Lot 195 Beendet Günther, Johann Christian Sammlung von bis anhero herausgegebenen Gedichten. Auf das neue übersehen ... mit einem Anhang und Register, nebst des Autoris Leben. Vierdte Auflage. Mit gestochenem Frontispiz und gestochener Titelvignette. Breslau und Leipzig, Hubert, 1746. 23 Bl., 1178 S., 15 Bl. - Angebunden: Derselbe. Nachlese. Zweyte verbesserte und vermehrte Auflage. Breslau, Korn, 1745. 10 Bl., 282 S., 5 Bl. 20 x 12 cm. Pergamentband der Zeit mit handschriftlichem Rückentitel (verstaubt, Rücken gedunkelt). Dünnhaupt 1918, 2.I.4 und 1920, 2.III.3 - Böllhoff 176 und 183. - Am rückwärtigen Vorsatz alte Abschrift der berühmten Charakteristik Goethes aus "Dichtung und Wahrheit": "Günther verdient in vollem Sinne des Worts ein Poet genannt zu werden: ein entschiedenes Talent, begabt mit Sinnlichkeit, Einbildungskraft ...". - Etwas gebräunt und stockfleckig, alter Stempel und Besitzvermerk am vorderen Vorsatz, erste 6 Bl. der "Nachlese" mit Wurmgang im Satzspiegel.
Lot 199 Verkauft Ange, Victor St Die Sprache des Herzens, eine Auswahl schöner Liebesbriefe, Neujahrs- und Geburtstagswünsche, Stammbuchaufsätze etc. Mit farbigem lithographischen Frontispiz. Stuttgart, Imle und Liesching, (ca. 1840). VIII, 152 S. 12,3 x 10 cm. Halbleinwand der Zeit im Schuber der Zeit (dieser an den Kanten bestoßen). Seltene, wohl einzige Ausgabe. - Kein Nachweis über KVK. - Kupferstich zwischen Frontispiz und Titel montiert. - Teils leicht gebräunt. Zuschlag: 400,00 €
Lot 201 Beendet Der Bouillottenleuchter Eine Goldgrube der Pariser Damen vom Ton. Skizze über die heutigen Sitten der Pariser, ihre Spielsucht, ihre hohe Wetten, ihre Spielfeste und privilegirte Lottohäuser, nebst Schilderung einer solchen Spielscene in einem Tripot. Mit 1 gefalteten Kupfertafel von J. F. W. Schleuen nach Christophe Guérin. Berlin, Nicolai, 1800. 32 S. 17,2 x 10,5 cm. Rückenbroschur. Erster Separatdruck. - Hayn-Gotendorf VI, 69: "Abdr. aus dem Journale: London und Paris. II. Jahrg. Bd. 4. No. 5. p. 62." - Etwas gebräunt.
Lot 202 Verkauft Bücher, Karl Nuweste Zytunge in des Richs Stede zu Franckenfurd an dem Moyne. XXV. Uzgebin den nehesten suntag nach Mariae geburde anno Domini m.o cccc.mo xlprimo. Mit 2 kleinen Holzschnitten. Frankfurt, Fey, 1881. 4 S. auf einem Doppelblatt. 33 x 23 cm. Imaginäre Zeitung vom 10.IX.1441 in mittelhochdeutschem Idiom, auf der Generalversammlung deutscher Geschichts- und Altertumsvereine in Frankfurt am 11.IX.1881 verteilt. Autor war laut kleiner Nota auf der Schlussseite der Nationalökonom, Staats- und Zeitungswissenschaftler Karl Bücher, unterstützt u.a. von Hermann Grotefend. Bücher (1847-1930) gründete 1916 nach seiner Emeritierung in Leipzig das erste deutsche Institut für Zeitungskunde. Das vorliegende Blatt enthält einen Leitartikel ("inleitend articul"), Nachrichten "uz des heiligen Romischen Richs landen und steden, uz der Stede und Nachgebuerschafft, uz der Ratstoben, umb Moncze vnd Kauffmannschafft" etc. - Gefaltet, etwas gebräunt und fleckig, Außenrand mit einigen Einrissen und kleinem Ausbruch außerhalb des Satzes. Zuschlag: 200,00 €
Lot 203 Verkauft Oelssner, Gottlieb Philosophisch-moralisch- und medicinische Betrachtung, ueber mancherley zur Hoffart und Schönheit hervorgesuchte, schädliche Zwang-Mittel, junger und erwachsener Leute, beyderley Geschlechtes. Nebst dem schädlichen Mißbrauche der Schnürbrüste und Planchette oder sogenannten Blanckscheite der Frauenzimmer. Bey ruhigen Abend-Stunden wohlmeinend entworfen. Breslau und Leipzig, Pietsch, 1754. 80 S. 17 x 10 cm. Rückenbroschur. Hayn-Gotendorf V, 97: "Sehr selten!". - Interessante Abhandlung über das Korsett, die allerdings von Gotthold Ephraim Lessing in seiner Rezension in der Berlinischen privilegirten Zeitung (Jg. 1754, 119. Stück) eher verspottet wurde. Lessing zitiert eine Passage, die der bearbeitende Antiquar auch gerne wiedergibt: "Es giebt Frauenzimmer, denen die Natur ihre Gütigkeit entzogen, und bei dem Polo Arctico ihres Busens, entweder die Elevation desselben vergessen ... oder diesen Lustgranaten in Ansehung ihrer Grösse, Figur, Qualität und Bewegung einen ziemlichen Theil ihrer Schönheit und ihres Feuers zurückgehalten hat, und diese bemühen sich dieselben mit aller Gewalt aufzuhelfen". Zuschlag: 260,00 €
Lot 214 Beendet Solaras, Francisco Relatio Deß Hochwürdigen in Gott Fürsten und Herrn Francisci Solaras Bischffen zu Salamina, in dem H. Concilio zu Trient 1546. für die Pest. Ohne Ort, 1665. Einblattdruck. 33 x 20,5 cm. Nicht im VD 17, kennt aber eine Ausgabe München, Sebastian Rauch 1679, 6 Bl. in 12°.; auch nicht im KVK, dort noch 2 Ausgaben des 18. Jhdts. - Offensichtlich sehr seltener sogenannter "Zachariassegen", eine Segensformel, die als Schutz- und Heilmittel diente, hier speziell gegen die Pest. Er ist nach dem Jerusalemer Patriarchen Zacharias benannt. Man findet ihn auf Zetteln und als Inschrift von Patriarchen- und Tatzenkreuzen oder Medaillen. Gedruckt erscheint er erstmals in der Erstausgabe des Geistlichen Schild von 1647, eines indizierten Sammelwerks. Im Kapitel "Buchstaben gegen die Pest zu tragen" wird dort berichtet, der Patriarch von Antiochien habe beim Konzil von Trient 1546 den anwesenden Bischöfen geraten, den Zachariassegen als Pestschutz zu tragen. Einer der Bischöfe soll auch ein Armband mit dem Segen getragen haben. - Der vorliegende Einblattdruck greift die Geschichte auf. Zentral ist hier ein Kreuz, gefüllt mit magischen Buchstabenkombinationen, der Text mit Gebets- und Beschwörungsformeln zu den einzelnen Buchstaben "+ Z + DIA + BIZ + SAB + Z + HGF + BFRS". - Der Verfassername ist fingiert, "Salamania" soll wohl Salamanca sein. - Etwas knittrig und stockfleckig, aber insgesamt recht gut erhaltenes und frühes Dokument zum Volksaberglauben des Zachariassegens.
Lot 228 Beendet Medicina Antiqua. Libri quattuor medicinae Codex Vindobonensis 93 der Österreichischen Nationalbibliothek. Faksimile- und Kommentarband. Mit zahlreichen teils ganzseitigen farbigen Abbildungen. Graz, Akademische Druck- und Verlagsanstalt, 1972. 161 faksimilierte Blatt; 78 S., 4 nn. Bl. (Kommentar). 28 x 19 cm. Original-Halblederband (Kommentar) und flexibler Original-Pergamentband im Original-Leinenschuber mit Rückenschild. Codices selecti, Vol. XXVII. - Mit einer Einführung von Ch. H. Talbot und Beiträgen von Fr. Unterkircher. - Sehr gut erhalten.
Lot 248 Verkauft Böttiger, Carl August Entwicklung des Ifflandischen Spiels in vierzehn Darstellungen auf dem Weimarischen Hoftheater im Aprilmonath 1796. Leipzig, Göschen, 1796. XVI, 407 S. 15,5 x 9,5 cm. Schöner Halblederband (um 1900) im Stil der Zeit mit rotem Rückenschild. Erste Ausgabe. - Goedeke IV/1, 678, 18, 1. - Beschreibt Iffland in vierzehn verschiedenen Rollen, vielfach in eigenen Stücken, u.a. auch als Franz Moor in Schillers Räubern bzw. Egmont in Goethes gleichnamigem Schauspiel. - Böttiger (1760-1835), der gelehrte klassische Philologe, Archäologe und Berater Goethes, versucht, in dieser seiner ersten selbständigen Veröffentlichung "einem so schnell vorübergehenden, nur in der veränderlichsten Mannigfaltigkeit und in der stets wechselnden Aufeinanderfolge gegründeten Kunstwerke ein dauerhafteres Andenken" zu stiften (S. VI/VII), wie ja auch "Franzosen und Engländer ihre großen Schauspieler in einzelnen sehr interessanten Situationen abgebildet und vervielfältigt" haben. - August Wilhelm Iffland war neben A. v. Kotzebue einer der erfolgreichsten Dramatiker und Schauspieler seiner Zeit. Weimar erlebte unter Goethes Direktion mehr als 350 Aufführungen von über 30 Stücken Ifflands. Auf vier Gastspielreisen trat Iffland auch selbst in Weimar auf. So gab er im Frühjahr 1796 vierzehn Vorstellungen, die Böttiger aufmerksam verfolgt hat. - Mit dem schönen Exlibris des bedeutenden österreichischen Schauspielers Josef Kainz (1858-1910). - Durchschossenes Exemplar, teils mit alten Notizen. - Teils gebräunt, mit Anstreichungen. Zuschlag: 260,00 €
Lot 256 Beendet Springer aus Schneeberg Denkmal der Freundschaft (kalligraphischer Titel). Mit 1 kolorierten montierten Kupferstich, 1 kleinen Aquarell und 1 Flechtkranz. Schneeberg, Hannover u.a., 1818, 1825 und 1828. 183 Bl. mit 34 Einträgen. 12 x 19,5 cm. Lederband der Zeit mit 2 Rückenschildern, etwas Rücken- und Deckelvergoldung, grünen und gelben Buntpapiervorsätzen sowie Goldschnitt (berieben und verkratzt). Identifiziert durch Einträge von Vater Friedrich August Springer in Schneeberg, der Mutter sowie von Bruder und zwei Schwestern, alle 1818. Ein namhafter Beiträger war Springers Lehrer Johann Gotthilf Clauß, verdienter Pädagoge an der Bürgerschule von Schneeberg (1780-1862). Weitere Einträge stammen von dortigen Kaufleuten (Magnus und Alexander Schnorr, Ferdinand Härtel), den Apothekern Christoph L. Wicke in Tostedt und Caspar Gustav Hoffschlaeger in Bremen, dem späteren Berliner Buchhändler Louis Baumgaertner u.a. - Privater Sammlerstempel, gleichmäßig gebräunt, etwas fingerfleckig. Eine Dokumentation liegt bei.
Lot 257 Beendet Stammbuch-Kassette mit 62 eingelegten Widmungsblättern, davon eins mit allegorischem Aquarell. Lübeck, Wismar u.a., 1832-1835. 11 x 17 cm. Leder der Zeit mit reicher Rücken- und Deckelvergoldung. Unter den Beiträgern Johann Heinrich Bartelsen aus Schleswig (1806-1866, Kapitän und Kämpfer für die Unabhängigkeit Dänemarks). - Beigegeben: Stammbuch einer unbekannten Halterin. Württemberg, 1843-1854. 25 Widmungsblätter (davon 1 rückseitig mit Blumenaquarell), 1 aquarellierter Stich und Deckkarton. 9 x 14 cm. Lose in blindgeprägter schwarzer Lederkassette der Zeit mit Umschlag und Schuber. - Unter den genannten Orten Großkuchen (Heidenheim a.d. Brenz) und Obermarchtal. - Tadellos erhalten.
Lot 263 Beendet Zedlitz-Neukirch, Leopold von Huldigungsschrift, oder König Friedrich Wilhelm IV., seine Vorfahren und sein Land. Grünberg unbd Leipzig, Levysohn & Siebert, 1840. Titel, 178 S. 18,5 x 11,5 cm. Pappband der Zeit mit rotem Rückenschild (Kanten etwas berieben). Seltene erste Ausgabe. - Nur in wenigen Bibliotheken nachweisbar, das Exemplar der Stabi "Kriegsverlust". - Titel mit restauriertem Einriss, teils leicht gebräunt.
Lot 270 Verkauft Schöne, J. H Gründliche und ausführliche Anweisung zur Anwendung der Taktschreibmethode in Seminarien und Volksschulen. Zweite, sehr vermehrte ... Auflage. Mit 8 lithographierten Falttafeln. Langensalza, Schulbuchhandlung, 1855. X, 98 S. 18,5 x 11,5 cm. Pappband der Zeit (gering berieben, Signaturetikett). Erstmals 1844 erschienen, ein Vorläufer "Amerikanische oder Takt-Schreibmethode" bereits 1843. Die vorliegende Ausgabe für uns nur in der Bibliothek für bildungsgeschichtliche Forschung Berlin nachweisbar. - Innendeckel und Textbeginn mit Stempel "Süddeutsche Lehrerbibliothek München", deren Bestände 2023 auf verschiedene Institutionen verteilt bzw. verschenkt wurden. - Vorderer freier Vorsatz entfernt, Titel angestaubt, durchgehend etwas wellig. Zuschlag: 500,00 €
Lot 272 Beendet Sailer, Sebastian Marianisches Orakel, Das ist: Heilsame Räthe Mariä von dem guten Rath Ihren Pflegkindern und Verehrern ihres Wunderbildes zu Gennazano, auch dessen durch die katholische, und allein wahrglaubende Christenheit fast allgemeinen Ebenbildern, Auf die in zerschiedenen Zufällen vorgetragene Anfragen ertheilt, und in eine Sammlung gebracht. 2 in 3 Bänden. Mischauflage. Mit 2 gestochenen Frontispizes von G. Pinz nach G. Eichler. Augsburg, Rieger, 1769-1771. 15 Bl., 688 S.; 15 Bl., 480 S.; 4 Bl., S. 482-983. 19 x 11 cm. Lederbände der Zeit (berieben, Rücken mit kleinen Wurmgängen). Band 1 in 3., beide Teile von Band 2 in 2. Auflage. - Goedeke XV, 887, 82. - Vorsätze mit Besitzvermerk von alter Hand, teils etwas gebräunt und fleckig.
Lot 274 Verkauft Vilitz, Johann Regale Sacerdotium, Das ist: Die hochnötige und zugleich anmütige heilsame Lehre, Von dem Geist- und Königlichem Priesterthumb, In dreyen Puncten und Predigten, Als I. Daß alle gläubige Christen durch die Banck, warhafftig Geist- und Königliche Priester, und demnach hochverpflichtet seyn ... II. Worinn solch Geistlich Priesterthumb bestehe? ... III. Und letztens: Von den wichtigen Motiven und Ursachen, warumb überauß hoch von der Noth sey: Solch Geistliches ... Priesterthumb wieder ... in schwang zubringen? In der Pfarrkirchen S. Wiperti zu Quedlinburg Anno Christi 1639. ... zum andernmal erkläret und fürgetragen ... Quedlinburg, Johann Ockel, 1640. 40 nn. Bl. 19 x 15 cm. Geheftet. Einzige Ausgabe, verfasst von dem Schwiegervater Heinrich Ammerbachs, Johann Vilitz, der in "dreyen Puncten und Predigten" das Priestertum behandelt. - VD17 1:063351W - British Library (German books) V390. - Teils etwas stärker gebräunt. Zuschlag: 200,00 €
Lot 277 Verkauft Henriette. Leben einer deutschen Buhlerin Aus der letzten Zeit des achtzehnten Jahrhunderts. Hamburg, Schmidt, 1808. 287 S. 16 x 10 cm. Pappband der Zeit mit rotem Rückenschild (fleckig). Erste Ausgabe. - Gay-L. IV, 12 - Hayn-Gotendorf III, 150: "In Dialogform. Gewidmet denen, die zu rasch über Leidenschaft den Stab brechen, die die Seele nicht vom Körper trennen und vergessen, dass Natur Befriedung bedarf". - Aus der Fürstlich von der Leyen Bibliothek, mit kleinem Besitzstempel auf Titel. Zuschlag: 300,00 €
Lot 278 Verkauft Voß, Julius von Fräulein, Mamsell und Jungfer Kunkel, oder die Streitigkeiten in Alten-Wortklau. Ein Zeitgemälde. Berlin, Schöppel, 1817. Titel, 390 S. 16 x 9,5 cm. Pappband der Zeit mit Rückenschild (Rücken etwas berieben, Ecken etwas bestoßen). Erste Ausgabe. - Goedeke V, 538, 38. - Julius von Voß (1768-1832) darf als "interessantester Judendarsteller der Zeit gelten: Der entidealisierten Lebenstüchtigkeit jüdischer Randexistenz unverkennbar zugetan, konfrontiert er diese wiederholt durch effizienten Einsatz jiddischer Sprache oder (vermeintlich) jüdischer Charakterzüge mit Kunstschwelgerei lebensferner Intellektuellenkreise." (Killy). Voß gilt als der Vater der Berliner Posse und früher Vertreter des Berliner Lokalstücks. "Humoristische Begabung und 'semirealistische Aktualitätsmanier' (Albertsen) erheben ihn zum bedeutenden Seismographen virtueller Zeitströmungen von hoher literaturhistorischer Relevanz." (Killy). - Titel verso mit Stempel "v. Böhl. Cramon" (Johann Friedrich von Böhl, der 1818 in den Adelsstand erhoben wurde; Cramon ist ein Ortsteil der Gemeinde Cramonshagen im Landkreis Nordwestmecklenburg in Mecklenburg-Vorpommern). Zuschlag: 350,00 €
Lot 279 Verkauft Voß, Julius von Der Kirgisenraub, oder die jungen Greise. Ein Roman. Berlin, Voss, 1812. 1 Bl., 430 S. 16 x 9,5 cm. Pappband der Zeit mit Rückenschild (hintere untere Ecke gestaucht). Erste Ausgabe. - Goedeke V, 538, 27. - Julius von Voß (1768-1832) hatte die "Berliner Lokalposse" begründet und darf als "interessantester Judendarsteller der Zeit gelten: Der entidealisierten Lebenstüchtigkeit jüdischer Randexistenz unverkennbar zugetan, konfrontiert er diese wiederholt durch effizienten Einsatz jiddischer Sprache oder (vermeintlich) jüdischer Charakterzüge mit Kunstschwelgerei lebensferner Intellektuellenkreise." (Killy). - Titel verso mit Stempel "v. Böhl Cramon" (Johann Friedrich von Böhl, der 1818 in den Adelsstand erhoben wurde; Cramon ist ein Ortsteil der Gemeinde Cramonshagen im Landkreis Nordwestmecklenburg in Mecklenburg-Vorpommern). - Die letzten Blatt unten etwas gestaucht. Zuschlag: 350,00 €
Lot 194 Verkauft Apuleius, L L'asino d'oro. Tradotto nuouament in lingua vulgare dal ... Pompeo Vinzani. Mit Holzschnitt-Druckermarke auf dem Titel und 59 Textholzschnitten. Venedig, Battista Brigna, 1665. 4 Bl., 248 S. 15,5 x 11 cm. Späterer Pappband mit handschriftlichem Rückenschild (Ecken und Kapitale etwas bestoßen, etwas fleckig und berieben). Seltene italienische Ausgabe mit zahlreichen hübschen Textholzschnitten. - Vorderer fliegender Vorsatz mit ergänzter Fehlstelle, dort mit Besitzvermerk von 1823, gegen Ende mit Wasserrand mit Bug, vereinzelt gering fleckig, insgesamt innen schönes Exemplar. Zuschlag: 280,00 €
Lot 200 Verkauft Casanova de Seingalt, Giacomo Girolamo Denkwürdigkeiten und Abenteuer. Nach der einzigen vollständigen Original-Ausgabe frei bearbeitet von L. von Alvensleben. 17 in 8 Bänden. Mit 43 (statt 42) Holzstich-Tafeln. Dessau, Neubürger, 1864-1865. 17,8 x 11,5 cm. Halbleinwandbände der Zeit mit goldgeprägtem Rückentitel (leicht berieben). Erste der zahlreichen bei Neubürger erschienenen Ausgaben. - Hayn-Gotendorf I, 556 - Fromm 4585 - Childs 144. - Mit 1 Tafel mehr als üblicherweise angegeben. - Gutes Exemplar. Zuschlag: 240,00 €
Lot 204 Verkauft Weikard, Melchior Adam Vom Duell Point d'honneur und dergleichen. Eine Beylage zum Philosophischen Arzt. Frankfurt und Leipzig, Fleischer, 1787. 68 S. 17 x 9,5 cm. Halblederband der Zeit mit goldgeprägtem Rückentitel (Deckel etwas berieben, unteres Kapital mit Wurmgang). Erste Ausgabe, anonym erschienen. - Weikard (1742-1803) war Professor der Medizin in Fulda und vorübergehend auch Leibarzt der Zarin Katharina II. in St. Petersburg. Sein berühmtestes Werk "Der philosophische Arzt" hatte ihm viele Feinde eingebracht, so dass er auch dieses kleine Werk noch anonym verfasste. - Er lehnt das häufige Duellieren als "ritterliche Donquixotterie" ab, die Polizei solle solche "Narren geradewegs nach dem Tollhause schicken", und resümiert: "Man bilde den Staat zu einer aufgeklärten, wohldenkenden, ehrbaren und rechtliebenden Menschengesellschaft: und man wird alsdenn leicht aller Verfügungen für und wider Duelle entbehren können." (S. 67). - Gutes Exemplar. Zuschlag: 240,00 €
Lot 205 Beendet Sammlung von 10 Todesurteilen Österreich, meist Wien, 1827-1844. Doppelblätter, meist 24 x 19 cm. Lose. 10 Todesurteile, meist durch den Magistrat bzw. das Criminalgericht in Wien, wegen Raubmord, Brandlegung und Gatten-Mord. Die Vollstreckung erfolgte durch den Strang. - Einem Sammelband entnommen. - Teils etwas gebräunt und faltspurig.
Lot 213 Verkauft Nadler, Karl Christoph Das Guckkasten-Lied vom großen Hecker. Mit koloriertem Mittelbild in Holzstich (Bildnis Heckers in ganzer Figur mit "Hecker-Hut"), umgeben vom Text sowie 12 kleineren Holzstichen. Ohne Ort, 1848. Einblattdruck. 42 x 33 cm. Aus 17 Strophen bestehendes, gereimtes Lied. - Der Verfasser, der Pfälzer Dichter Karl Christoph Nadler (1809-1849) veröffentlichte es später noch einmal in seinem bekanntesten Werk, "Fröhlich Palz, Gott erhalts!" - Dieser Bilderbogen verspottet den Anführer des gescheiterten badischen Aufstandes vom April 1848. Das ganzfigurige Bildnis im Zentrum des Blattes karikiert Friedrich Hecker (1811-1881) nach der Niederlage in der Schlacht von Kandern am 20. April 1848. Zwar ist der Revolutionsführer in der aus vielen positiven Darstellungen bekannten Weise mit hohen Stiefeln, blauer Bluse, Halsbinde und breitrandigem, federgeschmücktem Hut bekleidet, und er trägt auch die typische Bewaffnung mit Säbel und zwei am Gürtel steckenden Pistolen, doch ist die Figur zum Räuberhauptmann abgewandelt und damit der Lächerlichkeit preisgegeben. Das Bildnis wird von 17 Strophen Text, in die zwölf kleine Illustrationen eingestreut sind, umrahmt. Das Lied parodiert den Ablauf des Aufstandes. Das Blatt erlangte weite Verbreitung. - Mehrfach gefaltet, etwas braunfleckig, teils kurze Einrisse in den Faltungen. Zuschlag: 280,00 €
Lot 233 Verkauft Rothschild-Gebetbuch Codex Vindobonensis Series Nova 2844 der österreichischen Nationalbibliothek in Wien. Faksimile und Kommentar. 2 Bände. Graz, Akademische Druck- und Verlagsanstalt, 1979. 252 Bl., 97 S., 5 Bl. 22,5 x 16 cm. Roter Samteinband und Original-Pappband in Original-Pappkassette mit Rückenschild. Codices selecti, Vol. LXVII. - Eins von 864 (GA 990) nummerierten Exemplaren. Vollständige Faksimile-Ausgabe im Original-Format. - Tadellos. Zuschlag: 280,00 €
Lot 234 Verkauft Sachsenspiegel. Die Heidelberger Bilderhandschrift Cod. Pal. germ. 164 der Handschrift der Universitätsbibliothek Heidelberg. Faksimile, Textband und Kommentar in 3 Bänden. Graz, Akademische Druck- und Verlagsanstalt, 2009. 60, 136, 162 S. 31 x 24 cm (Faksimile); 33 x 25 cm (Text und Kommentar). Original-Lederband mit golgeprägtem Deckeltitel im Original-Holzschuber (Faksimile)/ Original-Leinwandbände. Eins von 580 (GA 600) nummerierten Exemplaren. - Tadellos. Zuschlag: 450,00 €
Lot 240 Verkauft Grimm, Jacob Deutsche Grammatik. 4 Bände. Göttingen, Dieterich, 1822-1837. 21 x 13 cm. Etwas spätere Halblederbände mit goldgeprägten Rückentiteln und Rückenvergoldung (etwas berieben und bestoßen, Deckel teils mit Schab- und Verklebungsspuren). Erste Ausgabe (Teil 1: Zweite Ausgabe). - Goedeke I, 6 (teilweise falsche Datierung) - PMM 281. - Teil 1 in der um die Lautlehre vermehrten 2. Auflage. - "Die Deutsche Grammatik wurde das Vorbild aller folgenden Arbeiten Grimms, ja darüber hinaus der Eckpfeiler der germanischen Philologie." (KLL II, 1050). - Im Innendeckel Exlibris, auf den Titelrückseiten blasser Stempel der Bibliothek des bayerischen Lehrervereins, deren Bestände 2023 auf andere Institutionen verteilt bzw. verschenkt wurden. - Teils stockfleckig. Zuschlag: 240,00 €
Lot 249 Verkauft Sammelband mit 7 Schriften zu den Jesuiten Verschiedene Orte und Verlage. 1766-1774. 16,5 x 10 cm. Pappband der Zeit (Gelenke berieben, Rücken mit Einriss). In der Reihenfolge der Bindung: I. Unumstößliche Gründe, welche verhindern sollen, daß die Vertilgung der Gesellschaft Jesu weder von dem Papst zugestanden, noch von denen Monarchen gefordert werde, So lang dieser Streithandel in dem Zustand seyn wird, in welchem er sich dermalen befindet. Aus dem Französischen in das Deutsche übersetzt. Ohne Ort und Verlag, 1773. 84 S. - II. Zufällige Gedanken, und Sätze über das Verfahren gegen die Jesuiten in dem Kirchenstaat, und über das, was ihnen aus Verhängniß des römischen Hofes vielleicht auch anderswo bevorstehen mag. Straßburg, 1773. 112 S. - III. Merz, A. Der Jesuit vor dem Richterstuhle des Herrn Johann Jacob Moser. Berlin und Frankfurt (das ist: Augsburg), 1774. 102 S. - IV. Stattler, Benedikt. Freundschaftliche Vertheidigung der Gesellschaft Jesu. Berlin und Breslau, 1773. 60 S. - V. Brief, welchen der Pater Neuville Königl. Französischer Hofprediger gewesener Jesuit, nach kund gemachtem Aufhebungsbreve der Gesellschaft Jesu, an einen seiner ehemaligen Gesellen den 3. Sept. 1773 geschrieben hat, Von einem Musenfreunde in deutsche Verse übersetzet. (Gazette de Cologne N. LXXVII). 8 S. - VI. Gesler, Johann Georg. Spanisch-jesuitische Anecdoten, oder aufgefangene Briefe einer spanischen Privatperson an seine vertraute Freundin die Frau von L ... in T. Zweytes-Drittes Stück. Straßburg (das ist: Ulm, Bartholomai), 1767. 112, 104 S. - VII. Vattel, Emer de. Supplément aux Mémoires pour servir à l'histoire de nôtre tems, par rapport aux affaires des PP. Jésuites de Portugal. Frankfurt und Leipzig, 1766. - Zu III.: Antwort des Augsburger Dompredigers und Jesuiten Merz auf Mosers Schrift: Rechtliches Bedencken von Aufhebung des Jesuiter-Ordens, besonders so viel es die Befügnisse eines Evangelischen Reichs-Standes dabey betrifft. - Titel (teils verso) jeweils alt gestempelt, teilweise etwas stockfleckig. Zuschlag: 240,00 €
Lot 251 Verkauft Knorring, (geb. Tieck, auch Bernhardi), Sophie von Flore und Blanscheflur. Ein episches Gedicht in 12 Gesängen. Herausgegeben und mit einer Vorrede begleitet von A. W. von Schlegel. Berlin, Reimer, 1822. XXXIV S., 1 Bl., 293 S. 14,8 x 10 cm. Marmorierter Pappband der Zeit mit schwarzem Rückenschild (Kapital leicht berieben). Erste Ausgabe. - Pataky I, 439. - Sophie von Knorring (1775-1833) war die jüngere Schwester von Ludwig Tieck. 1799 heiratete Sophie Tieck einen Freund und ehemaligen Lehrer ihres Bruders Ludwig, August Ferdinand Bernhardi. Die Eheleute trennten sich im Jahre 1804, nach einer Affäre mit August Wilhelm Schlegel. 1807 wurde diese Ehe geschieden, jedoch folgten noch jahrelange Auseinandersetzungen um das Sorgerecht für die Kinder. Im Frühjahr 1805 reist Sophie Bernhardi zusammen mit ihrem Bruder nach Rom, wo sie zum ersten Mal den estländischen Gutsbesitzer Baron Karl Gregor von Knorring traf. Sie reiste im Jahre 1807 mit von Knorring über München und Prag nach Wien, ehe sie im folgendem Jahr zusammen mit ihrem Bruder Ludwig nach München zurückreiste und mit ihm zusammen lebte. Im Jahre 1810 entschloss sich Bernhardi zum katholischen Glauben zu konvertieren um Karl Gregor von Knorring zu heiraten. Dies war der Anlass eines riesigen Skandals. In diese Kontroverse mischten sich zahlreiche Freunde und Bekannte der Dichterin ein, wie beispielsweise ihr Bruder Ludwig Tieck, August Wilhelm Schlegel, ihr ehemaliger Geliebter, aber auch Friedrich de la Motte Fouque und Johann Gottlieb Fichte. So schrieb Friedrich Schlegel an Ludwig Tieck unter dem 12.05.1813: "Sie hat gewiß herrliche Geistesanlagen; aber Leidenschaftlichkeit und Ehrgeiz haben, wie es mir scheint, ihre Seele sehr zerrüttet". - Das vorliegende Werk ist eine Adaption des altfranzösischen höfischen Romans "Floire et Blancheflor". - Schönes Exemplar. Zuschlag: 260,00 €
Lot 261 Beendet Lange, Johann Christian Ausführliche Vorstellung von einer neuen und gemein-ersprießlichen zu beßtem Behuf und Auffnahm Aller wahren und rechtschaffenen Gelehrtheit gereichenden Anstalt Welche unter Hoch-Fürstl. Nassauischen Auspiciis, nochmals zu öffentlichem Versuch gebracht, unter dem Nahmen und Titul (auch mit dazu behöriger Arbeit und Fleisse) einer Societatis Universalis Recognoscentium, umb gewisse Acta Eruditarvm Recognitionum, (oder Geschichte gelehrter Erkundigungen,) nach und nach heraus zu geben, ... Mit gestochenem Frontispiz und 1 blattgroßen Kupferstich. Und: Acta Eruditarum Recognitinoum, In publicam Lucem & Censuram Societatis Universalis Recognoscentium decenter progressu temporis edenda. ... Gedruckt zu Itzstein, bey Erdm. Andr. Lyce, Fürstl. Hof-Buchtrucker, 1720. 3 Bl., 212, 24 S. 22 x 18 cm. Ungebundene, lose Lagen. Erste Ausgabe, anonym erschienen. - Jöcher, Supplement III, 1223, 37 - Ravier 353. - Seltene Schrift der ersten Idsteiner Offizin (1704-1745, vgl. von der Linde 512ff.). - Lange, ein Anhänger Gottfried Arnolds, war Superintendent und erster Hofprediger in Idstein, zuvor u.a. Professor der Logik und Metaphysik in Gießen. - Sein Vorschlag zur Gründung einer nassauischen wissenschaftlichen Gesellschaft wurde von Leibniz unterstützt, dessen Briefe an Lange sowohl in deutscher Übersetzung als auch im lateinischen Original enthalten sind (S. 94-95, 97-98 und 209-211). - Unbeschnitten und unaufgeschnitten. - Teils stärker gebräunt, teilweise angerändert bzw. randknickspurig.
Lot 264 Beendet Reim-Kalender zum Gebrauche des Dichters. Berlin, Bureau für Literatur und Kunst (das ist Jeremias Heinemann), 1823. VIII, 76 S. 18 x 11,5 cm. Marmorierter Pappband der Zeit mit Rückenschild (bestoßen, Rücken verblichen und mit kleinen Fehlstellen). Für uns nur in der Staatsbibliothek Berlin und in der HAAB Weimar nachweisbarer Reimfinder. Der erste Besitzer ist dem Rat des Vorwortes gefolgt, den Kalender für weitere Reime mit Papier durchschießen zu lassen. Außer zwei kleinen Ergänzungen findet sich lediglich auf die Endung "uckt" (S. 63) ein Reim von älterer Hand in Bleistift: "Zwei Jungfrauen gingen hochbeglückt / In einen Rosengarten / Die eine wurde gleich gefickt / Die andere mußte warten." - Die letzten sechs Seiten enthalten einen Verlagskatalog des 1815 durch den israelitischen Pädagogen und Schriftsteller J. Heinemann gegründeten "Bureau", überwiegend Hebraica. - Exlibris, Stempel und Bleistiftsignatur der Deutschen Technischen Hochschule Brünn, ein Namenszug am Vorsatz abgeschnitten. Sauberes Exemplar.
Lot 271 Verkauft Henzi, Samuel Gottlieb Rudolph Fragmenta Arabica. E codicibus manuscriptis Parisinis nunc primum, publicis sumtibus, Edidit D. R. Henzius. St. Petersburg, Literis Academiae, 1828. VIII, 216, 4 S. 20,5 x 10,5 cm. Halblederband der Zeit mit Rückenschild (Rücken berieben). Erste Ausgabe. - Brunet II, 542 - Euting 856 - Zenker, Bibliotheca orientalis 376. - Titel mit Exlibris-Stempel "Fausti Lasini. Florentini" und der Orientalischen Bibliothek der Universität Rom sowie handschriftlichem Eintrag. - Etwas gebräunt. Zuschlag: 260,00 €