Lot 281 Beendet Wichmann, Johann Ernst Johann Georg Zimmermann's Krankheits-Geschichte. Ein biographisches Fragment für Aerzte bestimmt. Hannover, Helwing, 1796. 48 S. 17,8 x 11 cm. Rückenbroschur. Erste Ausgabe. - Hirsch VI, 263. - Der Schweizer Arzt, Gelehrte, Philosoph und Schriftsteller, Johann Georg Zimmermann (1728-1795) begegnete mehrmals Goethe. Sein 1784/85 erschienenes Hauptwerk "Über die Einsamkeit", in dem das damals aktuelle Thema der Melancholie eine große Rolle spielt, machte Zimmermann im damaligen gebildeten Europa weithin bekannt. Tatsächlich war Zimmermann an einer schweren Depression leidend, "an Leib und Seele krank, verfiel in völligen Trübsinn und geistige Umnachtung." (ADB 45, 273ff.). - Vorliegende Krankheitsgeschichte ist eines der frühesten Zeugnisse einer medizinischen Begleitung in den letzten Monaten des Verlaufs einer schweren psychischen Störung bis zum Tode. - Wichmann (1740-1802) war Hofarzt sowie Armen- und Waisenhausarzt in Hannover. - Die ersten und letzten Blatt leicht gebräunt.
Lot 280 Verkauft Vulpius, Christian August Vulpius, Christian August. Die beyden Majolino oder die Zwillinge. Vom Verfasser des Rinaldo Rinaldini. Neue Ausgabe. 2 Teile in 1 Band. Mit 2 gestochenen Titelvignetten nach Schubert. Leipzig, Fleischer 1805. 1 Bl., 234 S.; 1 Bl., 254 S. 15,5 x 9,5 cm. Pappband der Zeit mit 2 Rückenschildern (Kanten etwas berieben). Zweite Ausgabe, anonym erschienen. – Meier, Verzeichnis der Schriften von Christian August Vulpius, 51 – nicht bei Goedeke. – Nicht im KVK. – Erschien erstmals 1796 unter dem Titel “Maiolino: Ein Roman aus dem sechszehnten Jahrhundert”. – Recht seltener Trivialroman des Schwagers von Goethe. – Titel verso mit Stempel “v. Böhl Cramon” (Johann Friedrich von Böhl, der 1818 in den Adelsstand erhoben wurde; Cramon ist ein Ortsteil der Gemeinde Cramonshagen im Landkreis Nordwestmecklenburg in Mecklenburg-Vorpommern). – Etwas gebräunt. Gutes Exemplar. Zuschlag: 380,00 €
Lot 279 Verkauft Voß, Julius von Der Kirgisenraub, oder die jungen Greise. Ein Roman. Berlin, Voss, 1812. 1 Bl., 430 S. 16 x 9,5 cm. Pappband der Zeit mit Rückenschild (hintere untere Ecke gestaucht). Erste Ausgabe. - Goedeke V, 538, 27. - Julius von Voß (1768-1832) hatte die "Berliner Lokalposse" begründet und darf als "interessantester Judendarsteller der Zeit gelten: Der entidealisierten Lebenstüchtigkeit jüdischer Randexistenz unverkennbar zugetan, konfrontiert er diese wiederholt durch effizienten Einsatz jiddischer Sprache oder (vermeintlich) jüdischer Charakterzüge mit Kunstschwelgerei lebensferner Intellektuellenkreise." (Killy). - Titel verso mit Stempel "v. Böhl Cramon" (Johann Friedrich von Böhl, der 1818 in den Adelsstand erhoben wurde; Cramon ist ein Ortsteil der Gemeinde Cramonshagen im Landkreis Nordwestmecklenburg in Mecklenburg-Vorpommern). - Die letzten Blatt unten etwas gestaucht. Zuschlag: 350,00 €
Lot 278 Verkauft Voß, Julius von Fräulein, Mamsell und Jungfer Kunkel, oder die Streitigkeiten in Alten-Wortklau. Ein Zeitgemälde. Berlin, Schöppel, 1817. Titel, 390 S. 16 x 9,5 cm. Pappband der Zeit mit Rückenschild (Rücken etwas berieben, Ecken etwas bestoßen). Erste Ausgabe. - Goedeke V, 538, 38. - Julius von Voß (1768-1832) darf als "interessantester Judendarsteller der Zeit gelten: Der entidealisierten Lebenstüchtigkeit jüdischer Randexistenz unverkennbar zugetan, konfrontiert er diese wiederholt durch effizienten Einsatz jiddischer Sprache oder (vermeintlich) jüdischer Charakterzüge mit Kunstschwelgerei lebensferner Intellektuellenkreise." (Killy). Voß gilt als der Vater der Berliner Posse und früher Vertreter des Berliner Lokalstücks. "Humoristische Begabung und 'semirealistische Aktualitätsmanier' (Albertsen) erheben ihn zum bedeutenden Seismographen virtueller Zeitströmungen von hoher literaturhistorischer Relevanz." (Killy). - Titel verso mit Stempel "v. Böhl. Cramon" (Johann Friedrich von Böhl, der 1818 in den Adelsstand erhoben wurde; Cramon ist ein Ortsteil der Gemeinde Cramonshagen im Landkreis Nordwestmecklenburg in Mecklenburg-Vorpommern). Zuschlag: 350,00 €
Lot 277 Verkauft Henriette. Leben einer deutschen Buhlerin Aus der letzten Zeit des achtzehnten Jahrhunderts. Hamburg, Schmidt, 1808. 287 S. 16 x 10 cm. Pappband der Zeit mit rotem Rückenschild (fleckig). Erste Ausgabe. - Gay-L. IV, 12 - Hayn-Gotendorf III, 150: "In Dialogform. Gewidmet denen, die zu rasch über Leidenschaft den Stab brechen, die die Seele nicht vom Körper trennen und vergessen, dass Natur Befriedung bedarf". - Aus der Fürstlich von der Leyen Bibliothek, mit kleinem Besitzstempel auf Titel. Zuschlag: 300,00 €
Lot 276 Beendet Seckendorff, Veit Ludwig von Bericht und Erinnerung, auff eine neulich in Druck Lateinisch und Teutsch ausgestreuete Schrifft, im Latein Imago Pietismi, zu Teutsch aber Ebenbild der Pietisterey genannt. Sambt einer Vorrede Philipp Jacob Speners. Ohne Ort und Druck, 1692. 18 Bl., 79 S. 21,5 x 17 cm. - Mit 9 Beibänden zum Thema (s. unten) in Lederband der Zeit über Holzdeckeln mit goldgeprägtem Rückentitel und reicher Rückenvergoldung (etwas berieben, kleine Wurmspuren). Eine von mindestens 6 Druckvarianten im gleichen Jahr (vgl. VD17). - Gegen die 1691 erschienene Schrift "Imago Pietismi" von Albrecht Christian Rotth gerichtet. - Vor- und nachgebunden 9 weitere seltene Drucke, fast alle in mehreren Varianten nachweisbar: 1. Johann Friedrich Mayer. Abgenöthigte Schutz-Schrifft, worinnen wieder die harte und ungegründete Beschuldigungen ... Speners ihren Revers und Religions-Eyfer verthaidiget das Ministerium in Hamburg. Ohne Ort und Druck, 1691. 1 Bl., 86 S. - VD17 12:186040N. - 2. Christian Thomasius. Jacob Ander Sohn, Holsati, Send-Schreiben aus Hamburg, an eine vornehmen Freund, von den Leipzigischen Collegiis Biblicis, und daher so genanten Pietisten. Ohne Ort und Druck, 1689. 4 Bl. - VD17 23:667495P. - 3. Vier theologische Responsa, auff einige des Hamburgischen Ministerii Fragen. Hamburg, Spieringk, 1690. 40 S. - VD17 3:304187S. - 4. Hans Wandal. Chiliasmi veteris et novi orthodoxa consideratio. Kopenhagen, Bockenhoffer für Liebe, 1692. 24 Bl., 267 S. - 5. Johann Wilhem Petersen. Send-Schreiben an einige Theologos und Gottes Gelehrte, betreffend die Frage ob Gott nach der Auffahrt Christi nicht mehr heutigen Tages durch Göttliche Erscheinung den Menschen-Kindern sich offenbahren wolle, und sich dessen gantz begeben habe? Sampt einer erzehlten Specie facti von einem Adelichen Fräulein (Rosamunde Juliane von Asseburg). Ohne Ort und Druck, 1692. 26 Bl. - VD17 23: 308752K. - 6. Derselbe. Weiteres Nachdencken über einige Bedencken ... vom Chiliastischen Reich und Bekehrung der Juden. Ohne Ort und Druck, 1692. 30 S., 1 Bl. - VD17 12:000084C. - 7. Johann Winckler. Schrifftmäßiges wohlgemeintes Bedencken über das Send-Schreiben an einige Theologos. Hamburg, Ziegler für Liebezeit, 1692. 123 S. - VD17 3:003956X. - 8. Johann Friedrich Mayer. Prüfung des Geistes, so sich durch ein Adeliches Fräulein (Asseburg) itzo offenbahren soll. Ohne Ort und Druck, 1692. 16 Bl. - VD17 1:073345Y. - 9. Immanuel Weber. Der ungewissenhaffte Gewissens-Rath ... Bedencken über etzliche Brieffe Johann Ludewig Langhansens ... darinnen er Ihre Churfürstl. Durchl. zur Desertion dero Gemahlin, und ungebührlichen Buhlen-Liebe mit einer gewissen Hof-Dame verleiten wollen. Ohne Ort und Druck, 1692. 4 Bl., 63 S. - VD17 3:006149H. - Etwas gebräunt, wenige schwache Wasserränder, 2 Bl. der Vorstücke von Wandal mit alt gedeckten Papierfehlern im Rand, insgesamt wohlerhaltener und gehaltvoller Sammelband.
Lot 275 Beendet Ehrenpfort, Henning Christoph Abgenöthigte Beantwortung Einer ohnlängst heraus gekom(m)enen Schrift, Die den Titul führet: Gründliche Belehrung Der Hochw. Theol. Facultät zu Rostock Uber VI. Fragen und irrige Lehr-Puncte etc. Nach Maßgebung der H. Schrift, Symbolischen Bücher und Mecklenburgischen Kirchen-Ordnung abgefasset ... Nebst einer Vorrede, In welcher dem Rev. Ministerio zu Güstrow kürtzlich geantwortet wird. Dargun, Rudolph, 1738. 24 Bl., 254 S., 1 Bl. 17,2 x 10 cm. Halblederband (um 1850) mit Rückenschild (etwas berieben). Erste Ausgabe. - Erman & Horn II, 15527. - Wohl eines der wenigen in dem heute keine 5000 Einwohner zählenden Dorf Dargun in Mecklenburg-Vorpommern verlegten Büchern. - Von 1720-1756 war Dargun ein Zentrum des Pietismus durch die im dortigen Schloss lebende Auguste Herzogin zu Mecklenburg, genannt "Prinzessin von Dargun". - Vorgebunden: Derselbe. Das Geheimnis der Bekehrung eines Menschen zu Gott, schriftmäßig entdecket, und nach vorhergehender Summarischen Beschreibung In VII. Puncten ordentlich vorgestellet. Neue, von vorigen Druckfehlern gereinigte Auflage. Leipzig und Königsberg, ca. 1740. 111 S.
Lot 274 Verkauft Vilitz, Johann Regale Sacerdotium, Das ist: Die hochnötige und zugleich anmütige heilsame Lehre, Von dem Geist- und Königlichem Priesterthumb, In dreyen Puncten und Predigten, Als I. Daß alle gläubige Christen durch die Banck, warhafftig Geist- und Königliche Priester, und demnach hochverpflichtet seyn ... II. Worinn solch Geistlich Priesterthumb bestehe? ... III. Und letztens: Von den wichtigen Motiven und Ursachen, warumb überauß hoch von der Noth sey: Solch Geistliches ... Priesterthumb wieder ... in schwang zubringen? In der Pfarrkirchen S. Wiperti zu Quedlinburg Anno Christi 1639. ... zum andernmal erkläret und fürgetragen ... Quedlinburg, Johann Ockel, 1640. 40 nn. Bl. 19 x 15 cm. Geheftet. Einzige Ausgabe, verfasst von dem Schwiegervater Heinrich Ammerbachs, Johann Vilitz, der in "dreyen Puncten und Predigten" das Priestertum behandelt. - VD17 1:063351W - British Library (German books) V390. - Teils etwas stärker gebräunt. Zuschlag: 200,00 €
Lot 273 Beendet Schindler, Johann Sacra Vaticinia de Ecclesiae Christianae statu: Oder Kurtze Delineatio des gantzen Buchs Der Offenbahrung S. Johannis, Und deutliche Erklärung des XII. Cap. aus dem Propheten Daniel, wie solches in unser Deutschen Bibel abgetheilet worden, Nebenst Einem Entwurff des AntiChristlichen Reichs/ und was Gott in seinem Wort uns offenbahret, das vorm Jüngsten Tage annoch Mit dem Pabst und Türcken geschehen soll, ... Braunschweig, Zilliger, 1670. 12 Bl., 143 S. 20 x 16,5 cm. - Angebunden: Derselbe. Tractatus De Regno Chiliastico, Das ist: Von dem erdichteten tausendjährigem Reich Christi auff dieser Erden, Was der alten und neuen Chiliasten Irrthumb sey, und wie solche Opinion jemehr aus dem XX. Cap. der Offenbahrung S. Johannis könne widerlegt werden, als daß jemand sich unterstehen dörffe, daheraus sie zu beweisen; Nebenst einem kurtzen Bericht De futuro Ecclesiae Christianae statu, Was Gott uns in seinem heiligen Wort offenbahret hat, das künfftig annoch mit der Christlichen Kirchen sich werde zutragen biß an den Jüngsten Tag ... Ebda, 1670. 2 Bl., 88 (recte 92) S. Pappband der Zeit (berieben, Kapitale mit Fehlstellen). Erste Ausgaben. - VD17 3:002762H und 3:002760T. - Zwei gegen den Millenarismus oder Chiliasmus gerichtete Schriften des Pastors von St. Andreas in Braunschweig, Johann Schindler (1613-1682). - Die Chiliasten vertraten unter Berufung auf die Johannes-Offenbarung die Ansicht, Jesus Christus werde als irdisches Paradies ein tausendjähriges Reich aufrichten. Meist ging diese Auffassung einher mit dem Glauben an das nahe Ende der gegenwärtigen Welt. Einen erneuten Aufschwung erlebte der Chiliasmus, der auf das dritte nachchristliche Jahrhundert zurückgeht, im 17. Jahrhundert bei verfolgten Gemeinden in England und in den Niederlanden (wie etwa den Quäkern) und im radikalen Pietismus. - Teils etwas gebräunt.
Lot 272 Beendet Sailer, Sebastian Marianisches Orakel, Das ist: Heilsame Räthe Mariä von dem guten Rath Ihren Pflegkindern und Verehrern ihres Wunderbildes zu Gennazano, auch dessen durch die katholische, und allein wahrglaubende Christenheit fast allgemeinen Ebenbildern, Auf die in zerschiedenen Zufällen vorgetragene Anfragen ertheilt, und in eine Sammlung gebracht. 2 in 3 Bänden. Mischauflage. Mit 2 gestochenen Frontispizes von G. Pinz nach G. Eichler. Augsburg, Rieger, 1769-1771. 15 Bl., 688 S.; 15 Bl., 480 S.; 4 Bl., S. 482-983. 19 x 11 cm. Lederbände der Zeit (berieben, Rücken mit kleinen Wurmgängen). Band 1 in 3., beide Teile von Band 2 in 2. Auflage. - Goedeke XV, 887, 82. - Vorsätze mit Besitzvermerk von alter Hand, teils etwas gebräunt und fleckig.
Lot 271 Verkauft Henzi, Samuel Gottlieb Rudolph Fragmenta Arabica. E codicibus manuscriptis Parisinis nunc primum, publicis sumtibus, Edidit D. R. Henzius. St. Petersburg, Literis Academiae, 1828. VIII, 216, 4 S. 20,5 x 10,5 cm. Halblederband der Zeit mit Rückenschild (Rücken berieben). Erste Ausgabe. - Brunet II, 542 - Euting 856 - Zenker, Bibliotheca orientalis 376. - Titel mit Exlibris-Stempel "Fausti Lasini. Florentini" und der Orientalischen Bibliothek der Universität Rom sowie handschriftlichem Eintrag. - Etwas gebräunt. Zuschlag: 260,00 €
Lot 270 Verkauft Schöne, J. H Gründliche und ausführliche Anweisung zur Anwendung der Taktschreibmethode in Seminarien und Volksschulen. Zweite, sehr vermehrte ... Auflage. Mit 8 lithographierten Falttafeln. Langensalza, Schulbuchhandlung, 1855. X, 98 S. 18,5 x 11,5 cm. Pappband der Zeit (gering berieben, Signaturetikett). Erstmals 1844 erschienen, ein Vorläufer "Amerikanische oder Takt-Schreibmethode" bereits 1843. Die vorliegende Ausgabe für uns nur in der Bibliothek für bildungsgeschichtliche Forschung Berlin nachweisbar. - Innendeckel und Textbeginn mit Stempel "Süddeutsche Lehrerbibliothek München", deren Bestände 2023 auf verschiedene Institutionen verteilt bzw. verschenkt wurden. - Vorderer freier Vorsatz entfernt, Titel angestaubt, durchgehend etwas wellig. Zuschlag: 500,00 €
Lot 269 Verkauft Schellenberg, Johann Rudolph Fabeln von Hagedorn, Gleim und Lichtwer. Mit gestochenem Frontispiz und 20 Kupfertafeln von Schellenberg. Winterthur, Steiner, 1777. 6 Bl., 80 S. 17,5 x 10,5 cm. Roter Halblederband im Stil der Zeit mit Rückenschild und Rückenvergoldung. Erste Ausgabe. - Bodemann 165.1 - Lanckoronska/Oehler II, 175. - Schöne Folge von Illustrationen vor landschaftlichem Hintergrund mit "lebendig erfassten Figuren." (Lanck./Oehler). Mit Widmung für Daniel Chodowiecki in Schreibschrift-Type. Das Frontispiz aus der französischen Ausgabe 1780 (bis auf die Inschrift identisch). - Kleines modernes Exlibris, gering gebräunt und stockfleckig, insgesamt frisch. Zuschlag: 450,00 €
Lot 268 Beendet Mosselanus, Fridericus Reuterischer Striegel, und Außwüscher: Wider die von Jesuiten in Reichs: auch andern mehr der Augspurgischen Confessionverwandten Städten eyngeschleichten Schartecken ... angestelt. Mit welchem, Ihren unnothigen, und auffgeworffenen Jesuitischen exolirten drey Fragen, recht abgestriegelt, und ... erwiesen, daß weder Herman Ioseman, noch jemandt anders seiner Societet einigs wegs vermöge ... Newstadt an der Hardt, Schramm, 1608. 18 Bl., 320 S., 6 Bl. - Angebunden: Cambilhom, Johann. Von der Jesuiten Geheimsten Sachen, Kurtze Relation. Auß Dem Lateinischen verteutscht. Ohne Ort und Verlag, 1608. 1 Bl., 29 S. 16,5 x 9,5 cm. Pergamentband der Zeit (tintenfleckig, hinterer Deckel alt beschrieben). Zu I.: VD17 23:281392G - British Library, German books M1448 - De Backer-Sommervogel I, 76 und XI, 421 - Graesse III, 479. - Polemik gegen die verbreitete Homosexualität in der katholischen Kirche, u.a. mit umfangreichen Gedichten. - In Rom sollte man "Buben all außführn, wegen der schrecklichen Sodomey", über Sodomie bei Päpsten, Italienern und Jesuiten, über ein Kloster mit Knabenschändern, die 6.000 Schädel von Kindern, die Papst Gregorius in einem See gefunden hat, Über die Sodomiter-Mönche in Flandern etc. etc. - Zu II.: VD17 12:114891Q - De-Backer-Sommervogel XI, 41 - Der wohl aus Augsburg stammende Johann Cambilhon trat im März 1608 in Augsburg als ehemaliger Jesuit und Exulant aus Graz in der Steiermark auf. Aus dem Orden sei er im Alter von 32 Jahren ausgetreten; Augsburg, die Stadt, die ihm als erste Asyl gewährte, verglich er mit dem biblischen Zufluchtsort Zoar. Seine antijesuitischen Pamphlete, wo er u.a. behauptete, in den Kellern unter der Jesuitenkirche in Graz würden Ordensangehörige gefoltert, Teufel angebetet und Schätze gehortet, sorgten für empörte Gegenreaktionen und Gegenschriften u.a. durch den bedeutenden Ingolstädter Jesuiten Jakob Gretser. - Gebräunt.
Lot 267 Verkauft Richardson, Samuel Pamela oder die belohnte Tugend eines armen doch wunderschönen Dienst-Mädgens, aus ihren eigenen, auf Wahrheit und Natur gegründeten, Briefen entdecket, ans Licht gestellet, und nach der dritten Auflage aus dem Engländischen übersetzt von M. (Johann Mattheson). 6 Teile in 2 Bänden. Frankfurt und Leipzig, ohne Druck und Verlag, 1742. 11 Bl., 40, 454 S.; 654 S. - Angebunden: Derselbe. Pamela, oder die belohnte Tugend, in einem kurtzen Begriff des Dritten und Vierten Bandes (der Originalausgabe), als ein Siebender und Letzter Theil, aus dem Engländischen übersetzet von M. (Mattheson). Hamburg, Wiering Erben, 1743. 1 Bl., 14, 359 S. 17 x 10,5 cm. Lederbände der Zeit mit Rückenvergoldung (berieben, Kapitale ausgefranst, Block von Band 2 etwas ausgebunden, 2 freie Vorsätze entfernt, 1 bekritzelt). Erste, für uns in keinem Exemplar nachweisbare Übersetzung von "Pamela, or Virtue rewarded" (1740-42) durch den Hamburger Musikschriftsteller Mattheson. - Price & Price, Literature 831 (ungenau). - Bereits ab 1743 erschienen neue und vollständige Übertragungen "nach der 6. englischen Auflage", nun regelmäßig in vier Bänden mit Kupfern. Die vorliegende ist noch unillustriert, die Bände 3/4 des Originals sind nur im Auszug übersetzt und als separater Teil 7 angehängt. - Diesem beigedruckt: Neuestes Verzeichniß bisheriger Matthesonischer Wercke von 1708 bis 1742 gedruckt. 8 S. - Umfasst 58 Nummern, die letzte nennt etwas beschönigend 4 Bände "Pamela" bei Wiering, 1742. - Gelegentlich fleckig, Buchblock von Band 2 verschoben, zu Beginn und Ende mit größerem Braunrand, das "Verzeichniß" mit kleiner Wurmspur im Falz, insgesamt benutztes Exemplar. Zuschlag: 750,00 €
Lot 266 Verkauft Reynaert den Vos ofte het Ordeel der Dieren. Mit Titel- und 27 Textholzschnitten. Antwerpen, J. Thys, um 1840. 80 S. - Angebunden: Aerdig Leven van Thyl Ulenspiegel. Mit Titel- und 29 Textholzschnitten. Gent, van Paemel, um 1850. 48 S. 17,5 x 10,5 cm. Roter Halblederband der Zeit mit goldgeprägten Rückentiteln (etwas berieben). Zwei seltene Faksmiledrucke des 19. Jahrhunderts nach Ausgaben des 17., die Approbation des "Reynaert" 1661 datiert. - Stockfleckig und gebräunt. Zuschlag: 300,00 €
Lot 265 Verkauft Reineke Fuchs, das ist ein sehr nützliches, lust- und sinnreiches Büchlein. Mit Holzschnitt-Titelvignette und 40 teils wiederholten Textholzschnitten von Virgil Solis. Rostock, J. Wilde, 1662. 421 S., 9 Bl. (letztes weiß). 16,5 x 10 cm. Lederband der Zeit mit Resten von Rückenvergoldung (berieben, Kapitale defekt). Zweite Ausgabe dieser Bearbeitung in Alexandrinern aus dem Umkreis der Nürnberger Pegnitzschäfer, erstmals 1650. - VD17 39: 120999S - Goedeke II, 322, 3 (datiert 1663). - Gebräunt, letzte Bl. mit Wurmspuren im Kopf- und Fußsteg vom Rückdeckel her. Zuschlag: 380,00 €
Lot 264 Beendet Reim-Kalender zum Gebrauche des Dichters. Berlin, Bureau für Literatur und Kunst (das ist Jeremias Heinemann), 1823. VIII, 76 S. 18 x 11,5 cm. Marmorierter Pappband der Zeit mit Rückenschild (bestoßen, Rücken verblichen und mit kleinen Fehlstellen). Für uns nur in der Staatsbibliothek Berlin und in der HAAB Weimar nachweisbarer Reimfinder. Der erste Besitzer ist dem Rat des Vorwortes gefolgt, den Kalender für weitere Reime mit Papier durchschießen zu lassen. Außer zwei kleinen Ergänzungen findet sich lediglich auf die Endung "uckt" (S. 63) ein Reim von älterer Hand in Bleistift: "Zwei Jungfrauen gingen hochbeglückt / In einen Rosengarten / Die eine wurde gleich gefickt / Die andere mußte warten." - Die letzten sechs Seiten enthalten einen Verlagskatalog des 1815 durch den israelitischen Pädagogen und Schriftsteller J. Heinemann gegründeten "Bureau", überwiegend Hebraica. - Exlibris, Stempel und Bleistiftsignatur der Deutschen Technischen Hochschule Brünn, ein Namenszug am Vorsatz abgeschnitten. Sauberes Exemplar.
Lot 263 Beendet Zedlitz-Neukirch, Leopold von Huldigungsschrift, oder König Friedrich Wilhelm IV., seine Vorfahren und sein Land. Grünberg unbd Leipzig, Levysohn & Siebert, 1840. Titel, 178 S. 18,5 x 11,5 cm. Pappband der Zeit mit rotem Rückenschild (Kanten etwas berieben). Seltene erste Ausgabe. - Nur in wenigen Bibliotheken nachweisbar, das Exemplar der Stabi "Kriegsverlust". - Titel mit restauriertem Einriss, teils leicht gebräunt.
Lot 262 Verkauft Nietzsche, Friedrich Götzen-Dämmerung oder Wie man mit dem Hammer philosophirt. Leipzig, Naumann, 1889. 4 Bl., 144 S. 20,5 x 14,5 cm. Spätere Halbleinwand (leicht berieben). Erste Ausgabe. - Borst 3811. - Eines der umstrittensten Werke Nietzsches, in dem er zentrale Texte seines Schaffens sammelte. Ursprünglich wollte Nietzsche es "Müßiggang eines Philosophen" nennen, er selbst bezeichnete die Schrift als "eine große Kriegserklärung". - Titel mit hinterlegter Läsur, 1 Blatt mit kleinem Randeinriss, Besitzeintrag auf Seite 9 und 51, S. 52 und 53 mit Anstreichung und Anmerkung, leicht gebräunt und vereinzelt gering fleckig. Im Ganzen etwas knapp beschnitten. Zuschlag: 400,00 €
Lot 261 Beendet Lange, Johann Christian Ausführliche Vorstellung von einer neuen und gemein-ersprießlichen zu beßtem Behuf und Auffnahm Aller wahren und rechtschaffenen Gelehrtheit gereichenden Anstalt Welche unter Hoch-Fürstl. Nassauischen Auspiciis, nochmals zu öffentlichem Versuch gebracht, unter dem Nahmen und Titul (auch mit dazu behöriger Arbeit und Fleisse) einer Societatis Universalis Recognoscentium, umb gewisse Acta Eruditarvm Recognitionum, (oder Geschichte gelehrter Erkundigungen,) nach und nach heraus zu geben, ... Mit gestochenem Frontispiz und 1 blattgroßen Kupferstich. Und: Acta Eruditarum Recognitinoum, In publicam Lucem & Censuram Societatis Universalis Recognoscentium decenter progressu temporis edenda. ... Gedruckt zu Itzstein, bey Erdm. Andr. Lyce, Fürstl. Hof-Buchtrucker, 1720. 3 Bl., 212, 24 S. 22 x 18 cm. Ungebundene, lose Lagen. Erste Ausgabe, anonym erschienen. - Jöcher, Supplement III, 1223, 37 - Ravier 353. - Seltene Schrift der ersten Idsteiner Offizin (1704-1745, vgl. von der Linde 512ff.). - Lange, ein Anhänger Gottfried Arnolds, war Superintendent und erster Hofprediger in Idstein, zuvor u.a. Professor der Logik und Metaphysik in Gießen. - Sein Vorschlag zur Gründung einer nassauischen wissenschaftlichen Gesellschaft wurde von Leibniz unterstützt, dessen Briefe an Lange sowohl in deutscher Übersetzung als auch im lateinischen Original enthalten sind (S. 94-95, 97-98 und 209-211). - Unbeschnitten und unaufgeschnitten. - Teils stärker gebräunt, teilweise angerändert bzw. randknickspurig.
Lot 260 Beendet Kant, Immanuel Sämmtliche Werke. Herausgegeben von Karl Rosenkranz und Friedr. Wilh. Schubert. 12 Bände in 13 Bänden. Mit gestochenem Porträt und 1 gestochenen Tafel. Leipzig, L. Voss, 1838-1842. 28 x 13 cm. Halblederbände der Zeit mit 2 Rückenschildern und etwas Rückenvergoldung (berieben und bestoßen, wenige Gelenke angebrochen, 3 Rücken mit Bezugsfehlstellen). Goedeke V, 2, 2 - Adickes 2 - Ziegenfuß I, 643. - Erschien gleichzeitig mit der Hartensteinschen Ausgabe. - Band 11/II enthält die Kant-Biographie von Schubert. - Aus der Bibliothek des deutsch-baltischen Komponisten und Pianisten Eduard Erdmann, dessen Bibliothek von Gesamtausgaben deutscher Literatur 1959 bei Hauswedell in Hamburg versteigert wurde. Alle vorderen Innendeckel mit seinem Exlibris. - Teilweise etwas gebräunt.
Lot 259 Beendet Meyer von Knonau, Ludwig Neue Fabeln. Dritte vermehrte und verbesserte Auflage. Mit gestochenem Frontispiz, gestochener Titelvignette und 58 Kupfertafeln von D. Düringer nach Zeichnungen des Verfassers. Zürich, Orell, 1757. 20 Bl., 166 S., 1 Bl. 20 x 12 cm. Marmorierter Lederband der Zeit mit goldgeprägtem Rückenschild, floraler Rückenvergoldung und marmorierten Vorsätzen (berieben, etwas bestoßen und narbig, hinteres weißes Vorsatzblatt entfernt). Dritte Ausgabe, erstmals 1744 als "Ein halbes Hundert Neuer Fabeln" erschienen. - Goedeke IV/1, 93, 2 - Kat. Wolfenbüttel, Fabula docet 127. - Schöne Folge selbst erfundener und eigenwillig-skizzenhaft illustrierter Fabeln. Die "Critische Vorrede" von J. J. Bodmer. - Exlibris, durchschlagender Stempel von Gottfried Doehler Titel verso, etwas gebräunt und fleckig, Tafel 18 mit teilweise hinterlegtem Einriss, etliche Tafeln vor dem Binden seitlich schmal angerändert.
Lot 258 Beendet Weiss, C. E Amicis amicus (Titelaquarell des Halters). Mit 8 (2 blattgroßen) Aquarellen, 2 kolorierten Kupfern, 11 Lackpapier-Silhouetten und 1 Punktierstich-Silhouette in Sepia, alles montiert. Schneeberg, Eutritzsch, Leipzig, Dresden u.a. Orte, 1803-18. Ca. 160 Bl. (einige entfernt) mit ca. 70 Einträgen. 12 x 19 cm. Lederband der Zeit mit 2 farbigen Rückenschildern, Rückenvergoldung, goldgeprägten Deckelbordüren, marmorierten Vorsätzen und Goldschnitt (berieben). Als Eigner nennt sich auf dem Titelaquarell C. E. Weiss, er wird 1803 in Schönfeld als "Futuro Jurium Culturi" angesprochen und zählt in Leipzig 1808 ff. etliche Juristen zu seinen Kommilitonen. Nach Angabe des Vorbesitzers handelt es sich um Christian Ernst Weiss (1787 Leipzig - 1850 Bautzen), 1821 Appellationsrath in Dresden, 1845 Präsident des Oberlausitzer Appellationsgerichtes. Seine Schulzeit scheint er jedenfalls in Schneeberg verbracht zu haben, dort verabschieden ihn 1803 Rektor Johann Friedrich Schaarschmidt, Konrektor, Kantor und ein "Lycei Collega". Halle 1804 trägt sich mit Punktierstich-Silhouette Georg Christian Knapp ein, Mitdirektor der Franckeschen Stiftungen; Leipzig 1808 u.a. der spätere Advokat Ludwig Gotthold Feder sowie der Jurist Carl Wilhelm August Porsche aus Zittau. 1805 erfolgen in Döhlen bei Dresden einige Einträge, u.a. einer Familie Vollrath, in Dresden selbst inskribiert französisch der Kontrolleuer beim Hofzahlamt Charles Henry Cubaldi. Im hinteren Innendeckel koloriertes Kupfer mit dem beliebten Eintrag "Wer Dich lieber hat als ich - Der schreibe sich hinter mich", unterschrieben Carl Arnold, Dresden April 1813. - Etwas gebräunt und fingerfleckig, am hinteren Vorsatz privater Stempel, insgesamt wohlerhalten.
Lot 257 Beendet Stammbuch-Kassette mit 62 eingelegten Widmungsblättern, davon eins mit allegorischem Aquarell. Lübeck, Wismar u.a., 1832-1835. 11 x 17 cm. Leder der Zeit mit reicher Rücken- und Deckelvergoldung. Unter den Beiträgern Johann Heinrich Bartelsen aus Schleswig (1806-1866, Kapitän und Kämpfer für die Unabhängigkeit Dänemarks). - Beigegeben: Stammbuch einer unbekannten Halterin. Württemberg, 1843-1854. 25 Widmungsblätter (davon 1 rückseitig mit Blumenaquarell), 1 aquarellierter Stich und Deckkarton. 9 x 14 cm. Lose in blindgeprägter schwarzer Lederkassette der Zeit mit Umschlag und Schuber. - Unter den genannten Orten Großkuchen (Heidenheim a.d. Brenz) und Obermarchtal. - Tadellos erhalten.
Lot 256 Beendet Springer aus Schneeberg Denkmal der Freundschaft (kalligraphischer Titel). Mit 1 kolorierten montierten Kupferstich, 1 kleinen Aquarell und 1 Flechtkranz. Schneeberg, Hannover u.a., 1818, 1825 und 1828. 183 Bl. mit 34 Einträgen. 12 x 19,5 cm. Lederband der Zeit mit 2 Rückenschildern, etwas Rücken- und Deckelvergoldung, grünen und gelben Buntpapiervorsätzen sowie Goldschnitt (berieben und verkratzt). Identifiziert durch Einträge von Vater Friedrich August Springer in Schneeberg, der Mutter sowie von Bruder und zwei Schwestern, alle 1818. Ein namhafter Beiträger war Springers Lehrer Johann Gotthilf Clauß, verdienter Pädagoge an der Bürgerschule von Schneeberg (1780-1862). Weitere Einträge stammen von dortigen Kaufleuten (Magnus und Alexander Schnorr, Ferdinand Härtel), den Apothekern Christoph L. Wicke in Tostedt und Caspar Gustav Hoffschlaeger in Bremen, dem späteren Berliner Buchhändler Louis Baumgaertner u.a. - Privater Sammlerstempel, gleichmäßig gebräunt, etwas fingerfleckig. Eine Dokumentation liegt bei.
Lot 255 Beendet Neumeister, Wilhelmine Stammbuch der späteren Gattin des Inspektors (1849 Direktors) der Königlichen Porzellanmanufaktur Meißen, Heinrich Gottlieb Kühn. Mit 1 Stickbild, 2 Aquarellen und 1 Notenseite. Überwiegend Meißen und Dresden, 1807-16. 121 Bl. mit 102 Einträgen. 10,5 x 19 cm. Lederband der Zeit mit Rückenschild, Rückenvergoldung goldgeprägten Deckelbordüren (vorne um die Initialen W.N.), marmorierten Vorsätzen und Goldschnitt (berieben und bestoßen, Vorderdeckel lose). Die Eignerin heiratete 1816 den sächsischen Bergrat Heinrich Gottlieb Kühn, am 28.III.1815 in Meißen prominentester Einträger. Er zitiert das lange, unter dem Titel "Größe" leicht abgewandelte Gedicht "Was ist's, was unsterbliche Geister entzückt" von Mahlmann. Kühn (1788-1870) war seit 1814 technischer Inspektor der Meißner Porzellanmanufaktur, deren Öfen er stark optimierte. Er erfand 1817 das Chromoxidgrün, 1827 die Glanzvergoldung, 1837 die Lüsterfarben; ab 1849 wirkte er als Direktor der Manufaktur. Bereits am 11.IX.1810 trug sich sein Vater ein, der Dresdener Oberkonsistorialrat Carl Gottlieb Kühn ("liebes Mühnchen"), im gleichen Jahr mehrere Cousins und Cousinen Kühn. Wilhelmine selbst war die Tochter des Akzise-Inspektors und Meißner Bürgermeisters Johann George Neumeister; sie starb 1833 nach der Geburt von 4 Söhnen und 5 Töchtern. - Weitere Beiträger sind ihr Onkel G. F. Neumeister in Heldrungen, Postmeister Christian Traugott Miersch in Stauchitz mit Gattin, Gerichtsdirektor Ernst Gottlob Schmorl, seine Gattin (geb. Miersch) und Söhne, die "Vettern" Theodor, Ernst Leberecht und Benjamin Gotthold Weiske (Philologe, 1783-1836), Hofrat Carl August Weiske, der Dresdener Prediger Johann Ludwig Kell (1743-1819) mit Gattin, der Jurist Paul Reinhard (1785-1839), ferner etliche Freundinnen. - Privater Sammlerstempel, wenige Blatt entfernt, gering fingerfleckig, sonst innen gut erhalten. Eine Dokumentation liegt bei.
Lot 254 Beendet Hofmann, Friedrich Freundschaftsalbum des Karlsruher Schülers und Studenten Friedrich Hofmann. Mit 13 Original-Zeichnungen in Gouache, Öl, lavierter Tusche und Bleistift, 1 Presspflanzen-Bouquet, 37 Graphiken (überwiegend Lithographien, teils koloriert) sowie 25 Photographien und Lichtdrucken, meist montiert. Karlsruhe und Heidelberg, 1861-69. 120 Bl. mit 79 teils kurzen, teils ganz- oder zweiseitigen Einträgen. 23,5 x 30 cm. Gold- und blindgeprägter Original-Lederband, am Vorderdeckel vertieftes Oval mit Wappen und Initialen des Eigners in Messing auf Stoffgrund (berieben, bestoßen und gelockert). Enthält Einträge von Vater Wilhelm Hofmann, Mutter, Schwester und Brüdern, ferner Mitschülern, Freundinnen und Freunden, meist in Karlsruhe. Ein Photoporträt von 1865 zeigt den Eigner mit seinem Heidelberger Freund Curt Ritzhaupt, der auch einen langen Eintrag und ein Abschiedsblatt in getönter Lithographie mit kleinem Medaillonporträt hinterlässt. Ein weiteres blattgroßes Photoporträt mit Höhung in Feder scheint den Bruder Carl Hofmann zu zeigen, sein Eintrag von 1862 rückseitig. Der Karlsruher Porträt- und Historienmaler Carl Brünner (1847-1918) steuert eine schöne aquarellierte Allegorie auf den Handel bei, von ihm auch die getönte und eigenhändig signierte Lithographie "Locomotive der grossh. badischen Staatseisenbahn". Unbezeichnet sind ein Bleistift-Bildnis Luthers und eine gouachierte Wappenkartusche gleich zu Beginn. Am 13.III.1862 trägt sich der Botaniker Wilhelm Velten ein, ein montierter Zeitungsausschnitt meldet seinen tödlichen Unfall in den Tiroler Alpen 1876, die von ihm unterzeichnete Illustration herausgeschnitten. Weitere Zeichnungen und Graphiken zeigen Ansichten und Genreszenen, die übrigen Photos und Lichtdrucke meist nach Gemälden oder Graphiken. - Insgesamt 5 Illustrationen entfernt, 2 Bl. lose beigelegt, einige eingefalzt, durchgehend etwas fingerfleckig und mit Gebrauchsspuren.
Lot 253 Beendet Lelly, Chevalier de (das ist F. C. E. von Vaerst) Cavalier-Perspective. Handbuch für angehende Verschwender. Leipzig, Brockhaus, 1836. XXXIV S., 1 Bl., 351 S. 21 x 13 cm. Marmorierter Pappband der Zeit mit handschriftlichem Rückenschild und Bibliotheksetikett (berieben und bestoßen). Erste Ausgabe. - Goedeke XIII, 251, 5a - Hayn-Gotendorf IV, 138 - Horn-Arndt 612. - Vorsatz mit eigenhändiger Widmung von Carl Georg von Maassen für Hilmar von der Recke: "Niemand wandelt ungestraft unter Palmen. Dies zur Beherzigung bei dem Studium dieses Werkes, lieber Hilmar Recke, schrieb Dir am 3. Febr. 1919 Dein Carl Maassen". - Der Beschenkte zählte mit Maassen und Rolf von Hörschelmann zu dem von Erich Mühsam so benannten Kreis der "Balten" oder "adeligen Bibliophilen". - Ein Dandy war auch der Verfasser Friedrich Christian Eugen von Vaerst (1792-1855), preußischer Offizier, Gastrosoph und Literat, der die Vollendung eines genußvollen Lebensstils in Paris fand und hier beschrieb. - Stempel der Lesegesellschaft "Bremer Museum" auf dem Titel, gedruckte Benutzungsordnung in den Innendeckel montiert. Unter der Widmung Exlibris-Stempel Maassens (Stempel 1). - Etwas stockfleckig, zu Beginn und Ende stärker, Außenrand dort auch angeschmutzt.
Lot 252 Beendet Lavater, Johann Kaspar Physiognomische Fragmente zur Beförderung der Menschenkenntniß und Menschenliebe. Erster-vierter Versuch. Vier Bände. Mit vielen Kupfern. Mit 4 gestochenen Titelvignetten, 488 Textkupfern und 343 Kupfertafeln nach Berger, Chodowiecki, Fueßli, Lips, Schellenberg, Tyroff, Wachsmuth u.a. Leipzig und Winterthur, Weidmanns Erben und Reich, und Heinrich Steiner und Compagnie, 1775-1778. 31 x 27 cm. Halblederbände der Zeit mit 2 farbigen Rückenschildern und Rückenvergoldung (etwas berieben und bestoßen, Kapitale von Band 4 mit schmalen Läsuren, die Schilder mit der Bandzählung teils abgerieben). Erste Ausgabe des berühmten Werkes, dessen Drucklegung Goethe besorgte, von dem auch einige Beiträge stammen. - Schulte-Strathaus 77.a - Goedeke IV/1, 262, 31 (Lavater) und IV/3, 139, 131 (Goethe) - Hagen 540 (11 Beiträge Goethes) und 550 (14 Beiträge Goethes) - Lanckoronska/O. III, 93f. - Sammlung Kippenberg I, 578 - Kippenberg, Technik der Silhouette II., 3. - Über ihren heute noch bedeutenden kulturhistorischen Wert als umfassende Darstellung einer obsolet gewordenen Wissenschaft, die damals jedoch in weiten Teilen der Gesellschaft heftig und konträr diskutiert wurde, sind die " Physiognomischen Fragmente" in vieler Hinsicht ein Höhepunkt der deutschen Buchproduktion der Zeit, ein Werk, das "in seiner künstlerisch kostbaren und reichen Ausstattung und dem vorbildlichen Typensatz nicht nur zu den originellsten, sondern auch schönsten illustrierten Büchern aus der zweiten Hälfte des 18.Jahrhunderts" gehört.(Lanckoronska/O. II, S. 222). - In ca. 750 Exemplaren gedruckt. - Innendeckel mit gestochenem Wappen-Exlibris. - Innen überwiegend sehr sauberes, nahezu fleckfreies Exemplar.