benjamin Gottlieb Hoffmann, 1793-1794. Titel, XIV S., 1 Bl., 480 S.; Titel, 4 Bl., 496 S. 15,5 x 9 cm. Hübsche blaue Pappbände der Zeit mit 2 farbigen Rückenschildern und Rückenvergoldung (Kanten berieben, Ecken bestoßen). [*]
After-Sale Price 240 €
Erste Ausgabe mit dem sehr seltenen, allen folgenden Bibliographien unbekannten zweiten Teil. – Goedeke IV/1, 624, 6 – Holzmann-Bohatta II, 80 – Kosch VIII, 1049 – Kaldewey V, 179. – Der aus Kassel stammende Pädagoge, Publizist und Romanautor Georg Christoph Kellner (1765-1808) verfasste u.a. empfindsame Romane, historische Abhandlungen und musiktheoretische Schriften. “Getragen von aufklärerischen Impetus u. klass. Bildungsidealen, schrieb K. philosophische Abhandlungen in belletristischer Form: so die Novelle ‘Molly und Urania’ (Mannh. 1790), den Roman ‘Charidion’ (2 Bde., Mannh. 1793) u., in stilistischer Anlehnung an Helferich Peter Sturz u. Moritz, die histor. Studien ‘Die Edlen der Vorwelt’ (Hbg. 1793) u. ‘Athen von seiner Gründung bis auf unsere Zeiten’ (Zürich 1797) u. ‘Edle Griechen in den Revolutionszeiten des alten Syrakus’ (2 Bde., Elberfeld 1800)” (Killy VI, 277). – Über KVK ist der zweite Teil nur in drei deutschen Bibliotheken nachweisbar (Staatsbibliothek Hamburg und Göttingen sowie Stadtbibliothek Trier). – Etwas gebräunt.

Lot 457 Kolportage – Bleich, B. A
Mädchenjäger, oder: Die Geheimnise eines Heiraths-Bureau. Ein Sittenroman aus der neuesten Zeit. 4 Bände in 1 Band. Berlin, Grosse, 1874-1875. 1438 S. (durchgehend paginiert). 21 x 12,5 cm. Halbleinwandband der Zeit mit Rückenschild (etwas berieben). [*]
Result 450 €
Einzige Ausgabe. – Kosch/Nagl 803 – nicht im KVK. – Leicht gebräunt. – Für einen Kolportageroman ausgesprochen gut erhaltenes Exemplar.

Lot 458 Lamberg, Max Joseph von
Tagebuch eines Weltmanns. Übersetzt von Heinrich Leopold Wagner. 2 Stücke in 1 Band. Mit gestochenem Frontispiz und 1 gestochenen Titelvignette. Frankfurt, Eichenbergische Erben, 1775. Titel, 4 Bl. 120, 126 S., 1 Bl. 17,5 x 11 cm. Marmorierter Pappband der Zeit mit goldgeprägtem Rückenschild (Ecken und Kapitale minimal bestoßen). [*]
Result 400 €
Erste deutsche Ausgabe. – Goedeke VII, 9, 7 (Lamberg) und IV/I, 769, 21 (Wagner) – Schulte-Strathaus S. 175, 12 – Fromm 28282. – “1775 kam H. L. Wagner (Straßburg 1747 – 1779 Frankfurt/M.) nach Frankfurt und schloss sich dem Kreis um Goethe und die dortigen ‘Stürmer und Dränger’ an. Dadurch fand sein literarisches Schaffen einen Mittelpunkt und erfuhr einen produktiven Schub. Das Jahr zeigt ihn als Kritiker (Frankfurter gelehrte Anzeigen), Satiriker (Prometheus, Deukalion …), Dramatiker (Die Reue nach der That; Der wohlthätige Unbekannte) und als Übersetzer. Das vorliegende ‘wunderliche Opus’ (Wurzbach) des Grafen Lamberg (1730 Brünn – 1792) erschien zuerst 1774 französisch in einem Band; es ist wohl die einzige Reisebeschreibung im Stil des Sturm und Drang. ‘Ich schreibe in Fetzen’, so lautet das literarische Glaubensbekenntnis des Verfassers.’ (ebd.). … Lamberg beschreibt eine Reise, die ihn 1769-1771 über Korsika bis nach Tunis (Bd. 1) und zurück über Italien führte. Die Veröffentlichung des ‘Memorial d’un mondain’ erregte großes Aufsehen … Besonders sein Bericht über den Aufenthalt in Italien ist heute noch von Interesse, weil er mit berühmten Literaten und Philosophen zusammentraf, darunter Casanova (mit dem der Kontakt lebenslang bestand; dessen Flucht aus den Bleikammern wird hier zum ersten Mal erwähnt), der Graf St. Germain, der Abbe Galiani u.v.a.m. …” (Trauzettel No. 1327). – Teilweise etwas gebräunt bzw. stockfleckig. Gutes Exemplar.

Lot 459 Lessing, Gotthold Ephraim
Sophokles. Erstes Buch. Von dem Leben des Dichters. Berlin, Voß, 1760. (Zweiter Titel:) Gotthold Ephraim Lessings Leben des Sophokles. Herausgegeben von Johann Joachim Eschenburg. Berlin, Voß und Sohn, 1790. Titel, VIII S., S. (3)-172. 17 x 10,5 cm. Halblederband im Stil der Zeit (signiert: “G. v. Hahn”) mit goldgeprägtem Rückenschild und reicher Rückenvergoldung. [*]
After-Sale Price 300 €
Erste Ausgabe. – Muncker S.393 und 498 – Goedeke IV/I, 386, 88 – Borst 632. – Auf festem Schreibpapier. – Der Titel von 1760 ist an den Anfang gebunden. – Die Seiten 1-112 wurden bereits 1760 gedruckt, das Buch wurde aber nicht ausgeliefert, sondern erst mit Eschenburgs Vorwort aus dem Nachlass veröffentlicht. – Titel von 1790 leicht gebräunt, vereinzelt leicht fleckig. Gutes Exemplar, dekorativ gebunden.

Lot 460 Liber amicorum
Stammbuch des Christian Friedrich Losch aus Augsburg. Eine Tuschezeichnung des Miniaturmeisters und Zeichners Johann Sebald Baumeister sowie 2 Aquarelle, 1 Kupferstich und eine Gouache auf Pergament. Ca. 30 Texteinträge, überwiegend Augsburg um 1795. 11,5 x 18,5 cm. Dekorativer Pappeinband mit geprägtem Blumenmuster und goldgeprägter Bordüre im Original-Schuber (Pappband berieben). [*]
Result 200 €
Beiträger u.a. Christophe de Stahl, Babette Baur, Friedrich Christoph Eberhardt, Conrad Friedrich Barth, Simon Fredric Nebinger u.a. – Vereinzelt etwas braunfleckig bzw. fingerfleckig, insgesamt ordentlich.

Lot 461 Liber amicorum
Stammbuch in Form einer Kassette mit einer gemalten Burgansicht, eingefasst in polierte Eisenumrahmung sowie Lyra-Applikationen und umlaufendem Goldschnitt aus Metallfolie. Innen lithographierter Schubdeckel, dahinter Geheimfach mit Original-Papierblättern mit Goldschnitt. Mit 14 handschriftlichen Textblättern und 3 Gouache-Ansichten und einer Durchbruchsarbeit. Tübingen u.a. 1834-1844. 8,5 x 15 x 2,8 cm (Deckel etwas angestaubt, eine Eisenleiste fehlt, Ecken minimal berieben). [*]
After-Sale Price 300 €
Die Widmungen und Sprüche stammen aus dem Umkreis der Familie von Eduard Mörike. Darunter sind: Karl Mörike, Stuttgart 1844, (Christian) Palmer, Marburg 1839, Wilhelmine Bossert, Tübingen 1837 u.a. – Vereinzelt minimal braunfleckig, teils mit kleinen Papierverlusten an den Ecken, insgesamt gut erhalten.

Lot 462 Liber amicorum
Stammbuch mit 4 Gouachen, 1 Aquarell und 2 Farblithographien sowie 23 handschriftlichen Einträgen. Stuttgart, um 1795-1807. 11 x 18,5 cm. Brauner Ganzlederband mit goldgeprägten Bordüren und Vignette mit Besitzerangabe F.A. Tiedemann. (Vorderdeckel fast lose, Ecken leicht bestoßen). [*]
After-Sale Price 300 €
Unter den erwähnten Personen: Johann Heinrich Tiedemann, Carl August Strauß, P. Helsterich, Jean Henri Tidemann, Moritz Rivoire, Louis Finckmann, Friedrich Christian Grimm, G. Mörike, Wilhelmina Ebner u.a. – Zahlreiche Blätter ohne Einträge. – Vereinzelt minimal gebräunt und fleckig, insgesamt gut.

Lot 463 Lichtenberg, Georg Christoph
Vermischte Schriften, nach dessen Tode aus den hinterlassenen Papieren gesammelt und herausgegeben von Ludwig Christian Lichtenberg und Friedrich Kries. 9 Bände. Mit 3 gestochenen Porträts, 10 Kupfertafeln und 4 Kostümkupfern von Daniel Chodowiecki sowie einigen Textabbildungen. Göttingen, Johann Christian Dieterich, 1800-06. 17,3 x 10 cm. Halblederbände der Zeit mit goldgeprägten Rückentiteln (etwas berieben und bestoßen, beim ersten Band fehlt das obere Rückenschildchen, Band 4 mit größeren Fehlstellen am Rücken und den Gelenken). [*]
After-Sale Price 300 €
Erste rechtmäßige Gesamtausgabe. – Goedeke IV/I, 639, 9 – Rümann 650. – Die Bände 6 bis 9 mit dem Nebentitel “Physikalische und mathematische Schriften”. – Schöner breitrandiger Druck, teils auf bläulichem Papier. – Vorsätze mit kleinen Besitzstempeln sowie Blindstempeln, teils etwas gebräunt, nur vereinzelte Fleckchen.

Lot 464 Loen, Johann Michael von
Gesammelte kleine Schrifften: Besorgt und heraus gegeben von J. C. Schneidern. 4 Teile in 4 Bänden. Mit 4 Titelkupfern und 4 (2 wiederholten) gestochenen Titelvignetten. Frankfurt und Leipzig, Brönner, 1753/ 1751-1752. 18 x 10 cm. Lederbände der Zeit mit 2 farbigen Rückenschildern und Rückenvergoldung (Kapitale teilweise leicht bestoßen, vorderes Gelenk von Band 4 mit Wurmgang). [*]
Result 260 €
Band 1: Vierte Auflage. – Band 2: Zweyte Auflage. – Bände 3-4: Erste Ausgabe. – Goedeke III, 348, 10 – Faber du Faur 1594. – J. M. von Loen (1694-1776), Großonkel Goethes, war vielseitig gebildet und hoch angesehen. – “Mehrfach äußerte der preußische Staat Interesse an der Person Loens, aber erst 1752 nahm dieser den Ruf Friedrichs II. … an” (Killy VII, 322). – Titel mit Namenseintrag. Sehr gutes Exemplar, dekorativ gebunden.

Lot 465 Marmontel, Jean Francois
Rettung des Theaters, oder Zergliederung des Briefes von Herrn Rousseau, Bürger zu Genf, an den Herrn von Alembert, über die Schauspiele, aus dem Französischen des Herrn Marmontel (von Gottfried Ferdinand Lindemann). Mit einem Titelkupfer (C.L. Crusius fec.) und einem gestochenen Titel. Leipzig, Crusius, 1766. Vortitel, 1 Bl., 125 (recte 152) S., 2 Bl. 18 x 10,5 cm. Marmorierter Lederband der Zeit mit rotem Rückenschild und reicher Rückenvergoldung. [*]
After-Sale Price 280 €
Seltene erste und einzige deutsche Ausgabe. – Fromm IV, 16410 (ungenau; nennt Dresden als Druckort) – nicht bei Goedeke. – “Rousseaus ‘Lettre à d’Alembert sur les spectacles’ (1758) war eine Reaktion auf dessen Artikel über Genf in der ‘Encyclopédie’. Rousseau verteidigte in seinem Brief die Genfer Obrigkeit und deren Verbot einer Theatergründung in der Stadt, indem er ‘die Bühne als Verderbnis der Sitten’ (Safranski) anprangerte. Der Brief hatte Folgen. Zum einen bedeutete er den endgültigen Bruch Rousseaus mit den Enzyclopädisten, den ehemaligen Freunden; zum anderen verschärfte er die Diskussion um die Rolle des Theaters. Marmontels Antwort auf diesen Angriff erschien zuerst 1761 als Anhang zu seinen ‘Contes moraux’. ‘Das Theater hat zu allen Zeiten seine Feinde gehabt. Auch in Deutschland hat es Milzsüchtige und Heuchler gegeben, die die Bühne als eine Schule der Laster, als eine Verführerinn zu Wollust und Müßiggang verketzert haben. Doch der Beyfall und der Tadel dieser Leute gelten dem Theater gleich viel. Ihre Krankheit ist vorbei, und sie hören auf zu lästern. Allein wenn ein Rousseau mit Scharfsinn und Grundsätzen dasselbe angreift: nur dann muß ein Marmontel aufstehn, und die Ehre der Bühne retten.’ (Vorrede des Verlegers).” (Trauzettel Nr. 1180). – Ein Blatt mit 2 cm Einriss am Oberrand, etwas gebräunt. Sehr gutes Exemplar, dekorativ gebunden.

Lot 466 Mayhew, Henry und George Cruikshank
1851: Or, the Adventures of Mr. and Mrs. Sandboys and Family, Who Came Up to London to Enjoy Themselves and to See the Great Exhibition. Mit 10 (9 gefalteten) radierten Tafeln von Cruikshank. London, Bogue, 1851. 2 Bl., 242 S. 21,5 x 14 cm. Moderne Halbleinwand mit goldgeprägtem Rückentitel. [*]
After-Sale Price 200 €
Erste Ausgabe. – Mit dem Paginierungsfehler (S. 63/64 ausgelassen). – Zwei Falttafeln mit kleinen Einrissen im Falz. Wenig gebräunt.

Lot 467 Meyr, Melchior
Wilhelm und Rosina, ein ländliches Gedicht. München, Georg Franz, 1835. 278 S. 16 x 10,5 cm. Halbleinwandband der Zeit mit goldgeprägtem Rückentitel und etwas Rückenvergoldung (Kanten leicht berieben). [*]
Result 200 €
Seltene erste Ausgabe der ersten Veröffentlichung des Schelling-Schülers. – Hirschberg II, 335 – Kosch X,1020. – Die Sammlungen Maassen und Borst mit zahlreichen Titeln von Meyr, jedoch ohne den hier vorliegenden. – Der in einem Dorf bei Nördlingen geborene Bauernsohn Melchior Meyr (1810-1871) besuchte nach der Nördlinger Lateinschule die Gymnasien in Ansbach und Augsburg. Bereits 1829 studierte er Jura an der Universität München, ab 1832 in Heidelberg. “Er wechselte als Verehrer Schellings bald über zur Philosophie, schrieb sein erstes Versepos ‘Wilhelm und Rosina’ (Mnch. 1835) und promovierte 1836 in München.” – Exlibris, wenige Blatt etwas stärker gebräunt.

Lot 468 Mickiewicz, Adam
Sonety Adama Mickiewicza. (Sonette von Adam Mickiewicz). Mit 4 lithographierten Texttafeln in persischer Schrift. Moskau, Universitätsdruckerei, 1826. 48 S. 25 x 18 cm. Pappband der Zeit (berieben, bestoßen und fleckig, Rücken mit großen Fehlstellen). [*]
Result 6500 €
Seltene erste Ausgabe. – In polnischer Sprache in Moskau gedruckt und erschienen, enthält Verse des polnischen Nationaldichters A. Mickiewicz (1798-1855) aus zwei Zyklen (Liebes-Sonette und Krim-Sonette). – Einige Exemplare der Auflage erschienen mit der vom Autor für diese Erstausgabe initiierten persischen Übersetzung eines Sonetts ergänzt (Sonet V-ty. Widok Czatyrdahn ze stepow Kozowa). Diese Übersetzung wurde besorgt durch Muza Dzafar Topczy-Baszy und mit monatelanger Verzögerung folgend bei Lange lithographiert. – Der fliegende Vorsatz vorn mit einer nicht datierten (ca. 1850) persönlichen Widmung in brauner Tinte des Theologen und späteren Archimandriten Leonid (Lev) Kavelin (1822-1891), mit dem Mickiewicz seit ihrer Bekanntschaft in Moskau lebenslang freundschaftliche Kontakte unterhielt. Adressiert ist die Widmung an den slawophilen Schriftsteller und Theoretiker Pyotr V. Kireevskij (1808-1856). – Im Text mit handschriftlichen Marginalien des 19. Jh. in polnischer Sprache in brauner Tinte. – Titel mit ergänztem Eckabriss im Bug und mit Papierstreifen überklebten Besitzvermerk sowie kleinem Stempel (wohl bei allen Exemplaren), verschieden stark braunfleckig, großer durchgehender Wasserfleck, Block vor dem letzten Blatt gebrochen.

Lot 469 Miniaturbücher
Heilige Erinnerungen grosser Begierden, und Warheiten. Mitgetheilet von der Catechetischen Bibliothec bey St. Anna in Wien. Erfurt, Christ. Windhauer, 1721. 3 Bl., 121 S. 8,2 x 5 cm. Florales Goldbrokatpapier der Zeit über dünnen Holzdeckeln mit Ganzgoldschnitt (Bezug etwas verblasst und am Rücken eingerissen). [*]
Result 480 €
Handbuch der historischen Buchbestände in Deutschland XIX (Thüringen A-G), 103, 20, 2 (im Puppenmuseum “Mon plaisir”, Arnstadt). – Kein Nachweis über KVK. – Der Verleger nennt sich “Buchbinder vor den Gräden”. – Etwas gebräunt.

Lot 470 Mythologie
Erläuterte Geschichte von dem Geschlecht des Jupiters nicht weniger als von den Argonautischen und andern Helden welche vor und zur Zeit der Eroberung des trojanischen Reichs gelebet haben, und in den Schriften der Alten, nach den fabelhaften Götterlehren, berühmt geworden sind, ja noch heut zu Tage allenthalben in den Gedichten, Schauspielen, und durch die Maler- und Bildhauerkunst, erhoben werden. Aus den bewährtesten Nachrichten zusammen getragen und historisch abgefasset, auch mit Landkarten versehen und durch alten Denkmälern bewähret, von einer Gesellschaft gelehrter Leute. 2 Teile in 1 Band. Mit gestochenem Frontispiz, 10 meist gefalteten Kupfertafeln von Dublon nach Montfaucon und 2 gestochenen gefalteten Karten. Frankfurt und Leipzig, Gebrüder van Düren, 1753. 3 Bl., XIV, 202, 400 S., 8 Bl. (Register). 26,2 x21 cm. Halblederband der Zeit mit 2 farbigen Rückenschildern und etwas Rückenvergoldung (etwas berieben und bestoßen, hinteres Gelenk mit 2 Wurmlöchern). [*]
Result 400 €
Hayn-Gotendorf II, 566 (gibt nur 400 S. an): “Selten”. – Ausführliche Geschichte des griechischen Götterkosmos und der Heldenwelt mit Zitaten verschiedener Autoren und Angabe der Quellen in den Fußnoten. Erschlossen durch ein erläuterndes Register der Namen und Orte. – Eine Tafel verbunden (statt hinter S. 265 hinter 165 eingefügt), die beiden Landkarten sowie die Abbildung der Stadt Troja am Schluss eingebunden. – Teils leicht gebräunt und gering fleckig, eine Tafel leicht knittrig und mit kleinem Einriss, Stempel und handschriftlicher Eintrag auf Titel. Gutes und vollständiges Exemplar.

Lot 471 Nürnberger, Woldemar (Pseudonym: Carl Siebenpfeiffer)
Skizzen, Novelletten, Notizen, Spaßiges, Ernstes und mehr dergleichen aus dem Buchhändler-Leben und dem Buchhändler-Treiben von ehemals und von jetzt. Fremdes und Eigenes von Carl Siebenpfeiffer. 2 Hefte. Landsberg a. d. W., Eduard Volger, 1847. 79, 111 S. 19 x 12 cm. Einfache Umschläge der Zeit mit handschriftlichem Deckeltitel (etwas angerändert, Rückenbezug teilweise fehlend). [*]
Result 300 €
Erste Ausgabe, wie alle Titel Nürnbergers selten. – Sammlung Maassen 3236 (nur das 1. Heft, glaubt fälschlich das zweite wäre nie erschienen). – Anekdoten und Betrachtungen aus dem Sortimentsbuchhandel. – Woldemar Nürnberger (1818-1869) nutzte auch die Pseudonyme M. Solitaire und Hilarius Bierfreund; er wirkte als praktischer Arzt in Landsberg / Warthe. – Mit Exlibris Bibliotheca Mantuani. – Unbeschnitten. – Stockfleckig, Block von Heft 1 gebrochen.

Lot 472 Otto, Louise
Lieder eines deutschen Mädchens. Leipzig, Wienbrack, 1847. Titel, VI S., S. (3)-226 (so vollständig). 13,5 x 9 cm. Original-Leinwand mit goldgeprägtem Rücken- und Deckeltitel sowie Ganzgoldschnitt.
After-Sale Price 200 €
Seltene erste Ausgabe des ersten Gedichtbandes der frühen Feministin. – Pataky II, 109f. – Brümmer V, 212f. – Killy IX, 48f.: Louise Otto(-Peters, 1819-1895) “die in ihren 50 Jahren schriftstellerischen u. polit. Wirkens konsequent neue Bewegungs- u. Handlungsräume für Frauen zu gewinnen suchte, war das Kind eines Gerichtsdirektors u. einer Porzellanmalerstochter … O., die mit ihrer 1849 gegründeten ‘Frauen-Zeitung’ (Meißen, dann Gera; 1852 wegen des reaktionären polit. Klimas eingestellt) ein Forum der frühen dt. Frauenbewegung geschaffen hatte, war auch auf der ‘praktischen’ Ebene der Frauenpolitik aktiv.” – Exlibris, papierbedingt etwas gebräunt.

Lot 473 Pernetti, Jacques
Die Geschichte der Favoride. An den Herrn von Voltaire. Aus dem Französischen. Frankfurt und Leipzig, 1759. 80 S. 16 x 10 cm. Rückenbroschur. [*]
Result 200 €
Erste deutsche Ausgabe, anonym erschienen; die französische Erstausgabe erschien 1750 in Genf. – Hayn-Gotendorf II, 568 – nicht bei Fromm. – Etwas gebräunt.

Lot 474 Philosophie und Pädagogik – Ahlwardt, Peter
Vernünfftige und gründliche Gedancken von den Kräfften des Menschlichen Verstandes und deren richtigen Gebrauch in der Erkenntniß der Wahrheit. Mit gestochener Titelvignette. Greifswald und Leipzig, Weitbrecht, 1741. 6 Bl., 550 S., 7 Bl. Register. 17,5 x 10,5 cm. Lederband der Zeit mit Rückenschild und Rückenvergoldung (stärker berieben). [*]
After-Sale Price 200 €
Erste Ausgabe. – Vorsatz und Titel mit alten Namenseinträgen, mit einigen Unterstreichungen und Annotationen von alter Hand, teils gebräunt bzw. fleckig.

Lot 475 Philosophie und Pädagogik – Basedow, Johann Bernhard
Practische Philosophie für alle Stände. 2 Teile in 2 Bänden. Kopenhagen und Leipzig, Ackermann, 1758. 8 Bl., 576 S., S. (577)-1034, 30 Bl. 18 x 10,5 cm. Halblederbände der Zeit mit Rückenvergoldung (etwas berieben). [*]
After-Sale Price 300 €
Seltene erste Ausgabe. – Vgl. Brüggemann/Ewers 1269, 47 und Eisler 47 (beide nur die 2. Auflage von 1777). – Das erste bedeutende Werk von Basedow, “in dem er seine damaligen Ansichten über Religion, Philosophie und allgemeine Bildung niederlegte. Dieses Werk enthält schon den Kern seiner späteren Entwürfe zur Verbesserung des Schulunterrichts und wurde von vielen Seiten, namentlich von dem damals hochgeachteten und einflußreichen Gellert, mit Beifall aufgenommen” (ADB). – “Basedow war mit seinem Erziehungsprogramm und seinen schulpraktischen Forderungen, die er seit seiner ‘Praktischen Philosophie’ und seiner ‘Philalethie’ – auf beides verwies er häufig zurück – in immer neuen Entwürfen einer europäischen Öffentlichkeit vortrug, nicht nur Wortführer, sondern Anführer und Vorkämpfer der deutschen Aufklärungspädagogik” (LdKJL I 110). – Beide Innendeckel mit altem Namensschild (“J.G. Lipsius”), etwas gebräunt.

Lot 476 Philosophie und Pädagogik – Beyer, Johann Rudolph Gottlieb
Auszug aus dem Handbuche für Kinder und Kinderlehrer über den Katechismus Lutheri. Leipzig, Crusius, 1789. 10 Bl., S. (13)-344 (so vollständig). 18,5 x 10,5 cm. Halblederband der Zeit mit rotem Rückenschild (leicht berieben).
After-Sale Price 200 €
Erste Ausgabe. – Der evangelische Theologe Johann Rudolph Gottlieb Beyer (1756-1813) studierte von 1772 bis 1774 Theologie in Erfurt und dann in Jena. Seit 1775 war er Konrektor an der Erfurter Johannisschule und von 1780 an Rektor der dortigen Thomasschule. Ab 1782 war er Pfarrer in Schwerborn, von 1790 bis 1813 in Sömmerda. – Leicht gebräunt.

Lot 477 Philosophie und Pädagogik – Fröbel, Friedrich Wilhelm August
Die Menschenerziehung, die Erziehungs-, Unterrichts- und Lehrkunst, angestrebt in der allgemeinen deutschen Erziehungsanstalt zu Keilhau; dargestellt von dem Stifter, Begründer und Vorsteher derselben. Erster Band (alles Erschienene). Keilhau, Verlag der allgemeinen deutschen Erziehungsanstalt und Leipzig, A. Wienbrack, 1826. 2 Bl., 497 S., 2 Bl. 22 x13 cm. Illustrierter Original-Umschlag (leicht fleckig und mit kleinen Randeinrissen, hinterer Deckel mit braunem Fleck). [*]
After-Sale Price 1000 €
Erste Ausgabe dieses bedeutenden Dokuments der deutschen pädagogischen Reformbewegung. – MNE I, 241 – Borst 1487 – Doderer I, 419. – “In einer eigenen Schule, 1816 in Giesheim bei Arnstadt gegründet, ein Jahr später nach Keilhau verlegt, versuchte Fröbel, Unterricht und Erziehung auf schöpferische Tätigkeit, Spiel und Arbeit zu gründen und dem Bruch zwischen Denken und Tun zu begegnen. Das Aufweisen der Gleichgesetzlichkeit in allen Lebenserscheinungen war das methodische Prinzip seines Unterrichts; ‘nachgehende Erziehung’ sollte dem Individuum den Raum lassen, sich frei entscheidend in die Forderung des göttlichen Gesetztes zu fügen” (NDB V, 644). – “Der Verfasser entwirft in dieser Abhandlung seine Vorstellungen von einem idealen Menschenbild und den zu dessen Verwirklichung erforderlichen praktisch pädagogischen Grundsätzen. In den anthropologischen Passagen … ist Fröbel von Kant, Hegel und besonders Schelling beeinflußt. Seine pädagogischen Gedanken zeichnen sich durch Originalität, Gefühlstiefe und Kühnheit aus … Fröbels pädagogische Anregungen, zumal seine Darstellung der kindlichen Phase, haben ihre Bedeutung bis in die Gegenwart nicht verloren” (KLL IV, 2460). – Umschlaginnenseiten jeweils mit kleinem montierten Zettel mit Erläuterungen zu den Illustrationen (Die Lilie im Garten und Jesus im Tempel). – Unbeschnitten und unaufgeschnitten. – Teilweise etwas stockfleckig, Titel stärker betroffen. Sehr gutes Exemplar.

Lot 478 Philosophie und Pädagogik – Hegel, Georg Wilhelm Friedrich und Friedrich W.J. Schelling (Hg.)
Kritisches Journal der Philosophie. Erster Band (von 2), 1.-3. Stück. Tübingen, Cotta, 1802. 19,5 x 12,5 cm. Pappband der Zeit mit goldgeprägtem Rückenschild und eingebundenen Original-Broschuren (etwas berieben, Ecken leicht gestaucht, kleine Fehlstellen im Bezug, Broschuren teils fleckig).
Result 500 €
Erste Ausgabe. – Jost 65 und 66 – Goedeke V, 12,12 – Diesch 1350 – Kirchner 589. – Sehr seltene philosophische Zeitschrift ausschließlich mit Beiträgen der beiden Herausgeber. – Die hinter die drei Titelblätter eingebundenen Broschuren mit Text auf den Innenseiten (u.a. einem Brief von Cotta an Nicolai und einem Gedicht von Novalis). – Vereinzelte Unter- und Anstreichungen, stellenweise etwas braunfleckig bzw. gebräunt.

Lot 479 Philosophie und Pädagogik – Heyne, Friedrich A
Herrn Heyne des jüngern Beantwortung der Frage: Welches sind die besten Mittel, den kranken Verstand eines Kindes gesund zu machen? Eine gekrönte Preisschrift mit einer Zugabe von R. Z. Becker. Leipzig, Crusius, 1785. 184 S. 16,5 x 10 cm. Pappband der Zeit (Deckel mit gelöschtem Signet einer Schulbibliothek).
After-Sale Price 200 €
Erste Ausgabe. – “Es waren am Schlusse des Jahres 1784 als dem bestimmten Termin, sechs Beantwortungen eingelaufen, unter welchen der hier abgedruckten Schrift von Herrn Heyne, mit dem Motto: Dubitatio initium sapientiae, der ausgesetzte Preis von 12 Ducaten, nach den meisten Stimmen vier erbetener competenter Richter zuerkannt wurde” (Vorrede). – Titel gestempelt.

Lot 480 Philosophie und Pädagogik – Jakob, Ludwig Heinrich
Prüfung der Mendelssohnschen Morgenstunden oder aller spekulativen Beweise für das Daseyn Gottes in Vorlesungen. Nebst einer Abhandlung von Herrn Professor Kant. Leipzig, Heinsius, 1786. 4 Bl., LX S., 2 Bl., 334 S. 16,5 x 9,5 cm. Halblederband der Zeit mit Rückenschild und etwas Rückenvergoldung (leicht berieben). [*]
Result 600 €
Erste Ausgabe. – Goedeke V, 6, 9, 1 – Warda 110. – Auf S. XLIX-LX “Einige Bemerkungen von Herrn Professor Kant” mit dem Erstdruck von Kants “Einige Bemerkungen zu Jakobs Prüfung der Mendelssohnschen Morgenstunden.” – “Vom Standpunkte der Kantischen Philosophie her untersuchte er die Mendelssohnschen ‘Morgenstunden’ und gelangte zu einer Verwerfung der von M. gegebenen theoretischen Beweise für das Dasein Gottes” (Ziegenfuß/J. I, 584). – Nur teilweise minimal gebräunt. Gutes Exemplar.

Lot 481 Philosophie und Pädagogik – Kant, Immanuel
Logik, ein Handbuch zu Vorlesungen. UND: Critik der practischen Vernunft. Königsberg, Nicolovius, 1800. XXIV, 232 S. und Frankfurt und Leipzig, 1795. 20 x 12,5 cm und 19 x 12 cm. Halblederbände der Zeit (etwas berieben und leicht bestoßen, leicht fleckig, ein Rücken restauriert und mit kleiner Fehlstelle am Kapital).
After-Sale Price 200 €
I. Erster Druck der ersten Ausgabe (mit dem Komma hinter Nicolovius). – Warda 206 – Adickes 104. – Ohne das wohl nur manchen Exemplaren beigebundene Erratablatt. – Etwas gebräunt bzw. braunfleckig, Vorsatz mit handschriftlichen Besitzvermerken. – II. Warda 115. – Teils gebräunt bzw. braunfleckig, unterer Bug zu Beginn leicht wurmspurig, Innenspiegel mit Montierungsspuren.

Lot 482 Philosophie und Pädagogik – Leibniz, Gottfried Wilhelm
Kleinere philosophische Schriften als I. Lehrsätze von den Monaden zur Erläut. der Theodicee II. Verthaidigung seiner Harmonie wider Baylen III. Geheimniß der Schöpfung nach seiner Dyadik IV. Mit Herrn D. Clarken gewechselte Schriften nebst V. Herrn Thümmigs Antwort auf Herrn Clarkens leztes Schreiben und VI. Herrn Prof. Köhlers Discurs über das Licht der Natur mit einer Vorrede Herrn Christian Wolffs … ehedem von dem Herrn Heinrich Köhler teutsch übersetzet nun auf das neue übersehen von M. Caspar Jacob Huth. Jena, Mayer, 1740. 39 Bl., 464 S. 18 x 11 cm. Halbpergamentband der Zeit (etwas angestaubt). [*]
Result 300 €
Neue überarbeitete und ergänzte Übersetzung von Leibniz’ “Mondalogie”, erstmals 1720 erschienen und hier neu übersetzt von Caspar Jacob Huth. – Ravier 412. – Vorsätze beschrieben, Titel und Widmungsblatt mit Stempel einer Klosterbibliothek, wenige Bleistiftanmerkungen.

Lot 483 Philosophie und Pädagogik – Lessing, Theodor
Der Bruch in der Ethik Kants. Wert- und wissenstheoretische Prolegomena. Bern, Scheitlin, 1908. 71 S., 1 Bl. 22,5 x 16 cm. Bedruckte Original-Broschur (fleckig, rechter Rand wasserrandig, Kapitale mit Fehlstellen, Rücken etwas rissig).
Result 200 €
Seltene erste Ausgabe. – Mit einer unleserlichen 3-zeiligen handschriftlichen Widmung Lessings auf dem Titel. – Teils unbeschnitten, dadurch Randläsuren, die ersten vier Blätter im rechten Rand mit Wasserfleck.

Lot 484 Philosophie und Pädagogik – Schlosser, Johann Georg
Katechismus der Sittenlehre für das Landvolk. (Zweiter Band:) Katechismus der Christlichen Religion für das Landvolk, als der zweyte Theil des Katechismus der Sittenlehre für das Landvolk. Zwei Bände. Leipzig und Dresden (Band zwei: Altona und Hamburg), ohne Verlag, 1772-1776. 142 S.; 110 S. 16,5 x 10 cm und 17,5 x 10,7 cm. Einfache Kartonagen der Zeit (etwas lichtrandig). [*]
After-Sale Price 400 €
Band 1 im Jahr nach der Erstausgabe (1771); Band 2 im Jahr der Erstausgabe, beide anonym erschienen. – Vgl. Goedeke IV/1, 515, 3a und 516, 6. – Der Literat und Jurist Johann Georg Schlosser (1739-1799) studierte Jura in Jena und Altdorf, wo er 1762 promovierte. Er war als Advokat in Frankfurt tätig und heiratete 1773 Goethes Schwester Cornelia. “Der Literat, der Umgang bzw. Korrespondenz mit Autoren wie Forster, Goethe, Isaak Iselin, den Brüdern Jacobi, Lavater, Lenz, Merck, Pfeffel, Salzmann u. Friedrich Leopold Graf zu Stolberg pflegte, … vertrat ein anti-orthodoxes, anti-klerikales, individualistisches Christentum .” (Killy X,293f). – Seine beiden “Katechismen” sind als Muster des dörflichen Schulunterrichts gedacht. Sie wenden sich also nicht an das Landvolk selbst, sondern an dessen Kinder. Die Konzeption ist, wie die einleitende Abhandlung zum ersten Band zeigt, von Rousseauscher Zivilisationskritik geprägt. – Alte Namenseinträge auf den Titeln, etwas gebräunt.

Lot 485 Philosophie und Pädagogik – Suttinger, Karl Benedikt
Versuch einer psychologisch-pädagogischen Erklärung zweyer Erscheinungen die man zu unserer Zeit an den Studirenden bemerkt. Auf Kosten des Verfassers. Leipzig, in Kommission bey Fleischer, 1799. 3 Bl., 98 S. 18 x 10 cm. Halbleinwandband (um 1850) mit goldgeprägtem Rückentitel.
Result 300 €
Erste Ausgabe. – Vgl. Goedeke V, 440 (ohne diesen Titel). – Über KVK nur in einer Berliner Sammlung nachweisbar. – Karl Benedikt Suttinger (1746-1830) war Rektor der Schule in Lübben. – Vorsatz mit zeitgenössischen Notizen zum Verfasser.

Lot 486 Philosophie und Pädagogik – Tetens, Johann Nicolas
Philosophische Versuche über die menschliche Natur und ihre Entwicklung. 2 Bände. Leipzig, Weidmanns Erben und Reich, 1777. LVI, 784 S.; XXVI, 834 S., 1 Bl. 20 x 12 cm. Pappbände der Zeit (berieben und bestoßen, Rücken von Band 1 mit größerer Fehlstelle). [*]
Result 750 €
Erste Ausgabe des Hauptwerkes. – Goedeke IV/1, 513, 7 – Ziegenfuss II, 687 (datiert 1776/77): “T. muß als Vorläufer Kants angesehen werden. Dieser hat T.s ‘Philosophische Versuche’ zur Zeit der Ausarbeitung der Kritik der reinen Vernunft nach Hamanns brieflichem Zeugnis intensiv in sich aufgenommen.” – Titel mit Stempeln einer Klosterbibliothek, teilweise etwas gebräunt bzw. stockfleckig.

Lot 487 Philosophie und Pädagogik – Tiedemann, Dieterich
Untersuchungen über den Menschen. 3 Bände. Leipzig, Weidmanns Erben und Reich, 1777-1778. 16 x 9,5 cm. Pappbände der Zeit mit späterem Rückenschild (stärker berieben und bestoßen). [*]
After-Sale Price 200 €
Erste Ausgabe des philosophischen Hauptwerks des deutschen Philosophen Tiedemann (1748-1803). – Ziegenfuss II, 722f.: “T. wird von ursprünglicher Hinneigung zum Materialismus durch Gedankenaustausch mit Tetens befreit. Seine philosophischen Überzeugungen ruhen auf Leibniz’ Metaphysik und Lockes Erkenntnistheorie. Er ist Gegner Kants. Seine Hauptarbeit gilt philosophiegeschichtlichen Forschungen.” – Titel beidseitig gestempelt, etwas gebräunt bzw. stockfleckig.

Lot 488 Philosophie und Pädagogik – Ulrich, Johann August Heinrich
Eleutheriologie, oder über Freyheit und Nothwendigkeit. Zum Gebrauch der Vorlesungen in den Michaelisferien. Jena, Cröker, 1788. 106 S., 5 Bl. 18,5 x 11,5 cm. Pappband der Zeit (fleckig und berieben, Rücken mit Bibliothekssignaturen). [*]
After-Sale Price 200 €
Erste Ausgabe. – Ziegenfuss II, 758: “U. geht aus von der Leibniz-Wolffschen Philosophie. Er ist Gegner Kants, von dem er doch Einfluß empfängt”. – Spiegel mit Notizen, Titel mit Namenseinträgen und Stempel einer Klosterbibliothek, teils leicht gebräunt.

Lot 489 Philosophie und Pädagogik – Weland, Jakob Christian
Einleitung in die Bibel nach den Bedürfnissen unserer Zeit, für Bürgerschulen in Städten und auf dem Lande. Hannover, Gebrüder Hahn, 1812. X, 78 S. 18,5 x 11 cm. Marmorierter Pappband der Zeit mit altem handschriftlichen Rückenschild.
Result 300 €
Seltene erste Ausgabe der Abhandlung des Generalsuperintendenten und ersten Predigers in Holzminden Weland (1752-1813), die wir über KVK nur in Wolfenbüttel nachweisen können. Gutes Exemplar.

Lot 490 Platina, Bartolomeo (das ist: Bartolomeo Sacchi)
Hystoria de vitis pontificum periucundae dilige(n)ter recognita… 2 Teile in 1 Band. Mit Titelholzschnitt und einigen ornamentalen Schwarzgrund-Initialen. Paris, Regnault, 1505. 352 (recte 358) num. Bl., 6 (2 w.) nn. Bl.; 128 nn. Bl. 17,5 x 11 cm. Lederband des 17. Jahrhunderts (berieben, beschabt, bestoßen, einige Fehlstellen an den Kapitalen und im Bezug).
After-Sale Price 350 €
Zweite Ausgabe im 16. Jahrhundert. – Adams P 1413 – Graesse V, 312 – STC 388. – Die Postinkunabel zur Geschichte der Päpste bis Paul II., erschien erstmals 1476. – Platina (1421-1481) “ist der erste Autor, der die allgemeine Kirchengeschichte aus ihrer geistlichen Isolierung befreite und mit der Profangeschichte in Verbindung setzte” (Fueter 48). Er wurde unter Sixtus IV. Leiter der Vatikanischen Bibliothek und von ihm mit der Abfassung der Papstviten beauftragt. Die Darstellung sind eher sachlich und nüchtern, bis auf die äußerst negative Darstellung Pauls II., was vielleicht damit zusammenhängen könnte, dass Platina auf dessen Anweisung eingekerkert und gefoltert wurde. – Der schöne Titelholzschnitt zeigt den Autor, der das Werk den Päpsten widmet. – Die ersten Blätter leicht fingerfleckig, Titel leicht gebräunt und mit kleiner Notiz im oberen Rand, der erste Teil mit einigen An- und Unterstreichungen sowie Randnotizen von alter Hand, letztes Blatt verso mit Notizen von alter Hand.

Lot 491 Pocci, Franz von
Das Mährlein von Hubertus und seinem Horn. Mit illustriertem lithographierten Titel und 36 lithographierten Textabbildungen. Landshut, Vogel, 1842. 48 S. 13,5 x 10 cm. Bedruckter Original-Pappband (leicht berieben und leicht fleckig). [*]
After-Sale Price 160 €
Erste Ausgabe. – Pocci 152 – Rümann 1667. – Vorsätze erneuert, Block gebrochen, sonst gut erhalten.

Lot 492 Pocci, Franz von
Sechs altdeutsche Minnelieder als Frühlingsgruß 1835 (Umschlagtitel). Mit 6 lithographischen Tafeln mit Vignetten. München, Literarisch artistische Anstalt, 1835. VI Bl. 28,5 x 23,5 cm. Moderner Halbmaroquinband mit reicher Rückenvergoldung, goldgeprägtem Rückentitel und eingebundener Original-Broschur (Kanten leicht berieben, Broschur leicht fleckig). [*]
After-Sale Price 200 €
Zweite Ausgabe. – Pocci (Enkel) 51. – Seltene Folge von sechs Frühlingskompositionen Poccis. – Exlibris. – Stellenweise leicht gebräunt.

Lot 493 Rousseau, Jean-Jacques – Doppet, Francois Amedee
Memoires de Madame de Warens et de Claude Anet, pour servir de suite aux Confessions de J.J. Rousseau. Edition originale. Mit gestochenem Frontispiz (Porträt: Louise de Warens). A Chambery, et se trouve a Paris, chez Leroy, 1786. 2 Bl., XVI, 327 S. Halblederband (um 1950) mit Rückentitel und Rückenvergoldung. [*]
After-Sale Price 200 €
Sehr seltene erste Ausgabe der fiktiven Memoiren der Geliebten Rousseaus, anonym erschienen. – Cioranescu I, 25064. – Francois Amedee Doppet (1753-1799) trat 1771 als junger Mann in die Armee ein, wo er drei Jahre blieb. Später studierte er Medizin in Turin. Er kehrte in seinen Heimatort Chambery zurück und versuchte erfolglos am Hof von Savoyen Fuß zu fassen. Daraufhin unternahm er Reisen in die Schweiz und nach Paris. Seine in dieser Zeit verfassten Gedichte, Romane und medizinischen Schriften waren nicht sehr erfolgreich. Später nahm er aktiv an der Französischen Revolution teil, war bei der Erstürmung der Tuilerien dabei und wurde schließlich General der Revolutionsarmee. – Seine 1786 erschienenen Memoiren der ‘Madame de Warens’ (1699-1762) und ihres Kammerherrn Claude Anet sind als Ehrenrettung der Gönnerin und Geliebten Rousseaus gedacht und erschienen vier Jahre nachdem dieser seine Sicht in den ‘Confessions’ (1782) ausführlich und verbittert dargestellt hatte. – Widmung und eingeklebter Zeitungsartikel auf dem Vorsatz, teilweise etwas stärker gebräunt bzw. stockfleckig, die letzte Lage mit Fehlstellen im unteren weißen Rand (kein Textverlust).

Lot 494 Ruge, Arnold
Der Novellist. Eine Geschichte in acht Dutzend Denkzetteln aus dem Taschenbuche des Helden. Mit 1 lithographischen Frontispiz. Leipzig, Otto Wigand, 1839. Titel, 445 S. 19 x 12 cm. Marmorierter Pappband der Zeit mit Rückenschild (Kanten etwas berieben). [*]
After-Sale Price 200 €
Seltene erste Ausgabe einer erzählerischen Arbeit Arnold Ruges (1802-1880) aus der ersten Zeit der “Halleschen Jahrbücher”. – Goedeke XVII, 1224, 196. – Es ist die Schilderung einer abenteuerlichen Reise auf der Ostsee und durch Mecklenburg, die ein Freund des Autors “eine Art modernes Nationalepos” nannte, in dem der Autor “selbst der Odysseus dieser Zeit” sei, der an der Zerstörung des heutigen Ilion gearbeitet, dafür viel erduldet und endlich den Rauch des heimischen Herdes erblickt habe. – “Das Ilion unserer Tage, wovor die ganze Jugend unseres Vaterlandes sich lagert und ihre Kämpfe besteht, ist ihre Verzweiflung an der Wirklichkeit” (S. 443f.). – Stempel verso Titel, stellenweise stockfleckig.

Lot 495 Russische Literatur – Lermontov, Mikhail Yurievitch
Otechestvennye zapiski. (Vaterländische-Notizen). Band XXVII, Teilband 4-1843. Mit einigen Illustrationen. Sankt-Petersburg, Redaktionskontor über das Presseverwaltungsamt/Glazunov & Co., 1843. S. 185-227, 193/194, 231-236, 241-332, 41-90, 13-22, 15-28, 49, 70, 31-48, 23-82, 62/63, 37-150, 1 Bl., IV. (Nach Rubriken geführte, im Jahrgang fortlaufende Paginierung). 24,5 x 16 cm. Halblederband der Zeit mit goldgeprägtem Rückentitel und eingebundener vorderer Original-Broschur (berieben und bestoßen, Broschur mit kleinem Datumsstempel). [*]
After-Sale Price 800 €
Enthält die Erstveröffentlichung von Lermontovs Gedichten “Son”, “Tamara”, “Utyos”, “Vyhozhu odin ya na dorogu” (“Ein Traum”, “Tamara”, “Alleine mach’ ich mich auf den Weg”) sowie von A. Fets “Pod ten’u sladostnoj poludennogo sada” (“Unter des mittäglichen Gartens süßem Schatten”). – Ohne zwei im Abbildungsverzeichnis aufgeführte Abbildungen (Tafeln?). – Die ersten zwölf Blätter etwas wasserrandig.

Lot 496 Sailer, Johann Michael
Das einzige Märchen seiner Art: eine Denkschrift an Freunde der Wahrheit für das Jahr 1786. Gegen eine sonderbare Anklage des Herrn Fried. Nikolai. Mit gestochener Titelvignette. München, Strobl, 1787. 200 S., 4 Bl. (“Nachricht an das Publikum”). 17,5 x 11 cm. Halblederband der Zeit mit rotem Rückenschild und Rückenvergoldung (etwas berieben und bestoßen). [*]
After-Sale Price 200 €
Erste und einzige Ausgabe. – Goedeke XII, 542, 6 und IV/1, 271, 51b. beta (Lavater). – Seltene Streitschrift gegen Nicolai, der in seiner großen Reisebeschreibung dem Protestanten Lavater vorgeworfen hatte, 700 Exemplare von Sailers, des Exjesuiten und Professors in Dillingen, “Vollständiges Lese- und Gebetbuch für katholische Christen” (6 Bände, 1785) übernommen und unter Protestanten verteilt zu haben. Das Gebetbuch, das von katholischer Seite für zu aufklärerisch gehalten wurde, fand auch unter Protestanten wie Claudius, F.H. Jacobi, Hamann u.a. Zustimmung. Nicolai als rigider Vertreter eines aufgeklärten Protestantismus bezichtigte in diesem Zusammenhang Lavater wie Sailer des Jesuitismus, Kryptokatholizismus und der Proselytenmacherei. Lavater reagierte 1786 zuerst mit drei schmalen Schriften, Sailer dann mit dem vorliegenden Buch, in dem er in der ersten Hälfte die Geschichte des Streits aus seiner Sicht beschreibt, in der zweiten Hälfte dann Nicolais philosophischen Standpunkt (die Titelvignette zeigt Nicolai, der Wahrheit die Hände bindend) und die von ihm vertretene Aufklärung insgesamt angreift. Sailer hielt sich an seine Ankündigung, sich nicht weiter dazu äußern zu wollen, jedoch entfachte der Streit eine Anzahl polemischer Schriften, meist von katholischer Seite. – Teilweise etwas gebräunt bzw. stockfleckig.

Lot 497 Satire
Die Affen. Eine allegorische Urkunde. Nebst einem Anhange. Erste Auflage. Ohne Ort, Verlag und Jahr (1763). 36 S. 16,5 x 9,5 cm. Neuer Pappband mit montiertem Deckelschild. [*]
Result 250 €
Einzige Ausgabe, selten. – Hayn-Gotendorf I, 31: “Satyren in Prosa. Einiges in Versen.” – nicht bei Weller, Holzmann-Bohatta und Hirschberg. – “Wenn es ein Verdienst ist, aus verjährten und halb vermoderten Papieren neue Entdeckungen von alten Begebenheiten zu machen, und das mit vieler Kunst zu entziffern, woran niemanden etwas gelegen ist; so werden die Leser das Meinige nicht verkennen. Ich liefere Ihnen ein Gedicht, eine Erzählung, eine Fabel – oder was es eigentlich seyn soll; denn die Wahrheit zu sagen, ich verstehe den Titel nicht. Und wozu braucht es das? Er ist nicht von mir; und wenn er von mir wäre, so würde ich nicht der einzige Schriftsteller seyn, der seiner Schrift einen Titel vorsetzt, dessen Innhalt ihm unbekannt ist. So viel ist gewiß, daß ich das ganze Werkchen (weil ich eben eine Schuldpost bezahlen sollte) aus dem Manuscripte eines gewissen alten Magisters, das aus lauter einzelnen Blättern bestand, in aller Eil zusammen gerathen habe; und da meine Leser und Leserinnen es so fein gemächlich beym Caffee durchsehen können, ohne dabey zu denken; so schmeichle ich mir, Ihnen keinen unangenehmen Dienst geleistet zu haben.” (Vorbericht des Herausgebers: “X***. An dem Tage, da ich meinen Gläubiger auf die Gütigkeit meiner Leser aßignirte, 1763.” – Teilweise etwas stärker stockfleckig.

Lot 498 Satire – Albrecht, Johann Friedrich Ernst
Der Todten-Tanz bei Ismael. Geschichte einer Bluthochzeit, nebst dem Leben des Bräutigams. Mit gestochenem Frontispiz. St. Petersburg (das ist: Erfurt und Gotha, Hennings), 1803. Titel, 371 S., 2 Bl. 15 x 9 cm. Kartonage der Zeit mit handschriftlichem Rückenschild (Deckel mit Wachsfleck). [*]
After-Sale Price 300 €
Sehr seltene Titelauflage, anonym erschienen. – Goedeke V, 503, 64 und 78 – Hayn-Gotendorf VII, 495 – vgl. Kosch I, 60f. – Satirisches Schauspiel, das zuerst 1800 ebenda (fingierter Druckort: “Pyropolis”) unter dem Titel ” Kakodamon der Schreckliche. Pansalvins und Mirandas Donnerkeil, Revisor des Codex der Menschrechte” erschienen war und aus Zensurgründen wohl wegen des “stellenweise etwas frivolen” Inhalts (Hayn-Gotendorf) für diese Ausgabe mit dem fingierten und gänzlich anderen Titel “Der Todten-Tanz bei Ismael…” (das Blatt A1 trägt den Zwischentitel “Kakodamon der Schreckliche”) vertrieben wurde. Das Werk steht in der Tradition der sogenannten Schlüsselromane, in denen unter dem Schutz einer fiktionalen Handlung – hier der Krieg im Land “Rumalien” zwischen “Kakodamon”, dem Befehlshaber der “bojarischen und astralischen Truppen” auf der einen Seite und den “Utopiern” auf der anderen – häufig verspottend auf die realen politischen und manchmal auch skandalösen gesellschaftlichen Zustände der Zeit reagiert wird. In dem Stück nimmt der Verfasser Bezug auf die seiner Meinung nach wohl mehr als nur freundschaftliche Beziehung zwischen der russischen Zarin Katharina II. (“Miranda”) und ihrem Vertrauten und Günstling Feldmarschall Potemkin (“Pansalvin”). – Der aus Stade bei Hamburg stammende Arzt Johann Friedrich Ernst Albrecht (1752-1814) war u.a. Buchhändler in Prag und später Direktor des Nationaltheaters in Altona. Ihn verband eine enge Freundschaft mit Friedrich Schiller, die dazu führte, dass dieser seinen Don Carlos in Albrechts Haus beendete. – Interessantes Beispiel für die Zensurumgehung im Buchdruck um 1800. – Gutes Exemplar.

Lot 499 Satire – Contius, Christian Gotthold
Wieland und seine Abonnenten. Ein musikalisches Drama halb in Reimverslein, halb in ungebundener Rede gestellt. Weimar, auf Kosten der Gesellschaft (das ist: Eisenach, Wittekind), 1775. 40 S., 2 Bl. 15,5 x 9,5 cm. Halbleinwand (19. Jahrhundert) (Ecken etwas bestoßen). [*]
Result 300 €
Einzige Ausgabe, anonym erschienen. – Goedeke IV/1, 192, 4, 7 – Günther/Z. 4150 (ohne die letzten zwei Bl.) – Kippenberg 1401. – Das satirische Spiel richtet sich gegen Wieland und den Teutschen Merkur. Als Hauptpersonen treten auch Jacobi und Nicolai auf, die ihre Zeitschriften “Iris” und “Allgemeine deutsche Bibliothek” zu verteidigen suchen. – Titel mit Exlibris des Journalisten, Literaturhistorikers und Theaterwissenschaftlers Dr. Hermann Uhde (1845-1879), dessen Bibliothek an seinen Sohn Hermann Uhde-Bernays überging. – Etwas stockfleckig und gebräunt.

Lot 500 Satire – Coyer, Gabriel Francois
Chinki, eine chochinchinesische Geschichte, die andern Ländern nützen kann. Aus dem französischen des Abtes Coyer übersetzt (von Franz Siber). Nebst angehängten 75. Lehrsätzen aus der Polizey, Handlung und Finanzwissenschaft welche … unter dem Vorsitze Josephs von Sonnenfels … zu vertheidigen die Ehre haben wird Franz Siber von Wien gebürtig. Wien, Kurzböck, 1770. 7 Bl., 99 S., 9 Bl. 16,4 x 9,5 cm. – Vorgebunden: Julius von Voß. Die travestirte Jungfrau von Orleans. Posse in zwei Akten mit Prolog und Epilog. Mit gestochenem Frontispiz. Berlin, Schmidt, 1803. Titel, XXVIII, 108 S. Ganzlederband (um 1800) mit Rückenvergoldung, goldgeprägter Deckel-, Steh- und Innenkantenvergoldung (kaum sichtbar restauriert, etwas berieben). [*]
After-Sale Price 300 €
Zu 1: Erste deutsche Ausgabe. – Fromm II, 6141 – Hayn-Gotendorf I, 605: “Irrthümlich Voltaire zugeschrieben.” – Seltenes satirisches, staatsphilosophisches Werk. Im Anhang neun Blatt mit den Kaiser Joseph II. gewidmeten Lehrsätzen des Übersetzers Franz Siber. – Zu 2: Erste Ausgabe, anonym erschienen. – Hayn-Gotendorf III, 491. – Eine Parodie auf Schillers “Die Jungfrau von Orleans”, die 1801 erschienen war. – Ohne das letzte Blatt (Errata?), Text vollständig. – Innendeckel mit dem “Ex Libris Eroticis Rudolf Jelinek”, beide Titel mit dessen Bibliotheksstempel. – Block neu eingehängt, Vorsätze erneuert, beide Titel teilweise leicht gebräunt.

Lot 501 Satire – Gosse, Etienne
Histoire des bêtes parlantes, depuis 89 jusqu’a 124, par un chien de berger. Mit 4 kolorierten lithographischen Tafeln von Monnier. Paris, Delaforest, 1828. VIII, VIII, 384 S. 19,5 x 12 cm. Halblederband im Stil der Zeit mit goldgeprägtem Rückentitel und Rückenvergoldung. [*]
Result 250 €
Carteret III, 277 – Vicaire III, 1076 (jeweils mit nur zwei Tafeln, Ausgaben mit vier Tafeln wie hier vorliegend sind selten). – Verspottung der Politik der Französischen Revolution, des Kaiserreichs und der Restauration durch “sprechende Tiere”. Mit den satirischen Illustrationen von Monnier. – Aus der Bibliothek F. M. Caye mit dessen Exlibris. – Nur teilweise leicht gebräunt.

Lot 502 Satire – Jenisch, Daniel
Obelisk an die Gränzscheide des achtzehnten und neunzehnten Jahrhunderts. Eine Lapidarschrift. Berlin, in der königl. preuss. akadem. Kunst- und Buchhandlung, 1801. Titel, 220 S., 1 Bl. 19 x 11,5 cm. Lederband der Zeit mit Rückenschild und reicher Rückenvergoldung (Gelenke und Ecken teilweise fachgerecht alt restauriert, Einband leicht gewellt). [*]
Result 220 €
Seltene erste Ausgabe. – Goedeke VII, 410, 13 – Kaldewey VII,87: “Jenisch, der bei Kant studierte u. sich mit 38 Jahren das Leben nahm, gehört zu den wenigen bedeutenden dt. Satirikern des ausgehenden 18. Jhs. Seine ungewöhnliche Intelligenz, sein eigenständiges Urteil u. die verwirrende Hoffnungslosigkeit in seinen Schriften unterscheiden ihn von anderen. – Vorliegender Band bringt zuerst eine Geschichte des 18. Jhs. bis hin zur frz. Revolution u. Napoleon in Versen. Dann folgt das ‘Basrelief auf den Obelisk’, eine Aphorismensammlung über I.: Regenten, Feldherrn, Staatsmänner, Günstlinge, Revolutionairs … 2: Schriftsteller, Künstler … Etwa zu LICHTENBERG Natur- u. Menschensitten durchschaute er mit gleichem Scharfblick. GOETHE Unter allen Dichtern neuer Zeit der antikeste. WIELAND Des verfeinertsten Jahrhunderts verfeinertster Dichter. KANT Der Spitzfindigkeiten der Natur scharfsinniger Erklärer.” – Zwei Stempel auf dem Titel, teilweise etwas stärker gebräunt bzw. fleckig, die letzten Blatt mit Wasserfleck im oberen weißen Rand.

Lot 503 Satire – Schummel, Johann Gottlieb
Der kleine Voltäre. Eine deutsche Lebens-Geschichte für unser Freygeistisches Jahrhundert. Mit einem Titelkupfer (Rosmäsler del. & sc.). Liegnitz und Leipzig, David Siegert, 1782. 6 Bl., 670 S., 1 weißes Bl. 17 x 10 cm. Halblederband der Zeit mit zwei farbigen Rückenschilden und etwas Rückenvergoldung (Ecken sauber restauriert). [*]
Result 500 €
Erste Ausgabe, anonym erschienen. – Goedeke IV/1, 590, 39, 11 – Wallich/von Müller, Deutsche Voltaire-Literatur S. 49 – Hayn-Gotendorf VIII, 254: “Scharfe Satyre auf den überhandnehmenden Voltairianismus”. – Aus ärmlichen Verhältnissen stammend studierte J. G. Schummel (1748-1813) auf Wunsch des Vaters in Halle Theologie; autodidaktisch eignete er sich Kenntnisse in modernen Sprachen an. Als Lehrer am Kloster “Unserer lieben Frau” in Magdeburg fiel er dem preußischen Minister Zedlitz auf, der sein Förderer wurde. 1779 berief er Schummel an die Ritter-Akademie in Liegnitz, wo dieser seine Hauptwerke verfasste. Das Lesepublikum fand mehr Gefallen an Schummels Werken (bereits 1785 erschien eine zweite Auflage des kleinen Voltäre) als Kollegen und Kritiker. Einen verhalten positiv gestimmten Kritiker fand der Roman in A. Knigge: “Absicht und Ausführung bey diesem Roman sind gleich lobenswerth. Die Einwürfe gegen die Religion in ihrer ganzen Stärke vorgetragen und ohne Trockenheit, in dem anmuthigen Gewande einer sehr interessanten Geschichte, widerlegt. Hie und da stößt man wohl auf Dinge, die schon mehrmals auf eben diese Art sind gesagt worden, und zuweilen scheint der Verfasser auch etwas unbillig mit Männern umzugehn, die nur aus Verirrung der Erkenntniß, nicht aus bösen Willen, noch um mit der Religion zugleich die Moral wegzuphilosophieren, Zweifler waren. Aber wie ist es anders möglich, als daß, wenn man von der Wahrheit, Heiligkeit und Güte der Sache durchdrungen redet, man nicht zuweilen einen Anschein von Ungerechtigkeit gegen die Widersprecher dieser guten Sache haben sollte?” (AdB, 1783, 55. Band, S. 416f.). – Etwas gebräunt bzw. stockfleckig, Innendeckel mit zeitgenössischen Einträgen, Name und Datum “1783” auf dem Titel.

Lot 504 Satire – Schummel, Johann Gottlieb
Die Revolution in Scheppenstedt. Eine Volksschrift. Mit Titelkupfer und Kupfertitel mit Vignette (V. Kininger del.; Cl. Kohl sc Vienna 1794). Germanien (das ist: Breslau, Gutsch), 1794. 288 S. 18 x 10,5 cm. Schwarz gesprenkelter Pappband im Stil der Zeit mit rotem Rückenschild. [*]
Result 300 €
Erste Ausgabe, anonym erschienen. – Goedeke IV/1, 590, 39, 15 – Boening/Siegert, Volksaufklärung 4074 – Weller, Druckorte I, S. 159. – “Die OALZ 1794 … schreibt über diese ‘kaustische Satyre über die sinnlose Revolutionswuth unserer Zeiten’: ‘Das Schönste aber ist dies, daß im ganzen Werkchen ein so gemäßigter, den Despotismus so wenig begünstigender Ton herrscht, daß man allerdings hoffen kann, diese Lectüre sollte manchem Irregeleiteten den Kopf zurecht zu rücken imstande seyn. Der Verfasser verkennt sogar nicht die Notwendigkeit irgend einer (aber einer besser gearteten) Revolution in Frankreich …’. In der Tat verzichtet der vorzüglich geschriebene kleine Roman auf Schwarzweißmalerei (mit Ausnahme der absolut makellosen Figur des besonnenen Aufklärers Smits) und zeichnet die Schöppenstedter Revolutionäre mit individueller Physiognomie und Verständnis …” (Boening/S. 2/2, Sp. 1861). – Exemplar einer zeitgenössischen Eisenacher Leihbibliothek mit deren Stempel verso Frontispiz und Titel und Spuren häufiger Benutzung (Fingerflecke, ein paar Randeinrisse), von Seite 237 an ein anfangs winziger, dann etwas größer werdender Wurmgang im unteren Rand (kein Textverlust).

Lot 505 Satire – Voß, Julius von
Geissel für Zeitthorheiten, in Roman-Geschichts-Satyren- und anderer Form. Berlin, Schüppel, 1817. 2 Bl., 355 S. 17 x 10 cm. Pappband der Zeit mit Rückenschild (berieben und bestoßen, Rücken mit Bezugsfehlstellen). [*]
After-Sale Price 200 €
Erste Ausgabe. – Goedeke V, 538, 36 – Hayn-Gotendorf VIII, 273. – Eine der selteneren Veröffentlichungen des Militär- und Unterhaltungsschriftstellers Julius von Voß (1768-1832). Nach seinem gern bewilligten Abschiedsgesuch (1798) vom Militär “entschied sich (Voß) für die Existenz eines freien Schriftstellers: Allerdings schadeten persönl. alkoholische u. sexuelle Exzesse seinem Ruf u. Einkommen mindestens ebensosehr wie unbekümmerte Frivolitäten oder ein fröhlich inszenierter Sexualakt auf den imaginären Bühnen seiner Lesedramen … u. humoristischen Romane.” (Killy XII, 65f.). – Die ersten und letzten Blatt etwas stärker stockfleckig.

Lot 506 Satire – Winkler von Mohrenfels, Joseph Johann Paul Carl
Hebe. Ein Pendant zum Ganymed. Mit gestochenem Frontispiz von D. Berger nach W. Hoffmann. Germanien (das ist: Berlin, Reimer), 1782. Titel, 4 Bl., 197 S. 17 x 10 cm. Kartonage der Zeit (etwas gebräunt, unteres Kapital mit Fehlstelle, kleine Einrisse in den Gelenken, Vorderdeckel mit kleinem hinterlegten Einriss). – [*]
After-Sale Price 200 €
Erste Ausgabe der ersten Buchveröffentlichung, anonym erschienen. – Goedeke VI, 542, 18, 1 – Weller, 119 – Hayn-Gotendorf I, 270 und III, 112. – Sarkastische Charakteristiken deutscher Städte: Köln, Frankfurt, Mannheim, Heidelberg, Darmstadt, Kassel, Göttingen, Hamburg, Kiel, Berlin, Potsdam, Sans Souci, Dresden, Leipzig, Bayreuth und Nürnberg. – “Enthält auch satirische Aufsätze über Toleranz und Modewuth” (Hayn-Gotendorf). Der Hamburg-Abschnitt beinhaltet einen Dialog mit J.M.Goeze (S. 18-27). Es finden sich weiterhin “Gespräche aus dem aufgeklärten Jahrhundert”, “Briefe eines Deutschen nach Deutschland”, “Neueste profane Apokalypse, oder die sieben Posaunen Alfreds des Weltweisen”. – Nur teilweise leicht gebräunt.

Lot 507 Schier, Christian Samuel
Raphael Mengs oder Die Künstlerliebe. Drama in drei Akten. Mit gestochenem Porträt-Frontispiz. Köln, Schmidt, 1822. 2 Bl., 123 S. 15 x 9,5 cm. Halblederband (um 1900) mit handschriftlichem Rückentitel (wohl Remboitage). [*]
After-Sale Price 200 €
Erste Ausgabe. – Hamberger-Meusel XX, 100 – Goedeke X, 542, 10. – Erotisches Drama um den Wegbereiter des deutschen Klassizismus Anton Raphael Mengs (1728-1779), dem sowohl eine lange Freundschaft mit Casanova wie mit Johann Joachim Winckelmann verband, der großen Einfluss auf seine Malerei hatte – und wohl zeitweise auch eine geschlechtliche Beziehung mit ihm führte. In vorliegendem Werk bemüht sich allerdings Mengs um die “angehende Jungfrau” Claudia. – Der Erfurter Dichter und Privatgelehrte Christian Samuel Schier (1791-1824) floh nach seiner Teilnahme am Wartburgfest 1817 nach New York, wo er sich u.a. als Harfenspieler ernährte. 1820 kehrte er nach Köln zurück und war maßgeblich in der Umgestaltung des Kölner Karnevals involviert. – Hinterer Vorsatz mit montierter farbiger Reproduktion eines Gemäldes, darüber montiert Ausschnitt eines Antiquariatskatalogs des frühen 20. Jahrhunderts, wohl mit Angebot des vorliegenden Exemplars (dort noch mit Umschlag).

Lot 508 Seder, Franz J
Sid-Lassar, der Wanderer. Von F. E. S. Mit gestochenem Titel mit Vignette. Wien, Kupffer und Wimmer, 1811. Titel, 205 S. 17,5 x 11,5 cm. Pappband (um 1900) mit Rückenschild. [*]
After-Sale Price 240 €
Seltene erste Ausgabe, anonym erschienen. – Kein Nachweis über KVK in deutschen Bibliotheken. – Verfasser nach Angaben von österreichischen Bibliotheken. – Unbeschnitten. – Wenige Blatt mit Braunfleck im weißen Rand, teilweise etwas gebräunt, teilweise etwas unsauber aufgeschnitten.

Lot 509 Seybold, David Christoph
Selbstbiographien berühmter Männer. Ein Pendant zu J. G. Müllers Selbstbekenntnissen. Bände 1-2 (alles Erschienene) in 2 Bänden. Winterthur, Steiner, 1796-1799. XIV, 553 (recte 555) S.; XVII, IX S., 1 Bl., 392 S. 18 x 10 cm. Halblederbände der Zeit mit 2 farbigen Rückenschildern und etwas Rückenvergoldung (etwas berieben und bestoßen, Kapital von Band 1 mit kleinem Einriss). [*]
Result 240 €
Erste Ausgabe. – Goedeke IV/1, 593, 41, 12 – Hamberger-Meusel VII, 479 (Band I) und X, 668 (Band II). – Band I: Thuanus. Band II: Joh. Valentin Andreä nebst Beilagen. – Zu I: Jacques-Auguste de Thou (Thouanus; 1553-1617) verfasste ein monumentales Werk zur französischen Geschichte, “Historia mei temporis 1543-1607”. – Zu II: Johann Valentin Andreae (1586-1654) gilt als Urheber der Rosenkreuzer-Legende sowie als Wegbereiter der kabbalistischen Lehrtafel in der Teinacher Dreifaltigkeitskirche. – David Christoph Seybold (1747-1804) war Professor der Philosophie, später der klassischen Literatur. Weitere Bände der “Selbstbiographien” sind nicht erschienen. – Beide Bände gering fleckig bzw. leicht gebräunt, Band 1 mit winzigen Wurmgängen im weißen Rand.

Lot 510 Sprachwissenschaft – Arndt, Christian Gottlieb von
Ueber den Ursprung und die verschiedenartige Verwandtschaft der Europäischen Sprachen. Nach Anleitung des russischen allgemeinen vergleichenden Wörterbuchs. Herausgegeben von Johann Ludwig Klüber. Frankfurt am Main, Brönner, 1818. XVI, 393 S., 1 Bl. 23 x 14 cm. Kartonage der Zeit (etwas berieben, Kapitale mit kleinen Fehlstellen). [*]
After-Sale Price 200 €
Erste Ausgabe. – Der 1743 in Ostpreußen geborene Christian Gottlieb Arndt studierte in Königsberg zuerst Theologie, später die Rechte. 1764 reiste er nach Warschau und gelangte 1768 über Riga nach St. Petersburg. Von Kaiserin Katharina II. gefördert, wurde Arndt 1780 Collegien-Assessor beim russisch-kaiserlichen Kabinett in St. Petersburg, eine Stellung, die er 25 Jahre innehatte. Das vorliegende Werk schrieb er auf Veranlassung der Kaiserin in französischer Sprache. Bevor es veröffentlicht werden konnte, mußte Arndt Russland aus gesundheitlichen Gründen verlassen. Er kehrte nach Deutschland zurück und ließ sich schließlich in Heidelberg nieder, wo er 1829 starb. – Seine Bedeutung wird durch den Kreis seiner Bekannten und Freunde belegt: Kant, Hippel, Pallas, Laharpe u.a. – Der auch mit Arndt befreundete Staatsgelehrte Klüber (1762-1837) forschte nach dem zwischenzeitlich von diesem ins Deutsche übersetzte, dann aber abhanden gekommenene Manuskript des vorliegenden Buches und konnte es schließlich 1818 veröffentlichen. – Titel verso mit Stempel der Großherzoglichen Bibliothek zu Neustrelitz. – Zweiseitig unbeschnitten. Gutes Exemplar.

Lot 511 Sprachwissenschaft – Beneken, Georg Wilhelm Friederich
Teuto, oder Urnamen der Deutschen, gesammelt und erklärt. Erlangen, Palm und Enke, 1816. 4 Bl., XII, 411 S. 19 x 10,5 cm. Halblederband der Zeit mit Rückenschild und etwas Rückenvergoldung (leicht berieben). [*]
After-Sale Price 200 €
Erste Ausgabe der seltenen Schrift des evangelischen Theologen Beneken (1765-1824), der Prediger in Nienhagen bei Celle war. – Von “Adalgis (Der Adlige)” bis “Wunfried (Der Freund des Vergnügens)” mit teils umfangreichen Erläuterungen zu Herkunft und Bedeutung der Namen. – Nur teilweise leicht gebräunt. Gutes Exemplar.

Lot 512 Stifter, Adalbert
Bunte Steine. Ein Festgeschenk. 2 Bände. Mit 2 gestochenen Titeln nach Ludwig Richter und einem leeren Widmungsblatt. Pest, Heckenast, 1853. 3 Bl., 268 S.; 3 Bl., 264 S. 16,5 x 11 cm. Grüne Halblederbände im Stil der Zeit mit 2 roten Rückenschildern. [*]
After-Sale Price 200 €
Erste Ausgabe. – Eisenmeier 128. – Die Sammlung enthält u.a. den Erstdruck von “Katzensilber”. – Sehr frisches, nur teilweise minimal gebräuntes Exemplar in dekorativen Einbänden.

Lot 513 Streitschrift – Orzechowski, Stanislaw
Des berühmten Stanislaus Orichovius Rede vom Cölibats-Geseze, wider den Pabst Syricius, gehalten unter dem Pabstthume Paulus des Dritten. Aus dem Lateinischen ins Deutsche übersezt. Rom, im Vatikan (das ist: Dessau, Buchhandlung der Gelehrten), 1783. 112 S. 17,5 x 10 cm. Roter Halblederband im Stil der Zeit mit Rückenschild und reicher Rückenvergoldung. [*]
Result 350 €
Erste deutsche Ausgabe der Streitschrift des polnischen Schriftstellers Stanislaw Orzechowski (1513-1566). – Weller, Druckorte, I, 123 – Hayn-Gotendorf I, 641. – Leicht gebräunt. Dekorativ gebunden.

Lot 514
Teutsch-Lands Klag- Straff- und Ermahnungs-Rede, an seine untreuen und verrätherischen Kinder, sambt beyfügung einer Aufmunterung der redlichen Teutschen Patrioten zu Ergreiffung der Waffen, wider des Kaysers, und des Reichs in demselben der Zeit tyrannisirende Feinde. (Ohne Ort und Verlag), 1673. 12 Bl. 20,8 x 16 cm. Neuer Pappband. [*]
After-Sale Price 200 €
Wird von einigen Bibliotheken (Berlin, Augsburg) Leibniz zugeschrieben. – Auseinandersetzung mit Frankreich und wohl eine der ersten Erwähnungen des heute so unrühmlichen Begriffes “Reichsbürger”: “Habt ihr nicht seither 2 Jahren die Prob schon abgenommen, wie die Franzosen in Teutschschland tyrannisiret. … Wie sie die ReichsBürger und Unterthanen zu solcher Demolirung, wie auch zu anderer Vestungen Fortificirung, mit harter Robbat unbarmhertziger Weiß angespannt”. – Etwas gebräunt, letzte Seite mit alten Anmerkungen zum Thema.

Lot 515 Thackeray, William Makepeace
Vanity Fair. A Novel without a Hero. Mit gestochenem Frontispiz, illustriertem gestochenen Titel, 38 gestochenen Tafeln und zahlreichen Textholzschnitten. London, Bradbury & Evans, 1848. XVI, 624 S. 22,5 x 13,5 cm. Hellbrauner Ganzlederband der Zeit mit 2 farbigen Rückenschildern, reicher Rückenvergoldung, goldgeprägten Deckel-, Steh- und Innenkantenfileten sowie Kopfgoldschnitt (hinterer Deckel leicht fleckig, leicht berieben). – [*]
Result 200 €
Erste Ausgabe mit den Kennzeichen des späteren Abdrucks. – Vorsätze etwas stockfleckig, nur leicht papierbedingt gebräunt, Tafeln teilweise mit schwachem Abklatsch. Sehr dekorativ gebundenes und ungewöhnlich sauberes Exemplar.

Lot 516 Theologie – Beausobre, Isaac de
Histoire critique de Manichée et du Manichéisme. 2 Bände. Mit gestochener Titelvignette und 2 gestochenen Kopfvignetten. Amsterdam, Bernard, 1734-1739. 2 Bl., LXXVI, 594 S.; 1 Bl., XXXIV, 806 S. 25,5 x 19,5 cm. Ganzlederbände der Zeit mit goldgeprägtem Rückenschild und reicher Rückenvergoldung (Kapitale und Ecken restauriert, etwas beschabt, leicht fleckig). [*]
After-Sale Price 300 €
Erste Ausgabe. – Herzog-Hauck II, 499 – Hoefer V, 45: “Beausobre se montre dans cet ouvrage critique habile, et profondément versé dans l’histoire ecclésiastique.” – Isaac de Beausobre (1659-1738) wirkte seit 1694 als Hofprediger in Berlin und hatte dort als Redner der französisch-reformierten Kirche einen glänzenden Ruf. In seinen historischen Schriften suchte der Hugenotte vor allem, “die ununterbrochene apostolische Succession der protestantischen Kirche” (Herzog-Hauck) zu beweisen. – Spiegel mit Spuren eines entfernten Exlibris, gebräunt, leicht fleckig.

Lot 517 Trivialliteratur
Fortunatus und sein Reisehütchen, dessen Abenteuer zu Wasser und zu Land. Mit Titelholzschnitt und 32 Textholzschnitten. Znaim, Martin Hofmann 1847. 127 S. 17 x 11 cm. Bedruckter Original-Umschlag (vorderer Umschlag im Rand gebräunt). [*]
Result 350 €
Wohl erste Ausgabe. – Im KVK nur ein Standortnachweis für eine 10. Auflage von ca. 1870 (Österreichische Nationalbibliothek); die Mährische Landesbibliothek in Brünn (nicht im KVK angeschlossen) mit Standort für diese wohl erste Ausgabe. – Irrungen und Wirrunen im Liebesleben des Fortunatus, die ihn vom zypriotischen Nikosia bis zur Rigi in der Schweiz führen. – Amüsant illustriert. – Etwas eselsohrig und leicht gebräunt. Insgesamt für einen Titel des Genres im fragilen Einband recht gut erhalten.

Lot 518 Trivialliteratur der Goethezeit
Adelheid Sander, Tochter eines würdigen Geistlichen im Elsaß. Eine neuere wirkliche Geschichte. 2 Bände. Mit 1 gestochenen Titelvignette. Leipzig, Weygand, 1797. 316 S.; 324 S. 16 x 10 cm. Halblederbände der Zeit mit 2 farbigen Rückenschildern und reicher Rückenvergoldung (Deckel berieben, 1 Kapital mit kleiner Fehlstelle). [*]
Result 500 €
Wohl erste deutsche Ausgabe, anonym erschienen. – Nicht bei Price & Price. – Die Allgemeine Literatur-Zeitung (Dezember 1797, Sp. 822-823) beweist recht haarscharf durch offensichtliche Übersetzungsfehler, Nichtbeachtung von offensichtlichen Anglizismen, die sinnentstellend ins Deutsche übertragen wurden, dass das vorliegende Werk eine Übertragung aus dem Englischen sein muss. – Trivialer Briefroman mit Liebe und Galanterie, Adel und Bürgertum, Gefahr und Erlösung, Verlust und Wiederentdeckung eines Kindes aus Liebe. – Stockfleckig.

Lot 519 Trivialliteratur der Goethezeit – Gleich, Joseph Alois
Die Höhle des alten Kinderfressers oder die rothen Brüder. Aus den Papieren eines Reisenden. Mit gestochenem Frontispiz und gestochenem Titel mit Vignette. Wien und Prag, Haas 1799. 180 S. 17 x 10 cm. Pappband der Zeit (fleckig, Ecken bestoßen). [*]
Result 320 €
Wohl erste Ausgabe. – Goedeke XV, 732, 6 (mit unsicherer Verfasserschaft) – Wolfstieg II, 41592 – Hayn-Gotendorf III, 311 (ohne Nennung des Verfassers) – ADB IX, 226 schreibt das Werk dem Wiener Theaterdichter und Verfasser zahlreicher Schauergeschichten Josef Alois Gleich (1771-1841) zu. – Ein Geheimbund mit Initiationsriten spielt eine zentrale Rolle, der Obere des Bundes erscheint als Geist – das hat Wolfstieg bewogen, das Werk zur freimaurerischen Literatur zu zählen. – Teilweise fingerfleckig, S. 171/172 mit Ausriss im weißen Rand (leichter Buchstabenverlust), Name auf Frontispiz verso.

Lot 520 Trivialliteratur der Goethezeit – Schaden, Adolph von
Die Spanische Johanna. Ein Original-Roman als Gegenstück zum deutschen Don Juan. Berlin, Schüppel, 1820. XIV S., 1 Bl., 311 S. 17 x 10,5 cm. Pappband der Zeit mit goldgeprägtem Rückenschild (leicht berieben). [*]
After-Sale Price 200 €
Erste Ausgabe. – Goedeke IX, 178, 17 – Hayn-Gotendorf VII, 114 – Kaldewey I, 405: “Blutrünstige, ungemein spannende Liebesgeschichte mit diversen Morden; während des Napoleonkrieges gegen Spanien. – Gutes Exemplar.

Lot 521 Utopie – Ziegenhagen, Franz Heinrich
Lehre vom richtigen Verhältnisse zu den Schöpfungswerken, und die durch öffentliche Einführung derselben allein zu bewürkende algemeine Menschenbeglückung. Mit gefaltetem gestochenen Frontispiz und 7 (1 mehrfach gefalteten) Kupfertafeln von Daniel Chodowiecki sowie 1 gefalteten Notenbeilage von W. A. Mozart (auf 4 Falttafeln, 8 S.). Braunschweig, Vieweg, 1799. 4 Bl., 633 S. (recte 639; S. 95/96 und 233-236 doppelt gezählt), 2 Bl. 20,5 x 12,5 cm. Halbpergamentband (um 1900) mit rotem Rückenschild. [*]
Result 2000 €
Seltene Titelauflage des erstmals 1792 im Hamburger Selbstverlag des Verfassers erschienenen Werkes. – Lanckoronska/Oehler II, 119-120 und 214 – Rümann 1299 – Schröder 4549, 1 – Bauer 1551-54, 1556-59 und Engelmann 664-667, 672-675 (Chodowiecki) – RISM M 4161. – Mit Autograph von Ziegenhagen: Im Vorwort empfiehlt der Verfasser einen Aufenthalt auf dem landwirtschaftlichem Gut, das er im Druck von 1792 noch zu “Strasburg” zu errichten gedenkt; bei der sich sehr schlecht verkaufenden Titelauflage von 1799 wie hier vorliegend, versuchte Ziegenhagen es auf seinem Gut in Billwerder, was aber letztendlich auch nicht funktionierte. Der Ortsname ist hier geschwärzt und gegenüber ein handschriftlicher Slip eingebunden: “*Hamburg, auf meinem Landgute, von welchem das große Kupfer ein Abbild ist”. – Ein frühes Hauptwerk des utopischen Sozialismus. – Wichtigstes Werk des Hamburger Kaufmanns Franz Heinrich Ziegenhagen, in dem er seinen Versuch beschreibt, unabhängig von der bestehenden Gesellschaft eine separatistische Kolonie als landwirtschaftliche Erziehungsstätte zu begründen. Diese Anstalt sollte später in ein Gemeinwesen mit kollektivem Eigentum überführt werden. Ausgehend von den Ideen Rousseaus forderte Ziegenhagen, das rechte Verhältnis der Dinge wiederherzustellen, um gut und glücklich zu leben. Chodowieckis wunderbares großes Faltkupfer – “eine besonders interessante und lustige großformatige gefaltete Tafel” (Lanck./Oehler) – zeigt das Ideal einer solchen Anlage. 1788 kaufte Ziegenhagen in Billwerder bei Hamburg ein landwirtschaftliches Gut, um eine solche Institution zu begründen, die exemplarisch seine Ideen vom Gemeineigentum, dem Gedanken des Kollektivs und sozialer Sicherheit praktizieren sollte. Er appellierte vergeblich an wohlhabende Bürger, den Adel und sogar an den französischen Konvent, die Anlage ähnlicher Kolonien zu unterstützen und scheiterte schließlich mit seinem Projekt. Nach 12 Jahren verkaufte er das Billwerder Gut, kehrte 1802 in seine elsässische Heimat zurück und beging dort vier Jahre später Selbstmord. – Das vorliegende Werk ist neben seiner philosophischen Bedeutung nicht zuletzt auch aufgrund der hervorragenden Chodowiecki-Illustrationen bedeutsam. “Die Kolonie mit ihrer in Vogelperspektive gegebenen Übersicht der Gebäude und Plätze, mit ihren spielenden Kindern und grasenden Viehherden verdeutlicht die Ziegenhagenschen Lehren, ohne der künstlerischen Wirkung Abtrag zu tun. Auch die weiteren Tafeln, eine anatomische Lehranstalt, eine Schmiede, die Werkstatt des Drechslers und Mechanikers, die Stuben des Naturlehrers und Schulmeisters sind in der Ausführung besonders fein …” (ebd.). – Immerhin gelang es Ziegenhagen, W. A. Mozart für die Vertonung eines exemplarischen Liedes zu gewinnen. Als 8-seitigen Notenanhang ist die 1791 – und damit zeitgleich mit seiner Komposition der Zauberflöte – entstandene Kantate diesem Werk beigefügt (KV 619. – RISM M 4161), deren Text eine deutliche Verbindung zu freimaurerischen Ideen aufweist und der im gleichen Jahr auch separat als Einblattdruck erschien (Wolfstieg 41259). – Unbeschniten, zwei Blatt mit kürzerem Einriss am Rand, letzte Lage mit den Notenblättern lose, wenige Blatt am unteren Rand gebräunt.

Lot 522 Wekhrlin, Wilhelm Ludwig
Paragrafen. 2 Bände. Ohne Ort und Verlag (das ist: Nürnberg, Felßecker), 1791. S (3)-331, 1 weißes Bl.; S. (3)-294, 1 weißes Bl. 17 x 10 cm. Marmorierte Pappbände der Zeit mit goldgeprägtem farbigen Rückenschild. [*]
Result 350 €
Erste Ausgabe. – Goedeke IV/1, 847, 14 – Hayn-Gotendorf VI, 63: “Sehr selten.” – Kirchner 5853 (verzeichnet irrtümlich 3 Bände) – Diesch 1195. – Wekhrlin letztes Werk, das als Fortsetzung des “Grauen Ungeheuers” geschrieben ist. – Behandelt eingehend und voller Enthusiasmus die durch die Französische Revolution ausgelösten Entwicklungen. – Ohne die beiden Vortitel, sonst gutes Exemplar.

Lot 523 Werlich, August Carl Friedrich (Pseudonym: C. J. Romano)
Lauretta. Von C. J. Romano. Novalis Andenken geweiht. Rudolstadt, G. Klüger, 1806. 220 S., 2 Bl. (Verlagsanzeigen). 17 x 9,5 cm. Halblederband im Stil der Zeit mit rotem Rückenschild und reicher Rückenvergoldung. [*]
Result 400 €
Erste Ausgabe, pseudonym erschienen. – Goedeke VII, 287, 47, 6 – Hayn-Gotendorf VI, 525 – Holzmann-Bohatta, Pseudonyme S. 239 – MNE II, S. 353. – Sehr selten; über KVK nur ein Nachweis weltweit (StaBi Berlin). – Werlich (1772-1833) studierte von 1789 bis 1792 an der Universität Jena Jura und Kameralwissenschaften, hörte aber auch Vorlesungen bei Schiller, den er lebenslang verehrte; die 1830 eingeweihte Gedenkstätte Schillershöhe in Rudolstadt entstand auf sein Betreiben hin. Mit Goethe stand er in gelegentlichem brieflichen Kontakt. – Lauretta, der im Italien der Renaissance angesiedelte Briefroman, ist dagegen ganz von frühromantischem Geist geprägt, was schon die Widmung an Novalis erkennen lässt. – Am Schluss: “Ende des Ersten Theils”; mehr erschien jedoch nicht. – Zeitgenössischer Name auf dem Titel (“Schönebein” oder “Schönebeck”), teilweise gebräunt bzw. schwach wasserfleckig.

Lot 524 Wieland, Christoph Martin
Die Wahl des Herkules. Ein lyrisches Drama. (Ohne Ort und Verlag), 1774. 48 S. 15,5 x 10 cm. Schwabinger Rückenbroschur. [*]
After-Sale Price 200 €
Günther/Zeilinger 518 – Goedeke IV/1, 557, 73. – Erschien erstmals 1773 im Teutschen Merkur, als erste Separatausgabe am 3. September 1773 zum Geburtstagsfest Karl August zu Sachsen-Weimar mit 26 S., am 4. September mit 24 S. (beide Groß-Oktav). – Etwas stockfleckig.

Lot 525 Wiesenhütten, Friederike Henriette von
Contes imités de Musaeus et d’autres auteurs Allemands. 3 Bände. Gotha, Perthes, 1810-1811. 18,5 x 11 cm. Kartonage der Zeit (etwas fleckig).
Result 200 €
Seltene erste Ausgabe, die wir über KVK nur in den Universitätsbibliotheken Erlangen-Nürnberg und Würzburg sowie in der Staatsbibliothek-Berlin nachweisen können. – Vgl. Fromm VI, 28536 (ohne diesen Titel) und Pataky II, 433 (nur biographische Daten). – Titel verso mit dem Stempel einer fürstlichen Bibliothek. – Etwas stockfleckig bzw. gebräunt.

Lot 526 Wörterbücher – Schmid, Johann Christoph von
Schwäbisches Wörterbuch mit etymologischen und historischen Anmerkungen. Mit lithographischem Porträt. Stuttgart, Schweizerbart, 1831. XVI, 630 (recte 631) S. 21 x 12,5 cm. Halbleinwand (ca. 1920) mit goldgeprägtem Rückentitel (etwas berieben, Kapital mit Einriss). [*]
After-Sale Price 200 €
Erste Ausgabe. – Kosch XV, 283 – vgl. Katalog Bernsteina 3253. – Enthält am Schluss schwäbische Sprichwörter und Redensarten. – Teilweise etwas stockfleckig, Porträt am linken Rand etwas eng beschnitten.

Lot 527 Zeitschriften – Cramer, Johann Andreas (Hg)
Der Nordische Aufseher. 3 Bände in 5 Bänden (Bände 1 und 2 in 2 Abteilungen). Mit 1 gestochenen Kopfvignette. Kopenhagen und Leipzig, Ackermann (Band 3: Heinsius), 1760-1770. 16 x 10 cm. Ganzlederbände der Zeit mit goldgeprägtem Rückenschild und etwas Rückenvergoldung (Kapitale teilweise etwas bestoßen, 1 Kapital mit schmaler Fehlstelle, etwas fleckig und berieben). [*]
Result 300 €
Vollständige Folge der interessanten Zeitschrift, hier im Nachdruck der ersten Ausgabe von 1758-1761. – Kirchner 5261 – Diesch 685 – Hayn-Gotendorf I, 133: “Selten, besonders cplt.!”. – Herausgeber und Verfasser der meisten Beiträge ist der Schriftsteller Johann Andreas Cramer (1723-1788), der durch Vermittlung seines Freundes Klopstock dänischer Hofprediger wurde. Klopstock selbst lieferte für den “Nordischen Aufseher” zahlreiche, hier erstmals veröffentlichte Beiträge. Darüber hinaus sind auch Beiträge von G. B. Funk u.a. enthalten. – Teilweise leicht gebräunt. Gutes Exemplar.

Lot 528 Zeitschriften
Le Parlement. Journal de la Republique libérale. 969 Ausgaben in 6 Bänden. Paris, 20.10.1879 – 30.6.1882. 2 Bl. pro Ausgabe. 64 x 47 cm. Rote Halblederbände der Zeit mit goldgeprägten Rückentiteln (Kanten berieben und teils stärker bestoßen, beschabt, Kapitale teils eingerissen und teils mit kleineren Fehlstellen). [*]
After-Sale Price 300 €
Die umfangreiche Sammlung der seltenen Zeitung umfasst die ersten drei Jahrgänge und die erste Hälfte des 4. Jahrgangs (bis Nr. 178). – Die gemäßigte linke Tageszeitung wurde von dem Juristen und Politiker der 3. Republik Alexandre Félix Joseph Ribot (1842-1923) und dem zweimaligen Premierminister Jules Armand Stanislas Dufaure (1798-1881) gegründet (vgl. Garrigues, Alexandre Ribot in Histoire et Politique 2012/1) und befasste sich hauptsächlich mit parlamentarischen Debatten, behandelt aber auch kulturelle Themen.- Enthält u.a. Beiträge der Journalistin Thérèse Bentzon (das ist Marie Thérèse Blanc), dem Schriftsteller Lucien Biart, dem Journalisten und Schriftsteller Louis Ulbach und der Schriftstellerin Ouida (das ist Maria Louise de la Ramée). – Vereinzelte Randeinrisse, Papier etwas brüchig, Ausgabe 1 von 1880 lose und mit stärkeren Randläsuren, Ausgabe 1 von 1882 mit Randfehlstellen, stellenweise leicht braunfleckig. – Nicht eingehend kollationiert, augenscheinlich komplett. Ohne Rückgaberecht.

Lot 529 Zeitschriften
Recueil des meilleures pieces du Mercure de France et de quelques autres ouvrages periodiques avec le precis des nouvelles et anecdotes litteraires. 1.-3. Jahrgang in jeweils 12 Teilen in 6 Bänden (alles Erschienene). Erlangen, Walther, 1766-68. 16,2 x 10 cm. Halblederbände der Zeit mit rotem goldgeprägten Rückenschild und Rückenvergoldung (etwas berieben, ein Kapital mit schmaler Fehlstelle, Vergoldung der Bände 5 und 6 etwas abweichend). [*]
Result 240 €
Erste Ausgabe und vollständige Reihe der seltenen Zeitschrift. – Kirchner 4448. – Die interessantesten Berichte aus dem “Mercure” über Poesie, Theater, Kunst und Wissenschaften. – Innendeckel mit Exlibris (“Alex. F.H.V. Seckendorff”), Stempel (“Bibliothek Sugenheim”) auf Vorsatz. Nahezu fleckfreies und dekoratives Exemplar.

Lot 530 Zeitschriften
Wochenblatt für den gemeinenen Mann. Erstes und Zweytes Quartal sowie Drittes und Viertes Quartal aufs Jahr 1775 in einem Band. Mit 2 Holzschnitt-Titelvignetten. Leipzig, Friedrich Gotthold Jacobäern, 1775. 8 Bl., 400 S.; 4 Bl., S. (401)-800, 4 Bl. (Register). 17,5 x 11 cm. Halblederband der Zeit mit goldgeprägten Rückenschildchen und floraler Rückenvergoldung (leicht berieben und bestoßen).
Result 240 €
Offensichtlich der zweite von nur vier erschienenen Jahrgängen, herausgegeben von Gottfried Joachim Wichmann (1736-1790) (vgl. Handbuch der allgemeinen Litterargeschichte nach Heumann’s Grundriss, V, S. 75). – Nicht bei Kirchner. – Der Pfarrer zu Zwätzen und Löbstedt bei Jena wollte mit seinem Wochenblatt ein “ganzes Lehrgebäude der allgemeinen Landwirtschaft und Haushaltungskunst” sowie eine “ländliche praktische Sittenlehre” (Vorrede) errichten und behandelt so unterschiedliche Themen wie “Aberglauben”, “Bienenschule in Österreich”, “Caffee, ob ihn Wöchnerinnen trinken dürfen”, “Fliegenfalle der Venus”, “Gespenster”, “Island”, “Kartoffel-Käse”, “Purgiermittel”, “Surinam”, “Tabakrauchen” und “Zeitvertreib”. – Durchgehend schwach wasserrandig. – Kein Nachweis im KVK, sehr selten!