Lot 404 / Auktion 30 – ARCHIV
Liber amicorum - Stammbuch aus den vorpommerschen Familien Scheven und Picht. Mit 3 Aquarellen (1 blattgroß), 1 kleinen Bleistift- und 3 kleinen Federzeichnungen. Überwiegend Schönhoff (Schönhoff-Brandshagen), Stralsund und Gingst auf Rügen, 1807-25. 34 Einträge und zahlreiche leere Bl. 10 x 18,5 cm. Hellroter Pappband der Zeit mit Maroquinprägung, etwas Vergoldung auf Rücken und Deckeln und grünen Lackpapiervorsätzen im Schuber mit gleichem Bezug (etwas berieben und bestoßen, der Schuber stark, ein Deckel mit Knickspur). Offenbar von zwei Halterinnen nacheinander benutzt: Am 8.X.1807 trägt sich in Schönhoff Mutter Scheven geb. Giese ein, am 2.XII.1825 in Gingst Vater A(dolph) W(ilhelm) Picht. Bindeglied ist "Tante Charlotte Picht" auf dem dritten Blatt Gingst, 15.I.1808, auf der Rückseite nochmals Gingst 10.X.1825. Hierzu ihr Vermerk: "Im Besitz von diesen beiden (Tugenden) war meine verstorbene junge Freundin, für die ich die Zeilen auf der vorigen Seite vor 15 (recte 17) Jahren schrieb: iezt bist du an ihrer Stelle; mögest du . mich nur ebenso lieben, wie mein verstorbenes edles Bienchen (?) liebte." - Adolph Wilhelm Picht (1773-1857) war Sohn und Nachfolger des Gingster Pastors und bedeutenden Sozialreformers Johann Gottlieb Picht. Der Sohn erhielt gemeinsam mit Caspar David Friedrich und Ernst Moritz Arndt Zeichenunterricht bei Quistorp. Sein eigenes, 2016 in München versteigertes Stammbuch enthielt ein frühes Original-Aquarell von Friedrich. Das hier eingemalte blattgroße Aquarell kopiert weitgehend das Titelblatt von Pichts Album (Katakombe der Freundschaft mit Palmen), der gegenüberliegende Eintrag ist mit "Ferdinand Usedom" unterschrieben und Gingst, 28.I.1808 datiert. Ein weiterer Eintrag stammt von Pichts Tochter Flora, die Gingst, 6.XI.1825 als Schwester unterschreibt. - Familie Scheven, aus der die erste Halterin stammte, saß auf Gut Schönhoff bei Brandshagen, weitere Einträge dieses Namens stammen von dort und aus Stralsund. In Brandshagen trugen sich mehrere Mitglieder der Familie Kellmann ein, in Stralsund ferner Träger des Namens Brandenburg. - Wenige Bl. mit Knickspuren, sonst wohlerhalten.
Dieses Los ist differenzbesteuert. Auf den Zuschlagspreis fallen 30% Aufgeld an. Die Mehrwertsteuer ist enthalten aber nicht ausweisbar nach §25a UstG.