Lot 4 / Auktion 30

Biblia latina

Ergebnis 35.000,00 €

Lot 4 / Auktion 30

Biblia latina

Biblia latina - Lateinische Handschrift auf Pergament. Perlschrift in brauner und roter Tinte. Sehr kleine Texturschrift. Überschriften in Rot, Anfangsbuchstaben, Kapitelzählung, Kolumnentitel durchgehend blau-rot alternierend, z. T. mit einfachen Fleuronéelinien besetzt. Prologe durch größere feine Fleuroneéinitialen ausgezeichnet (z.B. 270r, 276r), sämtliche Buchanhänge durch Deckfarbeninitialen in quadratischer Rahmung mit Stabschäften bzw. Stabausläufern an den Rändern, gebildet aus blauen und rosa Drachenkörpern und sich verbeißenden Tierköpfen mit ornamentaler Spiralrankenfüllung auf Farbgrund, gelegentlich eingezeichnete (z.B. 176r. 245v) oder aufsitzende (z.B. 1231, 169v) V�gel. Ir F(rater Ambrosius) und 3r 1(in principio creavit deus) große, sich über die Blatthöhe erstreckende Rankeninitialen, beim Genesis-Anfang blau-rote, sehr feine Ornamentleiste zur Einfassung der Kolumnentitel. Nordfrankreich. 2. Hälfte 13. Jahrhundert. 387 Bl. in Lagen zu je 7 Doppelblättern, Blattgröße: 170 x 115 mm, Schriftspiegel: 122 x 73 mm, 2 Kolumnen, je 51-58 Zeilen mit feiner Abschnittzählung 1-5 zwischen den Kolumnen. Roter Maroquinband des 18. Jahrhunderts mit reicher Rahmen-, Rücken-, Steh- und Innenkantenvergoldung, dunkelgrünes Rückenschild, Marmorpapiervorsätze (Ecken und Kapitale restauriert).
Perlschriftbibel in sehr kleiner Texturschrift mit reicher Initialenausstattung. Gesamtbibel als besonders sorgfältige Werkstattarbeit aus der Tradition der Ende des 12. Jahrhunderts von Paris ausgehenden, über das ganze 13. Jahrhundert überwiegend in Nordfrankreich fortgeführten Serienproduktion von Taschenbibeln für den individuellen Gebrauch besonders durch den niederen Klerus des gesamten Abendlandes. Die Handschrift enthält den vollständigen Vulgatatext des Alten und Neuen Testaments mit den Prologen des Hieronymus und den Erklärungen der hebräischen Namen, die Stephanus Langton zugeschrieben werden. Nach der Apocalypse des Johannes (341 342r) sind der im Text übersprungene Hiob-Prolog und der Schluss der Sprüche Salomonis nachgetragen. An den Rändern Korrekturen der Haupthand (meist sorgfältig rot eingekastelt) sowie anderer Hände bzw. Benutzer des 13. und 14. Jahrhunderts. Im Anhang Perikopenverzeichnis (14. Jahrhundert) für das Kirchenjahr de tempore, de sanctis und commune sanctorum nach franziskanischem Ritus, im Kolophon als Werk eines "angesehenen Mannes" Oliverius Forcete ("Explicit opus domini ouliuerij forcete viri circumspecti") bezeichnet. Danach (auf den 5 Schlussblättern) von anderer Hand (Anfang 15. Jahrhundert) die Abschrift des Sendschreibens über kirchliche Visitationen: "De extorsionibus non faciendis pre textu visitationis" von Gegenpapst Benedikt XIII., Avignon vom 18. Dez 1395. - Reklamationen fast alle erhalten, am Anfang fehlen wahrscheinlich 1 weißes Bl., nach Bl. 342 zwei weiße Bl., außerdem fehlen Bl. 335 und 336 mit 5 Buchanfängen und den entsprechenden Initialen zu Joh.brief 1-3, Judasbrief und Offenbarung. Blattzählung des 15. Jhs., dabei Bl. 173 doppelt gezählt. Aus Bl. 312 ist eine Initiale P(aulus) ausgeschnitten und sorgfältig mit eingeklebtem weißen Pergament - wie sehr viele der gesamten Handschrift an den unteren Ecken (ohne Textverlust) - ergänzt. Anhang von 16 ungezählten Blättern aus stärkerem Pergament. - Zur Provenienz: Zur Geschichte der Handschrift sind zunächst von Interesse die über den ganzen Codex an den Rändern notierten und teilweise gezählten Abschnitte (terminatus) einer Gesamtlesung der Bibel an den einzelnen Sonn- und Werktagen des Kirchenjahres sowie 101r unten und am Schluss des Codex, die derselben Hand zugehörigen Einträge (in sehr fehlerhaftem Latein) vom Mai und Dezember 1695 eines Mönchs aus der berühmten Kartause Montello (St. Maria und St. Hieronymus, 1349-1810, Provinz Treviso in Venetien) mit Bezugnahme auf einen älteren Mönch Augustinus Canalisinius. 1817 war die Handschrift nach einem Eintrag im Vorsatz im Besitz des berühmten Musikhistorikers, Privatgelehrten und Sammlers Georg Johann Daniel Pölchau (1773-1836, aus Cremon/Livland), dessen Nachlass und Bibliothek in den Besitz der Kgl. Bibliothek Berlin übergegangen ist. Dieser Band blieb im 19. Jahrhundert im Besitz der Familie: der Sohn Hermann Pölchau (geb. 1816), Jurist in Berlin, schenkte ihn 1899 seinem Sohn Harald Poelchau (1866-1938, Pfarrer in Schlesien und Hamburg).

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