Lot 153 / Auktion 27 – ARCHIV
Occulta - Vampirismus - - Tallar, Georg. Visum Repertum Anatomico-Chirurgicum oder Gründlicher Bericht von den sogenannten Blutsäugern, Vampier, oder in der wallachischen Sprache Moroi, in der Walachey, Siebenbürgen, und Banat, welchen eine eigends dahin abgeordnete Untersuchungskommission der löbl. k. k. Administration im Jahre 1756 erstattet hat. Wien und Leipzig, Mösle, 1784. 86 S., 1 Bl. 17 x 10 cm. Pappband der Zeit mit Rückenschild (etwas fleckig). Sehr seltene erste Ausgabe. - Petrik III, 578 - Bibliotheca Carpatica 4939. - Der Militärchirurg Georg Tallar untersuchte ab 1753 als Teil einer Inquisitionskommission im Auftrag der banatischen Landesadministration Vampirvorfälle in den rumänisch besiedelten Dörfern Klein Dikvan (heute Ticvaniu Mic), Sebell (wahrscheinlich Jebel bei Temesvár) und Kallatsa nördlich von Temesvár. Er war ein sehr erfahrener Chirurg, ausgebildet in Straßburg und seit über 18 Jahren bei verschiedenen österreichischen Regimentern vor allem am Balkan eingesetzt. Nach eigenem Bekunden war er bereits 1724 in Deva in Südsiebenbürgen und 1728 in Oburscha in der damals zum Habsburgerreich gehörenden Kleinen Walachei mit "vampiristischen" Vorfällen konfrontiert gewesen, bevor er im Banat tätig wurde. In drei Dörfern ließ Tallar Exhumierungen durchführen und untersuchte die Leichname von innerhalb der letzten drei Monate unter "verdächtigen" Umständen Verstorbenen. Als er keine Bestätigung für das Vorhandensein von übernatürlichen Einflüssen fand, erweiterte er sein Tätigkeitsfeld und wandte sich den Lebensumständen und Ernährungsgewohnheiten der Bevölkerung zu. Als Resultat sah er den Vampirwahn als ausschließlich die rumänische Bevölkerung betreffend, die unter dem schädlichen Einfluss von "Kalugern und orthodoxen Popen" stünde, welche die Gläubigen zum eigenen Machterhalt in Unmündigkeit und wahnhafter Furcht hielten. Dazu kämen einerseits die strengen und zeitlich überzogenen Fastengebote der orthodoxen Kirche mit dem ausschließlichen Konsum gekochten oder eingelegten Gemüses, was zu Mangelerscheinungen und Auszehrung führte, während andererseits die Völlerei zu den christlichen Festen den geschwächten Körpern noch weiter zusetzte. Aberglauben und krankheitsbedingte Halluzinationen, die Behandlung der Kranken durch Einschmieren mit dem Blut ausgegrabener Kadaver von Verstorbenen, die für Vampire gehalten wurden, sorgten für eine wirkungsvolle Basis des Vampirglaubens. - Titel mit altem Stempel einer Hamburger Gesundheitsbehörde, vorderer Innendeckel mit deren Exlibris des 19. Jahrhunderts. - Teilweise leicht gebräunt. - Sehr gutes Exemplar des seit Jahrzehnten nicht auf deutschen Auktionen nachweisbaren Werkes.
* Dieses Los ist regelbesteuert. Auf den Zuschlagspreis fallen 23% Aufgeld sowie innerhalb der EU auf den Rechnungsendbetrag 7% Mehrwertsteuer an.