Lot 38 / Auktion 27 – ARCHIV
Pollhammer, Josef. Gedenkbuch (Deckel- und Rückentitel). Zum Andenken gewidmet von J. P. (bis zur Unlesbarkeit ligiert). Aussee am 17. Dezember 1860 (Titel). Mit kalligraphischem Titelblatt in Gold und Farben sowie montierter aquarellierter Medaillon-Ansicht in gleich gestaltetem floralen Rahmen, beide Bl. brauner Karton. 1860-1955. 370 nn. S. Geglätteter brauner Lederband der Zeit mit reicher Romantiker-Vergoldung sowie partieller Höhung in Grün und Rot auf Rücken und Deckeln, Goldschnitt und Vorsätzen aus weißer Moiré-Seide; Binderetikett “Eduard Hörnig, Buchbinder, Portefeuilles und Papp-Galanterie-Arbeiter in Gmunden Seeplatz N. 4” (gering berieben und bestoßen, unteres Kapital teilweise gelöst).Die Zuschreibung an den Schriftsteller und Dichter Josef Pollhammer (1832-1903) folgt den im “Gedenkbuch” erkennbaren Familienzusammenhängen. Pollhammer war der Sohn eines k.k. Postmeisters in Aussee. Das Jurastudium in Wien schloss er 1858 mit der Promotion ab, nach seinem Referendariat in Wien wurde er 1864 Notar in Gföhl, 1878 in Krems. Pollhammer verkehrte in jungen Jahren in literarischen Kreisen, gewann u.a. die Freundschaft Grillparzers und Bauernfelds und machte durch Lyrikveröffentlichungen auf sich aufmerksam, etwa “Gedichte” (1863). – Das vorliegende “Gedenkbuch” war ein Geschenk für seine jüngere Schwester Eleonore, genannt “Lori” (1843-1914), zu ihrem 17. Geburtstag am 17. Dezember 1860. Diese heiratete am 3. Februar 1864 den Forstdirektor und Ministerialrat Hermann Robert Bretschneider (1834-1904). Das “Gedenkbuch” erfüllte eine Doppelfunktion als poetischer “Ewiger Kalender” und als Stammbuch. Als solches wurde es von Eleonores gleichnamiger Tochter (verh. Ultzmann; geb. 1883) fortgeführt. – Zunächst hat Josef Pollhammer für jeden Tag des Jahres ein Gedicht eingetragen, eingerahmt von zwei weiteren Gedichten zum Neujahrs- und Sylvestertag. Das Korpus umfasst sowohl eigene Texte, als auch Sprichworte, Lebensweisheiten und Gedichtzitate nach Geibel, Engelhart, Tiedge, Schenkendorf u. a. – Später wurde der Kalender auch als Stammbuch genutzt, in welches sich 1861-90 an Gedenktagen ca. 60 Personen eingetragen haben; 1939-55 weitere ca. 32. Aus der älteren Periode sind hervorzuheben: I. Arthur von Wolff, preußischer Staatsrat (1828-1898). – II. Marie Egner, Malerin (1850-1940). – III. Irene von Brennerberg, Violinistin (1873-1922). – IV. Franz von Brennerberg, Bürgermeister von Kronstadt (1833-1900). – V. Eduard Hanausek, Professor der Warenkunde in Wien (1851-1911). – VI. Karl Petraschek, Forstwirt (1846-1928). – VII. Therese Etzelt, Sopranistin. – VIII. Johann, Hermenegild und Seraphia Pollhammer, Mutter und Geschwister des Dichters und der Stammbuchhalterin. – IX. Mitglieder der Familien von Wurmb und von Henning auf Schoenhoff. – X. Carl Balz Edler von Balzberg, Oberbergrat (1837-1899) . – Aus der späteren Periode sind erwähnenswert: XI. Wilhelm Junck, Generalmajor (1878-1953). – XII. Robert von Pohl, Generalstabchef (1876-1947). – XIII. Wilhelm Friedrich Ludwig Kühnert, Kirchenhistoriker (1900-1980). – XIV. Alfred Härtlein , Militärschriftsteller (1869-1961). – Das farbfrische Eingangsaquarell zeigt eine Ansicht des Aussee benachbarten Grundlsees mit dem markanten Massiv des Lofer, im Vordergrund ein Haus mit Altane, Strand- und Badehütte sowie Rehen als Staffage. – Gut erhaltenes, schön gebundenes Unikum.
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